Personenkontrolle - Thomas Gsella - E-Book

Personenkontrolle E-Book

Thomas Gsella

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12,99 €

Beschreibung

Die reimlyrische Personenkontrolle vergleicht Äußerungen und Taten großer Leute mit den Werten des humanistischen Abendlands und überprüft Berechtigungen: Darf dieser Mensch Aufsichtsratsvorsitzender sein? Schlagerqueen? Gesundheitsminister? Leute von heute in lichten Gedichten: Das hat uns gerade noch gefehlt! Im öffentlichen Leben wimmelt es von Leuten mit öffentlichen Aufgaben und öffentlicher Wirksamkeit, und nur wenigen dieser Leute sind diese Attribute unlieb. Die allermeisten genießen es. Sie suchen die Öffentlichkeit, weil sie gesehen, gehört und gelesen werden möchten und es gelingt ihnen: Sie fallen auf. Wenn auch nicht immer angenehm. Kollegah und Farid Bang Zwei Hochbegabte sehen wir. Ihr Hirn ist grad am Laden. Auch ihr Problem verstehen wir: Wer zu viel denkt, nimmt Schaden. Dann wird die Birne viel zu warm. Und wenn sie erst mal voll ist, Dann rutscht sie in den Oberarm, Was auch nicht wirklich toll ist. Dann schimpfen Muckis super cool Und super gern auf Schwule.

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Seitenzahl: 70

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Zum Buch

Die reimlyrische Personenkontrolle vergleicht Äußerungen und Taten großer Leute mit den Werten des humanistischen Abendlands und überprüft Berechtigungen: Darf dieser Mensch Aufsichtsratsvorsitzender sein? Schlagerqueen? Gesundheitsminister? Leute von heute in lichten Gedichten: Das hat uns gerade noch gefehlt!

Im öffentlichen Leben wimmelt es von Leuten mit öffentlichen Aufgaben und öffentlicher Wirksamkeit, und nur wenigen dieser Leute sind diese Attribute unlieb. Die allermeisten genießen es. Sie suchen die Öffentlichkeit, weil sie gesehen, gehört und gelesen werden möchten und es gelingt ihnen: Sie fallen auf. Wenn auch nicht immer angenehm.

Über den Autor

Thomas Gsella schreibt Prosa und Lyrik für Rundfunk und Fernsehen, FAZ, Die Zeit, taz, Titanic u.a. 2011 wurde er für seine Gedichte mit dem Robert-Gernhardt-Preis ausgezeichnet, seit 2013 verfasst er eine wöchentliche Reimkolumne für den Stern.

Thomas Gsella

Personenkontrolle

Leute von heute in lichten Gedichten

Mit Bildern vonHilke Raddatz

 

 

 

 

 

 

 

 

Verlag Antje Kunstmann

INHALT

Vorwort

Personenkontrolle 2013

Personenkontrolle 2014

Personenkontrolle 2015

Personenkontrolle 2016

Personenkontrolle 2017

Personenkontrolle 2018

Personenkontrolle 2019

Register

Vorwort

Die polizeiliche Personenkontrolle dient dem Interesse der Herrschenden. Sie vergleicht Name und Anschrift kleiner Leute mit staatlichen Datensätzen und überpüft Berechtigungen: Darf dieser Mensch Auto fahren? Besitzt er eine Aufenthaltserlaubnis? Darf er sich außerhalb von Gefängnissen bewegen?

Die reimlyrische Personenkontrolle dient dem Interesse der Beherrschten. Sie vergleicht Äußerungen und Taten großer Leute mit den Werten des humanistischen Abendlands und überprüft Berechtigungen: Darf dieser Mensch Polizeichef sein? Aufsichtsratsvorsitzender?Schlagerqueen? Gesundheitsminister? Besitzt er die moralischen und intellektuellen Voraussetzungen? Darf er sich außerhalb von Gefängnissen bewegen? Macht er seine, unsere Sache sogar gut und hat ein Lob verdient?

Eine solche Personenkontrolle unternehme ich seit dem Frühjahr 2013 für die Humorseite des »Stern«. An Sujets ist naturgemäß kein Mangel. Im öffentlichen Leben wimmelt es vor Leuten mit öffentlichen Aufgaben und öffentlicher Wirksamkeit, und nur wenigen dieser Leute sind diese Attribute unlieb. Die allermeisten genießen es, denn sie wähnen sich durchaus geeignet,als öffentliche Führungspersönlichkeiten zu agieren: als Wort- und Meinungsführer, als vorbildliche Kenner und Könner in Politik, Wirtschaft, Musik, Kunst, Unterhaltungsindustrie, Sport usw. Sie suchen die Öffentlichkeit, weil sie gesehen, gehört und gelesen werden möchten, und es gelingt ihnen: Sie fallen auf.

Wenn auch nicht immer angenehm. Die Brüder Lautstärke und Wirkungsgrad sind nicht zwangsläufig verwandt mit den Schwestern Qualifikation und Integrität, und zuweilen haben sie kein einziges Gen gemeinsam. Schuld hat, was sonst, das System. Machthunger,Gier, Eitelkeit, Unaufrichtigkeit, Schamlosigkeit, Hang zur Vorteilsnahme, Selbstüberschätzung, Dummheit,Grausamkeit und ähnlich dunkle Charakterzüge werden vom dummen und grausamen Kapitalismus nicht bestraft, sondern belohnt, und darum lassen sich auch kleine Leute gern von ihnen befallen. Verheerende Wirkung entfalten sie aber nur bei höheren und hohen Tieren. Eine machthungrige Busfahrerin, die das Insektensterben leugnet, vermag es kaum zu beschleunigen;ein schamloser Agrarminister schon. Manche der hier Kontrollierten sind aber weder gut noch schlecht, sondern einfach nur wunderlich. Immerhin das. Rennfahrer zum Beispiel.

Mir erschien einleuchtend, die Gedichte im Buch nicht nach Berufsgruppen oder psychogenen/kriminellen Härtegraden, sondern zeitlich zu ordnen; ihre Folge entspricht also der ihrer Entstehung. Bei vielen Gedichten erinnert ein kurzer Hinweis an ihren Anlass. So mag man das Buch auch lesen als lyrische Chronik der vergangenen sechs Jahre.

Noch viel einleuchtender war es, die große Hamburger Zeichnerin Hilke Raddatz um Karikaturen zu bitten.Seit Jahrzehnten illustriert sie die »Briefe an die Leser«der Satirezeitschrift »Titanic«, nun kommt ihre virtuose Treffsicherheit auch diesem Buch zugute – wie schön!

Der im »Stern« zur Verfügung stehende Platz bestimmt die Länge der Verse und Gedichte: Drei kurzzeilige Strophen dürfen und müssen es sein, nicht mehr und nicht weniger. Dem allein ist die Gleichförmigkeit der allermeisten für dieses Buch ausgewählten Gedichte geschuldet; möge sie damit entschuldigt sein! Und wie alle Gedichtsammlungen sollte man ja auch diese nicht in einem Rutsch lesen, sondern schön langsam ein Gedicht nach dem andern, ohne Druck und ohne Eile,dafür mit reichlichen Pausen und überhaupt jener würdigen Ruhe, welche die Gedichte und Zeichnungen aus-strahlen und verdienen, hugh.

Aschaffenburg, im März 2019Thomas Gsella

 

Gott

Und wieder säuft die Erde Blut,

Und Gott lässt sie gewähren.

Und wieder findet’s keiner gut,

Und einer kann’s erklären:

Gott nutzt ein retro Opernglas

Und guckt und guckt, doch wahrlich:

Scharf ist sein Blick nur bis zum Mars.

Die Menschheit sieht er gar nich’.

Er sieht nur Knall und Rauch und Brand

Und Gift in Meer und Äther

Und denkt: »Planet im Urzustand,

Da lebt noch nix. Bis später!«

Personenkontrolle 2013

 

Im Mai stoppt der Verteidigungsminister ein Drohnenprojekt der Bundeswehr, das bis dahin rund 700 Millionen Euro verschleudert hat, und wird für diese Schwächung der deutschen Armee scharf kritisiert.

Thomas de Maizière

Viel Millionen fraß die Drohne

Aus dem Topf der Bundeswehr,

Doch die Bundeswehr bleibt ohne.

Danke, Thomas de Maizière!

Drohnen, Böller, SUVs, Raketen

Und was sonst zum Morden neigt:

Lasst uns hoffen oder beten,

Dass der Mann auch sie vergeigt!

Denn wenn Kriegsherrn Frieden schaffen,

Dürfen sie vor Stolz erröten:

Nur mit nicht gebauten Waffen

Kann man keine Menschen töten.

 

Marietta Slomka

Die Sprecherin hält uns auf Trab

Als mutige Erscheinung:

Sie liest nicht nur die Nachricht ab,

Sie geigt uns auch die Meinung.

Sie schlägt die Stirn kraft hehrer Wut

In Falten und Gekröse.

Das soll uns sagen: Gut ist gut,

Hingegen schlecht das Böse.

So quält sie den, der selber denkt,

Und imponiert uns Dophen:

Sie ist mit Preisen reich beschenkt

Und nun auch mit drei Strophen.

 

Im Juni verliert der Präsident des FC Bayern München wegen zigmillionenschwerer Steuerhinterziehung seinen Posten, kommt ins Gefängnis und aber ruckzuck wieder raus. Seit November 2016 ist er Präsident des FC Bayern München.

Uli Hoeneß

Er hielt ein bisschen Geld zurück,

Das mehrte seinen Reichtum.

Den Armen spendete er Glück.

Wir sollten es ihm gleichtun.

Denn Hinterziehung ist ein Spaß:

Sie hebt uns aus den Schafen.

Und spenden wir den Armen was,

Dann können wir gut schlafen.

Das große Geld behalten wir,

Denn Halten ist was Schoeneß.

So halten wir, denn mir san mir,

Steinfest zu Uli Hoeneß.

 

Veronica Ferres

Täglich kommt im Spielfilmfernsehn

Eine Diva wunderbar,

Die wir täglich liebend gern sehn,

Und sie heißt Veronica.

Und ist auch der Plot bescheuert

Und ist auch das Drehbuch Mist:

Ei, wie gucken wir befeuert,

Wenn ein Film mit Verres ist.

Um uns nicht zu überfluten,

Pickt sie klug die dümmsten raus.

Spielte sie auch noch in guten:

Ach, wer hielte das denn aus!

 

Ein spanischer Fußballtrainer hat mit dem FC Barcelona Titel im Dutzend gewonnen und geht dann plötzlich in die Fremde, um einen bizarren Dialekt zu erlernen.

Pep Guardiola

Man sah ihn siegen Jahr um Jahr

Und seine Schöpfung feiern.

Doch mancher Gott ist sonderbar,

Und dieser ging nach Bayern.

Nun paukt er’s Deutsche Wort für Wort,

Doch ist sein Lohn betrüblich:

Das Deutsche ist, zumal vor Ort,

In keiner Weise üblich.

»Wieso spuit’s net vo hintn raus?

Da zuckt’s mir in den Händn,

Ja Schweini, mei, es is a Graus!« –

Ach, darf ein Gott so enden?

 

Hannes Jaenicke

»Die große Volksverarsche« heißt

Ein Bestseller von Jaenicke,

Der unsrer Welt die Richtung weist,

Weshalb ich oft und jäh nicke:

Man soll den Müll entsorgen und

Die Meere nicht verschandeln und

Statt kaufen auch mal borgen und

Die Umwelt gut behandeln und

Auch Plastiktüten kommen vor:

Die soll man – na? Na eben.

Man soll so manchem Buchautor

Vielleicht mehr Rollen geben.

 

Nach ihrer fulminanten Rotweinautofahrt wird die ehemalige Ratsvorsitzende der deutschen Evangelischen Kirche von Jahr zu Jahr beliebter.

Margot Käßmann

Zwei schwere Jahre führte sie

Das Haus der Lutheraner.

Dann machte Wein sie leicht wie nie:

Viel freier, viel spontaner.

Die Ampel rot, die Käßmann blau –

»W-was soll das Rot b-bedeuten?!«

Seit diesem Tage wird die Frau

Geliebt von allen Leuten.

Sie hat Erfolg im ganzen Land

Und Stimmen, die sie feiern.

Wann wird der SPD-Vorstand

Blau durch die Hauptstadt eiern?

 

Sebastian Vettel

Wie trüb ist mancher Sonderling,

Und seine Seele reut mich.

Doch dieser saust im Stinkeding

Im Kreis herum und freut sich!

Er saust herum und bremst und saust

Sein Lebtag froh und munter.

Auf den Geraden wird gebraust,

Vor Kurven bremst er runter,

Dann saust er wieder knatter brumm

Und quietschquietsch und so weiter.

Wie trüb geht manche Jugend um,

Doch diese hier: wie heiter!

 

Albert Einstein

Er gilt bis heute als Genie,

Doch keiner weiß weswegen.

Schon seine Raumzeit-Theorie

Ist leicht zu widerlegen.

Denn hie ist Raum – und da ist Zeit.

Nur so sind sie von Nutzen.

Kein Raumpfleger wär je bereit,

Die ganze Zeit zu putzen!