Notärztin Andrea Bergen - Folge 1278 - Marina Anders - E-Book

Notärztin Andrea Bergen - Folge 1278 E-Book

Marina Anders

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Beschreibung

Nach einem schweren Unfall ist die schöne Dr. Susanne Kaufmann querschnittsgelähmt, doch mit unbeugsamem Willen kämpft sie sich zurück ins Leben. Ihr gelingt, was in der Fachwelt als Wunder gefeiert wird: Sie lernt wieder gehen und kann sogar in ihren Beruf als Chirurgin zurückkehren. Doch die Liebe ihres Lebens, Henrik Sodermann, hat sie verloren, als sie ihn wegen ihrer plötzlichen Behinderung freigegeben hat ... Nacht für Nacht träumt sie von einem Wiedersehen mit Henrik, ohne darauf wirklich hoffen zu dürfen. Aber ihr Wunsch wird ihr auf tragische Weise erfüllt, als Hendrik, todkrank, auf ihrem OP-Tisch landet. Da bleibt Susanne nur noch die eine Wahl: das Unmögliche zu wagen oder alles zu verlieren ...

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Inhalt

Cover

Impressum

Dr. Kaufmann gibt nicht auf!

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2015 by Bastei Lübbe AG, Köln

Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: shutterstock / Syda Productions

Datenkonvertierung E-Book: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam

ISBN 978-3-7325-1674-2

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

»Ich werde sein Leben retten – um jeden Preis und unter allen Umständen!«

Anders als Dr. Susanne Kaufmann haben meine Kollegen und ich die Hoffnung längst aufgegeben, Henrik Sodermann noch helfen zu können. Er leidet an Bauchspeicheldrüsenkrebs im fortgeschrittenen Stadium, und allem ärztlichen Ermessen nach gibt es keine Rettung mehr für ihn!

Doch unser Klinikleiter Professor Hebestreit konnte Susanne ihren sehnlichsten Wunsch nicht abschlagen, in einer letzten, entscheidenden Operation noch einmal alles zu wagen! Für Susanne ist Henrik nicht irgendein Patient – sondern die Liebe ihres Lebens, den sie so lange schmerzlich vermisst hat! Und für ihn wagt sie nun, nach den Sternen zu greifen und das schier Unmögliche zu wagen …

»Ich bin im Büro, falls man mich braucht«, wandte Notärztin Andrea Bergen sich an die Kollegen in der Notaufnahme. Gerade waren sie mit dem Rettungswagen zurückgekommen, und sie wollte gleich den Einsatzbericht schreiben.

Doch da wurde sie zu einem neuen Einsatz gerufen.

»Schwimm- und Tauchcenter West«, antwortete Jupp Diederichs, der Fahrer des Rettungswagens, auf ihre Frage, wohin sie mussten. »Eine ältere Frau hat einen Herzinfarkt erlitten.«

Nach kurzer Fahrt erreichten sie ihr Ziel. Jupp brachte den Rettungswagen vor einem der Seiteneingänge zum Stehen. Ausgerüstet mit Notfallkoffer und Trage, betrat das Notarztteam, zu dem auch der Rettungssanitäter Ewald Miehlke gehörte, das Gebäude und wurden von einem Bediensteten zu der Patientin geführt.

Die ältere Frau lag auf einer Matte am Beckenrand. Ein Handtuch war über sie gebreitet, ein Sanitäter kniete neben ihr.

»Plötzlich ging sie unter«, berichtete der Bademeister. »Jetzt hat sie sich wieder ein wenig erholt, aber erst war sie ganz grau im Gesicht.«

Andrea Bergen fiel auf, dass die Frau die Hand über dem Handtuch in die Brust gekrallt hatte, eine typische Geste bei einem Herzinfarktpatienten. Doch als sie jetzt die Augen öffnete, stand in ihrem Blick nicht die übliche Todesangst, sondern nur Verwirrung.

»Mir ist so schwindlig, Annette«, murmelte sie und schloss die Augen wieder.

Die Patientin war offenbar in Begleitung. Andrea Bergen blickte sich kurz um, konnte jedoch keine andere Frau entdecken, die zu ihr gehören könnte.

»Wer ist Annette?«, fragte sie den Bademeister.

»Keine Ahnung«, erwiderte dieser. »Sie war allein im Becken. Sonst hatte sie immer eine Freundin dabei, aber nicht heute.«

»Haben Sie Schmerzen in der Brust?« Andrea Bergen war sich fast sicher, dass sie es mit keinem Herzinfarkt zu tun hatten, auch nicht mit einem Schlaganfall.

»Nein«, war die kaum wahrnehmbare Antwort. »Mir ist nur schwindlig im Kopf.«

Inzwischen hatte Andrea Bergen den Blutdruck gemessen. Er war völlig im Keller, dafür waren Puls und Herzfrequenz stark erhöht.

»Haben Sie Kopfschmerzen?«

Die Patientin antwortete nicht, starrte sie nur verständnislos an. Andrea Bergen wiederholte ihre Frage. Doch auch diesmal bekam sie keine konkrete Antwort.

»Schwindlig«, sagte sie nur. »Annette.«

Dr. Bergen injizierte ihr ein Mittel zur Stabilisierung des Kreislaufs und stellte ihr noch einige Fragen, doch die Frau gab nur Ungereimtheiten von sich. Wenigstens war sie in der Lage, ihren Namen zu nennen. Sie hieß Helga Seyboldt.

»Wir werden Sie jetzt ins Elisabeth-Krankenhaus zur gründlichen Untersuchung bringen, um den Ursachen Ihres Zusammenbruches auf die Spur zu kommen.« Die Notärztin gab ihren beiden Sanitätern Anweisung, die Patientin auf die Trage zu betten und in den Rettungswagen zu bringen.

»Meine Sachen.« Helga Seyboldt fasste nach dem Schlüssel, den sie am Träger ihres Badeanzugs befestigt hatte.

»Die nehmen wir mit.« Andrea Bergen entfernte den Schlüssel und bat den Bademeister, die Sachen der Patientin zu holen.

Ihr Blick fiel durch die große Glaswand, hinter der das Tauchbecken lag. Mehrere verlassene Rollstühle standen am Beckenrand. Die Notärztin vergaß einen Moment lang ihre Patientin, als sie sah, wie ein junger Mann samt seinem Rollstuhl ins Wasser gelassen wurde. Zwei Personen in kompletter Tauchermontur begleiteten ihn hinunter in die Tiefe.

»Erstaunlich«, murmelte Andrea Bergen, und auch Jupp Diederichs und Ewald Miehlke beobachteten die Szene mit sichtlicher Verblüffung.

Inzwischen war der Bademeister mit den Sachen der Patientin zurück. Andrea nahm die Badetasche in Empfang, dann brachten sie die Patientin in den Rettungswagen.

Auf dem Weg zum Krankenhaus legte sie der Patientin ein EKG an, doch auch das brachte keinen Hinweis auf eine Erkrankung des Herzens. Die Symptome der Patientin mussten andere Gründe haben.

In der Notaufnahme wurde Helga Seyboldt noch einmal gründlich untersucht und dann auf die Innere Station gebracht. Andrea Bergen begleitete sie nach oben und sprach mit Oberärztin Lore Keller, mit der sie auch privat befreundet war.

»Ihre Beschwerden können auch seelisch bedingt sein«, meinte die Internistin. »Zwar haben Schwindelsymptome fast immer organische Ursachen, zum Beispiel Dauerverspannungen in Muskulatur und Bindegewebe, aber es gibt auch Situationen, in denen sie besonders verstärkt auftreten. Stress und seelische Belastungen zum Beispiel.«

Die Notärztin nickte nachdenklich. »Ja, daran dachte ich auch. Finde heraus, wer Annette ist. Vielleicht liegt da der Schlüssel zu ihren Beschwerden.«

***

Bevor Andrea Bergen an diesem Abend nach Hause fuhr, ging sie noch auf die Innere Station, um nach Helga Seyboldt zu sehen.

Zu ihrer Überraschung sah die Patientin ihr schon wieder ganz munter entgegen. Schon an ihrem Blick konnte sie erkennen, dass sie wieder vollkommen bei Bewusstsein war.

»Ich habe Sie schon mal gesehen, Frau Doktor, kann mich im Moment aber nicht so recht erinnern«, gestand sie mit einem verlegenen Lächeln.

»Ich bin Dr. Bergen, die Notärztin, die Sie eingeliefert hat.« Lächelnd betrachtete Andrea die ältere Frau, die wieder Farbe im Gesicht bekommen hatte.

»Ja, richtig.« Helga Seyboldt machte nicht den Eindruck, als könnte sie sich tatsächlich erinnern.

»Wie ich sehe, geht es Ihnen schon besser.«

»Ja, sehr viel besser. Im Schwimmbad kannte ich mich plötzlich gar nicht mehr aus. Mir war so schwindlig, und ich wusste nicht mehr, wo ich war und warum plötzlich so viel Wasser um mich war. Ich hatte Angst.« Sie schluckte.

»Und Sie fragten nach Annette. Ist das Ihre Freundin oder eine Verwandte?«

»Annette.« In Helga Seyboldts Augen schimmerte es feucht. »Sie war meine beste Freundin und Kollegin. Vor drei Wochen ist sie gestorben. Der Krebs kam zurück, und dann ging alles ganz schnell.«

»Das tut mir sehr leid, zu hören.« Andrea Bergen drückte ihr kurz den Arm. »Sie haben sich das sehr zu Herzen genommen, nicht wahr?«

Die Patientin senkte den Kopf. »Wir standen uns so nahe wie Schwestern. Ich vermisse sie schrecklich.«

»Hat Dr. Keller mit Ihnen über die Möglichkeit gesprochen, dass Ihr Schwindel psychosomatische Ursachen haben könnte? Weil Sie zum Beispiel den Tod Ihrer Freundin nicht verkraftet haben?«

»Ja, die Frau Oberärztin sprach davon. Sie meinte aber auch, dass es an meinem niedrigen Blutdruck liegen könnte. Da kommt es zu einer Minderdurchblutung im Gehirn. Deshalb habe ich diese Schwindelanfälle und sogar Bewusstseinsstörungen. Dann bekomme ich Angst, und alles wird noch schlimmer. Ich wäre deshalb beinahe ertrunken.«

»Gut, dass gleich jemand zu Hilfe gekommen ist.« Andrea lächelte die Patientin aufmunternd an. »Aber zum Glück war es kein Herzinfarkt oder Schlaganfall, wie ich erst angenommen hatte. Mit Medikamenten können Ihre Beschwerden wieder reguliert werden.«

»Das meinte auch Dr. Keller. Außerdem soll ich mich zur sensomotorischen Körpertherapie anmelden. Und mich einer Trauergruppe anschließen, wenn ich meine Trauer nicht allein verarbeiten kann.«

»Ich finde es gut, dass Sie weiterhin schwimmen gehen«, meinte Andrea Bergen. »Waren Sie mit Ihrer Freundin oft im Schwimm- und Tauchcenter?«

»Ja, drei Mal die Woche trafen wir uns zum Schwimmen. Annette war noch eine größere Wasserratte als ich. Haben Sie die Rollstuhlfahrer im Tauchbecken gesehen? Annette war schwer beeindruckt von ihnen. Sie hat gesagt, wenn sie mal nicht mehr laufen kann, will sie trotzdem weiterhin tauchen. Das liebte sie nämlich.« Helga seufzte traurig auf. »Aber so weit ist es nun nicht mehr gekommen.«

»Tauchen Sie auch, Frau Seyboldt?«

»Nein. Ich konnte dem Tauchsport nichts abgewinnen. Langstreckenschwimmen, ja, das war meins. Annette war oft zum Tauchen in Kroatien und war fasziniert von der Unterwasserwelt. Wie die Ärztin aus der Behindertengruppe im Schwimm- und Tauchcenter. Sie ist gerade wieder in Kroatien zum Tauchen.«

»Eine Ärztin?«

»Ja, Chirurgin war sie mal. Dann ist der Unfall passiert, und sie ist seitdem querschnittsgelähmt. Aber sie hat sich nicht entmutigen lassen. Dr. Kaufmann heißt sie. Sie ist der Star unter den Tauchern in der Behindertengruppe. Noch jung, vielleicht so alt wie Sie, Frau Doktor.

Sie trainiert eisern und kann schon ein wenig laufen. Letzthin habe ich gesehen, wie sie statt im Rollstuhl auf Krücken zum Tauchbecken gekommen ist. Leicht hat sie sich damit aber nicht getan, das konnte man ihr ansehen.«

»Ich finde es toll, dass sie nicht aufgibt.« Im Stillen bewunderte Andrea die unbekannte Kollegin.

***

Dr. Susanne Kaufmann hatte keine Ahnung, dass sie an diesem Abend im Elisabeth-Krankenhaus ihrer Heimatstadt Gesprächsthema zwischen der Notärztin und einer Patientin war. Sie dachte nicht einmal an zu Hause. Sie hatte eine Woche Tauchurlaub für Behinderte in Kroatien gebucht und beschlossen, mal nicht an ihren Alltag zu denken.

Nicht, dass ihre Tätigkeit als Privatdozentin ihr keinen Spaß gemacht hätte. Sie unterrichtete gern an der Universität. Im Moment war allerdings Sommerpause, und da wusste sie oft nicht recht, was sie mit der vielen freien Zeit anfangen sollte.

Noch lieber als unterrichten würde sie wieder in ihrem Beruf als Fachärztin für Viszeralchirurgie arbeiten. Leider hatte sie ihn nach ihrem schweren Autounfall aufgeben müssen.

Spinales Querschnittsyndrom, hatte die Diagnose gelautet. In Zukunft würde sie sich an ein Leben im Rollstuhl gewöhnen müssen, war die Prognose der Kollegen gewesen. Ihre ganze Welt war eingestürzt, privat wie auch beruflich.

Wie glücklich und zufrieden war sie gewesen, wie stolz auf ihre Leistungen im Operationssaal! Und wie verliebt war sie in den Mann gewesen, mit dem sie traumhafte Stunden verbracht hatte – hier in der Kvarner Bucht von Kroatien, wo sie sich beim Tauchen kennengelernt hatten, und ebenso zu Hause am Rhein, wo sie sich nach ihrem Urlaub weiterhin getroffen hatten. Doch mit einem Schlag war alles vorbei gewesen.

Nicht mehr daran denken, befahl Susanne sich. Was vor dem Unfall war, gehörte der Vergangenheit an. Sie musste nach vorn schauen, nicht zurück.

Schon einen Moment später wanderten ihre Gedanken wieder zu jenem letzten Tauchurlaub vor ihrem Unfall. Hendrik und sie hatten im selben Hotel gewohnt, nur ein kurzes Stück entfernt von den behindertengerechten Apartments des örtlichen Tauchklubs, wo sie bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr für eine Woche wohnte.

Auch er war ein leidenschaftlicher Taucher gewesen. Zusammen hatten sie die Unterwasserwelt der kroatischen Adria erkundet und waren zwischen Überresten gesunkener antiker Schiffe getaucht. Die Nächte hatten sie gemeinsam verbracht, in ihren Hotelzimmern oder auch am einsamen Strand – Nächte voller Romantik und Leidenschaft.

Vom Balkon ihres Apartments blickte sie hinunter zum Strand, der sich allmählich leerte, denn es war Abendessenszeit. Bald würde sich das Restaurant füllen, das zu den Ferienapartments gehörte. Auch Susanne wollte später noch zum Essen gehen. Doch erst wollte sie bei einem Glas Wein den Sonnenuntergang genießen.

Vom Meer her wehte eine kühle Brise. Susanne angelte nach ihrem Schal und legte sich ihn um die Schultern. Wolkenfetzen schoben sich vor die untergehende Sonne und machten das farbenprächtige Schauspiel noch interessanter.

Susanne holte tief Luft. Mit einem schmerzlichen Ziehen im Herzen ließ sie ihre Blicke zu der felsigen Bucht schweifen, zu der Hendrik und sie so oft gelaufen waren. Dort hatten sie zwischen den Felsen geschnorchelt, nackt gebadet und sich im Sand geliebt.

Sie trank einen Schluck Wein. Es war derselbe Wein, den sie auch mit Hendrik getrunken hatte. Sie waren so verliebt und unbeschwert gewesen, auch wenn sie gewusst hatten, dass ihre Beziehung nicht von Dauer sein konnte. Hendrik war verheiratet gewesen, und Susanne wollte sich nicht an einen Mann binden. Sie liebte ihre Freiheit und zog ihre berufliche Karriere einem Ehe- und Familienleben vor.

Deshalb hatte sie sich auch nur hin und wieder eine kurze Affäre gestattet. Dass ihre Gefühle für Hendrik weit über das erlaubte Maß hinausgegangen waren, war ihr erst nach der Trennung bewusst geworden.

Sie hatte auch nicht vorgehabt, ihre Urlaubsromanze nach ihrer Rückkehr fortzusetzen. Auch Hendrik hatte es für keine gute Idee gehalten. Doch sie hatten beide nicht widerstehen können und sich weiterhin getroffen.

Hendrik lebte in derselben Stadt wie sie. Er war Fahrlehrer und arbeitete in der Fahrschule seiner Schwiegereltern. Zusammen waren sie noch ein paar Mal tauchen gewesen und hatten mehrere gemeinsame Wochenenden verbracht, ohne sich Gedanken darüber zu machen, wie es zwischen ihnen weitergehen sollte. Dann war der Unfall passiert, und für Susanne war damit die Frage nach dem Fortgang ihrer Affäre geklärt gewesen. Es würde überhaupt nicht weitergehen.

Sie schluckte den Kloß in ihrem Hals hinunter, bevor sie erneut zu ihrem Weinglas griff. Susanne wusste, dass Hendrik für sie ebenso starke Gefühle gehabt hatte wie sie für ihn.

Susanne hatte ihn nie vergessen, und selbst heute, nach zwei Jahren, versetzte es ihr jedes Mal einen kleinen Stich, wenn ihr im Stadtverkehr ein Auto mit der Aufschrift »Fahrschule Hansen« begegnete.

Glutrot versank die Sonne im Meer. Es war ein Schauspiel, das Hendrik und sie jeden Abend am Strand beobachtet hatten. Eng umschlungen hatten sie im Sand gesessen und jeden Augenblick dieser romantischen Atmosphäre genossen.

Susanne seufzte wehmütig. Noch immer glaubte sie, seine Küsse auf ihren Lippen und seine zärtlichen Hände auf ihrem Körper zu spüren. Was hätte sie darum gegeben, wenn sie die Zeit hätte zurückdrehen und diese wundervolle Woche noch einmal hätte erleben können!

Nie hätte sie gedacht, dass sie zwei Jahre später als Behinderte im Rollstuhl zurückkehren würde und mit einem Tauchbegleiter tauchen musste, weil sie sonst keine Tauchgenehmigung mehr bekam. Mit ihrem Handicap war es auch zu gefährlich, wenn sie ohne Begleitschutz war. Allein hätte sie sich auch nicht mehr in die verzweigten Höhlen gewagt, in denen sie mit Hendrik getaucht war.

Susanne musste lächeln. Insgeheim hoffte sie jedes Mal, dass auch Hendrik wieder mal hier Tauchurlaub machen und sie ihm begegnen würde. Natürlich würde er nicht nach ihr suchen, denn er konnte sich sicher nicht vorstellen, dass sie sich als querschnittsgelähmte Rollstuhlfahrerin ins behindertengerecht umgebaute Auto setzte, nach Kroatien fuhr und mit einer Gruppe anderer Behinderter eine Woche Tauchurlaub genoss.

Aber vielleicht würde die Sehnsucht ihn herziehen, die Erinnerungen an ihre gemeinsame Zeit. Natürlich konnte es durchaus der Fall sein, dass er seitdem tatsächlich mal hier gewesen war. Doch die Chancen, einander zu begegnen, waren äußerst gering.