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Fachbuch aus dem Jahr 2010 im Fachbereich Geschichte - Allgemeines, , Sprache: Deutsch, Abstract: Keine Angst, dies ist kein normales langweiliges Geschichtsbuch! Geschichte kann durchaus lustig sein, wie ich Ihnen in diesem Buch zeigen möchte. Österreichs Geschichte kann - wie die Geschichte jedes Landes - unmöglich ohne Umfeld verstanden werden. Und dieses Umfeld reicht im österreichischen Fall vom heutigen Portugal bis ins Heilige Land, von Schweden bis Sizilien und beginnt in Bayern. Dieses Buch versucht, die Geschichte Österreichs im europäischen Kontext auf eine lockere Art und Weise zu präsentieren, dem werten bisher an Geschichte nur wenig interessierten Leser jene näher zu bringen und den geschätzten an Geschichte interessierten Leser mit der einen oder anderen Anekdote zu versorgen. Ganz bewusst wurde dabei auf die Angabe jeglicher Jahreszahlen verzichtet, denn damit hat Sie Ihr Geschichtelehrer in der Schule schon ausreichend genervt ...
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Veröffentlichungsjahr: 2014
Impressum:
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Inhalt
Vorwort
Einleitung
Am Anfang …
Römische Kaiserzeit
Germanien
Macht korrumpiert
Gefahr aus Germanien
Drei-Kaiser-Konferenz
Wieder mal Bürgerkrieg
Konstantin der Große
Das Christentum als Staatsreligion
Gründung von Konstantinopel
Ostrom und der Untergang Westroms
Die Merowinger
Karl der Große
Nach Karl dem Großen
Die Ungarn
Die neue Kaiserzeit
Otto I.
Die Schlacht am Lechfeld
Die Reichskrone
Heinrich des Zänkers Zänkereifolgen
Theophanu, Otto III. und ein „Was wäre, wenn“
Die völlige Umkehrung des Weltgefüges
Schlechte Neuigkeiten aus dem Osten
Die Schlacht von Manzikert
Deus volt – Gott will es
Der Volkskreuzzug
Die Bewertung der Kreuzzüge
Die Zeit nach dem ersten Kreuzzug
Der zweite Kreuzzug und seine Folgen
Privilegium Minus
Die Lage in Frankreich und England
Kaiser Barbarossa und der dritte Kreuzzug
Schlacht bei Hattin und ihre Folgen
Der dritte Kreuzzug
Die Heimreise des Richard Löwenherz
Höhepunkt und Untergang der Staufer
Die Katastrophe des Ostens, der Aufstieg Venedigs
Das Erstaunen der Welt – Friedrich II.
Die Schlacht bei Bouvines
Die Einlösung der Versprechen Friedrichs II.
Der fünfte Kreuzzug
Staufisches Abendrot
Die letzten Babenberger und ihre Zeit
Georgenberger Handfeste
Leopold VI. der Glorreiche
Der Mongolensturm
Friedrich II. der Streitbare
Ottokar II. Přemysl
Der erste Habsburger – endlich!
König Ottokars endendes Glück und daraus folgendes Ende
Schlacht bei Dürnkrut
Abzug aus dem Heiligen Land
Alle Jahre wieder kommt das Christenheer
Das Schicksal des Templerordens
Die Ostorientierung des Deutschen Ordens
Der Rückschlag der Welt – die Pest
Die Habsburger kommen wieder – und bleiben
Rudolf der Stifter
Kärnten und Tirol werden habsburgerisch
Später Sieg der Kaiser über die Päpste
Die Osmanen
Serbien und das Amselfeld
Einnahme Konstantinopels
Die christliche Walachei als grausamer Kontrapart
Friedrich III. – Habsburgs Herrlichkeit beginnt
Nachwort
Es war immer schon ein Hobby meinerseits, einerseits geschichtliche Themen wie ein Staubsauger aufzusaugen und sie andererseits unter möglichst vielen Menschen zu verteilen – gleichwohl sie sie hören wollten oder nicht.
Ich betrachte es augenzwinkernd als evangelistische Aufgabe, Geschichte salonfähig zu machen und die Menschen davon zu überzeugen, dass ihre Geschichtslehrer, die nur Jahreszahlen abprüften, eher Turnlehrer hätten werden sollen.
Geschichte ist lebendig, spannend und man kann aus ihr einiges für die Gegenwart und Zukunft ableiten.
Jahreszahlen bieten nichts davon.
Erst wenn man tiefer in der Geschichte bohrt, bieten sie Anhaltspunkte für zeitliche Gegenüberstellungen – für Geschichtsanfänger in der Schule dienen sie nur faulen Lehrern der einfacheren Prüfung.
Abgeleitet vom theoretischen Wissen fuhr ich auch mit haufenweise „Jüngern meines Evangeliums“ auf Reisen, um die Geschichte vor Ort auch zu sehen und zu spüren – und dort klugscheißend den Reiseführer zu spielen!
Nie werde ich vergessen, wie auf einer dieser Reisen eines meiner Opfer – Alexander Loicht – im Ägyptischen Museum in Kairo den Sarkophag von Ramses II. entdeckte. Nicht, weil er die arabische Beschriftung (eine andere gab es nicht), sondern die ägyptischen Hieroglyphen lesen konnte.
Mario Kuttnig war eines meiner Hauptopfer, das ich für Geschichte begeistern konnte. Er las sich ebenfalls in Gebiete ein, wodurch sich extrem interessante Gespräche und auch Reisen herausbildeten.
Er war es auch dann, der mich 2010 dazu brachte, dieses Buch zu schreiben.
Mario, ohne dich hätte ich das Buch nicht begonnen und ohne deine intensive Mitarbeit auch nie zu Ende gebracht.
Danke!
Dir sei deshalb das Buch gewidmet.
Wie im späteren Mittelalter jedermann von Bildung – also niemandem – bekannt, war das Erzherzogtum Österreich bereits durch Julius Caesar und Nero mit besonderen Rechten ausgestattet worden, um seinen Vorrang vor anderen Herzogtümern zu betonen.
Daher war es auch kein Herzogtum, sondern ein Erzherzogtum. Niedergeschrieben wurde dies und weitere Fakten im Privilegium Maius, das zwar vom nichthabsburgerischen Kaiser Karl IV. als Werk eines Esels klassifiziert, aber von den nachfolgenden Habsburgern anerkannt wurde.
Das Dokument wurde erst vor 150 Jahren tatsächlich als Fälschung identifiziert.
Österreichs Geschichte baut damit zu einem Großteil auf einer Lüge auf. Das ist aber nichts Besonderes, denn z. B. die weltliche Macht der römisch-katholischen Kirche – also der Kirchenstaat, von dem heute nur der Vatikan übrig ist – macht dies ebenfalls[1]. Und was soll man von einer englischen Nation halten, deren berühmteste Könige Französisch sprachen und sich kaum in England aufhielten?
Österreichs Geschichte kann – wie die Geschichte jedes Landes – unmöglich ohne sein Umfeld verstanden werden. Und dieses Umfeld geht im österreichischen Fall vom heutigen Portugal bis ins Heilige Land, von Schweden bis Sizilien und startet in Bayern, das damals Baiern hieß.
Dieses Buch versucht, die Geschichte Österreichs im europäischen Kontext auf eine lockere Art und Weise näherzubringen.
Nachdem es über jedes Kapitel dieses Buches Tonnen von Büchern gibt, ist eine Vollständigkeit wohl nicht ganz zu erreichen, das Ziel des Buches ist es aber, den werten bisher an Geschichte nur wenig interessierten Leser jene näherzubringen und den geschätzten an Geschichte interessierten Leser mit den einen oder anderen Anekdote zu versorgen.
Ganz bewusst wurde auf die Angabe jeglicher Jahreszahlen verzichtet, die Chronologie der Ereignisse ist einfach viel bedeutender als die einzelne Jahreszahl.
Klarerweise waren die Ureinwohner Österreichs Neandertaler, aber die haben sich für ein Staatsgebiet noch nicht so recht interessiert (eher für eine Rehkeule).
Auch der berühmteste alte Österreicher, der Herr Ötzi, sah sich wohl kaum als solcher. Aber immerhin gehörte er Menschen an, aus denen später die Kelten hervorgingen.
Und die sind definitiv Österreichs Ureinwohner.
Die Hallstätter Kultur (abgeleitet vom Hallstätter See) beispielsweise vermischte sich mit Kelten und wurde so eine keltische Kultur. Ganz Gallien – also das heutige Frankreich - war keltisch. Die Kelten waren von England bis Griechenland und sogar bis in die heutige Türkei verbreitet und gefürchtet[2].
Allerdings, nur weil halb Europa von Kelten bewohnt war, darf man nicht von einem keltischen Staat reden. Es ist vergleichbar mit einem Kriegsherren-System aus dem heutigen Afrika oder Afghanistan.
Einer dieser Kelten namens Brennus zeigte erfrischend wenig Respekt vor den aufkommenden Römern. Als eine keltische Gruppe ein bisschen in Oberitalien herumbrandschatzte (es war dies Kulturgut der meisten Völker der damaligen Zeit), mischten sich die Römer ein, wie sich jede Macht einmischt: Sie wurden „zu Hilfe gerufen“. Ihre Hilfe bestand darin, dass sie während Verhandlungen einen keltischen Anführer töteten.
Auch Tote haben Verwandte, in diesem Fall war es Brennus. Dem gefiel das gar nicht und er forderte die Auslieferung der römischen Unterhändler.
Nachdem die Römer ihm unterstellten, das Thema nicht sachlich mit den Auszuliefernden aus der Welt diskutieren zu wollen, verweigerten sie die Forderung ganz einfach.
Brennus zog daraufhin nach Süden und schlug die Römer in einer offenen Feldschlacht vernichtend. Danach wurde das ungeschützte Rom geplündert und die Verteidiger (die nur noch das Kapitol halten konnten) mussten Lösegeld für die Freigabe Roms zahlen.
Bei der Wiegung des Goldes motzten die Römer, dass die Gewichte der Kelten nicht passten, worauf Brennus sein Schwert zog und es auf die Seite der keltischen Gewichte warf. Seinen dazu gesprochenen Satz „Vae victis – wehe den Besiegten“ nahmen die Römer wiederum in ihr Kulturgut auf und versuchten ihn die nächsten 800 Jahre so wirkungsvoll wie möglich zu leben.
Eine andere Gruppe von Kelten wanderte eines Tages die Donau entlang und entdeckte einen schönen Flecken Erde.
Hier kam ein kleines Flusserl aus dem Wald und mündete in die Donau. Diese Herren waren so kreativ und nannten diesen Fluss „Waldbach“. Noch kreativer wurden sie in der Wahl des Namens des Ortes, den sie dort gründeten und nannten ihn ebenfalls „Waldbach“.
Im Deutschen wurde aus dem keltischen Wort für „Waldbach“ der heutige Name dieses Ortes: „Wien“.
Der Wiener Wald ist somit der „Waldbacher Wald“. Das bedeutet, dass der Bach nach dem Wald benannt ist, der nach dem Bach benannt ist.
Verwandte Leute wanderten weiter südwestlich umher und gründeten die Stadt Noreia in Kärnten oder der Steiermark[3].
Unter ihrer Führung schlossen sich später 13 keltische Stämme zum Königreich Noricum zusammen[4], dem ersten politischen Gebilde auf österreichischem Boden, das zwar nicht ganz Österreich umfasste, aber immerhin große Teile und auch die spätere Hauptstadt Wien einschloss.
Östliche Grenze war wahrscheinlich die March, denn die Boier (ein weiterer keltischer Stamm), die Noricum bedrohten, hatten ihre Hauptstadt in Pressburg. Die beiden verfeindeten keltischen Stämme hätten lieber zusammenhalten sollen, denn mit den verschiedenen germanischen Stämmen und vor allem den Römern kamen deutlich stärkere Gegner auf.
So wurden relativ kurze Zeit nach der Gründung des Königreichs Noricum die armen Römer von den bösen Kimbern und Teutonen bedroht, weshalb sie sich verteidigen mussten und in der Schlacht bei Noreia[5] eine ordentlich auf den Deckel bekamen.
Um diese Peinlichkeit der eigenen Geschichtsschreibung zu verdecken, frönten die Römer hundert Jahre später ihrem Lieblingshobby – der Expansion – und eroberten das Königreich Noricum.
Wobei erobern vielleicht nicht ganz richtig ist, denn die norischen Herrscher waren der germanischen und anderskeltischen Bedrohung überdrüssig und waren nicht unglücklich über die römische Hilfe.
Pannonien war das nächste Gebiet auf dem römischen Expansionsplan und die Römer teilten aus reiner Bosheit „Waldbach“ der Provinz Pannonien zu. Damit kann die Provinz Noricum nicht als Vorgänger von Österreich herhalten und es dauerte wieder 1800 Jahre, bis dieses Gebiet eine gemeinsame Regierung bekam.
In Noricum wurde zunächst Virunum (bei Maria Saal) und dann Ovilava (Wels) Hauptstadt, ein Fakt, der für beide Städte ihren existenziellen Höhepunkt bedeutete (gefolgt vor nicht einmal hundert Jahren, als die Gemeinde Maria Saal zum Markt erhoben wurde).
Octavian wurde per Testament von Julius Caesar adoptiert und erhielt dessen Namen Caesar.
Durch Bürgerkrieg und allen damit verbundenen Grauslichkeiten kam er als führende Persönlichkeit an die Macht.
Er ersetzte seinen bisherigen Vornamen Gaius durch „Imperator“. Dieser Name war bis dahin eigentlich ein Titel, der „Träger einer militärischen Gewalt“ bedeutete.
Als er später durch den Senat auch „der Erhabene“ (Augustus) genannt wurde, waren schließlich alle drei Namen der zukünftigen Herrscher für die nächsten 2000 Jahre beisammen.
Denn „Caesar“ sprach man im Lateinischen schon damals „Ka-e-sar“ aus und „ae“ entwickelte sich in der Aussprache zu „ai“, wodurch sich „Kaiser“ bildete.
So entwickelten sich aus den drei Namen dieser außergewöhnlichsten Figur der Geschichte die Titel der folgenden abendländischen Herrscher. Auch das russische Wort „Zar“ leitet sich von Caesar ab.
Augustus, den man durchaus als Vater Europas bezeichnen könnte, holte sich nicht nur Noricum und Pannonien, sondern eroberte auch ganz Germanien[6], also das Gebiet nördlich der Alpen zwischen Rhein und Weichsel.
Das hätte er besser bleiben lassen sollen.
Diese Provinz Germania[7] wurde bereits beherrscht, wirtschaftlich ausgebeutet und es wurde in ihr römisches Recht gesprochen.
Statthalter der Provinz wurde Varus, der zuvor – aus römischer Sicht – erfolgreicher Statthalter in der Provinz Syria war.
Ihm wurden drei Legionen (die 17.–19.) zugeteilt, ein unvorstellbare Militärmaschine. Zum Vergleich: Als auf der britischen Insel 50 Jahre später ein Aufstand – der Boudicca-Aufstand – versucht wurde, traten zwei Legionen (10.000 Mann) gegen zwischen 80.000 und 200.000 Einheimische[8] in einer offenen Feldschlacht an.
Nach der Schlacht waren 400 Römer und alle (!) Einheimischen tot[9].
Im Gegensatz zu den Amerikanern, die unter Bill Clinton in Somalia ein ähnliches Verhältnis schafften, wurde die Schlacht aber auch gewonnen.
Der Grund dieser Überlegenheit lag in der Ausrüstung der Römer und der daran angepassten Schlachttaktik. Die Einheimischen liefen mit Langschwertern und Schildern bewaffnet auf ihre Wucht vertrauend auf die Römer zu und wollten sie einfach niederrennen. Die Römer aber standen in vielen Reihen und jeder stützte seinen Vordermann. Dadurch konnte der Aufpralldruck der angreifenden Menschenmasse genommen werden. Zusätzlich warfen die Legionäre haufenweise Wurfspeere, die zwar meist per Schild abgewehrt werden konnten, die die Schilder aber aufgrund der Hebelwirkung des steckenden Speers unbrauchbar machten. Die Angreifer mussten sich also der Schilder entledigen und klebten durch den Druck der hinteren Reihen ungeschützt am römischen Schilderwall. Ein Langschwert macht wenig Sinn, wenn man keinen Platz zum Ausholen hat, das Kurzschwert der Römer war hingegen eine Stichwaffe, die nun eben ca. 200.000 Mal zum Einsatz kam.
