Verlag: Poppy J. Anderson Kategorie: Gesellschafts- und Liebesromane Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2018

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E-Book-Beschreibung Nur ein Funke - Poppy J. Anderson

Als Lauren McPherson von Kentucky nach Connecticut zieht, um ihr altes Leben hinter sich zu lassen und neu anzufangen, lernt sie prompt Stuart Ashcroft kennen und erregt seine Aufmerksamkeit. Mit einem reichen Playboy, der zur High Society der Ostküste gehört und einen protzigen Sportwagen fährt, kann die bodenständige Lauren nichts anfangen, selbst wenn dieser reiche Playboy extrem gut aussieht und sie zum Lachen bringt. Nein, mit Männern seiner Sorte will die zurückgezogen lebende Tierärztin nichts zu tun haben und verbringt ihre Zeit lieber damit, nachts in einem Kuhstall zu hocken und bei der Geburt eines Kälbchens zu helfen, als Cocktailpartys reicher Leute zu besuchen. Stuart erweist sich jedoch als hartnäckig und keinesfalls als der schnöselige Playboy, für den sie ihn anfangs hielt. Gegen seinen Charme und seinen Humor ist Lauren nicht immun. In seiner Gegenwart kann sie sich nicht nur entspannen, sondern genießt es auch, mit ihm zusammen zu sein. Und ihr Herz setzt jedes Mal aus, sobald er sie anlächelt. Ihr Glück könnte endlich perfekt sein, wenn ihr nicht plötzlich der Boden unter den Füßen weggezogen würde – und wenn sie keine Angst haben müsste, Stuart zu verlieren

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E-Book-Leseprobe Nur ein Funke - Poppy J. Anderson

Table of Contents

Title Page

Impressum

Newsletter

Buchinhalt

Prolog

1. Teil

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

9. Kapitel

10. Kapitel

11. Kapitel

12. Kapitel

13. Kapitel

14. Kapitel

Teil 2

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

9. Kapitel

10. Kapitel

Epilog

Buchvorschauen

Alle Bücher von Poppy J. Anderson

Liebesroman

 

 

 

Nur ein Funke

 

 

 

 

 

 

Poppy J. Anderson

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1. Auflage Juli 2017

 

 

Copyright © 2017 by Poppy J. Anderson

Covergestaltung: Catrin Sommer rausch-gold.com

Unter Verwendung von © casther – shutterstock.com

 

Korrektorat: SW Korrekturen e.U.

 

www.poppyjanderson.de

 

 

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Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung der Autorin. Personen und Handlung sind frei erfunden, etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Menschen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt. Markennamen sowie Warenzeichen, die in diesem Buch verwendet werden, sind Eigentum ihrer rechtmäßigen Eigentümer.

 

 

 

 

 

Impressum

 

 

Poppy J. Anderson

c/o copywrite Literaturagentur

Georg Simader

Woogstr. 43

60431 Frankfurt

 

 

 

 

 

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Buchinhalt

 

 

Als Lauren McPherson von Kentucky nach Connecticut zieht, um ihr altes Leben hinter sich zu lassen und neu anzufangen, lernt sie prompt Stuart Ashcroft kennen und erregt seine Aufmerksamkeit. Mit einem reichen Playboy, der zur High Society der Ostküste gehört und einen protzigen Sportwagen fährt, kann die bodenständige Lauren nichts anfangen, selbst wenn dieser reiche Playboy extrem gut aussieht und sie zum Lachen bringt. Nein, mit Männern seiner Sorte will die zurückgezogen lebende Tierärztin nichts zu tun haben und verbringt ihre Zeit lieber damit, nachts in einem Kuhstall zu hocken und bei der Geburt eines Kälbchens zu helfen, als Cocktailpartys reicher Leute zu besuchen.

Stuart erweist sich jedoch als hartnäckig und keinesfalls als der schnöselige Playboy, für den sie ihn anfangs hielt. Gegen seinen Charme und seinen Humor ist Lauren nicht immun. In seiner Gegenwart kann sie sich nicht nur entspannen, sondern genießt es auch, mit ihm zusammen zu sein. Und ihr Herz setzt jedes Mal aus, sobald er sie anlächelt.

Ihr Glück könnte endlich perfekt sein, wenn ihr nicht plötzlich der Boden unter den Füßen weggezogen würde – und wenn sie keine Angst haben müsste, Stuart zu verlieren.

 

 

 

 

 

Prolog

 

 

Das Fohlen würde einmal ein Champion werden. Davon war Lauren überzeugt.

Zufrieden betrachtete sie Mutter und Kind, die beide friedlich in der mit frischem Stroh ausgelegten Box standen, und verabschiedete sich von der bildschönen fuchsfarbenen Stute und ihrem fünf Tage alten Fohlen, das die anstrengende Geburt fabelhaft überstanden hatte. Dass es Mutter und Sohn gut ging, erleichterte Lauren ungemein. Sie würde sich niemals daran gewöhnen können, Patienten zu verlieren. Zu Tieren hatte sie schon immer eine besonders enge Bindung gehabt. Und Shining Star war ihr in den letzten Monaten, in denen sie die trächtige Stute betreut hatte, sehr ans Herz gewachsen.

Während der anstrengenden Geburt mitten in der Nacht hatte es zeitweise nicht gut um die niederländische Warmblutstute ausgesehen. Neben der schwierigen ersten Geburt der prämierten Grandprix-Siegerin von Spruce Meadows waren es vor allem die riesigen Erwartungen des Besitzers gewesen, der einen exorbitanten Betrag für den Deckakt mit einem ebenfalls prämierten Warmbluthengst bezahlt hatte, die Lauren unter Druck gesetzt hatten. Sie hatte Stute und Fohlen unbeschadet durch die Geburt bekommen wollen – Richard Hollow, Shining Stars Besitzer, war es vor allem um die Investition gegangen. Aber so war der Reitsport nun einmal.

Leise schloss sie die Boxentür hinter sich, stellte sich auf die Zehenspitzen und beobachtete Mutter und Kind, die friedlich nebeneinanderstanden. Als das bislang noch namenlose Fohlen den Kopf senkte und damit begann, bei seiner Mutter zu trinken, musste Lauren unwillkürlich lächeln.

Sie war so in den Anblick der hübschen Füchse vertieft, dass sie dem Geräusch der hohl klingenden Schritte in der Stallgasse keine Beachtung schenkte. Auf einem Gestüt wie dem der Hollows herrschte nun einmal immer viel Betrieb. Lediglich die Stimme des Gestütsbesitzers riss sie aus ihren Gedanken, die sich um Shining Star und um Laurens spätere Sprechstunde in ihrer eigenen Praxis drehten. Wenn sie noch nach dem gestern operierten Golden Retriever schauen wollte, durfte sie nicht mehr allzu lange bei den Hollows bleiben, sondern musste sich auf den Weg machen.

„Ah, Sie sind noch hier, Dr. McPherson. Wie macht sich Shining Star?“

„Sie macht sich fabelhaft. Das Fohlen ebenso.“ Lauren ließ sich auf die Fersen zurücksinken und setzte ein nichtssagendes Lächeln auf, mit dem sie ihren Arbeitgeber bedenken wollte, der ihr zwar nicht sonderlich sympathisch war, weil er für ihren Geschmack zu sehr auf seinen Profit bedacht war, jedoch wenigstens keine Kosten scheute, um seine Investitionen gut zu versorgen.

Das Lächeln blieb ihr im Halse stecken.

Richard Hollow war nämlich nicht allein.

Sie kannte den Mann, der lässig neben dem Gestütsbesitzer herschlenderte und keine Miene verzog.

Während ihr der Schreck in alle Glieder fuhr, machte er nicht den Anschein, als wäre er überrascht, sie hier zu sehen.

Beinahe wäre sie gegen die Boxentür hinter sich getaumelt, als beide Männer vor ihr stehen blieben. Stattdessen starrte sie lediglich paralysiert vor sich hin.

„Das freut mich zu hören. Wir setzen große Erwartungen in das Fohlen.“ Richard legte den Kopf schief und schien ihr Entsetzen nicht zu bemerken, immerhin fragte er neugierig: „Haben Sie nicht früher in Kentucky gearbeitet, Dr. McPherson? Dann müssten Sie meinen Kollegen eigentlich kennen – Jeffrey Davis.“

In ihrem Kopf herrschte absolute Leere und in ihren Ohren rauschte es.

Lauren hörte nicht mehr, was Richard Hollow zu ihr sagte. Sie sah lediglich den anderen Mann an und spürte, dass ihre Kehle trocken wurde. Staubtrocken.

 

 

 

1. Teil

 

 

1. Kapitel

 

 

6 Monate zuvor

 

 

Da war er wieder.

Stuart Ashcroft.

Lauren presste die Lippen aufeinander und zog gleichzeitig den Sattelgurt fest, während sie nicht allzu offensichtlich den dunklen Sportwagen ansehen wollte, der mit röhrendem Motor auf den Hof gefahren kam. Selbst wenn sie nicht gewusst hätte, dass dieser Wagen Stuart Ashcroft gehörte, hätte sie wissen müssen, dass er hinter dem Lenkrad saß. Vermutlich gab es nur einen Menschen auf der Welt, der in einem protzigen Sportwagen auf einen Reiterhof fuhr und einen maßgeschneiderten Anzug sowie feine Lederschuhe trug, während er großspurig durch seine verspiegelte Sonnenbrille sah.

Nur noch schlimmer als der arrogante Lackaffe selbst war die Reaktion der weiblichen Anwesenden, die sofort zu kichern begannen, wenn er hier auftauchte, um seine Nichte vom Reitunterricht abzuholen.

Auch jetzt ging das Getuschel in der Nähe der Sattelkammer los und die Türen der Spinde klapperten nervös.

Innerlich verdrehte Lauren die Augen, denn sie wusste, was das zu bedeuten hatte. Stuart Ashcrofts Motorengeheul hatte den Startschuss dazu gegeben, Lipgloss aufzutragen, sich Stroh aus dem Haar zu picken und die obersten Knöpfe der Polohemden zu öffnen, die unter Freizeitreitern sozusagen zur Standardausrüstung gehörten. Alle Reiterinnen und Pferdebesitzerinnen zwischen achtzehn und achtunddreißig, die noch Single waren, schienen sich in ihrem besten Licht präsentieren zu wollen, sobald der blondhaarige Kerl mit seiner protzigen Karre und dem dicken Portemonnaie hier auftauchte. Es war jedes Mal das Gleiche und wurde langsam albern.

Sie wollte es nicht verschreien, aber Lauren war sich ziemlich sicher, dass sich sogar Beth, die fünfundzwanzigjährige Reitlehrerin, nur dann so sehr in Schale warf und Make-up auftrug, wenn sie wusste, dass sie Audrey Ashcroft Unterricht gab – der Nichte des Mannes, der gerade aus seinem tiefer gelegten Sportwagen stieg und grüßend die Hand hob, als er in Laurens Richtung sah.

Lauren nickte ihm kurz zu und machte dabei ein Gesicht, als wäre sie soeben in einen Hundehaufen getreten. Das sollte ihn eigentlich davon abhalten, zu ihr zu kommen, aber sicher war sie sich nicht. Der Mann war nämlich unberechenbar. Manchmal flirtete er mit ihr, wenn sie aufeinandertrafen, und kurz darauf schien er sich nicht einmal daran erinnern zu können, sie überhaupt zu kennen. Ihr sollte es recht sein. Sie konnte sehr gut darauf verzichten, mit ihm reden zu müssen.

Hatte sie schon erwähnt, dass sie Stuart Ashcroft nicht leiden konnte?

Gut, sie konnte ihn nämlich nicht leiden.

Dabei kannte sie ihn nicht einmal.

Aber das musste sie auch nicht, denn sie kannte Männer wie ihn – reich, selbstsicher, arrogant und gut aussehend. Männer, die glaubten, nur mit dem Finger schnipsen zu müssen, um alles zu bekommen, was sie haben wollten.

„Hallo, Lauren.“

Wunderbar! Anscheinend hatte er den Wink mit dem Zaunpfahl nicht verstanden, oder er war eine Niete darin, Gesichtsausdrücke lesen zu können, denn trotz ihrer abweisenden Miene stand er plötzlich vor ihr und sah sie über den Rücken des Schulpferdes hinweg an, das sie gerade sattelte. Das hatte man davon, beim benachbarten Reiterhof auszuhelfen, wenn Not am Mann war und die eigene Tierarztpraxis keine Sprechstunde hatte. Wäre sie doch lieber in ihren eigenen vier Wänden geblieben, um dort den Papierkram oder Inventur zu machen. Dann stünde sie jetzt nicht ihm gegenüber.

„Hallo“, erwiderte sie so unfreundlich, dass es selbst ein Gehörloser verstanden hätte.

„Schönes Wetter, nicht wahr?“

Wollte er etwa Small Talk betreiben?

Auch wenn sie sich dafür selbst in den Hintern treten wollte, schaute Lauren kurz auf und bemerkte, dass er seine Sonnenbrille nicht abgenommen hatte. Das brauchte er auch nicht, schließlich wusste sie, dass er ein Paar hellbrauner Augen besaß. Schon bei ihrer ersten Begegnung vor einigen Wochen war ihr die wunderschöne Farbe aufgefallen. Und ja, ihr war auch aufgefallen, dass er so ziemlich der attraktivste Mann war, der ihr jemals begegnet war.

Blondes, kurzes Haar, ebenmäßige Gesichtszüge, leicht gebräunte Haut, beinahe gerade Augenbrauen, dichte Wimpern, ein breites Kinn, verführerische Lippen und Grübchen in den Wangen. Dazu kam ein hochgewachsener Körper mit breiten Schultern und langen Beinen. Stuart Ashcroft hatte das große Genpool-Los gezogen, und mit einer Familie im Rücken, der die halbe Ostküste zu gehören schien, galt er als einer der begehrtesten Junggesellen der ganzen Gegend.

Nicht dass sich Lauren ausgerechnet über ihn und seinen Beziehungsstatus Gedanken gemacht hätte, aber es war ziemlich schwierig, über die Gespräche und Tuscheleien ihrer Umgebung hinwegzuhören, die sich ziemlich oft um ihn drehten. Seit er hier regelmäßig auftauchte, war sogar ihre fünfzigjährige Sprechstundenhilfe ganz aus dem Häuschen und informierte Lauren wöchentlich über die neuesten Gerüchte, die sie über Stuart Ashcroft gehört hatte. Als müsste es noch mehr Gründe geben, ihn in ihren Augen unsympathisch zu machen!

Allem Anschein nach war er für seinen Frauenverschleiß berühmt, ging vor allem mit hohlköpfigen Schönheiten aus, deren Ziel es war, durch eine Heirat ausgesorgt zu haben, und galt als notorischer Junggeselle, der nichts anbrennen ließ. Warum ihn das so begehrenswert machte, als wäre er der Kronprinz eines europäischen Landes, war Lauren schleierhaft. Und irgendwie bestätigte das Getuschel um ihn nur den Eindruck, den sie eh von ihm hatte.

Es war zu schade, dass Stuart Ashcroft ein arroganter Fatzke war, denn hübsch anzusehen war er auf jeden Fall.

Weil er noch immer auf eine Antwort wartete, erwiderte sie wenig einladend: „Mr. Ashcroft.“

„Autsch.“ Endlich setzte er seine Sonnenbrille ab und schnitt eine Grimasse. „Sie wissen doch, dass ich Stuart heiße. Wenn Sie mich Mr. Ashcroft nennen, komme ich mir wie mein Vater vor.“

Lauren erwiderte nichts, sondern überprüfte die Länge der Steigbügel.

„Eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass man sich unter Reitern duzt.“

Er war ein furchtbarer Quälgeist. „Sie reiten nicht, sondern holen Ihre Nichte ab, Mr. Ashcroft.“

„Vielleicht reite ich hier nicht, aber ich spiele Polo, also bin ich ein Reiter.“ Er hätte nicht charmanter und zufriedener klingen können. Außerdem wusste sie, dass er Polo spielte, schließlich war sie vor wenigen Wochen dabei gewesen, als er mit seiner Mannschaft den Sieg auf einem Charity-Turnier geholt hatte, das ganz in der Nähe veranstaltet worden war. Polo war eine Sportart für privilegierte Menschen, und eigentlich mied Lauren solche Veranstaltungen, aber Patty hatte sie mitgeschleift, weil die der Meinung war, dass Lauren Kontakte knüpfen sollte. Auf diese Weise war Lauren in den Genuss gekommen, nicht nur Teile der High Society Connecticuts kennenzulernen, sondern auch den fabelhaften Sitz zu bewundern, mit dem Stuart Ashcroft im Sattel saß.

„Wenn mich nicht alles täuscht, reiten Sie auch, Lauren. Richtig?“

„In erster Linie bin ich Tierärztin“, versetzte sie beinahe schroff.

„Heißt das, dass Sie nicht reiten?“ Er trat noch näher und tätschelte dem gutmütigen Pferd den Hals. Das Tier wieherte und wandte dem Mann den Kopf zu, der lächelnd ein paar Begrüßungsworte murmelte.

Lauren biss die Zähne zusammen, denn es wurde immer schwieriger, ihn zu ignorieren, wenn er auf der anderen Seite des Schulpferdes stand, dieses derart freundlich begrüßte und sie dabei beobachtete, wie sie zum wiederholten Male kontrollierte, ob der Sattelgurt fest genug war. Lauren hätte das Pferd längst der Reitschülerin übergeben können, aber dann hätte sie sich womöglich mit ihm unterhalten müssen. So machte es wenigstens den Anschein, als hätte sie eine Beschäftigung.

„Ich glaube, ich kann mich daran erinnern, Sie schon einmal reiten gesehen zu haben. Das muss vorletzte Woche gewesen sein.“

Sie gab ein undefinierbares Murmeln von sich.

„Ist das ein Ja oder ein Nein?“

Seufzend ließ Lauren von dem Sattel ab und hob den Kopf, um ihn über das Pferd hinweg anzuschauen. „Nichts gegen Sie, Mr. Ashcroft, aber ich habe gerade zu tun und kann deshalb nicht mit Ihnen plaudern.“

Er wirkte in keiner Weise beeindruckt oder gar beleidigt. Nein, er wirkte belustigt, da sich seine Mundwinkel zu einem Lächeln kräuselten und seine hellbraunen Augen amüsiert aufblitzten.

„Kontrollieren Sie den Sattelgurt etwa zum gefühlten hundertsten Mal, um nicht mit mir reden zu müssen? Keine Sorge, ich beiße nicht.“

Lauren kniff die Augen zusammen, weil dieser Spruch so abgedroschen war, dass kein Mann bei klarem Verstand davon ausgehen durfte, damit Erfolg zu haben.

„Müssen Sie nicht Ihre Nichte abholen?“

„Ja, und während ich darauf warte, dass sich Audrey von den Ponys losreißen kann, unterhalte ich mich mit Ihnen. So hat jeder etwas davon.“

Beinahe hätte sie abfällig geschnaubt und konnte auch nicht verhindern, dass ihr folgender Satz herausrutschte: „Ich dachte, Zeit wäre Geld. Haben Sie nicht etwas Wichtigeres zu tun? Börsenkurse checken oder so?“

Der Mann war ganz eindeutig nicht richtig im Kopf, weil er fröhlich lachte. Dabei war ihr Spruch kein Scherz gewesen, sondern eher eine Beleidigung.

„Börsenkurse? Ich bin Anwalt und kein Broker.“

„Auch das noch“, entgegnete sie und verdrehte die Augen. „Ein Rechtsverdreher. Wieso habe ich das nicht sofort geahnt?“

Seine Miene veränderte sich kein Stück. „Lauren, langsam bekomme ich den Eindruck, dass Sie mich nicht mögen, dabei bin ich wirklich ein liebenswerter Kerl.“

Liebenswert?

Finster runzelte sie die Stirn und maß ihn kritisch. Ihrer Meinung nach waren kleine Hunde und Katzen liebenswert oder Omas in einem Schaukelstuhl, die Socken für ihre Enkel strickten, aber an Stuart Ashcroft war nichts Liebenswertes. Mochte er auch einen putzigen Goldfisch spielen, wusste sie instinktiv, dass unter dieser Oberfläche ein Hai steckte. „Wieso kommen Sie darauf, dass ich Sie nicht mag? Ich kenne Sie doch überhaupt nicht.“

Auf ihren gleichgültigen Tonfall reagierte er mit einem schweren Seufzer. „Ein Umstand, den ich zutiefst bedaure. Wenn Sie mich kennen würden, dann würden Sie nicht jedes Mal das Gesicht verziehen, wenn Sie mich sehen. Vielleicht sollten wir irgendwann zusammen essen gehen, damit Sie merken, wie umgänglich ich sein kann.“

Für einen kurzen Moment zögerte Lauren und forschte in seinem Blick, ob er sie nur auf den Arm nehmen wollte, doch er wirkte ernst. Lässig, aber ernst. Stuart Ashcroft lud sie auf ein Date ein? Vermutlich hatte das Fehlen jeglichen Interesses von ihrer Seite seinen Jagdinstinkt geweckt. Anders konnte sie sich seinen Flirtversuch nämlich nicht erklären.

Vielleicht hätte sie den kichernden Frauen, die seinetwegen Lipgloss auftrugen und die Knöpfe ihrer Polohemden öffneten, sagen sollen, dass sie ihm lieber die kalte Schulter zeigen sollten, denn anscheinend stand Stuart Ashcroft genau darauf.

„Das ist keine gute Idee, glaube ich“, verneinte sie seine Frage.

„Essen Sie denn nicht?“

„Nur äußerst selten.“ Auch sie tätschelte dem Reitpferd den Hals. „Außerdem bin ich nicht sehr redselig und schweige die meiste Zeit, um mein Essen zu genießen. Suchen Sie sich lieber eine andere Begleitung, Mr. Ashcroft.“

Er verschränkte die Arme vor der Brust. „Wollen Sie mir sagen, dass ich mir an Ihnen die Zähne ausbeiße, Lauren?“

Anstatt zu antworten, zuckte sie lediglich mit der Schulter.

Glücklicherweise wurden sie von der achtjährigen Audrey unterbrochen, die sich anscheinend von den Ponys hatte losreißen können und ihren Onkel entdeckt hatte. Das bezaubernde und pferdeverrückte Mädchen strahlte über das ganze Gesicht und schlang ihm die Arme um die Hüften.

„Onkel Stuart, du errätst nie, was passiert ist!“

Lauren beobachtete, wie der Onkel des Mädchens den Blickkontakt zu ihr abbrach und stattdessen seine Nichte ansah, der er eine Hand auf den schwarzhaarigen Kopf legte.

„Du bist runtergefallen und auf dem Hosenboden gelandet?“

„Nein.“ Fröhlich lachte die Kleine auf. „Ich bin nicht runtergefallen!“

„Zum Glück“, schwor er und schauderte gespielt. „Du kennst doch deinen Dad, Süße. Ich hätte ihm ungern erzählt, dass du vom Pferd gefallen bist. Vielleicht hätte er mir die Schuld gegeben.“

Angesichts des kindlichen Lachens musste Lauren lächeln, denn Audrey Ashcroft war ein entzückendes und aufgewecktes Mädchen, das sie gerne um sich hatte. Wenn die Kleine hier war, war sie Feuer und Flamme für die Tiere, half begeistert bei der Versorgung der Pferde mit und strahlte pure Freude aus.

„Beth hat gesagt, dass ich beim nächsten Mal Dixie reiten darf“, verkündete das Mädchen glücklich. „Dixie ist viel größer als das Pony, das ich heute geritten bin – sie ist ein richtiges Pferd!“

„Na, dann wirst du heute Abend ja viel zu erzählen haben, wenn wir nach Hause kommen.“

Audrey nickte ihrem Onkel zu und grinste über das ganze Gesicht, bevor sie Lauren anstrahlte. „Dixie ist ein tolles Pferd, oder, Lauren?“

Auch wenn sie in Gegenwart von Stuart Ashcroft gerne weiterhin den strengen Gesichtsausdruck beibehalten hätte, kam sie nicht umhin, Audreys Fröhlichkeit zu erwidern. Also lächelte sie das hübsche Mädchen weich an. „Dixie ist toll, Süße – ein richtig tolles Pferd. Ihr werdet euch bestimmt blendend verstehen.“

Anschließend schwebte Audrey förmlich aus dem Stall und hüpfte in Richtung des protzigen Sportwagens, mit dem ihr Onkel sie nach Hause fahren würde.

Dieser folgte seiner Nichte nicht sofort, sondern raunte Lauren zum Abschied zu: „Wenn ich Sie das nächste Mal um ein Date bitte, hätte ich gerne so ein Lächeln zur Antwort. Meinen Sie, das kriegen Sie hin?“

 

 

***

 

 

Das Erste, was Lauren sah, als sie die Tür ihrer Wohnung öffnete, war eine Flasche Rotwein, die ihr jemand förmlich ins Gesicht hielt.

„Der Anwalt hat angerufen. Wenn alles gut geht, bin ich in wenigen Wochen eine geschiedene Frau.“ Patty klang euphorisch und schob sich an ihr vorbei. Lauren konnte gar nicht anders, als einen Schritt zur Seite zu machen und ihre beste Freundin in die Wohnung hineinzulassen, obwohl sie gerade dabei war, ihre Küche zu putzen, und wenig präsentabel aussah.

Der Ehrlichkeit halber musste jedoch gesagt werden, dass auch Patty dank ihrer Jogginghose und des fleckigen Shirts nicht aussah, als könne sie sich so in der Öffentlichkeit sehen lassen. Vor allem die zerzausten Haare ihrer Freundin schienen seit Tagen keinen Kamm gesehen zu haben. Vermutlich konnte sie von Glück reden, dass sie lediglich vor die Tür und über den Hof hatte gehen müssen, um an Laurens Tür zu klopfen. Und zu dieser Uhrzeit war der Reiterhof wie leer gefegt.

„Komm doch herein“, seufzte Lauren und schloss die Tür, nachdem Patty längst in ihrer Wohnung verschwunden war. Auf nackten Sohlen folgte sie ihrer Freundin in ihr Wohnzimmer und sah, dass Patty nach der Fernbedienung griff, um die Lautstärke leiser zu stellen. Das war es wohl mit ihrem Plan, heute Abend gemütlich die neuste Folge von Game of Thrones zu schauen, sagte sich Lauren und schlüpfte aus ihren Putzhandschuhen.

„Du ziehst es mit der Scheidung also durch?“

„Denkst du, ich habe ihn nur so aus dem Haus geworfen? Natürlich will ich die Scheidung!“ Sichtlich verärgert runzelte Patty die Stirn, stellte die Rotweinflasche auf den niedrigen Couchtisch und ließ sich anschließend in Laurens gemütlichen Sessel fallen. „Hast du zwei Gläser und einen Flaschenöffner hier?“

Lauren verdrehte die Augen und hob beide Hände. Sie wusste, wann man Pattys Wunsch nach einem Themenwechsel respektieren sollte. „Ich glaube, ich habe sogar noch Käse und Cracker da.“

„Wunderbar!“ Damit schien für Patty alles klar zu sein. Sie griff nämlich nach der Fernbedienung und zappte durch die Kanäle.

Lauren ließ sie allein und lief in die Küche, um dort nach Gläsern und Snacks zu suchen. Obwohl sie seit knapp vier Monaten hier wohnte, waren noch längst nicht alle Dinge an ihren Plätzen. Bis heute hatte sie sich nicht daran gewöhnen können, dass ihre Gläser nicht mehr in der rustikalen Vitrine standen, sondern in einem der Oberschränke verstaut waren. Die wunderschöne Holzvitrine stand nämlich eine Etage tiefer in ihrer Praxis. Hier in der Küche hatte Lauren schlichtweg keinen Platz für sie gehabt. Generell war ihre jetzige Wohnung um einiges kleiner als ihre letzte in Kentucky, jedoch war es für Lauren ein ungewohnter Luxus, in der direkten Nähe zu ihrer Praxis zu leben. Falls es einen Notfall gab, musste sie sich nicht erst in ihr Auto setzen, um in ihre Praxis zu fahren, sondern sie musste lediglich ein paar Stufen hinablaufen und war direkt vor Ort. Auf diese Weise war es auch sehr viel leichter, nach ihren Patienten zu schauen, die operiert waren oder unter Beobachtung in der Praxis bleiben mussten. Früher hatte sie viele Nächte auf einer unbequemen Pritsche schlafen müssen. Heute konnte sie unbesorgt in ihr eigenes Bett gehen und wusste, dass sie nur ein paar Meter laufen musste, um in ihrer Praxis zu sein.

Zudem gefiel es ihr, in der direkten Nachbarschaft ihrer Freundin zu wohnen, denn Patty gehörte der Hofkomplex sowie die Stallungen, in denen ihre Schulpferde als auch Mietpferde standen. Für Lauren war es ein Glücksfall gewesen, dass Patty ihr die Praxisräume sowie die Wohnung vermietet hatte.

In Connecticut fühlte sie sich wohl und konnte sich vorstellen, hier ihre Zukunft zu verbringen. Sie sehnte sich nach Stabilität und Ruhe – sie wollte endlich ankommen. Vielleicht gelang es ihr hier. Mit ihrer gemütlichen Wohnung, der wunderbar gelegenen Praxis mitten auf einem Hof und der stetig wachsenden Zahl an Patienten, die ihr ihre Lieblinge anvertrauten, hatte sie bereits einen tollen Grundstein gelegt.

Mit dem Gefühl, dass alles gut würde, stellte sie einen Teller Cracker, etwas Käse und die Weingläser sowie einen Flaschenöffner auf ein Tablett und trug es beschwingt in ihr Wohnzimmer, wo Patty gerade irgendeine Realityshow ansah.

„Jetzt erzähl mal: Was hat der Anwalt gesagt?“

„Müssen wir ausgerechnet jetzt über meine Scheidung sprechen?“

Lauren stellte das Tablett auf den kleinen Couchtisch und griff nach der Flasche, die sie öffnete, während sie schlicht erwiderte: „Du hast mit dem Thema angefangen.“

„Und jetzt würde ich gerne über etwas anderes reden.“

„Und worüber?“

„Über die Hungersnot in Äthiopien, die Sturmflut auf den Philippinen oder über die globale Erderwärmung. Jedes dieser Themen finde ich weniger deprimierend als meine Scheidung.“

Oha! Das waren ja ganz neue Töne.

Obwohl Lauren wusste, dass sie den Rotwein erst ein wenig hätte atmen lassen sollen, schenkte sie ihnen beiden ein, stellte die Flasche auf den Tisch und setzte sich anschließend auf die kleine Couch. Dort zog sie die Beine unter und betrachtete ihre Freundin, die sie noch von ihrem Veterinärmedizinstudium kannte. Patty hatte damals ebenfalls Tierärztin werden wollen, hatte sich dann aber verliebt und das Studium geschmissen. Die Liebe hatte nicht lange gehalten. Stattdessen hatte sie den Reiterhof eröffnet und sich wieder verliebt. In Russell, ihren Steuerberater, den sie geheiratet und dann vor die Tür gesetzt hatte, als er ihr vorgeschlagen hatte, den Hof und die Pferde zu verkaufen und mit ihm nach San Diego zu ziehen, wo er ein Jobangebot bekommen hatte.

Patty war ein wenig rigoros, was ihre Tiere anging. Russell dagegen verstand noch immer nicht, warum seine Liebste ihn hinausgeworfen hatte und zum Anwalt gegangen war.

Der arme Tropf konnte ihr schon ein wenig leidtun.

Lauren fand zwar, dass ihre Freundin mal wieder ein wenig zu übereilt gehandelt und dabei gewaltig übertrieben hatte, aber Patty war ein Sturkopf, der erst dann über etwas nachdenken würde, wenn sie nicht dazu gezwungen wurde. Deshalb ließ sie ihr den Freiraum, selbst zu erkennen, dass sie vorschnell gewesen war.

„Worüber willst du denn dann reden? Über diesen neuen Actionfilm im Kino?“

„Wie wäre es mit Stuart Ashcroft?“

Wie kam sie nur jetzt ausgerechnet auf Stuart Ashcroft? Lauren griff nach einem Glas Wein und trank einen Schluck. Das tat sie so gemächlich, dass sie hoffte, Patty würde den Wink mit dem Zaunpfahl verstehen und das Thema wechseln.

Was sie natürlich nicht tat. „Also?“

„Also?“

„Was ist mit Stuart Ashcroft?“

„Was soll mit ihm sein?“

Ihre Freundin verdrehte ungeduldig die Augen. „Ich habe euch heute gesehen, Lauren. Der Mann hat mit dir geflirtet!“

„Hat er nicht.“ Sie runzelte finster die Stirn und warf Patty einen grimmigen Blick zu. „Er hat nicht mit mir geflirtet. Das war ein völlig harmloses Gespräch.“

„Tatsächlich? Ich habe nur gesehen, wie er dir ein Lächeln zugeworfen hat, das normalsterbliche Frauen zu Boden wirft. Du hast ihn jedoch angesehen, als habe er dir verraten, dass er eine Hundefleischfabrik in China besitzt.“

„Du spinnst.“

„Ich weiß doch, was ich gesehen habe.“

„Dann brauchst du eine Brille“, urteilte Lauren bemüht ruhig und nahm einen weiteren Schluck.

„Er ist ein attraktiver Mann.“

„Jedenfalls glaubt er das“, murmelte sie verkniffen und nippte an ihrem Glas.

„Oho.“

Sie setzte das Glas ab und fragte mit einem genervten Unterton: „Was soll dieses Oho bedeuten?“

„Wieso klingst du so grantig?“

„Tue ich doch gar nicht.“

„Doch, tust du. Hat er dir irgendetwas getan, weshalb du nicht gut auf Stuart Ashcroft zu sprechen bist?“

Das war eine gute Frage.

Nein, er hatte nichts getan, aber das musste er auch nicht. Lauren konnte mit Männern wie ihm nichts anfangen und wollte erst recht nichts mit ihnen zu tun haben. Er war zu reich, zu selbstsicher, zu arrogant und zu sehr von sich selbst überzeugt. Lauren wusste, wie rücksichtslos dieser Menschenschlag war. Männer wie er setzten ihren Willen durch, ganz egal, ob andere Menschen darunter zu leiden hatten.

„Nein, er hat nichts getan.“

„Und wieso benimmst du dich dann ihm gegenüber wie eine Frostbeule?“

„Könnten wir bitte das Thema wechseln?“

„Ich finde ihn eigentlich immer sehr charmant.“

Beinahe hätte Lauren abfällig geschnaubt. „Patty, ich habe nicht die Absicht, heute Abend über ihn zu reden. Er interessiert mich nicht.“

Es schien, als wäre ihre Freundin auf beiden Ohren taub. „Du solltest seine Flirtversuche beim nächsten Mal erwidern. Wer weiß? Vielleicht habt ihr beide ein Date und du könntest ein bisschen Spaß haben.“ Sie schaute sie wie eine Mutterglucke an, die über ihr Küken wachte. „Seit du hergezogen bist, habe ich dich mit keinem Mann gesehen. Eine Verabredung täte dir sicherlich gut.“

Fast hätte sie den Wein ausgespuckt. „Ein Date mit Stuart Ashcroft?!“

„Wieso nicht? Er sieht nicht wie jemand aus, den man von der Bettkante stoßen würde.“

Obwohl ihr tausend Gründe einfielen, mit denen sie gegen den Vorschlag ihrer Freundin protestieren könnte, schaute sie Patty sprachlos an. Sie kam wirklich auf die verrücktesten Ideen. Sie wollte kühl und abgeklärt klingen, hörte jedoch, wie finster ihre Stimme war, als sie erwiderte: „Erzähl mal, Patty. Was treibt Russell momentan? Habe ich ihn nicht erst vorgestern hier herumschleichen sehen? Spätabends? Mit seinen Schuhen in der Hand?“

Augenblicklich wurde Patty knallrot. „Darüber rede ich nicht mit dir!“

„Wieso nicht?“ Ihre Mundwinkel zuckten. „Russell sieht nicht wie jemand aus, den man von der Bettkante stoßen würde. Und wenn mich nicht alles täuscht, tust du das auch nicht.“

„Lauren ...“ Ihre Freundin stockte.

„Ja?“ Angelegentlich betrachtete sie ihre Fingernägel. „Wenn ein Mann sich abends mit seinen Schuhen in den Händen aus einer Wohnung schleicht, dann ist er entweder ein Schuhfetischist, der seine Schuhsohlen schonen will, oder er hatte gerade Sex und will sich schnell verkrümeln. Was trifft denn bei Russell zu?“

Patty seufzte schwer. „Du bist eine Plage.“

Lauren gluckste auf. „Komisch, das Gleiche wollte ich dir auch gerade sagen.“

 

 

 

 

2. Kapitel

 

 

„Solltest du nicht zu Hause sein?“

„Das Gleiche wollte ich dich fragen, Bruderherz.“

Mit einem Lachen schlüpfte Stuart aus seiner Anzugjacke und warf diese über die Lehne des Sessels, der im Wohnzimmer seines Elternhauses stand. „Darf ich nicht besorgt um dich sein? In deinem Zustand ...“

Seine Schwester Barbara unterbrach ihn und rappelte sich mühsam auf, während sie ihm einen majestätischen Blick schenkte, den sie perfekt beherrschte. „Ich bin schwanger und nicht krank, Stuart. Der Stichtag ist erst in ein paar Wochen.“

Dass sie schwanger war, hätte sie nicht betonen müssen, schließlich schob sie eine gewaltige Kugel vor sich her. Stuart musterte sie kurz und erwähnte natürlich nicht, dass er sich – wie der Rest der Familie – Sorgen um sie machte. Dies war die vierte Schwangerschaft seiner älteren Schwester. Bei den ersten beiden Babys, seinen Neffen Hamilton und Scott, die mittlerweile elf und neun Jahre alt waren, hatte alles problemlos geklappt. Aber ihre dritte Schwangerschaft hatte tragisch geendet. Deshalb war die ganze Familie ein wenig nervös. Und je größer die Babykugel wurde, die Barbara vor sich herschob, desto angespannter wurde auch ihr Mann James. Stuart wunderte sich, dass sein Schwager nicht ebenfalls hier war, denn er wachte mit Argusaugen über seine Frau, seit sie herausgefunden hatte, dass ein Baby unterwegs war.

„Wo ist James?“

„Im Büro.“

„Aha.“ Er ließ sich in den Sessel fallen und streckte die Beine von sich. „Und er lässt dich einfach allein durch die Gegend fahren?“

Wieder maß sie ihn mit einem kritischen Blick. „Fang du nicht auch noch damit an! Dein unmöglicher Bruder hat mich gerade auch schon gefragt, ob James es mir erlauben würde, alleine Auto zu fahren.“

Wie die Ruhe in Person fragte er nach: „Über welchen unmöglichen Bruder reden wir?“

„Über Patrick natürlich!“

„Natürlich“, echote er gespielt ernst.

„Reiz mich nicht, Stuart.“ Sie funkelte ihn an. „Mir geht es gut, und ich brauche keinen Mann, der mir erlaubt, Auto zu fahren.“

Stuart hob beide Hände in die Höhe und lehnte sich ein Stück zurück, schließlich hatte seine ältere Schwester kämpferisch das Kinn nach vorn geschoben und erinnerte ihn fatal an die Zwölfjährige von früher, die einen Tobsuchtsanfall bekommen hatte, weil er seinen Fußball in ihr Puppenhaus geschossen hatte. „Ich bin ja schon ruhig und werde von jetzt an auch nicht mehr fragen, wie es dir oder dem kleinen Fratz geht.“

„Besser ist das.“ Sie lehnte sich zurück und legte beide Hände auf ihren gewaltigen Bauch. „Ich habe zu Hause schon drei Männer, die mich durch ihre Überfürsorge in den Wahnsinn treiben, also benimm wenigstens du dich normal.“

Fast hätte er gelacht. „Bist du hergekommen, weil du eine Auszeit brauchtest?“

Ihr Blick sprach Bände. „Amy hat sogar vier Kinder und weiß, wie ich mich fühle. Deshalb wollte ich heute ein paar ruhige Stunden hier verbringen, bevor ich nach Hause fahre und dort betüddelt werde.“

„Ich weiß gar nicht, was du hast.“ Stuart betrachtete sie belustigt. „In meinen Ohren klingt es gar nicht so schlecht, ein bisschen verhätschelt zu werden.“

Ihre Antwort bestand aus einem Schnauben, bevor sie wissen wollte: „Und was treibt dich hierher?“

Er zuckte mit der Schulter. „Ich habe Audrey vom Reitunterricht abgeholt.“ Und weil er sich vor seiner Schwester keine Blöße geben wollte, fügte er lässig hinzu: „Ich war gerade in der Gegend.“

Auf Barbaras wissenden Blick reagierte er mit einem Stirnrunzeln. „Was?“

Sie grinste. „Du warst gerade in der Gegend?“

„Genau.“

„Aber du wohnst in Manhattan und arbeitest dort.“

Stuart spürte, wie sein Nacken brannte. „Ich weiß selbst, wo ich wohne und arbeite. Kann ein liebender Sohn nicht zu seiner Mom fahren und auf einem Weg seine Nichte vom Reitunterricht abholen?“

„Mom ist gar nicht da“, hob sie hervor und wirkte geradezu schadenfroh. „Sie ist in dieser Woche in Boston und besucht eine Freundin. Als liebender Sohn solltest du das wissen.“ Barbara schnalzte mit der Zunge.

„Schon vergessen, dass ich ein liebender Onkel bin? Mit deinen Sprösslingen bin ich schließlich auch oft genug unterwegs.“

„Wie heißt sie?“

Er spielte den Ratlosen. „Keine Ahnung, wovon du redest. Ist das so etwas wie ein Verfolgungswahn während der Schwangerschaft?“

Kritisch kniff sie die Augenbrauen zusammen. „Verkauf mich nicht für blöd, immerhin kenne ich dich schon ein paar Jahre, Bruderherz. Da steckt doch eine Frau dahinter.“ Auffordernd streckte sie ihm die Hände entgegen. „Und jetzt hilf mir bitte.“

„Helfen? Wobei?“

Gequält verzog sie den Mund. „Hilf mir auf. Ich muss schon wieder pinkeln.“

Betont langsam erhob er sich und griff nach ihren Händen, um ihr aufzuhelfen. Er liebte seine Schwester und wusste, wie zickig sie werden konnte, wenn sie aufs Klo musste. Außerdem wusste er, dass schwangere Frauen ungefähr alle fünf Minuten in Richtung Toilette watschelten, immerhin hatte er das ganze Spektakel schon das eine und andere Mal mit Barbara und seiner Schwägerin Amy mitgemacht.

Die kam gerade mit der zehn Monate alten Abby auf der Hüfte ins Wohnzimmer geschlendert, als Barbara eilig aus dem Raum lief.

„Nanu? Wohin will Barbara denn so eilig?“

Grinsend nahm er ihr seine jüngste Nichte ab, deren Augen bereits auf Halbmast waren, und schloss den Wonneproppen in seine Arme. Er liebte alle seine Nichten und Neffen, aber Abby hatte er besonders ins Herz geschlossen, schließlich hatten sie Freundschaft miteinander geschlossen, als er seine wenige Stunden alte Nichte im Krankenhaus auf dem Schoß gehalten hatte und sie ihn mit ihren riesigen blauen Augen angeschaut und gleichzeitig vollgepinkelt hatte. Seither war er ihr verfallen.

„Die Natur ruft“, erwiderte er und küsste Abby auf die schwarzen Locken. „Wie alle fünf Minuten.“

Seine blondhaarige Schwägerin lächelte wissend. „Also das vermisse ich nicht.“

„Mittlerweile solltest du doch Übung haben. Wie sieht’s aus, Amy? Nach Abby könntet ihr doch ...“

Die Frau seines Bruders, die vier kleine Ashcrofts in die Welt gesetzt hatte, machte eine abwehrende Geste. „Vier sind genug. Nein, nein, Eleanor soll sich in Zukunft an dich wenden, wenn sie weitere Enkelkinder haben möchte. Ich bin raus.“

Auch wenn es eine Zeit gegeben hatte, in der er auf seine Schwägerin nicht sonderlich gut zu sprechen gewesen war, kam er nicht umhin, Respekt für sie zu empfinden, immerhin hatte sie die ganze Rasselbande perfekt im Griff. Vier Kinder waren wirklich eine Hausnummer, zumal sie immer noch ihrem Beruf nachging. Seine Schwägerin war Malerin – und eine richtig gute dazu. Erst vor zwei Monaten hatte sie eine Einzelausstellung in einer renommierten Galerie gehabt, worüber die ganze Familie entsetzlich stolz war.

Er selbst hatte daheim eines ihrer Bilder hängen. Obwohl er kein Kunstkenner war, wusste er, dass ihr Stil ihm gefiel. Alles andere war ihm egal. Und neben dem Talent mit dem Pinsel erzog sie umgängliche Kinder. Die achtjährige Audrey war das beste Beispiel dafür.

„Ich finde, euch sind die kleinen Racker ziemlich gut gelungen. Audrey ist das höflichste Mädchen, das ich kenne.“

„Danke.“ Sie warf ihm einen langen Blick zu. „Apropos: Wo hast du meine Tochter gelassen?“

Schulterzuckend setzte er sich mit Abby auf dem Schoß auf die Couch. „Ich hatte noch nicht einmal den Motor ausgemacht, da ist sie schon aus dem Auto gehüpft und in Richtung Garten gesprintet.“

Amy verdrehte die Augen. „Unser Gärtner hat Babykaninchen, von denen sie ganz begeistert ist. Sie liegt uns von morgens bis abends in den Ohren, wie süß sie doch wären.“

Seine Nichte war nicht sonderlich subtil. „Das Kind braucht ein Haustier.“

„Das Kind ist fast jeden Tag am Stall“, betonte Amy und ließ sich neben ihm nieder, während sie Abby die Socke nach oben zog, die hinuntergerutscht war. „Für ein Haustier hätte sie gar keine Zeit.“

„Als ich in ihrem Alter war, hatte ich eine ganze Mäusekolonie. Sie vermehrten sich stündlich – jedenfalls war das mein Eindruck.“ Er zwinkerte ihr zu. „Damals wusste ich noch nicht, warum es immer mehr wurden oder warum eine Maus auf der anderen hing und Turnübungen veranstaltete.“

„O Gott, Stuart.“ Seine Schwägerin prustete fröhlich. „Bist du so etwa aufgeklärt worden? Durch eine sich vermehrende Mäusekolonie?“

„Tja, Sexualkunde am lebenden Objekt.“

„Müssen wir uns Gedanken machen, dass deine erste Erfahrung auf diesem Gebiet mit Nagetieren zu tun hatte? Hatte es Auswirkungen auf deine Vorlieben?“

Stuart rümpfte die Nase und war froh über das warme Bündel auf seinem Schoß, das sich wunderbar tröstlich anfühlte. „Keine Sorge, Amy, mit meinem Sexleben ist alles in bester Ordnung.“

„Bist du sicher?“

„Sehr sicher“, beschied er. „Ich habe beim Sex weder Heißhunger auf Käse noch bekomme ich Angst, wenn eine Frau in meinem Bett miaut. Aber danke für deine Besorgnis.“

Über das Gelächter seiner Schwägerin hinweg hörte er die Stimme seines älteren Bruders, die verwirrt klang. „Wieso redet ihr in Gegenwart meiner Tochter über Sex? Und was hat Käse damit zu tun?“

Grinsend gab Stuart seiner Nichte einen Kuss auf den Kopf und feixte seinen Bruder an. „Deine Frau hat ein gesteigertes Interesse an meinem Liebesleben. Kümmerst du dich nicht gut genug um sie?“

Sein älterer Bruder runzelte prompt die Stirn und sah ihn finster an, während er durch das Wohnzimmer auf ihn zukam. „Ich denke nicht, dass Amy Grund zur Klage hat.“

„Habe ich auch nicht, Schatz“, rief sie ihm fröhlich entgegen.

Stuart musste es sich gefallen lassen, dass Patrick ihm Abby abnahm, und beobachtete, wie sein Bruder das kleine Mädchen an sich drückte, das sich prompt an seinen Dad kuschelte.

„Du verdirbst meine Tochter mit deinem Gequatsche“, hielt ihm sein Bruder gutmütig entgegen und wirkte wie der glücklichste Kerl auf der Welt.

Gemütlich streckte Stuart seine Beine von sich und schob die Hände in die Taschen seiner Hose. „Meinst du jetzt Abby oder Audrey? Mit deiner Ältesten war ich gerade nämlich noch in einer verräucherten Kneipe und habe ihr zehn verschiedene Wodkasorten zum Probieren gegeben.“

Patrick lachte. „Klingt, als hätte Audrey viel Spaß gehabt.“

Er zuckte mit der Schulter. „Dazu ist ein cooler Onkel doch da.“

„Will der coole Onkel zum Abendessen bleiben?“, hörte er seine Schwägerin fragen. „Oder hat er heute noch ein heißes Date?“

Das einzige heiße Date, das er heute noch haben würde, wäre eine Stippvisite in seiner Dusche, ein Mikrowellengericht und ein Vertragsentwurf, den er durchgehen wollte. Anscheinend hatte seine Familie völlig falsche Vorstellungen von seiner Abendgestaltung. „Die Einladung zum Abendessen nehme ich gerne an.“

 

 

***

 

 

Stuart betrat seine Wohnung und schaltete das Licht ein, das das zweihundert Quadratmeter große Loft im Zentrum von Manhattan beleuchtete. Stöhnend streckte er sich und fühlte, wie verspannt seine Schultermuskulatur war. Der Verkehr in der Upper East Side hatte ihm den Rest gegeben. Morgen früh würde er sein Auto in der Tiefgarage stehen lassen und mit der U-Bahn fahren, so viel stand fest. Die Luft dort unten mochte zwar selbst bei den frühlingshaften Temperaturen eine Zumutung sein und die Waggons waren in der Rushhour hoffnungslos überfüllt, aber auf den katastrophalen Verkehr auf den Straßen hatte er noch weniger Lust. Selbst wenn er sich von einem Wagen abholen lassen würde, würde er dennoch im Stau feststecken. Er hasste Staus. Hasste das Warten. Hasste es, dass es Zeit kostete, und so lief er lieber zu Fuß bis nach Lower Manhattan, als in einem Auto zu sitzen und nicht voranzukommen. Der Verkehr in New York verdarb ihm normalerweise schon vor Arbeitsbeginn den Tag.

Eigentlich war er nach Manhattan gezogen, um in der Nähe seiner Arbeit zu wohnen und nicht jedes Mal eine Weltreise zu machen, wenn er sich auf den Weg ins Büro machte. Sein älterer Bruder Patrick fuhr beispielsweise fast täglich von Connecticut nach New York. Das hatte Stuart vermeiden wollen. Außerdem – und das Argument war vor ein paar Jahren noch viel wichtiger gewesen – hatte er nicht in Connecticut auf dem Land versauern, sondern mitten im pulsierenden New York seine Fühler ausstrecken wollen.

Nach seinem Studium war er also nicht zurück in sein Elternhaus gezogen, in dem er eine eigene Etage hätte bewohnen können, sondern hatte dieses Loft in Manhattan gekauft. Ja, New York war genau die richtige Adresse für ihn gewesen. Partys, heiße Dates und noch mehr Partys sowie noch mehr heiße Dates. Das war New York, vor allem wenn man ein Ashcroft war.