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Studienarbeit aus dem Jahr 2008 im Fachbereich BWL - Allgemeines, Note: 1,3, Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen (Lehrstuhl für Technologie- und Innovationsmanagement), Sprache: Deutsch, Abstract: Open Innovation beschreibt allgemein die Öffnung des Innovationsprozesses von Unternehmen durch die aktive und strategische Nutzung der Außenwelt. Der Kunde soll nicht weiter als passiver Empfänger einer Leistung sondern als aktiver Wertschöpfungspartner in den Produktentstehungsprozess eingebunden werden. Während bereits einzelne Firmen mit der Integration ihrer Konsumenten in den Wertschöpfungsprozess beginnen, gilt dies nur in geringem Ausmaß für den medizintechnischen Sektor. Indessen bietet vor allem die Medizintechnikbranche möglicherweise großes Potential für eine intensive Kooperation zwischen Patienten und Unternehmen, da sich medizintechnische Innovationen nicht nur auf die Höhe der Gesundheitsausgaben, sondern auch auf die bestehenden Leistungsstrukturen und die Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen auswirken können. Bei einer Betrachtung der Verteilung von Medizintechnik über die Altersstruktur wird ferner deutlich, dass sich vor allem ältere Menschen für eine Entwicklungskooperation mit den Herstellerunternehmen anbieten. Zum einen gewinnen die Potentiale des Alters - im Zuge des demografischen Wandels - stärkere Bedeutung für die Gesellschaft, zum anderen verfügen vor allem ältere Menschen über teilweise ausgeprägtes Anwenderwissen mit medizintechnischen Produkten. In der vorliegenden Arbeit soll die Möglichkeit einer Einbeziehung älterer Konsumenten in die Innovationsprozesse der Medizintechnikbranche mittels Open Innovation diskutiert werden. Eingangs werden die theoretischen Grundlagen bezüglich Open Innovation, Alter(n) sowie Medizintechnik dargestellt. Anschließend werden diese Grundlagen zusammengeführt und die signifikanten Merkmale auf eine nützliche und effektive Kombinierbarkeit hin überprüft. Zum einen wird die grundsätzliche Einbindung älterer Menschen in Open-Innovation-Prozesse untersucht, zum andern wird die Anwendung von Open Innovation im medizintechnischen Sektor bewertet. Abschließend wird anhand der Erkenntnisse ein Geschäftsmodell entwickelt. Dieses soll eine Umsetzung des Open-Innovation-Prinzips in Verbindung mit der Entwicklung einer Open-Innovation-Plattform darstellen. Auf dieser Plattform sollen vor allem mit älteren Menschen innovative Produkte für den Bereich Medizintechnik bewertet, entwickelt und optimiert werden können. Die Arbeit entstand am Lehrstuhl für Technologie- und Innovationsmanagement der RWTH Aachen und wurde von Prof. Dr. Frank Piller betreut.
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Veröffentlichungsjahr: 2008
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Abbildungsverzeichnis Abbildung 2.1: Phasen eines idealtypischen Innovationsprozesses........................................... 8 Abbildung 3.1: Altersaufbau der Bevölkerung in Deutschland bis 2050 ................................ 14 Abbildung 4.1: Unternehmensgrößenstruktur der deutschen Medizintechnikindustrie........... 21 Abbildung 4.2: Gesamtumsatz deutsche Medizintechnikindustrie (Werte in Mrd. Euro)....... 22 Abbildung 4.3: Das deutsche Gesundheitswesen (eigene Darstellung)................................... 25 Abbildung 5.1: Durchschnittlicher privater Verbrauch in Deutschland von 1993 bis 2003.... 34 Abbildung 5.2: Patentanmeldungen weltweit (eigene Darstellung)......................................... 41 Abbildung 5.3: Patentanmeldungen beim Europäischen Patentamt (eigene Darstellung)....... 42 Abbildung 6.1: Open-Innovation-Plattform (eigene Darstellung) ........................................... 51 Abbildung 6.2: Kommunikationsebene (eigene Darstellung).................................................. 52 Abbildung 6.3: Entwicklungsplan des OSSI-Projekts (eigene Darstellung)............................ 61 IVPage 5
Abkürzungsverzeichnis
Aufl. Auflage AGB Allgemeine Geschäftsbedingungen BfArM Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte bspw. beispielsweise BVMed Bundesverband Medizintechnologie e.V. bzw. beziehungsweise d.h. das heißt Diss. Dissertation DFG Deutsche Forschungsgemeinschaft Dr. Doktor et al. et altera / und andere etc. et cetera / und so weiter F&E Forschung und Entwicklung f. folgende ff. fortfolgende G-BA Gemeinsame Bundesausschuss GKV gesetzliche Krankenversicherung Hrsg. Herausgeber IuK Informations- und Kommunikationstechnologien IPC Internationale Patent-Klassifikation IT Informationstechnologie Jg. Jahrgang Kap. Kapitel KMU Klein- und mittelständische Unternehmen MedTech medical technology Mio. Millionen MPG Gesetz über Medizinprodukte Nr. Nummer OIP Open-Innovation-Plattform OSSI Open-Senior-Service-Innovation PKV private Krankenversicherung Prof. Professor
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RWTH Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule S. Seite TCI Toolkits for Customer Innovation TU technische Universität u.ä. und ähnliche u.v.m. und viele mehr vgl. vergleiche z.B. zum Beispiel
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Im Jahr 1991 begann ein junger Programmierer in Finnland ein Programm zu schreiben, um sich von zuhause mit dem Computer seiner Universität verbinden zu können. Zum Austausch mit anderen Interessierten über den Aufbau des Programms veröffentlichte er den Quellcode im Internet. Zu diesem Zeitpunkt ahnte Linus Torvalds nicht, dass er mit dieser Veröffentlichung das bisher größte bestehende Open-Source-Projekt angestoßen hatte. Aus dem anfänglich kleinen Programm wurde innerhalb kurzer Zeit das vielfach genutzte Betriebssystem ‚Linux’.1Aufbauend auf seinem persönlichen Bedürfnis wurde durch das kollektive Teilen von Entwicklungsarbeit ein Massenprodukt, das seitdem tausende von begeisterten Programmierern zur freiwilligen Teilnahme motiviert. 15 Jahre später ist die gemeinschaftliche Entwicklung von Softwareprogrammen, deren Quellcode frei zugänglich ist, omnipräsent. Doch die Prinzipien von Open Source zur Entwicklung von Software funktionieren auch bei anderen Produkten.
Unter dem Begriff ‚Open Innovation’ wird derzeit vielfach das Potential von Entwicklungskooperationen zwischen Unternehmen und Abnehmern diskutiert. Open Innovation beschreibt die Öffnung des Innovationsprozesses von Unternehmen und damit die aktive und strategische Nutzung der Außenwelt zur Vergrößerung des eigenen Innovationspotentials. Der Kunde soll nicht weiter als passiver Empfänger einer Leistung sondern als aktiver Wertschöpfungspartner in den Produktentstehungsprozess eingebunden werden.
Während bereits einzelne Firmen mit der Integration ihrer Konsumenten in den Wertschöpfungsprozess beginnen, gilt dies nur in geringem Ausmaß für den medizinischen Bereich. Indessen bietet vor allem die Medizintechnikbranche möglicherweise großes Potential für die intensive Kooperation zwischen Patienten und Unternehmen, da sich medizintechnische Innovationen nicht nur auf die Höhe der Gesundheitsausgaben, sondern auch auf die bestehenden Leistungsstrukturen und die Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen auswirken können. Innovationen in der Medizintechnikentwicklung eröffnen somit die Möglichkeit, die Produktivität im Gesundheitswesen zu erhöhen und gleichzeitig Kosteneinsparungen zu erzielen.
Bei einer Betrachtung der Verteilung von Medizintechnik über die Altersstruktur wird ferner deutlich, dass sich vor allem ältere Menschen für eine Entwicklungskooperation mit den Herstellerunternehmen anbieten. Zum einen gewinnen die Potentiale des Alters - im Zuge des
1Torvalds, L., Diamond, D. (2001).
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demografischen Wandels - stärkere Bedeutung für die Gesellschaft, zum anderen verfügen vor allem ältere Menschen über teilweise ausgeprägtes Anwenderwissen mit medizintechnischen Produkten.
Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist daher, die Möglichkeit der Einbeziehung älterer Konsumenten in die Innovationsprozesse der Medizintechnik, mittels Open Innovation zu diskutieren.
In den folgenden Abschnitten werden zunächst die theoretischen Grundlagen bezüglich Open Innovation, Alter(n) sowie Medizintechnik dargestellt. Ziel ist es eingangs, den Open-Innovation-Prozess vom konventionellen Wertschöpfungsprozess abzugrenzen und zusätzlich Besonderheiten hinsichtlich des Innovationsprozesses und der Eigentumsrechte aufzuzeigen. Anschließend werden wesentliche Dimensionen bezüglich älterer Menschen diskutiert. Neben dem sich vollziehenden demografischen Wandel werden die verschiedenen Definitionen von Alter aus der Sicht der Gerontologie dargestellt und die soziale Teilhabe im Alter beschrieben. Abschließend wird die Medizintechnikbranche einschließlich der zukünftigen Potentiale und Besonderheiten des Gesundheitsmarkts charakterisiert. Im fünften Kapitel werden die theoretischen Grundlagen zusammengeführt und die signifikanten Merkmale auf eine nützliche und effektive Kombinierbarkeit hin überprüft. Zum einen wird die grundsätzliche Einbindung älterer Menschen in Open-Innovation-Prozesse untersucht, zum andern wird die Anwendung von Open Innovation im medizintechnischen Sektor bewertet.
Abschließend wird anhand der Erkenntnisse ein Geschäftsmodell entwickelt. Dieses soll eine Umsetzung des Open-Innovation-Prinzips in Verbindung mit der Entwicklung einer Open-Innovation-Plattform darstellen. Auf dieser Plattform sollen vor allem mit älteren Menschen innovative Produkte für den Bereich Medizintechnik bewertet, entwickelt und optimiert werden können.
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Kürzer werdende Produktlebenszyklen, hohe Produktflopraten und eine wachsende Heterogenität von Konsumentenbedürfnissen üben vermehrt Druck auf die Innovationstätigkeiten von Herstellern aus. Eine hohe Innovationsfähigkeit gilt daher als Schlüssel für wirtschaftliches Wachstum und Unternehmenserfolg in einer stark von Wettbewerb geprägten Umwelt.
Zahlreiche empirische Studien beweisen, dass viele Innovationen ihren Ursprung nicht in den Entwicklungsabteilungen von Unternehmen haben, sondern unternehmensexterne Einzelpersonen häufig die Quelle für wichtige Innovationen in verschiedenen Branchen gewesen sind.2Erkenntnisse aus Forschung und Praxis zeigen ferner, dass vor allem eine Kundenorientierung in der Neuproduktentwicklung die Wahrscheinlichkeit des Markterfolges erhöht. Besonders herausfordernd sind dabei die frühen Entwicklungsphasen, in denen zunächst noch unbestimmte Kundenbedürfnisse ermittelt und in neuartige Lösungen umgesetzt werden müssen.3Eine solche Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und einigen Kunden bzw. Nutzern bei der Entwicklung neuer Produkte und Leistungen ist nach Reichwald und Piller unter dem Begriff ‚Open Innovation’ zu verstehen:
“Open Innovation bezeichnet eine interaktive Wertschöpfung im Innovationsprozess, indem ein Herstellerunternehmen mit ausgewählten Kunden bzw. Nutzern gemeinschaftlich Innovationen generiert. Dies erfolgt durch gezielte, jedoch relativ informale und vor allem partizipative Koordination des Interaktionsprozesses zwischen Herstellern und einer Vielzahl an Kunden und Nutzern. Dabei kommt es zu einer systematischen Integration von Kundenaktivitäten und Kundenwissen in die Ideengenerierung, die Entwicklung erster konzeptioneller technischer Lösungen, Design und Fertigung erster Prototypen und die Diffusion der Innovation.”4
Open Innovation beschreibt den Innovationsprozess im Gegensatz zum klassischen geschlossenen Prozess (‚closed innovation’) als einen vielschichtigen offenen Such- und Lösungsprozess, der zwischen mehreren Akteuren über die Unternehmensgrenzen hinweg abläuft. Eric von Hippel prägte unter dem Begriff ‚customer-active paradigm’ diese
2Vgl. Reichwald, R., Piller, F. (2006), S. 95.
3Vgl. Lüthje (2003), S. 36ff.
4Vgl. Reichwald, R., Piller, F. (2006), S. 96.
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Erweiterung um einen zusätzlichen Akteur im Innovationsprozess.5Sein Ansatz beschreibt die Abkehr vom klassischen ‚manufacturer-active paradigm’, nach dem Innovationen vorrangig vom Unternehmen durch eigene F&E Tätigkeit induziert wurden.6Die Öffnung der Unternehmensgrenzen für externen Input und die Auslagerung von Aufgaben an Akteure, die besondere Kompetenzen oder lokales Lösungswissen haben, schafft viele neue Potentiale. Es erfolgt eine gemeinschaftliche Innovation durch gezielte, jedoch relativ informale und vor allem partizipative Koordination des Interaktionsprozesses zwischen Herstellern und einer Vielzahl von Kunden und Nutzern. Aufgaben, die bislang intern von Mitarbeitern bearbeitet wurden, werden an ein undefiniertes, großes Netzwerk von Kunden und Nutzern in Form eines offenen Aufrufs zur Mitwirkung vergeben. Offener Aufruf bedeutet hier, dass die zu lösende Aufgabe offen verkündet wird und die externen Problemlöser durch Selbstselektion entscheiden, ob sie mitwirken oder nicht. So wird eine systematische Integration von Kundenaktivitäten und Kundenwissen in der Ideengenerierung, der Entwicklung erster konzeptioneller technischer Lösungen, Design und Fertigung erster Prototypen bis hin zur Markteinführung erreicht.7
Im Umfeld der Themen von Open Innovation beschreibt Yochai Benkler, Rechtsprofessor an der amerikanischen Universität Yale, mit ‚Commons-based Peer Production’ zum einen ein kooperatives Produktionsmodell in vernetzten, interaktiven Medien. Zum anderen definiert er mit seinem Begriff der ‚Commons-based Peer Production’ ein ambitioniertes Organisationsprinzip einer arbeitsteiligen Wertschöpfung, die ohne finanzielle Anerkennung bzw. monetäre Entlohnung auskommt.8
‚Commons-based Peer Production’ basiert auf dem Prinzip des kollektiven Teilens von Ressourcen und dem weiträumigen Verteilen von Entwicklungsarbeit. Auf die hierarchische Arbeitsteilung eines klassischen Unternehmens wird indessen verzichtet, so dass die kooperativen Akteure weitgehend lose untereinander in Kontakt stehen. Desgleichen wirken keine selektiven Marktmechanismen über Angebot und Nachfrage auf die Produktion ein, da alle Beteiligten sich zunächst aufgrund eigener Nutzungsinteressen an der Produktion
5Vgl. Hippel, E. von (1978), S. 39ff.
6Vgl. Rogers, E., Shoemaker, F. (1971), S. 58ff.
7Vgl. Reichwald, R., Piller, F. (2006), S. 95f.
8Vgl. Benkler (2006), S. 60.
