Planet der Weisen - Charles Pépin - E-Book

Planet der Weisen E-Book

Charles Pépin

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15,99 €

Beschreibung

Die kürzeste und vergnüglichste Philosophiegeschichte, die je zu lesen war

Montaigne sucht im Online-Chat seinen Seelenverwandten, Konfuzius macht in einem Asia-Imbiss eine eher schlechte Figur, Foucault sollte vielleicht bei der Kinderbetreuung strenger überwachen und strafen, und Diogenes findet als zynischer Immobilienhändler zu seiner wahren Berufung. Der Philosoph Charles Pépin und der Zeichner Jul vermitteln die zentralen Ideen der großen Denker mehr als smalltalktauglich. Ein aufklärerisches Buch!



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Seitenzahl: 83

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Inhalt

Køgitö · Descartes

Suche sterblichen Freund · Montaigne

Dänische Witzfigur · Kierkegaard

Wahre Größe · Diogenes

Das Ei des Zarathustra · Nietzsche

Die perfekte Welle · Leibniz

Dada oder Dasein? · Heidegger

King Kon · Konfuzius

Boo boo bee doo · Thomas von Aquin

Am Strand von Ephesos · Heraklit

Tocquecity · Tocqueville

Absoluter Wahnsinn · Foucault

Handeln statt reden · Bakunin

Blamiert · Rousseau

Feuer und Flamme · Bachelard

Der Geist und das Mädchen · Hegel

Verschwörungstheorie · Die Skeptiker

Body Building · Derrida

Wer’s glaubt … · Teresa von Ávila

Gefahr im Garten · Voltaire

Tractatus rubiko-philosophicus · Wittgenstein

Misshandlung inklusive · Sade

Im Gänsemarsch · Hobbes

Mit unserem Staat geht’s bergab … · Augustinus

Begrenztes Karma · Buddha

Fatal Attraction · Newton

Die Wette · Pascal

Ecce Trottel · Erasmus

Oh süßer Tod · Seneca

All he Kant eat · Schopenhauer

0:0 · Maimonides

Om oder nicht Om? · Lamaismus

Ein Mann mit Erfahrung · Hume

Made in Athens · Aristoteles

Im Affekt gesprochen · Spinoza

Die Masse macht’s · Walter Benjamin

Generation Utopia · Thomas Morus

Achtung Absturz · Baudrillard

Bart statt tabula rasa · Marx

Traurige Themen · Lévi-Strauss

Denksport · Zhuangzi

Helden der Toleranz · Averroës

Special K · Kant

Eine Frage der Sichtweise · Machiavelli

Wo ein Wille ist … · Husserl

Soziokopie · Bourdieu

Enjoy · Epikur

Tausendjährige Banalität · Hannah Arendt

Wildwuchs · Deleuze

Transferleistungen · Freud

Caveman · Platon

Gewaltenteilung · Montesquieu

Allein daheim · Sartre

Descartes

Französischer Philosoph und Mathematiker (1596 bis 1650), Erfinder des »methodischen Zweifels« und der »vorläufigen Moral«, Autor der Meditationen über die Grundlagen der Philosophie und der Abhandlung über die Methode – hier findet sich die berühmte Formel »Ich denke, also bin ich«.

Descartes wollte das menschliche Wissen von Grund auf neu denken und die Existenz Gottes rational beweisen. An intellektuellem Ehrgeiz mangelte es ihm also nicht. Doch er legte stets Wert darauf, dass derlei Erkenntnisse uns im Alltag nicht weiterhelfen!

Was zum Beispiel sollen wir tun, wenn wir uns im Wald verlaufen haben? Nachdenken? Auf keinen Fall! Descartes schlägt vor, lieber in eine beliebige Richtung loszulaufen und konsequent geradeaus zu gehen – irgendwann kommt man garantiert aus dem Wald heraus. Es ist also eine Frage des Willens und nicht der Intelligenz! Wer zu viel nachdenkt, ändert womöglich immer wieder seine Strategie und läuft im Kreis, bis er tot umfällt. Angesichts von Ikeamöbeln fühlen wir uns wie um Mitternacht im tiefsten Wald. Schlimmster Feind in dieser Situation ist unser Denken. Und unsere größte Chance liegt darin, stupide der Anleitung zu folgen. Kurz nach der hier bildlich dargestellten Szene hat Descartes das endlich begriffen. Die Welt des Handelns gleicht nicht der Welt der metaphysischen Wahrheiten. Die Welt der metaphysischen Wahrheiten ist eine Welt des Denkens, der Suche nach Erkenntnis. Die Welt des Handelns gehorcht anderen Regeln: Wir handeln im Zweifel, in Erwartung einer hypothetischen Erleuchtung. Deshalb brauchen wir den Willen, von dem Descartes richtig sagt, er sei unendlich. Mit ihm kompensieren wir die Grenzen unseres Denkens.

Montaigne

Französischer Schriftsteller und Philosoph (1533 bis 1592). Autor eines einzigen Buchs, nämlich der Essais, an denen er sein Leben lang arbeitete. Sie begründeten die moderne Selbstbetrachtung und enthalten das skandalöse Bekenntnis, er habe sich »kein anderes Ende vorgesetzt als ein häusliches und privates«.

»Und auf dem erhabensten Thron der Welt sitzen wir immer nur auf unserem Hintern.« Sätze wie diese zeigen, dass Michel de Montaigne kein gewöhnlicher Philosoph war. Er war Gerichtsrat, Soldat, Diplomat, Bürgermeister von Bordeaux, verheirateter Lebemann – und schrieb schließlich die Essais. Anders als die Schöpfer großer philosophischer Modelle, die alles der Suche nach der einen Wahrheit opferten, war Montaigne ein Skeptiker und Relativist, der wie ein frischer Wind durch die französische Geisteslandschaft hindurchfegte.

Obgleich er Relativist war, gab es etwas Absolutes für ihn: seine Freundschaft zu La Boétie, der mit achtzehn Jahren Von der freiwilligen Knechtschaft schrieb und bereits mit zweiunddreißig Jahren starb. Bei La Boétie lesen wir, dass »die Tyrannen ihre Größe nur dem Umstand verdanken, dass wir auf den Knien liegen«. Hier wird eines klar: Montaigne und er mussten sich einfach begegnen. Es begann ein geistiger Austausch, den Montaigne sein Leben lang vermissen sollte. Auch als er schrieb: »Philosophieren heißt sterben lernen«, dachte er an La Boétie und daran, wie sein Freund drei Tage lang auf bewundernswerte Weise gegen Pest und Tod ankämpfte. Die gesamten Essais können als Fortführung eines Gesprächs begriffen werden, das Montaigne in seiner Jugend mit seinem sterblichen Freund La Boétie geführt hat.

Kierkegaard

Dänischer Philosoph und Theologe (1813 bis 1855), Autor von Die Krankheit zum Tode und Furcht und Zittern, stellte dem System Kirche den individuellen und konkreten – also existentiellen – Glauben gegenüber.

Nein, der Geist des Nordens war es nicht, der Kierkegaard deprimierte. Es war weniger der Nebel über den baltischen Seen als vielmehr der Geist des Westens: Hegel. Hegel, für den die Geschichte im Osten beginnt und im Westen endet und der in Kierkegaards Augen für die Arroganz abendländischer Abstraktion stand, für ein Denken, das vorgab, durch seine Dialektik alle Widersprüche überwinden zu können. Kierkegaard dagegen plädierte für das Primat der konkreten Existenz mit all ihren unumgehbaren Widersprüchen und tiefen Ängsten. Die Existenz ist, anders als bei Hegel, kein momentaner Zustand des Wesens (Hegel begreift die Existenz der Welt als Möglichkeit für den Geist, sich seiner selbst bewusst zu werden.), sondern sie ist stets schon da. Und wir befinden uns darin. Wir sind frei, aber unsere Freiheit ist ungeheuerlich – Sartre, der Kierkegaard zitierte (»Angst ist in sich selbst verfangene Freiheit«), bezeichnete sie als monströs. Als Kierkegaard also den Grundstein des Existentialismus legte, stellte er sich ausdrücklich gegen Hegel. Aber Kierkegaard verzweifelte nicht nur am Hegel’schen System. Als jüngstes von sieben Kindern verlor er binnen weniger Jahre die Mutter und fünf seiner Brüder und Schwestern. Sein Vater kämpfte mit einer verrückten Theorie gegen die Trauer an, der zufolge die Familie von Gott verflucht sei und alle Kinder sterben müssten, bevor sie das Lebensalter Jesu erreicht hätten. Eine Weile glaubte Kierkegaard dem Vater und fürchtete, mit dreiunddreißig Jahren zu sterben. Doch er strafte den vermeintlichen Fluch Lügen, indem er immerhin zweiundvierzig Jahre alt wurde.

Wer mag, kann jetzt über diesen Satz von Bergson nachdenken: »Ich wollte stets, dass man sich nicht um mein Leben kümmert … Ich war immer der Ansicht, dass das Leben eines Philosophen nichts über seine Lehre aussagt.«

Diogenes

Griechischer Philosoph (um 413 bis 327 v. Chr.), auch »Diogenes, der Zyniker« oder »Diogenes, der Hund« genannt. Er hinterfragte die sozialen und moralischen Normen seiner Zeit, die Ehrfurcht vor den Göttern sowie Platon.

Diogenes war nicht nur ein komischer Vogel, der in einem Fass lebte und öffentlich masturbierte. Nein, der Trash-Sokrates war auch ein exzellenter Pädagoge. Beispielsweise ging er am helllichten Tag mit einer Laterne spazieren und beantwortete erstaunte Nachfragen mit einem rätselhaften: »Ich suche den Menschen.« Ja, den Menschen: Den idealen Menschen, von dem Platon und Konsorten pausenlos quatschten. Haben Sie ihn vielleicht gesehen? Eines Tages schwang Diogenes ein gerupftes Huhn: »Das ist der Mensch«, verkündete er jenen, die noch Platons Definition im Gedächtnis hatten: der Mensch, ein Zweibeiner ohne Federn. Der Legende nach soll er auch zwischen Statuen umherspaziert sein, um sich an Ablehnung zu gewöhnen. Am Ende seines Lebens soll Alexander der Große ihn besucht haben. »Was du auch wünschst, ich werde es dir geben«, sagte der König angeblich. »Geh mir aus der Sonne«, habe Diogenes geantwortet und sei kurz darauf an einem Hundebiss gestorben – er soll versucht haben, dem Hund einen Knochen wegzunehmen. Jener Mensch, der wie ein Hund leben kann, ist ein Gott: So dachte Diogenes der Zyniker. Und »zynisch« kommt eben von kunos, dem Hund. Denn Diogenes und seine Freunde trafen sich stets unter einem Portal mit Hundefiguren. Wie ein Hund leben bedeutete für ihn ein Leben, so körperlich wie möglich und jenseits aller Konventionen. Sokrates war ein Ironiker: Er wollte die Bürger aufrütteln, um sie voranzubringen. Der Zyniker Diogenes provozierte die Bürger aus Spaß an der Provokation. An ihre Weiterentwicklung glaubte er nicht mehr. Vielleicht ist der Zynismus in Wahrheit ein enttäuschter Moralismus. 950 Euro monatlich für Diogenes’ Tonne – das kann man schon aufbringen. Denn sie ist unbezahlbar.

Nietzsche

Deutscher Philosoph (1844 bis 1900), vor allem aber Antiphilosoph (der Dichtung oder Aphorismen gegenüber Begriffen den Vorzug gab) und Antideutscher (der den Deutschen ihre »metaphysische Schwere« vorwarf). Er verkündete den »Tod Gottes« und die »ewige Wiederkehr«. Zu seinen Werken gehören Jenseits von Gut und Böse sowie Die fröhliche Wissenschaft.

In Also sprach Zarathustra