Orientalische Märchen - Bettina Schwarz - E-Book

Orientalische Märchen E-Book

Bettina Schwarz

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Eine Sammlung neuer orientalischer Märchen zum Phantasieanregen

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Seitenzahl: 144

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Im Orient

dem Platz der Phantasie

kündet manche Mär

des Lebens Süße nur.

Ich lad dich ein

zu künden des passionierten Allerlei

aus Traumtagen

nicht zu verzagen.

Salam aleikum

Sprech‘ ich nur

aus frohen, heiteren Tagen

dir zum Vergnügen

Lebewohl zu sagen.

Voll Poesie

Dein Leben sei

nicht zu knicken um im Alltag

sei frei.

Inhaltsverzeichnis

Wüstenmärchen

Das ruhende Kamel

Glück kommt von oben

Ein kleiner Retter in der Not

Der wahre Schatz

Mahmud richtet es

Die sprechende Palme

Fata Morgana

Wie Prinz Abdallah zum Tierbändiger wurde

Ein Wüstenschlossbau in der Wüstenstadt

Der Prophet und der Prinz

Die große Expedition

Die verschleierte Dame

Shahrasad

Übersicht

Akt

Szene, Shahrasad mit Eltern

Szene, Arie des Vaters

Szene, Sultan mit Wezir und Vater

Szene, Hochzeitsszene mit Chor

Akt

Szene, Die Nacht

Szene, Die Geschichte Teil I

Szene, Der Morgengrauen

Szene, Die Geschichte Teil II

Akt

Szene, Der Morgengrauen 2

Szene, große Szene im Thronsaal

Tiermärchen

Der quietschfidele Kakadu

Die rettende Gazelle

Das schwimmende Nashorn

Der singende Marienchenkäfer

Die Sonnenschildkröte

Die Puddingkuh

Die Katze unterm Regenschirm

Der Regenwurm und der Glückspilz

Die Katze unter der Dusche

Der Apfeligel

Winterzauber der Farbtöne

Scene 1

Scene 2

Scene 3

Scene 4

Scene 5

Scene 6

Kinderbärchenmärchen

Scene 1

Scene 2

Scene 3

Scene 4

Scene 5

Scene 6

Scene 7

Scene 8

Sternenhüpfer

Wüstenmärchen

1. Das ruhende Kamel

Einst trug es sich zu, dass Prinz Ali hektisch umher düste, weil er seine Reiseweste nicht finden konnte. Er durchstöberte alles, alle Truhen, alle Gepäckkisten, aber konnte sie nicht entdecken. Auch Babeisha, seine Frau, war ratlos und wusste nicht weiter. Sie mahnte ihn ruhig zu bleiben. Die nächste Karawane war bereits überfällig. Die Weste war ein Erbstück seines Großvaters. Sie war bestickt und schütze vor Wärme und Kälte. Sein Erinnerungsstück an seinen geliebten Großvater wollte Ali nicht hergeben - um keinen Preis. Er suchte und suchte bis zur Mittagshitze. Dann konnte er nicht mehr. Er ging die Kamele zu tränken. Und sein Kamel Dschibab entspannte am Oasensee. Er streichelte es und kraulte es unterm Hals, woraufhin es glücklich schnaubte. Da entdeckte Ali auf seinem Rücken unter der Satteldecke seine Weste, die dem Kamel offenbar auch gefiel in der Klimaregulierung für den Körper. Prinz Ali liebkoste es und überließ die Weste seines Großvaters seinem Lieblingskamel und fand so seinen Frieden wieder.

2. Glück kommt von oben Himmelsglück und Himmelszeichen

Gott hilft bei allen Sorgen

Es begab sich, dass eine große Düne in der Wüste Nefud bewegte und Wüstenverwehungen nach sich zog, wo Prinz Abdallah mit seine Familie als Karawanenhändler, Oasenbauer und Nomade lebte. Nach vielen fruchtbaren Jahren hatte er die Oase expandiert, und sie war doppelt so groß geworden. Dafür benötigte man viel und reichlich Wasser. Die Brunnen in der Umgebung waren fast versiegt. Der ganze Stamm beschwor den Himmel und betete um Regen. Sandstürme kamen auf und verwehten einige Brunnen, die in Folge austrockneten. Prinz Ali wollte seine Kamele deshalb tränken gehen. Das waren dann ein paar Esser weniger der Dattelfrüchte, die deshalb vorzeitig geerntet wurden. Er machte sich schnell auf den Weg. Prophet Ibrahim wollte die restlichen Kamele schlachten zur Ehre Gottes des Allmächtigen und zur Fürbitte für den Herrn. Er bereitete alles für den nächsten Tag vor. Seine Frau Adeida war gerade schwanger und war kurz vor ihrer Niederkunft. „Komm, hilf' mir! bat Adeida Ibrahim, und er brachte ihr einige Datteln fürs Brot, das gerade fertig ist. Adeida hatte Brot gebacken einige Stunden in der Abendkühle. Ibrahim tat wie ihm geheißen und dankte an einer Palme für Gottes Hilfe und Fürsorge für seine Familie zu ihrem Schutz. Da hatte Adeida eine Idee: Wir sammeln den Tau auf den Blättern am Morgen zum Pflanzengießen. „Gute Idee“ pflichtete Ibrahim ihr bei. Adeida und Ibrahim verbrachten einen gemütlichen Abend beisammen. Im Miteinander liegt die Würze des Lebens. Am nächsten Morgen taten sie wie geheißen und dankten Gott für Ihre Rettung ihres Oasenteils. Die Tiere und Menschen litten weiter an Durst. Nameida und Abdallah webten einen neuen Teppich den Tag über als Handelsgut und waren so durch Arbeit abgelenkt. Zur Mittagszeit kochte sie sich einen Tee gegen die Hitze vom Resttau. Nameida und Ibrahim sangen ein Lied:

Voll Freude tanzen wir

im Kreis herum

wie die Planetenbahnen

und fassen uns an den Händen

Heißa, hoppsasa

Bald ist der Regen wieder da.

Abdallah sprach ein Dankgebet und sagte zur Familie:

„Fasst euch ein Herz

Seid guten Mutes!“

Am Abend kam ein Sandsturm und Brausen, und es folgte ein riesiger Knall: ein Stern war vom Himmel gefallen. Es war ein Eis-Meteorit. Sie sammeln das Eis, das den Durst so bitter nötig löschte, und alle waren gerettet und ihres Lebens unendlich froh.

3. Ein kleiner Retter in der Not

Nameida und Abdallah feierten ihren Hochzeitstag mit einem großen Fest, zu dem auch die befreundete Nachbarsfamilie auf herzlichste eingeladen war. Alle lobten die Kochkünste von Nameida und Abdallah und ließen sie beide hochleben. Es war ein fröhlicher Schmaus. Prophet Ibrahim erzählte Geschichten aus der Vergangenheit, und alle erinnerten sich an ihre eigene Liebesgeschichte. Zu später Stunde tanzten sie zu Flötenmusik und Trommeln um das Hausfeuer. Die Stimmung war feucht, fröhlich und ausgelassen. Sorgen blieben zurück und verdampften im Rauch. Nameida und Abdallah erneuerten ihren Liebesschwur füreinander, und alle stimmten gutgelaunt ins freundliche Miteinander ein.

Du meines Herzens Wonne

mein ewiger Schein

du sollst die bzw. der meinige sein.

Es war weit nach Mitternacht eh sich alle zur Ruhe begaben und sich schlafen legten. In der darauf folgenden Nacht bahnte sich ein furchtbarer Nebel an gefolgt von einem Sandsturm, der mit gewaltiger Wucht herniederbrauste und die Hochzeitsgesellschaft wegzublasen und unter sich zu begraben drohte unter Tonnen von Sand.

Nameida schlief ruhig, doch plötzlich hörte sie ein Quieken und spürte etwas an ihren Füßen krabbeln. Wegen des angenehmen Gefühls erwachte sie: es war ein kleine Wüstenspringmaus mit ihrem Nachwuchs, die sich an einem Käse gütlich hielt. Nameida ließ sie gewähren wie die Mäusefamilie die Kühlkiste plünderte. Sie hörte nun auch das Brausen, weckte Abdallah und ihre Freunde – noch rechtzeitig gelangte sie mit Maus und Schmaus und allen Leuten in die rettende Berghöhle -Maus sei Dank.

4. Der wahre Schatz

Als die Kinder von Prinz Abdallah und Nameida groß wurden, kalkulierten sie auf ihren Erbteil und wollten in die Stadt ziehen und die alte Lebensweise der Nomaden aufgeben. Der Prophet Ibrahim und Abdallahs Onkel Mahmud sahen das nicht gerne und blickten traurigen Auges in die Zukunft des Familienstammes. Abdallah wollte aus dem Hausschatz einen Ahnenhaustempel errichten, Nameida wollte das Geld und die Juwelen zusammenhalten für schlechte Zeiten. So tagte der Familienrat. Es war gerade Frühsommer, und so setzten sich alle in die Oase mitten unter die Palmen und Dattelbäume. Nach gründlicher Abwägung kamen sie jedoch zu keinem tragfähigen Ergebnis. Sie beschlossen die Sache ruhen zu lassen und noch jeder für sich nachzudenken mit einem besseren Plan. Sie kochten einen Schmaus, und Mahmud erzählte aus alten Zeiten. Auf einer langen, beschwerlichen Handelsreise gelangte er einst in die Berge. Dort war es dicht bewaldet, und die Karawane schlug einige Zedern, um die Hütte für ein altes Pärchen Ali und Guli zu bauen, das dort bleiben wollte auf ihre alten Tage. Als er wieder einmal da war mit seiner Herde, rastete er bei ihnen. Sie wussten Wundersames zu berichten. In einer ihrer Hüttenstämme befände sich ein Bienennest, und so hätten sie nicht nur die Bären im Wald als Wächtertier gegen Feinde und Räuber, sondern hätten sie auch stets einen schmackhaften Leckerbissen bei der Hand: den Honig der Bienen, und sie ließen Mahmud davon kosten. Er mundete ihm aufs Herrlichste, und so verzehrte er gleich mehrere Brote davon damit. Als es Zeit für den Heimweg war, packte sie Mahmud eine Kamelladung voll und gab sie ihm als Geschenk. Der Waldhonig linderte auch Schmerzen als Medizin wie sich bald zeigte. Diese Anekdote gefiel den Kindern von Nameida und Abdallah so gut, dass sie auch dort wohnen wollten, und dazu brauchten sie keinen Schatz, denn sie hatten ihren wahren Schatz so anderweitig entdeckt und wollten ihn für immer bewahren zusammen mit einem glücklichen, friedvollen, langen Leben in Harmonie wie das alte Pärchen.

5. Mahmud richtet es

Prinz Abdallah war ganz traurig, weil sein Vater gestorben war, der ihm mit Rat und Tat immer zur Seite gestanden hatte. Er wollte und konnte nichts essen und begann einen zusätzlichen Fastenmonat Ramadan aus Trauer. Seine schöne Frau Prinzessin Nameida versuchte ihn zu trösten: „Tod und Wiedergeburt sind der Kreislauf des Lebens. Die Zeit deines Vaters auf Erden hat sich erfüllt. Wir sollten Gott danken für ihn und unsere Zeit mit ihm. So sprach auch der weise, alte Mahmud, der Prophet des Stammes. Denke an eine neue Aufgabe. Das wird dich auf andere Gedanken bringen. Versinke nicht im Strudel der Trauer, die dich umgibt wie ein tiefer Brunnen oder Gefängnis. Indem du ein neues Ziel ansteuerst, gelangst du an neues Ufer. Wir bräuchten dringend mehr Brunnen. Grabe einen neuen für unsere Familie. So kannst du aus der Erde und Deines Vaters Grab einen neuen frischen Quell des Lebens schaffen. Gesagt, getan. Abdallah zog aus und nahm eine neue Route, die einen neuen Handelsweg für seine Beduinen sein sollte. Nach einem Tag des Wegs traf er eine junge Frau mit einem zerbrochenen Wasserkrüglein. „Gegrüßt seist du“, wisperte die junge Frau. Sie weinte bitterlich, weil ihr Krüglein zerbrochen war, und sie dachte, sie müsse nun bald sterben vor Durst. Abdallah reparierte ihre Schale und gab ihr auch eine ganz neue als Ersatz. Da trat ein Lächeln auf ihr Gesicht, und sie war froh: „Danke, Großmütiger!“ Wie heißt du? fragte der Prinz und nannte ihr seinen Namen. Matimba antwortete die Schöne. Komm mit mir ein Stück des Weges. Ich habe meine Wünschelrute dabei für einen neuen Brunnen. Der Prinz schenkte ihr ein frisches Gewand zum Wechseln, nachdem sie sich an dem alten Brunnen gelabt und erfrischt hatten. Auf ihrer Karawane unterhielten sie sich prächtig. Abdallah schlug Matimba vor zu seinem Stamm mitzukommen als Braut seines Bruders Schintub und Freundin seiner Frau Nameida. Matimba willigte frohen Herzens ein. Bald kamen sie an die gesuchte Brunnenstelle, und Abdallah versah sein Werk. Sie fingen noch einige Kamele unterwegs auf dem Rückweg und zähmten sie. Dem neuen Handelsweg stand nichts mehr im Weg. Froh kehrte sie zum Stamm zurück und hielten Hochzeit.

6. Die sprechende Palme

Es geschah, dass zwischen dem Brüderpaar Ali und Abdallah ein Streit ausbrach um die Anzahl der Kamele auf der nächsten Karawane. Auch die Frauen Nameida und Adeida vermochten den Streit nicht zu schlichten und zu vermitteln. Abdallah ging in die Oase hinaus und setzte sich unter eine Palme, deren Wipfel sich sanft im Wind hin und her wiegten. Er vernahm das Rauschen der Blätter, und er hörte eine Melodie darin, ihre Sprachmelodie. Mit seiner Flöte spielte er gleich ein neues Wüstenlied dazu nach dem Rhythmus des Palmenblätterrauschens. Er hörte stundenlang zu und glaubte selbstredend dem Gesang der Blätter verstehen zu können.

Wieg' dich hin und her

im Sturm des Lebensweise

zaudere und hadere nicht

bei Unwillen dieser Brüder

im Universum: so ist's nicht mit jedem Menschenpaar!

Die Palme sprach: meine Geschwister und ich drücken und ermahnen dich, und wir tauchen ein in eine große Mischung der deinen im Klang des Universums. Versöhne dich mit Ali und tue den ersten Schritt. Abdallah tat wie ihm geheißen, und so waren die Brüder fürderhin ein Herz und eine Seele.

7. Fata Morgana

Es geschah auf einer Karawanentour durch die ärgste Wüste der Region Nefud. Prinz Abdallah schaute seine erste Fata Morgana. Ihm war als ob er einem Löwenrudel mit einer Antilopenherde bei einem Fluss gegenüberstand und totgetrampelt zu werden drohte. Die Sonne brannte auf Abdallah hinab, und er litt an Versengungen. Auch seine gut gefüllte Wasserflasche half dagegen nichts: Die Luftspiegelungen waren stärker. Abdallah hatte eine einfache Lösung: er stellte sein Zelt auf und schlief bis zur Nacht. Seine Karawane zog nachts weiter unter den unzähligen Sternen am Himmelszelt, das Ali verzauberte:

Aus der Wüste kam

sobald schnell eine Fata näher

Morgana ist ein köstlich‘ Labsal

doch nur eine Illusion

Drum' schau dem Traum

der Wirklichkeit entgegen und siehe

es schwindet manch'

unliebsames Problem dabei.

8. Wie Prinz Abdallah zum Tierbändiger wurde: Esel und Kamel zureiten

Als Prinz Ali von einer Karawane leise zurückkehrte nach Wabe, fohlte Prinz Abdallahs Lieblingsstute Dschabi mit einer Kamelzwillingsgeburt. Abdallah hatte viel Erfahrung im Umgang mit den Tieren und Nameidas Lieblingseselsstute Fuli gesellte sich zu dem Mutter-Kind-Paar und wärmte es mit seinem dichten Fell. Beide Muttertiere waren sehr zutraulich.

Einige Wochen blieben sie im Wochenbett und labten sich an der köstlichen Kamel- und Eselsstutenmilch, von der auch etwas für die Erwachsenen übrig blieb.

Nachdem die beiden Fohlen entwöhnt waren von der Muttermilch wurden sie aneinander gebunden, und Nameida und Abdallah ritten sie zu. Das störrische Eselchen wollte aber nicht so recht zuerst und schubste immer das Kamelfohlen an, so dass es schließlich zum schnellsten Rennkamel der Umgebung wurde.

Wie wurde da Eselchen überzeugt seiner Aufgabe gerecht zu werden. Natürlich durch eine Portion Kamelstutenmilch!

9. Ein Wüstenschlossbau in der Wüstenstadt: eine Stadtgründung

Prinz Abdallah beschloss wegen der Sanddünen eine befestigte Sandburg nahe seiner Oase zu bauen: ein Wüstenschloss inmitten einer neuen felsigen Wüstenstadt: er nannte es Al Qasr in Wabe. Sein ganzer Familienstamm packte mit an und formte Sandziegel. Nach einem Frühling waren sie fertig, und diese Felsenfestung war zum Bezug bereit. In ihrem schön gemeißelten Innenhof stand ein Brunnenbecken, an dem sich die Familie wohltuende Kühlung unter Dache verschaffte. Die Räume waren schlicht mit Teppichen verkleidet. Die Händler zogen in die Stadt und vergrößerte Abdallah's Stamm an seinem Stammsitz. Der Handel florierte. Prophet Ibrahim hielt einen Bienenstock für die Honigkuchen und alles Baklawa. Seine wurde eine regionale Spezialität.

Abdallah überließ jetzt die Karawanen Jüngeren und betätigte sich als Zeltmacher. Er verkaufte seine Zelte auf seinen Kamelen. Damit war auch die Zukunft für die Familie gesichert, denn der älteste Sohn Nameidas und Abdallahs bekam einen Enkel namens Rufi in der Wüstenstadt.

Das Regenwasser sammelten sie in Zisternen, die Abdallah, Ali und Ibrahim anlegten auch zur Kanalbewässerung des Paradiesgartens und der Oase. Mit Sistren, Schellenbaum und Harfe besang Abdallah den Burgbau.

Einmal kam er spät nach Hause, und Nameida ängstigte sich sehr. Daraufhin beruhigte sie Abdallah mit den Versstrophen:

Ruh' kehr ein in Dein

pochend Herz

keine Sorge mache

auf dass du gewahr wirst

seiner Freude.

Er baute danach einen Sandkahn, eine Sanduhr und eine Tasche, damit er sich nie wieder verspäten würde und alle waren froh und gelassen und heiter.

10. Der Prophet und der Prinz

Es war einmal ein Wüstenprinz, und der geriet in Not als seine Kamelherde so viel Nachwuchs bekam, dass er die ganze Herde nicht mehr zu tränken vermochte wegen der Wasserknappheit der Wüstenbrunnen. Da wurde er sehr traurig und mit ihm sein ganzer Beduinenstamm. Er weinte, weil er die Kamele nicht sterben sehen wollte. Er betete zum Herrn, seinem Gott, und bat um Hilfe. Tief versunken im Gebet trat plötzlich ein alter Mann zu ihm, Ibrahim, packte ihn bei den Schultern und spendete unverhofft Kühle. „Salam aleikum“ grüßte er und sprach ihm seinen Segen aus. „Friede sei auch mit Dir“, entgegnete der Prinz und lud ihn zum Markt als Gast ein. Er ließ ihm seine Füße salben und vom Wüstensand befreien und setzte ihm ein herrliches Mahl vor mit Tee und Gebäck und Fladen sowie Gemüsebroten. Der Fremde labte sich, und der Prinz schüttet ihm sein Herz aus, seufzte aus tiefster Not und schwatzte über den Wassermangel. Prinz Abdallah bat um des Fremden Rat, der ihm eine Lösung vorschlug: pflanze mit Samen mehr Früchtebäume in der Oase, und wässere sie sparsam mit Kanälen. Dann werden die Tiere den Fruchtsaft zermalmen und satt werden und Du und dein Stamm auch! „Von Herzen Dank“ jubelte Abdallah und verkündete die frohe Botschaft seinem Stamm. So machten sie es, und der Fremde blieb bei ihnen und wurde schnell heimisch. Die ganze Kamelherde überlebte, und der Stamm Abdallahs wurde stark. So vernahmen sie die göttliche Botschaft täglich viel Obst zu essen.

Die große Expedition vom Wüstensand ins Land der Feen

Aufbruch ins Land der Feen

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