Partei zum Selbstzweck? - Markus Vogtenhuber - E-Book

Partei zum Selbstzweck? E-Book

Markus Vogtenhuber

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Beschreibung

Bachelorarbeit aus dem Jahr 2011 im Fachbereich Politik - Politische Systeme allgemein und im Vergleich, Note: 2, Universität Salzburg (Politikwissenschaft und Soziologie), Veranstaltung: Österreichische Politik, Sprache: Deutsch, Abstract: >Im Zentrum der vorliegenden Arbeit stehen die Sozialdemokratische Partei Österreichs und der gesellschaftliche Kontext in dem sie eingebettet ist. >Die Analyse bezieht sich hauptsächlich auf die Entwicklung der Sozialdemokratie in der Zweiten Republik, wobei entsprechend der Datenlage und der unterschiedlichen Wichtigkeit gewisser Entwicklungen hier verschiedene Schwerpunkte gesetzt wurden. Aufgrund der Darstellung eines geschichtlichen Kontexts blieb es außerdem unumgänglich, auch die Frühzeit der SPÖ (K.K. Monarchie, Erste Republik) in geeigneter Form zu berücksichtigen. Der Zeitraum nach der NRW im Jahr 1999 wird nur noch überblicksartig anhand eines kurzen Resümees des Istzustandes und eines Ausblicks auf aktuelle Wandlungsprozesse, behandelt. Grund dafür ist einerseits, dass durch die Angelobung der ÖVP-FPÖ Koalition im Jahr 2000 die Eckpfeiler des politischen Systems der zweiten Republik grundlegend verändert wurden und eine isolierte Betrachtung der bis 2006 oppositionellen SPÖ daher wenig Sinn macht. Andererseits ist die „historische Partei“ mit „gesellschaftlichem Auftrag“ spätestens seit der 99er Wahl, welche drei annähernd gleichstarke Parteien hervorgebracht hatte, Vergangenheit.

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Veröffentlichungsjahr: 2012

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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung.
Vorwort - Danksagung
Wurzeln der SPÖ. Die Arbeiterbewegung 1830-1945
Problemstellung und Relevanz des Themas
Forschungsleitende Fragestellung und ergänzende Fragen.
Abgrenzung der Forschung
2. Hauptteil
Theorie und zentrale Begriffe - Gesellschaftlicher Wandel
Theorie und zentrale Begriffe - Parteiinterne Wandlungsprozesse
3. SPÖ - elektorale Verluste in Gegenwart gesellschaftlicher und parteiinterner
Phase 1 - konsensualer Aufstieg 1945-1970
Phase 2 - Das goldene Zeitalter 1970-1983
Phase 3 - Krise und Selbstzweifel. 80er/ 90er
Phase 4 - ab 2000: Resümee zu Iststand und Reformtendenzen.
Zusammenfassung - Nachkriegsentwicklung der SPÖ in 4 Phasen
4. Beantwortung der Fragestellung
5. Anhang/ Abkürzungsverzeichnis
6. Anhang/ Literatur- und Quellenverzeichnis

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1. Einleitung.

Vorwort - Danksagung

Um einleitend ein paar Worten verlustig zu werden, möchte ich die Gelegenheit nutzen, mich bei all jenen zu bedanken, welche es ermöglicht haben, mit dieser Arbeit meine ersten wissenschaftlichen Gehversuche mit dem ebenso wohlklingenden wie ungewohnten Titel „Bachelor“ zu adeln.

Meinen Eltern Marianna und Ernst möchte ich dafür danken, dass sie über weite Strecken Geduld zu bewahren wussten, meißt schon nach kurzem Kampf wegfallende staatliche Leistungen, bereitwillig aus eigener Tasche ersetzten. Ohne ihre ideelle und finanzielle Unterstützung wäre es mir nicht möglich gewesen dieses Ziel zu erreichen - Das hier ist „nur“ der Bachelor, ich zähle weiter auf euch ;)

Meinem Bruder Stefan möchte ich dafür danken, dass er mir an einer ganz entscheidenden Stelle meines Lebensweges einen Schubs in die richtige Richtung verlieh und verhinderte, mich an der Polytechnischen Schule anzumelden - Danke Steff, ist ja gerade noch mal gut gegangen!

Meinem Bruder Daniel danke ich für viele Möglichkeiten mir nötiges Kleingeld zu verdienen - Autoputzen liegt jetzt wieder in deinen Händen.

Meinen Haustieren Waub, Hu, Spru, Backi, Stupsi, danke ich für viele aufmunternde Stunden und Assistenz beim Lernen.

Meinem Bachelorarbeits-Betreuer Mag. Dr. Eric Miklin, möchte ich sehr herzlich für die kompetenten Ratschläge und die geleistete Unterstützung danken. Ich bin froh, Ihr Seminar zur Erstellung dieser Arbeit gewählt zu haben.

Mein allergrößter Dank jedoch gilt meiner Freundin und Kollegin Daniela, welche mit mir gemeinsam dieses Studium bestritt. Ich danke ihr für 7 Semester PLUS Online Management, für unzählige Stunden der Diskussion und des gemeinsamen Lernens. Und natürlich danke ich ihr ganz besonders dafür, dass sie so ist, wie sie ist. - Ohne dich hätte ich es garantiert nicht geschafft!

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Wurzeln der SPÖ. Die Arbeiterbewegung 1830-1945

WURZELN.Die Wurzeln der Arbeiterbewegung reichen bis in die 30er Jahre des 19. Jahrhunderts zurück und sind unweigerlich mit Zäsuren der technischen Entwicklung, wie der Erfindung der Dampfmaschine, verbunden. Als Basis der industriellen Revolution änderte sich mit diesen neuen Technologien buchstäblich alles. Alte Hierarchien wurden durchbrochen, Privilegien des Adels und letzte Überbleibsel feudaler Strukturen als Fortschrittshemmnisse identifiziert und dadurch zunehmend obsolet. Die rapide Transformation alter Agrarwirtschaften zu damals modernen Industriestaaten, konnte jedoch nicht ausschließlich mit Kohle und Dampf alleine erreicht werden. Der große Bedarf an vor allem ungelernten und billigen Arbeitskräften, für die wachsende Zahl an Fabriken, führte zur Entwicklung einer neuen „Klasse“. Das Industrieproletariat bildete dabei die Talsohle der gesellschaftlichen Hierarchie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Für die Verbesserung der Lebensbedingungen der Arbeiterklasse von entscheidender Bedeutung war das Staatsgrundgesetz von 1867, welches das Vereins- und Versammlungsrecht garantierte. In daraufhin gegründeten Arbeiterbildungs- und Unterstützungsvereinen fand die Arbeiterschaft ihre ersten spezifischen Institutionen und trieb darüber vor allem die Identitätsfindung im Sinne des „Klassenbewusstseins“ voran. Das aktive politische Tätigwerden, um abseits von Selbsthilfe die Situation der Arbeiterklasse zu verbessern, fand bereits ab 1868 statt. Im Mai dieses Jahres wurde das „Manifest an das arbeitende Volk Österreichs“ erlassen. Wobei die Formulierung „an das arbeitende Volk…“ hier schon nahe legt, dass es sich damals noch keineswegs um die geeinte Vertretung aller Arbeiter des Habsburger Reiches gehandelt hat. (vgl. Ucakar 2006, 322; Leser 2008, 18f)

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Noch im August des selben Jahres, wurde zudem der Entwurf eines Sozialdemokratischen Programmes angenommen, der im Wesentlichen alle damals möglichen politischen Forderungen beinhielt. So verlangte man die Einführung des allgemeinen Wahlrechts, des Koalitionsrechts und der Pressefreiheit und verlieh den Forderungen v.a. mittels Demonstrationen Ausdruck. (vgl. Ucakar 2006, 322; Leser 2008, 18f) Nach weiteren Errungenschaften und Zugeständnissen an die sich konstituierende Klasse, kam es 1874 im Burgenländischen Neudörfl zur Gründung der „Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Österreichs“. Die neue Partei, welche noch nicht alle Strömungen der Arbeiterbewegung hinter sich wusste, war der einstweilige Höhepunkt der politisch organisierten Arbeiterschaft und hatte zunehmend mit erhöhter Aufmerksamkeit und damit mit Repressalien von Seiten des Staates zu kämpfen. Die internen Schwierigkeiten des Vielvölkerstaates sorgten jedoch mitunter dafür, dass diese Abwehrmaßnahmen die Parteiwerdung und -festigung allenfalls verzögern konnten (vgl. Vajda 1980, 534; Leser 2008, 19).

HAINFELD 1888.Am Parteitag in Hainfeld (NÖ) gelang es dem Wiener Armenarzt Viktor Adler, den radikalen und den gemäßigten Flügel der Arbeiterbewegung zu einen, wodurch das Datum heute als das eigentliche Gründungsjahr der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Österreichs gilt. Adler betitelte das Ereignis in einem Rückblick als „Bethlehem des österreichischen Sozialismus“ und impliziert damit eine, über die, eines bloßen Zweckbündnisses hinausgehende, Bedeutung. (vgl. Leser 2008, 20). Mit der Gründung dieser „beachtlichen politischen Kraft die man nicht mehr übersehen und überhören konnte“ (Vajda 1980, 534), hatte sich die Arbeiterbewegung emanzipiert und eine wirkungsvolle politische Vertretung - heute würde man sagen, eine Lobbygeschaffen.

Im Hainfelder Programm wurden die Ziele der Partei klar definiert, sowie entsprechende Visionen für die, sie konstituierende Klasse der Arbeiter, kleinen Händler und Handwerker. So sollte„das gesamte Volk ohne Unterschied der Nation, der Rasse und des Geschlechts (…) aus den Fesseln der ökonomischen Abhängigkeit, (…) der politischen Rechtlosigkeit und (…) der geistigen Verkümmerung befreit werden“und im Speziellen das Proletariat politisch organisiert, mit Bewusstsein seiner Lage und Aufgaben, geistig und physisch kampffähig gemacht und erhalten werden. (vgl. Hainfelder Programm 1888/89 in: Ucakar 2006, 323).

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NATIONALITÄTENFRAGE und WELTKRIEG.In der Zeit zwischen ihrer Gründung und der ultimativen Katastrophe in Form des Weltkrieges, konnte die Partei eines ihrer wichtigsten Anliegen, das allgemeine Wahlrecht (für Männer), erkämpfen und damit den politischen Einfluss der unteren gesellschaftlichen Schichten sicherstellen. Auf die, zur Jahrhundertwende besonders virulente, Nationalitätenfrage vermochte jedoch auch die Sozialdemokratie ebenso wenig eine befriedigende Antwort zu geben, wie auf die Umsetzung des Zieles vom „ewigen Frieden“ (vgl. Ucakar 2006, 232; Leser 2008, 28ff, 34). Im Bereich dieser beiden zentralen Probleme kam die Sozialdemokratie nicht über das Stadium der Formulierung wohlklingender Worte und vager Absichtserklärungen hinaus. Vielmehr noch hatte sie selbst mit nationalistisch motivierten Abspaltungen zu kämpfen und verlor sich mit dem populistischen Schwenk zur Unterstützung des Krieges und des Nationalismus ein Stück weit selbst. Trotz dieser Probleme blieb die Partei auch in den Kriegsjahren handlungsfähig.

ZWISCHENKRIEGSZEIT.Nach dem Zusammenbruch des Habsburger Reiches übernahm die SDAP (Sozialdemokratische Arbeiterpartei) die Aufgabe, den Aufbau eines neuen Staates an führender Position mitzutragen und für parlamentarische Kontinuität zu sorgen. Sie bildete gemeinsam mit der konservativen Christlich-Sozialen Partei eine Koalitionsregierung und konnte von 1918-1920 eine Reihe bedeutender sozialpolitischer Maßnahmen umsetzen. Dazu zählten etwa der Acht-Stunden-Tag, die Invaliden- und Arbeitslosenunterstützung, die Einführung des bezahlten Urlaubs und die Errichtung von Vertretungskörperschaften für Arbeiter und Angestellte. (vgl. Ucakar 2006, 323).

Durch den damals geübten „Verbalradikalismus“ und der Überzeugung eines Großteils der Parteieliten in die Unumstößlichkeit einer Marxistischen Doktrin, brachte sich die Sozialdemokratie jedoch zu einem guten Teil selbst um die Honorierung ihrer Errungenschaften, was durch die Skepsis des Bürgertums nochmals verstärkt wurde. Auch die Entscheidung ab 1920 in die Oppositionsrolle zu wechseln entsprang dieser doktrinären Auffassung von Politik - prominent, allen voran vertreten durch Otto Bauer.