Beschreibung

Ein satirischer Blick auf den Ökowahn. Die Deutschen gelten als Weltmeister im Ökoeifer. Aber es geht noch besser! Dietmar Bittrich zeigt, wie man Batterien vor der Benutzung korrekt entsorgt oder Maden vom Rand der Biotonne sammelt, um eine klimaneutrale Mahlzeit zu bereiten. Er lobt den Verzicht auf Streugut im Winter: Der Überalterung der Bevölkerung wird so durch natürliche Auslese ein Ende gesetzt. Auch wer im Einklang mit der Natur leben will, etwa mit Zecke, Milbe oder Röhrenqualle, findet wertvollen Rat. Ein unverzichtbares Geschenk für alle Freunde des unverfälschten Lebens. Das perfekte Geschenk gleichermaßen für Gegner und Freunde eines ökologischen Lebensstils.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 157


Dietmar Bittrich

Plastik kommt mir nicht in die Tüte

Handbuch für Weltverbesserer

Hoffmann und Campe Verlag

Stopp. Schluss.

Bitte lesen Sie nicht weiter. Sie sind hier falsch. Sie haben es nicht begriffen. Ganz offensichtlich haben Sie sich heute Morgen die Zähne geputzt, und zwar mit fließendem Wasser, stimmt’s? Und Ihre Zahnbürste war keineswegs aus Holz, sondern aus Plastik, richtig? Okay, dann sind Sie hier grundverkehrt. Womöglich fahren Sie obendrein gelegentlich mit einem Auto? Sie besitzen sogar eines? Bitte hören Sie auf, dieses Buch weiterhin mit Ihrem Blick zu verschmutzen.

Sie verreisen zuweilen? Sie haben innerhalb der letzten zwölf Monate in einem Flugzeug gesessen? Sie könnten sich sogar vorstellen, so etwas wieder zu tun? Sie haben hier absolut nichts zu suchen. Wahrscheinlich haben Sie auch schon mal eine Flasche aus Weißglas in einen Grünglasbehälter geworfen oder, eine noch entsetzlichere Vorstellung, eine grüne Flasche in den Weißglascontainer. Sie sind eine unerwünschte Person. Sie haben schon mal Plastik im Restmüll entsorgt? Jetzt reicht’s.

Ach, vielleicht einen Moment noch. Eine Chance für Sie. Bitte – schauen Sie doch mal eben auf die Uhr. Jetzt. In diesem Moment. Was zeigt Ihre Uhr? Etwas anderes als fünf vor zwölf oder als fünf nach zwölf? Alles klar. Dann sind Sie ein Umweltschädling. Und obendrein ein Klimaskeptiker.

Vielen Dank. Das ist genug. Die Zeit, die Sie benötigt haben, diese zwanzig Zeilen zu kapieren, hat glücklicherweise ausgereicht, um Ihren energetischen Impuls zu Ihnen zurückzuverfolgen. Gleich wird es an Ihrer Tür klingeln. Wundern Sie sich nicht. Es ist nur Ihr Öko-Blockwart. Er wird Sie Spezialisten übergeben, die sich auskennen mit Leuten wie Ihnen.

In den restlichen drei Minuten bleibt Ihnen gerade noch Zeit, das Zitat eines aussortierten Freundes von mir zu lesen. Sie werden ihn möglicherweise dort treffen, wohin Sie überstellt werden. Dieser Freund war ein erfolgreicher Maler. Er lebte in Wiesbaden. Als es ihm zu Ohren kam, dass ich an einem Buch zum Umweltschutz und zur Verbesserung der Welt arbeitete, war er entweder so dreist und so unvorsichtig, mir eine Mail zu schreiben und sich darin zu beschweren.

Zunächst über die Mülltrennung. »Früher hat es vor unserem Mietshaus nur eine einzige Tonne gegeben«, schrieb er, »jetzt sind es vier verschiedene, und gegenüber steht noch ein Glascontainer. An jedem Wochentag schiebt sich ein großes Müllfahrzeug durch unsere Straße, an manchen Tagen zwei. Ich wohne im zweiten Stock und muss jedes Mal die Fenster schließen, sonst wehen die Abgase herein. Taucht so etwas in der Klimastatistik auf? Und weil ein derartig monströses Fahrzeug vor ein paar Wochen mal nicht an den parkenden Wagen vorbeikam, ist jetzt die eine Seite der Straße komplett fürs Parken gesperrt worden. Die Zahl der Parkplätze wurde also halbiert. Seither kreisen allabendlich suchende Autos um den Block, rangierend, lärmend, Abgase ausstoßend, immer im Kreis. Wird so etwas in der Umweltbilanz berücksichtigt?«

Unglaublich, der Mann. Angesichts seiner Jammerei bin ich sofort hellhörig geworden. Und dann erfrechte er sich, auch noch zu schreiben: »Im Kampf um die Reinhaltung der Umwelt ist geistige Verschmutzung allmählich als legitimes Werkzeug anerkannt worden: Besserwisserei, üble Nachrede, Angstmacherei, Verleumdung, Verdächtigung, Neid. Die selbsternannten Umweltretter sind fast ausnahmslos schlecht drauf und ziehen einen runter.«

Danke. Mehr musste ich nicht wissen. Ich habe die Mail unverzüglich an die zuständige Stelle weitergeleitet. Der Kunstmaler, sofort aus meiner Freundesliste gestrichen, ist noch am selben Tag abgeholt worden, von Angehörigen des Umweltkriseninterventionsteams. Seither wird er einer intensiven Klimaberatung unterzogen. Niemand weiß genau, wo. Aber die Schulung mit der damit verbundenen harten Öko-Arbeit wird ihm guttun, da bin ich mir sicher. Und er wird sie sicherlich überleben, es sei denn, er beharrt starrsinnig auf seiner Position. Dann muss er froh sein, noch eine kompostierbare Urne zu erwischen. Es ist nun mal so. Für Klimaschädlinge ist kein Platz mehr in unserem Land.

Oh – hat es da nicht eben bei Ihnen geklingelt? Hat es doch, oder? Mir war so. Ja, ja, das wird nun der ökologische Blockwart sein. Er wird Sie begleiten. Der unauffällige Wagen, der gerade unten vorgefahren ist, gehört der Geheimen Staatlichen Umweltpolizei. Ihr Platz ist bei den Gurten auf der Hinterbank. Keine Angst, selbstverständlich dürfen Sie einen Koffer mitnehmen! Packen Sie rasch das Nötigste ein. Und tschüs.

So. Den Leser wären wir los. Wir sind jetzt unter uns, wir, die Guten, diejenigen, die recht haben. »Die wenigen werden die Welt erretten«, heißt es. Damit sind wir gemeint. Es tut gut, das zu wissen. Und jetzt, wo dieser Schädling weg ist, scheint mir die Luft gleich ein bisschen klarer zu werden. Ihnen auch? Das Klima kühlt ein ganz klein wenig ab, die Eisbären können wieder fester auftreten, die Bienen freier fliegen, die Kröten unbesorgter über die Straße wandern, und das nächste Erdbeben oder Hochwasser ist fürs Erste abgewendet. Die Natur muss nicht zurückschlagen. Wir haben sie verteidigt.

Und das tun wir weiter. Wie wir dabei vorgehen, davon handelt dieses Buch. Es zeigt, wie wir unsere Freunde zu Verzicht und Bewusstheit erziehen können, etwa indem wir während ihrer Party die Glühbirnen aus den Lampen schrauben. Oder wie wir die gefährlichen Knopfbatterien aus den Hörgeräten betagter Mitbürger entfernen, die unsere Öko-Begeisterung ohnehin nicht verstehen. Das Buch gibt praktischen Rat für eine natürliche und delphinfreundliche Lebensweise. Es erklärt, wie wir Regenwasser für unsere Badewanne sammeln. Wie wir auf das Heizen des Backofens verzichten und dabei entdecken, dass Tiefkühlgerichte ohne Erwärmung viel mehr Mineralstoffe enthalten.

Die Nahrung, darin sind wir uns sicher einig, muss wieder zur Ursprünglichkeit zurückfinden. Ein Gramm Erde enthält über eine Milliarde essbarer Mikroorganismen! Gewiss, an den Geschmack muss man sich erst gewöhnen, doch unsere Verdauung freut sich. Und wenn wir zu Hause auf chemische Putzmittel verzichten, können wir bald nicht nur unsere gefiederten Freunde vor dem Fenster willkommen heißen, sondern auch drinnen eine wunderbare Artenvielfalt betrachten aus lauter winzigen krabbelnden und schnell laufenden Lebewesen.

Unser Verzicht auf Plastik ist längst Ehrensache. Aber er lässt sich vervollkommnen. Damit beginnt gleich das erste Kapitel. Die Rotorblätter der Windräder sind ja leider immer aus Kunststoff. Wir werden nachweisen, dass sie wieder aus Holz und Leinen sein sollten, wie damals, als wir noch im Einklang mit allem lebten. Wer auf sein Handy nicht verzichten mag, sollte es wenigstens mit der Kurbel aufladen.

Wir werden in diesem Buch erfahren, wie wir Batterien bereits vor der Benutzung korrekt entsorgen, wie wir einen Joghurtbecher gründlich und verordnungsgemäß reinigen, bevor er in die Müllverbrennung geht, wie wir Maden vom Rand der Biotonne sammeln, um eine klimaneutrale Mahlzeit zuzubereiten, und vieles mehr. Alle Tipps sind einfach zu befolgen und verbessern nicht nur die private Öko-Bilanz. Sie verbessern die Welt. Ja, sie verbessern vielleicht sogar die Natur.

Denn als mündige Bürger mit hoher Schwarmintelligenz dürfen wir auch unbequeme Fragen an die Natur selbst stellen. »Die Natur«, notierte einst Albert Schweitzer bedauernd, »kennt keine Ehrfurcht vor dem Leben.« Sie kennt auch keinen Fair Trade. Sie bekäme nicht mal ein Biosiegel.

Und da muss sich etwas tun lassen. Mal im Ernst: Sollen Schlangen weiterhin unschuldige kleine Tiere vergiften? Muss ein junger Kuckuck unbedingt seine Stiefgeschwister aus dem Nest drängen? Geht es nicht auch friedlicher? Aber bestimmt! Und blicken wir mal in den Kosmos: Die Aktivität der Sonne besteht aus einer unablässigen Folge atomarer Explosionen. Muss das wirklich sein? Natürlich nicht. Wir werden sehen, dass es auch ganz anders geht.

Wenn Sie eine Frau sind, ist das Vorwort an dieser Stelle für Sie zu Ende. Als Autor jedoch freue ich mich jetzt mal ganz persönlich darüber, dass nachhaltig und klimabewusst lebende Männer wie ich endlich vermehrt zu Samenspenden aufgerufen werden – damit die Menschheit schon vor der Geburt besser wird!

Kurz vor Drucklegung durfte ich erfahren, dass dieses Buch nunmehr ausdrücklich von der Bundeskommission zur Förderung des Klimawandels empfohlen wird. Es gilt jetzt als offizielles Vorbereitungsbuch für die Öko-Weltmeisterschaft, in der wir Deutschen siegen müssen, damit wir nicht mehr nur unsere Nachbarn, sondern alle Völker dieser Erde erziehen dürfen. Mögen sieben Milliarden Menschen irren – wir als Öko-Elite werden ihnen den rechten Weg weisen! Dieses Buch ist Begleiter und Ratgeber. Es ist ein beglückendes Geschenk für alle Freunde des unverfälschten Lebens – und für alle, denen der Ökofimmel gründlich auf den Keks geht.

 

Dietmar BittrichTräger der Hildegard-von-Bingen-Medaille mit Eisenkraut und Pflugscharen

Ressourcen schonen

Ohne Plastik leben – so einfach geht es

Plastik kennen wir vor allem aus dem Bioladen. Dort wird Obst und Gemüse in Plastikschalen angeboten, Kräuter im Topf tragen eine durchsichtige Kunststoffhülle, Tofu ist in Plastik eingeschweißt, Fleisch ebenfalls, oft auch Käse. Joghurtbecher sind aus Plastik und wenigstens von innen damit beschichtet. Die Nudelpackungen sind aus durchsichtigem Kunststoff oder haben zumindest ein Sichtfenster aus Plastik. Am Tresen wird frische Ware in Papier verpackt, das mit Kunststoff beschichtet ist. Die Deckel von Flaschen und Gläsern sind mit Kunststoff überzogen. Und all das hat gute Gründe. Plastikverpackungen sind billiger. Sie verlängern die Haltbarkeit. Die Beschichtung tötet Keime. Und, nicht zu unterschätzen, die hormonaktiven Weichmacher kurbeln das Sexualleben der Verbraucher an, bei Heranwachsenden sorgen sie für eine frühere Pubertät und für größere und besser durchblutete Geschlechtsteile.

Wir, die wir die Pubertät annähernd hinter uns haben, denken global. Wir halten Plastik für einen der meistverbreiteten und zugleich gefährlichsten Stoffe der Welt. Wir haben im Fernsehen gesehen, dass zwischen Hawaii und Kalifornien ein Teppich aus entsorgtem Plastik treibt, der sogenannte »Nordpazifische Wirbel«. Darin schwimmt alles, von der Tüte über die Kabeltrommel bis zum Plastikfass und Plastikstuhl. Von Wellen und Licht wird es allmählich zersetzt und zerkleinert und schließlich zermahlen zu winzigen Kügelchen. Diese Kügelchen werden dann von Fischen und Muscheln gefressen. Falls wir mal Fisch gegessen haben, bestand er bereits zu einem Teil aus Plastik – wir selbst jetzt auch.

Vielleicht hat uns das bis jetzt nicht gestört. Doch ab jetzt verzichten wir auf Plastik. Unsere naiven Großeltern waren noch begeistert von Plastiktellern, Plastikgabeln, Plastiklöffeln, von vollsynthetischer Kleidung, wetterfesten Gartenmöbeln und abwischbaren Teppichen. Kaum zu glauben, aber all das besitzen wir schon lange nicht mehr. Unsere CD-Sammlung versteigern wir gerade. Und unsere Wäscheleine ist wieder eine gewöhnliche Schnur. Das ist schon mal gut. Aber es geht noch besser. Und zwar so:

Verpackungen aus Weichplastik und Schaumstoff scheinen unersetzlich. Wir beweisen das Gegenteil. Zum Einkaufen gehen wir seit langem nur mit Stofftasche, es sei denn, wir haben sie vergessen. Ab jetzt nehmen wir auch noch unsere eigenen Behälter mit. Diese Behälter sind aus Glas, aus Metall und aus Holz. Im Supermarkt lassen wir uns die Milch aus dem plastikbeschichteten Karton in unsere mitgebrachten Flaschen umfüllen oder, noch besser, in unsere antike Milchkanne aus handgerolltem Blech. Den Joghurt aus den plastikbeschichteten Bechern füllen wir in unsere Glasbehälter. An der Käsetheke lassen wir uns den Biokäse aus der giftigen Folie wickeln und in unser gesundes Holzkästchen legen. Und weil wir unseren Kochtopf mitgebracht haben, wandert das Biosteak kunststofffrei von der Fleischtheke gleich in unseren Topf. Eine EU-Hygienevorschrift schreibt vor, dass Fleisch- und Wurstwaren in keimtötendes kunststoffbeschichtetes Papier verpackt werden müssen. Doch wenn wir den Verkäuferinnen und Verkäufern klarmachen, dass wir gerade auf Keime und Mikroben Wert legen, werden sie uns gern unterstützen oder zumindest froh sein, wenn sie uns los sind.

Shampoo gab es früher in gläsernen Flakons. Und jetzt wieder! Denn auch den Drogeriemarkt betreten wir mit unseren eigenen Fläschchen. Wir füllen das Shampoo vor Ort in unsere Gläser. Die Angestellten sind beim Abzapfen gern behilflich. Dasselbe gilt für Flüssigseifen, Duschgels, Cremes, Badezusätze, Peelings, Bodylotions. Wir rücken mit unserem klirrenden Arsenal von Flaschen an, werden schon von weitem bewundernd willkommen geheißen und gehen sogleich ans Umfüllen – es sei denn, der Laden ist, was leider immer häufiger passiert, unmittelbar vor unserem Eintreffen wegen einer dringenden Betriebsversammlung geschlossen worden. Durchs Schaufenster sehen wir noch die Angestellten sich eilig nach hinten entfernen. Vermutlich wollen sie über Umweltfragen beraten.

Make-up benötigen wir nicht mehr. Wir gehen ungeschminkt aus dem Haus, um der Gesellschaft die Botschaft zu vermitteln: Altern macht Spaß, Augenringe sind schöner als Lidschatten, und Falten erzählen eine Geschichte, je tiefer, desto spannender. Überraschenderweise schminken sich auch Völker in Savanne und Regenwald. Ihre Farben sind jedoch frei von Konservierungsmitteln, von Silikonen, Tensiden, Duftstoffen, Mineralölen. Sie stammen allesamt aus biologischem Anbau und sind ohne Versuche an Mäusen oder Meerschweinchen hergestellt. Mäuse und Meerschweinchen werden von diesen Völkern lieber gegrillt. Die Schminkmittel hingegen werden aus Pflanzenstängeln gepresst, aus Staubgefäßen gesammelt, aus Rinde gezapft oder aus toniger Erde gerührt. Aber hallo! Das machen wir ab jetzt auch! Vollkommen naturechte Völker in Papua-Neuguinea verwenden für Lippenstift, Rouge und Haarfärbemittel sogar das Blut erlegter Feinde. Eine Rückkehr zu diesem Brauch hat die von Pharmalobbyisten untergrabene EU-Kommission bisher schamlos abgelehnt.

Zahnbürsten gleiten heutzutage nur deshalb so glatt über Lippen und Zunge, weil sie aus Plastik bestehen. Das muss sich ändern. Und es geht auch: mit einer Holzzahnbürste. Sie hat einen Griff aus Holz und eine Bürste aus echten Naturborsten von Schwein, Kuh, Pferd oder Hofhund. In diesen Bioborsten bleiben die Keime nicht nur schonend erhalten, sie können sich sogar vermehren. Vielleicht noch wichtiger: Dank ihrer Maserung raut die Holzzahnbürste die Zunge auf, und die kleinen Risse im Holz sorgen für eine bessere Durchblutung der Lippen.

Zahnpasta kommt meist aus der Plastiktube oder aus einer Metalltube mit Plastikverschluss. Für uns undenkbar. Wir können statt Paste auch Zahnsalz benutzen, was nichts anderes ist als pulveriges Kochsalz mit Minzöl. Wir können also auch gleich Kochsalz benutzen. Einfach auf die Bürste streuen, mag auch das meiste danebengehen! Unterwegs dürfen wir die Zähne mit Finger und Fingernagel säubern; das wird gern gesehen. Oder wir essen einen Apfel. Dessen Enzyme und Fruchtsäuren lösen den Zahnschmelz auf, damit wir ihn beim nächsten Bürsten ganz wegputzen können.

Rasierapparate, ob Einmalrasierer oder elektrische Apparate, bestehen aus Hartplastik. Fort damit! Dankbar greifen wir zurück auf jene formschönen Rasierapparate, die in naturnahen Zeiten benutzt wurden: auf Glasscherben, Flintsteine, handgeschmiedete Messer mit Holzgriff. Am natürlichsten ist und bleibt jedoch der Bart. Bei wachsender Dichte taugt er zur Aufbewahrung krümeliger oder klebriger Lebensmittel sowie als Wohnstatt bedrohter Kleinlebewesen. Diese Winzlinge sollten auch ungestört Kolonien in unserem Achselhaar gründen dürfen.

Putzmittel in Kunststoffdosen und -flaschen sind zum Glück einfach zu ersetzen: durch Essig in Glasflaschen oder pulverisierte Zitronensäure. Essig und Zitronensäure sind so ätzend, dass wir Handschuhe benötigen, aber bitte nur aus fair gehandeltem Biokautschuk! Die halten zwar der Säure nicht stand, doch so werden auch unsere Hände gründlich sauber. Und etwas anderes ist in tieferem Sinne bedeutend: dass wir allmählich die trügerisch glänzende Oberfläche abätzen, die uns an Fußböden, Möbeln und Küchengeräten schon immer gestört hat. Wir wollen endlich unter die Oberfläche sehen!

Schnuller bestehen aus Plastik mit Weichmachern, die das Größenwachstum der Geschlechtsteile anregen. Das ist problematisch. Saugen mag ja ein Grundbedürfnis sein und ein Schnuller den plötzlichen Kindstod verhindern. Doch dafür brauchen wir plastikfreien Ersatz: etwa ein Leinentuch, das mit Mohnsamen und Honig getränkt ist, wie im alten Ägypten. Oder eine um den Hals gehängte Tonfigur, gefüllt mit Dattelmus und Alkohol, wie im alten Griechenland. Nun müssen wir nur noch den Kindsvater vom Bioschnuller fernhalten.

Küchengeräte wie Wasserkocher, Toaster, Mixer benötigen wir nicht mehr, wenn wir das Wasser im Topf kochen, über einem offenen Holzfeuer, über dem wir auch gleich das Brot rösten können. Den Rauchmelder legen wir vorher still, er ist ohnehin aus Plastik. Den Mixer ersetzen wir durch den Quirl unserer Urgroßmutter, die übrigens ohne Kühlschrank auskam. Sie bewahrte kühlbedürftige Lebensmittel im Keller auf. Die paar Treppen oder Stockwerke hinauf und hinunter werden unserer Gesundheit guttun. Schade, dass sie so früh gestorben ist.

Staubsauger bestehen zum überwiegenden Teil aus Kunststoff. Auf sie zu verzichten fällt uns leicht, wenn wir an unsere Ahnen denken. Sie mussten ohne Staubsauger auskommen. Und das ging! Sie fegten die Fußböden und hingen ihren Teppich einmal im Jahr über eine Teppichstange im Hof und klopften ihn aus. Das machen wir ab jetzt ebenfalls. Verklebten Teppichboden lösen wir zu diesem Zweck vorsichtig an den Kanten und rollen ihn Richtung Mitte zusammen. Die Möbel heben und schieben wir vorher beiseite. Dann nur noch nach unten tragen. Falls keine Teppichstange in Sicht ist, legen wir den Teppich über das Geländer des Nachbarn im Parterre und klopfen ihn dort aus (den Teppich; den Nachbarn nur bei ökologischer Uneinsichtigkeit).

Spielzeug aus Plastik lässt sich leicht ersetzen. Jahrhundertelang genügte den Kindern Spielzeug aus Holz und aus Blech und aus natürlichen Materialien. Umweltbewusst erzogenen Kindern reicht das bis heute. Ihre Playmobil-Figuren werden sie gern vergessen, wenn sie lernen, wie man aus Stöckern und Eicheln selbst anmutige Figuren herstellen kann. Und sie brauchen kein Lego mehr, sobald sie begreifen, dass man auch Steine aufeinanderlegen kann. Falls sie das nicht verstehen, mag eine Nachhilfe nützlich sein, mit rein biologischen Erziehungsmaterialien nach der guten alten Art unserer Ahnen.

Quietscheenten sind nicht nur in der Badewanne gefährlich. Seit ein chinesischer Frachter drei Container mit solchen Enten verloren hat, schwimmen sie zu vielen Tausenden im Ozean und führen immer wieder zu traumatisierenden Enttäuschungen bei Raubfischen und Kormoranen. Die Quietscheente in der Badewanne ersetzen wir ganz einfach durch eine echte Ente. Die quietscht nicht, aber sie schnattert und ersetzt mit ihrem energievollen Flügelschlagen unsere Dusche, die wir abgeschafft haben, weil alle Dichtungen und Leitungen aus Kunststoff waren.

Fahrräder enthalten Kunststoff im Sattel, in der Gangschaltung, in der Lichtanlage, in den Ventilen, sogar im Rahmen. Und Fahrradreifen bestehen keineswegs aus Kautschuk, sondern vorwiegend aus Nylonschnur oder Polyamiden. Zum Glück können wir all diese synthetischen Erdölderivate leicht ersetzen, am besten alle auf einmal. Denn seit ein paar Jahren gibt es Fahrräder aus Bambus! Jedes kostet um die fünftausend Euro – nicht zu viel, wenn dadurch die Weltmeere gerettet und ein paar Tsunamis verhindert werden können! Das große Gesundheitsplus des Bambusfahrrads: Schon nach wenigen Fahrten beschließt man, nur noch zu Fuß zu gehen.

Fahrradhelme hat früher niemand vermisst. Heute werden sie Heranwachsenden vorgeschrieben, von einer Kommission, in der die Vertreter der chemischen Industrie sitzen. Denn Fahrradhelme sind aus Plastik. Gott sei Dank ist der Ersatz hier besonders einfach: Wie in den alten Zeiten, als wir noch nicht gegen, sondern liebevoll mit der Natur lebten, genügt uns als Helm eine dicke Mütze. Im Gegensatz zum Helm kann sie sowohl über die Ohren als auch schützend über die Augen gezogen werden. Sie besteht aus Biobaumwolle und wurde kinderfrei gehäkelt. Als grüne Alternative gibt es Stahlhelme aus Bundeswehrbeständen.

MP3-Player sind entweder vollkommen oder zu großen Teilen aus Kunststoff. Dasselbe gilt für die Kopfhörer. Beides brauchen wir nicht, wenn wir zu unserer natürlichen Musikalität zurückfinden. Es ist für uns beglückend und für andere inspirierend, wenn wir singen, nicht nur zu Hause und im Auto, sondern auch in Bus, Bahn und Fahrstuhl, eben überall dort, wo wir bislang unsere MP3-Player benutzt haben.

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