Verlag: Poppy J. Anderson Kategorie: Gesellschafts- und Liebesromane Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2015

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E-Book-Beschreibung Nur ein Kuss - Poppy J. Anderson

Amy und Patrick kommen aus zwei völlig verschiedenen Welten, doch das kann sie nicht davon abhalten, sich bis über beide Ohren ineinander zu verlieben. Anfangs erscheint alles perfekt, bis kurz nach ihrer übereilten Hochzeit das Liebesglück der beiden getrübt wird. Amy erkennt, dass sie in Patricks Welt einfach nicht hineinpasst, und sieht keinen anderen Ausweg, als ihn zu verlassen, auch wenn ihr die Trennung das Herz bricht. Jahre später kreuzen sich wieder ihre Wege. Während Amy noch immer Gefühle für Patrick hat, macht dieser den Anschein, sein Leben ohne sie fortgeführt zu haben und glücklich darüber zu sein. Außerdem gibt er ihr deutlich zu verstehen, dass er sie kaum in seiner Nähe ertragen kann. Doch kann hinter der wütenden Fassade eines verlassenen Mannes nicht doch mehr stecken?

Meinungen über das E-Book Nur ein Kuss - Poppy J. Anderson

E-Book-Leseprobe Nur ein Kuss - Poppy J. Anderson

Table of Contents

Title Page

Impressum

Newsletter

Prolog

Teil 1

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

9. Kapitel

10. Kapitel

11. Kapitel

12. Kapitel

13. Kapitel

14. Kapitel

15. Kapitel

Teil 2

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

9. Kapitel

10. Kapitel

11. Kapitel

12. Kapitel

13. Kapitel

14. Kapitel

15. Kapitel

Epilog

Danksagung

Leseprobe „Nur ein Augenblick“

Die New York Titans-Reihe

Die Ashcroft-Saga

Liebesroman

 

 

 

Nur ein Kuss

 

 

 

 

 

 

Poppy J. Anderson

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1. Auflage April 2015

 

 

Copyright © 2015 by Poppy J. Anderson

Covergestaltung: Catrin Sommer rausch-gold.com

Unter Verwendung von © Liliia Rudchenko – fotolia.com

 

Korrektorat: SW Korrekturen e.U

 

www.poppyjanderson.de

 

 

poppyj.anderson@googlemail.com

 

 

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Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung der Autorin. Personen und Handlung sind frei erfunden, etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Menschen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt. Markennamen sowie Warenzeichen, die in diesem Buch verwendet werden, sind Eigentum ihrer rechtmäßigen Eigentümer.

 

 

 

 

 

 

 

Impressum

 

Poppy J. Anderson

c/o copywrite Literaturagentur

Georg Simader

Woogstr. 43

60431 Frankfurt

 

 

 

 

 

 

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Eure Poppy

 

 

 

 

 

Prolog

 

 

Es war nicht das Sirenengeheul oder der schmerzende Rauch, der ihr in der Nase und im Mund brannte, sondern das ängstliche Weinen ihrer Tochter, das von der Rückbank zu ihr her drang und sie aus ihrer Benommenheit riss. Irgendetwas stimmte hier ganz und gar nicht, aber Amy war zu benommen, um klar denken zu können. Die Schmerzen kamen plötzlich und raubten ihr den Atem, breiteten sich von ihrer Brust aus in jeden Muskel ihres Körpers, sodass sie Mühe hatte zu atmen. Langsam öffnete sie die Augen und sah mit klopfendem Herzen, dass das Armaturenbrett ihres Kleinwagens völlig zerstört war, das Lenkrad zwischen Tür und Angel klemmte und sie selbst gegen die Autoscheibe gedrückt wurde.

Dann war da der Rauch, der sie husten und nach Luft schnappen ließ, während es unter ihren Sommerschuhen unerträglich heiß war. Feuer, schoss es ihr benommen durch den Kopf. Vor Schmerzen stöhnte sie auf, als sie sich zu bewegen und aus dem Sitz zu befreien versuchte. Mit steifen Fingern nestelte sie an ihrem Sicherheitsgurt herum, der sich jedoch nicht öffnen ließ. In ihrer Benommenheit ignorierte sie den scharfen Schmerz und fühlte sich regelrecht taub, auch wenn ihre blutenden Fingerkuppen gegen einen scharfen Metallsplitter stießen.

Plötzlich wurde das Weinen auf der Rückbank schwächer. Augenblicklich war Amy hellwach und erinnerte sich daran, dass ihre Tochter mit ihr im Auto saß. Panisch schrie sie ihren Namen und bemühte sich, sich aus ihrem Auto zu befreien. Vergebens.

„Audrey!“ Sie schrie den Namen immer und immer wieder. „Audrey, Mommie ist da, Baby, Mommie ist da!“

Tränen strömten aus ihren Augen, als sie mühsam und unter Schmerzen den Kopf nach hinten drehte und verschwommen sah, dass der Kindersitz zerdrückt war und ihre Tochter in einem unnatürlichen Winkel darin saß. Das kleine Mädchen war kreidebleich im Gesicht und rührte sich nicht. Eine Platzwunde auf der Stirn blutete – genauso wie die Wunden auf ihren Beinen. Die dicht bewimperten Augenlider flatterten leicht, öffneten sich jedoch nicht.

In ihrer Panik begann Amy zu schluchzen. „Audrey! Sieh Mommie an! Schau zu mir, Liebling, bitte! Tu Mommie den Gefallen!“

Doch das fünfjährige Mädchen rührte sich nicht. Panisch schrie Amy um Hilfe und zerrte an ihrem Gurt, der sich einfach nicht lösen wollte. Sie versuchte schluchzend, nach hinten zu greifen, doch sie konnte ihre Tochter nicht erreichen.

„Hilfe! Hilfe! Meine Tochter ist hier, warum hilft denn niemand!“

Schreiend drehte und wand sie sich in ihrem Sitz, zerrte an dem Gurt, bis ihre Fingernägel blutig waren, doch es half alles nichts. Der Rauch wurde stärker, nahm ihr nicht nur die Sicht, sondern ließ sie so stark husten, dass ihre Lungen brannten. Über dem Versuch, sich aus dem Sitz zu befreien, Atem zu schöpfen und die unerträgliche Hitze zu ignorieren, die ihr die Beine hochschoss, während sie gleichzeitig nach Hilfe schrie, wurde sie ohnmächtig.

 

 

 

 

Teil 1

 

 

 

1. Kapitel

 

 

Einige Jahre zuvor

 

 

Amy Spencer war müde, frustriert und hungrig, als sie die winzige Bankfiliale verließ, in der zu allem Überfluss keine Klimaanlage installiert gewesen war. Das Ergebnis einer beinahe fünfzigminütigen Wartezeit in einem engen, stickigen Raum ohne Fenster war nicht nur ein Anflug von Kopfweh und latenter Übelkeit, sondern Schweißflecken auf ihrer Bluse, die sie sich morgens angezogen hatte, als sie zu ihrem Nebenjob aufgebrochen war.

Einer von insgesamt dreien, um genau zu sein. Leider machte das Kellnern in einem Café, das sich mitten in einer Touristenhochburg befand, genauso wenig Spaß wie das Verkaufen von Museumstickets oder Führungen für amerikanische Touristen, die das antike Rom besichtigen wollten.

Es war August, was bedeutete, dass die Luft in den engen Gassen der italienischen Hauptstadt nicht nur zum Schneiden dick war, sondern dass jeder halbwegs vernünftige Bewohner der Stadt ausgeflogen war und am Strand Urlaub machte, während die Stadt von Touristen bevölkert wurde, die so waghalsig waren, bei grauenvollen Temperaturen über das Forum Romanum, durch das Kolosseum und zum Vatikan gescheucht werden zu wollen. Amy konnte ein Lied davon singen, wie anstrengend es war, bei fast schon subtropischer Hitze die steilen Stufen des antiken Amphitheaters zu erklimmen und dabei einer keuchenden Meute amerikanischer Urlauber in Shorts und Flipflops zu erklären, wie die Römer es vor fast zweitausend Jahren geschafft hatten, dort sogar Meeresschlachten zu imitieren. Da in den USA gerade Sommerferienzeit war, trudelten täglich mehr oder weniger kulturinteressierte Eltern mit ihrem Nachwuchs in Rom ein, die es sich nicht nehmen lassen wollten, ihren Kindern auch in den Ferien etwas Bildung zu verschaffen. Dass die genervten Söhne und Töchter sehr viel lieber an den Strand gefahren wären, anstatt sich stundenlang die Füße an den antiken Stätten breitzutreten, bekam Amy tagtäglich mit.

Sie konnte es den Teenagern nachempfinden.

Zwar liebte sie die antiken Bauwerke, liebte die altehrwürdigen Stätte und verehrte die uralte Kunst der ewigen Stadt, aber das hieß nicht, dass sie bei dieser Hitze nicht auch lieber an den Strand gefahren wäre. Leider hatte sie keine große Wahl, schließlich musste sie Geld verdienen, um ihren Unterhalt bestreiten zu können. Dies war auch der Grund, weshalb sie an mehreren Morgen in der Woche kellnerte, unendlich lange Stunden in einem winzigen Kassenhäuschen saß, um Tickets zu verkaufen, und mit einem Stock in der Hand durch Rom lief, um haufenweise Touristengruppen durch die vielen Gassen Roms zu schleusen und dabei aufzupassen, dass sie niemanden aus der Gruppe verlor.

Als sie vor fast einem Jahr nach Rom gekommen war, war sie sehr viel optimistischer gewesen und hatte es nicht erwarten können, in dieser faszinierenden Stadt zu leben. In ihrer Vorstellung hatte sie den ganzen Tag nur gemalt, Eis gegessen und über das Leben philosophiert. Amy war davon ausgegangen, mit ihrer Staffelei am wunderschönen Tiber zu sitzen und ein Bild nach dem nächsten zu malen.

Für ein Mädchen aus einer Kleinstadt mitten in North Carolina, das Kunst studiert hatte und dem nie etwas besonders Tolles passiert war, war mit ihrem Umzug nach Rom ein Traum in Erfüllung gegangen.

Dass das Leben in Rom teurer als vermutet und der Tiber ein schlammiger Fluss war, der im Sommer zudem wie die Cloaca Maxima stank, hatte sie relativ schnell begriffen. Anstatt also ihre gesamte Zeit damit zu verbringen, an lauschigen Plätzen zu sitzen und zu malen, hatte sich Amy einen Nebenjob gesucht und damit begonnen, Geld zu verdienen. Es war auch nicht so, dass sie jammern wollte, schließlich liebte sie das Leben in Rom und genoss an den meisten Tagen sogar, Touristen von den faszinierenden Bauwerken der alten Römer zu erzählen und sie ihnen zeigen zu dürfen, aber momentan war ihre Laune ein wenig getrübt.

Das heiße Wetter stieg ihr aufs Gemüt, ihre aktuelle Malflaute verdarb ihr den Appetit und zu allem Überfluss streikten mal wieder die Banken, was bedeutete, dass ihr Konto so gut wie leer war, weil keine Überweisung ankam.

Man hatte sie zwar vor der römischen Bürokratie gewarnt, aber Amy hatte nicht geglaubt, dass es tatsächlich so schlimm sein würde. Sie war nun schon den zweiten Tag in Folge in ihrer Mittagspause zur Bank gestiefelt und hatte darauf gehofft, dass endlich ihr Gehalt auf dem Konto war, schließlich hatte sie gerade einmal vierzig Euro in der Tasche und musste bis zum Ende der Woche ihre Miete begleichen. Allein der Gedanke, dass sie ihrem Vermieter das Geld nicht geben konnte, ließ sie in Schweiß ausbrechen. Signor Giordano war ein älterer Herr vom Typus eines liebenswerten und verständnisvollen Großvaters, der ihr zwei Zimmer in seinem uralten Haus mitten in Trastevere für ein Schnäppchen überließ. Sogar eine winzige Dachterrasse nannte Amy ihr Eigen. Ausgerechnet Signor Giordano wollte sie kein Geld schulden, denn er hatte selbst eine winzige Rente und lebte in bescheidenen Verhältnissen.

Die Tatsache, dass der Bankangestellte sie nach ewigem Warten in dieser stickigen und völlig überhitzten Filiale mit einem Vielleicht morgen abgespeist hatte, frustrierte sie, immerhin bedeutete dies, dass sie keine Ahnung hatte, ob sie am Ende der Woche ihre Miete bezahlen konnte.

Das Geld, das sie in den Staaten mühsam gespart hatte, war schon lange aufgebraucht. Tatsächlich war es ein Wunder, dass sie genügend Rücklagen besessen hatte, um gleich nach ihrem Abschluss nach Europa fliegen zu können. Kein Mensch mit einem Fünkchen Verstand studierte Kunst. Jedenfalls hatte dies ihre Großtante Hazel behauptet, bei der Amy aufgewachsen war. Doch für Amy war nichts anderes infrage gekommen. Sie brauchte kein Geld, um glücklich zu sein, und musste keine tolle Wohnung oder ein teures Auto ihr Eigen nennen. Anstatt in einem Büro zu schuften und sich niedergeschlagen zu fragen, ob das das Leben sei, das sie sich gewünscht hatte, machte sie einfach das, was sie glücklich machte. Punkt.

Sie hatte immer davon geträumt, nach Europa zu gehen und dort malen zu können. An den Orten, an denen bereits die großen Künstler der Menschheit gewirkt hatten, hatte auch sie malen wollen.

Auch wenn sie sich kaum an ihre Mutter erinnern konnte, wusste sie noch, wie sie einmal mit ihr in ein Museum gegangen war und ihr stundenlang alle dort ausgestellten Gemälde gezeigt hatte. Damals war die Begeisterung ihrer Mutter allzu deutlich gewesen, und Amy hatte verzückt der lebhaften Stimme gelauscht, während sie die mütterliche Hand umklammert und mit großen Augen Bilder von Monet betrachtet hatte. Noch heute hörte sie die Stimme ihrer Mutter im Ohr und spürte das Gefühl einer warmen Umarmung sowie eines Kusses auf der Stirn, wann immer sie ein Bild von Monet sah.

Die Kunst war irgendwie eine Verbindung zu ihrer Mutter, von der sie so wenig wusste. Für ein Mädchen, das wenige Wochen nach seiner Einschulung die Mutter durch einen Autounfall verloren hatte und kurz darauf zu seiner Großtante gebracht worden war, weil sein Vater über den Tod seiner Frau nicht hinweggekommen war und zur Flasche gegriffen hatte, bedeutete das Malen einfach alles.

Amy konnte sich durch ihre Bilder meistens besser ausdrücken als durch Worte. Außerdem fühlte sie sich ihrer Mutter auf diese Weise nah. Näher als sie jemals ihrer Großtante gewesen war. Es war nicht so, dass sie sich mit Hazel schlecht verstanden hätte, schließlich war Amy ihrer Großtante dankbar, dass diese sich um ihre Großnichte gekümmert und sie aufgezogen hatte, dennoch war ihr Verhältnis nie sonderlich herzlich gewesen. Großtante Hazel war nun einmal eine erzkonservative Lady, die nie geheiratet hatte und stattdessen völlig darin aufgegangen war, ihr Leben der Kirche zu widmen. Wäre sie katholisch gewesen, wäre sie sicherlich Nonne geworden. Daran bestand kein Zweifel.

Für ein träumerisches Kind, das wiederum mit der Kirche nicht viel anfangen konnte und sich nicht danach sehnte, eine gottesfürchtige Hausfrau zu werden, hatte Hazel kein Verständnis aufbringen können. Amys Berufswahl hatte bei der älteren Frau aus einem Provinznest für reichlich Irritationen gesorgt. Nach Amys Highschoolabschluss hatte es sogar Ärger gegeben, weil Hazel dagegen gewesen war, dass Amy in einen anderen Bundesstaat ziehen wollte, um dort zu studieren. Seither war ihre Beziehung ziemlich unterkühlt.

Bei den wenigen Besuchen der letzten Jahre hatte Amy das Gefühl nie abschütteln können, dass Hazel sie wie eine Satanistin beobachtete, die jeden Moment das Holzkreuz von der Wand reißen und damit unanständige Dinge machen würde. Ihr zuliebe hatte Amy sie sogar in den Gottesdienst begleitet und Hazels Blicke ignoriert, mit denen sie ihre Ohrlöcher gemustert hatte. Falls Ohrlöcher ein Indiz dafür waren, dass jemand dem Teufel verfallen sein könnte, dürfte ihre Großtante niemals Amys tätowiertem Kunstprofessor begegnen, der in jedem Semester seinen Studenten nackt Modell gestanden hatte.

Amy konnte sich noch genau daran erinnern, wie sie selbst mit hochrotem Gesicht auf ihr Skizzenbuch gestarrt und nicht gewusst hatte, wie sie sich hatte verhalten sollen. Zwar hatte es auf ihrer Highschool auch Kunstunterricht gegeben, aber Mr. Camden, der gleichzeitig Mathematik unterrichtet hatte und Wasserfarbe nicht von Malkreide unterscheiden konnte, wäre sicherlich niemals auf die Idee gekommen, sich seinen Schülern als Nacktmodell zur Verfügung zu stellen. Abgesehen davon wäre er von aufgebrachten Stadtbewohnern mit brennenden Fackeln und Mistgabeln verfolgt worden, hätte er vor ihren Kindern seinen übergewichtigen Körper entblößt. In Garrington war bereits die Evolutionslehre ein heißes Eisen. Aber nackte Lehrer? Die wären zusammen mit Darwin vermutlich auf einem Scheiterhaufen gelandet.

Nachdem Amy zwölf Jahre in Garrington gelebt hatte, war es auch für sie nicht sehr einfach gewesen, sich an nackte Kunstprofessoren, wilde Campuspartys und Mitbewohnerinnen zu gewöhnen, die sich Monat für Monat Schwangerschaftstests kauften und darüber nachgrübelten, wer der Vater des vermeintlichen Babys sein könnte. Amy mochte vielleicht Künstlerin sein, aber das hieß nicht, dass sie dem Klischee einer Malerin entsprach, die freie Liebe proklamierte, von morgens bis abends Alkohol in sich hineinschüttete und Blockaden mit Drogen bekämpfte. Tatsächlich bezeichnete Amy sich selbst als ziemlich prüde, immerhin hatte sie auf der Highschool keinen Freund gehabt und war erst auf dem College mit Jungs ausgegangen. Eine hoffnungslose Romantikerin steckte in ihr, um es platt auszudrücken.

Obwohl es für emanzipierte Frauen des einundzwanzigsten Jahrhunderts als altmodisch und geradezu peinlich galt, war sie der Meinung, dass man nicht wahllos Sex haben und jeden Typen abschleppen sollte, der einem über den Weg lief. Selbstverständlich war sie nicht die Expertin in menschlichen Beziehungen, schließlich gab es nur zwei Männer, mit denen sie jemals geschlafen hatte, und beide hatten sich als absolute Flops herausgestellt. Daher war es auch kein Wunder, dass Amy für sich entschieden hatte, erst wieder einen Mann in ihr Leben zu lassen, wenn sie sich verliebte.

Momentan sah es jedoch nicht so aus, als würde das in nächster Zeit passieren, was Amy nicht unbedingt schlaflose Nächte bereitet hätte. Sie war nun einmal keine Partymaus und ging abends eher selten aus. Zwar hätte sie sich selbst nicht als Einsiedler bezeichnet, aber sie musste auch nicht ständig unter Menschen sein, schließlich war sie das in ihren Jobs zur Genüge. Da Amy im Gegensatz zu anderen Frauen ihres Alters nicht täglich auf die Piste ging, lernte sie auch nicht sehr oft Männer kennen, die sie interessiert hätten.

Unglücklicherweise waren die Männer aus ihrem Bekanntenkreis ebenfalls Künstler, was in ihrem Fall hieß, dass sie nichts anbrennen ließen. Sosehr Amy auch deren Kunstwerke schätzte, wäre sie niemals auf den Gedanken gekommen, mit ihnen etwas anzufangen.

Dafür war sie sich definitiv zu schade.

Um nicht länger über die brütende Hitze, ihre Geldknappheit oder die deprimierende Aussicht in Sachen vernünftiger Männer nachdenken zu müssen, schnappte sie sich ihren Rucksack, setzte sich ihre Sonnenbrille auf und machte sich auf den Weg zu ihrem Lieblingsort. Für heute musste sie weder Touristen zum Pantheon führen noch Tickets verkaufen oder mit einem Tablett in den Händen durch ein Café rennen. Daher konnte sie das gute Wetter ausnutzen und sich in den Orangengarten der Kirche Santa Sabina setzen, um dort ein Buch zu lesen. Zwar befand sich in ihrem Rucksack seit jeher auch ein Zeichenblock, doch da sie momentan keine Lust hatte, auch nur einen Strich zu zeichnen, ging Amy davon aus, dass sie mit dem Buch bessere Chancen haben würde.

Auf dem Weg zur anderen Tiberseite hätte sie beinahe wieder kehrtgemacht, da alle Gassen und Bürgersteige geradezu vollgestopft mit Touristen waren, die alle drei Meter stehen blieben, um Fotos von alten Gebäuden zu machen. Eigentlich war Amy ein unglaublich geduldiger Mensch, doch heute konnte sie der Faszination der internationalen Touristen nicht mit einem verständnisvollen Lächeln begegnen. Dafür war ihr eigener Frust zu groß.

Als sie endlich den friedlichen und abgelegenen Garten erreichte, der als Geheimtipp gehandelt wurde und dementsprechend ausgestorben war, atmete sie erleichtert auf, schloss die Augen und sog den würzigen Geruch der Orangenbäume in sich auf. Zwar flimmerte auch hier die Augusthitze durch die Luft, doch da der Garten auf dem Aventinhügel lag, wehte ein angenehmer Wind, der etwas Abkühlung versprach.

Amy lächelte angesichts der friedlichen Ruhe, die man in Rom so selten fand, schlüpfte aus ihren Sandalen und lief über den Rasen zu einem der Bäume, um sich in dessen Schatten zu setzen und sich gegen den uralten Baumstamm zu lehnen.

Einige Augenblicke blieb sie einfach dort sitzen, genoss das Zwitschern der Vögel und streckte die Beine von sich. Gerade als sie ihren Rucksack greifen und das Buch herausholen wollte, fiel ihr Blick auf einen Mann, der mit dem Profil zu ihr auf einer Parkbank saß und den Ausblick über Rom zu genießen schien.

Augenblicklich setzte ihr Herz einen Schlag aus, was äußerst merkwürdig war, da sie den Mann niemals zuvor gesehen hatte. Vielleicht lag ihr Erschrecken daran, dass sie sich allein im Orangengarten gewähnt hatte. Vielleicht polterte ihr Herz plötzlich so unregelmäßig, weil er die klassischsten Gesichtszüge besaß, die sie jemals gesehen hatte. Oder vielleicht konnte sie gar nicht anders, als ihn atemlos zu betrachten, weil sie niemals zuvor einem so gut aussehenden Mann begegnet war. Hoch aufgerichtet und lässig zugleich lehnte er mit dem Rücken gegen die Parkbank, hatte seine langen Beine von sich gestreckt und wirkte beinahe so, als wäre er hier zu Hause.

Die selbstbewusste Haltung hätte bei anderen Menschen wie Arroganz wirken können, doch bei ihm tat es das komischerweise nicht.

Langsam glitt Amys Blick zu seinem Gesicht, das völlig entspannt erschien. Sie konnte ein kräftiges Kinn, hagere Wangen, eine gerade Nase und dunkle Augenbrauen erkennen. In Verbindung mit dem kohlrabenschwarzen Haar und den breiten Schultern unter einem blauen Poloshirt zog sein Gesicht ihre Blicke wie magisch auf sich.

Bevor sie wusste, was sie tat, holte Amy vorsichtig ihr Skizzenbuch heraus und begann damit, ihn zu zeichnen. In ihren Fingerspitzen kribbelte es, während sie mit geübten Strichen sein Profil aufs Papier brachte, immer wieder aufsah, um sich seine Gesichtsmerkmale einzuprägen, und anschließend konzentriert den Mund spitzte und geradezu eilig an der Zeichnung weiterarbeitete. Obwohl sie in letzter Zeit keine große Lust gehabt hatte, ihrer Leidenschaft nachzukommen, drängte jetzt etwas danach, ihn zu zeichnen. Sie hatte das Gefühl, in tausend Einzelteile zu zerspringen, wenn sie diesem Drang nicht nachgegeben hätte.

Als sie gerade die Kontur seiner Stirn korrigierte, fiel ein Schatten über ihren Zeichenblock.

Erschrocken zuckte sie zusammen und riss den Kopf hoch, um einem Paar hellgrüner Augen zu begegnen, das sie interessiert musterte. Errötend stellte sie fest, dass ihr Modell bemerkt haben musste, dass sie ihn malte.

„Das ist eine ziemlich schmeichelhafte Zeichnung“, erklärte der schwarzhaarige Mann mit belustigter Stimme. „Sind Sie sicher, dass Sie mich zeichnen wollten?“

Neben dem heftigen Erröten spürte Amy, dass ihr Herz wie wild zu poltern begann, als sie in das Gesicht des Mannes starrte, der nicht nur die Zeichnung interessiert betrachtete, sondern auch sie neugierig ansah.

Stotternd suchte sie nach den passenden Worten. „Es ... es tut mir leid. Ich wollte nur ...“

„Schon gut.“ Er machte eine lapidare Handbewegung und begann breit zu grinsen. „Ehrlich gesagt ist es das erste Mal, dass ich eine Zeichnung von mir sehe.“

Amy starrte ihn wortlos an und merkte, dass ihr die Zunge am Gaumen klebte, während er weiterhin seine Augen zwischen ihr und der Zeichnung hin und her wandern ließ.

Er senkte den Kopf. „Entschuldigen Sie meine Neugier. Ich war gespannt darauf, was Sie so konzentriert zeichneten. Ganz sicher wollte ich Sie nicht stören.“

„Das haben Sie nicht“, erwiderte sie mit einem nervösen Lächeln und starrte ihm weiterhin in das gut geschnittene Gesicht.

So nah konnte sie sich nicht nur davon überzeugen, dass er tatsächlich so gut aussah, wie sie angenommen hatte, sondern dass seine hellgrünen Augen von dichten Wimpernkränzen umgeben waren. Jede Frau hätte für solche Wimpern einen Mord begangen.

„Patrick“, stellte er sich vor und hielt ihr die Hand hin.

Amy schluckte verlegen, lächelte zögernd und gab ihm die Hand. „Amy.“

Als er ihre Hand drückte, machte sich eine plötzliche Hitze in ihr breit, die sie noch stärker erröten ließ. Es war ihr ausgesprochen peinlich, wie heftig sie auf den winzigen Hautkontakt und das einnehmende Lächeln dieses fremden Mannes reagierte, der keine Anstalten machte, wieder zu gehen. Stattdessen ließ er langsam ihre Hand los und vergrub die Hände in den Taschen seiner Jeans.

Seine Lippen kräuselten sich amüsiert, als er erklärte: „Eigentlich bin ich davon ausgegangen, der einzige Amerikaner hier zu sein. Mir wurde gesagt, dass dieser Ort ein absoluter Insider sei.“

Verwirrt blinzelte sie. „Woher ... woher wissen Sie, dass ich Amerikanerin bin?“

„Abgesehen von Ihrem Akzent fiel mir der Button auf Ihrem Rucksack auf.“ Er deutete auf das Emblem ihrer Universität, das sich seit Ewigkeiten dort befand.

„Oh.“ Sie lächelte unsicher zu ihm hoch. „Erwischt.“

Lachend trat er auf das andere Bein. „Bei meinen Spionagefähigkeiten hätte ich zur CIA wechseln sollen.“

„Pst.“ Sie hob einen Finger an den Mund und flüsterte gespielt ernst: „Wäre das wirklich Ihre Absicht, sollten Sie das nicht so laut herumposaunen.“

„Erwischt“, wiederholte er ihren Satz und hob fragend beide Augenbrauen in die Höhe. „Von Landsmann zu Landsfrau gefragt, Amy: Waren Sie auch so verrückt, ausgerechnet zur heißesten Zeit des Jahres nach Rom zu kommen?“

Mit einem aufgeregten Pochen in der Kehle strich sich Amy eine verirrte Strähne ihrer blonden Locken aus der Stirn und fuhr sich kurz über die Lippen, bevor sie vergnügt erwiderte: „Eigentlich bin ich seit fast einem Jahr in Rom, aber da ich erst gestern eine zwanzigköpfige Touristengruppe aus den USA über das Forum Romanum geführt habe, würde ich sagen, dass einige unserer Landsleute so verrückt sind, ausgerechnet im August nach Rom zu kommen.“

„Wow.“ Amüsiert zwinkerte er ihr zu. „Das waren ziemlich viele Informationen auf einmal.“

Errötend zupfte sie ein Grasbüschel aus der Wiese und verzog den Mund. „Also, ich ...“

Belustigt winkte er ab. „Nehmen Sie es mir nicht krumm. Ich leide noch unter einem Jetlag und erzähle nur Unsinn. Also, Amy. Was tun Sie in Rom?“

Sein Interesse an ihr verwirrte sie, daher stotterte sie mehr schlecht als recht: „Ich ... ich bin Künstlerin.“

„Aha. Das heißt, dass Sie nach Rom gekommen sind, um arglose Touristen in Orangengärten zu zeichnen?“

„So ungefähr“, antwortete sie mit einem leisen Lächeln, bevor sie schelmisch erklärte: „Am Pantheon und der Piazza Navona gibt es genügend Straßenkünstler, die arglose Touristen dazu nötigen, sich von ihnen zeichnen zu lassen. Ich dachte, dass ich hier bessere Chancen hätte.“

„Ha“, schmunzelte er erfreut. „Da scheine ich Ihnen direkt in die Falle gegangen zu sein.“

Amy konnte nicht anders und lächelte zu ihm hoch. Sein Lachen und die vergnüglich blitzenden Augen waren zu ansteckend, als dass sie kühl und beherrscht hätte bleiben können. „Normalerweise verirren sich lediglich Priester hierher, daher scheint meine Falle nicht wirklich zu funktionieren.“

„Interessant“, beschied er. „Eine Amerikanerin in Rom, die nicht nur arglose Touristen zeichnet, sondern auch noch Priestern auflauert. Irgendetwas sagt mir, dass ich ganz schnell das Weite suchen sollte.“

Kichernd schüttelte sie den Kopf. „Ich bin harmlos! Warten Sie ab, bis Sie alle drei Meter gefragt werden, ob Sie eine Selfie-Stange oder ein Taschenimitat kaufen wollen. Dann wissen Sie, was Aufdringlichkeit bedeutet.“

„Danke für den Tipp.“ Der dunkelhaarige Mann mit den erstaunlich grünen Augen runzelte die Stirn. „Obwohl ich mich frage, warum mir jemand nachgemachte Taschen andrehen sollte.“

Sie zuckte mit der Schulter und lehnte sich ein Stück zurück, um bequemer zu ihm aufschauen zu können. „Man könnte bereits zehn Selfie-Stangen in den Händen halten, und dennoch würde man ununterbrochen gefragt werden, ob man noch eine kaufen will.“

„Sie machen mir Mut“, schnaubte er trocken. „Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass das Sightseeing zu einer Verkaufsshow mutieren wird.“

„Sie gewöhnen sich schon dran.“ Mit einem trockenen Lachen vertraute sie ihm an: „Tatsächlich erzählte mir erst vor Kurzem ein Tourist, dass er einem dieser Händler eine Selfie-Stange abgekauft hätte, um ihn damit zu verprügeln, nachdem er es leid war. Zwar weiß ich nicht, ob er mich nicht auf den Arm nehmen wollte, aber nachvollziehen könnte ich es.“

„Gute Idee!“

Zu ihrer eigenen Verwunderung fragte Amy ihn plötzlich: „Und was machen Sie in Rom, Patrick?“

„Abgesehen davon, dass ich mich in verlassene Gärten schleiche und hoffe, von blondhaarigen Künstlerinnen gezeichnet zu werden?“ Er grinste breit. „Ich dachte, dass ich etwas Urlaub bräuchte und dass es in Rom großartige Pizzen gäbe. Also bin ich hier.“

Schalkhaft wollte sie wissen: „Gibt es dort, wo Sie wohnen, etwa keine Pizzen?“

Mit einem nicht ernst gemeinten Stöhnen erklärte er: „Ich komme aus Connecticut und arbeite in New York, was bedeutet, dass es dort zwar Pizzen im Überfluss gibt, sie aber nicht unbedingt so gut schmecken wie hier.“

„Oje“, lachte sie. „Vor einer Woche bestand meine Gruppe aus New Yorkern. Für das, was Sie gerade gesagt haben, wären Sie von ihnen gelyncht worden!“

„Das Risiko muss ich eingehen.“ Neugierig legte er den Kopf schief. „Führen Sie tatsächlich Touristen durch Rom?“

Amy zuckte mit der Schulter. „Mehrmals in der Woche. Wenn es nicht gerade brüllend heiß ist, macht es großen Spaß.“

Seine grünen Augen funkelten, als er zufrieden nickte. „Dann weiß ich ja, an wen ich mich wenden muss, wenn ich eine Stadtführung machen möchte.“

Ein wenig sprachlos sah sie ihn an und erwiderte seinen offenen Blick mit Verwunderung. Wenn sie sich nicht völlig täuschte, flirtete er mit ihr. Diese Erkenntnis brachte sie dazu, mit einem Kribbeln im Magen den Kopf zu senken.

Er fuhr sich mit einer Hand durch sein Haar und drehte den Kopf zur Seite, um den Garten zu mustern. Dies verschaffte ihr die Möglichkeit, ihn verstohlen zu betrachten. Während ihr Herz noch immer einen wilden Galopp vollführte, breiteten sich in ihrem Magen Schmetterlinge aus, obwohl Amy keine Ahnung hatte, woher diese kamen. Sie war nicht der Typ, der sich Hals über Kopf in einen Mann verliebte, den sie vor nicht einmal zehn Minuten kennengelernt hatte. Außerdem gehörte sie nicht den naiven kleinen Mädchen an, die auf schmeichelnde Worte hereinfielen und zu kichern begannen, wenn ein Mann ihnen Komplimente machte.

Warum also verhielt sie sich in seiner Gegenwart so?

„Da Sie sich in Rom auskennen und sogar Touristen durch die Stadt führen, werden Sie doch bestimmt ein nettes Café in der Nähe kennen, oder?“

„Natürlich“, erklärte sie zuvorkommend. „Sie müssen lediglich links abbiegen, wenn Sie den Garten verlassen, und der Straße folgen. Wenn ich mich recht erinnere, brauchen Sie ungefähr zehn Minuten und ...“

Sein heiseres Lachen unterbrach ihre Ausführungen. „Würden Sie mich dorthin begleiten, Amy?“

Überrascht hob sie den Kopf. „Bitte?“

„Würden Sie mich begleiten?“, wiederholte er fröhlich. „Alleine in einem Café zu sitzen ist noch deprimierender, als seine Zeit alleine in einem Orangengarten zu verbringen.“

 

 

 

 

2. Kapitel

 

 

Patrick Ashcroft stand auf dem Balkon seines Hotelzimmers und blickte auf das geschäftige Treiben in den Gassen unter seinen Füßen. Angesichts der drückenden Hitze war er regelrecht fasziniert, wie viele Touristen es sich nicht nehmen ließen, stundenlang durch Rom zu marschieren und dabei einen Hitzschlag zu riskieren.

Grinsend beugte er sich vor und nahm eine Gruppe typisch amerikanischer Touristen ins Auge, die wie im Gänsemarsch einem Fremdenführer folgten, der einen Stock in der Hand hielt, um ihnen den Weg zu zeigen. Es war fast egal, zu welcher Sehenswürdigkeit man ging, die stocktragenden Fremdenführer waren überall. Tatsächlich schien es kein Entrinnen vor ihnen zu geben. Genauso wenig wie vor den fliegenden Händlern, die illegale Taschenimitate oder Selfie-Stangen an den Mann bringen wollten.

Apropos Selfie-Stangen ... Als er gestern mit seiner zauberhaften Begleitung an der Seite einen Spaziergang zum Pantheon unternommen hatte, nachdem sie beide geschlagene vier Stunden in einem Café gesessen hatten, war ihnen mehr als einmal eine solche Selfie-Stange angeboten worden. Amy und er hatten mitgezählt. Dreiundzwanzig Mal innerhalb weniger Minuten waren ihnen die billig verarbeiteten Dinger ins Gesicht gehalten worden. Wenn er sich dank der jungen Frau an seiner Seite nicht so köstlich darüber amüsiert hätte, wäre ihm das penetrante Verhalten ziemlich schnell auf den Sack gefallen.

Komischerweise hatten ihn gestern weder die schwüle Hitze, noch die Selfie-Stangen-Händler oder sein Jetlag genervt. Dafür hatte er viel zu viel Spaß gehabt und gar nicht darauf geachtet, dass die Zeit wie im Flug vergangen war. Dies hatte vor allem an der blondhaarigen Frau gelegen, deren blaue Augen ihn vom ersten Blick fasziniert hatten. Nach seiner letzten Erfahrung mit dem anderen Geschlecht war er zu einem zynischen Mistkerl mutiert, der hinter jedem Lächeln einer Frau gleich irgendeine Absicht vermutete, die damit endete, ihm das Geld aus den Taschen zu ziehen, doch gestern hatte er intuitiv gewusst, dass das bezaubernde Lächeln ihm gegolten hatte – und nicht seinem Bankkonto.

Er konnte gar nicht sagen, wie entspannend es gewesen war, jemanden kennenzulernen, der nicht wusste, aus welcher Familie er stammte und wie groß das Vermögen war, das er geerbt hatte, als sein Vater vor einem Jahr gestorben war. In Connecticut und New York waren die Ashcrofts bekannt wie ein bunter Hund. Leider wirkte sich dies auch auf seine Dates aus, denn viel Geld zog nun einmal viele ambitionierte Frauen an, die sich mit ihm in der Hoffnung verabredeten, ein Stück vom Kuchen abzubekommen. Nachdem er sich von seiner letzten Freundin getrennt hatte, weil er genug davon hatte, sich wie eine Weihnachtsgans ausnehmen zu lassen, war er zu der deprimierenden Einsicht gekommen, dass er sein Augenmerk auf die Arbeit richten sollte.

Er hatte diesen Urlaub wirklich bitter nötig gehabt, denn die vergangenen Monate waren nicht nur stressig, sondern auch nervenaufreibend gewesen. Seit dem Tod seines Vaters hatte sich sein Leben komplett geändert. Er war nicht länger ein Angestellter seines Vaters, sondern hatte die Verantwortung über das Familienunternehmen übernehmen und darum kämpfen müssen, seinen Posten vor dem Aufsichtsrat zu festigen. Mit achtundzwanzig Jahren war er einerseits wie ein Auszubildender behandelt worden, aber andererseits war die Verantwortung, ein riesiges Wirtschaftsunternehmen zu führen und hunderten Angestellten verpflichtet zu sein, fast schon erdrückend gewesen.

Zwar war Patrick in die Firma hineingeboren worden und hatte sich seit dem College gewissenhaft darauf vorbereitet, irgendwann den Posten seines Vaters zu übernehmen, aber niemals hatte er damit gerechnet, dass sein Vater mit nicht einmal sechzig Jahren einen Herzinfarkt bekommen und auf dem Weg ins Krankenhaus sterben würde. Nicht nur in der Firma war nach seinem Tod das totale Chaos ausgebrochen, sondern auch in der Familie hatte alles kopfgestanden. Seine Mutter war über den Tod ihres Mannes untröstlich gewesen, während seine beiden jüngeren Geschwister ihm das Leben zur Hölle gemacht hatten.

Barbara, seine um ein Jahr jüngere Schwester, hatte ihm ständig einreden wollen, dass ihre Mom eine Trauertherapie machen sollte, und war tagtäglich vorbeigekommen – immer mit seinen beiden Neffen im Schlepptau. Und sein zweiundzwanzigjähriger Bruder Stuart hatte den Tod seines Dads zum Anlass genommen, beinahe vom College zu fliegen und stattdessen einen Segeltörn durch die Karibik zu veranstalten.

Glücklicherweise hatte sich das Klima daheim wieder etwas beruhigt.

Barbara konzentrierte sich darauf, das neue Haus zu dekorieren, das ihr Mann vor wenigen Wochen gekauft hatte, und stürzte sich in diverse Wohltätigkeitsvereine, Stuart hatte sich endlich dazu entschieden, Jura zu studieren und nicht länger seine Kurse zu schwänzen, und seine Mom war nach Südafrika geflogen, um eine Freundin zu besuchen. Für Patrick war es der perfekte Zeitpunkt gewesen, seine Koffer zu packen und selbst einmal auszuspannen. Er wollte weder die besorgten Anrufe seiner Schwester annehmen, noch bis weit nach Mitternacht im Büro sitzen und sogar nachts von seinem besten Freund und Mitarbeiter aus dem Schlaf geweckt werden, weil es irgendwo ein Problem gab, und er wollte nicht Interesse heucheln, wenn ihm eine junge Frau vorgestellt wurde, die diesen unsäglichen Artikel gelesen hatte, in dem sein ungefähres Vermögen angegeben worden war.

Seitdem er sich von seiner Freundin getrennt hatte, hatte Patrick einen großen Bogen um Frauen aus seinem Bekanntenkreis gemacht, denn die Erfahrung mit der verwöhnten und verhätschelten Cynthia hatte ihm gereicht. Resigniert hatte er sich eingestanden, dass alle seine bisherigen Freundinnen vermutlich mit ihm zusammen gewesen waren, weil er nun einmal Patrick Ashcroft war. Keine seiner Exfreundinnen hatte sich damit beschäftigt, einen Job zu bekommen und ein selbstständiges Leben zu führen, sondern sie waren alle darin aufgegangen, die verwöhnten Töchter aus reichem Haus zu spielen und einen Mann zu finden, der ihnen den bereits anerzogenen Lebensstil ermöglichen konnte.

Doch Patrick wollte nicht mit einer Frau zusammen sein, die lediglich von ihm verlangte, ihr Leben zu finanzieren.

Es mochte idiotisch klingen, aber ein einziges Mal wollte er das Gefühl haben, von einer Frau gemocht zu werden, weil er nett war, sie zum Lachen brachte oder über ihre Scherze lachte. Zu Hause in New York oder Connecticut war es jedoch nicht besonders leicht, so jemanden zu finden.

Naserümpfend verließ er den Balkon und schloss die Doppelflügeltüren hinter sich, um sein Hotelzimmer zu betreten und nach der Fernbedienung zu greifen. Während er nach einem Sender suchte, warf er sich aufs Bett, stopfte ein Kissen hinter seinen Kopf und dachte darüber nach, dass er gestern zum ersten Mal seit langer Zeit mit einer Frau gelacht und gescherzt hatte und dabei nicht daran denken musste, ob sie sich seinetwegen verstellte, weil sie ihm gefallen wollte.

Außerdem war er bezaubert gewesen.

Er war davon bezaubert gewesen, wie angenehm es gewesen war, mit Amy seine Zeit zu verbringen, wie einfach es sich angefühlt hatte, mit ihr zu reden, und wie er lächeln musste, wenn sie lächelte. Eigentlich hätte er sich niemals für einen Mann gehalten, der mit einem breiten Grinsen auf einem Bett liegen und dabei an eine Frau denken könnte. Er war kein Romantiker – jedenfalls hatte er sich niemals für einen gehalten.

Dennoch konnte er nicht anders, als über den gestrigen Tag nachzudenken und ihn Revue passieren zu lassen.

Als er die junge Frau entdeckt hatte, die unter einem Baum gesessen und etwas auf einen Zeichenblock gekritzelt hatte, während sie völlig vertieft gewesen war, war es für ihn selbstverständlich gewesen, seinen angenehmen Platz auf einer Parkbank zu verlassen und zu ihr zu schlendern. Vermutlich war es weniger das Interesse an der Zeichnung gewesen, das ihn dazu veranlasst hatte, zu ihr zu gehen, sondern das Interesse an der hübschen Frau mit den blonden Haaren und dem liebreizenden Puppengesicht selbst. Er mochte keine überkandidelten Frauen, doch leider lernte er in seinem Bekanntenkreis selten jemanden kennen, der nicht mit einer ganzen Wagenladung Make-up im Gesicht das Haus verließ.

Die junge Frau dagegen hatte barfuß, mit einem Pferdeschwanz, kurzen Shorts und einer weißen Bluse bekleidet auf dem Rasen des Kirchengartens gesessen und keine einzige Spur von Make-up getragen. Ihm hatte es gefallen.

Dass sie ihn gezeichnet hatte, hatte ihm sogar noch mehr gefallen, denn das Erröten in ihrem Gesicht, als er dies bemerkt hatte, war ihm durch und durch gegangen.

Bei ihrem anschließenden Café-Besuch war es oft dazu gekommen, dass sie vor Verlegenheit errötet war, und jedes Mal war er bezaubert gewesen. Auch als sie sich zusammen das Pantheon angeschaut hatten und sie sich in begeisterten Ausführungen darüber ausgelassen hatte, mit welcher Baukunst die Römer bereits vor über zweitausend Jahren gearbeitet hatten, war Patrick nichts übrig geblieben, nicht das antike Gemäuer zu betrachten, sondern sie anzustarren und ihr förmlich an den Lippen zu hängen.

Wenn er es nicht besser wüsste, würde er vermuten, dass er sich verknallt hatte.

Jedoch gehörte er nicht zu der Sorte Männer, die sich Hals über Kopf in eine Frau verknallten und nicht aufhören konnten, über sie zu schwärmen. Er war ein sehr rationaler Mensch, der das Für und Wider gegeneinander abwog und es gewohnt war, einen kühlen Kopf zu behalten.

Warum also konnte er es gar nicht abwarten, sie heute wiederzusehen?

Und warum begann sein Herz wie verrückt zu rasen, als er darüber nachdachte, ob sie ihn wieder mit diesem weichen Lächeln anschauen würde?

 

 

 

 

„Oh mein Gott!“ Patrick konnte nicht aufhören, vor lauter Verzückung laut zu stöhnen, und es war ihm sogar egal, wer ihn dabei hören konnte.

„Habe ich zu viel versprochen?“, stöhnte Amy an seiner Seite und stieß einen Laut des Wohlbehagens aus. „Oh Gott.“

„Himmel.“ Er schloss die Augen. „Niemals zuvor ... ich schwöre dir, niemals zuvor habe ich so etwas erlebt!“

„Ich weiß, wie du dich fühlst“, seufzte sie. „Mir ging es beim ersten Mal auch so.“

„Hier.“ Großzügig hielt er ihr seine Eiswaffel hin und forderte sie mit funkelnden Augen auf: „Versuche das Champagnersorbet. Es ist ... wow!“

„Danke“, lachte sie übermütig und versenkte den winzigen Eislöffel in der cremigen Kugel, bevor sie ihm ihre Waffel hinhielt.

„Dafür musst du mein Blutorange-Eis kosten!“

Das tat er und ließ das Eis mit der leichten Säure auf seiner Zunge zergehen. Tatsächlich hatte er niemals zuvor ein so gutes Eis gegessen.

Während er beobachtete, wie Amy sein Eis probierte und dabei ekstatisch seufzend den Mund verzog, begann sich eine Gänsehaut über seinen ganzen Körper zu ziehen. Vielleicht war es doch keine so gute Idee von ihr gewesen, den berühmten Laden Giolitti aufzusuchen, um sich dort ein Eis zu kaufen. Angesichts ihres Seufzen und der verzückten Miene musste er nämlich gewaltig schlucken.

Bereits den ganzen Abend konnte er schon seine Augen nicht von ihr lassen, denn in dem luftigen Sommerkleid, das nicht nur ihre schlanken Beine entblößte, sondern auch einen winzigen Blick auf ihr Dekolleté erlaubte, gefiel sie ihm besonders gut.

„Ich habe dir doch gesagt, dass es sich lohnen wird, so lange anzustehen“, riss sie ihn fröhlich aus seinen Gedanken heraus, während sie beide in einer nur schummrig beleuchteten Gasse ganz in der Nähe des Geschäfts standen.

„Gut, dass ich auf dich gehört habe.“ Er leckte sich etwas Eis von der Zunge und erwiderte ihren fröhlichen Augenaufschlag. „Obwohl ich zugeben muss, dass das Chaos an der Eistheke mich einen kurzen Moment überfordert hat.“

„Keine Sorge“, lachte sie. „Meistens ist es noch viel schlimmer.“

„Aha.“

Mit dem Kopf deutete sie nach rechts. „Sollen wir ein paar Schritte gehen?“

„Gerne.“ Neben ihr herzugehen, brachte ihn in Erinnerung, dass ihr Kopf nur bis zu seiner Schulter reichte. Amy war von der elfenhaften Sorte und erweckte den Eindruck, dass sie ein zartes Wesen war. Doch nach allem, was er bereits von ihr erfahren hatte, täuschte dieser Eindruck. Eigentlich war es nämlich so, dass Patrick es ziemlich bewundernswert fand, wie mutig sie ihren Weg ging, auch wenn dieser nicht besonders leicht zu sein schien.

Räuspernd fragte er sie, während sie langsam über das unebene Kopfsteinpflaster liefen: „Wann zeigst du mir deine Bilder?“

Anscheinend verschluckte sie sich mit einem fröhlichen Lachen an ihrem Eis. Überrascht blinzelte sie zu ihm hoch und wischte sich einen Tropfen des geschmolzenen Eises von ihrem Mundwinkel. „Was?“

Achtlos zuckte er mit der Schulter und aß weiter an seiner eigenen Portion, während er ihr ins Gesicht sah. „Deine Bilder. Ich würde sie gerne sehen.“

„Sie sind nichts Besonderes“, erklärte sie bescheiden. „Außerdem befolge ich gar keine richtige Stilrichtung.“

„Sondern?“ Interessiert legte er den Kopf schief.

„Nun ja.“ Wieder errötete sie zart. „Ich habe noch nicht den einen Stil gefunden, an den ich mein Herz hänge. Einerseits liebe ich den Impressionismus, aber abstrakte Kunst gefällt mir auch sehr. Ebenso wie die alten Meister. Und antike Kunst ...“ Sie lachte leise auf und deutete salopp in die Luft. „Wenn ich die Antike nicht schätzen würde, wäre ich nicht hier.“

Patrick biss in seine Waffel, kaute kurz und fragte neugierig: „Für mich klingt es umso faszinierender, dass du nicht nur eine Stilrichtung befolgst, sondern dich in mehreren versuchst.“

Nun zuckte sie mit der Schulter. „Vielleicht, aber meine Professoren sagten immer, dass große Maler nur einem Stil treu waren – nämlich ihrem eigenen. Manchmal komme ich mir wie eine Plagiatorin vor, die bei anderen abkupfert, aber keine eigenen Ideen hat. Schlimm, oder?“ Zwar sollte ihr schiefes Lächeln anscheinend ihre Worte mildern, aber Patrick verstand, was sie ihm damit sagen wollte.

Verständnisvoll zwinkerte er. „Du wirst noch den einen Stil finden, der dir liegt. Da bin ich mir sicher. Und bis dahin würde ich trotzdem gerne alle deine Bilder sehen. Egal ob abstrakt oder antik.“

„Ha.“ Sie lachte. „Jetzt bin ich überhaupt nicht nervös.“

„Musst du nicht, schließlich bin ich sehr begeisterungsfähig und werde mit Sicherheit alles ganz toll finden.“

„Warten wir es ab.“

Mit einem letzten Biss war die Waffel verputzt. Gut gelaunt hob er seine Hände. „Langsam weiß ich es zu schätzen, dass ich mich anstatt mit Fragen um Stilrichtungen nur mit Zahlenkolonnen beschäftige.“

„Ich war grauenvoll in Mathe“, kicherte sie. „Meistens saß ich im Unterricht und wusste nicht einmal, auf welcher Seite wir überhaupt waren.“

„Bestimmt lag es am Lehrer.“

„Von wegen!“ Sie schüttelte den Kopf und löste dadurch eine blonde Strähne aus ihrer Frisur, die sich in ihren Wimpern verfing.

Patrick musste das Bedürfnis unterdrücken, die Strähne beiseite zu streichen, und beobachtete stattdessen fasziniert, wie sie diese wegpustete, um gleich darauf zu grinsen.

„Glaub mir, ich hätte den besten Lehrer der Welt haben können, es hätte nichts genützt. Mathe und ich wären niemals Freunde geworden.“ Auch sie biss von ihrer Waffel ab und fragte kurze Zeit später: „Wo arbeitest du denn, wenn du dich mit Zahlenkolonnen beschäftigen musst?“

Obwohl er sie nicht anlügen wollte, hielt er es für ratsamer, seinen Job ein wenig zu beschönigen, daher meinte er achtlos: „Ich arbeite für ein Wirtschaftsunternehmen, das in mehrere Sparten expandiert und marode Firmen saniert, um sie entweder als Tochtergesellschaft zu integrieren oder aber wieder abzustoßen. Wir erstellen Statistiken über die Wirtschaftlichkeit von Firmen und berechnen Börsengänge, Profitspannen und so weiter, um Übernahmen anderer Unternehmen vorzubereiten.“

Als er ihre großen Augen sah, fügte er rasch hinzu: „Wie gesagt, ich bin Angestellter und beschäftige mich mit ... äh ... mit Buchhaltung.“

„Okay“, flüsterte sie beeindruckt. „Ich habe zwar kaum ein Wort verstanden, aber es klingt ... kompliziert.“

„Es ist sehr ... weit verzweigt, aber ich arbeite ja lediglich für einen Bereich.“

„Und du beschäftigst dich den ganzen Tag mit Zahlen?“

„Mehr oder weniger, aber es ist okay. Also ... es ist ziemlich interessant.“

Da Patrick nicht wusste, was er noch hätte sagen sollen, ohne sie weiter anzulügen, wechselte er lieber das Thema. „Wie oft gönnst du dir dieses Eis? Wenn ich hier leben würde, wäre ich vermutlich täglich dort.“

„Da ich auf der anderen Tiberseite wohne, hält es sich glücklicherweise in Grenzen“, erwiderte sie fröhlich. „Trotzdem fällt es gerade hier in Rom sehr schwer, nicht jeden Tag Massen an Pizza, Pasta und Eis zu essen. An jeder Ecke werden so unglaublich gute Dinge angeboten!“

„Oh ja.“ Er nickte. „Das glaube ich dir aufs Wort. Pizza, Pasta und Eis gehören zu Rom wie antike Gemäuer und ...“ Er deutete auf mehr als zwei Dutzend Motorroller, die neben dem Bürgersteig parkten. „... Motorroller.“

„Stimmt! Motorroller sind überall.“

Als bräuchte es noch einen Beweis, dass die Stadt von den motorisierten Zweirädern bevölkert wurde, brausten plötzlich drei von ihnen kamikazemäßig und unter Nichtbeachtung aller Verkehrsregeln über die holprige Straße neben dem Bürgersteig.

„Himmel“, seufzte Patrick, um Amy einen fragenden Blick zu schenken. „Fährst du auch so ein Teufelsding?“

Das schwache Lächeln fiel etwas zurückhaltend aus, als sie erklärte: „Ich bin ein Angsthase, was diese Dinger betrifft. Man ist ja völlig ungeschützt und kann sehr schnell verletzt werden, zumal der römische Verkehr kein Pappenstiel ist.“

„Da hast du recht. Aber Spaß würde es sicherlich machen.“

„Vielleicht.“ Sie warf den Rest ihrer Waffel in einen Abfalleimer und hob kurz eine Hand. „Meine Mom ist bei einem Autounfall gestorben, als ich sechs war, deshalb ...“ Sie brach ab.

Betroffen senkte er den Kopf und atmete leise aus. „Das tut mir leid.“

„Mir auch.“ Ihr kleines Lächeln erwärmte sein Herz.

Patrick schluckte kurz. „Ich kann mir nicht vorstellen, wie hart das für dich gewesen sein muss.“

„Schon okay“, murmelte sie. „Das ist immerhin ein paar Jahre her.“

Seufzend offenbarte er: „Mein Dad ist vor einem Jahr gestorben. An einem Herzinfarkt. Zwar bin ich schon erwachsen, aber dennoch ist es ein Scheißgefühl.“

„Entschuldige, Patrick“, flüsterte sie zerknirscht. „Ich hätte nicht davon anfangen sollen.“

„Kein Problem.“ Auch er lächelte schwach und gab dem Drang nach, ihre zarte Wange mit seinem Daumen zu berühren. Der plötzliche Hautkontakt ließ ihn erzittern. Zufrieden stellte er fest, dass es ihr nicht anders ging, da sich ihre Pupillen weiteten und ein Beben durch ihren Körper fuhr.

„Ich würde dich gerne wiedersehen, Amy“, murmelte er.

Sie lächelte errötend. „Ich dich auch.“

 

 

 

 

3. Kapitel

 

 

„Hat Cäsar die Löwen selbst gefüttert?“

„Nein, Schätzchen“, erwiderte Amy dem ungefähr siebenjährigen Jungen geduldig, dessen Gesicht über und über mit Schokoladeneis beschmiert war. „Cäsar hat das Kolosseum niemals gesehen, weil es erst gebaut wurde, nachdem er gestorben war.“

„Aha.“ Der Kleine runzelte die Stirn. „Wer hat denn dann die Löwen gefüttert?“

Bevor Amy antworten konnte, erscholl die schmatzende Stimme des Vaters des wissbegierigen Kindes, dessen Gesicht nicht weniger verschmiert war als das seines Sohnes. Neben dieser Ähnlichkeit trugen Vater und Sohn auch noch das gleiche Outfit, das aus Sandalen nebst weißen Tennissocken, hawaiianisch gemusterten Shorts, T-Shirts im Tarnmotiv und Baseballkappen bestand, auf denen abgedruckt war: Don’t mess with Tex. „Stimmt es, dass den Christen die Köpfe abgehackt wurden? Und durften die Zuschauer die Köpfe mit nach Hause nehmen? Als Souvenir?“

Angesichts der blutrünstigen Frage warf Amy einen nervösen Blick auf das siebenjährige Kind, das jedoch weder einen Schreikrampf bekam noch zu weinen begann. Stattdessen starrte es Amy an, als wäre es das Normalste der Welt, an einem warmen Augustmorgen im antiken Kolosseum zu stehen und über abgehackte Christenköpfe zu sprechen.

„Äh ... ich wüsste nicht, dass es überliefert wäre, dass Zuschauer ... äh ... irgendwelche Körperteile ... als Souvenir mit nach Hause nehmen durften. Aber das ist eine interessante Frage“, fügte sie diplomatisch hinzu und deutete rasch auf die Bögen über ihnen. „Das Kolosseum besteht insgesamt aus drei Ebenen. Wir können sehr schön erkennen, dass jeweils achtzig Bögen ...“

„Aber was passierte dann mit den Köpfen? Durften die Löwen die Köpfe fressen?“, unterbrach der kleine Junge sie mit neugierigen Augen. „Mein Hund Milo hat mal einen Kopf von einer Ratte gefressen. Danach wurde ihm so schlecht, dass wir mit ihm zum Tierarzt fahren mussten.“

Amüsiertes Gekicher war in Amys Touristengruppe zu hören. Zwar war der kleine Texaner ein putziges Bürschchen, aber nach Amys Meinung schien er sich ein wenig zu begeistert auf abgehackte Köpfe zu konzentrieren.

„Also ... ich weiß nicht, Schätzchen.“ Fast schon hilflos blickte sie zum Vater des Jungen, der jedoch damit beschäftigt war, voller Hingabe das Eis zu essen.

Begeistert erklärte der Junge: „Milo bekam eine Spritze und hat den ganzen Rattenkopf wieder ausgekotzt. Haben die Löwen auch wieder die Köpfe ausgekotzt?“

Das plötzliche Gefühl, gleich würgen zu müssen, empfand anscheinend nicht nur Amy, da einige ihrer Gruppenmitglieder plötzlich grün anliefen.

Abrupt tätschelte sie den Kopf des Jungen, atmete durch die Nase ein und meinte mit aller Autorität, zu der sie fähig war: „Wir reden gleich darüber, wenn ich dir zeige, wo die Löwen untergebracht wurden, okay?“

„Cool!“

Hastig verdrängte sie das mulmige Gefühl und schaute zurück zu ihrer Gruppe. „Wir stehen im mittleren Stockwerk. Das bedeutet, dass die Säulen, die Sie hier sehen, ionisch sind. Im Erdgeschoss haben sie eine dorische Form und im obersten Stockwerk finden wir korinthische Säulen.“

„Entschuldigung? Ich hätte eine Frage.“

In der Befürchtung, ein weiteres Mal mit abgehackten Christenköpfen oder ausgekotzten Rattenköpfen konfrontiert zu werden, sah Amy gequält auf und stellte mit Verwunderung fest, dass sich Patrick inmitten ihrer Gruppe befand und sie breit angrinste.

„Könnten Sie mir erklären, was der Unterschied zwischen ionischen, korinthischen und dorischen Säulen ist?“

„Aber gerne“, entgegnete sie gespielt ernst. „Dorische Säulen wirken ein wenig gedrungen und schlicht. Meistens haben sie nur einige wenige Längsrillen, wohingegen die korinthischen und ionischen Säulen schlanker und höher sind. Außerdem sind sie sehr viel kunstvoller gestaltet. Insbesondere die korinthischen Säulen haben einen wunderschön verzierten Deckel – das Kapitell.“

„Vielen Dank“, erwiderte Patrick mit ebensolcher Ernsthaftigkeit und brachte Amy damit beinahe zum Lachen.

Anscheinend hatte er sich vorgenommen, sich unter ihre Gruppe zu schmuggeln, da er in den nächsten anderthalb Stunden nicht von ihrer Seite wich. Während Amy alles Wissenswerte über die Gladiatorenkämpfe, die Architektur des Amphitheaters und auch über blutrünstige Löwen dozierte, blieb Patrick bei der Gruppe, sah sich ebenso interessiert wie der kleine Texaner die frei liegende Unterkellerung an und war der Einzige, der Fragen stellte. Glücklicherweise brachte sie ihre Führung ohne große Unterbrechung zu einem Ende, entließ die Touristen in die Mittagshitze und fand sich mit Patrick bald darauf auf einer Parkbank wieder, während sie beide Sandwiches verdrückten und kalte Cola tranken.

„Zucker“, sabberte sie voller Genugtuung und nahm einen großen Schluck. „Das habe ich jetzt gebraucht!“

Gutmütig stieß Patrick sie an und hob seine Coladose in die Höhe. „Hat dir das Gerede über Rattenköpfe und den armen Milo etwa Übelkeit bereitet?“

„Und wie!“ Sie schauerte übertrieben. „Ich hatte schon die Befürchtung, dass ich mich vor allen Augen übergeben müsste.“

„Da ging es nicht nur dir so“, lachte er amüsiert. „Eine Frau wurde total bleich um die Nasenspitze und verabschiedete sich mit ihrem Mann für ein paar Minuten.“

Amy seufzte. „Die Hitze und das Gesprächsthema waren wirklich keine gute Kombination.“

„Na ja, die Hauptsache war, dass der Kleine seinen Spaß hatte.“

„Lass uns lieber das Thema wechseln, denn wenn ich mir vorstelle, wie es bei denen daheim zugehen muss, bekomme ich noch Albträume.“

Patrick lachte dröhnend. „Hast du ihre Baseballkappen gesehen? Und dann dieser Partnerlook!“

Obwohl ihr tatsächlich noch ein kleines bisschen übel war, musste sie angesichts seines Lachens selbst lächeln und musterte ihn verstohlen von der Seite. Sein Anblick in Kombination mit dem tiefen, humorvollen Lachen brachte es fertig, dass ihr extrem warm wurde und sich Schmetterlinge in ihrem Bauch breitmachten.

Außerdem rätselte sie darüber, wie ein Mann wie Patrick sich anscheinend in den Kopf gesetzt hatte, seine Zeit mit ihr zu verbringen, immerhin war er ein hinreißender Anblick. Größer als die meisten Männer, mit breiten Schultern und langen Beinen gesegnet, sorgte er überall für Furore. Erst gestern war ihr aufgefallen, wie viele Touristinnen ihm nachgestarrt hatten, als sie abends durch Rom geschlendert waren. Im Eiscafé war es besonders schlimm gewesen, denn er hatte den ganzen Verkehr aufgehalten, als die Kassiererin sich ständig vertippt und ihn mit einem hochroten Kopf gemustert hatte.

Amy konnte es ihr gut nachempfinden, denn auch sie musste sich ständig zusammenreißen, ihm nicht wie paralysiert ins Gesicht zu starren. Dafür war er einfach zu gut aussehend. Auch jetzt verfiel sie fast in Schnappatmung, als sie sein schwarzes Haar anschaute, das so wunderbar weich und unordentlich wirkte, als sie sein gebräuntes Gesicht mit den auffälligen Augen, den schmalen Wangen und den maskulinen Zügen betrachtete und als sie ihre Augen über seine Gestalt wandern ließ, die in einem weißen T-Shirt und halblangen Cargohosen steckte. Bevor er sie dabei ertappen konnte, wie sie seine nackten Waden betrachtete, stierte sie lieber auf ihr Sandwich, das sie, in eine Serviette gewickelt, auf ihrem Schoß platziert hatte, und trank einen weiteren Schluck Cola.

„Das ist also dein Job? Du lernst jeden Tag ... äh ... interessante Gestalten kennen.“

„So könnte man es nennen.“ Amy stellte die Coladose neben sich ab und wickelte das Sandwich aus der Verpackung. „Aber es ist ja nicht mein einziger Job.“

„Ist es nicht?“, wollte er überrascht wissen und versenkte seine Zähne in seinem Sandwich.

Amy nahm ebenfalls einen Bissen, kaute bedächtig und schüttelte währenddessen den Kopf. „Diese Führungen bringen nicht so viel Geld ein, dass ich davon alle Rechnungen bezahlen könnte.“

„Was machst du denn noch?“

Sie zuckte mit der Schulter. „Ich kellnere und verkaufe Museumstickets.“

„Das Kellnern klingt nach harter Arbeit.“

Mit einem weiteren Schulterzucken tat sie seine Bemerkung ab und scherzte: „Man braucht einfach nur bequeme Schuhe.“

Seufzend streckte er seine langen Beine von sich. „Ehrlich gesagt klingt es, als hättest du nicht nur einen Vollzeitjob, sondern gleich mehrere. Kommst du überhaupt noch zum Malen?“

„Wenn ich nicht unter einer akuten Malflaute leiden würde“, witzelte sie. „Nein, im Ernst. Ich kellnere ja nicht jeden Tag und führe auch nicht täglich Touristengruppen durchs Kolosseum. Es bleibt noch genügend Zeit, um zu malen. An manchen Tagen habe ich zwei Jobs oder sogar drei, aber manchmal arbeite ich nur vormittags oder gar nicht. Es verteilt sich ganz gut.“ In dem Bedürfnis, ihm nah zu sein, stupste sie ihn an. „Hast du denn eine normale Fünf-Tage-Woche?“

Er gab sich kryptisch und lächelte sie über seinem Sandwich an. „Mehr oder weniger. Es kommt darauf an, wie stressig es in der Arbeit ist. Manchmal muss ich auch am Wochenende ran.“

„Ist dies also dein wohlverdienter Urlaub?“

Patrick gab ein bestätigendes Ächzen von sich. „Du hast ja keine Ahnung!“

Dies ließ sie kichern, bevor beide in ein Schweigen verfielen und in angenehmer Ruhe ihre Sandwiches verdrückten. Nicht einmal die Selfie-Stangen-Verkäufer, die auffällig zahlreich um sie herumschlichen, störten bei diesem Festmahl.

„Wenn du nicht als Ticketverkäuferin, Kellnerin, Touristenführerin oder Malerin arbeitest, würde ich gerne wissen, ob du abends auch mal ins Freilichtkino gehst.“

Verwundert schluckte sie den letzten Bissen ihres Sandwiches hinunter. „Hm? Was meinst du?“

Er lachte forsch. „Ich habe für heute Abend zwei Tickets fürs Freilichtkino der Villa Borghese bekommen. Leider werde ich vermutlich kein Wort verstehen, da der Film in italienischer Sprache gezeigt wird, aber vielleicht wird es ja doch ganz nett, wenn du mitkommst.“

Sie brauchte nicht zu fragen, ob dies ein Date war, denn ganz beschränkt war sie nun auch wieder nicht. Geschmeichelt und gleichzeitig ziemlich aufgeregt murmelte sie: „Villa Borghese klingt klasse.“

Nun stupste er sie leicht in die Seite. „Sollte es uns nicht gefallen, können wir immer noch ein Eis essen gehen.“

Das brachte sie wieder zum Lachen.

 

 

 

 

4. Kapitel

 

 

Ihre Malflaute schien vorbei zu sein, überlegte Amy aufgedreht, immerhin hatte sie den ganzen Nachmittag gemalt und erst ziemlich spät bemerkt, dass sie bald zu einem Date aufbrechen musste. So schnell war sie niemals umgezogen gewesen, da sie Patrick nicht warten lassen wollte. Irgendwie war heute ein perfekter Tag, wenn man davon absah, dass das Rattenkopfthema sie morgens noch ein wenig mitgenommen hatte.

Außerdem hatte die Bank es endlich geschafft, ihr Geld zu überweisen, sodass sie sich keine Sorgen machen musste, wie sie am Ende der Woche ihre Miete bezahlen sollte.

Doch das war noch längst nicht alles gewesen, denn der Abend im Freilichtkino entwickelte sich großartig.

Sie saß unter einem klaren Nachthimmel auf einer Decke, schaute sich einen wunderschönen Schwarz-Weiß-Film mit Sophia Loren an, von dem sie nicht einmal die Hälfte verstand, war wie gebannt von der erhabenen Atmosphäre der Villa Borghese um sich herum und spürte den Mann neben sich, der nicht nur wunderbar gut duftete, sondern ihr Herz schneller schlagen ließ.

Wenn sie bedachte, wie niedergeschlagen sie noch vor drei Tagen gewesen war, konnte sie jetzt nur darüber lachen.

Als sie unwillkürlich erschauerte, da kühler Wind durch den Schlosspark wehte, legte ihr Date einen Arm um sie und zog sie langsam an sich. Amy glaubte jeden Moment in Ohnmacht zu fallen und sog den würzigen Geruch ein, den Patrick verströmte, während sie heimlich lächelte.

„Kalt?“

„Ein wenig“, flüsterte sie zurück und hätte vor Wohlbehagen fast nach Luft geschnappt, als seine große Hand über ihren nackten Oberarm strich, um sie zu wärmen. Jetzt stand sie einer Ohnmacht tatsächlich sehr nah gegenüber.

Niemals zuvor hatte sie sich von einem Mann derart angezogen gefühlt. Und niemals zuvor hatte sie mit dem Bedürfnis gekämpft, sich schamlos an einen Mann zu schmiegen und sich sehnlichst zu wünschen, dass er sie küssen möge. Es war wie verhext, denn seit sie hier saßen, konnte sie an nichts anderes denken, als dass sie zu gerne wissen wollte, wie sich seine Lippen an ihren anfühlen mochten. Nur der dringende Wunsch, sich vor ihm nicht zu blamieren, hatte sie bisher davon abgehalten, ihn wie ein verliebtes Hündchen anzustarren.

„Ich verstehe kein Wort“, flüsterte Patrick ihr zu und hörte glücklicherweise nicht auf, mit seiner Hand über ihren Oberarm zu streicheln. „Ist Sophia Loren jetzt die verschwundene Prinzessin oder nicht?“

Da Amy seit gut einer halben Stunde für alles um sie herum blind und taub war und sich lediglich auf den Mann neben sich konzentrierte, konnte sie ihm leider keine Antwort geben.

„Ich habe keine Ahnung“, flüsterte sie zurück und schluckte, als er ihr sein amüsiertes Gesicht zuwandte.

„Die Idee mit dem Freiluftkino war ein Reinfall, oder?“

„Überhaupt nicht“, erwiderte sie ehrlich.