Verlag: Luzifer-Verlag Kategorie: Abenteuer, Thriller, Horror Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2017

Erhalten Sie Zugriff auf dieses
und über 100.000 weitere Bücher
ab EUR 3,99 pro Monat.

Jetzt testen
30 Tage kostenlos

Sie können das E-Book in Legimi-App für folgende Geräte lesen:

Tablet  
Smartphone  
Lesen Sie in der Cloud®
mit Legimi-Apps.
Warum lohnt es sich?
Hören Sie in der Cloud®
mit Legimi-Apps.
Warum lohnt es sich?
Seitenzahl: 306

Das Hörbuch kann im Abonnement „Legimi ohne Limit+“ in der Legimi-App angehört werden für:

Android
iOS
Hören Sie in der Cloud®
mit Legimi-Apps.
Warum lohnt es sich?

Hörprobe abspielen:

Hörprobe anhören Zeit: 7 Std. 34 Min. Sprecher: Michael Che Koch

Das E-Book lesen Sie auf:

E-Reader EPUB für EUR 1,- kaufen
Tablet EPUB
Smartphone EPUB
Computer EPUB
Lesen Sie in der Cloud®
mit Legimi-Apps.
Warum lohnt es sich?
Hören Sie in der Cloud®
mit Legimi-Apps.
Warum lohnt es sich?

Leseprobe in angepasster Form herunterladen für:

Sicherung: Wasserzeichen

Das Hörbuch hören Sie auf:

Tablet MP3
Smartphone MP3
Computer MP3
Hören Sie in der Cloud®
mit Legimi-Apps.
Warum lohnt es sich?

Leseprobe in angepasster Form herunterladen für:

Hörprobe anhören Zeit: 7 Std. 34 Min. Sprecher: Michael Che Koch
Empfohlene E-Books und Hörbücher:

E-Book-Beschreibung One Night Stan's - Greg Sisco

"Absolut durchgeknallte Story. Pflicht für Tarantino-Fans!" [Lesermeinung] "Ein rasanter Pageturner mit einer gehörigen Portion Sarkasmus - eine klare Leseempfehlung" [Lesermeinung] "One Night Stan's ist das mit Abstand abgedrehteste Buch das ich je gelesen habe." [Lesermeinung] Tarantino meets Jack Ass … Inhalt: Willkommen in Scud City, der wildesten Stadt Amerikas … Der Stadt, in der ein Koffer voller Geld mit Sicherheit verloren geht. Der Stadt, in welcher sich College Studenten, Punkrocker, ein schräger FBI-Agent, ein Serienmörder, ein russischer Drogensüchtiger und ein Nachtclub-Besitzer, der sich für Frank Sinatra hält, alle gemeinsam in einem verdrehten Netz aus Sex, Mord und Drogen wiederfinden. Und herzlich willkommen im One-Night Stan's, dem heißesten Strip-Club in Scud City; wo die Böden aus Linoleum sind, die Luft aus Zigarettenrauch, und die Nacht nicht vorbei ist, bevor nicht jemand als Leiche das Lokal verlässt. Als ein paar College-Studenten über eine orangefarbene Tasche stolpern, randvoll gefüllt mit Hundert-Dollar-Scheinen, werden sie zum Ziel eines zugedröhnten Nachtclub-Besitzers, einer nymphomanen Stripperin, deren Fetisch es ist, Menschen zu quälen, und eines russischen Türstehers, dem nachgesagt wird, einen Mann in "zwei Hälften reißen" zu können. Während dieser wilden Nacht, die nach und nach völlig aus den Fugen gerät, begegnen sie noch einem obszön-dümmlichen FBI-Agenten, der einen Serienmörder verfolgt, welcher auf seiner "Tour" Stripperinnen aufschlitzt; einen Serienmörder, der möglicherweise nun den falschen Club gewählt hat. In dieser einzigen Nacht, in der jedermann die Kontrolle verliert, wird das One-Night Stan's zu einem Ort von Anarchie, wilder Gewalt und all den anderen verrückten Dingen, über die "Normalos" und "Spießer" nicht lachen können.

Meinungen über das E-Book One Night Stan's - Greg Sisco

E-Book-Leseprobe One Night Stan's - Greg Sisco

Inhaltsverzeichnis

Titel

Copyright

Impressum

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

Kapitel 39

Kapitel 40

Kapitel 41

Kapitel 42

Kapitel 43

Kapitel 44

Kapitel 45

Der Autor

Leseprobe

Der LUZIFER Verlag

ONE-NIGHT STAN’S

Greg Sisco

aus dem Amerikanischen von

Madeleine Seither

Copyright © 2011 by Greg SiscoAll rights reserved. No part of this book may be used, reproduced or transmitted in any form or by any means, electronic or mechanical, including photocopying, recording, or by any information storage or retrieval system, without the written permission of the publisher, except where permitted by law, or in the case of brief quotations embodied in critical articles and reviews.

By arrangement with Greg Siscowww.GregSisco.com

Diese Geschichte ist frei erfunden. Sämtliche Namen, Charaktere, Firmen, Einrichtungen, Orte, Ereignisse und Begebenheiten sind entweder das Produkt der Fantasie des Autors oder wurden fiktiv verwendet. Jede Ähnlichkeit mit tatsächlichen Personen, lebend oder tot, Ereignissen oder Schauplätzen ist rein zufällig.

Impressum

überarbeitete AusgabeOriginaltitel: ONE-NIGHT STAN’S

Copyright Gesamtausgabe © 2014LUZIFER-Verlag
Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.
Cover: Michael Schubert
Übersetzung: Madeleine Seither

ISBN E-Book: 978-3-95835-283-4

Sie lesen gern spannende Bücher? Dann folgen Sie dem LUZIFER Verlag auf

FacebookTwitterGoogle+Pinterest

Sollte es trotz sorgfältiger Erstellung bei diesem E-Book ein technisches Problem auf Ihrem Lesegerät geben, so freuen wir uns, wenn Sie uns dies per Mail an info@luzifer-verlag.de melden und das Problem kurz schildern. Wir kümmern uns selbstverständlich umgehend um Ihr Anliegen und senden Ihnen kostenlos einen korrigierten Titel.

Der LUZIFER Verlag verzichtet auf hartes DRM. Wir arbeiten mit einer modernen Wasserzeichen-Markierung in unseren digitalen Produkten, welche Ihnen keine technischen Hürden aufbürdet und ein bestmögliches Leseerlebnis erlaubt. Das illegale Kopieren dieses E-Books ist nicht erlaubt. Zuwiderhandlungen werden mithilfe der digitalen Signatur strafrechtlich verfolgt.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

KAPITEL 1

21:15 Uhr

Für Tragic Jack begann der Tag mit Sonnenschein und Titten. Blauem Himmel und Muschis. Eiscreme und Blowjobs. Ein guter Tag. Ein verfickt guter, gottverdammt verteufelt Herrgott noch mal geiler Tag. Die Art von Tag, an dem du als Letztes damit rechnest, von einem Zweiundfünfzig-Kilo-Mädchen ermordet zu werden, das einen Heiligenschein aus Plastik trägt und zum Klang deines blubbernden, gurgelnden Todesröcheln masturbiert.  Aber sind wir ehrlich. Wenn Tragic Jacks Leben nur aus Zuckerwatte und Arschbacken bestünde, würde man ihn Magic Jack nennen.   Heute Nacht hätte er nur einen einfachen Kurierdienst machen sollen. Er hätte zehntausend Dollar auf der Bank haben sollen, Drinks aus der Minibar und gratis HBO. Einfach verdientes Geld. Eine ruhige Nacht, und noch vor Sonnenaufgang: Bon Voyage, Scud City. Aber wie es Tragic Jacks Art war, musste er losziehen, um den Teufel mit dem Heiligenschein zu treffen. Bei Sonnenuntergang saß Jack mit Limber Ginger im Whirlpool und war im Begriff den tragischen Jackpot zu knacken.   Es war »Afterlife Night« im One-Night Stan's. Ein beeindruckender Anblick für gottlose Augen: blutjunge Mädchen, die nichts anderes trugen als Heiligenscheine und Glitzer, spitze Schwänzchen und Hörner. Black Sabbath dröhnte aus allen Richtungen. Dios Stimme erzählte der Menge was von Himmel und Hölle und beteuerte den Idioten, dass sie »für den Tänzer bluten« mussten.   Und Ginger.   Die kleine Ginger, das eigenartige Ding mit dem Heiligenschein und dem hübschen weißen Tanga. Sie war nur ein kleines bisschen zu glücklich darüber, ihren fantastischen Busen in Tragic Jacks Gesicht zu drücken; ein bisschen zu begeistert davon, ihren Hintern über Tragic Jacks Schoß zu reiben und seinen kleinen Schwanz durch seine schmutzigen Jeans hindurch zu streicheln. Und als Ginger ihre großen, warmen Lippen an Tragic Jacks Ohr hielt und sagte: »Ich hab gleich Pause. Willst du mein Pausenbrot sein?«, war Tragic Jack nur noch ein großer Plastikdildo in den Händen dieses unanständigen Engels.   Tragic Jack war ein tragisch aussehender Mann und es passierte nicht jeden Tag, dass sich ihm eine jugendliche Verführerin an den Hals warf – besonders nicht eine mit einem Körper, der des Centerfolds im Playboy würdig war (oder doch mindestens im Juggs). Realistisch betrachtet: Wie viele Chancen auf eine Stunde mit einer perfekten Zehn hat ein hundertfünfzig-Kilo-Kerl mit einem sehr haarigen Rücken und einem Minischwanz? Offen gesagt, jedes Mädchen über einer viereinhalb musste schon ein paar Schrauben locker haben, um einen Abend mit Tragic Jack verbringen zu wollen. Eine Bombe wie Ginger war wahrscheinlich klinisch verrückt, wenn sie ihm auch nur zuzwinkerte, aber er war bereit, das in Kauf zu nehmen.   »Fass meinen Schwanz an«, sagte Jack, als sie alleine im Whirlpool seines Motels waren, was dann auch so ziemlich den Gipfel des Süßholzgeraspels darstellte, zu dem der arme Blödmann fähig war.   »Geduld, Baby«, sagte Ginger, während sie seinen Nacken küsste. »Ich werde Dinge mit dir anstellen, die du dir nicht mal vorstellen kannst.«   Das Mädchen war ein tasmanischer Teufel sexueller Spannung. Ihre Hände und Lippen waren überall gleichzeitig auf seinem Körper, außer an der Stelle, wo er sie am meisten spüren wollte. Jedes Mal, wenn er versuchte, ihre Hand in seinen Schoß zu pressen oder sie wie eine Bowlingkugel im Schritt zu packen, zog sie sich zurück und sagte ihm, er solle langsam machen und ihr die Kontrolle überlassen.   Sie sagte ihm, er solle Geduld haben.   Sie sagte ihm, es würde eine verrückte Nacht werden.   Dass sie ein böses Mädchen war.   Dass das hier unanständig werden würde.   Es war alles Pflaumen- und Arschsaft, bis die Stimme von Phil Collins aus dem Radio dröhnte und Tragic Jack direkt ins metaphorische Hinterteil fickte. Als Mister Collins' Stimme »die Luft heute Nacht« füllte, sprang Ginger auf und sang mit: »Oh Lord!«   »Mein Scheiß Lieblingslied!«, sagte sie.   Tragic Jack lächelte. Wenn sie glücklich war, so nahm er an, dass er umso glücklicher sein sollte. Ginger setzte sich rittlings auf seinen nackten Körper und wiegte ihre Hüften hin und her, die Hände über ihren Kopf gehoben und ihre Brüste in sein Gesicht gepresst. Jack packte sie und drückte sie auf eine der Sitzbänke. Vielleicht war es das, was sie wollte. Vielleicht waren die letzten dreißig Minuten Vorspiel ihre Art gewesen, ihn zum Äußersten zu treiben, ihn dazu zu bringen, sie hinzuwerfen und sie mit Gewalt zu nehmen. Wenn das ihr Wunsch war, dann war er bereit, diesem nachzukommen.   Aber nein.   »Warte«, sagte sie. »Warte kurz. Nur einen Moment.«   Er ließ sie widerwillig los und sie gab ihm einen schnellen, harten Kuss auf die Lippen – ungefähr so, wie ein Raubvogel ein Auge aus einem Kadaver pickt – bevor sie sich hochdrückte und aufstand.   »Wir brauchen lautere Musik«, sagte sie, kletterte über Jack hinweg aus der Wanne und gab ihm dabei absichtlich einen netten Einblick in die fleischige Spalte, in die er den ganzen Abend hineinzukommen versucht hatte.   Sie drehte die bereits laute Musik so weit auf, dass Jack fürchtete, andere Gäste oder Angestellte des Motels könnten herausfinden, was sie vorhatten, bevor er irgendwas bei dem Mädchen erreichen konnte. Aber er konnte sie nicht aufhalten. Nicht als er sah, was die Musik mit ihr anstellte. Sie wiegte sich im Rhythmus, schwang ihre Hüften von einer Seite zur anderen und ließ ihre Hände an ihrem nackten, nassen Körper auf und ab gleiten.   Jack versuchte sich daran, etwas Schmutziges zu sagen.   »Oh ja, ich werd's dieser Muschi so richtig besorgen.«   Ginger grinste. Sie ließ eine Hand zwischen ihre Schenkel gleiten und schob einen Finger in sich hinein, so wie es ihr Vater womöglich getan hatte, als sie noch klein war. Sie schloss ihre Augen, hob ihr Kinn und stöhnte leise.  Phil Collins sang:I can feel it blah blah in the blah tonight.Tragic Jack konnte nicht mehr allzu viel davon ertragen. Er war kurz davor, es heute Nacht im Wasser kommen zu fühlen. Er wollte sie jetzt. Ihren Mund, ihre Hand. Irgendwas. Er war geduldig gewesen. Er hatte sein ganzes Leben lang auf diesen Moment gewartet.   Ginger tanzte auf ihn zu und dann zurück zum Gettoblaster. Vorwärts. Zurück. Vorwärts. Zurück. Sie lehnte sich gegen den Tisch, auf dem die Anlage stand, und streckte ihm neckend den Hintern entgegen.   Und dann, bevor Mister Phil Collins die Worte überhaupt sagen konnte, ließ Ginger Tragic Jack wissen, dass sie ihn nicht retten würde, wenn er unterginge.   Gleich der Show eines Magiers, der ein Beil aus seinem Hut zieht, packte Ginger den Gettoblaster und schleuderte ihn in den Whirlpool.   Es gab einen Lichtblitz und einen lauten Schlag. Die Luft schoss aus Tragic Jacks Lunge. Sein Körper verkrampfte sich und seine Sicht zog sich auf Stecknadelkopfgröße zusammen.   Ginger rannte auf ihn zu.   Jack wollte aus dem Wasser springen und sie packen, wollte Vernunft in die Schlampe prügeln – oder doch wenigstens ins Hotelzimmer zurück gehen und wichsen – aber als er aufzustehen versuchte, musste er feststellen, dass seine Beine Schwierigkeiten damit hatten, auf sein Gehirn zu reagieren. Sein ganzer Körper bewegte sich, als hätte er nach einem Tag Intensiv-Work-out mit üblem Sonnenbrand noch ein Pfund Marihuana geraucht.   Ginger griff nach der Abdeckung des Whirlpools, zog sie über Tragic Jacks Kopf und drückte ihn so ins Wasser hinunter. Sobald sie die Abdeckung verriegelt hatte, stellte sie die Düsen auf volle Kraft und die Wassertemperatur auf vierzig Grad – einfach nur, um ein Miststück zu sein. Dann legte sie sich auf die Wanne.   »Wo ist das Geld, Baby?«, fragte sie laut.   Jack hörte sie nicht. Er lag mit dem Gesicht nach unten im Wasser und hatte gerade mal zwei, drei Zentimetern Platz zwischen der Wasseroberfläche und der Abdeckung. Bei dem Versuch sich umzudrehen, um Luft zu bekommen, zappelte er mit seinem fetten Körper hin und her, und selbst als er es schaffte, sich herumzuwälzen, musste er feststellen, dass der Druck der Düsen das bisschen Freiraum mehr mit Wasser als mit Luft füllte. Er atmete etwas von beidem ein und begann zu husten.   »Was zur Hölle!«, schrie er.   Und, bei Gott, wie Ginger das nötig hatte! Sie hatte seit sechs Wochen keinen Mann mehr getötet und das war länger, als jedes Mädchen es verdiente, ohne Erleichterung auskommen zu müssen. Nach einer geschlagenen Stunde im Schoß dieses Wichsers, nachdem ihr Gesicht und ihre Brüste von den Stoppeln in seinem fettigen Gesicht zerkratzt waren, nachdem sie sich befummeln und betatschen und wie eine Schlampe mit sich reden lassen musste, nach einer ganzen Stunde vortäuschen, dass sie es kaum erwarten konnte, auf diesen münzrollenkleinen Schwanz springen zu wollen, den er unter der Muschelschale seines Bauchs versteckt hatte, wurde Ginger jetzt – jetzt, da er fünfzehn Zentimeter unter ihr im Wasser gefangen war, hustend und würgend und fluchend – endlich, zum ersten Mal in dieser Nacht, feucht.   »Sag mir, wo das Geld ist!«, verlangte sie.   Als ihm bewusst wurde, was vor sich ging, wurde Tragic Jack für einen Moment ganz still. Er wusste nicht, welches Geld genau sie meinte, aber plötzlich wusste er, worauf sie hinauswollte.   »Lass mich verdammt noch mal gehen! Wir können drüber reden!«, schaffte er zu sagen, bevor er von schrecklichem Husten, Röcheln und Würgen unterbrochen wurde. »Hilf mir! Bitte! Ich ertrinke!«   Er begann zu schluchzen, während er um sein Leben bettelte, und Ginger konnte jetzt nicht mehr widerstehen, eine Hand zwischen ihre Schenkel zu schieben und sich selbst zu befriedigen. Nächte wie diese waren der Grund, warum sie für Stan arbeitete. Nächte, in denen sie ganz von der Leine gelassen wurde. Sie zog ihre Füße bis zu ihrem Hintern an und spreizte ihre Beine wie Schmetterlingsflügel, während sie den lautlosen Schreien des Mannes unter sich lauschte. Im Versuch, sich zu befreien, hämmerte er mit seinen Fäusten und Beinen gegen die Abdeckung. Sie konnte jeden Schlag an ihrem Rücken spüren und jeder von ihnen ließ sie geiler werden.   Und Jack wollte aufgeben. Das wollte er wirklich. Als ihm klar wurde, dass er zu wenig Platz in der verschlossenen Wanne hatte, zu wenig Kraft, nach dem elektrischen Schlag, und zu wenig Schwung, um sich einen Weg herauszutreten und zu boxen, versuchte er der Schlampe alles zu sagen. Er versuchte ihr von dem dreifach umgeleiteten Anruf zu erzählen, der ihm mitgeteilt hatte, dass er zu diesem Hotel kommen und um sechs Uhr in jenem Zimmer sein sollte. Er versuchte ihr von der Nachricht zu erzählen, die vor ein paar Stunden unter seiner Tür hindurchgeschoben worden war, der Nachricht, die lautete:   DAS MÜNZTELEFON VOR ONE-NIGHT STAN'S. 23:00 UHR. PÜNKTLICH.   Er versuchte ihr zu sagen, dass er nur eine Lieferung zu machen hätte, und dass er nicht wusste, was er abholen oder wohin er es bringen sollte, aber wenn sie ihn nur gehen ließe, dann könnten sie das Geld zusammen einsammeln und sie könnte jeden einzelnen Cent davon behalten. Solange er lebte, würde er niemals auch nur ein Sterbenswörtchen darüber erzählen, und sie könnte all sein Geld haben und seinen Truck und seine Kleider, und sie könnte von ihm aus seine gottverdammte Schwester umbringen, wenn sie ihn nur aus diesem nassen Gefängnis herausließe.   Er versuchte ihr all das mitzuteilen, aber er hustete und schnappte nach Luft und kotzte das mit Chemikalien versetzte Wasser und seine eigene Pisse aus. Daher war alles, was er sagen konnte: »Haltesistnichtichweißnicht-ohGottichsagsdirBITTE! ACHKCACK! Wir … Wir können gRAAAUUUAGGGHHH-AHH FUCK!! AUGGHHH–AAAAHAAAAHAAAA!«   Und Ginger wusste, sie sollte ihn gehen lassen. Sie wusste, dass er jetzt genug gelitten hatte und sie die Information aus ihm heraus bekäme, wenn sie nur die Abdeckung öffnete und ihm ihr Butterflymesser an die Kehle hielte. Im tiefsten Innern ihres kalten Herzens wusste sie das, aber sie war so gottverdammt nah dran zu kommen, dass sie jetzt nicht aufhören konnte.   Sie rollte sich auf die Seite, die Beine weit gespreizt, und während sie es sich mit einer Hand besorgte, hämmerte sie mit der anderen immer wieder so fest sie nur konnte auf die Whirlpoolabdeckung.   Jedes Mal, wenn Jack in einem Befreiungsversuch gegen die Unterseite der Abdeckung schlug, schlug Ginger in Ekstase auf die Oberseite. Jedes Mal, wenn er unter Schmerzen aufschrie, schrie sie ihre Lust heraus.   Es heißt, dass der Moment bevor man ertrinkt, ein zutiefst euphorischer ist, dass sich ein Ertrinkender in den letzten Augenblicken seines Lebens plötzlich ganz friedlich fühlt und in einem Zustand extremer Behaglichkeit stirbt.   Möglicherweise lag es nur daran, dass der Whirlpool mehr Kotze und Exkremente als Wasser enthielt, aber Tragic Jack verspürte keine solche Euphorie.   Ginger hingegen verspürte reichlich davon. Und als Tragic Jack still wurde, presste sie ihre Lippen auf die Oberseite der Abdeckung, öffnete ihren Mund und stieß einen letzten, glückseligen Schrei aus, um sicherzugehen, dass er wusste, wie geil sein Tod für sie war.   Und Jack starb.   Und Ginger kam.   Dreißig Sekunden vergingen in Stille. Nur eine nackte Frau auf einer Whirlpoolabdeckung im Poolbereich eines billigen Motels auf der beschissenen Seite der Stadt.   Ginger kam sich mit einem Mal ziemlich dumm vor. Sie hoffte, dass keine perversen alten Lüstlinge an den Fenstern ihrer Zimmer standen, um die Show zu betrachten, die sie gerade abgezogen hatte. Sie sprang vom Whirlpool, und da sie sich plötzlich auch sehr sittsam fühlte, schlüpfte sie so schnell wie möglich in den Jogginganzug, in dem sie den Klub verlassen hatte.  Sie hatte es vermasselt. Stan war sehr deutlich gewesen. Sie konnte mit Jack anstellen, was immer sie wollte,nachdemsie das Geld hatte, aber bis dahin sollte sieauf keinen Falletwas Unüberlegtes tun. Jetzt war er tot, und sie hatten nicht mehr Informationen, als sie eine Stunde zuvor schon gehabt hatten. Das Geld war so gut wie verloren.  Trotzdem durchwühlte sie Jacks Brieftasche, fand aber nur einen Zimmerschlüssel, einen Führerschein, sechs Dollar und ein Kondom, von dem er die ganze Nacht keine Anstalten gemacht hatte, es benutzen zu wollen. Hurensohn.

KAPITEL 2

21:32 Uhr

Jeremy würde einem Leoparden in die Fresse hauen für eine Zigarette. Heute war sein fünfter »erster rauchfreier Tag« in Folge, und dieser lief nicht wesentlich besser als die vorherigen vier. Zwölf Stunden waren es, zwölf Stunden, seit er aufgewacht war, und nicht ein einziger Zug. Er würde Rattengift essen, seine Hand in einen Mixer stecken, sogar nach Idaho ziehen … für eine Zigarette.  »Du bist ein großer Fisch in einem kleinen Teich«, sagte er zu Caleb, der neben ihm saß, während sie in Jeremys Cabrio den Highway entlang rasten.   »Was soll das denn heißen?«   Jeremy hatte gedacht, dass Caleb seine Pläne, Scud innerhalb der nächsten Monate zu verlassen, scheißegal wären. Er war hier aufgewachsen und hatte Tausende Freunde in der Stadt, aber Jeremy war nur fürs College hergekommen. Sie hatten sich vor einem Jahr bei einem Bowlingkurs kennengelernt und spielten mittlerweile zusammen im selben Team, obwohl sie beide grottenschlecht waren. Als Jeremy seine Absicht bekannt gegeben hatte, sich eine neue Stadt zur Heimat machen zu wollen, hatte Caleb mehr zu jammern angefangen, als er erwartet hätte.   »Das heißt, der einzige Grund, warum du gerne hier lebst, ist der, dass du minimal mehr charismatisch als der Rest der Idioten hier bist, was dir wiederum die Aufmerksamkeit aller Idiotinnen verschafft.«  Caleb legte den Kopf schief. Jeremys Argument war ihm unbegreiflich. »Okay, aber nach dieser Logik hätteicheine Entschuldigung dafür, die Stadt zu verlassen, weilichein großer Fisch bin. Aber du, du bist kein großer Fisch, noch nicht mal im kleinen Teich, also, warum denkst du darüber nach … in einen größeren Teich umzuziehen?«  »Wovon, zum Teufel, redest du?«   »Keine Ahnung. Es war deine Analogie, du Vollpfosten.«   Jeremy hielt inne, um nach den richtigen Worten zu suchen. Worüber sie gerade sprachen war zwar unwichtig, aber er befürchtete, er würde ziemlich dumm aussehen, wenn er den Gedanken fallen ließe, ohne ihn zu erklären.   »Okay«, sagte er, »ich meinte nicht, dass Scud ein kleiner Teich ist. Scud ist ein größerer Teich. Also, normal groß. Ich meinte, die Bowlingbahn ist ein kleiner Teich. Du magst dein Leben, weil in diesem kleinen … in deinem kleinen Nest … Der Fischschwarm im … in dem kleinen Abschnitt des großen Flusses –«   »Die Analogie ist tot. Lass die Analogie sterben.«   »Ich pfeife auf die Bowlingbahn. Das ist der springende Punkt. Und ich hab keine Freunde in der Stadt. Ich bin hergezogen, um zum College zu gehen, und wenn ich das hinschmeiße, dann habe ich einfach keinen Bock darauf, weiter hier rumzuhängen. Es ist eine beschissene Stadt. Ich will irgendwo hin, wo es nicht dauernd Einbrüche gibt oder Diebstähle oder … einen Serienmörder, der nachts die Straßen unsicher macht.«   Jeremy sprach über den Killer, der seinen Spitznamen durch das Töten von Strippern in Tallahassee bekommen hatte, bevor er dann Florida verlassen und das Land mit einer brutalen Welle von Blut, Gedärmen und Nippel-Pasteten überzogen hatte. Irgendwie war der Name »Tallahassee Slasher« kleben geblieben, was zu ein paar ziemlich verwirrenden Schlagzeilen führte.   »Gottverdammt, Alter, hör dir mal zu«, sagte Caleb, während er sich eine Zigarette anzündete, die für Jeremy so aussah, als wäre sie von Wolfgang Puck gemacht worden. »Sie ist nur vorübergehend hier. Vor zwei Wochen war sie noch in Wyoming, Himmel noch mal; keine Stadt ist zu langweilig für einen Serienmörder.«  »Warte,SIE?«  »Der Stripper Killer.«   »Woher weißt du, dass der eine Frau ist?«   »Ein Kerl, der loszieht und knackärschige Weiber abschlachtet? Das wäre ja so was von abgefuckt. Nein, das muss so 'ne eifersüchtige, hässliche Tussi sein. Eine, die in der Highschool kein Date abbekommen konnte, weil alle Kerle auf die Cheerleader standen. Du weißt schon, so was. Das ist Kriminalpsychologie für Anfänger. Suche nach der Schicht, die vom Verbrechen profitiert.«   »Du hast Kriminalpsychologie für Anfänger belegt?«   »Nein, ich hab nicht beschissene Kriminalpsychologie belegt, aber ich zieh mir verdammte Anwaltsserien rein. Wer gibt 'nen Scheiß drauf, was irgendein Collegeprofessor labert? Der Stripper Killer ist trotzdem eine Frau, lass dir das gesagt sein. Lass uns darum wetten. Wenn man sie findet und sie eine Frau ist, dann musst du in Scud bleiben.«   »Nein. Ich hau ab. Keine Wetten.«   »Tja, es ist eine Frau. Ich bin mir verdammt sicher. Vielleicht sehen wir sie ja heute Nacht. Ich werde sie finden, sie dir zeigen, und dann musst du bleiben.«   »Alter, einem leibhaftigen Serienmörder zu begegnen, wird mich nicht davon überzeugen, in der Stadt bleiben zu wollen.«   »Gut. Und was würde?«   »Keine Ahnung. Eine feste Freundin? Vielleicht eine Karriere?«   Caleb lachte laut auf. »Dein Problem ist nicht die Stadt. Du bist am Arsch, egal wohin du gehst.«   Jeremy zeigte seinem Freund den Mittelfinger. »Ja, ja. Anscheinend fällt dir nichts ein, für das es sich lohnen würde, in Scud zu bleiben. Warum also sollte ich mich mit dem ganzen Verbrechen und der Scheiße abfinden? Was ist die gute Seite?«   »Ein Haufen geiler Weiber im Klub, Mann.«   »Stripperinnen? Das ist das Beste, was dir einfällt? Weißt du, entgegen der hiesigen Meinung gibt es auch in anderen Städten Stripklubs.«   »Keine wie das Stan's, Mann. Hey, du hast gesagt, du willst 'ne feste Freundin.«   »Ja, aber doch keine Stripperin. Das sind keine Freundinnen. Du siehst ihnen dabei zu, wie sie ihre Klamotten ausziehen, und dann gehst du nach Hause und denkst an sie, während du mit dir selber spielst. Du gehst nicht mit ihnen aus.«   »Sprich für dich, Alter. Ich bin schon mit Stripperinnen ausgegangen.«  »Oh, ich streite ja nicht ab, dass es physikalisch möglich ist, mit einer Stripperin auszugehen, aber ich habe das Wortfestbetont. Eine Stripperin ist keine feste Freundin.«  »Wer will schon immer dieselbe Tussi?« Caleb grapschte nach einem unsichtbaren Hintern in seinem Schoß und ließ ihn auf und ab hüpfen.   Jeremy gab auf. Calebs Argumentation war unlogisch. Er würde sich nicht überzeugen lassen, und das Einzige, worauf sich Jeremy im Moment konzentrieren konnte, war, wie sehr er eine verdammte Zigarette haben wollte. Er hätte einen professionellen Athleten geohrfeigt. Er hätte einen Stuhl in den Verkehr geworfen, seiner Großmutter den Mittelfinger gezeigt …

KAPITEL 3

22:04 Uhr

WWFTstand auf dem Schild auf Stans Schreibtisch.Was Würde Frank Tun?One-Night Stan wollte wie Frank Sinatra sein. Er wollte teure Anzüge tragen, schöne Frauen vögeln, jeden kalt machen, den er nicht leiden konnte, und berühmt und geliebt sterben.   Um die Wahrheit zu sagen, wusste er gottverdammt noch mal gar nichts über Sinatra. Er wusste nur, dass der Name aus irgendeinem Grund mit Coolness gleichgestellt war, und er wollte, dass die Leute ihn genau so sahen. Er wollte sein eigenes kleines Paradies haben, in dem jeder seinen Namen kannte und er Zigarre rauchend herumlaufen und sich fühlen konnte, als gehörte ihm die Welt. Auf gewisse Weise hatte er diesen Traum schon erreicht, aber die Böden des Klubs waren noch immer aus Linoleum.   Stan machte zwar auf legale Weise Geld, aber nicht genug davon. Im Moment brauchte er noch einen regelmäßigen Fluss illegalen Geldes, um auf den Beinen zu bleiben. Deswegen hatte er Ginger eingestellt. Mädchen wie Ginger konnten ohne Orte wie das One-Night Stan's nicht in dieser Welt überleben, und das One-Night Stan's konnte ohne Ginger nicht überleben. Sie war nicht das attraktivste Mädchen, das hier arbeitete (der Titel ging an Sky), aber sie war mit Sicherheit das interessanteste.   Trotzdem konnte Stan sich in Nächten wie dieser nicht daran erinnern, warum er die Schlampe eigentlich behielt.   »Er wollte es mir nicht sagen«, erklärte Ginger ihm in seinem Büro.   »Was? Was heißt das? Wo ist das Geld? Was ist passiert?«   »Ich weiß es nicht. Ich hab ja versucht, ihn zum Reden zu bringen, aber …«   »Wo ist er?«   »Stan, Baby, beruhige dich.«   »Wo zum Teufel ist Tragic Jack?«   Das war die Zweihundertfünfzigtausend-Dollar-Frage.   Aber warte. Wie One-Night Stan Frank Sinatra wahrscheinlich in den Mund gelegt hätte: Ergründen wir dieses Schwanzgelutsche mal.   Dank ein paar Maulwürfen innerhalb einiger zwielichtiger Gruppierungen in der Stadt war Stan über den Namen eines Mannes gestolpert, der mit dem Transport einer großen Geldsumme von Arschgeige Nummer Eins an Arschgeige Nummer Zwei beauftragt war. Der Mann wiederum, der dafür verantwortlich gewesen war, dass diese Sache an Stan herangetragen wurde, war jemand, bei dem Stan mit einer ebenso großen Geldsumme in der Kreide stand. Zu den Hobbys dieses Mannes gehörte – rein zufällig – die metaphorische und manchmal auch tatsächliche Kastration von Versagern, die mit ihren Kreditrückzahlungen nicht auf dem Laufenden waren. Da Stans besagte Schuld überfällig war und er nicht das nötige Kleingeld hatte, um sie zu begleichen, war der Name des Truckers – der Name Jack Tradgy – reine, süße Fügung des Schicksals gewesen.   Auftritt Ginger, deren Abartigkeit sie zu einem unausstehlichen Zeitgenossen werden ließ, wenn es zu lange her war, dass sie ein männliches menschliches Wesen körperlich verletzt hatte. Ginger war mit der Aufgabe betraut, die Ware von Jack zu holen. Danach konnte sie sich auf jede Art um ihn kümmern, die sie für angebracht hielt.   Was uns ins Jetzt zurückbringt und die Frage aufwirft: »Wo zum Teufel ist Tragic Jack?«   »Er ist im Whirlpool seines Motels«, sagte Ginger.   Mit dem letzten bisschen Zurückhaltung – seine Sicherung war fürs Durchbrennen berühmt – goss sich Stan eine Rum-Cola an seiner Minibar ein, setzte sich wieder an seinen Schreibtisch und nippte an seinem Drink.Frank Sinatra, erinnerte er sich selbst im Stillen. Er warf Ginger einen kalten, ruhigen Blick zu.Frank verdammt noch mal Sinatra.»Ginger«, sagte er. »Sei sehr vorsichtig beim Beantworten der nächsten Frage. Bitte sag mir nicht, ich liege falsch in der Annahme, dass er mit einem Drink in seiner Hand im Whirlpool sitzt und auf die Rückkehr der lieblichen Ginger wartet, sodass er ihr erzählen kann, wo er das Geld aufbewahrt?«   Ginger schluckte. »Ich würde sagen … eher nicht.«   Stan bedeckte sein Gesicht mit einer Hand und atmete durch die Nase ein. »Ginger, du hast diesen Typen doch nicht fertiggemacht, bevor du die Information hattest, oder?«   »Stan …«   »Hast du?«   »Er wollte es mir nicht sagen.«   Das war der Moment, in dem Frank Sinatra den Raum verließ.   »Fuck!«, schrie Stan. Er warf seinen Drink durch das Büro, verfehlte Ginger um Haaresbreite und traf stattdessen das Portrait einer Vagina, das an der Wand hinter ihr hing. »Dir ist klar, dass wir das für Raine erledigen sollten, oder? Scheiß Leonard verfickt noch mal Raine? Dir ist hoffentlich auch klar, wie angepisst er sein wird, wenn ich ihm sage, dass er deinetwegen sein Geld nicht kriegen wird!«  Gingers Herz rutschte ihr so tief in die Hose, dass sie sich zusammenreißen musste, um nicht explosionsartig die Wand hinter sich anzuscheißen. »Daswirst du ihm doch wohl nicht sagen?«  »Ich weiß es nicht! Ich weiß nicht, was ich ihm sagen werde. Ich werde ihn anbetteln, niemanden zu kreuzigen, und ich werde ihm verdammt noch mal alles sagen, was er von mir hören will.«   »Es tut mir leid.«   »Nicht doch! Oh, nein! Eine verdammte Entschuldigung ist nicht genug dafür, dass du mich möglicherweise umgebracht hast. Ich will dich nicht mehr sehen. Verpiss dich von hier und präsentiere den Idioten deine Titten.«   Ginger verbrachte einen Augenblick damit, nach einer beruhigenden Antwort zu suchen, aber als Jack sie noch etwas lauter dazu aufforderte, sich zu verpissen, verließ sie das Büro, um jedem ihre Titten zu zeigen.   Stan ging zurück zur Minibar und goss sich eine weitere Rum-Cola ein, diesmal ohne Cola. Er meditierte einen Augenblick lang über dem Polaroid von Sinatra, das in den Rahmen des Spiegels gesteckt war.   Er nahm das Foto und den Drink mit zu seinem Schreibtisch, wo er sich hinsetzte und in Franks Augen stierte.   »Was soll ich machen, Frank?«, murmelte er.

KAPITEL 4

22:35 Uhr

Zieh dir etwas Salz in die Nase, drück dir Limettensaft ins Auge, trinke einen Tequila und bringe einen Freund dazu, dir ins Gesicht zu boxen. Das nennt man einen »Man Shot«. Und du bist kein Mann, solange du keinen davon hattest.  Caleb hatte heute Nacht drei Man Shots getrunken und Jeremy keinen. Dank mehrerer Kurzer billigen Tequilas, einem Joint, den sie auf der Männertoilette geraucht hatten – was, wie Jeremy entschieden hatte, nicht als Rauchen zählte – und einem Scheck von Calebs Mutter, der mit der Monatsmiete hatte aushelfen sollen, waren die beiden mittlerweile hackedichte, zugebrezelte, sternhagelvolle, Schlagseite habende, bescheuerte Besoffene.   Nachdem er den kompletten Scheck von Mami ausgegeben hatte, wurde Caleb von seinem schlechten Urteilsvermögen überwältigt, sodass er sie anrief – hauptsächlich, weil er sich für witzig hielt. Er hinterließ ihr eine Nachricht, die so lautete: »Hallo Mama, ich hab bloß durchgeklingelt, um dir zu sagen, dass ich dich schon immer für eine Fotze gehalten habe. Okay, bye.«   Das löste bei den Jungs in ihrem hochgradig betrunkenen Zustand raues Gelächter aus.   »Ernsthaft?«, sagte Jeremy. »Alter, du hast Nerven.«   Caleb starrte auf sein Handy, plötzlich von dem Gerät verblüfft.   »Denkst du manchmal über Telefone nach?«, fragte er. »Ich meine, die sind wie eine andere … Ich weiß auch nicht. Die Leute sind nicht da, aber du redest mit ihnen. Es wie … was zur Hölle? Weißt du?«   »Ja, keine Privatsphäre und so«, sagte Jeremy und verfehlte dabei komplett den existenzialistischen Standpunkt, den auszudrücken Caleb einen lausigen Versuch gemacht hatte.   »Ich weiß!«, sagte Caleb, ohne zu realisieren, dass sie jetzt bei einem völlig andern Thema waren. »Wie scheiß Telefonverkäufer und so. Rufen immer an, wenn du auf dem Klo sitzt.«   »Verdammte Arschlöcher.«   »Ich weiß. Trotzdem, Scheiße, das ist irgendwie – was wollte ich sagen? Oh – Du machst so was:« – er ahmte mit Daumen und kleinem Finger ein Telefon nach, so wie betrunkene Leute denken, dass man es tun müsse, wenn man eine Geschichte erzählt – »du sagst: ›Hey, ich bin total interessiert, aber bleib mal kurz dran.‹ Und dann legst du den Hörer hin und wartest ab, wie viel verdammte Geduld die haben!«   Jeremy lachte. »Oder du könntest irres Zeug rufen und sie erschrecken oder so was.«   »Ja, vielleicht«, sagte Caleb. »Wie mit diesem schwulen Arschloch, das die falsche Nummer hatte. Ruft verdammt noch mal bei mir an. Scheißkerl. Okay, also der so: ›Ist Julie da?‹ Ich so: ›Nein, Wichser, Julie wurde gekillt! Von einem scheiß Bären!‹«   Über die Vorstellung, eine x-beliebige Person glauben zu machen, dass ein geliebter Mensch von einem Grizzlybären zerfleischt worden sei, mussten die beiden so heftig lachen, dass Jeremy das Gleichgewicht verlor und von seinem Barhocker fiel. Er schlug mit dem Gesicht auf dem Stuhl neben sich auf und riss sich dabei die Lippe blutig.   In dem Moment – wie es nach zu vielen Drinks oft der Fall war – wurde Jeremys geiler Abend ganz plötzlich zu einem beschissenen Abend. Anstatt die ganze Nacht durchzufeiern, wollte er verflucht noch mal einfach nur nach Hause gehen.   Und er sollte verdammt sein, wenn er nicht einen Liliputaner erstochen hätte für eine Zigarette.

22:49 Uhr

In Highschoolkreisen war Daniel das, was man als »Nerd-Schwuchtel« bezeichnete. Diese seltene Art sozial unbeholfenen Individuums wird durch einen mittleren bis hohen Grad an Buchwissen, Mangel an Freunden und Bekannten, dem Unvermögen, mit attraktiven Frauen zu sprechen und einer Vorliebe für Sweatshirts charakterisiert.  Die Eltern einer Nerd-Schwuchtel haben es während der Schulzeit leicht, da das Kind in allen Fächern gute Noten nach Hause bringt, eine aktive Beziehung mit Familienmitgliedern aufrechterhält und dank seines manchmal katastrophal winzigen sozialen Umfelds niemals lange wegbleibt. Abgesehen von einer ständig schwankenden Auffassung von Selbstwert ist die Nerd-Schwuchtel der feuchte Traum aller Eltern.   Wenn sie die Highschool abschließt und aufs College geht, durchlebt die Nerd-Schwuchtel oft eine Metamorphose, in welcher sie sich selbst neu erfindet, um für das fremde Umfeld und – im Besonderen – auf Frauen ansprechender zu wirken.  Der Glaube der Nerd-Schwuchteln – oder deren »Theorem«, wie sie selbst sagen würden – gebietet, dass die Leben von Sportlern, Cheerleadern und anderen beliebten Schülern ihren Höhepunkt mit dem Schulabschluss erreichen, während die Nerd-Schwuchtel auf Dauer überlegen sein wird. Es ist eine Art Mantra, in dieser Subkulturad nauseamwiederholt, aber wenn man Daniel Seite an Seite mit Caleb betrachtete, konnte man erkennen, dass das Theorem nicht ohne Ausnahmen war.  Daniel war in seinem ersten Jahr am College und versuchte verzweifelt, sich seinen neuen Kumpels anzupassen. Er hatte sich einen gefälschten Ausweis beschafft, die Sweatshirts zugunsten einer nicht viel besseren Cordjacke abserviert, und gelegentlich trank er mit seinen Klassenkameraden Jeremy und Caleb in der One-Night Stan's Tittenbar.   Während Daniel die beiden sicherlich als seine Freunde betrachtete, war das anders herum weniger wahr. Jeremy und Caleb sahen Daniel mehr als jemanden, der sie im Vergleich cooler und per Assoziation klüger aussehen ließ, und manchmal – am wichtigsten – gab er ihnen Drinks aus.   In dieser Nacht kam Daniel gerade an, als Jeremy mit dem protestierenden Caleb im Schlepptau den Klub verließ, um zu verschwinden.   »Hey Leute«, sagte Daniel.   »Oh, was geht ab, Mann?«, sagte Caleb.   »Nicht viel«, sagte Daniel. »Sky am Arbeiten?«   Sky war eine Stripperin im One-Night Stan's, in die Daniel unangenehm heftig verschossen war. Wenn eines der Mädchen hier jemals eine berühmte Schauspielerin werden und versuchen würde, ihre Vergangenheit in einem schäbigen Nevada Stripklub zu begraben – bis ein Journalist Nacktbilder ans Licht zerren, ihr Image als Familienmensch zerstören, ihre Karriere beenden und sie in einen Strudel von Drogen und Alkoholismus stürzen würde – dann war dieses Mädchen mit Sicherheit Sky.   »Nein, sie arbeitet nicht«, sagte Caleb. »Hör auf, das arme Ding zu stalken.«   »Ich stalke sie nicht«, sagte Daniel.   »Wo wohnt sie?«   »Park Street … Ach, fick dich.«   »Schon klar, Alter«, sagte Caleb. »Es ist noch nicht mal elf. Vielleicht kommt sie später noch. Wir könnten zusammen abhängen.«   »Sicher«, sagte Daniel betreten. »Ich bin dabei. Wir hängen ab, trinken ein paar Bier und beglotzen ein paar Möpse.«   »Ja, klingt cool, oder?« Caleb funkelte Jeremy an.   »Alter, ich kann kaum noch scheiß aufrecht stehen, meine Lippe blutet … Ich verschwinde.«   »Meine Lippe blutet auch. Ich hatte drei Man Shots. Es ist keine gute Nacht, ehe du nicht Blut geschmeckt hast, richtig, Daniel?«   »Ähm …«   »Komm schon, Jer, du hast dir dein Gesicht an einem Barstuhl aufgeschlagen. Sei nicht so eine Zicke deswegen.«   »Ich geh heim.«   »Na schön«, sagte Caleb. »Gute Nacht, Schlappschwanz.«   »Gute Nacht, Arschloch«, sagte Jeremy.   »Nacht, Alter«, sagte Daniel.   Caleb und er drehten sich um und betraten das One-Night Stan's.

KAPITEL 5

22:57 Uhr

Wenn man in genügend Klubs in Scud City geht, wird man irgendwann Bitch Republic spielen hören. Sie sind nicht toll, aber sie sind lokale Talente und für eine reine Frauen-Punk-Band sind sie nicht mal völlig beschissen.  Die schwarzhaarige Tussi am Schlagzeug hört auf den Namen Suzie Q, weil sie nicht besonders clever ist. Samstagnachts ist sie üblicherweise zu Hause und lernt für ihren Abschluss in elisabethanischem Englisch oder sie sieht sich Futurama im Internet an. Da war sie auch heute Nacht und deswegen war ihr Abend nicht besonders interessant.   Die pinkhaarige Tussi am Bass ist Sky. Sie ist ein sehr nettes Mädchen, das schwer – und erfolgreich – darum bemüht ist, ein Image als psychotisches, impulsives Partyhäschen zu erzeugen. Ihr Tagesgeschäft – technisch gesehen ein Nachtgeschäft – ist es, im One-Night Stan's zu strippen, wo sie, um auf traditionellere Art hübsch zu wirken (und weil Stan kurze Haare nicht mag), eine rote Perücke trägt.