Out of the Shallows - Herzsplitter (Deutsche Ausgabe) - Samantha Young - E-Book

Out of the Shallows - Herzsplitter (Deutsche Ausgabe) E-Book

Samantha Young

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Beschreibung

Die erste Liebe ist ein Geschenk. Aber hat sie auch eine Zukunft?
Lange haben Charley und Jake um ihre Liebe kämpfen müssen. Besonders Charley hat viel dafür aufgegeben: Ihre Familie vertraut ihr nicht mehr. Aber die Schwierigkeiten haben Jake und sie eng zusammengeschweißt. Bis ein schwerer Schicksalsschlag Charleys Familie zersplittert. Charley ist am Boden zerstört. Um ihre Familie zu schützen, will sie Jakes Liebe opfern und trifft eine schreckliche Entscheidung. Doch Jake will Charley auf keinen Fall aufgeben. Jetzt, da er endlich, weiß, was er will, ist er bereit, den Kampf um ihr Herz mit allen Mitteln zu führen …
Endlich Neues von Charley und Jake - dem Traumpaar aus »Into the Deep«!

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Das Buch

Endlich können Charley und Jake ihre Liebe leben. Trotz der Tragödie, die ihr Leben bisher überschattet hat, haben sie es geschafft, die Vergangenheit ruhen zu lassen und wieder zueinanderzufinden. Doch zusammenzukommen und zusammenzubleiben sind zwei verschiedene Dinge. Als Charley ein schwerer Schicksalsschlag trifft, stellt sie plötzlich alles in Frage. Sie glaubt, Jakes Liebe opfern zu müssen, um ihre Familie zu schützen.

Jake will Charley auf keinen Fall aufgeben. Er ist sich sicher, dass ihre gemeinsame Liebe auch das überstehen wird. Charley hat Zweifel. Die Ereignisse haben sie verändert. Sie ist sich nicht sicher, ob die Frau, die sie jetzt ist, Jake immer noch so sehr braucht wie das Mädchen, das sie einst war.

Die Autorin

Samantha Young wurde 1986 in Stirlingshire, Schottland, geboren. Seit ihrem Abschluss an der University of Edinburgh arbeitet sie als freie Autorin und hat bereits mehrere Jugendbuchserien veröffentlicht. Mit Dublin Street und London Road, ihren ersten beiden Romanen für Erwachsene, stürmt sie die internationalen Bestsellerlisten.

Homepage der Autorin: www.samanthayoungbooks.com

Von Samantha Young sind in unserem Hause bereits erschienen:

Into the Deep– Herzgeflüster

Out of the Shallows–Herzsplitter

Dublin Street– Gefährliche Sehnsucht

London Road– Geheime Leidenschaft

Jamaica Lane– Heimliche Liebe

Fountain Bridge– Verbotene Küsse (E-Book)

Castle Hill– Stürmische Überraschung (E-Book)

Samantha Young

Out of the Shallows

Herzsplitter

Roman

Aus dem Englischen von Silvia Kinkel

Ullstein

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ISBN 978-3-8437-0997-2

Deutsche Erstausgabe im Ullstein Taschenbuch © für die deutsche Ausgabe Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 2014 © 2014 Samantha Young Titel der Originalausgabe: Out of the Shallows Umschlaggestaltung: ZERO Werbeagentur, München Titelabbildung: © Vitaly Valua

Alle Rechte vorbehalten. Unbefugte Nutzungen, wie etwa Vervielfältigung, Verbreitung, Speicherung oder Übertragung können zivil- oder

Kapitel 1

Lanton, August 2013

Ein berauschender Blumenduft erfüllte den Raum und haftete an allem. Selbst nachdem ich meine Hände ein Dutzend Mal gewaschen hatte, rochen sie, als hätte ich sie in blumigem Parfüm gebadet.

»Das ist hübsch.«

»Ja, findest du?« Ich drehte mich von dem Arrangement aus roten Rosen und weißen Lilien weg und sah, wie Claudia darauf zeigte. »Ich glaube, ich habe endlich den Bogen raus.«

»Für wen sind die?«

»Für Hub, beziehungsweise für seine Frau. Die beiden haben fünfzehnten Hochzeitstag.«

Claudia nickte. »Ein Kerl wie ein Bär mit einem romantischen Herz, wie?«

Ich grinste.

Hub gehörte das Diner in meiner kleinen Heimatstadt Lanton, Indiana. Er war ein Riese mit struppigem Bart und einer ruppigen Art. Mir war klar, warum Auswärtige ihn einschüchternd fanden. Aber ich stimmte Claud zu. Hub hatte das Herz am rechten Fleck. »Hub hat die Bestellung vor über einem Monat aufgegeben. Er gehört nicht zu den Männern, die den Hochzeitstag vergessen.«

Meine Freundin lächelte und zeigte dann hinter sich ins Schaufenster. »Ich habe das Schaufenster neu dekoriert, so wie du es wolltest.«

Delia’s gehörte meiner Mutter und war das einzige Blumengeschäft in der Stadt. Und obwohl Lanton nicht gerade riesig war, hatte sie gut zu tun. Im Hinterzimmer und im Keller, wo ich die Blumensträuße band, hatte sich Schimmel gebildet. Meine Eltern hatten den Laden vorübergehend schließen und viel Geld ausgeben müssen, das sie gar nicht besaßen, um das Problem zu beseitigen. Aber jetzt war alles wieder in Ordnung.

Wenn ich doch nur auch hundertprozentig sicher hätte sein können, dass mit meiner Mom, der echten Delia, auch alles in Ordnung war.

»Danke. Ich bin so froh, dass du hier bist. Das kann ich dir gar nicht oft genug sagen.« Nachdem Claudias Auslandsjahr an der Universität von Edinburgh vorbei gewesen war, war sie mit Sack und Pack zurück in die Staaten gekommen und bei meinen Eltern und mir eingezogen. Sie war den ganzen Sommer über geblieben und half uns durch eine der schwersten Zeiten, die unsere Familie je durchstehen musste.

»Du solltest trotzdem damit aufhören. Sonst muss ich dich mit Gewalt zum Schweigen bringen.«

Ich grinste. »Okay.«

Claudia sah sich stirnrunzelnd im Laden um. »Wo steckt Delia Mom eigentlich?«

Mom war auf dem Friedhof, wie so oft in letzter Zeit. Ich beugte mich über den Blumenstrauß und murmelte: »Na, wo schon?«

»Verstehe.« Claudia seufzte. »Übrigens hat mich Lowe heute Morgen angerufen.«

Ich antwortete nicht.

»Er hat versucht, dich zu erreichen.«

Ich zuckte gespielt gleichgültig mit den Schultern und antwortete: »Ich weiß. Aber … ich habe noch nicht mit Jake gesprochen, und dann finde ich es nicht richtig, mit Lowe zu reden.«

»Lowe ist dein Freund.«

»Nein, Lowe ist Jakes Freund. Und ich habe Jake schon genug wehgetan. Ich kann mich schlecht weigern, mit ihm zu reden, und mich stattdessen seinem besten Freund anvertrauen.«

Ich langte nach weiterem Bindegrün, aber Claudias Hand legte sich auf meine und hielt mich zurück. »Der Strauß ist fertig.«

Ich wandte mich ihr zu und sagte: »Kann es sein, dass du reden willst?«

»Charley, in einer Woche geht die Uni wieder los. Bist du bereit dafür?«

»Nein. Aber ich gebe mir Mühe.«

»Wir ziehen in unser altes Apartment, und da wir jetzt im Hauptstudium sind, haben wir künftig jede Menge Arbeit. Du wirst auch Alex wiedersehen. Das wird dir guttun.«

Ich schaute zur Seite und nagte an meiner Unterlippe. Nachdem ich einen Moment geschwiegen hatte, sagte ich leise: »Glaubst du wirklich, ich kann die beiden schon allein lassen? Mom geht immer noch jeden Tag zum Friedhof und Dad … ist nach wie vor sauer auf mich.«

Claudias Augen waren voller Mitgefühl, aber ich sah auch die Entschlossenheit darin. »Delia mag zwar jeden Tag auf den Friedhof gehen, aber das heißt nicht, dass sie nicht klarkommt. Es geht ihr schon sehr viel besser, Charley. Sie schafft es jetzt allein. Und Jim … Er liebt dich. Er wird einlenken, sobald du es auch tust.«

»Lass es«, warnte ich sie. Über dieses Thema wollte ich auf keinen Fall reden.

Kapitulierend hob sie die Hände. »Schön. Aber hast du vor, jemals wieder mit Jake zu reden?«

Ich blickte sie finster an. »Was soll das werden? Heute ärgern wir Charley?«

»Nein. Aber es wird Zeit, zur Normalität zurückzukehren und die Entscheidungen umzusetzen, die du während der vergangenen Monate getroffen hast. Zum Beispiel, was einen gewissen Jacob Caplin betrifft.«

Ein vertrauter Schmerz schnitt durch meine Brust, aber ich weigerte mich, ihn anzunehmen. Stattdessen schob ich mich an Claud vorbei, schnappte mir den Besen und begann, das Hinterzimmer zu kehren. »Nein, ich habe nicht vor, jemals wieder mit Jake zu reden. Es ist vorbei. Lassen wir es dabei bewenden.«

Claudia sog hörbar die Luft ein. »Du lässt ihn also einfach in der Luft hängen? Und er zerbricht sich den Kopf, was eigentlich schiefgelaufen ist.« Sie klang entsetzt.

Schuldgefühle stürmten auf mich ein. Ich stieß sie energisch zur Seite. »Wir haben einander zu sehr verletzt. Wie sollten wir das je überwinden?«

»Ihr könntet es versuchen.«

»So wie du es mit Beck versuchst?«

Sie zog die perfekt gezupften Brauen zusammen. »Das ist etwas völlig anderes.«

»Claudia…«

»Aber ich hör ja schon auf. Vorerst.«

Irgendwann in meinem Leben müssen die Leute einen falschen Eindruck von mir bekommen haben. Besser gesagt, muss ich einen falschen Eindruck von mir bekommen haben. Ich weiß nicht, ob es zu der Zeit war, als ich meine Schwester von der Straße stieß und davor bewahrte, überfahren zu werden. Stattdessen erwischte es mich und brachte mir den Spitznamen Supergirl ein. Vielleicht liegt es aber auch an meiner großspurigen Art.

Wie auch immer, jedenfalls halten mich die Leute für eine furchtlose, mutige, unabhängige junge Frau, der es scheißegal ist, was andere denken.

Was andere denken, geht mir tatsächlich am Arsch vorbei.

Nicht egal ist mir aber, was meine Eltern über mich denken. Und ich habe Angst davor, die beiden zu verlieren.

Also nicht furchtlos. Nicht mutig. Und vermutlich längst nicht so unabhängig, wie ich sein sollte.

Wenn du ein Kind bist, ist dein ganzes Glück an deine Eltern gekoppelt. Eine Umarmung von ihnen, ein Kuss auf die Stirn, ein Huckepackritt, ihr Lachen, ihre freundlichen Worte, ihre Zuneigung, ihre Liebe … das lindert ein aufgeschlagenes Knie oder die Beschimpfung durch einen Klassenkameraden oder den Tod des geliebten Haustiers. Solange ich wusste, dass meine Eltern mich liebten, ich sie stolz machte und ihren Respekt besaß, ging es mir gut. Erstaunlich, wie leicht es für Eltern ist, dir den Eindruck zu vermitteln, du seist immer noch ein kleines Kind.

Und genauso fühlte ich mich in meiner Familie jetzt schon seit Monaten … wie ein Kind, das sich nach der Liebe und dem Respekt der Eltern sehnt. In letzter Zeit – genauer gesagt während der vergangenen Monate– schienen sie jedoch nur noch von mir enttäuscht zu sein. Vor allem mein Dad.

Als Mom vom Friedhof zurückkehrte, half sie Claudia und mir, den Laden für heute dichtzumachen. Anschließend gingen wir nach Hause und bereiteten das Abendessen zu. Meinem Dad gehörte eine Autowerkstatt. Er kam kurze Zeit später, und schon bald saßen wir alle zusammen beim Abendessen.

Eine vertraute Stille legte sich über uns.

Das Klappern von Besteck auf den Tellern, Klirren von Gläsern, Rascheln der Servietten und Knuspern von Brot betonte diese Stille nur noch.

Ich war überrascht, als Dad fragte: »Hast du noch mal darüber nachgedacht, diese Prüfung zu machen, um an der juristischen Fakultät aufgenommen zu werden?«

Ich blickte zu Claudia, die mich erstaunt ansah, und schockte sie mit meiner Antwort. »Ich werde den Test im Herbst machen, Dad.«

Claudia fielen fast die Augen aus dem Kopf. »Echt?«

Sie hatte die Prüfung bereits im Juni bestanden, nahm jedoch an, dass ich das Jurastudium abgehakt hätte.

Die Blicke meiner Eltern brannten mir auf den Wangen. Ich nickte. »Ja. Wenn ich den Test noch rechtzeitig mache, damit die Ergebnisse im Februar vorliegen, kann ich nächstes Jahr im Herbst mit dem Jurastudium anfangen.«

»Freut mich zu hören. Claudia wird dir sicher beim Lernen helfen«, sagte Dad.

Zum ersten Mal seit langem trafen sich unsere Blicke, und Dads Augen glänzten liebevoll. Er war hoch zufrieden. Für ihn traf ich die richtige Entscheidung.

Ich selbst wusste allerdings nicht, ob ein Jurastudium die richtige Entscheidung war. Lieber hätte ich mich an der Polizeiakademie beworben. Vermutlich hatte ich Claudia deshalb nichts von meinem Entschluss erzählt– ich wollte nicht, dass sie es mir ausredete. In Wahrheit hatte ich mich nämlich für Jura entschieden, weil ich glaubte, es sei für meine Familie das Beste.

»Ich bin auch froh.« Mom lächelte mich an, und in ihren Augen schimmerten Tränen.

Ja, in jedem Fall war es die beste Entscheidung für meine Familie.

Es verschaffte ihnen Seelenfrieden, und den brauchten sie dringender als ich ein Leben als Cop.

Claudia fragte heldenhaft: »Bist du sicher, dass es das ist, was du willst, Charley?«

»Natürlich.« Ich schenkte ihr ein knappes Lächeln.

Beim Rest des Abendessens war die Stimmung nicht mehr so unbehaglich wie normalerweise. Mom und Dad unterhielten sich sogar, und als ich Mom beim Aufräumen helfen wollte, scheuchte sie mich nicht wie sonst weg, sondern ließ mich machen.

Ich folgte ihr in die Küche und stapelte die Teller neben dem Mülleimer auf der Spüle. Während ich die Reste abkratzte, sagte sie: »Ich bin stolz auf deine Entscheidung, Charlotte.«

Ich sah zu ihr. »Ja?«

Sie lächelte, und ihr Blick trübte sich. Das tat er momentan oft. Mom hatte nie schnell geweint, bis … nun ja, bis … Jetzt kamen ihr bei jeder Kleinigkeit die Tränen. »Ich muss zugeben, dass mich dieser Gedanke während der letzten Monate sehr beschäftigt hat– dass du nach deinem Abschluss auf die Polizeiakademie gehst. Dass du bei der Polizei anfängst. Natürlich weiß ich, wie gut du selbst auf dich aufpassen kannst. Nachdem du Andie damals vor Finnegans SUV gerettet hast, habe ich mir natürlich Sorgen gemacht, aber nur, bis ich dich sah. Als wir im Krankenhaus in dein Zimmer kamen, steckte dein Bein in einem Gips, du warst mit Schrammen übersät und hast uns angegrinst. Übermütig wie immer. Andie wäre nicht so gelassen damit umgegangen. Sie war auch so schon ein Nervenbündel und ist dir wochenlang auf Schritt und Tritt gefolgt. Das hat dich verrückt gemacht.«

Plötzlich spürte ich einen Kloß im Hals und wandte mich ab, um ihn an den aufsteigenden Tränen vorbei hinunterzuschlucken. »Ich erinnere mich«, flüsterte ich.

»Ich wollte nicht, dass du Cop wirst. Aber bis zu diesem Sommer hatte ich ein schlechtes Gewissen, dich zu bedrängen, es nicht zu tun. Ich hasse jedoch die Vorstellung, den Rest meines Lebens auf einen Anruf mitten in der Nacht zu warten, bei dem mir gesagt wird, dass meine Tochter bei einem Einsatz ums Leben gekommen ist. Aber noch weniger wollte ich, dass mein Kind es mir übel nimmt, es von seinem Traum abgehalten zu haben. Es nicht unterstützt zu haben. Aber dann … Andie …« Sie drückte sich von der Arbeitsplatte ab und kam auf mich zu. Dicht vor mir blieb sie stehen und nahm meine Hand. »Natürlich ist es egoistisch von mir, dich zu bitten, nicht auf die Polizeiakademie zu gehen. Das ist mir klar. Ich weiß nicht, ob du wirklich Jura studieren möchtest oder es nur Dad und mir zuliebe tust. Wenn ich stärker wäre, würde ich sagen: ›Erfüll dir deinen Traum. Tu es.‹ Aber ich bin nicht stark. Ich bin froh, dass du dich nicht an der Akademie bewirbst. Tut mir leid, aber das ist die Wahrheit. Bitte hasse mich nicht dafür.«

»Ich verstehe das. Und genau deshalb hasse ich dich nicht.«

»Aber möchtest du wirklich Anwältin werden? Du musst es nicht.«

Ich lächelte schief. »Ich kann Dad nicht das geben, was er sich wirklich wünscht. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich ihn enttäuscht…«

»Charley…«

»Nein, Mom, du weißt, dass ich recht habe. Ich wünschte auch, ich wäre stärker. Aber das bin ich nicht, deshalb gebe ich ihm das, wozu ich im Moment in der Lage bin. Er wollte immer, dass ich Anwältin werde, also mache ich die Aufnahmeprüfung für die juristische Fakultät.«

Mom packte meine Hand noch fester. »Eines Tages werden wir wieder wir selbst sein.«

Wie sehr ich das hoffte! Ich vermisste meinen Dad, und vor allem vermisste ich Andie.

Tränen liefen mir über die Wangen. Ich wandte mich ab, konzentrierte mich auf das Geschirr. Mom ließ mich in Ruhe.

Noch während ich sie aus der Küche gehen hörte, summte das Handy in meiner Hosentasche. Als ich den Namen auf dem Display sah, zog sich mein Magen zusammen.

Ein weiterer verpasster Anruf von Jake.

Einer pro Tag, seit ich aus Edinburgh zurück war.

Zuverlässig wie ein Uhrwerk kam die Nachricht.

Du weißt ja, was ich…

Obwohl ich nie auf seine Anrufe reagierte, versuchte Jake es weiter, hoffte, dass ich meine Meinung irgendwann ändern würde. Als ihm vor sechs Wochen klar wurde, dass ich seine Anrufe und Nachrichten nicht beantworten würde, bat er mich, ihn wenigstens wissen zu lassen, ob es mir gutging. Das habe ich getan. Und seither wollte er jeden Tag wenigstens das wissen.

Ich wischte mir die Tränen weg und schrieb:

Es geht mir gut.

Ich fragte ihn nie, wie sein Befinden war. Auf mir lastete so viel Schuld, dass ich Jake feige aus dem Weg ging. Ich hatte ihm wehgetan. Das wusste ich. Aber ich wollte es ihn nicht sagen hören.

Ich schob das Handy zurück in die Hosentasche und dachte darüber nach, was für eine Ironie das doch war. Erst wenige Monate zuvor ließ ich zu, dass er sich den Arsch aufriss, um wiedergutzumachen, auf welche Art er sich mit siebzehn von mir getrennt hatte. Mehr als vier Jahre danach tat ich ihm genauso weh. Dabei hatte ich mir geschworen, niemals jemanden so zu verletzen, wie Jake mich verletzt hatte.

Was wenige Monate doch ausmachen können.

Kapitel 2

Edinburgh, Februar 2013

»…du gegen mein brachliegendes Herz. Von mir bekommst du kein Mitleid, mein Freund. Ich habe dich im seichten Gewässer verloren…«

Zwanzig Minuten lang hatte ich erfolgreich an meinem Referat gearbeitet. Der Laptop stand aufgeklappt vor mir auf dem Tisch, das Bier daneben. Um mich herum saßen meine Freunde und lauschten der Indie-Rockband The Stolen.

Wir waren im Milk. Die Bar befand sich an der Cowgate, einer Straße in jenem Stadtteil von Edinburgh, wo meine amerikanischen Kommilitonen und ich während unseres Auslandsjahrs an der Universität von Edinburgh wohnten.

Glücklicherweise war ich die Art Mädchen, die eine Live-Rockband und ein lärmendes Publikum ausblenden konnte, um die am nächsten Tag fällige Hausarbeit fertigzumachen. Diese hier hatte ich ganz vergessen. Natürlich hätte ich auch in unserem Apartment bleiben können, wo mich allerdings eine höchst unangenehme Aufgabe erwartete, also verbrachte ich dort so wenig Zeit wie möglich.

Sich in der Bar zu konzentrieren war kein Problem, bis mein Lowe, der Leadsänger der Band, meinen Lieblingssong »Lonely Boy« anstimmte. Als ich dieses Lied vor einigen Monaten bei ihrem ersten Auftritt in Schottland hörte, schlug es sofort eine Saite in mir an.

Ich löste den Blick vom Laptop und schaute hoch zu der kleinen Bühne. Lowe, ein cooler Musiker mit Tattoos, Lippenring und zerzaustem dunklem Haar, sah meine Reaktion und lächelte mich über die randlosen Brillengläser hinweg an.

Ich lächelte matt zurück, nahm mein Bier und hörte mir den Song an.

Lowe hatte uns erzählt, dass er nie ehrlicher war als beim Schreiben von Songs. Daraufhin hatte mein Freund Jake gescherzt, ich solle doch mal einen Song für ihn schreiben. Das fand ich gar nicht lustig, denn ich war ihm gegenüber tatsächlich nicht ganz ehrlich. Ich verbarg einen Teil von mir vor ihm. Der heutige Abend musste für uns ein Schritt nach vorn werden– für mich ein Riesenschritt, aber einer, den ich für nötig hielt, wenn unsere Beziehung eine Chance haben sollte.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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