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Im Jagdrevier des neuen Forstbesitzers Caspers in der Südheide gibt es viel zu viel Wild. Und zu viele Tote. Kommissar Horst von Niets und seine Assistentin ermitteln zum dritten Mal im Jagdmilieu. Und treffen auf eine schöne, mysteriöse Heilerin zu Pferd, auf moderne Sklaverei mit dubiosen Sexpraktiken, auf alte Bräuche und neue Unsitten. Der Krimi verbindet Spannung, Unterhaltung und profundes Jagdwissen zu bester Unterhaltung.
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Seitenzahl: 404
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Hans-Felix Trunkwalter, geboren 1948 in Wittingen, lebt heute in einem kleinen Dorf in der Südheide. Er ist Betriebswirt und hat als selbständiger Berater in der Bauwirtschaft gearbeitet, überwiegend mit skandinavischen Häusern und Produkten.
Schon früh war für ihn klar, dass sein Lebensmittelpunkt sein Dorf in der Südheide sein sollte. Von hier arbeitete er und erfüllte sich seinen Lebenstraum von einem großen Anwesen, mit Damhirschen, Ponys, Enten und Hühnern.
Jagd war und ist seine Leidenschaft. Er engagierte sich ehrenamtlich in einer Vielzahl von jagdlichen Organisationen. Gemeinsam mit seinem Jugendfreund bejagt er ein Revier in der Südheide.
Trunkwalter geht es in seinen Kriminalromanen um gute Unterhaltung – aber auch um einen kritischen Blick auf die zerstörerische Macht des Geldes und den Missbrauch der Jagd zur gesellschaftlichen Imagepflege.
Der Kriminalroman ist fiktiv. Eventuelle Ähnlichkeiten mit Personen, Orten oder Handlungen sind rein zufällig.
Über den Autor
Sonntag, 23. März 2008
Freitag, 15. November 1996
Freitag, 22. November 1996
Freitag, 15. Januar 1993
Freitag, 25. Januar 1993
März 1993
Mai 1993
Donnerstag, 27. Juli 2000
Freitag, 8. September 2000
Freitag, 10. November 2000
Freitag, 17. November 2000
Mittwoch, 28. März 2001
Freitag, 15. Juni 2001
Donnerstag, 25. Juli 2002
Freitag, 21. März 2003
Sonnabend, 22. März 2003
Sonntag, 23. März 2003
Dienstag, 25. März 2003
Mittwoch, 26. März 2003
Mittwoch, 2. April 2003
Sonnabend, 31. Mai 2003
Freitag, 13. Juni 2003
Sonnabend, 26. Juli 2003
Mittwoch, 6. August 2003
Mittwoch, 10. September 2003
Donnerstag, 11. September 2003
Mittwoch, 10. März 2004
Donnerstag, 7. Oktober 2004
Sonntag, 5. Dezember 2004
Montag, 20. Dezember 2004
Sonntag, 6. März 2005
Sonnabend, 29, Mai 2005
Dienstag, 7. Juni 2005
Sonntag, 12. Juni 2005
Montag, 17. Oktober 2005
Mittwoch, 19. Oktober 2005
Donnerstag, 20. Oktober 2005
Donnerstag, 10. November 2005
Donnerstag, 20. April 2006
Freitag, 21. April 2006
Sonnabend, 22. April 2006
Sonntag, 23. April 2006
Mittwoch, 26. April 2006
Freitag, 19. Mai 2006
Mittwoch, 12. Juli 2006
Freitag, 4. August 2006
Donnerstag, 14. September 2006
Sonntag, 1. Oktober 2006
Mittwoch, 4. Oktober 2006
Sonntag, 24. Dezember 2006
Freitag, 9. Februar 2007
Mittwoch, 7. März 2007
Sonntag, 8. April 2007
Freitag, 20. April 2007
Sonnabend, 26. Mai 2007
Freitag, 13. Juli 2007
Sonnabend, 4. August 2007
Montag, 24. September 2007
Mittwoch, 26. September 2007
Dienstag, 2. Oktober 2007
Sonntag, 14. Oktober 2007
Freitag, 30. November 2007
Donnerstag, 6. Dezember 2007
Sonntag, 23. Dezember 2007
Freitag, 8. Februar 2008
Sonntag, 2. März 2008
Mittwoch, 12. März 2008
Donnerstag, 20. März 2008
Sonntag, 23. März 2008
Montag, 24. März 2008
Dienstag, 25. März 2008
Mittwoch, 26. März 2008
Donnerstag, 28. März 2008
Personenkreis
Um 6.33 Uhr erreichte die Polizeiwache ein Notruf: „Unfall mit blutverschmiertem Fahrer auf der Landstraße bei Sautenholz.“ Sautenholz lag in der Südheide in einem großen Waldgebiet, zwischen Celle, Uelzen und Soltau. Die ICE-Strecke Hannover-Hamburg verlief nicht unweit vom Dorf. Die Landstraße wurde von vielen Pendlern genutzt, die zur Autobahn A7 wollten.
Die informierten Polizeibeamten und der Notarzt fanden einen roten Toyota-Land-Cruiser-Geländewagen mit beigem Stoffdach in einem kleinen Graben, neben der Auffahrt auf die Landesstraße bei Kilometer 14,1. Das Fahrzeug kam aus einem kleinen Waldweg. Ein Mann befand sich hinter dem Steuer und hatte eine stark blutende Verletzung im Gesicht. Er lag mit dem Gesicht auf dem Lenkrad. Der Notarzt konnte nur noch den Tod des Fahrers feststellen.
Die Reifenspuren des Autos waren im Raureif gut zu sehen. Ein Polizeibeamter folgte der Spur und fand den Ort, wo das Fahrzeug geparkt war. Die leichte Raureifdecke war zertrampelt und rot von Blut gefärbt. Reichlich Blut begleitete die Fußspur, die von einer nahegelegenen Wiese kam. Der Polizeibeamte entdeckte auf der Wiese eine liegende Person in etwa einhundert Metern Entfernung. Sofort rief er seinen Kollegen und den Notarzt.
Sie fanden eine junge Frau mit langen schwarzen Haaren, völlig nackt auf einem schwarzen Mantel liegend. Sie lag auf dem Rücken und hatte die Beine leicht gespreizt. Der Brustkorb war rot und hatte Druckstellen sowie kleine Verletzungen. Auch im Halsbereich und am Bauch waren Druckstellen, die auf brutalste Gewalt hindeuteten. Zwischen den Beinen der Frau war ein Knieabdruck zu erkennen. Der Notarzt stellte eine starke Unterkühlung der Frau fest. Der Puls war kaum noch wahrnehmbar. Die Chance, dass die Frau überleben würde, schätzte der Notarzt als sehr gering ein. Was war hier geschehen? Hatte hier ein Sexualverbrechen stattgefunden oder sollte hier ein Ritualmord durchgeführt worden sein? Für die örtliche Polizei war es ein großes Rätsel und sie brauchte unbedingt Hilfe von Kriminalspezialisten, und solch ein Spezialist war Horst von Niets.
Auch diese Tat sollte durch Horst von Niets gelöst werden.
In einem kleinen Dorf in der Lüneburger Heide war Horst von Niets auf dem elterlichen Bauernhof aufgewachsen. Sein Bruder übernahm den Hof und er selbst machte eine Ausbildung bei der Polizei.
Das ländliche Umfeld hatte ihn schon sehr geprägt. Jagen war eine seiner Leidenschaften. Dieser Passion konnte er weiter auf dem familiären Anwesen nachgehen. Gern verbrachte er seine knappe freie Zeit in der Natur. Beobachten und die Unberührtheit der Natur genießen, das war für ihn etwas ganz Besonderes. Mit allen Sinnen die Natur zu spüren, war für Horst von Niets pures Glück.
Von seinem Vater hatte er das Jagen, die Waidgerechtigkeit und den ehrfurchtsvollen Umgang mit dem Wild und der Natur gelernt. „Betrachte das Jagen wie eine Ernte“, waren die Worte seines Vaters. So verstand Horst von Niets auch heute noch die Jagd. Wild zu schießen, ohne es vernünftig zu verwerten, käme für ihn nie infrage.
Menschen, für die Jagd nur Sport oder Prestige waren, mochte er nicht. Moral und Respekt gehörten zu seinem Leben und er war der festen Überzeugung, dass viele Streitigkeiten und Demütigungen vermieden werden könnten, wenn man dieses berücksichtigte. Respektvolles Umgehen miteinander erwartete er von allen Menschen.
Heute war Horst von Niets Sonderermittler beim LKA in Hannover und kam immer dann zum Einsatz, wenn es um Kapitalverbrechen ging, die sich in der freien Natur zugetragen hatten. Er war 55 Jahre alt, nicht gerade ein athletischer Typ, aber dafür sehr sympathisch, kumpelhaft und immer zu einem Späßchen bereit. Seine 94 Kilogramm wurden auf gut 168 Zentimeter verteilt und mit Schuhgröße 42 lebte er nicht gerade auf großem Fuß. Seine Haarpracht war auch schon üppiger gewesen. Heute trug er einen Mittelscheitel und sein verbleibendes Haupthaar hatte er streng nach links und rechts gekämmt. Eine runde, braune Hornbrille saß auf seiner kleinen Nase. Er hatte buschige, dunkle Augenbrauen und ein gezwirbelter Oberlippenbart zierte sein rundliches Gesicht.
Wurde er zu einem der vielen Fälle gerufen, so begleitete ihn immer seine Assistentin Chantal Gänsel, eine sehr attraktive, rothaarige, junge Kriminalistin. Ihr Po und Busen waren für den interessierten Mann schon ein Hingucker und ihr Vorname verriet, dass ihre Wiege vor gut 25 Jahren in der Ehemaligen gestanden hatte, und wenn sie sprach, dann wusste man, dass Dresden nicht weit weg gewesen sein konnte. Ihre 183 Zentimeter ließen Horst von Niets noch etwas kleiner erscheinen.
Es war schon ein sehr auffälliges Paar, die große Schönheit aus dem Osten und der kleine Adlige aus der Heide, der von guten Freunden auch gern „Baron“ genannt wurde. Die Zusammenarbeit war herzlich und so manches Wort wurde auch durch ein kleines Augenzwinkern unterstrichen. Sie verstanden sich ausgezeichnet und Horst von Niets genoss es auch heimlich, eine so gutaussehende Assistentin an seiner Seite zu haben.
Horst von Niets war ein großer Naturliebhaber und ging auch gerne zur Jagd. Natur zu erleben, liebte er sehr, deshalb ermittelte er auch gern in der freien Natur.
Ungerechtigkeiten waren für ihn von großem Übel. Menschen, die über andere Menschen Macht ausübten und das in übelster Art, mochte er überhaupt nicht. Dies war ihm Ansporn, seine Tätigkeit als Kriminalhauptkommissar äußerst engagiert auszuüben.
Kriminaldirektor Mandel war sein direkter Chef und bevor er seine Dienstreise zum Tatort antrat, musste er sich die notwendigen Instruktionen von ihm geben lassen. Nicht, dass dies für ihn von Wichtigkeit gewesen wäre, aber er war nun mal der Chef und als Untergebener musste Horst von Niets diese Ansprache über sich ergehen lassen.
Das Geschwisterpaar Gottfried und Rose Lohmann lebte in einem kleinen hellgrünen Holzhaus mit einem sehr steilen Dach, das am Rande des kleinen Heideortes Sautenholz lag. Neben dem First ragte ein Backsteinschornstein in den Himmel. Wacholder und kleinwüchsige Kiefern umrahmten das Häuschen. Schnell waren die Gedanken bei Hänsel und Gretel und der bösen Hexe. Ein kleiner Stall und ein Holzschuppen standen hinter dem Häuschen. Eine Wiese ging bis an den kleinen Heidefluss hinunter. Die Zeit schien hier stehen geblieben zu sein.
Die Eltern der heutigen Bewohner waren ein kleiner Bauer, der nur recht und schlecht seine Familie ernähren konnte, und seine Frau. Die Familie galt als sehr wunderlich, und die Frau des Bauern lebte sehr zurückgezogen und machte durch wundersame Rituale, mit denen sie Kranke zu heilen versuchte, von sich reden. Viele kamen, um die Heilkünste der sogenannten Hexe für sich in Anspruch zu nehmen. Sie hatte durchaus Erfolg damit und so mancher erfuhr Linderung für sich. Niemand wusste so genau, was sie tat, und oft wurde sie auch von den Menschen ihrer Umgebung gemieden und belächelt. Nur wenn die Schmerzen zu groß wurden und der Onkel Doktor keine Hilfe mehr geben konnte, dann ließ er schon mal in einem Nebensatz anklingen, dass es doch noch die Frau vom Bauern Heinrich Lohmann gäbe. Die meisten Patienten verstanden diesen Rat und suchten den Kontakt zu der Hexe.
Das Ehepaar Lohmann hatte zwei Kinder. Einen Sohn, der auf den Namen Gottfried getauft wurde, und eine fünf Jahre jüngere Tochter, die Rose hieß.
Nachdem Rose mit sechzehn Jahren die Realschule beendet hatte, begann sie auf Wunsch ihrer Eltern eine Lehre als Haushaltsgehilfin in einem feinen Stadthaushalt in der Kreisstadt Celle. Rose war eine junge Frau, die mit allen Vorzügen einer sehr schönen Frau gesegnet war. Dies blieb ihrem Chef, einem angesehenen Arzt, auch nicht verborgen. Wenn die Frau des Arztes aus dem Haus war und die Luft für den Herrn Doktor rein war, dann versuchte er sich ständig der Rose unkeusch zu nähern. Er betatschte sie am Hintern und den Brüsten und versuchte sie zu küssen. Doch Rose verstand es geschickt, sich dieser plumpen Annährung zu entziehen.
Wenn sie nicht gefügig wäre, dann würde er sie aus dem Anstellungsverhältnis entlassen. Rose wusste auch, dass die Frau ihres Chefs ihr wohl nicht glauben würde, und so wurde diese Situation für sie unerträglich. Täglich musste sie sich den Angriffen des Chefs erwehren. Selbst in der kleinen Bodenkammer stellte der Hausherr ihr nach. Als sie schlief, legte er sich zu ihr ins Bett und begrabschte sie unsittlich. Sie wehrte sich und schubste ihn aus dem Bett und rief um Hilfe. Lange dauerte es nicht, bis die Frau des Hauses kam und die beiden in der Bodenkammer fand. Der Hausherr umklammerte Rose und seine rechte Hand suchte unter dem Nachthemd nach dem Ziel seiner Begierde.
Die Frau des Arztes betrat die Dachbodenkammer und sah die beiden in eindeutiger Position. „Rose, du packst sofort deine Sachen und verschwindest. Es ist ja ungeheuerlich, dass du meinen Mann verführst und das auch noch unter unserem Dach. Geh, ich will dich nicht mehr sehen. Unzucht mit dem eigenen Arbeitgeber, dass du dich nicht schämst. In einer Stunde bist du verschwunden.“ Sie nahm ihren Mann an der Hand und zog ihn aus der Kammer der Hausangestellten.
Rose weinte fürchterlich, denn sie hatte doch keine Schuld an dieser Situation. Sie wusste aber auch, dass es keine Möglichkeit gab, sich gegen diese Herrschaften aufzulehnen. So packte sie unter Tränen ihre Habseligkeiten zusammen und verschwand mit ihrem kleinen Koffer in der Hand. Sie ging auf direktem Weg zum Hauptbahnhof und hatte Glück, dass noch ein Zug zu ihrem Heimatort fuhr. Die Fahrt mit dem Triebwagen dauerte gut eine Stunde. Sie stieg aus und ging langsam zu ihrem Elternhaus. Wie sollte sie es nur ihren Eltern erklären, dass sie bei den feinen Herrschaften fristlos aus dem Dienst entlassen worden war?
Ihr Zuhause war dunkel, also schliefen schon alle. Sie klopfte zaghaft an das Fenster. „Was ist los?“, rief eine verschlafene Stimme. „Ich bin es, Rose. Mach bitte auf.“ Schon liefen ihr wieder die Tränen übers Gesicht. Im Haus ging das Licht an, ihre Mutter schloss die Eingangstür auf. Sie sah das Häufchen Elend, das schluchzend und zitternd vor der Tür stand. Ohne etwas zu sagen, nahm sie ihre Tochter in die Arme und drückte sie. „Komm mein Kind, komm rein.“ Sie hatte ihren rechten Arme um die Schulter von Rose gelegt und ging mit ihrer Tochter in die Küche. „Sag nichts. Ich verstehe schon.“
„Aber Mama, wie kannst du es nur wissen, was mir passiert ist?“
„Ich weiß es einfach, ich bin doch deine Mutter.“
Ohne ein weiteres Wort zu sagen, drückte sie ihre Tochter an die Schulter und streichelte ihr durch das schwarze Haar. Nur hin und wieder hörte man ein leises „schü schü schü schü“, mit dem alle Mütter ihre kleinen Kinder beruhigen und ihnen zu verstehen geben, dass sie ganz doll geliebt werden.
Rose schlief die Nacht fest und ruhig und am nächsten Morgen sah die Welt schon viel freundlicher aus. Der Vater war schon aus dem Haus, denn er musste heute bei einem großen Bauern aushelfen. Dies nahm er gerne an, da es doch etwas Geld ins Haus brachte.
Die Mutter hatte für Rose schon einen besonderen Sud gekocht, der ihr Kraft für die Zukunft geben sollte. Dann nahm sie ihre Tochter an die Hand und ging mit ihr zum kleinen Heidebach. Die beiden Frauen setzten sich auf die alte Holzbank und die Mutter begann von ihrem Leben zu erzählen. Nie wurde sie von den Mitmenschen im Dorf anerkannt. Immer sah man auf sie herab und alle sahen in ihr nur die Kräuterhexe, die mit unheimlichen Kräften und Kräutern heilen konnte, was keiner verstand. So hatte sie sich immer mehr abgekapselt, in ihre eigene Welt. Sie lernte, die Natur zu verstehen, und zog ihre Kraft aus diesem Wissen. Viele Bücher hatte sie gelesen, die sich mit diesen Themen befassten, und sie lernte von den Menschen, die genau wie sie als wunderlich bezeichnet wurden. So bekam sie immer mehr innere Kraft und es war für sie eine Freude, Menschen zu helfen. Jedem half sie, ob Tier oder Mensch, auch denen, die sie belächelt und verspottet hatten.
Sie streichelte die Hand von Rose und erzählte weiter, von den vielen Büchern, die in der kleinen Kammer waren, in der sie auch die leidenden Menschen empfing. Geld nahm sie nie für ihre Hilfe, doch die Leute gaben ihrem Mann immer etwas und wer kein Geld hatte, zahlte mit einem Huhn oder mit Eiern.
Der kleine Heidebach plätscherte dahin und Rose hörte ihrer Mutter fasziniert zu. Sie legte Rose die Hand auf die Stirn und Rose merkte, wie eine angenehme, wohlige Wärme durch ihren Körper floss. „Sei du selbst, sei wie du bist, finde deinen Platz in der Natur und helfe den Hilfesuchenden.“ Sie nahm den Kopf von Rose zwischen ihre Hände und küsste sie auf die Stirn, den Mund, dann nahm sie ihre Hände und küsste die Handinnenflächen. Dabei murmelte sie etwas Unverständliches, aber Rose bekam ein zufriedenes Lächeln und ihre dunkelbraunen Augen glänzten vor Freude.
Dann erzählte die Mutter: „Auch meine Mutter hat mir so den Weg zu den heilenden Kräutern und das Heilen durch Handauflegen gezeigt. Sie hatte dies wiederum von ihrer Mutter gezeigt bekommen, also deiner Urgroßmutter. Sie kam mit einem Zigeunerwagen und ihrer Sippe um 1870 von Rumänien nach Deutschland. Dort lebten sie mit der Großfamilie in Transsylvanien, nicht weit von der Burg des Grafen Dracula. Heilen und Helfen hatte eine lange Tradition in der Familie, aber auch das Ausgegrenztsein.“ Die Mutter von Rose war die erste Frau aus der Zigeunerfamilie, die sesshaft geworden war und einen deutschen Ehemann hatte. Sie und ihr Mann hatten es nicht einfach. Sie konnten dieses heruntergekommene Haus nur für einen geringen Preis kaufen, weil es sonst niemand wollte. Viele Leute in Sautenholz glaubten auch heute noch, dass in dem Haus ein böser Geist wohnte und dass es dort immer wieder spukte. „Rose haben wir dich genannt, weil dies ein alter Zigeunername ist, und schön wie eine Rose bist du ja auch, meine Rose“, sagte die Mutter und strahlte ihr Mädchen an.
Sie ging mit Rose in das kleine Zimmer, zeigte ihr die vielen Bücher und die eigenen handschriftlichen Notizen und Skizzen. „Du darfst immer, wann du willst, in dieses Zimmer und die Aufzeichnungen und Bücher studieren. Du findest dort auch Schriften von deiner Großmutter und Urgroßmutter. Frage mich, wenn du einiges nicht entziffern kannst, ich helfe dir. Alles in dem Zimmer gehört dir, nach meinem Tode.“ Die beiden Frauen drückten sich und Rose war glücklich und zufrieden.
Natürlich musste Rose auch zum Unterhalt der Familie beitragen. Gelegenheitsarbeiten wurden von ihr übernommen. Malen und Schneidern konnte sie gut und sie war ständig bemüht, diese Fähigkeiten zu verfeinern.
Täglich verbrachte sie Zeit in der kleinen Kammer und las die Aufzeichnungen ihrer Mutter. Sie wollte unbedingt die Natur verstehen. Sie wollte die heilenden Kräuter und Pilze kennenlernen. Ihre Mutter verstand es, sie mit sehr viel Einfühlungsvermögen in die Kräuterkunde einzuführen, und zeigte ihr die Plätze, wo diese Kräuter und Pilze wuchsen. Sie unterrichtete sie in der Kunst des Handauflegens und darin, wie man Kontakt zu verborgenen, mystischen Welten aufnahm.
Gottfried fand eine Anstellung bei dem größten Bauern im Dorf und eignete sich alle Arbeiten an, die auf einem bäuerlichen Hof gebraucht wurden. Eine Ausbildung hatte er nie durchlaufen. Der Hof seines Chefs, Hermann Venske Senior, hatte eine Größe von gut 150 Hektar. Hundert Hektar Ackerland und der Rest waren Wald und Wiesen.
Hermann Venske Senior war passionierter Jäger und bejagte seine Eigenjagd selbst. Auch sein Sohn Hermann Venske Junior hatte diese Leidenschaft, aber sie war bei ihm nicht so ausgeprägt wie bei seinem Vater. Auch Gottfried interessierte sich sehr stark für die Natur. Er beobachtete gern, was sich in der Natur zeigte. Durch seine Arbeit war er fast ausschließlich auf den Feldern zu finden und so gab es auch immer Neues zu beobachten. Berührungen mit der Jagd hatte er nur, wenn es darum ging, Hochsitze zu reparieren, oder bei der Treibjagd, als Treiber das Wild aufzuscheuchen. Dies sollte sich im Verlauf seines Lebens aber noch ändern.
Rose hatte sich viel Wissen angeeignet und noch mehr hatte sie von ihrer Mutter gelernt. Sie kannte alle Kräuter, Pilze und die Kräfte, die in ihnen steckten. Sie wusste genau, zu welcher Jahreszeit sie wuchsen und an welchen Tagen, zu welcher Uhrzeit man sie pflücken sollte. Die Rezepturen waren in vielen Büchern und auf Zetteln festgehalten.
Leider waren ihre Eltern viel zu früh gestorben. Zuerst starb ihr Vater an einem Herzinfarkt und nur drei Monate später auch die Mutter.
Rose war im Stall und versorgte die Hühner und Enten, sowie den Hund von Gottfried und den schwarzen Kater. Als sie zurück ins Haus kam, hörte sie, wie ihre Mutter sehr schwer atmete. Sie klopfte leise an die Zimmertür, doch es kam keine Antwort. Vorsichtig öffnete sie die Tür einen kleinen Spalt. Sie erschrak, denn ihre Mutter lag auf dem Teppich und streckte den Arm Rose entgegen. Rose nahm die Hand und streichelte sie. „Was ist, Mutter? Wie kann ich dir helfen? Soll ich den Arzt rufen?“
„Nein, mein liebes Kind, bleib nur bei mir, ganz nah bei mir“, sagte ihre Mutter kaum hörbar. „Hör mir nur zu. Ich gehe jetzt zu deinem Vater. Du musst nicht traurig sein, bald wird es mir wieder gut gehen.“
Es war still und Rose flossen die Tränen über die Wangen. „Was soll nur werden, wenn auch die Mutter nicht mehr hier ist? Sie hat uns doch immer beschützt, auch als wir schon erwachsen waren. Ohne Mutter, kann ich da überhaupt leben?“ Gedanken, die Rose durch den Kopf schossen. Sie streichelte die Hand der Mutter und sah, wie ihr das Atmen immer schwerer fiel. Die Augen waren kaum noch geöffnet. Mit einem nassen Lappen bestrich sie die Lippen der Mutter und hoffte, dass es ihr etwas Linderung verschaffen würde. „Mutter, du darfst mich noch nicht verlassen. Hörst du, Mutter, du darfst noch nicht gehen“, flüsterte Rose flehend. Doch ihre Mutter wurde immer schwächer.
Sie zog Rose leicht an der Hand und es sollte bedeuten, dass sie näher zu ihr kommen sollte. Rose kniete ganz dicht neben ihrer Mutter. „Hilf mir hoch.“ Vorsichtig nahm Rose die Mutter an den Schultern und zog sie zu sich. Die Mutter legte ihre Hände auf den Kopf von Rose und begann etwas Unverständliches zu murmeln. Nur einzelne Wortfetzen konnte Rose noch verstehen. „Segen … Kräfte … Heilen … von mir zu dir.“ Rose verspürte, wie der Druck von Mutters Händen stärker wurde, wie eine wohlige Wärme ihren Körper durchfloss und wie sie plötzlich Glücksgefühle verspürte. Um sie herum wurde alles hell und freundlich, und es war still, totenstill.
Sie spürte, wie ihre Mutter noch in ihren Armen lag, und sie legte sie sanft auf den Teppich. Friedlich sah ihre Mutter aus und auch glücklich. Rose legte sich neben ihre tote Mutter, hielt weiter ihre Hand und sah träumend die vielen glücklichen und schweren Jahre vorüberziehen. Es war für sie eine große Genugtuung, dass sie ihre Mutter auf dem letzten Stück des Lebensweges hatte begleiten dürfen. Beide Frauen strahlten Glück und Zufriedenheit aus. Fast eine Stunde lag Rose neben der toten Mutter und hielt ihre Hand. Sie stand dann auf, streichelte ihrer Mutter über das Haar und die Wagen und küsste sie auf den Mund. „Danke, Mutti, danke für deine Liebe und dass du mich immer beschützt hast. Danke. Du bleibst immer in mir“, sagte sie leise und streichelte der Mutter das Gesicht.
Rose wusste aber auch, dass sie den Hausarzt verständigen musste, und ihren Bruder Gottfried. Schnell kam der Hausarzt, schaute sich die tote Frau an. Er kannte sie seit Jahren und wusste auch von ihrer schweren Krankheit. Sie hatte an Bauchspeichelkrebs im letzten Stadium gelitten, der nicht mehr heilbar war. Heilung um jeden Preis hatte die alte Frau Lohmann aber auch nicht gewollt. Sie war zwar hin und wieder zum Hausarzt gegangen, wenn die Schmerzen zu groß wurden, aber an eine Operation oder eine Chemo-Behandlung hatte sie nie gedacht. „Wenn Gott mir diese Krankheit geschickt hat, dann wird er dafür schon einen Grund gehabt haben“, das war ihre Divise und keine Argumente hatten sie von diesem Glauben abbringen können. Keiner in der kleinen Familie kannte dieses schwere Schicksal der Mutter. Sie hatte es immer für sich behalten und der Arzt hatte Schweigepflicht.
Der Arzt stellte den Totenschein aus und sprach Rose sein herzliches Beileid aus. Sie wartete noch einige Zeit, bis sie das Bestattungsunternehmen anrief. Sie wollte sie so lange wie nur möglich in ihrem Zimmer lassen. Als Gottfried von der Arbeit kam, umarmte sie ihn und sagte ihm die schlechte Nachricht. Er ging sofort mit Rose zur Mutter, kniete sich nieder und betete. Er bat Gott, dass er seine Mutter und seinen Vater im Paradies wieder zusammenführen möge und dass es beiden gut gehen möge, ohne Sorgen, ohne Schmerz, nur gut. Auch er strich seiner Mutter durchs Haar und über die Wangen, küsste sie auf den Mund und auf beide Hände. Er erhob sich und nahm seine Schwester in den Arm. „Rose, nun sind wir allein. Ich verspreche dir, im Beisein unserer toten Mutter, dass ich dich immer beschützen werde. Ich will und werde immer dein großer Bruder bleiben.“
Sie knieten nochmals nieder und sprachen gemeinsam das Vaterunser. Bevor sie den Raum verließen, um auf den Bestatter zu warten, nahm Rose eine Schere und schnitt ihrer Mutter mehrere kleine Bündel Haare ab und legte sie in einen Korb.
Der Bestatter kam und holte die Tote aus dem Haus. Als der Leichenwagen wegfuhr, standen die Geschwister am Weg und winkten ihrer Mutter hinterher. Sie hielten sich bei der Hand und gingen gemeinsam zurück ins Haus.
Auf dem örtlichen Friedhof wurde die Mutter neben ihrem Mann begraben. Es gab eine katholische Begräbnisfeier mit dem zuständigen Priester. An der kleinen Trauerfeier nahmen nur die Geschwister und die Familie Venske sowie die direkten Nachbarn teil. Ein paar Leute standen abseits und schauten der Beisetzung aus einer gewissen Distanz zu. Es waren wohl Menschen, die schon mal die Dienste der alten Frau Lohmann in Anspruch genommen, aber Angst vor zu viel Nähe hatten.
Rose hatte für ihre Mutter einen wunderschönen Kranz aus unterschiedlichen Nadelbaumzweigen, Zapfen, trockenen Eichenblättern und vielen Winterbeeren gebunden. Die Geschwister legten gemeinsam den Kranz auf das Grab, danach luden sie die Trauergesellschaft und den Priester auf Kaffee und Kuchen in ihr bescheidenes Haus ein.
Nach dem Tod der Eltern übernahmen die Geschwister das kleine Anwesen und lebten dort zusammen. Rose war für die Versorgung des Haushaltes zuständig und Gottfried ging einer geregelten Arbeit auf dem Hof Venske nach.
Rose war sehr früh aufgestanden, denn sie musste ein Ritual durchführen, das nur heute möglich war. Der Tag und die Stunde waren nicht austauschbar. Würde die Zeit, diese wahre Zeit nicht genutzt werden, so wären die ganze Kraft, das ganze Wissen und die große Energie der heilenden Hände, die ihre Mutter ihr mit den letzten Atemzügen übertragen hatte, für alle Ewigkeit verloren. Sie durfte diese Zeit nicht verstreichen lassen und niemand durfte sie aufhalten.
Schon am Vorabend hatte sie einen kleinen Korb gepackt. Darin befanden sich in einer kleinen hölzernen Schale die Haare ihrer verstorbenen Mutter. In einer weiteren Schale dieser Art waren ihre eigenen Haare in gleicher Menge. In einer Papiertüte hatte sie Holzwolle und Streichhölzer. In einem geschlossenen Glas befanden sich getrocknete Kräuter sowie eine kleine Schaufel.
Wie immer trug sie schwarze Kleidung. Schwarze Strümpfe, einen langen schwarzen Rock, eine schwarze Bluse, einen schwarzen Pullover, einen schwarzen Schal, robuste, hohe schwarze Schuhe. Darüber trug sie einen langen schwarzen Mantel, der mit Naturfell gefüttert war. Er schützte sie gut vor der Novemberkälte. Als Kopfbedeckung trug sie einen schwarzen Hut mit breiter Krempe. Ihre Lippen und ihre Fingernägel waren blutrot.
Sie zog sich die schwarzen Handschuhe an und nahm den Korb. Langsam ging sie den schmalen Weg aus dem Ort heraus. Ein Feldweg, der kaum noch von Fahrzeugen benutzt wurde, verlief parallel zum Heidefluss. Sie folgte dem Weg in Richtung Westen. Nach etwa zwei Kilometern führte ein Trampelpfad zum Flüsschen. Hier machte der kleine Fluss eine scharfe Biegung nach links. Zehn Meter vom Fluss entfernt stand eine große Hainbuche. Aus einer Wurzel wuchsen zwei gleich dicke Bäume. Der linke Baum hatte schon ein paar trockene Äste und die Baumrinde hatte kleine Risse. Er war etwas verdreht und krumm und sah traurig aus. Der rechte Baum war gerade gewachsen und hatte fast gleichmäßige Äste und eine total glatte Rinde. Er strotzte nur so vor Schönheit und Kraft.
Ihre Mutter hatte ihr diese Bäume gezeigt und ihr erklärt, dass der linke Baum für das Böse stand, wie Gewalt, Schmerzen, Unrecht, Angst, Traurigkeit. Der rechte Baum stand für das Gute, wie Liebe, Freude, Glück, Zuneigung, Verständnis, Gesundheit. Diese Bäume hatten für ihre Mutter und ihre Vorfahren eine große Bedeutung, es ging eine Magie von ihnen aus. Mit viel Sorgfalt und Respekt sollte Rose diese Energiequelle behandeln, hatte ihre Mutter ihr inständig geraten.
Heute war der siebte Tag nach dem Tod der Mutter und es musste die siebte Stunde des Tages sein, nur dann würde der Zauber vom Totenbett der Mutter vollständig auf Rose übergehen. Sie machte eine kleine Grube vor den beiden Bäumen. Mittig sollte sie sein. Dann legte sie die Holzwolle auf den Grubenboden und schichtete darauf die Haare der Mutter und ihre eigenen im Wechsel. Über die Haare streute sie die getrockneten Kräuter, die verschiedene Krankheiten heilen konnten. Es waren Schafgarbe, Fingerhut, Johanniskraut, Efeu und Mistel.
Sie kniete sich vor die Grube und wartete auf den Glockenschlag der Kirchenuhr. Es war noch dunkel und von fern hörte Rose die Uhr schlagen. Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben. Sofort nach dem letzten Glockenschlag zündete sie ein Streichholz an und entfachte mit der Holzwolle ein kleines Feuer. Eine kleine Flamme zündete die Haare und die Kräuter an. Es roch nicht sehr gut. Rose hatte die Hände gefaltet und sprach zu den beiden Bäumen, dass sie nun die rechtmäßige Nachfolgerin der Heilerin sei und dass sie ihnen in Zukunft das Böse bringe und das Gute mitnehme. Sie stand auf und umarmte zuerst den Baum des Bösen und dann den Baum des Guten. Dann küsste sie beide Bäume. Sie verneigte sich voller Ehrfurcht. In der kleinen Grube war nur noch Asche. Rose verschloss die kleine Grube mit Erde, drückte sanft die Erde fest, strich mit der offenen Handfläche darüber und verließ diesen magischen Ort. Sie fühlte sich stark und unbesiegbar. Sie konnte nun von Mensch und Tier Leiden nehmen und das machte sie glücklich.
Gottfried Lohmann arbeitete immer noch auf dem Hof des Großbauern Hermann Venske Senior in Sautenholz. Gottfried war sehr fleißig und zuverlässig. Die Aufgaben, die ihm übertragen wurden, erfüllte er immer zur vollsten Zufriedenheit seines Chefs. Noch hatte Hermann Venske Senior das Sagen auf dem Hof. Der junge Hermann, also der Sohn vom Senior, war noch nicht vollständig auf dem Hof. Er hatte sein landwirtschaftliches Studium in Göttingen absolviert und arbeitete jetzt auf einem großen Gut in Mecklenburg-Vorpommern. Der Senior wollte, dass er einen fremden Betrieb kennenlernte, bevor er im elterlichen Betrieb arbeitete, den er später auch übernehmen sollte, wenn der Senior in den Ruhestand ging.
Es war der Wunsch vom Junior, den Hof zu vergrößern, und so bemühte man sich, weitere Ackerflächen zu kaufen oder zu pachten.
Gottfried erledigte alle Feldarbeiten und konnte sehr gut mit den großen Traktoren und den unterschiedlichsten Maschinen umgehen. Kleine Reparaturen erledigte er selbst, sehr gekonnt. Täglich berichtete er seinem Chef, was er beim Pflügen oder sonstiger Feldbearbeitung an Wild entdeckt hatte. Er verstand es auch, die Fährten zu lesen. Genau konnte er beschreiben, von wo das Rotwild gekommen und wohin es weitergezogen war. Er hatte erkannt, wie groß das Hirschrudel war. Für den Senior war es sehr interessant, denn so wusste er, wo die größte Chance bestand, das Hirschrudel wiederzutreffen.
Bei einem dieser Gespräche sagte der Senior: „Gottfried, du verstehst so viel von unserem Wild, du kennst die Natur und ich sehe, dass du ein großes Wissen hast und dass es dir auch Freude macht, die Tiere zu beobachten. Ich melde dich bei der Jägerschaft Celle zur Jägerprüfung an. Die Kosten übernehme ich und dafür musst du dann mein Jagdrevier betreuen. Wie findest du das?“
Gottfried schaute seinen Chef an und wurde ganz ruhig. Es kam doch sehr überraschend für ihn. Lernen war noch nie sein Ding gewesen und Kontakte zu fremden Menschen hatte er kaum. Es machte ihm etwas Angst, was sein Chef ihm vorschlug, obwohl er gerne die Jagd ausüben würde, aber eine Prüfung vor einer Kommission abzulegen, davor hatte er Angst.
„Chef, ich weiß nicht. Ich glaube, das kann ich nicht. Die weite Fahrt zum Lehrgang und zum Schießstand. Ob ich das kann? Wenn ich durch die Prüfung falle, dann lachen mich alle aus. Jagen finde ich schön, aber die Prüfung und die weite Fahrt …“ Unsicher schaute er zu Venske Senior.
„Ach was, Gottfried, du machst das mit links. Ich helfe dir auch, wenn du Fragen hast. Du kannst das, da bin ich mir ganz sicher.“
Hermann Venske Senior streckte Gottfried seine große Hand entgegen und nach etwas Zögern schlug Gottfried ein. „Schön, Gottfried.“ Er schlug ihm noch auf die Schulter und sagte: „Ich freue mich, Gottfried. Wir beide werden gut zusammen jagen.“ Venske drehte sich um und ging zurück ins Haus. Gottfried bestieg seinen Trecker und fuhr zum Pflügen auf den Acker. Er freute sich, dass sein Chef ihm zutraute, die Jägerprüfung zu bestehen. Die Arbeit ging heute ganz leicht.
Gottfried lernte für die Jägerprüfung und fuhr jede Woche einmal zum Lehrgang. Auf dem großen Schießstand in Scheuen trainierte er das jagdliche Schießen. Es machte ihm richtig Freude und er bestand die Jägerprüfung mit Leichtigkeit.
Rose Lohmann wurde immer öfter von Menschen aufgesucht, die ihre Hilfe benötigten und die sie um Linderung ihrer Schmerzen baten, egal ob diese Schmerzen organisch oder seelisch waren. Sie versuchte mit all ihren Kräften den Menschen zu helfen. Sie lernte immer mehr über die Krankheiten und mit welchen Kräutern sie sie behandeln und sogar heilen konnte.
Sie ging sehr oft in die nahegelegene Natur, um sich mit den entsprechenden Kräutern und Pilzen zu versorgen. Dabei blieb es auch nicht aus, dass sie auf Mitmenschen stieß, die ihre Art zu leben nicht verstanden und sie sogar verhöhnten. Viele Sammelstellen lagen im Revier von Gustav Caspers. Dies führte automatisch zu unschönen Begegnungen, um es feinsinnig auszudrücken. Caspers mochte es gar nicht, wenn Leute sich in seinem Revier aufhielten. Diesen sagte er mit deutlichen und beleidigenden Worten, dass sie gefälligst sein Eigentum zu verlassen hätten. Rose Lohmann ließ sich aber nicht von Caspers einschüchtern, sondern ging, ohne ein Wort zu sagen, ihren Weg und pflückte ihre Kräuter.
Auch Gottfried Lohmann war mehrfach mit Caspers in Kontakt gekommen. Als Gottfried eines Tages an der Reviergrenze interessiert Wildfährten betrachtete, stand wie aus dem nichts Caspers vor ihm und fragte, was er wohl hier mache. Die Wechsel des Rotwildes studieren. Dass das an der Grenze zu seinem Revier geschah, passte ihm überhaupt nicht. Bevor er wieder verschwand, gab er Gottfried noch den Rat, auf gar keinen Fall sein Revier zu betreten, sonst würde er rechtliche Schritte unternehmen und er hätte gute Rechtsanwälte an der Hand.
Natürlich erzählte Gottfried diese Begebenheit seinem Chef, der dies aber nur als eine Wichtigtuerei eines neuen Nachbarn abtat.
Die Zeit verging und es gab nur die üblichen kleinen Streitereien mit Caspers, die aber niemand überbewertete. Ihm gehörte nun mal dieses Revier und er wohnte auch in Sautenholz, aber er blieb ein Außenseiter.
So recht wusste niemand, wo Gustav Caspers herkam. Man munkelte, er sei aus der Nähe von Bremen gekommen. Er war mit einem Mal da gewesen und hatte die Eigenjagd und einige Gebäude von dem Hof ersteigert, deren Eigentümer die Bankdarlehn nicht mehr bedienen konnten. Auch war nicht bekannt, woher dieser Gustav Caspers das viele Geld hatte. Er war ein schlanker großer Mann, der seinen Körper ständig in Fitness-Studios trainierte, nicht auf Ausdauer, sondern auf Figur, was für ihn als eitlen Mann sehr wichtig war. Sein schwarzes Haar hatte er streng nach hinten gekämmt. Sein schmaler Oberlippenbart und das kleine Bartdreieck am Kinn sahen typisch südländisch aus. Fast immer sah man ihn in der Öffentlichkeit mit einer dunklen Sonnenbrille, auch bei schlechtem Wetter. Auf sein Äußeres legte er sehr viel Wert, so trug er gerne den dunkelblauen Doppelreiher und eine graue Hose, eben hanseatisch. Sympathisch war er nicht, aber ehrgeizig. Caspers war beim Erwerb dieses Besitzes ungefähr Mitte fünfzig.
Von den Gebäuden des großen Hofes hatte Gustav Caspers vor einiger Zeit ein Deputatarbeiterhaus erworben, in dem früher zwei Familien gewohnt hatten, die auf dem Hof ihre Arbeit fanden. Ferner erwarb er eine kleine Scheune und ein Stallgebäude, das früher Pferden und Heidschnucken Unterkunft gegeben hatte. Zu dem Anwesen gehörte noch eine Weide mit einem kleinen Teich. Das Gesamtareal war in etwa siebentausend Quadratmeter groß. Die Eigenjagd, die überwiegend aus Waldungen bestand, hatte eine arrondierte Größe von 117 Hektar.
Kurz nachdem der Kauf rechtskräftig war, begann Gustav Caspers auch schon mit der Umgestaltung der Gebäude und des Grundstücks, die mitten in Sautenholz lagen. Die erste Maßnahme war das Pflanzen einer Hecke aus schnellwachsenden Koniferen, die in Zukunft keine ungebetenen Blicke auf das Grundstück und die Gebäude zulassen sollten.
In dem Arbeiterhaus renovierte Gustav Caspers eine einfache Wohnung, die vorübergehend seine Unterkunft sein sollte, wenn er sich vor Ort aufhielt.
Wenn er mit seinem repräsentativen Auto, einem Audi A8, durch den Ort fuhr, konnte man eine junge Frau in seiner Begleitung sehen. Sie war gerade halb so alt wie er. Mit 25 Jahren ein fast noch junges Mädchen. Es sprach sich schnell herum, dass es seine Haushälterin oder vielleicht sogar seine Lebensgefährtin war.
Ramona Kaminski hieß die junge Frau. Sie lebte mit Gustav Caspers zusammen und sorgte für die üblichen Haushaltsarbeiten. Ramona war eine junge Frau mit leichtem Gewichtsüberschuss und einem dominanten Popo. Mit 160 Zentimetern war sie nicht sehr groß. Sie hatte kurze schwarze Haare, die glatt gekämmt waren. Einige helle Strähnchen lockerten die Frisur auf. Sie hatte eine sympathische Ausstrahlung und ein einladendes Lächeln. Man sah sie fast ausschließlich in jagdlicher Kleidung. Die Jagd war für sie die größte Erfüllung auf dieser Erde.
Für Ramona Kaminski war es pure Leidenschaft, für die sie fast alles tun würde, denn ohne Jagen konnte und wollte sie nicht leben. Gustav Caspers mochte zwar auch die Jagd, aber für ihn war es mehr. Der Besitz einer Eigenjagd verschaffte ihm auch Ansehen in bestimmten Kreisen, da er mit seiner Eigenjagd auch die Macht hatte, andere Jäger zur Jagd einzuladen, die nicht über ein eigenes Revier verfügten. Das war auch sein Ziel, mit dieser Jagd ein Einkommen zu erzielen, von dem er leben konnte.
Er hatte klare Vorstellungen. Durch Zukäufe von weiteren Grundstücken wollte er die Eigenjagd vergrößern. Den Wildbestand wollte er so erhöhen, dass es kein Problem sein durfte, für zahlende Jagdgäste immer genügend Wild vorzuhalten. Natürlich wollte er auch die Jagdgäste auf seinem neuen Hof beköstigen und unterbringen. Sie sollten keine Kontakte zu anderen Dorfbewohnern haben, aber das war noch Zukunftsmusik. Die Verwirklichung brauchte Zeit.
Ramona Kaminski hatte er bei einer Jagdhundeausstellung in Oldenburg kennengelernt. Dies war etwa ein Jahr, bevor er die Eigenjagd in Sautenholz erwarb. Sie hatte einen Rauhaardackel, den sie zur Begutachtung den Richtern vorführte. Ramona Kaminski und Gustav Caspers kamen ins Gespräch und Ramona erzählte von ihrer jagdlichen Leidenschaft. Leider sei es nicht so einfach, Jagdgelegenheiten zu bekommen, und sie habe nicht das nötige Kleingeld, um sich selbst eine Jagd zu pachten. Dem könnte er schon abhelfen, gab Gustav Caspers zu verstehen.
Die beiden verabredeten sich für den Abend auf einem Reiterhof, der auch eine kleine Gaststätte hatte. Sie war jagdlich gekleidet, er kam im Hanseatenlook. Auf der Terrasse setzten sie sich an einen Tisch und bestellten sich etwas zu trinken und zu essen. Gustav Caspers erzählte von seinen zukünftigen Vorhaben und von seinem Hobby, der Jagd, und von seiner Absicht, eine Eigenjagd zu kaufen. Für ihn sei es aber auch sehr wichtig, in Zukunft einen Menschen zu haben, mit dem er seine jagdlichen Freuden teilen könne.
Ramona Kaminski hörte sehr interessiert zu und war fasziniert von dem Gedanken, einen Bekannten mit Jagdgelegenheit zu haben. Sie lächelte Gustav Caspers an und bildete sich ein, diesen großen Mann auch sympathisch und liebenswert zu finden. Sie prosteten sich zu und Gustav Caspers erzählte schwärmerisch von seinem Leben, was er schon erreicht hatte und was er noch erreichen wollte. In seinem Leben gab es einen Supermann und das war er, nur er.
Ramona Kaminski wollte nun wissen, wie er sich eine Partnerschaft oder Freundschaft vorstelle. Vage skizzierte er seinen Lebensplan. Das Zusammenleben mit einem Menschen, natürlich würde er eine Frau bevorzugen, sähe für ihn so aus, dass diese Person bestimmte Aufgaben übernehmen müsse und dass er für eine lebenslange Jagdmöglichkeit in einem Hochwildrevier sorgen würde. Genüsslich schob er sich eine Gabel mit Fleisch und Kartoffeln in den Mund und lächelte dabei Ramona Kaminski an.
Ramona wurde immer offener, denn sie hatte das Gefühl, ihr gegenüber würde der Sechser im Lotto sitzen. Aufdringlich wollte Ramona nicht sein, doch es wäre für sie schon interessant zu erfahren, welche Aufgaben auf sie warten würden. Sie sah sich schon als jagende Frau an der Seite von Gustav Caspers in einem schicken Geländewagen zu den Ansitzen fahren und Sauen und Hirsche jagen. Sie hatte nichts zu verlieren, sie konnte nur gewinnen. Beruflich lief es nicht so, wie es sollte, und in einer Beziehung lebte sie auch nicht. Familie war für sie ein Fremdwort. Allein, sie war einfach nur allein und einsam. Der einzige Lichtblick in ihrem Leben war ihr Rauhaardackel Charly. Sie hatte keinen Beruf erlernt. Heute arbeitete sie in einem kleinen Unternehmen und war dort Mädchen für alles. Sie putzte das Büro und auch die Wohnung der Inhaber, fuhr Waren zu den Kunden und war auch am Telefon zu finden oder erledigte kleine Schreibarbeiten. Glücklich war sie mit dieser Arbeit nicht und bezahlt wurde sie auch noch schlecht.
Gustav Caspers machte kleine Andeutungen über die Tätigkeiten, die er benötigte. So wären es der allgemeine Haushalt, Mithilfe im Revier, leichte Arbeiten rund um das Anwesen und natürlich die Jagd. Er könne sich vorstellen, dass man dies in einem Vertrag festhielt, damit auch eine lebenslange jagdliche Absicherung gewährleistet wäre.
Ramona Kaminski hatte richtig leuchtende Augen. Sie wollte unbedingt diese Anstellung und strahlte Gustav Caspers an.
Die beiden verabredeten ein weiteres Zusammentreffen und tauschten ihre Handynummern aus. Mit seinem Audi A8 fuhr er Ramona zu ihrer Wohnung, verabschiedete sich artig und küsste ihr galant die Hand.
Vierzehn Tage später hatten die beiden ihr zweites Treffen. Sie trafen sich in Oldenburg am Stadtpark und gingen in das kleine Café. Bei einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen begann Gustav Caspers von seiner Zukunft zu erzählen. Es werde nicht mehr lange dauern, dann würden die Kaufverträge für ein kleines, schönes Anwesen und eine Eigenjagd mit einem kleinen Bestand an Schwarz- und Rotwild gemacht. Für diese Zukunft wünschte er sich einen Menschen an seiner Seite. Eine Ehe mit schlechtem Ausgang hatte er schon hinter sich. Beziehungen, die auf Liebe beruhten, wollte er nicht mehr, denn dies würde alles nur verkomplizieren. Einen Ausgleich zwischen seinen Interessen und den Interessen des Partners zu finden, war für ihn zu anstrengend und entsprach auch nicht seiner Lebensphilosophie. Er war ein Mensch, der überzeugt war, immer das Richtige zu tun, und stand somit über allen Dingen. Ein echter Narzisst. Er glaubte fest daran, dass sein Tun immer das Richtige war.
Er erläuterte Ramona Kaminski seine Vorstellungen von einer Lebensgemeinschaft. Das Zusammenleben wolle er wie in einem Ehevertrag regeln. Die Aufgaben wären klar verteilt und von jedem Partner vertragsgemäß zu erfüllen. Dabei ließ er keine Zweifel aufkommen, dass er das Sagen hätte und dafür auch bezahlen würde.
Ramona Kaminski zog eine krause Stirn und es begann in ihrem Kopf zu arbeiten. Wollte er sie kaufen? Sollte sie eine käufliche Frau sein, eine Art Prostituierte? So recht konnte sie sich noch keinen Reim auf seine Ausführungen machen.
Gustav Caspers bezahlte und die beiden schlenderten durch den Stadtpark von Oldenburg. Sie gingen nebeneinander her und sprachen nur über Belangloses. Am Ententeich stand eine Parkbank unter einer alten Buche. Hier setzten sie sich und Gustav Caspers begann wieder von der sogenannten Lebensgemeinschaft zu sprechen, denn er hatte für sich den Entschluss gefasst, es mit Ramona Kaminski zu versuchen. Für ihn hatte diese Frau zwei entscheidende Vorzüge. Sie war kräftig genug, um auch mal etwas schwerere Arbeiten im Revier zu machen und sie hatte auch einen gewissen Charme, ein schönes Gesicht und gute körperliche Proportionen, die Gustav Caspers mochte. Somit gab es für ihn auch keine Hindernisse, mit ihr körperliche Liebe zu vollziehen.
Er schaute Ramona Kaminski an und begann seine Vorstellungen der Lebensgemeinschaft zu formulieren, die aber auch nicht verhandelbar waren.
Er beschrieb es so: Er, Gustav Caspers, wäre für den gesamten Unterhalt verantwortlich. Verpflegung, Unterkunft, Kleidung, großzügige Jagdmöglichkeit (auch auf Hochwild), Beitrag zur Krankenversicherung. Es gab eine Probezeit von drei Jahren. Während dieser Zeit konnte jede Partei die Vereinbarungen kündigen. Für die dreijährige Probezeit würde Ramona Kaminski eine Abfindung von 10.000 Euro bekommen. Bei vorzeitigem Ausscheiden eine anteilige Abfindung. Anspruch auf Lohn bestand nicht.
Ramona Kaminski müsste die nachfolgenden Aufgaben übernehmen: Alle üblichen Aufgaben in einem Haushalt. Mithilfe bei der Reviergestaltung. Betreuung der Jagdgäste. Auf Wunsch von Gustav Caspers müsste sie auch für den Beischlaf in unterschiedlichsten Formen zur Verfügung stehen.
Gustav Caspers sah die fragenden Augen von Ramona und erzählte weiter seine Vorstellungen. Es gäbe getrennte Schlaf- und Sanitärbereiche und ein Beischlaf fände nur statt, wenn er, Gustav Caspers, dies ausdrücklich wünsche. Hier waren für ihn Könige und Fürsten Vorbilder, auch diese Herrschaften bestellten sich ihre Gemahlinnen nur dann in ihr Bett, wenn ihnen danach war.
Ramona dachte an ein sorgenfreies Leben und die jagdlichen Möglichkeiten, die ihr erwachsen würden. Sie hatte ja schon reichlich sexuelle Erfahrungen gehabt und die hatten ihr nie eine Zukunftsperspektive gebracht, auch wenn sie sich das vor dem Verkehr erhofft hatte. Doch mit Gustav Caspers gab es schon gute Möglichkeiten der Zukunftsgestaltung, auch wenn sie dies mit körperlicher Liebe begleichen müsste. Sie war sich sehr sicher, dass sie diese Verbindung eingehen würde, denn was hatte sie schon zu verlieren? Vielleicht etwas von ihrem Selbstwertgefühl, weil sie sich ja mehr oder weniger verkaufen würde. In vielen Bereichen unserer Gesellschaft mussten Frauen ihre Karriere auch mit Sex bezahlen. Besetzungscouch war ein Begriff aus Film und Fernsehen, aber die taten doch das Gleiche, um Vorteile zu bekommen. Der Entschluss stand für Ramona Kaminski fest, sie würde es tun. Dies sagte sie auch Gustav Caspers. Er lud sie darauf hin zu einer gemeinsamen Bockjagd in die Heide ein, dabei wollte er ihr auch gleich Sautenholz zeigen, das Dorf, in dem die beiden später leben würden.
Es war Mitte Juli und die beiden trafen sich in einem Revier, in der Nähe eines großen Truppenübungsplatzes in Niedersachsen. Hier war Gustav Caspers Mitpächter eines kleinen Eigenjagdreviers. Für das Wochenende hatte er ein einfaches Doppelzimmer in dem Dorfgasthof bestellt.
Bevor sie zur Bockjagd gingen, bezogen sie das Zimmer. Es war nicht zeitgemäß eingerichtet und das Mobiliar hatte schon einige Generationen gesehen und mit Sicherheit so manchem Beischlaf quietschend beigewohnt. Beide stellten die Koffer ab und gingen noch kurz in das nachträglich eingebaute, kleine Bad.
Die Gewehre wurden geschultert und dann ging es mit viel Vorfreude ins Revier. Gustav und Ramona, man duzte sich bereits, befuhren einen typischen, sandigen Heideweg ins Revier. Nach einigen Heideflächen kam ein Kiefernwald. In dem kleinen Waldweg ließen sie den Audi A8 stehen und gingen zu Fuß weiter. Inmitten des Kiefernwaldes lag ein Wildacker. Eine offene Kanzel stand am Waldrand. Von oben hatte man einen wunderbaren Blick auf den Wildacker und den angrenzenden Wald.
Gustav und Ramona machten es sich auf dem Ansitzbrett bequem und suchten die Gegend mit ihren Ferngläsern nach Wild ab.
Vielversprechend war, dass sich am Waldrand ein Schmalreh zeigte. Es war Blattzeit, also die Brunft des Rehwildes. Mit etwas Glück würde sich wohl auch bald ein Bock zeigen. Leider tat sich heute nichts mehr. Das Schmalreh zupfte an den Blättern der Birke und naschte an einigen Gräsern, die auf dem Wildacker standen. Langsam schwand der Tag. Doch plötzlich tauchte am gegenüberliegenden Ende des Wildackers ein weiteres Reh auf. Ein Bock. Nicht kapital, aber eben ein Gabelbock, wohl so drei bis vier Jahre alt. Zum Schießen zu weit und es wurde auch immer dunkler.
Die beiden verließen den Ansitz und fuhren zurück in den Gasthof. Der Wirt hatte für die beiden Jäger eine kalte Platte und etwas zu trinken bereitgestellt. Nachdem die Jägersleute den Hunger und Durst gestillt hatten, gingen sie auf ihr Zimmer.
Nachdem Gustav für sich die rechte Betthälfte reklamiert hatte, wusste Ramona auch, wo sie schlafen würde. Noch hatte Gustav keine Ansprüche an Ramona, aber ihr war schon klar, dass sie es geschehen lassen würde, wenn er es wollte. Vorgesorgt hatte sie auch, Kondome waren in ihrer Tasche. Zunächst ging Ramona ins Bad und machte sich bettfertig. Sie zog nur ein dunkelgrünes Nachthemd an. Drunter trug sie nichts.
Als sie ins Zimmer zurückkam, ging Gustav ins Bad. Ramona legte sich ins Bett und platzierte ein Kondom griffbereit. XL hatte sie gewählt. Dann kam der Platzbock im Bademantel zurück.
„So, meine Liebe, es ist Rehbrunft. Wie findest du das?“
„Wunderbar“, säuselte Ramona und blickte ihn an.
Schwups, der Bademantel fiel zu Boden und Gustav stand in seiner ganzen männlichen Pracht vor dem Bett von Ramona. Er legte sich neben sie und begann mit dem Vorspiel. Er nahm ihre üppigen Brüste und knetete sie. Dabei stöhnte er und knetete und knetete. Ramona wusste gar nicht, wie ihr geschah. Was ist das? Was macht der da? Urlaub in der Backstube? Mal links rum, mal rechts rum.
„So, und nach dem Vorspiel der Hauptakt“, sagte Gustav und blähte die Nasenflügel, als ob er eine erotische Meisterleistung vollbracht hätte. Schnell hatte Ramona sich des Nachthemds entledigt und wartete jetzt auf den Geschlechtsakt. Gustav drehte sich zu ihr ins Bett und schon hatte Ramona seine Männlichkeit eingetütet. „Na ja“, dachte sie, „XL ist wohl doch sehr übertrieben, Small hätte es auch getan.“
