Oleanderregen - Stefanie Gerstenberger - E-Book

Oleanderregen E-Book

Stefanie Gerstenberger

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Beschreibung

Stefanie Gerstenberger entführt ihre Leserinnen nach Sizilien, wo die Familie heilig ist und Geheimnisse über Generationen hinweg gehütet werden

Eine Tochter, die immer verschwiegen wurde, eine Familie, die einzig die Lüge zusammenhält, und ein Mann, der nur für die Liebe gelebt hat: Als Valentina nach Sizilien reist, um die Familie ihres verstorbenen Vaters kennenzulernen, ahnt sie nicht, wie sehr die seit Generationen gehüteten Geheimnisse auch ihr eigenes Glück bestimmen werden.

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Seitenzahl: 534

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Über den Roman

Als Valentina nach dem Tod ihres Vaters erfährt, dass ihre Cousine Irma in Wahrheit ihre Halbschwester ist, reist sie nach Sizilien, um sie ausfindig zu machen. Mehr als zehn Jahre haben sich die beiden nicht gesehen, zu tief verletzte es Valentina, dass ihr damaliger Freund Max sie verließ, um mit Irma nach Palermo zu gehen. Doch bei ihrer Ankunft muss Valentina erfahren, dass Irma nach einer scheinbar harmlosen Operation im Koma liegt. Während Valentina noch fürchtet, Max wieder zu begegnen, lernt sie Angelina kennen. Eine entfernte Verwandte, die ihr eine bewegende Geschichte erzählt. Von einem Jungen, der ohne Beine geboren wurde und dank der Fürsorge seiner Mutter trotz allen Unglücks die Liebe fand. Diese Geschichte ist der Schlüssel zum Geheimnis der Familie ihres Vaters, und Valentina erkennt, dass sich jetzt auch ihr Leben ändern wird …

Über die Autorin

STEFANIE GERSTENBERGER, 1965 in Osnabrück geboren, studierte Deutsch und Sport. Sie wechselte ins Hotelfach, lebte und arbeitete u.a. auf Elba und Sizilien. Nach einigen Jahren als Requisiteurin für Film und Fernsehen begann sie selbst zu schreiben. Ihr erster Roman Das Limonenhaus wurde von der Presse hoch gelobt und auf Anhieb ein Bestseller, gefolgt von Magdalenas Garten und Oleanderregen. Ihr neuester Roman Orangenmond erschien ebenfalls im Diana Verlag. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Köln.

STEFANIE GERSTENBERGER

Oleanderregen

Roman

Taschenbucherstausgabe 09/2013

Copyright © 2011 sowie dieser Ausgabe 2013

by Diana Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Dieses Werk wurde vermittelt durch die Literarische Agentur

Thomas Schlück GmbH, 30827 Garbsen

Redaktion |Angelika Lieke

Umschlagmotiv |© Ian Lloyd/masterfile

Umschlaggestaltung |t.mutzenbach design, München

Satz |Leingärtner, Nabburg

ePub-ISBN 978-3-641-07328-2

www.diana-verlag.de

A Pinu,

infinita riconoscenza per avermi donato la storia

della sua vita, una storia che mi è entrata

nel cuore senza limiti e dove la custodirò

con cura per sempre …

Für Pinu,

mit unendlicher Dankbarkeit dafür, dass du mir

deine Lebensgeschichte geschenkt hast,

eine Geschichte, die sich in mein Herz

geschlichen hat, wo ich sie sorgsam für immer

bewahren werde …

1

Er ist klein, er ist lustig, und wenn ich dich auch nur berühre, bevor wir verheiratet sind, bringt er mich um. Oder? So war das doch?«

Nein, dachte Valentina, da hast du etwas falsch verstanden: Ein sizilianischer Vater ist höchstens für andere lustig, für die eigene Tochter nie. Stumm schaute sie aus dem Seitenfenster, während Eric auflachte und sich langsam warmredete: »Meint er das wirklich ernst? Hallo?! Wo leben wir denn? Denkt er denn tatsächlich, du bist mit deinen einunddreißig Jahren noch Jungfrau?«

Ja, davon geht er aus, sogar mehr als das, antwortete sie ihm, immer noch schweigend.

Für sein Grinsen, das sie vor anderthalb Jahren so unwiderstehlich gefunden hatte, hätte sie Eric jetzt am liebsten einen Stoß in die Rippen versetzt. Sie hatte sich damals in dieses Grinsen verliebt, und vielleicht würde sie ihn eines Tages genau deswegen verlassen. Unsinn. Sie war nicht diejenige, die ging. Sie war diejenige, die verlassen wurde.

Aber war sie überhaupt noch in ihn verliebt? Dieser ganze Aufwand heute zu Hause mit Papa – und nun wusste sie plötzlich nicht einmal mehr, ob sie noch in Eric verliebt war.

Wie verliebte man sich eigentlich? Stolperte man einfach in die Liebe, oder ließ man sich bewusst hineinfallen, so wie man einen kleinen Amarettokeks in einen Cappuccino fallen ließ? Paddelte zunächst noch etwas auf der schaumigen Oberfläche herum und beschloss dann – glücklich und diesmal ganz bestimmt für immer – sich versinken zu lassen? ›Für immer‹ hat bei dir noch nie geklappt, du Amarettokeks, stichelte eine Stimme in ihr. Meine Güte, ich bin doch glücklich. Zumindest bemühe ich mich seit achtzehn Monaten, es zu sein.

»Und wo sind wir eigentlich?« Eric las das Schild, an dem sie in diesem Moment vorbeirasten. »Ortsteil Schwarzmoor. Anheimelnder Name … Wenn wir stecken bleiben, schiebst du uns wieder raus!« Er gab Gas, der Wagen jagte noch schneller dicht an kilometerlangen Weidezäunen und noch immer winterkahlen Hecken vorbei. Wenn er sauer auf sie war, fuhr er zu schnell. Sie sollte Angst haben, zur Strafe.

»Fahr langsamer, da vorne in die kleine Straße rein und dann sofort links in das Tor!«, sagte Valentina ruhig, sie würde sich vor dem Großstadtkind auf keinen Fall für Moorlandschaft und Kuhweiden rechtfertigen. Eric bremste ab.

»Er ist eben immer noch ein Italiener, auch wenn er schon seit fünfunddreißig Jahren in Deutschland lebt. Noch dazu ein Süditaliener!« Wie oft hatte sie die altmodische Art ihres Vaters verwünscht, aber wenn andere ihn kritisierten, verteidigte sie selbst seine peinlichsten Marotten. Eric fuhr in die Toreinfahrt und brachte den Wagen vor einem hohen Grabstein aus Marmor zum Stehen.

»So!« Er schlug mit beiden Händen flach auf das Lenkrad, seine Stimmung war von genervt auf freundlich umgeschlagen, das ging bei ihm innerhalb einer Sekunde. Valentina lächelte ihn an, küsste ihn schnell auf die Wange und stieg aus. Der kalte Wind wirbelte ein wenig weißen Marmorstaub auf und zerrte an ihrer Daunenjacke, es war schon Mitte April, doch die Sonne hatte sich in diesem Frühjahr noch nicht oft gezeigt. Letzte Woche hatte es sogar noch geschneit. Valentinas Beine zitterten nicht nur vor Kälte, sie hüpfte ein paarmal auf und ab und atmete tief durch. Das Kreischen der Marmorsäge, das Geräusch ihrer Kindheit, ihres Alltags, musste in Erics Ohren noch schriller klingen als in ihren eigenen. Aber er schien sich daran nicht zu stören.

»Kleine Jungfrau, nun sei mal nicht so nervös!«, rief er über den Lärm hinweg. Sie musste lachen, sein Vorrat an kleinen Namen für sie war unerschöpflich: von »kleiner Kakerlak« über »Klein-Laut«, »kleine Hübsche« bis »kleine Hässlichkeit«. Sie liebte es, wenn er sie mit einer neuen Wortschöpfung überraschte.

»Meine Meinung zum Heiraten kennst du ja. Wie willst du mich überhaupt vorstellen?«, fragte er jetzt.

»Als meinen Geliebten, wie denn sonst?« Sie lachte wieder, aber diesmal klang es irgendwie falsch. Geliebten! Die vielen Romanseiten, die sie in den vergangenen Tagen übersetzt hatte, färbten auf ihre Sprache ab. Obwohl Eric nach seiner missglückten ersten Ehe auf keinen Fall noch ein weiteres Mal heiraten wollte, würde sie ihn nicht als Geliebten, sondern als fidanzato vorstellen und hoffen, dass er die Bedeutung des Wortes nicht kannte. Peinlich. Aber für ihren Vater musste der Mann, den sie mit nach Hause brachte, schon ihr Verlobter sein.

Endlich werde ich mein Leben mit jemandem teilen können, dachte sie. Ich werde neben ihm einschlafen, neben ihm aufwachen, werde nicht mehr Papas Hemden im Wohnzimmer, sondern nur noch die von Eric im Wirtschaftsraum bügeln, obwohl Eric seine Hemden lieber in die Reinigung bringt. Wirtschaftsraum. So hatte die Maklerin die große Abstellkammer neben der Küche bezeichnet. Eric würde seine Einstellung zur Ehe schon noch ändern, und dann würde sie eine verheiratete Frau mit einem Wirtschaftsraum sein. Wow. Ein seltsames Gefühl, ganz anders als das, was sie sich früher unter den Wörtern Liebe und gemeinsame Zukunft vorgestellt hatte.

Prompt presste ihr der alte Schmerz die Lungenflügel ein wenig zusammen, bereit, kraftvoll loszubrechen, wenn sie ihn nur ließe. Der Schmerz würde immer da sein, das hatte sie mittlerweile akzeptiert. Niemals würde es wieder so wie damals, niemals mehr würde jemand wieder alles von ihr erfahren. Das war vorbei. Sie griff nach Erics Hand, obwohl er das nicht mochte.

»Den ganzen Tag drängen meine Patienten mir ihre Extremitäten auf, ich habe dauernd Körperteile in der Hand, ich bin kein Typ zum Händchenhalten«, hatte er ihr erklärt. Sie wusste, was er in seiner Praxis tat, er hatte sich beim Begutachten ihrer verspannten Muskeln und Sehnen unter ihrem rechten Schulterblatt in sie verliebt und deswegen länger als nötig mit seinen Händen an ihr herumgezogen, -getastet, -gedreht. Wenn er seine Hand jetzt gleich wieder wegnahm, wäre das ein Zeichen, und sie würde die ganze Sache abblasen. Erstaunlicherweise ließ er sie ihr.

Mit hochgezogenen Augenbrauen nahm Eric den umzäunten Hof der Firma, das geduckte Einfamilienhaus, die Halle, die verstreuten Grabsteine und unbehauenen Steinquader in sich auf. Sie folgte seinem Blick. Die Marmorplatten am Tor lehnten fachgerecht gesichert, aber unordentlich in den Halterungen. Ihre moosigen Oberflächen waren seit Jahren der Witterung ausgesetzt, eigentlich solange sie denken konnte. Als Kind hatte sie mit den Nachbarskindern dazwischen gespielt. Obwohl es verboten war. Sie seufzte unhörbar. Wie oft hatte sie ihrem Vater gesagt, er solle das verrottete Zeug vom Eingang wenigstens nach hinten bringen lassen.

Die Säge verstummte. Sie fror immer noch, mit der linken Hand zog sie die Jacke am Hals zusammen. »Kind, du musst mehr essen, damit du wächst und ordentlich Fleisch auf die Rippen bekommst!« Früher hatte ihre Oma sie mit Lebertran gequält, genützt hatte es nichts, sie war mit 1,63 Meter ziemlich klein und auch heute noch dünn.

»Kannst du damit fahren?« Eric ging ein paar Schritte auf den Gabelstapler zu, den Kalle wie immer mitten auf dem Hof stehen gelassen hatte. Sie kannte Kalle schon ihr Leben lang, seine Haare saßen auf seinem Kopf wie bei einem Playmobilmännchen, und als Kind hatte sie gedacht, er behalte seine Arbeitsstiefel, die Latzhose und die Ohrenschützer auch nachts im Bett an. Gerade startete er in der Halle wieder die Säge.

»Klar. Dem Stapler habe ich die Narbe zu verdanken. Vielmehr seinem Vorgängermodell.«

»Ach ja, natürlich! Die Bimalleolarfraktur. Sorry.«

Valentina lachte, sie mochte es, wie seine Augen zu glitzern anfingen, sobald er von Bändern, Sehnen, Knochen und seinem Spezialgebiet, dem meniscus lateralis, redete. Als sie sich kennenlernten, hatte Eric die zwölf Zentimeter lange, dunkelrote Narbe über ihrem Sprunggelenk entdeckt und mit leidenschaftlichem Interesse abgetastet. Am liebsten hätte er den Knöchel gleich geröntgt, um den Knochenstand festzustellen.

»Ich zeig dir später alles.« Sie drückte Erics Hand und zog ihn zu dem gelb verklinkerten Haus, in dessen Souterrain die Geschäftsräume untergebracht waren. Sie musste es endlich wagen, sie war über dreißig, sie wollte verheiratet sein, glücklich sein, ein Kind haben. Und auch den Wirtschaftsraum. Einen besseren Mann als Eric, der mit seinem Doktortitel möglicherweise auch vor ihrem Vater Enzo Gnade fand, gab es doch gar nicht.

»Marmorkontor« stand an der Tür, das große M aus Messing war sogar poliert.

Trotzdem sah heute alles trostlos und irgendwie kümmerlich aus. Sie gingen drei Stufen hinab, Eric Gentleman öffnete die Tür, und schon standen sie in dem langgezogenen Raum. Vor ihnen ein Tresen, hinten zwei abgetrennte Büros, ein Schreibtisch, Regale, Aktenordner, dazwischen eine Treppe aus grünem Marmor, die nach oben in die Wohnung führte. Die Decke des Souterrains war niedrig und so grau wie der Marmor an den Wänden. Das dunkel angelaufene Computergehäuse auf dem Tisch und das ewige Omega in zwanzig unterschiedlichen Buchstabentypen und Farben möglicher Grabsteinbeschriftungen deprimierten Valentina. Schon wurde sie wieder unsicher. Eine dumme Idee, Eric unbedingt hierherschleppen zu wollen. Warum hatte sie ihren Vater nicht in ein Restaurant eingeladen und ihm ihre Verlobung, von der Eric peinlicherweise nichts wusste, bei einem Glas Sekt verkündet?

»Ciao, Papa! Wir haben Kuchen mitgebracht!«

»Buongiorno, buongiorno! Angenehm, Vitale!« Eilig kam ihr Vater herbeigelaufen und schüttelte Eric ein wenig zu lange die Hand.

»Das ist Eric. Mein …« Nun sag es doch einfach, du hast es extra geübt, drängelte es in ihr, aber das fehlende Wort fühlte sich so falsch an wie der ganze Nachmittag.

»… mein Vater«, sagte sie stattdessen zu Eric. In diesem Moment bemerkte sie Herrn Mader, der mit düsterem Blick aus dem hinteren Büro gekommen war. Doch er korrigierte seinen Gesichtsausdruck sofort.

»Mader. Ich bin so eine Art besserer Buchhalter«, erklärte er Eric mit einem bescheidenen Lächeln.

»Doktor Jasper.« Selbst wenn Eric sich ein Taxi bestellte, vergaß er nie, seinen Titel zu nennen. So viel Zeit muss sein, sagte er immer. Einen Augenblick herrschte Stille, sogar die Säge drüben in der Halle schwieg respektvoll.

»Na, dann wollen wir mal!«, rief ihr Vater laut, aber seine Augen schwirrten wie aufgescheuchte Vögel durch den Raum, und seine Hände schoben die ordentlich abgelegten Rechnungen von rechts nach links über den Tresen und wieder zurück. Valentinas Herz zog sich zusammen. Was war denn in den letzten Wochen los mit dem leicht cholerischen, charmanten, witzigen Mann, den er sonst immer vor den Kunden gab? Sehr viel bekam sie ja nicht mehr von ihm mit. Sie tranken morgens ihren ersten Espresso zusammen, bevor sie das Haus für den Rest des Tages verließ. Frau Bröcker von nebenan putzte bei ihnen und kochte mittags. Seitdem der alte Herr Bröcker vor zwei Jahren gestorben war, war sie dankbar, sich mit Arbeit ablenken zu können. Leider weigerte sie sich zu bügeln. Abends kam Valentina mit Lebensmitteln bepackt nach Hause, bereitete Abendbrot für sie beide und fuhr dann oft noch mal in die Stadt zurück. Dort lernte sie angeblich Französisch in der Volkshochschule, belegte Kurse wie »EDV-Finanzbuchführung«, »Progressive Muskelentspannung« und »Bridge, die Königin der Kartenspiele«. Ausgerechnet Bridge! In Wahrheit traf sie natürlich Eric.

Ach, Papa, dachte Valentina, du wirkst jetzt manchmal so hilflos und irgendwie richtig alt.

Herr Mader, in seinem anthrazitgrauen Anzug lang und dünn wie ein Bleistift, stand nickend neben ihrem Vater und machte ihr verstohlen Zeichen:

Wir müssen reden!

Später!, signalisierte sie ihm.

Aber bald – es geht um deinen Vater!

Ich weiß!

Jeder Blick eindringlicher als der vorherige.

»Also, dottore, das da, das sind die Steinbrüche, da kommt der Marmor her!« Valentina freute sich, ihr Vater hatte sich offensichtlich wieder gefangen. Er kam hinter dem Tresen hervor und zeigte Eric die gerahmten Fotos an den Wänden.

»Carrara, beste Marmor überhaupt. Von Carrara habe ich hier raufgebracht, vor über dreißig Jahre, alle sechs Woche war ich mit die Spedition da – habe die ganze Norden von Deutschland mit Marmor glücklich gemacht! Habe ich Carrara schon faste leer gemacht!« Er lachte. Eric ging näher an die Bilder heran: blauer Himmel, aufragende Steinwände, ein Bagger und ein junger Enzo in kurzen Hosen davor.

»Heute kommt meiste von die Marmor aus China oder, wenn du was Teures haben willst, aus Brasilia.« Er lachte wieder. »Will aber nur manche Mal einer was Teures hier, die Leute wollen Grabstein oder Platte für Küche oder Stufe für die Treppe.« Ihr Vater klopfte Eric auf die Schulter, wie er das nur bei seinen besten Kunden tat. »Bekommen Sie alles bei mir, dottore. Auch eine ganze Badezimmer, sehr elegante!«

Eric verschränkte die Arme vor der Brust und lachte mit, während Valentinas Vater alles anpries, was in den Geschäftsräumen des Marmorkontors zu finden war: Aktenordner, die Handmuster der einzelnen Marmorsorten, schwarzer Marquina, grüner Verde di Mare und der feine Estremoz in zartem Rosa, das summende Kopiergerät und die Kanister voller Reinigungspolitur in der Ecke.

»Ecco! Die Bücher von meine Valentina stehen alle in die Regal!«

»Ach, Papa!« Sie winkte lächelnd ab. Na also, klappte doch wunderbar.

»Und hier! Meine Kleine, da iste sie …, äh …, vier oder fünf.« Stolz wies er auf ein großes Schwarz-Weiß-Foto neben den Grabsteininschriften, das Valentina schüchtern lächelnd, mit weißem Riesenkragen, glattem Bubikopf und sehr kurzem Pony zeigte.

»He, da sieht sie aus wie heute, nur der Pony ist seit damals gewachsen!«, sagte Eric.

»Hatte ich selbst geschnitten. Mama ist ausgeflippt. Und hat ihn begradigt. Dann bin ich ausgeflippt.«

»Und dieser Kragen … Du bist die kleine Mireille Mathieu!«

»Na, danke. Lebt die überhaupt noch?« Valentina wollte sich ganz dicht neben Eric stellen, vielleicht sogar wieder seine Hand nehmen, damit ihr Vater auch sah, warum sie hier waren, da winkte der bescheidene Buchhalter sie in sein Büro.

»Bin gleich wieder da«, sagte sie zu Eric, »Herr Mader denkt immer, ich könnte ihm mit seinem Computer helfen …«

»Tut mir leid, dass ich das ausgerechnet heute erwähnen muss, aber es wird jeden Tag schlimmer mit ihm«, flüsterte der hagere Mann, als Valentina den kleinen Raum betrat. Valentina nickte hastig und schaute durch die Türöffnung nach Eric. Sie musste unbedingt vermeiden, dass er in Gegenwart ihres Vaters schon eine Anspielung auf die gemeinsame Wohnung machte.

»Ich habe nur äußerst knapp verhindern können, dass dein Vater das gesamte verfügbare Kapital in einem Pioneer Fonds anlegt! Gestern habe ich den Termin bei der Bank, den ihm dieser Niemeyer aufgeschwatzt hat, abgesagt. Enzo, habe ich gesagt, wer investiert denn heute noch in irgendwelche obskuren Fonds? Wir brauchen das Geld hier und sofort. Zum Glück hat er es eingesehen.«

Herr Mader krallte sich mit seinen langen Fingern in die Lehne seines Bürostuhls. Wenn er ein Tier wäre, dann eine Krähe oder ein Rabe, jedenfalls irgend so ein dunkler Vogel, dachte Valentina.

»Ich wollte dich damit bisher nicht belästigen, aber so langsam denke ich, dass du wissen solltest, was hier passiert. Heute Morgen zieht er zum Beispiel kurz vor der Frühstückspause seine Jacke an und will gehen. Enzo, wohin?, frage ich ihn. Na zu Bank, Termin mit diese Niemeyer, antwortet er, als ob wir nie darüber geredet hätten!«

Valentina seufzte. Sie kannte sich nicht aus in der Firma ihres Vaters, und sie wollte sich auch gar nicht auskennen. Behauptete er nicht immer, trotz des etwas schäbigen Eindrucks, den die Firma von außen machte, es ginge ihr glänzend? ›Im Kreis von hundert Kilometern hab ich das Monopol, wer gute Marmor will, muss kommen zu mir!‹

»Aber es ist ja noch mal gut gegangen!«, sagte sie leise.

»In letzter Zeit nicht immer, zweimal hat er Kalle das falsche Aufmaß angegeben. Das ist ihm vorher nie passiert. Ein Schaden von gut vierzigtausend Euro! Und wir brauchen jeden Cent, um für den Auftrag in Bremerhaven liquide zu sein. Wenn das überhaupt klappt … Bei den Chinesen müssen wir immer direkt bezahlen.«

»Ich habe ihm doch neulich vorgeschlagen, sich vom Neurologen untersuchen zu lassen, aber er weigert sich ja!«, sagte Valentina, hob die Schultern und ließ sie wieder fallen. Herr Mader tat es ihr nach. Ein paar Sekunden starrten sie sich wortlos in die Augen.

»Ich weiß, deswegen musst du unbedingt mit Irma reden!« Herr Mader war ein großer Fan von Irma, ihrer zehn Jahre älteren Cousine. Mit selbst gemachten gnocchi al pesto und sentimentalen sizilianischen Liedern hatte sie ihn während ihrer Zeit in Deutschland hörig gemacht. Sie hatte für alles eine Lösung, doch was sollte sie in diesem Moment drüben auf Sizilien schon tun können, wenn Papa hier seine Firma zugrunde richtete?

»Und warum!?«

»Irma konnte immer so gut mit ihm umgehen, auf sie hört er, sie weiß, was er braucht.«

Valentina schnaubte, in ihrem Hals brannte es. Das war ja nichts Neues. Na klar, Irma, dachte sie, schon immer wusstest du, was für jeden das Beste ist. In dem Winter, als ich zwölf wurde und plötzlich mutterlos war, hast du mit einem Blick erkannt, was ich brauchte: Hände, die meine Haare abends liebevoll bürsteten, die meine Sachen morgens über die Heizung hängten, die die Narbe mit Öl massierten, bis sie weich und glatt wurde, ich brauchte eine orange Kuscheldecke, um den tief sitzenden Kummer hineinzuweinen und keine Fragen über meine Mutter. Ein Jahr später hast du mir erklärt, was passiert, wenn ein Mädchen eine Frau wird und wie man mit Vätern aus Sizilien umgeht. Du hast mich zu einer Meisterin im heimlichen Ausgehen, heimlichen Telefonieren, im Aussparen von Informationen und Erfinden von Terminen erzogen. Papa war Wachs in deinen Händen. Manchmal wollte er losbrüllen, doch dann hat er dich nur angeguckt, als ob er etwas Kostbares, Einmaliges sähe, und hat gelacht. Und du warst ja auch einmalig: Du warst die perfekte Ersatzmutter, die perfekte Lügenlehrerin, eine Lügenmutter, nur zehn Jahre älter als ich, mit der ich lachen konnte. Doch irgendwann war es dir plötzlich egal, was ich brauchte, und du hast mich alleingelassen. So wie alle zuvor mich alleingelassen haben. Zuerst Oma und Opa. Dann Mama. Dann der, an den ich nie mehr denken will. Am Ende du.

»Okay, ich rufe Irma heute Abend noch an«, versprach sie Herrn Mader, »aber jetzt hole ich den Kuchen aus dem Auto, und dann gehe ich nach oben und mache Kaffee. Sie kommen doch auch?« Am liebsten hätte sie ihm über den Arm gestreichelt, aber das ging nicht, einen Butler streichelte man ja auch nicht aus Dankbarkeit für seine Fürsorge.

Wieder auf dem Hof, scharrte Eric mit den Füßen, als ob er sich Hundedreck von seinen Sohlen kratzen wollte.

»Dein Vater erinnert mich an den einen aus dieser Mafia-Serie, du weißt schon, dieser Kleine, Durchgedrehte.« Begeistert von seinem Vergleich, lachte er vor sich hin.

Valentina schaute ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an, Takt war nicht gerade seine Stärke. Aber er konnte ja nicht wissen, dass ihr Vater in letzter Zeit viele Dinge verwechselte, heute nicht mehr wusste, was er gestern gesagt hatte, und alles abstritt, wenn man ihn darauf ansprach.

Sie versuchte Ärger und Besorgnis von sich abzuschütteln wie den allgegenwärtigen Marmorstaub. Es lief doch, sie würde ihre Neuigkeit schon noch loswerden. Der Eröffnungsteil – erstes Zusammentreffen mit Papa – war überstanden. Nun kam es darauf an, Eric noch einmal richtig vorzustellen und ihren Vater auf den anstehenden Auszug vorzubereiten. Natürlich würde er sich aufregen, er würde erst leise, dann laut fluchen, in seinem Dialekt, wie sonst? Er würde mehrmals aus dem Wohnzimmer stürmen und kurz darauf wieder hereinkommen. Und dann? Wären sie alle Gäste einer absoluten Premiere, denn sie hatte ihrem Vater niemals zuvor einen ihrer Freunde vorgestellt. Außer Max, aber das war ja etwas anderes. Darüber würde sie jetzt keinesfalls nachdenken.

Sie ging zum Auto und hob das Kuchentablett der Bäckerei von der Rückbank, doch schon holte sie die Angst vor dem unkalkulierbaren Ausgang von Kaffee und Apfelkuchen wieder ein.

»Ich weiß nicht, ob heute ein guter Tag ist, um ihn in unsere Pläne einzuweihen …«, rief sie Eric über die Schulter zu. »Er ist noch seltsamer als in den letzten Wochen.« Eric schaute verstohlen auf seine Armbanduhr, es tat ihm anscheinend leid um seinen freien Nachmittag. Sie hatte es gesehen und knallte die Autotür zu. Ihr Knöchel schmerzte jetzt, das tat er manchmal an kalten Tagen.

»Viel Zeit habe ich auch nicht. Mein Wagen steht noch am Laden, und ich muss auch noch mal an den Computer«, fuhr sie fort, obwohl zumindest das mit dem Computer nicht stimmte. Sie wollte nur allein sein, um über ihren Vater Enzo nachzudenken, und nirgendwo konnte sie besser denken als in ihrem Übersetzungsbüro in der Stadt, ihrem Refugium, ihrem stillen Tempel, den niemand ohne eine ganz besondere Einladung betreten durfte. Was bewegte Papa nur zu einer solchen Tat wie mit den Fondsanteilen? Hatte er einen Plan, oder war er einfach nur unzurechnungsfähig?

»Mir ist das eigentlich egal, ob dein Vater Bescheid weiß, aber wir zwei Hübschen müssen noch über die Finanzierung der Wohnung sprechen.«

Sie fand es normalerweise blöd, wenn jemand ›wir zwei Hübschen‹ sagte, aber bei Eric störte es sie nicht. Zumindest nicht sehr. Sie war erwachsen geworden, sie konnte mit einem Mann zusammenziehen, der komische Wendungen in seinem Sprachgebrauch hatte. Sie konnte sogar einen Mann heiraten, der nur Sachbücher las. Sie wollte ein Kind bekommen von ihm, und er wollte eins von ihr, dafür liebte sie ihn. Obwohl er ihr diese Absicht jeweils nur kurz vor seinem Orgasmus ins Ohr stöhnte. Es störte sie auch nicht, dass er die Wattestäbchen anleckte, bevor er sie sich in die Ohren schob, und dass er nur in den weißen Arztklamotten seiner Praxis wirklich sexy aussah, obwohl er für seine Garderobe so viel Geld ausgab.

Stimmte das alles überhaupt? Oder würde sie ihn eines Tages für alles hassen, was er tat oder nicht tat, für das, was er sagte, wie er es sagte oder was er nicht sagte? Sie schaute ihn an. Seine Haare waren dunkelbraun ohne das kleinste Anzeichen von Grau, die Augen ein wenig heller, er war gut aussehend, ein typischer Arzt, wie auf den Dr. Herzsprung-Romanen, die bei Oma Gertrud immer auf dem Nachttisch gelegen hatten. Wenn sie das als kleines Mädchen gewusst hätte. Einen Dr. Herzsprung würde sie bekommen!

»Deine Idee, Klein-Kariert, du hast gesagt, du fühlst dich abhängig von mir, wenn du dich nicht an der Wohnung beteiligst«, sagte Eric und grinste sein Grinsen. »Und ich finde, du hast recht. Denn ich liebe unabhängige Frauen. Morgen fahre ich nach Wiesbaden zum Kongress, und Ende der Woche haben wir den Termin beim Notar für den Vorvertrag. Denk bitte daran.« Er wartete ihre Antwort nicht ab, sondern umarmte sie so fest, dass ihr Mund an seinem Hals landete und ihre Lippen gegen seine Haut gepresst wurden.

»Hier bist du also aufgewachsen.« Er knabberte mit warmem Atem an ihrem Ohr, »so viel Stein und nur Männer um dich herum, jetzt verstehe ich langsam, wie aus dir so eine knallharte Marmorprinzessin werden konnte.«

Valentina kicherte und stieß einen kleinen Schrei aus, um ein Haar hätte sie den Kuchen fallen lassen. An ihrem Gesicht haftete eine Menge von dem herrlich riechenden Aftershave, das sie ihm geschenkt hatte. Plötzlich war sie ganz sicher: Sie liebte ihn. Natürlich liebte sie ihn. Er war gut für sie! Durch ihn war sie selbstbewusster geworden, hatte endlich wieder einen Plan für die Zukunft. Ihre eigene Zukunft. Unabhängig von Papa.

»Zeigst du mir jetzt dein Zimmer? Du weißt, dass ich immer Lust auf dich habe«, flüsterte Eric, »und dann mache ich etwas ganz Geheimes mit dir. Davon wird mich niemand abhalten, auch nicht dein …«

In diesem Augenblick wurde die Tür aufgestoßen, und ihr Vater schaute vom Fuß der Treppenstufen zu ihnen hoch. Hastig befreite Valentina sich aus Erics Armen.

»Titina, Telefon, äh …, es ist …, na, verdammt! Da ist – sie will dich sprechen, äh …« Einige Namen ratterten ihr durch den Kopf, doch wenn er so herumdruckste, konnte das nur eins bedeuten:

»Doch nicht etwa – Martina?«

»Nooo! Was denkste du!«

Sie zupfte verlegen an ihrem feuchten Ohrläppchen. Papa hatte recht, ihr Geburtstag war vor drei Monaten gewesen, warum also sollte ihre Mutter sich aus Kanada bei ihr melden?

Er fluchte kopfschüttelnd auf Italienisch:»Porco Dio, fällte mir nicht mal mehr ihre Name ein!« Er hatte es leise gesagt, aber sie hatte es dennoch gehört und starrte auf seine Stirn. Alzheimer, Demenz – Begriffe, die sie schon seit Wochen erfolgreich verdrängte, blinkten dort plötzlich wie eine Leuchtreklame auf.

»Ich hab’s gleich! Weiß ich gleich! Aus Sizilien, deine Cousine …«

»Irma?!«

»Ja, sag i’doch. Irma!«

Sie warf Eric einen Blick zu, der diesmal betont auffällig auf seine Armbanduhr guckte, und sprang, das rechte Sprunggelenk wie immer automatisch schonend, die Stufen hinab.

»Ich habe sie um einen Rückruf gebeten, ich wusste ja nicht, dass sie sich sofort melden würde«, flüsterte Herr Mader, während er mit wild schlenkernden Armen neben Valentina her in Richtung Büro lief.

»Titina, wie geht es dir? – Gut? – Wunderbar! Wann kommste du?« Irmas harter italienischer Akzent klang mit warmer Stimme durch den Hörer, so wie hundertmal zuvor. Auf Italienisch fuhr sie fort: »Es ist Frühling, die Müllabfuhr arbeitet wieder, und gestern hat die Katze in meinem Kleiderschrank Junge bekommen, drei orangerote Kätzchen, und eins ist schwarz, sie sind wunderschön, hier ist es wunderschön! Du musst kommen!«

Und so wie hundertmal zuvor fiel ihr nur eine schwache Ausrede ein. »Vielleicht im Sommer, Irma, ich kann jetzt nicht weg.« Herr Mader räusperte sich mahnend aus seinem Büro. Sie linste hinüber zu ihrem Vater, der sich mit einer Hand das Kinn rieb und mit der anderen in den gelben Auftragsblöcken blätterte, bevor er geschäftig zur Tür hinauswieselte.

»Signor Mader hat mir schon berichtet, worum es geht«, fuhr Irma fort. »Das ist schlimm, was ist da bloß in seinem Kopf los, ich werde mit ihm reden, er muss sich sofort untersuchen lassen!«

Unwillkürlich seufzte Valentina. »Papa ist irgendwie anders als früher, er findet die Worte nicht. Er sagt Mo… Mo… Mo…, bis das Wort endlich herauskommt. Und später stellt man fest, dass er eigentlich Mittwoch meinte. Sein Gehirn ist langsamer geworden.«

»Das merkt er wahrscheinlich selbst, und weil es ihm unangenehm ist, streitet er es ab, ach, der arme Onkel! Wäre ich doch jetzt bei euch! Sag Signor Mader, er soll ihn bis zur Untersuchung noch genauer beobachten und kontrollieren!« Sofort übernahm Irma wieder das Kommando, selbst aus dem hintersten Winkel von Sizilien wusste sie, was zu tun war. Valentina musste gegen ihren Willen lächeln.

»Das macht er doch schon. Aber um ein Haar wäre das Geld weg gewesen. Für irgendeinen großen Auftrag in Bremerhaven brauchen sie Bargeld.«

»Wer will denn heute noch bar bezahlt werden, außer der Mafia? Und selbst denen kannst du das Schutzgeld inzwischen überweisen.« Sie lachte. Immer lachte sie.

»Keine Ahnung. Die Chinesen?«

»Stimmt, die Chinesen. Bei meinem kann ich das Gemüse auch nicht anschreiben lassen.« Wieder lachte sie. »Ich rede mit zio Enzo, keine Sorge, wir werden etwas finden, damit es ihm besser geht!«

Jaja, rede mit deinem Onkel, dachte Valentina, wo war der überhaupt gerade, sprach er etwa schon mit Eric über sie beide? Sie musste so schnell wie möglich dazwischen.

»Überleg doch noch mal, vielleicht kannst du nur für ein Wochenende herfliegen, ich würde dir so gerne endlich alles zeigen!«, bat Irma erneut. Sie nickte, stumm auf ihren nächsten Satz wartend, der prompt kam.

»Und ihn habe ich lange nicht gesehen. Keine Angst, du wirst ihm nicht begegnen, er arbeitet gerade in Apulien. Bari, da restaurieren sie diese ganz bekannte Kirche, wie heißt die noch mal? Siehst du, jetzt fange ich auch schon an, Sachen zu vergessen …!«

»Ich habe keine Angst«, sagte sie, doch sie wussten beide, dass das nicht stimmte. Schnell legte Valentina auf, schnappte sich das Kuchentablett und machte sich auf die Suche nach Eric und ihrem Vater.

2

Sie hatte Glück, Eric stand alleine auf dem Hof herum. Sie stieg mit ihm die Treppe hinauf, am Marmorkontor vorbei, schloss die Wohnungstür auf und ließ ihn in den Flur treten. Seit Irma vor zwanzig Jahren das Regiment übernommen hatte, war hier oben einiges von ihr verändert worden. Und obwohl sie nun schon seit neun Jahren wieder auf Sizilien lebte, konnte man ihre Spuren noch überall erkennen. Statt der hellgrauen, harten Couch mit dem kratzigen Bezug, an die Valentina sich noch gut erinnerte, gab es im Wohnzimmer ein Blumensofa, in dem man versank. Dazu zwei tiefe Sessel, in denen sie damals mit angezogenen Beinen, unbehelligt von Irmas täglichem Hausputz, herumlungern und lesen durfte. Die ehemaligen Teppichböden der Schlafzimmer waren herausgerissen worden, Teppiche seien Staubfänger, also unhygienisch, behauptete Irma. Sie überredete ihren Onkel Enzo, alles mit glänzend hellen Marmorfliesen auszulegen, die sie ständig voller Inbrunst nass aufwischte. Hier und da lagen kleine Teppiche oder Läufer herum, die von ihr alle paar Tage ganz altmodisch über die Balkonbrüstung gehängt und mit einem Klopfer energisch bearbeitet wurden, obwohl es natürlich einen Staubsauger gab. Überahnte Valentina als Kind, dass Irma die Haushaltsführung ihrer Oma, die vor ihrem plötzlichen, friedlichen Tod auf dem Donaudampfer für sie alle gesorgt hatte, mehr als ungenügend empfand.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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