Opfer - Cathi Unsworth - E-Book

Opfer E-Book

Cathi Unsworth

4,5
8,99 €

oder
Beschreibung

Die verschlafene Idylle eines Küstenstädtchens im Norden Englands wird von einem grausamen Ritualmord erschüttert. Am Tatort wird die blutüberströmte Corrine Woodrow aufgegriffen und bald darauf zu lebenslanger Haft verurteilt. Doch war die junge Außenseiterin tatsächlich die Hohepriesterin eines Satanskults, wie es in der Boulevardpresse hieß? Zwanzig Jahre später rollt ein junger Privatdetektiv die Ermittlung wieder auf, denn neue Beweise belegen, dass sich alles auch ganz anders abgespielt haben könnte …

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 478

Bewertungen
4,5 (72 Bewertungen)
46
15
11
0
0



Die Achtzigerjahre im Nordosten Englands. Die Jugend von Ernemouth begegnet dem Einerlei der kleinen Küstenstadt mit unheilschwangerer Musik, düsteren Outfits und einer Faszination für Schwarze Magie. Eine von ihnen scheint das Spiel mit den dunklen Mächten zu weit getrieben zu haben – viel zu weit. Ernemouth wird zum Schauplatz eines Ritualmords, der allem Anschein nach von einer jungen Frau begangen wurde: Corrine Woodrow.

Zwanzig Jahre nach Corrines Verurteilung tauchen Beweise dafür auf, dass sie nicht allein gehandelt hat. Der Privatermittler Sean Ward reist nach Ernemouth, um herauszufinden, was in jenem Sommer 1984 wirklich passiert ist. Doch nicht jedem dort behagt es, dass der alte Fall wieder aufgerollt wird. Und Sean Ward muss feststellen, dass ihm von ganz unerwarteter Stelle Steine in den Weg gelegt werden …

Cathi Unsworth begann mit neunzehn Jahren für das legendäre Musikmagazin Sounds zu schreiben. Sie studierte am London College of Fashion und arbeitete als Kritikerin und Redakteurin u.a. für The Guardian. Opfer ist ihr vierter Roman. Cathi Unsworth lebt in London.

Hannes Meyer, geboren 1982, lebt und arbeitet als freier Übersetzer in Düsseldorf. Er übersetzte unter anderem Bücher von Dana Spiotta, Giles Foden und James Franco.

Cathi Unsworth

OPFER

Kriminalroman

Aus dem Englischen vonHannes Meyer

*

Suhrkamp

Die Originalausgabe erschien 2012 unter dem Titel

Weirdo

bei Serpent’s Tail, London.

eBook Suhrkamp Verlag Berlin 2014

Der vorliegende Text folgt der 1. Auflage der Ausgabe

des suhrkamp taschenbuchs 4502

© Suhrkamp Verlag Berlin 2013

© 2012 Cathi Unsworth

Alle Rechte vorbehalten, insbesondere das des öffentlichen Vortrags sowie der Übertragung durch Rundfunk und Fernsehen, auch einzelner Teile.

Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotografie, Mikrofilm oder andere Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Für Inhalte von Webseiten Dritter, auf die in diesem Werk verwiesen wird, ist stets der jeweilige Anbieter oder Betreiber verantwortlich, wir übernehmen dafür keine Gewähr. Rechtswidrige Inhalte waren zum Zeitpunkt der Verlinkung nicht erkennbar.

Umschlagfoto: Andi Sapey

Umschlaggestaltung: cornelia niere, münchen

eISBN 978-3-518-73179-6

www.suhrkamp.de

FürMatthew, Yvette, Thomas, William undSophie Rose

Death to come

to those we husband,

frightened crowds

running circles –

on the path and down the hill.

I’m not the man

here to murder

but in his time

he will come.

Der Tod holt alle,

die wir hegen,

bange Massen,

die Kreise laufen –

auf dem Pfad, den Berg hinab.

Ich bin nicht der,

der morden wird,

doch wenn es Zeit ist,

wird er kommen.

Benedict Newbery,

Some Man’s Business

Normal ist Scheiße.

Harry Crews

Teil 1

SMALLTOWN ENGLAND

*

1

DU BIST SCHON TOT

März 2003

Sie hatten sie tief im Wald versteckt, weitab vom Rest der Welt. Fast zwanzig Jahre lang war sie schon hier, aber das hasserfüllte Geflüster war noch immer nicht verstummt und schwoll jedes Mal, wenn ihr Name fiel, zu lautem Geschrei an. Immer wenn ein anderer Fall Schlagzeilen machte, bei dem sich junge Leute gegenseitig umgebracht hatten.

Die Böse Hexe des Ostens wurde sie in der Boulevardpresse genannt. Killer-Corrine, Hohepriesterin eines Satanskults, in dessen todbringende Klauen im Sommer 1984 die Jugendlichen eines Küstenstädtchens in Norfolk geraten waren. Sonderling, Übeltäterin. Scheißgrufti, sagten die Einheimischen. Sie hatten ja schon immer gewusst, dass mit Corrine Woodrow etwas nicht stimmte. Nicht einer zweifelte an Corrines Schuld und an der Notwendigkeit einer harten und ewig währenden Strafe.

Sperrt sie weg.

Sean Ward hatte alle Akten und Zeitungsartikel über den blutigen Sommer 1984 gelesen, die er finden konnte. Er hatte das Gesicht einer Jugendlichen mit schwarzer Spike-Frisur und kurz rasierten Seiten vor sich, mit dickem Kajal um die so genannten »Augen des Bösen«. Immer wurde das Bild von ihrer Festnahme abgedruckt, niemals das von der glattfrisierten, adretten jungen Frau, die schließlich vor Gericht erschienen war. Meistens neben einem Foto der wasserstoffblonden Myra Hindley.

Die Äste des dichten Kiefernwalds wiegten sich im Wind, und der Regen fiel schräg. Auf der Landstraße durchs tiefste Cambridgeshire hatte Shaun bisher kaum ein anderes Fahrzeug gesehen. Nur ein alter Massey-Ferguson-Traktor samt gebeugtem Fahrer mit Wollmütze war an der letzten Kreuzung vorbeigeruckelt und in einem Feldweg verschwunden. Sean stellte sich unwillkürlich vor, er habe nach Abfahrt von der M 11 irgendwann die Realität verlassen und sich in einer Sagenwelt verfahren, in der er den wilden Wald durchdringen musste, um die Feste zu erreichen, wo die Hexe gefangen gehalten wurde.

Der Regen prasselte auf das Dach des dunkelblauen Peugeot 207, und die Scheibenwischer schlugen hin und her. Das Radio hatte er schon lange abgeschaltet, denn die Einsamkeit und das schlechte Wetter waren ihm lieber als die viel dunkleren Wolken eines drohenden Krieges im Irak, die gerade die Schlagzeilen füllten: George Bush und Tony Blair forderten Saddam auf zurückzutreten, wussten natürlich, dass er das nie tun würde, und drängten auf Konfrontation um jeden Preis.

Sean hatte genug von Konfrontationen. Er war ein Detective Sergeant der Londoner Metropolitan Police gewesen, als sein Job ihn fast umgebracht hätte – der jugendliche Dealer war zum Glück nicht in der Lage gewesen, die Maschinenpistole mit tödlicher Präzision zu bedienen. Sean hatte ein knappes Jahr in verschiedenen Krankenhäusern und Reha-Zentren verbracht und wurde nachts vom Blick des jungen Mannes heimgesucht.

Jetzt hatte er einen neuen Job, der dem alten aber recht ähnlich war. Seit seinem Vorruhestand bei der Polizei war er jetzt das Einzige, was ein Ex-Bulle noch werden kann: Privatdetektiv. Davor hatte ihm gegraut, er hatte mit einer endlos langweiligen Reihe von Ehebruchs- und kleineren Betrugsfällen gerechnet – was ihm aber immer noch besser erschienen war als ein Leben als Sozialarbeiter oder Gefängniswärter oder, am schlimmsten, ein tatenloses Dahinvegetieren auf dem Sofa vor dem Fernseher, ein Dasein ohne Sinn.

Überraschenderweise gab es jetzt aber Detektivarbeit, die eher seinen Fähigkeiten entsprach. Die Fortschritte in Chemie und Physik hatten ganz neue Möglichkeiten eröffnet; die DNA-Technologie hatte eine boomende Branche hervorgebracht, in der Anwälte gutes Geld zahlten.

Ungeklärte Fälle.

Nachdem Sean also von einem straffälligen Teenager beinahe niedergestreckt worden war, war er jetzt auf dem Weg zu einem anderen – zumindest war Corrine Woodrow bei ihrer Verhaftung einer gewesen.

Hinter dieser zweiten Berufung gegen Woodrows Sicherungsverwahrung steckte Janice Mathers. Sie gehörte zu jener Art Anwalt, die das Blut von Seans ehemaligen Kollegen zum Kochen brachte – sie war eine hippe Linke, die damit bekannt geworden war, unbeliebte Fälle wieder aufzurollen, um so die vermeintlich grassierenden Justizirrtümer aufzudecken. Sie hatte Kleidungsproben vom Tatort noch einmal untersuchen lassen, und das neue Cluster-DNA-Verfahren hatte Beweise zutage gefördert, die Zweifel an Corrines Einzeltäterschaft aufwarfen.

Jemand anders hatte dort seinen genetischen Fingerabdruck hinterlassen, jemand, der der Polizei unbekannt war, ein Phantom, das seitdem sauber geblieben oder zumindest nicht gefasst und auch sonst nicht aktenkundig geworden war. Mathers hatte Sean angeheuert, damit er diesen mysteriösen Komplizen fand, der sich nach all den Jahren sonstwo aufhalten konnte, und sei es unter der Erde.

Sean hatte den Job angenommen, obwohl seine ehemaligen Kollegen es nicht gerne sahen, allen voran Charlie Higgins, sein alter Chief Superintendent und Mentor während seiner zehn Jahre bei der Polizei. Nicht, dass er nicht selbst Bedenken hatte. Selbst wenn sie zu Unrecht verurteilt worden sein sollte – hatte die Böse Hexe des Ostens überhaupt eine Chance, wieder in die Gesellschaft eingegliedert zu werden? Sie würde bis ans Ende ihrer Tage unter falscher Identität leben müssen, immer mit dem Rücken zur Wand, ohne jemals zur Ruhe zu kommen. Sean wusste, was eine bloß geflüsterte Verdächtigung schon auslösen konnte, er hatte die Scheiße auf der Fußmatte gesehen, die eingeschlagenen Fenster, die Schmierereien und Brandsätze. Bei Unschuldigen wie bei Schuldigen.

Doch mit jedem Kilometer wurde ihm klarer, weshalb er den Fall wirklich angenommen hatte: Nach den langen Monaten der Untätigkeit kam sein Gehirn endlich wieder auf Touren. Er hatte den Fall gebraucht, weil er ihm einen Sinn gab. Auch ihm kam eine neue Identität gerade recht – wenn er wirklich in ein Märchen geraten war, war er wohl der Ritter in strahlender Rüstung –, selbst wenn ihm nie wohl gewesen war bei der Bezeichnung »Held in Uniform«, die ihm die Presse aufgedrückt hatte.

Sean war zur Zeit der Tat elf gewesen. Er hatte damals nichts davon gehört. Er war auch noch nie in diesem Winkel der Welt gewesen. Nach seiner Zwischenstation hier ging es weiter nach Osten, in den Badeort Ernemouth in Norfolk, wo alles begonnen hatte. Dort sollte er sich mit dem Polizisten treffen, der damals die Ermittlungen geleitet hatte, dem mittlerweile pensionierten Detective Chief Inspector Leonard Rivett. Vorher wollte er aber mit Corrine sprechen und schauen, was ihm ihre Augen verrieten.

Die Karte auf dem Beifahrersitz zeigte, dass die Einfahrt zur Hochsicherheitsanlage hinter der nächsten Kurve lag. Es war eine viktorianische Einrichtung wie viele andere, unfreundliche Ziegelsäulen und eiserne Bogentore schützten die Anstalt für geisteskranke Straftäter.

Der Wachmann winkte ihn gelangweilt durch, und vor Sean schlängelte sich die blassgraue Straße durch eine Lichtung, das Heidekraut und die Stechginsterbüsche darauf waren tropfnass vom Regen. Nirgends war ein Lebewesen zu sehen, nicht einmal der Krähenschwarm, den man an so einem verlassenen Ort erwarten würde. Als die geschlossene Abteilung schließlich zu sehen war, wusste Sean auch, warum.

Mit den Türmen und den Fensterschlitzen, in denen nichts als der stahlgraue Himmel zu sehen war, wirkte das Gebäude wie eine Festung. Sean erschauderte und musste sich beherrschen, nicht sofort zu wenden und wieder wegzufahren. Im Krankenhaus war es ja schon schlimm gewesen, aber das hier …

Wie lange hält man es wohl an so einem Ort aus, bevor man sich ansteckt.

Er atmete tief durch, bezwang seine Angst und fuhr weiter.

2

AUF DEM FLACHEN LAND

August 1983

Edna Hoyle blieb noch eine Weile am Küchentisch sitzen, nachdem ihr Mann gegangen war. Ihre Wange war wund von dem hastigen Kuss, den er ihr, den einen Arm schon im Jackenärmel, aufgedrückt hatte, während seine Zigarette noch im Aschenbecher brannte. Normalerweise war Eric nicht nachlässig beim Rasieren und beeilte sich auch nicht so beim Abendessen, als hielte er es keine Sekunde mehr zu Hause aus. Aber normal war zur Zeit gar nichts mehr.

Edna drückte die Silk Cut aus. Die Zigaretten mit niedrigem Teergehalt waren Erics jüngstes Zugeständnis an die ärztliche Anordnung, besser auf sich aufzupassen – sie waren angeblich nicht so schlimm wie die normalen Rothmans, seine Stammmarke seit Jugendjahren. Nun rauchte er von den neuen doppelt so viele, und man sah ihm dabei die Wut über den verwehrten Genuss richtig an. Bei wie vielen er wohl erst in einer Woche ist, wenn sich alles ändert, fragte Edna sich.

Sie durfte gar nicht daran denken und widmete sich lieber der Hausarbeit. Sie ließ heißes Wasser ins Spülbecken laufen, gab Fairy dazu und machte sich über die Gläser, Teller und Pfannen her, bis alles glänzte.

Sie taten es für Samantha, musste sie ihn immer wieder erinnern. Ihre Enkelin. Sie konnte doch nichts dafür, wie ihre Mutter sich aufführte …

Edna verzog das Gesicht, zog den Stöpsel aus dem Abfluss und trocknete sich schnell die Hände ab. Dann wischte sie die Arbeitsplatte ab und hängte das Geschirrtuch über die Heizung, damit zumindest in ihrem Einflussbereich alles seine Ordnung hatte.

Noodles, Ednas Spitz, hob in seinem Körbchen in der Ecke den Kopf und zeigte beim Gähnen sein rosa Maul voller scharfer, weißer Zähne. Er stand auf, schüttelte sich, sprang aus dem Korb und sah sein Frauchen mit hochgerolltem Schwanz und aufgestellten kleinen Ohren an.

»So ein braver Kerl«, sagte Edna und ging in die Hocke, um ihn zu streicheln, wobei sie ein stechender Schmerz im Knie an ihre Arthritis erinnerte. Noodles kläffte eine Antwort und rieb sich mit der Schnauze in ihrer Hand. Mit seiner goldenen Mähne und seinem geschäftigen Gang war er Edna ziemlich ähnlich. Überhaupt verstanden sie einander sehr gut.

Sie stiegen die mit dickem Teppich ausgelegte Treppe hinauf und gingen in das Kinderzimmer, das Edna über die letzten Wochen für Sammy hergerichtet hatte.

Edna ließ den Blick über die Tapete und die dazu passende Tagesdecke streifen, die sie bei Laura Ashley in Norwich besorgt hatte. Sie hatte ihre beste Freundin Shirley Reece um Rat gefragt, die Enkelinnen in Sammys Alter hatte.

Shirley war überzeugt gewesen, dass das helle, schlichte Mohn-Muster gut ankommen würde. Edna war sich da nicht mehr so sicher. Das Zimmer war so klein, dass der Korb-Schminktisch mit Hocker das Fenster und den Blick aufs Meer versperrte. Und der Kleiderschrank an der Wand gegenüber sah wirklich nicht groß genug für Sammys Sachen aus.

»Ach Noodles«, flüsterte Edna, »und wenn’s ihr gar nicht gefällt?«

Noodles sah mit verständnisvollen braunen Augen zu seinem Frauchen auf.

Edna legte eine Hand auf das Regal, das sie Eric hatte aufbauen lassen. Dort hatte sie das Spielzeug aufgestellt, das Sammy auf dem Leisure Beach gewonnen hatte, und die Bücher, die sie nach ihren Besuchen zurückgelassen hatte. Wenn sie am Anfang der Sommerferien herkam, nahm sie immer zuerst eine Porzellan-Micky-Maus oder eine der vielen Nancy-Drew-Detektivgeschichten in die Hand. Edna ahnte aber, dass Sammys Kindersachen sie diesmal nicht so sehr interessieren würden, da sie nun ganz hierbleiben würde. Womöglich würde sie sich einmal im Zimmer umsehen und dann Ednas liebevoll ausgewählte Dekorationen komplett in den Müll werfen.

Aber Sammy konnte ja nichts dafür, wie ihre Mutter sich aufführte …

Als sich ihre Hand um das Figürchen schloss, brachen die Erinnerungen durch, die sie den ganzen Tag, den ganzen Monat, den ganzen Sommer über hatte verdrängen wollen, seit ihre Tochter Amanda sie angerufen und ihr Leben auf den Kopf gestellt hatte.

Amanda, der Grund für Erics ersten Herzinfarkt. Amanda mit ihrer zu üppigen Figur und ihren Plateau-Stiefeln, die mit einem Künstler nach London durchbrannte, als sie gerade achtzehn geworden war – achtzehn und acht Wochen schwanger. Edna schloss die Augen, wehrte sich gegen die Erinnerungen: das Geschrei, die Flüche, die Scherben, die zertretenen Möbel, die geballten Fäuste und geplatzten Adern … Wie Eric im Krankenhaus am Beatmungsgerät gelegen hatte, stumm, die Augen voller Wut, während Edna neben ihm schluchzte. Amanda, die erst wagte, sich wieder bei ihnen zu melden, als das Baby da war, das sie von Anfang dazu benutzt hatte, ihre Annäherungsversuche abzuwehren, ihre Sicht auf die Dinge.

Nein, Sammy konnte nichts dafür, dachte Edna wieder und ballte die Hand zur Faust …

*

Entlang der Uferstraße gingen flackernd die Laternen an. Von den North Denes, wo Edna in ihrer Designervilla stand, waren es auf der Marine Parade zwischen den flachen Sanddünen hindurch anderthalb Kilometer bis zum ersten Pier von Ernemouth.

Der hochviktorianische Britannic Pier zeugte von der Bedeutung des Handels für die Stadt. Fünf Feuer und zwei Schoner, die das 200-Meter-Bauwerk rammten, konnten die immer neuen Unternehmer nicht davon abbringen, ihn jedes Mal wieder aufzubauen und jedes Mal das Theater darauf noch zu vergrößern, um mehr Zuschauerplätze für die Sommervorstellungen zu schaffen. Vor der aktuellen Fassade lag ein Freizeitpark, in dem Riesenschnecken lachende Kinder umherkutschierten. Darüber die hell erleuchteten Namen der Stars der Saison: Cannon and Ball, The Grumbleweeds und Jim Davidson’s Late Nite Nick-Nick.

Der dort beginnende Straßenabschnitt hieß Golden Mile, was sich allerdings nicht auf die Farbe des Sandstrands bezog, sondern auf das, was sich in den Gebäuden auf der anderen Seite der Promenade befand. Eine Spielhalle an der anderen, jede nach einem anderen Casino in Las Vegas benannt – The Mint, The Sands, The Flamingo, Caesar’s Palace, The Golden Nugget und Circus Circus – und auf der Fassade jedes Betonklotzes ein funkelndes Abbild des Namensgebers. Zwischen den Strandbars, Kiss-Me-Kwik-Sonnenhutverkäufern, Zuckerwatte- und Donutbuden standen sie da wie eine Reihe heruntergekommener alter Drag Queens, die ein Höllengeschrei veranstalteten, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Im Mint lehnte Debbie Carver an einem Flipper und fragte sich, was sie gerade am meisten nervte – das schrille Pfeifkonzert der Automaten oder Michael Jacksons »Thriller«, das aus den Lautsprechern über ihrem Kopf plärrte. Vielleicht war es aber auch die Gesellschaft, in der sie sich befand. Am vorletzten Freitag der Sommerferien hing sie immer noch in den öden Spielhöllen herum, während ihre Begleiterin einen Penny nach dem anderen in die Automaten steckte.

Wieder fragte Debbie sich, ob sie nicht ein bisschen zu selbstlos gewesen war, als sie sich mit dem Mädchen angefreundet hatte, das vor neun Monaten bei ihr in die Straße gezogen war, in das Reihenhaus hinter dem Gaswerk. Andererseits wusste sie nicht so recht, ob es überhaupt ihre Entscheidung gewesen war.

Debbie hatte Corrine Woodrow letzten Herbst im Handarbeitsunterricht kennengelernt. Corrine hatte sich neben sie gesetzt und fröhlich drauflos geplappert, als würden sie sich schon ein Leben lang kennen. Eigentlich gab Debbie sich immer unnahbar, aber davon war sie einfach überrumpelt worden.

Corrine sah nicht sonderlich freundlich aus. Sie trug keine Bluse mit Schlips, sondern nur ein enges Sweatshirt mit V-Ausschnitt, einen genauso engen Bleistiftrock und abgewetzte Stöckelschuhe. Ihre langen, dunkelbraunen Haare fielen ihr über die stark geschminkten Augen. Eine Patschuli-Wolke folgte ihr überallhin.

Sie kam nicht von weit her, hatte Corrine erklärt, von kurz hinter Norwich. Aber ihre Mum hatte hier gewohnt, war sogar in Ernemouth aufgewachsen. Corrine wurde rot, als sie das sagte. Ihre Finger huschten geschickt über das Sticktuch – so schnell und präzise hätte Debbie nicht arbeiten und gleichzeitig reden können.

Bald sprachen alle Mädchen der Klasse über Corrines Mutter. Kelly Grimmer wusste aus sicherer Quelle, dass Mrs Woodrow verrufen war. Debbie wusste auch schon, warum. Vor Corrines Haus parkten Tag und Nacht Motorräder.

Debbie hatte Kelly Grimmer ohnehin nie so richtig gemocht. Auch über Debbie selbst war geflüstert worden, als sie langsam ihr Äußeres verändert hatte. Immer, wenn ihr Vater ihr keinen Stress gemacht hatte, war sie ein kleines Stückchen weitergegangen. Der schwarze Eyeliner, die wilden Spikes, die sie sich mit dem Crimper in die Haare gemacht hatte. All die scheinheiligen Warnungen hatten ihr Corrine nur nähergebracht, und je mehr Debbie über das Leben ihrer neuen Freundin herausfand, desto mehr wollte sie sie beschützen. Sie hatte Corrine sogar einen Sommerjob in dem Gästehaus beschafft, wo sie auch selbst arbeitete – und bereute es sechs Wochen lang.

Corrine kaute angespannt Kaugummi, während ihre Finger die Knöpfe des Pac-Man-Automaten bearbeiteten. Ihr linker Fuß wippte rhythmisch mit, und der schlanke Knöchel hob und senkte sich im türkisfarbenen Schuh. Corrine war unheimlich stolz gewesen, als sie das Paar von ihrem ersten Gehalt gekauft hatte. Seitdem hatte sie aber kein Geld mehr ausgeben können; ihre Mutter nahm es ihr weg, sobald sie nach Hause kam. Ostern waren die Schuhe noch wunderschön gewesen, jetzt waren sie abgewetzt, fleckig, ausgebeult und brauchten neue Absätze.

Debbie kaute an den schwarzlackierten Nägeln und dachte darüber nach, wo sie an diesem Abend hätte sein können, wenn sie nur ein Jahr älter wäre. Dann wäre sie jetzt mit Alex unterwegs.

Alex Pendleton wohnte nebenan. Er war groß, schwarzhaarig und unheimlich gutaussehend und hatte Debbie alles über Musik und Style erklärt. Debbie wollte alles können, was er konnte. Auf lange Sicht hieß das, dass sie ihm aufs Ernemouth Art College folgen würde, wo er schon im zweiten Jahr war. Im Moment fuhr Alex aber auf National-Express-Busgutscheinen von Mars-Verpackungen oder als Tramper mit seinen beiden Freunden Bully und Kris quer durchs Land und folgte seinen Lieblingsbands. Die drei hätten nichts dagegen gehabt, wenn Debbie mitgekommen wäre. Ihre Mum aber schon: »Nicht vor deinem Abschluss.«

Hätte sie Corrine nicht am Hals gehabt, hätte sie immerhin versuchen können, in den Pub zu kommen, in dem sie immer alle tranken, Captain Swing’s am South Quay. Zwei Typen aus ihrer Klasse hatten es geschafft. Darren Moorcock und Julian Dean waren über den Sommer Goths geworden und sahen mit den gefärbten Haaren und dem Make-up gleich viel älter aus. Aber sie bräuchte den Laden nur zu erwähnen, und Corrine würde die Unterlippe vorschieben, als würde sie gleich losheulen.

Auf Michael Jackson folgte Wham! Mit »Club Tropicana«. Debbie schüttelte es förmlich.

*

Draußen strahlte und funkelte die Golden Mile und lockte Passanten mit einem Neon-Zwinkern. Nördlich von The Mint trappelten Pferdekutschen voller Touristen an dem neuen überdachten Vergnügungspark, dem Blumengarten und der Miniaturstadt vorbei zum nächsten Pier.

Anders als der Britannic Pier wurde der Trafalgar Pier aus patriotischen Gründen in Auftrag gegeben – er sollte an Nelsons großen Sieg erinnern. Allerdings hatten die Bürger damals wohl nicht ganz die Begeisterung des Stadtrats geteilt, denn es dauerte ganze fünfzig Jahre, bis der Pier wirklich gebaut wurde. Dafür war er aber das eindrucksvollste Gebäude am ganzen Ufer, ein Pavillon aus Glas und Stahl, der von zwei Türmen eingerahmt wurde. Im Winter beherbergte das Gebäude eine Rollschuhbahn, aber jetzt im Sommer befand sich darin ein Biergarten, in dem das Volk zeigte, was es von großspurigen Ideen zu seiner Besserung hielt.

Am Ende der Golden Mile blieben die Pferde stehen und ließen die begeisterten Passagiere vor den hölzernen Schneegipfeln, den funkelnden Riesenrädern und rot-gelb gestreiften Spiralrutschen aussteigen, die verrieten, dass sie am Leisure Beach angekommen waren, dem größten aller Vergnügungsbetriebe Ernemouths.

Die kilometerlange Achterbahn war die längste von ganz Europa. Die neueste Attraktion, der Super Loop, ließ seine Fahrgäste bei hundertfünfzig Stundenkilometern in einem riesigen Kreis herumwirbeln, die Schlange davor erstreckte sich seit der Eröffnung durch den ganzen Park.

An einem normalen Abend hätte Eric Hoyle von seinem Büro hoch im Turm in der Mitte des Parks aus mit einem Lächeln jeden Kopf in der Schlange gezählt und die fünf Pfund Eintritt plus zwei fünfzig für Speisen und Getränke zusammengerechnet. Zum sanften Rattern seiner Rechenmaschine hätte er sich dann ein Fingerbreit Whisky eingeschenkt, eine Zigarette angezündet und den Blick über sein Königreich wandern lassen, über das Spinnennetz der Lampen und hinaus aufs Meer, wo ihn die Lichter der Ölplattformen grüßten.

Doch heute war kein normaler Abend. Heute verharrten Erics Augen auf einem Foto, das meistens im Safe verschlossen blieb und von dem Edna glaubte, er hätte es schon vor Jahren in einem seiner Wutanfälle weggeworfen.

Seine Tochter Amanda trug einen psychedelischen Kaftan, ihr blondes Haar fiel aus einem dazu passenden Kopftuch, und im Arm hielt sie ein kleines Bündel – sein erstes und einziges Enkelkind.

Die Zigarette in seiner rechten Hand war schon bis zum Filter abgebrannt, aber Eric merkte es nicht. Den obersten Hemdknopf geöffnet, den Schlips auf einen Aktenstapel neben die Whiskyflasche und das Glas geworfen, das heute drei Finger hoch gefüllt war, starrte er mit zusammengekniffenen Augen und grimmig aufeinandergepressten Lippen nach draußen.

Hinter dem Leisure Beach lief die Marine Parade weiter an den Campingplätzen und windumtosten Dünen der South Denes vorbei bis zur äußersten Spitze der Landzunge, auf der Ernemouth entstanden war. Auf einer Säule gleich der in London wachte hier Admiral Nelson über sein Heimatland, den Blick Richtung Horizont gerichtet, immer auf der Hut vor anrückenden Feinden.

3

DIE ANSTALT

März 2003

Eine Stunde später hatte Sean den Wald schon wieder verlassen und fuhr auf der A 11 Richtung Norwich. Die Landschaft änderte sich: Aus Kiefernwäldern und Heideland wurden weite, braune, gepflügte Äcker, Buschwälder und lange Pappelreihen. Er kam an Dörfern mit Ententeichen und Kirchen mit Flintsteintürmen vorbei, an Schrankenwärterhäuschen, Gehöften – und mit jedem Kilometer wurde der Himmel weiter und das Land flacher. Der Verkehr um ihn herum floss stetig, und die Wolken hingen immer noch düster über ihm, aber wenigstens konnte er die Scheibenwischer abstellen. Dafür hatte er das Radio angeschaltet.

Er hörte nicht richtig hin, wollte sich bloß durch die Stimmen im Hintergrund von dem ablenken lassen, was er in der Anstalt gesehen hatte. Was er dort gespürt hatte. Corrine Woodrows Anblick hatte ihn schockiert, darauf war er nicht eingestellt gewesen. Aber was hatte er erwartet? Fotos konnten einen täuschen, wenn sie ein Gesicht zu einem bestimmten Zeitpunkt einfroren. Sean war darauf hereingefallen wie ein blutiger Anfänger.

Der ärztliche Leiter der Anstalt hatte Sean zu einem kleinen Verhör in sein Büro gebeten, bevor er ihn zu Corrine ließ. Robert Radcliffe war ein eleganter Mann Anfang sechzig, trug das immer noch dunkle Haar um seine Glatze kurz, und unter seinem weißen Kittel war ein Hemd aus der Jermyn Street samt Hose aus der Savile Row zu sehen. Wenn so ein Mann eine solche Anstalt leitete, statt in der Harley Street das große Geld zu machen, verstand er bei seinem Job sicher keinen Spaß.

Dr. Radcliffe hatte hinter seinem Schreibtisch gesessen, der wie alles andere im Zimmer am Boden festgenietet war, und Sean über seine Halbbrille hinweg angesehen. »Und was versprechen Sie sich von ihrem Besuch heute?«, fragte er in einem schweren Bariton mit leichtem schottischen Einschlag.

»Da weiß ich selbst nicht so genau«, erwiderte Sean und öffnete die Hände, als wollte er dem Arzt seine Ehrlichkeit versichern. »An so einem Fall habe ich noch nie gearbeitet. Ich wollte Corrine nur mal selbst gesehen haben, bevor ich mir anhöre, was die Ermittler und Zeugen von damals über sie sagen.«

Der Arzt nickte und erklärte, dass niemand hier glaube, bei Corrine bestehe Flucht- oder sonst irgendeine Gefahr, außer vielleicht für sie selbst. Sie bekomme nur noch sehr schwache Medikamente und zeige Erfolge bei ihrer kognitiven Verhaltens- und Kunsttherapie. Mit ihrem kreativen Talent habe sie auch ein Stück von dem Leben wiedergefunden, das vor so langer Zeit geendet habe.

»Bis die sehr verehrte Janice Mathers sich der Sache wieder annahm.« Dr. Radcliffe starrte Sean durchdringend an. »Sie wissen sicher, dass das hier Ms Mathers’ zweiter Versuch ist, Corrines Freilassung durchzusetzen. Ich kann nur wiederholen, was ich ihr damals schon gesagt habe: Ihre Anstrengungen sind hier fehl am Platz, und es wird nichts Gutes dabei herauskommen. Schon gar nicht für Corrine selbst.«

Sean blieb ruhig. »Warum sagen Sie das?«

»Theoretisch sind diese ganzen liberalen Ideen ja gut und schön.« Dr. Radcliffe schloss den Ordner, der offen auf seinem Schreibtisch gelegen hatte. »Aber was meinen Sie passiert ganz konkret mit Corrine, wenn sie vor die Tore dieser Anstalt gesetzt wird? Sie hat keine Freunde, keine Familie, kein Auskommen. Was meinen Sie, wie lange sie so überlebt?«

»Das hab ich mich auf der Fahrt hierher auch schon gefragt«, gab Sean zu.

»Und?« Der Arzt zog fragend die dichten schwarzen Augenbrauen hoch.

Sean lächelte so ausdruckslos, wie es ging. »Tut mir leid, wenn ich Ihnen oder Corrine mit meinem Besuch Kummer bereite. Aber ich mache hier …«

»Nur meine Arbeit«, fiel ihm Dr. Radcliffe ins Wort und stand auf. »Da kann ich natürlich nichts machen. Wenn Sie mir bitte folgen würden, Mr Ward.«

Ihre Schritte hallten durch die graugrünen Flure an schmucklosen Wänden und fensterlosen, fünfzehn Zentimeter dicken Türen vorbei. Sean bekam Gänsehaut, als würde er die zahllosen Hilferufe hinter den gepolsterten Wänden spüren.

Wie lange würde es dauern, bis man sich an dem Wahnsinn ansteckte?

Der Flügel, in dem Corrine sich befand, war nicht so nüchtern wie der mit den Einzelzellen. Hinter der Sicherheitsschleuse durften die Insassen sich frei bewegen. Hier gab es Kurs- und Aufenthaltsräume, in denen die Bilder und das Kunsthandwerk der Patienten ausgestellt waren wie in einer Schule. Nur das allgegenwärtige Summen der Überwachungskameras deutete darauf hin, dass es sich hier doch um eine Haftanstalt handelte.

Dr. Radcliffe blieb vor einer Wand mit Bildern stehen und zeigte auf ein Aquarell. Ein langer, blauer Streifen Horizont mit vier schwarzen Gestalten, die mit dem Rücken zum Betrachter aufs Meer hinausschauten, wo gerade ein Möwenschwarm abhob. Sean war kein Fachmann, aber er erkannte, wie geschickt die dezente Palette das Blassgelb des Sands und das dunkler werdende Blau des Meers wiedergab. Er ließ den Blick kurz über die anderen Bilder gleiten, deren Schwarz- und Grautöne mit den harten Rot- und Grünklecksen gröber wirkten und denen die Dreidimensionalität des Meerespanoramas abging.

»Das ist von ihr«, erklärte der Arzt. »Sie weiß es wahrscheinlich nicht, aber ihr Bild reiht sich wunderbar in die Aquarelltradition von East Anglia ein. Das Licht auf dem Wasser bekommt nur ein echter Könner so hin.«

Er klang stolz, und Sean war nach dem Kommentar noch unwohler.

»Also dann«, Dr. Radcliffe drehte sich forsch um, »hier lang, bitte. Ich habe für Ihr Gespräch mit Corrine einen unserer Ruheräume reserviert.«

Bei der Erinnerung daran verzog Sean das Gesicht, gerade als er auf die Ringstraße um Norwich zukam und das erste Schild Richtung Ernemouth sah.

An die stille verschüchterte Gestalt, aufgedunsen von zwanzig Jahren Psychopharmaka, die sich hinter einem langen, dunkelbraunen, mit ersten grauen Haaren durchsetzten Pony versteckte. Und an den Autopsiebericht, der ihm durch den Kopf gegangen war, als sie sich auf ihren Stuhl rutschen ließ.

Stumpfe Gewalteinwirkung am Hinterkopf, so stark, dass sie einen Krater hinterlassen hatte …

»Hallo, Corrine.«

Corrine saß auf einem grauen Plastikstuhl und sah auf den Boden.

Mehrere Zigaretten-Brandwunden auf Armen und Gesicht …

»Ich möchte Ihnen nur kurz ein paar Fragen stellen.«

Corrine schüttelte langsam den Kopf und rang die Hände im Schoß.

Sechzehn einzelne Stichwunden in Brust und Unterleib, deren Muster auf einen Blutrausch des Täters schließen ließen …

»Corrine, glauben Sie, dass Ihnen Unrecht getan wurde?«

Corrine schüttelte weiter den Kopf und wippte auf dem Stuhl vor und zurück. Sean bekam einen trockenen Mund, alles, was er sagte, hörte sich falsch an.

Ein mit dem Blut des Opfers gezeichnetes Pentagramm um die Leiche herum …

»Finden Sie es fair, dass Sie hierher geschickt wurden? Oder sollte eigentlich jemand anders statt Ihnen hier sein?«

Endlich brachte Corrine mit leiser, kindlicher Stimme etwas hervor: »Nein … bitte … gehen Sie …«

Sean lehnte sich vor und versuchte, ihr in die Augen zu sehen. »Corrine, war noch jemand da? War jemand mit Ihnen dort?«

Endlich hob sie den Blick und wiederholte hysterischer: »Bitte … gehen Sie … Bitte … gehen Sie!«

In ihren Augen sah er die nackte Angst.

Sean ließ sich dankbar vom Feierabendverkehr ablenken, während er den Wagen durchs Wirrwarr aus Überführungen und Umgehungen lenkte. Die Schilder nach Ernemouth wurden größer und waren mit den fröhlichen Symbolen für eine Rennbahn, einen Vergnügungspark und die Campingplätze geschmückt. Noch einmal rechts abbiegen, und die Straße zum Ziel lag vor ihm.

Der lange, gerade Streifen führte durch eintöniges, flaches Marschland, in dem hier und da Schafe und die flügellosen Überreste von Windmühlen standen. Über diesen Relikten einer vergangenen Zeit erhob sich eine Reihe von Windrädern, die in den dunkelnden Himmel schnitten. Doch auch sie wirkten winzig unter der endlosen Weite.

Die Stadt kauerte am Horizont, ein beleuchteter Kirchturm starrte in die Ferne wie ein grimmiges Auge. Zu Seans Rechten bot sich ihm ein dramatischer Blick auf den Meeresarm. Nur das Wasser konnte es mit dem Himmel aufnehmen. Als Sean am Bahnhof einbog und von dem Schild Welcome to Ernemouth begrüßt wurde, gingen die Straßenlaternen an.

4

TANZ MIT DEM FEUER

September 1983

Die langen Stunden nach dem Mittagessen hatten Eric und Edna im Wohnzimmer verbracht und gehofft, dass sie über das Ticken der Uhr, das Rascheln von Erics Zeitung und das Klicken von Ednas Stricknadeln hören würden, wie das Auto in die Einfahrt fuhr. Doch als Noodles plötzlich von seinem Platz zu Ednas Füßen auf die Sofalehne sprang und abgehackt kläffte, zuckten sie beide zusammen, als hätten sie überhaupt nicht damit gerechnet.

Ein lila lackierter Morris Minor hatte vor dem Fenster gehalten. Edna verdrängte die Schwere in ihrer Brust, als sie ihren Mann ansah, dessen Blick sie zur Tür scheuchte.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!