Ostroute - Roland Armbruster - E-Book

Ostroute E-Book

Roland Armbruster

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Beschreibung

Ostroute: Diese Geschichte erzählt von einem, kleinen rumänischen Kurierfahrer, einem Handwerker - und Gebrauchtwarenhändler und einem mittelständischen Unternehmer die alle drei, zunächst unbeabsichtigt, in die Machenschaften internationaler Syndikate und Geheimdienste verwickelt werden. Sie erzählt von einem ratlosen Kriminalkommissar, der letztlich von der großen Politik ausgebremst wird und von einem Politiker, der mehr zum Wohl seines Geldbeutels arbeitet als zum Wohl der Bürger. Die Geschichte konnte nur durch eine aktuelle, politische Situation, so geschrieben werden. Um welchen der vielen Konflikte es hierbei geht, sollte der Leser selbst herausfinden.

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Seitenzahl: 157

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Ostroute

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Kapitel 1:

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Impressum neobooks

Kapitel 1:

Kilometer für Kilometer rollte der Kleinbus samt großem Anhänger über die Autobahn Richtung Osten. Adrian Barbu, der Fahrer blickte auf die Uhr, er war gut vorangekommen in den letzten Stunden und die Autobahn vor ihm war nur wenig befahren. Es war eine gute Entscheidung am frühen Samstagmorgen loszufahren. Noch eine Stunde dann wollte er in der Nähe von Passau eine Pause einlegen. Es war noch ein weiter Weg bis ans Ziel.

Während der Kleinbus monoton über den heißen Asphalt rollte, hatte Adrian mal wieder Zeit über seine Arbeit nachzudenken, seine Tätigkeit als Fahrer für ein Bus – und Transportunternehmen aus Bukarest, welches sich darauf spezialisiert hatte, Menschen von und nach Deutschland zu bringen, die dort als sogenannte Saisonarbeiter oder Erntehelfer arbeiten. Mehrmals im Monat pendeln die Kleinbusse der Firma zwischen Bukarest, Timisoara und anderen rumänischen Städten und Süddeutschland, Adrians Touren führen ihn stets in die Nähe von Mannheim.

Dort steuert er die landwirtschaftlichen Betriebe und Bauernhöfe an, die außerhalb der Stadt auf beiden Seiten des Rheins liegen und wohin die Fahrgäste gebracht werden wollen. In diesen Betrieben arbeiten die Menschen dann ein paar Monate, bevor sie meist mit Adrians Bus wieder zurück in die Heimat fahren.

Es ärgerte ihn, dass er mit seinem Gespann nicht schneller als 80 km/h fahren konnte. Er hatte immer einen Anhänger an seinem Bus hängen, welcher für das Gepäck der Fahrgäste vorgesehen war. In seinem Bus hatten acht Personen Platz. Meistens aber hatte Adrian nicht mehr als drei bis fünf Fahrgäste und dann hat das Gepäck der Leute auch im Bus Platz, man müsste den Anhänger nicht mitführen. Er wollte eines Tages einen eigenen Bus zu besitzen und nicht mehr Angestellter zu sein. Dann würde er selbst bestimmen wie und wann er fuhr was und wen er transportierte. Ein eigener Bus, das war sein Traum, das war sein großes Ziel, dafür arbeitete er.

Doch Adrian tröstete sich damit, dass er durch den Umstand den Anhänger mitführen zu müssen auch zu einem kleinen Nebenjob gekommen war. Er transportierte gebrauchte und auch mal neue Elektrogeräte und andere Gegenstände, Pakete und Kisten von Deutschland nach Rumänien. Er tat das immer wenn es die Platzverhältnisse im dem Anhänger zuließen und das war in dieser Jahreszeit recht häufig der Fall.

Auch heute hatte Adrian wieder vier Elektrogeräte auf seinem Anhänger, zwei Waschmaschinen und zwei Trockner hatte ihm sein Bekannter Marius auf den Hänger geladen. Platz war ausreichend denn das Gepäck seiner drei Fahrgäste passte noch gut in den Bus, so dass im Anhänger genügend Platz war, für die Geräte die heute für Petru Ionescu bestimmt waren. Eigentlich brachte er fast alle Sachen die ihm Marius auf den Anhänger lud zu Petru. Dieser hatte in Bukarest ein Geschäft in welchem er diese Geräte weiterverkauft. Petru handelt eigentlich mit Allem was man brauchen kann und nützlich ist.

Manchmal kam es schon vor, dass einer seiner Fahrgäste ein gebrauchtes Gerät in Deutschland bei Marius erwarb, dieses wird dann ebenfalls mit dem Anhänger nach Bukarest gebracht.

Adrian kann die 30,- Euro die er pro Gerät von Marius bekommt gut gebrauchen denn wirklich gut bezahlt ist sein Job nicht und er muss seine Familie, die er viel zu wenig sieht, ernähren. Manchmal konnte er sogar ein paar Euro in sein Sparschweinstecken. Das Geld war für seinen Traum, dem Kauf eines eigenen Busses, vorgesehen.

Adrian lebt mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern etwas außerhalb von Bukarest in einer Dreizimmerwohnung. Noch waren seine Töchter klein, sie konnten sich ein Zimmer teilen aber Adrian dachte daran, dass sie sich bald eine neue, größere Wohnung suchen müssen. Er dachte daran, dass er mehr Miete zahlen müsse. Er war froh, dass seine Frau nebenbei ein paar Lei verdient, sie arbeitet stundenweise als Verkäuferin in einem Supermarkt. Mit seinem Lohn alleine wäre es kaum zu schaffen. Adrian wusste, dass er bei seinem Arbeitgeber keine Gehaltserhöhung bekommen würde.

All diese Gedanken gingen ihm durch den Kopf während sein Bus immer weiter Richtung Osten rollte. Adrian ahnte zu diesem Zeitpunkt nicht, dass die große Weltpolitik, von welcher er nicht viel verstand und die ihn auch kaum interessierte, bald dafür sorgen würde, dass er seine finanzielle Situation verbessern konnte.

Adrian hatte auch diesmal bei Marius Nagy übernachtet. Er fährt immer wenn er nach Deutschland kommt zu Marius. Dort kann er schlafen, sich erholen für die Rückfahrt, die er meist ein oder zwei Tage später antritt. Er macht dann noch Besorgungen, Marius ist ihm dabei behilflich denn Adrian versteht die deutsche Sprache nicht. Manchmal sammelt er schon das Gepäck seiner Fahrgäste ein. Manchmal sitzt er auch nur mit Marius zusammen am See. Marius ist ein leidenschaftlicher Angler.

Adrians dachte jetzt an Marius. Dieser war vor vielen Jahren mit seinen Eltern von Rumänien nach Deutschland übergesiedelt. Er betreibt in einer kleinen Ortschaft in der Südpfalz ein Geschäft, dort repariert er gebrauchte Elektrogeräte und veräußert diese dann weiter. Es sind überwiegend Waschmaschinen, Kühlschränke, Trockner u.a.

Marius hatte er vor ca. einem Jahr kennen gelernt. Damals wollte ein Fahrgast eine Waschmaschine mit nach Rumänen nehmen, musste diese vor der Fahrt aber erst im Geschäft von Marius abholen.

Marius hatte das ältere Haus in dem er lebt und die Werkstatt neben dem Haus, von seinen Eltern geerbt. Sein Vater hatte das Anwesen gekauft als er von Rumänien damals nach Deutschland gekommen ist. Er hatte dort eine kleine Autowerkstatt betrieben, Marius Vater hatte Automechaniker gelernt, damals, als man an den Fahrzeugen noch selbst etwas reparieren konnte und sie nicht an einen Computer angeschlossen hat um Fehler zu finden. Aber dann wurden die Fahrzeuge immer moderner und sein Vater älter. Irgendwann hat sein Vater die Werkstatt geschlossen. Adrian hatte kein Interesse daran die Autowerkstatt weiterzuführen. Er hatte eine Elektrikerlehre gemacht und schraubte lieber an Haushaltsgeräten herum als an Fahrzeugen. Da die Werkstatt leer stand fasste Marius den Entschluss eine Firma zu gründen und Haushaltsgeräte zu reparieren bzw. zu verkaufen.

Marius Eltern waren inzwischen verstorben. Er lebt nun alleine in dem großen Haus, er hat keine Familie und er vermisst auch keine, was Adrian nicht verstand. Marius war schon immer ein Einzelgänger. Er wollte „frei“ sein, wie er immer sagte. Er wollte tun und lassen was ihm gefällt und niemanden Rechenschaft ablegen oder Rücksicht nehmen zu müssen.

Sicher manchmal war er einsam aber meistens genoss Marius die Ruhe, deshalb saß er auch stundenlang am See und angelte. Und wenn er nicht am See war, war er unterwegs, half hier und dort aus um sich etwas dazu zu verdienen. Eine Familie? Nein dafür hätte Marius auch überhaupt keine Zeit.

Marius hatte einen Bekannten, der ihm stundenweise in seiner Werkstatt half. Einen fest angestellten Mitarbeiter konnte er sich nicht leisten, dafür warf die Firma zu wenig ab.

Die Geräte die Marius repariert und wieder verkauft holt er sich bei Privatpersonen oder Elektromärkte, die diese eigentlich als Elektroschrott entsorgen sollen. Nicht wenige von diesen runderneuerten Geräten verkauft Marius an die Menschen die als Saisonarbeiter und Erntehelfer tätig sind. Die Leute nehmen die Geräte dann mit in ihre Heimat. Aber Marius beliefert eben auch seinen Bekannten Petru in Bukarest mit solchen gebrauchten Geräten. Nebenbei arbeitet er auch noch für die landwirtschaftlichen Betriebe in der Südpfalz und auf der anderen Rheinseite im Badischen. Er repariert dort alles was so anfällt, ob in den Unterkünften der Arbeiter, Bewässerungsanlagen in den Feldern, Traktoren und andere Gerätschaften, er ist ein handwerkliches Allroundgenie. Durch seine Arbeit dort, akquiriert er wiederum unter den Arbeitern die Kunden für seine Geräte.

Inzwischen war Adrian an dem Rastplatz angekommen den er sich schon zuvor ausgesucht hatte. Kaum war er in den Parkplatz eingefahren wurde er auch schon von einer Polizeistreife angehalten. Was folgte war eine gründliche Kontrolle von Menschen und Gepäck. Das geschah öfters, hier kurz vor der Grenze nach Österreich, aber er hatte nie Probleme und auch diesmal waren die Beamten zufrieden. Ein kurzer Blick in die Kartons, die älteren Waschmaschinen und Trockner waren nicht wirklich relevant und so stand einem Kaffee und einem Stück Apfelkuchen für Adrian und seine Fahrgäste nichts mehr im Weg.

Adrian setzte sich abseits seiner Fahrgäste, er war etwas angespannt, denn als er vor drei Tagen nach Deutschland kam war so einiges anders als gewohnt. Bereits auf dem Weg dorthin hatte er einen Anruf seines Chefs bekommen, er müsse sich, nach seiner Ankunft in Mannheim bei der Polizei melden, dort habe man Fragen an ihn, betreffend eines Fahrgastes, der mit Adrian vor ca. sechs Monaten von Bukarest ebenfalls in die Nähe von Mannheim gefahren war.

Da Adrian kein deutsch sprach, hatte er Marius gebeten ihn zu begleiten, um ihm dort als Dolmetscher zu fungieren.

So hatte sich Adrian am Vortag bei der Polizei gemeldet. Dort hatte er erfahren, dass der Fahrgast um den es ging, einige Tage zuvor tot auf einem Feld eines der landwirtschaftlichen Betriebe aufgefunden wurde. Der Mann, so sagte der Polizeibeamte weiter, sei keines natürlichen Todes gestorben sondern hatte ein Loch in der Stirn, welches von einem Geschoß einer Pistole stammte. Adrian war schockiert. Er beantwortete die Fragen der Polizei so gut er konnte, aber es war nicht viel was er über den Fahrgast wusste.

Man hatte ihm ein Passfoto gezeigt. Er erkannte den Mann, ja er war mit ihm in seinem Bus nach Deutschland gekommen. Adrian erinnerte sich, dass der Mann sehr ruhig war. Er stieg in Bukarest in den Bus, nachdem er sein Ticket vorgelegt hatte, setzte sich in die hintere Reihe und zog seinen Kopfhörer auf mit welchem er wohl Musik hörte. Er sprach während der ganzen Fahrt nur wenige Worte, hielt sich abseits der anderen Fahrgäste. Er hörte entweder Musik oder er schlief. In der Nähe von Mannheim stieg er an der angegebenen Adresse, einem abgelegenen Aussiedlerhof aus, nahm sein Gepäck aus dem Anhänger und entfernte sich in Richtung des landwirtschaftlichen Betriebes, vor welchem Adrian angehalten hatte. Danach hatte er den Mann nicht mehr gesehen.

Den Namen des Mannes wusste Adrian nicht mehr aber er hatte damals ein Ticket vorgelegt und der Name in diesem Ticket stimmte mit seinem Ausweis überein. Wäre dies nicht der Fall gewesen, hätte Adrian ihn nicht mitgenommen.

Ob der Mann denn rumänisch sprach wollte der Polizeibeamte wissen. Adrian konnte das bestätigen, der Mann sprach zwar nicht viel aber die wenige Sätze die er redete, sprach er in rumänischer Sprache.

Adrian fragte nach was denn genau mit dem Fahrgast geschehen sei, aber der Polizeibeamte konnte oder wollte nicht weiter auf Einzelheiten eingehen.

Marius hatte offensichtlich schon irgendwas gewusst von der Sache. Als Adrian bei Marius nachfragte, sagte ihm dieser, dass er auch nur die Gerüchte gehört habe die aus dem Kreis seiner Kunden zu hören waren, er hätte sich aber nicht weiter mit der Sache beschäftigt.

Nun auf dem Rückweg dachte Adrian an die Geschichte. Wer weiß schon wen ich da alles mit meinem Bus herumfahre. Was war da wohl geschehen? Es blieben viele Fragen. Was Adrian nicht wusste – die Antworten darauf wären für ihn alles andere als beruhigend. Er ahnte nicht, dass er schon tief in einer Geschichte steckte, von der er erst viele Monate später erfahren wird. Auf alle Fälle musste er seinem Chef von der Sache berichten.

Kapitel 2

Rückblende. Ca. ein halbes Jahr vor diesen Tag als Adrian bei der Polizei saß, bestieg Teimuraz Kiaschwili das Flugzeug, welches ihn von Tiflis nach Bukarest bringen sollte. Teimuraz hatte einen „neuen“ rumänischen Pass, er hieß ab sofort Mihai Dumitru und war rumänischer Staatsbürger.

Die Sprache beherrschte er leidlich, schließlich war er jahrelang auf den Fähren und Frachtschiffen zwischen Constanta in Rumänien und Poti in Georgien hin und her gependelt, damals hatte er für die größte Logistikfirma, die neben zahlreichen Lkw auch eine Fähre und einen kleineres Frachtschiff betrieb, gearbeitet. Den Job hatte er bekommen, nachdem er mehrere Jahre wegen größerer und kleinerer Diebstähle im Gefängnis war.

Woher der Chef den rumänischen Pass hatte wusste Teimuraz nicht und es war ihm auch egal, lieber nicht zu viele Fragen stellen. Der Pass war wohl eine sehr gute Fälschung, denn die Einreise nach Rumänien verlief problemlos.

In Bukarest angekommen mietete sich Teimuraz alias Mihai Dumitru in einer billigen Pension ein und begab sich anschließend zu der Agentur, welche die Saisonarbeiter nach Deutschland vermittelt. Er bewarb sich dort und bat darum, wenn möglich eine Stelle in der Nähe von Karlsruhe oder Mannheim zu bekommen, dort würden schon einige Verwandte von Ihm arbeiten und er möchte sich diesen anschließen.

Schon wenige Tage später rief man ihn an, es gab eine Stelle für ihn. Es war Vorfrühling und in Deutschland begannen die Feldarbeiten auf den Höfen und landwirtschaftlichen Betrieben. Er holte die Unterlagen bei der Agentur ab und beschaffte sich ein Ticket für die Fahrt nach Mannheim.

Bevor die Fahrt losging rief er den Chef an, teilte ihm die Neuigkeiten mit. Er bekam eine Adresse und eine Telefonnummer, die er nach seiner Ankunft anrufen sollte. Er packte seine wenigen Sachen zusammen und achtete dabei insbesondere darauf, dass das Geschenkpaket, welches man ihm gegeben hatte, gut und sicher verpackt war. Er hatte es hier in Bukarest in einem Geschäft abgeholt. Die Anweisung hierzu hatte er bereits vor seiner Abreise in Tiflis bekommen und im Geschäft hatte man ihn schon erwartet.

Das Paket sollte er in Deutschland an seine Kontaktperson übergeben, es war ihm untersagt worden das Paket zu öffnen.

Teimuraz alias Mihai tat was man ihm aufgetragen hatte. Nachdem er am Ziel angekommen war, rief er die Nummer an die er vom Chef bekommen hatte. Ca. 30 Minuten später wurde er abgeholt. Der Mann der ihn abholte war wohl Rumäne der schon länger in Deutschland wohnte.

Mihai gab dem Mann noch das Geschenkpaket, welches er in Bukarest erhalten hatte.

Der Mann der ihn abgeholt hatte, brachte ihn danach nach Mannheim. Die Wohnung in welche er die nächsten Monate verbringen sollte, war eine kleine Hinterhofwohnung, eine Bruchbude. Dort wohnten schon zwei Männer die bereits auf das Eintreffen von Mihai warteten. Mit diesen sollte er die nächsten Monate zusammenarbeiten.

Mihai war enttäuscht von der Unterkunft und dem Leben, welches er ab nun führen sollte, aber er machte mit den beiden anderen Männern seine Arbeit. Sie bekamen Aufträge, direkt vom Chef dann gingen sie los.

Sie machten Einbrüche überall in Deutschland. Sie brachen in verschiedene Firmen ein, klauten alle möglichen elektronische und hydraulische Geräte und brachten diese dann zu ihrem Kontaktmann. Sie erhielten Anweisungen, Beschreibungen und Adressen von den Dingen die sie entwenden sollten, per Messengerdienst zugeschickt.

Mihai schätzte, dass er in die ersten drei Monaten, nachdem er in Deutschland angekommen war, mit den beiden anderen Männer, mindestens 15 – 20 dieser Einbrüche begangen hatte. Auch Einbrüche in Wohnhäuser hatten sie gemacht und das nicht zu wenige. Man hatte wertvollen Schmuck, Bargeld und Münzen entwendet. Manchmal auch hochwertigen Alkohol zum Eigenbedarf. Mal ein Laptop hier, mal ein Handy dort, all das ging nach Georgien.

Es waren die verschiedenste Dinge die sie aus den Lagerhallen und Räumen der Geschäfte holten, ein- zweimal waren es Pumpen und Ventile über von Bewässerungsanlagen in der Landwirtschaft eingesetzt wurden.

Drei – oder viermal waren sie in Lageräume von Firmen eingebrochen die mit medizinische Geräten handelte. Teimuraz erkannte Blutdruckmessgeräte und auch Geräte um Blutzucker zu messen, Refraktometer die für eine Augenklinik bestimmt waren. Einmal hatten sie Laborgeräte entwendet. Autoklaven und Mikroskope. Auch in ein Lager eine Firma die Geräte für Dentalmedizin herstellt und vertreibt. Sie nahmen hochwertige Zahnarztinstrumente mit und Mihai dachte während des Einbruchs daran, dass er auch mal wieder zum Zahnarzt müsste.

Seine beiden Mittäter waren Landsleute, sie hatten in Deutschland offiziell Asyl beantragt. Teimuraz wusste, dass die beiden schon in Georgien Straftaten begangen hatten. Der „Chef“ hatte sie, wie ihn auch, nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis eingestellt, allerdings hatten sie, im Gegensatz zu ihm den „Chef“ selbst nie gesehen.

Die beiden Männer wurden über das Sekretariat und die Personalverwaltung der Spedition bzw Reederei des Chefs betreut, sie wussten also nicht wer der Chef wirklich war. Die Männer arbeiteten zunächst im Hafen, halfen die Schiffe und Lkw zu be- und entladen. Sie mussten die Fahrzeuge reinigen und verrichteten Lagerarbeiten. Dann eines Tages hat sie der „Chef“ nach Deutschland bringen lassen. Sie sollten dort Aufträge ausführen, dass es sich hierbei um Einbrüche handelte war den Männern wohl schon vor der Abreise klar.

Die Unzufriedenheit bei Mihai wuchs von Woche zu Woche. Trotz der Arbeit hatte Mihai immer zu wenig Geld. Die Bezahlung für ihre „Arbeit“ war nicht üppig, und Deutschland war viel teurer als er angenommen hatte, seine Pläne, in ein paar Jahren ein ruhiges Leben am Schwarzen Meer führen zu können, würde sich mit diesem Verdienst nicht verwirklichen lassen.

Zunächst beginn er zusätzlich kleinere Diebstähle von welchen die beiden anderen nichts mitbekamen, aber das brachte ihm auch nicht das großes Geld, deshalb entschloss sich Mihai beim nächsten Kontakt mit dem Chef eine „Gehaltserhöhung“ zu fordern. Seine beiden „Mitarbeiter“ schloßen sich der Forderung nicht an. Na ja ich werde die Forderung auf alle Fälle stellen dachte sie Teimuraz. Es war eine törichte und tödliche Idee.

Als er eine Woche später bei einem Telefonat mit dem „Chef“ um eine Gehaltserhöhung bat, mit dem Hinweis, dass er sonst vielleicht zur Polizei gehen und dort einiges erzählen müsse, reagierte der Chef ganz anders als Mihai es erwartet hatte. Der Chef tobte nicht, nein er sagte zu, sich die Sache zu überlegen. Wenige Tage nach diesem Telefonat erhielt Mihai die Nachricht, dass der Chef in ein paar Wochen einen Mitarbeiter schicken würde, mit welchem Mihai dann über die Forderungen verhandeln könne. Der Mitarbeiter hätte eine Vollmacht um die Verhandlungen zu einem guten Ende zu bringen.

Dass beide jedoch verschiedene Vorstellungen davon hatten, was das gute Ende denn letztlich bedeutete, ahnte Teimuraz alias Mihai zu diesem Zeitpunkt nicht.

Mihai berichtete sofort seinen beiden Kumpels davon, diese wollten davon aber nichts wissen. Auch sie litten unter chronischem Geldmangel und auch sie versuchten mit kleineren Diebstählen etwas dazu zu verdienen.

Vier Wochen später erhielt Mihai einen Anruf, er wurde zwecks „Lohnverhandlungen“ am nächsten Tag, zu einer Adresse in der Nähe des Hafens beordert.

Am nächsten Tag ließ er sich von seinen zwei Kumpels zu dieser Adresse fahren. Eine alte halb verfallene Lagerhalle die wahrlich schon bessere Zeiten gesehen hatte. Der Betrieb war stillgelegt. Er war etwas zu früh, er ging in die Halle rein, deren Türen nicht mehr vorhanden waren.

Als er die Halle betrat war es das letzte Mal dass seine Kumpels ihn sahen.

Kapitel 3