ohnegrund - Schulamit Meixner - E-Book
Beschreibung

Amy geht nach Tel Aviv, um zu studieren. Sie ist die vernachlässigte Tochter zweier Künstler in London. Amy heißt eigentlich Emily, und so viel, wie von ihr erwartet wird, kann sie gar nicht leisten. Daher beschließt sie, gerade in Tel Aviv angekommen und außer Reichweite ihrer Eltern, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Sie verliebt sich in den jungen, idealistischen Israeli Nimrod, die beiden heiraten und bekommen eine Tochter, Sharona. So groß ihre Liebe ist, so groß ist jedoch auch Nimrods Idealismus als Sozialarbeiter. Amy nimmt tatenlos hin, dass Nimrod seine Ziele mit Hingabe verfolgt und sie und Sharona zurücklässt. Zehn Jahre später: Amy ist alleinerziehende Mutter in London. Was im Leben ihres Mannes passiert ist, was ihrem Vater zugestoßen ist, das möchten Amy und Sharona ergründen, doch tut es jede für sich selbst. Erst durch das Einfühlungsvermögen von Amys Tante Lisa gelingt es, die beiden ein wenig näher aneinander und auch an die Wahrheit heranzuführen. Stimmungsvoll, mit viel Zuneigung und Empathie für ihre Figuren erzählt Schulamit Meixner in ihrem bemerkenswerten Debüt die Geschichte einer jungen Frau und ihrer Tochter auf dem Weg zu sich selbst - und zu ihren Mitmenschen.

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Seitenzahl:230

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SCHULAMIT MEIXNER

ohnegrund

meinen Eltern meinen Kindern

Copyright © 2012 Picus Verlag Ges.m.b.H., Wien Alle Rechte vorbehalten Grafische Gestaltung: Dorothea Löcker, Wien Umschlagabbildung: © AnnA BlaU, Wien Datenkonvertierung E-Book: Nakadake, Wien ISBN 978-3-7117-5085-3 Dieses E-Book ist urheberrechtlich geschützt

Informationen über das aktuelle Programm des Picus Verlags und Veranstaltungen unterwww.picus.at

SCHULAMIT MEIXNER

ohnegrund

ROMAN

PICUS VERLAG WIEN

Die ganze Welt ist eine schmale Brücke und die Hauptsache ist, keine Angst zu haben.

Rabbi Nachman von Braclav, 1772–1810

Die gestern über den Britischen Inseln aufgetauchte Barometerdepression hat sich erheblich vertieft, während das nördliche Minimum sich etwas abgeflacht hat. Im Nordwesten herrscht vorwiegend trübes, in Osten und Süden meist unbeständiges Wetter mit zahlreichen Schneefällen. Die Temperatur ist im Westen gestiegen, im Osten gesunken. Im allgemeinen bleibt das Wetter sehr kalt.

London, 2. Februar 2009

1.42 Uhr

Monoton wie Leonard Cohen summt mein Dad die Melodie. Mit starrem Gesicht. Zwischen den Zähnen fließen kaum hörbar zögerliche Worte hervor:

And who by fire? Who by water? Who in the sunshine? Who in the night time? Who by high ordeal? Who by common trial? Who in your merry, merry month of May? Who by very slow decay? And who shall I say is calling?

Eiskalt ist es in dieser Nacht. Wir kauern im Garten des Nachbarhauses. Versteckt unter dem Treppenaufgang. Ganz fest drücke ich mich an meinen Dad. Ganz fest. Er legt beide Arme um mich. Wärmen tun sie nicht. Ich friere. Ich friere die ganze Zeit, obwohl ich zwei paar Socken in den übergroßen Stiefeln trage und der Einsatz vorbei ist. Die Munition ist leer geschossen. Immer wieder zähle ich die Stufen über mir. Sieben rauf und sieben runter.

Eine Tür schlägt. Schritte über uns. Schleppend und dumpf. Ein Junge, nicht älter als ich, steigt die Treppe herunter. Mit beiden Händen zieht er einen großen schwarzen Plastiksack zu den Mülleimern und schafft es nicht, den schweren Sack in den Container zu befördern. Er dreht sich um und bemerkt uns vier unterhalb der Stufen. Erschrocken bleibt er stehen. Dad ruft ihm auf Arabisch zu, er solle sofort ins Haus zurückgehen und dort bleiben. Die ganze Gegend sei von Soldaten umstellt.

Nachtstunden vergehen schleppend. Dad wiegt mich in seinen Armen und singt leise vor sich hin. Ich spüre seinen ruhigen, kalten Atem im Nacken und schmiege mich fester an ihn. Schlafen möchte ich, doch Kälte und Angst halten mich wach. Die anderen erzählen sich Witze. Endlich, mit den ersten Sonnenstrahlen, kommen sie mit dem Hund und »Dovi«, dem D-9 Bulldozer, um den Rest zu erledigen. Wir kriechen steif und durchgefroren aus unserem Unterschlupf hervor. Die zwei toten Terroristen, die während der Nacht im Garten neben uns lagen, werden auf einer Bahre festgeschnallt und in den Ambulanzwagen geschoben.

Sie durchforschen mit dem Hund das Haus, um sicher zu sein, dass es leer ist, und kommen mit einem Mann heraus. Gleichzeitig beginnt »Dovi« seine Arbeit. Dad geht zu ihnen hinüber und durchsucht den Mann nach einem Sprengsatz. In diesem Moment stürzt ein Teil der Hauswand über ihm ein. Ich laufe schreiend zu meinem Dad. Im aufwirbelnden Staub verschwindet alles. Niemand ist mehr da, um ihn zu retten. Ich huste und weine und laufe und laufe. Die Staubwolke formt sich zu einem furchterregenden Engel und bewegt sich immer weiter weg. Ich kann meinen Dad nicht mehr erreichen.

London, 2. Februar 2009

9.30 Uhr

Wer jünger als achtzehn Jahre sei, habe noch nie einen derartigen Schneefall erlebt, meinte der Radiosprecher.

In einem Land, das Winterreifen nicht kennt, dessen bescheidenes Potenzial an Räumungsfahrzeugen seit Jahren nicht genutzt wurde und dessen geringe Menge an Streusalz nach dem ersten Einsatz erschöpft war, brachte dieser unerwartete Schneesturm am ersten Montag im Februar das gesamte öffentliche Leben zum Stillstand. Die instabile Wettersituation bewirkte, was nicht einmal die deutsche Luftwaffe zustande gebracht hatte; seit Menschengedenken wurde zum ersten Mal das gesamte Londoner Bussystem außer Kraft gesetzt.

Nachdem das Schließen der Schule durch eine frühmorgendliche SMS bestätigt worden war, streifte Sharona hastig Skihose und Anorak über den Pyjama und entschlüpfte unbemerkt in den Garten. Aufgeregt tauchte das Kind beide Hände in den Schnee, formte eine Kugel und rollte diese von einer Hecke zur anderen, hin und her, her und hin. Das zunehmende Gewicht zog eine tiefe Schneise durch den Pulverschnee, sodass der braun-schmutzige Rasen zum Vorschein kam. Sharona schob eine zweite, immer größer werdende Kugel quer durch den Garten und rollte die Bauchschneekugel ganz dicht neben die Fußschneekugel. Sie umfasste diese mit beiden Armen, holte tief Luft und versuchte mit aller Kraft, die unförmige Schneemasse hochzuheben. Sie warf einen hilfesuchenden Blick zurück zum Haus, doch ihre Mum hatte bereits in den ersten Sekunden nach dem Aufstehen wenig Begeisterung für die weiße Pracht gezeigt (»Dieser Arschschnee versaut mir noch den ganzen Tag«), und von Tante Lisa wusste sie, dass ihre Gelenke schmerzten und sie Kälte nicht ertragen konnte.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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