Plastikfreie Zone - Sandra Krautwaschl - E-Book

Plastikfreie Zone E-Book

Sandra Krautwaschl

4,8
9,99 €

Beschreibung

Kein Leben für die Tonne

Schockiert über die Auswirkungen, die die gigantischen Plastikmengen auf Gesundheit und Natur haben, beschloss Sandra Krautwaschl mit ihrem Mann und drei Kindern, zunächst einen Monat ohne Plastik zu leben … Gar nicht so einfach: Was tun, wenn man sich weiter die Haare waschen, die Zähne putzen und sich der Sohn ganz sicher nicht von seiner Plastik- Ritterburg trennen will? Eine unterhaltsame, undogmatische Lektüre mit einer motivierenden Botschaft: Jeder kann im Kleinen die Welt verbessern und dabei Spaß haben – aus einem Monat Selbstversuch sind mittlerweile zwei Jahre geworden!

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 376




Sandra Krautwaschl, geboren 1971, ist Physiotherapeutin und lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in einem kleinen Ort in der Nähe von Graz – seit zwei Jahren fast plastikfrei.

www.keinheimfuerplastik.at

Sandra Krautwaschl

PLASTIKFREIE ZONE

Wie meine Familie es schafft,fast ohne Kunststoff zu leben

WILHELM HEYNE VERLAGMÜNCHEN

Originalausgabe 07/2012Copyright © 2012 by Wilhelm Heyne Verlag, München,in der Verlagsgruppe Random House GmbHRedaktion: Ulrike NikelUmschlaggestaltung: Hauptmann & Kompanie Werbeagentur, Zürich,unter Verwendung eines Fotos von Alexandra GuggenbergerFotos Bildteil: Bild 5 und Bild 15: Christian Jungwirth für Woman; sämtliche anderen Fotos stammen aus dem Privatarchiv von Sandra Krautwaschl. Wir danken für die freundliche Abdruckgenehmigung.Satz: C. Schaber Datentechnik, WelsISBN: 978-3-641-07538-5www.heyne.de

Einleitung: »Plastic Planet«, nein danke!

Seit über zwei Jahren versuchen wir ohne Plastik zu leben. Keine Tupperdosen und keine Frischhaltefolie in der Küche, keine vakuumverpackten Lebensmittel im Kühlschrank, keine PET-Flaschen und keine Plastikboxen für die Schuljause, im Bad keine Cremes und Bodylotions in Kunststoffflaschen oder Tuben, keine Putzmittel in der Plastikflasche und im Kinderzimmer weder Puppen noch Legosteine.

Nirgendwo Plastik. Nicht das kleinste bisschen? Na ja, fast. Jedenfalls bemühen wir uns nach Kräften, Plastik, speziell solches, das innerhalb kürzester Zeit zu Müll mutiert, gänzlich aus unserem Alltag zu verbannen. Eine Herausforderung der besonderen Art, um es vorwegzunehmen.

Kann das überhaupt funktionieren, fragen erstaunte, aber wohlgesinnte und interessierte Freunde. Wollt ihr das etwa wirklich durchziehen, heißt es bei den Skeptikern, und manche bedenken uns bisweilen mit mildem Spott, weil sie das Ganze nicht nur zum Scheitern verurteilt sehen, sondern es außerdem für leicht verrückt halten.

Ist es das? Gehört nicht vielmehr zu jeder neuen Erfahrung, zu jedem neuen Anfang auch eine Portion Mut einschließlich der Bereitschaft, ein herablassendes Lächeln oder verständnisloses Kopfschütteln nicht persönlich zu nehmen? Doch so weit gingen meine Gedanken zunächst gar nicht. Es war eher das Motto »Wer nichts wagt, der nichts gewinnt«, das mich anfangs motivierte. Und dann haben wir uns nun mal an das Experiment gewagt, unser Leben möglichst ohne Plastik zu organisieren – eine spannende Geschichte im Übrigen, auch wenn wir gerade zu Beginn oft dachten, an die Grenzen des Machbaren zu stoßen.

Aber schließlich sind wir in unseren Bemühungen doch recht weit gekommen, obwohl es nicht immer einfach war. Es müssen ziemlich viele Dinge zusammenspielen. Erforderlich sind neben einem hohen Maß an logistischer Planung Erfindungsreichtum, Forschergeist und Improvisationstalent und – nicht zuletzt – die Zustimmung der ganzen Familie. Denn ohne einen solchen Konsens ist es unmöglich, mit Freude, Begeisterung und, ja, sportlichem Ehrgeiz an die Sache heranzugehen.

Es soll Spaß machen, lautete ohnehin die Grundvoraussetzung des Experiments, um unser Familienleben nicht in eine unkalkulierbare Krise zu stürzen. Andernfalls, so viel stand fest, hätten wir den Versuch auf der Stelle abgebrochen.

Wir, das sind zwei Erwachsene, drei Kinder, zusätzlich eine Katze und zwei Meerschweinchen, die unsere Kinder ausdrücklich als Familienmitglieder betrachtet wissen wollen. Peter, mein Mann, ist Sonderschullehrer und ist als Betreuer an einer großen Einrichtung tätig, und ich selbst arbeite als selbstständige Physiotherapeutin vor allem mit behinderten Menschen. Dann sind da Samuel, dreizehn, seine Schwester Marlene, zehn, und Leonard, mit sieben unser Jüngster, der als Einziger noch die Volksschule besucht.

Wir wohnen recht idyllisch, 14 Kilometer von der steierischen Landeshauptstadt Graz entfernt, in der 3000-Seelen-Gemeinde Eisbach, die immerhin neben der schönen Landschaft eine kulturhistorische Sehenswürdigkeit ersten Ranges aufzuweisen hat: Stift Rein, das älteste Zisterzienserkloster der Welt, in dem jetzt auch das Gymnasium unserer Kinder untergebracht ist. Unser Haus ist ein ehemaliges Bauernhaus mit einem großen alten Stallgebäude, das Peter teilweise als Werkstatt dient und sonst mehr oder weniger leer steht.

In unserem Ort gibt es keinen besonders belebten Platz, nur zwei, drei Gasthäuser in der Nähe des Stiftes, eine Trafik (Tabak- und Zeitungsladen) und ein kleines Kaufhaus mit eher spärlichem Sortiment. Nicht gerade ein Einkaufsparadies und schon gar nicht für »Alternative«. Als solche mögen wir nämlich wohl für manche hier gelten, doch ein Außenseiterleben führen wir deswegen zum Glück nicht. Seit wir erst vor knapp zehn Jahren hierherzogen, sind wir in einigen Vereinen, von der Blasmusik bis zum Fußballverein, aktiv. Wir gehen gerne aus, sind gesellig, fahren in den Urlaub, haben häufig Besuch und führen prinzipiell ein sehr abwechslungsreiches und unbeschwertes Leben.

Mit bestimmten Themen gehen wir vielleicht ein wenig bewusster um als der Durchschnitt, was allerdings bis jetzt noch nie dazu geführt hat, dass wir als Ökofreaks klassifiziert wurden. »Ein bisschen alternativ, aber trotzdem ganz normal«, hat unser Ältester das vor gar nicht allzu langer Zeit einmal beschrieben.

Im Großen und Ganzen unterscheidet sich unser Leben also kaum von dem anderer Leute. Wir besitzen einen Fernseher, Computer und Handys. Und auch ein Auto, wenngleich wir uns bereits seit Jahren bemühen, es nicht übermäßig zu bewegen.

Das fällt meinem Mann zugegebenermaßen leichter als mir, da er ein geradezu begeisterter Radfahrer ist und gleich drei Fahrräder in seinem Fuhrpark stehen hat. Ich hingegen quäle mich bisweilen durchaus ein wenig widerwillig vor allem auf ansteigenden Straßen und ringe dann heroisch meinen inneren Schweinehund nieder. Oder auch nicht.

So oder so ähnlich halten es viele Familien in unserem Bekanntenkreis, zumal die Selbstbeschränkung beim Autofahren in den letzten Jahren in gewissen Kreisen doch ein wenig Auftrieb erlebt hat. Mit anderen Worten: Zumindest lange Zeit haben wir uns kaum durch besonderen Einsatz für die Umwelt hervorgetan und wären unseren Mitmenschen sicher niemals als Ökoaktivisten aufgefallen.

Nicht bis zum 17. September 2009.

An diesem Tag besuchte ich mit einer Freundin die Premiere des Films Plastic Planet. In intensiven, schockierenden und betroffen machenden Bildern zeigt diese Dokumentation im Spielfilmformat, wie sehr unsere Welt von Plastik durchsetzt ist und im Plastikmüll zu ersticken droht. Und führt zudem eindringlich die Skrupellosigkeit eines ganzen Industriezweigs vor Augen, wenn es um die Zulassung neuer Produkte geht, deren Gewinnpotenzial außer Frage steht, die Unbedenklichkeit für Umwelt und Gesundheit hingegen in keinster Weise gewährleistet ist. Während die Plastikproduzenten sich bei kritischen Anfragen zynisch auf Firmengeheimnisse berufen, sehen die Politiker meist ohnmächtig und tatenlos zu oder schauen weg. Solche Firmen verfügen eben über eine einflussreiche und finanzstarke Lobby.

Von wegen schöne heile Plastikwelt, dachte ich mir beim Verlassen des Kinos. Die reinste Hexenküche ist das! Und plötzlich wurde alles anders. Für mich und für meine Familie.

In welcher Weise anders, das will ich auf den folgenden Seiten erzählen und einen Eindruck vermitteln von unserem Experiment »Plastik, nein danke!« Es war alles zugleich, wenn auch nicht unbedingt gleichzeitig: lehrreich und aufregend, anstrengend und lustig. Eines jedoch war es nie: langweilig, denn es stellte uns immer wieder vor neue Herausforderungen. Und mit der Zeit merkten wir, dass wir weitaus mehr bewegen können als ursprünglich gedacht – und in uns wuchs die Überzeugung, dass es sehr wohl möglich ist, sein Leben zumindest im eigenen Bereich grundlegend umzukrempeln.

Das Buch soll aber nicht nur Einblick geben in dieses ungewöhnliche Experiment, auf das ich mich, beeinflusst durch den Film, mit meiner Familie vor zwei Jahren eingelassen habe, sondern es will darüber hinaus Spaß, Mut und Hoffnung machen. Spaß deshalb, weil er die Basis dafür war, dass wir uns als Familie für das Experiment entscheiden konnten, und bis auf den heutigen Tag der wichtigste Maßstab für die Fortsetzung unseres »plastikfreien« Lebens geblieben ist. Mut, weil es immer ein wenig davon braucht, wenn man sich dazu entschließt, alte Gewohnheiten zumindest teilweise zu verändern. Und Hoffnung, weil sie ungeahnte Kräfte in uns wecken kann und uns hilft, unsere Ideen und Visionen zu leben.

I. Aller Anfang ist schwer

Rückblende: Stationen einer »Ökokarriere«

Wenn ich heute zurückdenke, dann scheint es mir, als ob ich schon als Kind in puncto Müll einen ausgeprägten Ordnungssinn besessen hätte. Ich weiß noch, wie entrüstet ich immer war über all die Zuckerlpapiere und Kaugummiverpackungen, die ich auf dem Spielplatz oder beim Spazierengehen so nebenbei entdeckte und gegebenenfalls aufsammelte, um sie in den Papierkorb zu werfen.

Offenbar war ich also, was Müll anbelangt, ein ziemlich ordentliches Kind – ob schon von Natur aus oder weil man es mir so beibrachte, sei dahingestellt. Mein Interesse an fremdem Müll brachte mich jedenfalls bereits in diesen frühen Jahren dazu, über die Beweggründe anderer Menschen nachzudenken, und mündete schließlich in der Annahme, nur »dumme Kinder« würden ihren Abfall einfach in die Landschaft werfen. Kinder, die einfach nicht klug genug waren zu begreifen, was sich gehörte und was nicht. Dass auch Erwachsene zu den Müllverursachern gehören könnten, auf diese Idee wäre ich im Leben nicht gekommen.

Diese Neigung, den Müll anderer Leute aufzusammeln, stieß trotz des zweifellos ehrenhaften Motivs zumindest bei meinen Eltern nicht unbedingt auf Gegenliebe. Und so erntete ich bei meinen kindlichen Bemühungen, die Natur von diesem ganzen unschönen Müll zu befreien, eher Kritik als Lob, und die erhoffte tatkräftige Unterstützung diverser Erwachsener blieb mir so gut wie immer versagt.

Damals hätte ich meine Beweggründe nicht in Worte fassen können. Es störte mich einfach, und deshalb versuchte ich Abhilfe zu schaffen. Heute weiß ich, dass dieses Bestreben, stets eine rasche Lösung für einen unbefriedigenden Zustand zu finden, zu mir gehört wie meine Nase oder wie meine Art zu sprechen. Zum Glück für alle, die mit mir zusammenleben, habe ich mich später vom reinen Müllsammler wegentwickelt und mich stärker darauf verlegt, Vermeidungsstrategien zu ersinnen.

Allerdings legte ich zwischenzeitlich einen ganz schön missionarischen Eifer an den Tag. Ungefähr ab dem Volksschulalter gab ich mich nicht mehr mit dem Aufsammeln zufrieden, sondern fing an, Kinder wie Erwachsene bei passender und unpassender Gelegenheit darüber aufzuklären, dass sie ihre diversen Hinterlassenschaften doch bitte sehr in die überall aufgestellten Mülleimer werfen oder, falls sie keine finden, mit nach Hause nehmen sollten.

Einmal davon abgesehen, dass die meisten Erwachsenen sich generell nicht gerne von Kindern belehren lassen, dämmerte mir in jener Zeit zum ersten Mal, dass die »Großen« tatsächlich ziemlich uneinsichtig sein konnten. Und meiner Erfahrung nach hat sich daran bis heute kaum etwas geändert. Kinder lassen sich viel leichter und schneller für Umweltthemen begeistern, fühlen sich insbesondere den Tieren, aber auch der Natur als Ganzes viel unmittelbarer verbunden, möchten helfen und heilen, entwickeln Visionen von einer »besseren Welt«, an deren Verwirklichung sie glauben wollen. Und für die sie bereit sind, sich mit ihren Mitteln einzusetzen.

Nun verlaufen Entwicklungen im Leben ja selten gradlinig. Und so vollführte ich im Laufe des Erwachsenwerdens irgendwann eine ideologische Wende. Von der ursprünglichen Berufung zur Müllaktivistin blieb nicht viel übrig, und schließlich verwandelte ich mich nach bestandener Führerscheinprüfung sogar zur leidenschaftlichen Autofahrerin. Das ging so weit, dass ich selbst für kürzeste Strecken den Wagen nahm, um ein paar Meter zu fahren und wieder anzuhalten. Auf die Idee, zu Fuß zu gehen oder das Fahrrad zu nehmen, wäre ich in dieser Phase gar nicht gekommen. Autofahren machte mir einfach zu viel Spaß. Allerdings sagte auch niemand etwas.

Desgleichen zeugte mein Konsumverhalten zu jener Zeit nicht gerade von einem hohen Bewusstsein in puncto Gesundheit und nachhaltiger Ernährung. So stopfte ich während meiner zweieinhalbjährigen Ausbildung zur Physiotherapeutin phasenweise hauptsächlich Wurstsemmeln und Süßigkeiten in mich hinein. Und fand das zudem sehr praktisch, weil ich auf diese Weise Geld sparte, das ich dann bevorzugt in billige Klamotten investieren konnte.

Parallel dazu machte sich bei mir mit der Zeit eine gewisse Ignoranz gegenüber sogenannten Umweltproblemen breit. Zwar war es für mich weiterhin kein Thema, dass ich meinen eigenen Abfall nicht einfach in die Gegend warf, doch der Rest interessierte mich nicht wirklich. Die »Umwelt« war plötzlich erstaunlich weit weg. Ich jedenfalls fühlte mich nicht speziell dafür zuständig oder verantwortlich.

Heute bin ich davon überzeugt, dass allein die Formulierung »Umweltprobleme« dazu beiträgt, die Natur nicht mehr als eigene Lebensgrundlage zu erleben, und es deshalb leichtfällt, sich davon zu distanzieren. Der neutrale Begriff verleitet dazu, sich etwas vorzumachen, die Probleme der Umwelt von den eigenen – auch den gesundheitlichen – abzukoppeln und einen Zusammenhang zu bestreiten. Insofern würde ich es vorziehen und weitaus logischer finden, von »Lebensraumproblemen« zu sprechen. Damals jedoch, in meinen frühen Erwachsenenjahren, waren ökologische Konzepte für mich genauso nebensächlich wie irgendwelche konkreten Umweltaktivitäten.

Gesundes Essen, schadstoffarme Luft, sauberes Wasser, das alles bekam erst wieder einen entscheidenden Stellenwert, als ich unser erstes Kind erwartete. Noch bevor Samuel auf die Welt kam, begann ich mich recht intensiv mit der Ernährung von Babys und Kleinkindern sowie mit der Windelfrage zu befassen.

Pampers und Co. oder lieber die gute altmodische Stoffwindel? Wobei der Wunsch, Müll zu vermeiden, zwar den auslösenden Faktor darstellte, als ich mich gegen die bequeme Lösung entschied, doch daneben gab es gesundheitliche Bedenken, denn die schier unendliche Saugfähigkeit der Wegwerfwindeln war mir nicht geheuer. Und so verbrachten letztlich alle drei Kinder – wenngleich mit wechselnder Begeisterung seitens der wickelnden Eltern – die Anfänge ihres Lebens überwiegend in Stoffwindeln.

Obwohl wir das als kleine Erfolgsstory in Sachen Müllvermeidung verbuchten, begnügten wir uns im Übrigen damit, den Müll so gut wie möglich zu trennen und entsprechend zu entsorgen. Solange wir in Graz lebten, war das nicht einmal mit Umständen verbunden, weil direkt vor unserem Haus Papier-, Metall- und Glascontainer standen. Plastikverpackungen sowie PET-Flaschen sammelten wir zusätzlich brav im sogenannten gelben Sack, und die Tetrapacks landeten in der Ökobox. Was nach der Abholung damit geschah, entzog sich einerseits unserer Kenntnis und interessierte uns andererseits auch nicht weiter. Und da die »Jute-statt-Plastik«-Bewegung damals gerade kein Thema war, schien mit der gewissenhaften Mülltrennung aus meiner Sicht sowohl das Nötige als auch das Richtige und vor allem das einzig Mögliche getan.

Recycling. Dieses Schlagwort reichte über Jahre vollkommen aus, um mir und vermutlich dem Großteil der Verbraucher bezüglich des Umgangs mit Müll ein wirklich gutes Gewissen zu bescheren. Von der anfallenden Gesamtmenge fehlte jede Vorstellung. Wie denn auch? Schließlich wurde der Abfall zu Hause abgeholt: aus den Augen, aus dem Sinn. Und überhaupt: Wer denkt schon gerne über Müll, seine Entstehung und Entsorgung, geschweige denn über seine Vermeidung nach? Das tut man erst, wenn es für einen selbst zum Problem oder zumindest augenfällig wird.

Dann zogen wir aufs Land. Und hier gingen und gehen die Uhren anders als in der Großstadt. Das beginnt schon mit den Restmülltonnen, die lediglich einmal im Monat geleert werden, für uns damals ein Novum. Zum Glück gibt es für Altpapier in unmittelbarer Nähe einen Container, aber alle anderen »Müllsortimente« müssen wir seither selbst zum Wirtschaftshof der Gemeinde bringen. Als wir plötzlich sahen, wie sich neben der Tonne immer mehr Plastikmüllsäcke auftürmten, fanden wir das wenig attraktiv. Eine Zeit lang erschöpfte sich die Diskussion über das leidige Problem allerdings darin, zusätzliche Fahrten zum Wirtschaftshof zu organisieren, was in Anbetracht der recht begrenzten Öffnungszeiten mitunter nicht ganz einfach war. So feilschten mein Mann und ich regelmäßig, wer diesmal an der Reihe sei. Obwohl sich nicht übersehen ließ, dass allein in unserem Haushalt riesige Mengen an Plastikmüll anfielen, kamen wir vorerst gar nicht auf die Idee, den Missstand bei der Wurzel anzupacken. Wir müssen wirklich anderweitig sehr beschäftigt gewesen sein, und ich befürchte, Peter und ich würden heute noch diskutieren, wenn …

Aber der Reihe nach.

Ein paar Umwege und Zwischenetappen waren nötig, bis es zu einer entscheidenden Wende in Sachen Müllvermeidung kam. Zunächst einmal beschäftigte ich mich vorwiegend mit unserer Ernährung. Nachdem ich Erwin Wagenhofers Film We Feed the World, eine kritische Bilanz der zunehmenden Industrialisierung der Nahrungsmittelproduktion, gesehen hatte, begann ich immer größeren Wert auf Auswahl und Herkunft von Lebensmitteln zu legen. Inzwischen halten wir uns weitestgehend an Bioprodukte, essen wenig Fleisch – Marlene ist ohnehin seit ihrem achten Lebensjahr Vegetarierin – und geben acht, dass Lebensmittel möglichst aus Österreich kommen. Wenn sie doch einmal, wie etwa Bananen, aus fernen Ländern stammen, versuchen wir zumindest, Bio- und Fair-Trade-Erzeugnisse zu kaufen.

Animiert durch einige Freundinnen gingen wir außerdem verstärkt dazu über, es im Krankheitsfall primär mit sanften Methoden und unserem Homöopathen zu versuchen, was eigentlich fast immer zum Erfolg führte – so hat seit mehr als zehn Jahren keines unserer Kinder ein Antibiotikum gebraucht. Darüber hinaus kamen in dieser Zeit vermehrt biologisch abbaubare Putz- und Waschmittel zum Einsatz, das Auto blieb häufiger zugunsten von Bahn oder Fahrrad stehen, Flugreisen machten wir auch damals schon nicht, und so war ich mir bis zum Herbst 2009 eigentlich ziemlich sicher, dass ich über das nötige Wissen und alle Voraussetzungen für eine möglichst umwelt- und gesundheitsbewusste Lebensführung verfügte. Bei der Umsetzung in die alltägliche Praxis mochte es zwar Optimierungsbedarf und Schwachstellen geben, aber darüber sahen wir relativ entspannt hinweg.

Erneut war es ein Film, der mich zum Umdenken zwang. Einer, der meine bequeme Zufriedenheit infrage und unser Leben auf den Kopf stellte.

Ein Film und seine Folgen

Am Abend des 17. September 2009 bin ich mit meiner Freundin Nicole in einem Grazer Kino verabredet, in dem Werner Bootes Dokumentarfilm Plastic Planet Premiere haben soll.

Etwas verspätet und gehetzt komme ich an. Genervt von der frustrierend langen Parkplatzsuche und meiner eigenen Fehlentscheidung, mit dem Auto in die Stadt zu fahren, steht mir der Sinn eigentlich mehr nach einem gemütlichen Glas Rotwein als nach einem vermutlich anstrengenden Dokumentarfilm mit einem merkwürdigen Titel. Wir haben uns nämlich nicht darum gerissen, an diesem Abend ins Kino zu gehen, sondern die Premierenkarten geschenkt bekommen. Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul, denke ich seufzend. Muss der Wein halt warten.

Bevor es losgeht mit dem Film, werden – wie bei Premieren üblich – ein paar einleitende Worte gesprochen, die mit dem Hinweis enden, dass Werner Boote, der Regisseur, nach der Vorstellung für Fragen zur Verfügung stehen wird. Was mich lediglich dazu veranlasst, Nicole noch schnell zuzuflüstern: »Du, da machen wir uns aber gleich aus dem Staub, ich finde solche Diskussionen mühsam!«

Schließlich haben wir den Kinobesuch nur als Auftakt für einen netten, unbeschwerten Abend geplant. Und überhaupt: Planet aus Plastik, das klingt für mich eher nach Science-Fiction, nach einer Zukunftsvision, und damit wenig verlockend, denn SF mag ich nicht besonders. Erst recht kann ich mir nichts unter einer Dokumentation über einen Plastikplaneten vorstellen.

Als wir den Kinosaal rund eineinhalb Stunden später wieder verlassen, hat sich mein Horizont nicht nur entscheidend erweitert – ich bin sozusagen unmittelbar auf dem harten Boden des Plastikplaneten gelandet. Weichmacher in Bodenbelägen, Plastikstrudel im Pazifik, intersexuelle Fische in englischen Flüssen, Opfer der Polivynilchloridproduktion in Venedig, Bisphenol A in Babyschnullern, Unfruchtbarkeit, ohnmächtige EU-Politiker und arrogante Vertreter der Plastikindustrie, all das und noch viel mehr schwirrt mir im Kopf herum.

Während Nicole und ich uns langsam nach draußen drängen, überkommt mich bereits das Gefühl, nicht mehr derselbe Mensch zu sein, als der ich dieses Kino betreten habe. Irgendein Schalter scheint in meinem Kopf umgelegt worden zu sein. Allerdings sind es nicht nur die bedrückenden Bilder von mit Plastikmüll bedeckten Stränden, aus dem Meer gefilterten winzigen Plastikteilchen, von Müllbergen an allen Ecken und Enden der Welt und auch nicht einige für mich teilweise neue Informationen über gesundheitlich äußerst bedenkliche Ingredienzien, die in vielen Kunststoffen enthalten sind.

Nein, während des Films habe ich begonnen, über mich selbst nachzudenken und mich über meine bisherige Naivität im Umgang mit Plastik zu ärgern. Meldungen, dass irgendein Kinderspielzeug, meist aus China, wegen überhöhter Schadstoffbelastung vom Markt genommen werden musste, sind mehr oder weniger zu einem Ohr rein-, zum anderen rausgegangen – länger beschäftigt haben sie mich nie. Und wenn ich doch einmal Verwunderung verspürte, dann nur aus dem einzigen Grund, weil ich eigentlich ziemliches Vertrauen in diverse Verordnungen und Kontrollmechanismen der EU gesetzt habe.

Damit ist es nun schlagartig vorbei. Aus Vertrauen wird erst Ungläubigkeit, dann Empörung und Entsetzen. »Wahnsinn«, murmle ich immer wieder vor mich hin und lasse das eben Gesehene noch einmal Revue passieren.

Was ist das eigentlich Besondere an diesem Film, fragte ich mich. Warum geht er mir dermaßen unter die Haut?

Werner Boote, einem österreichischen Regisseur, der schon für die unterschiedlichsten Filmgenres gedreht hat, ist Erstaunliches gelungen. Plastic Planet ist meiner Meinung nach keine typische Dokumentation, da Boote nicht nur unterschiedliche Stilmittel vermischt, sondern sein Anliegen in eine sehr persönliche Geschichte packt, die sich wie ein roter Faden durch den Film zieht. Auf den Spuren seines Großvaters, in den Sechzigerjahren Geschäftsführer der deutschen Interplastikwerke und damit einer der Pioniere des Kunststoffzeitalters, versucht er den »Geheimnissen« der Plastikproduktion auf die Spur zu kommen, wobei er recht bald erkennen muss, dass das so einfach nicht ist. Denn jede Firma hat ihre eigenen »Rezepte« – und was in den einzelnen Produkten letztendlich wirklich enthalten ist, bleibt nicht nur den Konsumentinnen und Konsumenten, sondern auch den Kontrollorganen der EU meist verborgen.

Abgesehen davon, so Bootes Fazit, braucht man vermutlich ein abgeschlossenes Chemiestudium, um die Schädlichkeit einzelner Inhaltsstoffe überhaupt einigermaßen einschätzen zu können. Plastik ist mittlerweile überall – auch dort, wo es eigentlich niemand haben will. Woraus wiederum das Riesenproblem resultiert, dass die unreflektierte Verwendung derartiger Produkte nicht nur zu gigantischen, für jedermann sichtbaren Müllbergen führt, sondern auch verborgene Gefahren birgt. Unmittelbare oder solche mit Langzeitwirkung, wie es etwa gerade bei Müll auf dem Meeresboden der Fall ist.

Verschiedene Chemikalien, die bei der Plastikproduktion verwendet werden, lösen sich nämlich mit der Zeit aus dem Material und können den menschlichen Organismus auf unterschiedlichste Weise schädigen, doch lassen sich die Zusammenhänge zumeist nicht untersuchen, weil sich die Kunststoffindustrie eben gerne auf das Prinzip Geheimhaltung beruft.

All das führt Bootes Film vor Augen, nähert sich dem Thema unter verschiedenen Aspekten: Da findet sich der schöne Schein der Werbung ebenso wie die »wohltätige« Forschung, der seriöse wissenschaftliche Ansatz ebenso wie die skrupellose Vermarktung, da werden Gespräche geführt mit Industriellen, Wissenschaftlern und Medizinern, aber bei aller Betroffenheit und Ernsthaftigkeit kommt auch die Lust am Skurrilen und Komischen nicht zu kurz.

Und so schuf Boote mit diesem ungewöhnlichen Film nicht nur ein erschütterndes, aufrüttelndes Dokument des Plastikzeitalters, sondern schaffte es überdies, dem Film mit einer speziellen Mischung aus zeitweise fast unerträglicher Hartnäckigkeit, erfrischender Spontaneität und einer Prise »Wiener Schmäh« zugleich eine heiter-unterhaltsame, ja zeitweise sogar witzige Note zu verleihen.

Eine einsame Entscheidung

Als Nicole und ich aus dem Kino herauskommen, wartet dort Gerhard auf uns, der Lebensgefährte meiner Freundin Sonja. Er hat den Film ebenfalls gesehen, uns zufällig im Kino entdeckt, und wie uns steht ihm der Sinn jetzt nach einem Glas Rotwein. Um das Ganze zu »verdauen«, wie er sagt.

Also einigen wir uns rasch, gemeinsam auf die Suche nach einem passenden Lokal zu gehen. Bezüglich des »Verdauens« des soeben Gesehenen gibt es allerdings weniger Einigkeit. Jedenfalls hält Gerhard es offenbar für reichlich übertrieben, dass mich der Film dermaßen aufgewühlt hat.

»Na ja, so tragisch sehe ich das alles nun wieder nicht«, meint er und fügt fatalistisch hinzu: »Und außerdem, was willst schon machen? Plastik ist eben überall. Alles ist verpackt. Da kannst du höchstens gar nichts mehr einkaufen!«

Meine Betroffenheit ist in diesem Moment noch so frisch, dass ich beinahe verärgert reagiere und leicht gereizt zurückfauche: »Ja, gar keine schlechte Idee, wäre ohnehin besser, weniger zu kaufen …« Meine alte Neigung, für inakzeptable Zustände sofort eine Lösung zu suchen, macht sich in diesem Moment mal wieder bemerkbar, was meine Begleiter allerdings nicht ahnen können. Während Nicole und Gerhard aufzählen, ob und was und wo man ohne Plastikverpackung einkaufen kann, beginne ich innerlich auf Hochtouren zu laufen.

Nur noch halbherzig verfolge ich das Gespräch.

Nicole: »Okay, Gemüse, Brot und Gebäck, das geht ja, meistens zumindest. Im Supermarkt allerdings ist das meiste verpackt. Und wenn du Wurst und Käse offen kaufst, bekommst du es in Folie oder beschichtetes Papier eingewickelt. Alles andere ist sowieso aussichtslos. Zum Beispiel bei Toiletteartikeln, da kenn ich überhaupt nichts, was nicht in Plastik verpackt wäre.«

Gerhard: »Stimmt, ist hier auch sinnvoll. Wäre ja wohl ein bisschen gefährlich, wenn in den Duschen überall Glasflaschen mit Shampoo und Duschgel herumstehen würden.«

Nicole: »Bei den Putzmitteln ist es ja dasselbe. Da gibt es kaum eines, das nicht in einer Plastikflasche abgefüllt ist – bliebe höchstens als Alternative die gute alte Kernseife.«

Mich regt das alles nur noch mehr auf und es brodelt in mir. Es scheint, als würde das Resultat dieser Diskussion von vornherein feststehen: geht nicht! Mein Widerspruchsgeist erwacht. Ein Zustand, der dermaßen nach Veränderung schreit, kann doch nicht einfach so verbal in Stein gemeißelt werden.

Ich versuche mich an Überzeugungsarbeit: »Es kann eigentlich nicht sein, dass wir alle bei dem Wahnsinn weiterhin mitmachen. Bis vor hundert Jahren hat die Menschheit schließlich auch existiert, ohne überall Müll zu hinterlassen, der teilweise Jahrhunderte braucht, um zu verrotten, und dabei zu allem Überfluss Unmengen an Gift freisetzt.«

Zurückschauend glaube ich, dass sich in diesem Augenblick beim Rotwein im Lokal, aufgewühlt von dem Film und deprimiert von der scheinbaren Aussichtslosigkeit, etwas verändern zu können, in meinem Kopf erstmals die Umrisse jenes Experiments herauszukristallisieren begannen, das mein Leben grundlegend verändern sollte. Mit anderen Worten: Ich traf die ersten Vorbereitungen für eine Reise zu einem unbekannten Ziel – ohne zu ahnen, was mich unterwegs so alles erwarten würde.

»Außerdem hab ich keine Lust mehr, mich von dieser ganzen verantwortungslosen Industrie und ihrer Werbung für blöd verkaufen zu lassen. Da bekommt man ständig Bilder von glücklichen Menschen mit strahlend weißer Wäsche und hygienisch verpackten Fertiggerichten vorgesetzt, und schon kauft man schön brav den ganzen Blödsinn. Unentwegt werden irgendwelche neuen Bedürfnisse geweckt, damit die ihren Schrott loswerden. Was in den Produkten drin ist, interessiert dagegen niemanden mehr und die Inhaltsstoffe des Verpackungsmaterials erst recht nicht. Hauptsache billig und viel.«

Ich rede mich so richtig in Rage, werde dabei etwas theatralisch und zynisch und will vor allem Gerhard aus der Reserve locken: »Ist aber eigentlich egal, denn das Problem löst sich ohnehin über kurz oder lang. Geben wir unseren lieben Kleinen zur Beruhigung einfach weiterhin ihre Bisphenol-A-Schnuller, und sie oder die nächsten Generationen werden unfruchtbar. Mit der Konsequenz, dass automatisch die Müllberge schrumpfen. Nun gut, am Ende verschwindet vielleicht die ganze Menschheit, doch dann hat der Planet wenigstens endlich wieder seine Ruhe.«

Statt mir zuzustimmen, sucht Gerhard sein Heil im Gegenangriff, erklärt meine Sichtweise für einseitig und führt seinerseits CO2 und Klimawandel als weitaus größere Probleme ins Feld. »Du mit deinem bösen Plastik … alles halb so schlimm«, grummelt er. »Aber bitte, wenn das für dich ein Ansatz ist, die Welt von einem bisher unerkannten Übel zu befreien …«

Langsam werde ich wirklich ungeduldig. Ich habe das Gefühl, meine Einwände, dass schließlich alles zusammenhänge, weil die Plastikherstellung ebenfalls CO2-Emissionen verursache und Erdöl verbrauche, damit also unmittelbar zum Klimawandel beitrage, könnte ich mir eigentlich sparen. Ich probiere es trotzdem, rede mir meine Empörung von der Seele. Was immerhin dazu führt, dass Nicole vermittelnd eingreift und dem Gespräch wieder eine etwas konstruktivere Wendung zu geben versucht.

»Und wenn man damit beginnt, einfach ein wenig zu reduzieren? Bei manchen Dingen hat man schließlich die Wahl«, meint sie vorsichtig.

Gerhard ist nicht überzeugt: »Was bringt das schon? Okay, Mehl, Zucker und solche Dinge, die sowieso meist in Papier verpackt sind – darüber hinaus gibt’s im normalen Supermarkt nicht viel. Soll jetzt vielleicht jeder in Bioläden gehen? Abgesehen davon, dass es nicht überall welche gibt, sind die viel zu teuer und damit für Otto Normalverbraucher keine Alternative, würde ich sagen.«

Diese resignativ-pessimistische Reaktion, die jeden Ansatz zu Veränderungen bereits im Vorfeld als nicht machbar abzuwürgen scheint, bringt bei mir das Fass zum Überlaufen. Ohne wirklich ernsthaft über die Konsequenzen nachzudenken, platze ich einfach mit meinem einsamen Entschluss heraus: »Also, wir probieren das mal. Ihr gebt mir sicher recht, dass wir in die Kategorie Otto Normalverbraucher fallen. Schließlich sind wir eine ganz durchschnittliche fünfköpfige Familie, verdienen durchschnittlich und haben durchschnittlich viel Zeit neben unserem Beruf. Und wir werden jetzt einfach mal einen Monat lang plastikfrei einkaufen. Einfach so, als Experiment sozusagen. Und dann sehen wir ja, ob uns das in den finanziellen Ruin treibt. Und vor allem, ob es nicht doch möglich ist, obwohl es nach allen bisherigen Prognosen schier unmöglich scheint.«

So, nun ist es raus! Ich fühle mich irgendwie erleichtert und gleichzeitig fest entschlossen, das durchzuziehen.

Beim Wein geht es noch eine Weile weiter. Während Gerhard nur leicht spöttisch meint: »Na, dann viel Spaß. Jetzt musst du nur noch Peter und die Kinder überzeugen«, findet Nicole mein Vorhaben spannend und beginnt gleich Überlegungen für mögliche Einkaufslisten mit mir zu wälzen.

Als wir gerade darüber spekulieren, welche Auswirkungen das Waschen mit Kernseife auf unser an duftende Shampoos gewöhntes Haar bedeuten könnte, taucht mein Mann auf, der direkt aus der Spätschicht in der Behinderteneinrichtung kommt. Normalerweise nimmt er, wenn er nicht mit dem Fahrrad fährt, morgens wie abends den Zug, aber an diesem Tag will er mit mir im Auto nach Hause.

Statt ihn zu begrüßen, überfalle ich ihn gleich mit meiner umwerfenden Neuigkeit. »Wir müssen unbedingt ein Experiment machen!« Peter, im Gegensatz zu mir ein eher ruhiger Zeitgenosse und impulsive Entscheidungen von mir gewöhnt, reagiert wie erwartet mit der ihm eigenen Gelassenheit. Geduldig hört er sich unsere – je nach Sichtweise – mehr oder weniger dramatischen Schilderungen an und stimmt schließlich meiner Idee zu, dem Problem mittels eines kleinen Experiments auf den Leib zu rücken. Ja, er hält das Vorhaben sogar für recht reizvoll. Jedenfalls ist nichts von dem Widerstand zu bemerken, mit dem er in anderen Fällen meinen euphorischen Bestrebungen, die Welt oder zumindest Teile davon zu retten, zu begegnen pflegt.

Allerdings zeigt sich zugleich eine andere typische Eigenschaft meines Mannes: sein ausgeprägter Realitätssinn. Da er mich vermutlich im Geiste am nächsten Tag bereits sämtliches Plastikinventar entsorgen sieht, ohne Alternativen parat zu haben, stellt er für den Beginn des Experiments ganz klare Vorbedingungen: »Für einen Monat, okay, probieren wir es mal. Aber wir müssen uns darauf vorbereiten. Von heute auf morgen geht so was nicht. Zunächst sollten wir recherchieren, wo es was zu kaufen gibt. Und erst wenn das klar ist, legen wir einen Termin für den Start des Experiments fest.«

Wunderbar, damit ist die Sache im Prinzip besiegelt.

Eine Bedingung schiebt Peter allerdings nach: »Wenn es mühsam wird oder unlustig, dann steig ich aus. Stress will ich damit nicht haben. Die Sache muss Spaß machen!«

Die Familienkonferenz

Nachdem Peter sein Einverständnis signalisiert hat, müssen wir nur noch unseren Nachwuchs überzeugen, doch erwarte ich von dieser Seite eigentlich keine allzu großen Schwierigkeiten. Meiner Einschätzung nach stehen die Chancen, dass sie sich für unser Experiment erwärmen, recht gut. Wie die meisten Kinder begegnen sie neuen Ideen überwiegend mit Neugier und Begeisterung.

Samuel, der Älteste, hat breit gefächerte Interessen, zu denen auch Tiere, Pflanzen und die Natur überhaupt gehören. Da er sehr belesen ist, verfügt er über ein für sein Alter überdurchschnittliches Allgemeinwissen, sodass man mit ihm schon sehr gut auf der intellektuellen Ebene verhandeln kann. Dass er aus diesem Grund bisweilen zur Besserwisserei neigt, steht auf einem anderen Blatt, spielt in diesem Fall jedoch keine Rolle.

Marlene, die Mittlere unserer Kinder, besitzt ähnlich wie ich einen Hang zu dramatischen Gefühlsausbrüchen, dazu eine ausgeprägte soziale Ader und einen starken Willen. Sie ist sehr mitfühlend, naturverbunden und liebt Tiere. Vielleicht hat sie deshalb von einem Tag auf den anderen beschlossen, Vegetarierin zu werden. Darüber hinaus zeichnet sie sich dadurch aus, dass sie sensibel auf jegliche Art von Ungerechtigkeit reagiert und über eine absolute Begabung verfügt, bei einem Menschen seinen wunden Punkt zu erkennen. Zum Glück ist sie taktvoll genug, das nicht allzu oft auszunutzen. Was indes unser Projekt betrifft, mache ich mir um Marlene keine Sorgen.

Leonard, unser Jüngster, ist da schon ein anderes Kaliber. Allein aufgrund seines Alters dominieren in seiner Spielkiste Plastiksachen. Außerdem ist er insbesondere an allen Arten von Ballspielen interessiert – und Bälle pflegen sich bekanntermaßen zumeist nicht durch Plastikfreiheit auszuzeichnen.

Na, schauen wir mal, denke ich mir.

Als Marlene am nächsten Morgen ihre 0,5-Liter-PET-Flasche für die Schule am Wasserhahn neu befüllen will, gehe ich rasch dazwischen. »Die Flasche nimmst du ab heute nicht mehr mit, ich gebe dir stattdessen die Aluflasche.« – »Wieso denn das?«

»Wir erklären euch das, sobald wir alle beim Frühstück sitzen.«

Mit dieser Ankündigung ist Marlenes Neugier geweckt, und sie treibt ihre Brüder zur Eile an. Als die endlich eingetrudelt sind, schaue ich in erwartungsvolle Gesichter.

»Papa und ich haben gestern beschlossen, ein Experiment zu machen«, sage ich beinahe feierlich und berichte erst einmal von dem Film, wie stark er mich beeindruckt hat, und dann von der daraus entstandenen Idee.

Wie erhofft sind alle drei gleich Feuer und Flamme, zumal die beiden Großen durchaus nachvollziehen können, warum es eine gute Sache sein könnte, auf Plastik zu verzichten.

Marlene trennt sich überdies leichten Herzens von ihrer PET-Flasche. »Schmeckt eh nicht so gut, wenn man Wasser aus einem Plastikbehälter trinkt«, meint sie, und ihr großer Bruder nickt zur Bestätigung. »Stimmt, schmeckt irgendwie künstlich.« Bisher hat sich keiner von ihnen darüber beschwert, aber künftig würde ich auch von anderen Leuten zu hören bekommen, dass Plastik den Geschmack verdirbt.

Der Einstieg jedenfalls ist gelungen, und bei anderen Punkten ist es ebenfalls relativ einfach, die Kinder mit ins Boot zu holen. Als ich beispielsweise von den riesigen Müllbergen erzähle, die Werner Boote an den Stränden einer japanischen Insel mit einer Gruppe freiwilliger Helfer zusammengetragen hat, fühlt sich Samuel sofort an unseren Kroatienurlaub erinnert, der erst drei Wochen zurückliegt. »Wie in unsrer Bucht.«

Obwohl das Land erst kürzlich ein Pfandsystem für Plastikflaschen eingeführt hat, entdeckten wir täglich aufs Neue Plastikmüll in der wunderschönen, um diese Zeit schon ziemlich verlassenen Bucht. Und das trotz unserer regelmäßigen Sammelaktionen, die meine Kinder ebenso eifrig betrieben, wie ich es vor vielen Jahren auf den Spielplätzen meiner Kindheit getan hatte.

Anfangs wunderten wir uns nur, wussten im ersten Moment keine Antwort – bis mir nach und nach dämmerte, was es mit den unansehnlichen, allmorgendlichen Ansammlungen auf sich haben musste. Es handelte sich nämlich nicht in erster Linie um die Hinterlassenschaften einzelner Besucher, sondern um Müll, der regelmäßig an den Strand gespült wurde.

»Warum ist es nicht verboten, dass Müll von den Schiffen direkt ins Meer geworfen wird?«

Ich muss passen, denn ich weiß nicht einmal genau, ob es erlaubt ist oder einfach so gehandhabt wird. Wer sollte das auf dem offenen Meer auch kontrollieren? »Offenbar fühlt sich niemand zuständig«, antworte ich ein wenig ratlos.

Jetzt kommen meine Kinder zu einem Kernpunkt des Experiments. Der Frage nämlich, was es überhaupt nützt, wenn wir kein Plastik mehr einkaufen, die anderen hingegen sich nicht drum scheren und sogar den Müll ins Meer kippen.

Ein heikler Punkt. Nun muss sich nämlich entscheiden, ob ich meinen Kindern die Sache auf eine Weise zu erklären vermag, dass sie wirklich verstehen, warum mir dieses Experiment so wichtig ist.

»Wisst ihr, es reicht einfach nicht, wenn jeder für sich seinen Plastikmüll trennt und in den gelben Sack steckt. Auf der ganzen Welt werden schließlich jeden Tag Unmengen von Plastikfolien, Plastikflaschen und Plastiksackerln verwendet und weggeworfen. Und in vielen Ländern und vor allem auf dem Meer gibt es überhaupt keine Mülltrennung und Müllsammlung und kein Recycling wie bei uns. Und denjenigen, die Plastik herstellen, liegt nur daran, dass sie möglichst viel davon verkaufen und daran verdienen. Die kümmert nicht, was später mit dem Müll passiert. Und außerdem schauen sie nicht wirklich darauf, dass keine schädlichen Stoffe im Plastik enthalten sind, oder zumindest können sie es nicht sicher sagen. Wenn wir also hier bei uns ständig Sachen kaufen, die in Plastik verpackt sind, unterstützen wir das und tragen dazu bei, dass immer mehr Plastik hergestellt wird, und somit sind wir dann eben auch mit dafür verantwortlich, wenn die Strände in Kroatien und anderswo voller Müll sind. So sehe ich das jedenfalls. Versteht ihr, was ich meine?«

Schweigen. Leonard ist der Erste, der die Sprache wiederfindet und stolz seine Beobachtungen mitteilt, dass bei uns sehr wohl ebenfalls Müll im Wald und auf der Straße herumliegt, wobei ihm insbesondere die McDonald’s-Becher ins Auge zu fallen scheinen. Er ist jedenfalls ganz aufgeregt. Samuel und Marlene beginnen nun ebenfalls damit, allerlei Müllsünden aufzuzählen, doch anders als dem kleinen Bruder ist ihnen die größere Dimension des Problems offenbar klar.

Nach einer Weile unterbricht Peter die schier unendlichen Geschichten. »Und genau deshalb wollen wir jetzt einmal eine Zeit lang versuchen, das, was wir brauchen, ohne Plastikverpackung zu kaufen.«

»Und wann fangen wir damit an?«, fragt Samuel, worauf seine Geschwister mit einhelligem »Heute, jetzt, sofort!« antworten.

Ich erkläre ihnen, wie mit Peter am Abend zuvor besprochen, dass es nicht ohne gründliche Planung gehen kann. »Oder wollt ihr womöglich einen Monat lang nur Brot und Wasser vorgesetzt bekommen«, scherze ich. Um ihre rührende Begeisterung jedoch nicht allzu sehr zu dämpfen, versprechen wir, am Nachmittag gemeinsam mit ihnen eine Liste zu machen, was wir für unser Experiment brauchen, was wir neu anschaffen und was wir aussortieren müssen. Und am morgigen Samstagvormittag, wollen wir dann unseren ersten »plastikfreien« Einkauf starten.

Für unsere Kinder ein absolutes Highlight, für uns hingegen die erste große Herausforderung.

Lust und Frust beim Planen

Bei aller Begeisterung, den unser Nachwuchs an den Tag gelegt hat, scheint es meinem Mann und mir doch besser, ein paar Dinge im Vorfeld abzuklären, und so setzen wir uns ein paar Stunden später bei einer Tasse Kaffee zusammen, um über die Einkaufsliste nachzudenken. Prompt eröffnen sich einige Problemfelder, die wir bis dahin noch gar nicht im Blick hatten.

Zum Beispiel in Bezug auf Kaffee, dem speziell ich, über den Tag verteilt, reichlich zuspreche. Wobei die Zubereitung – wir besitzen eine italienische Espressomaschine – relativ plastikfrei und damit unproblematisch ist. Nach den gestrigen Erkenntnissen, dass sich aus Kunststoffen vor allem in Verbindung mit heißen Flüssigkeiten besonders viele Schadstoffe lösen, will ich auf die Verwendung von Filtermaschinen oder Plastikfiltern in Zukunft ohnehin gänzlich verzichten. Aber der Teufel steckt in der Verpackung, und selbst Bio- und Fair-Trade-Kaffee pflegt in plastikgefütterten Folien verkauft zu werden. Gibt es diese Art von Kaffee auch »offen« zu kaufen? Müsste es doch eigentlich, denke ich voller Zuversicht.

Peter seinerseits ist an Kaffee nicht ganz so interessiert und käme zur Not auch ohne aus. Zudem wähnt er sich in Bezug auf sein Lieblingsgetränk in Sicherheit, da Bier ohnehin hauptsächlich in Glaspfandflaschen erhältlich ist, sowohl ökologisch gesehen als auch hinsichtlich Haltbarkeit und Qualität eine der besten Verpackungsvarianten für Flüssigkeiten überhaupt.

Aber Hochmut kommt vor dem Fall, und Peter hat eine winzige, wiewohl entscheidende Kleinigkeit übersehen: Bei genauer Inspektion der Kronenkorken stelle ich nämlich zu seinem Entsetzen fest, dass sie an der Innenseite unleugbar eine Kunststoffbeschichtung enthalten. Als ich sein Gesicht sehe, muss ich unwillkürlich an seine Bedingung von wegen Stress und Spaß denken und lenke ein, um nicht wegen dieser im Verhältnis wenig relevanten Plastikschicht am Ende das ganze Experiment zu gefährden. »Na ja, vielleicht gibt es ja auch Sorten mit anderen Korken. Oder sogar Flaschen mit Keramikverschluss.«

Peters Gesicht bleibt düster. »Wenn du mich fragst, war das früher mal so. Und selbst wenn, dann haben diese Flaschen einen Dichtungsring, und der dürfte ebenfalls aus Kunststoff sein.«

»Ist das nicht Gummi?«, frage ich hoffnungsvoll. »Kautschuk und damit ein Naturprodukt?«

O Gott, bevor wir überhaupt angefangen haben mit unserem Experiment, türmen sich bereits die Probleme, diskutieren wir schon Spitzfindigkeiten. Das kann ja heiter werden!

Und eines bemerken wir ebenfalls an diesem Nachmittag: Dass es gar nicht so einfach sein dürfte, zuverlässige Auskünfte zu erhalten. Nicht nur wo man was kaufen kann, sondern auch was in welchem Material steckt. Was würden wir wohl zu hören bekommen, wenn wir einer Verkäuferin in einem beliebigen Supermarkt folgende Frage stellen: »Entschuldigen Sie bitte, aus welchem Material ist denn der Dichtungsring dieser Bierflasche? Wissen Sie zufällig, ob da irgendwelche bedenklichen Stoffe enthalten sind?«

Seufzend beschließen wir, das Thema Bierflaschen vorerst zu vertagen.

Doch das nächste Problem lässt nicht lange auf sich warten. Es geht um die Schraubverschlüsse diverser Gläser.

Obwohl sie eigentlich und überwiegend aus Metall bestehen, entdecken wir bei genauerem Hinsehen, dass alle Deckel zumindest dort, wo sie am Glas anliegen, eine Dichtung besitzen, die eindeutig aus Kunststoff besteht.

Jetzt ist es an mir, die Krise zu kriegen. Müssen wir wirklich einen Monat lang auf alle Lebensmittel verzichten, die in Gläsern verpackt sind? Gerade die waren ja eine meiner großen Hoffnungen für die alternative Gestaltung unserer Lebensmittelversorgung. Honig, Marmelade, diverses eingelegtes Gemüse, passierte Tomaten, Ketchup … Wenn das nun ebenfalls wegfallen sollte, wären wir in der Auswahl unserer Lebensmittel schon massiv eingeschränkt. Nicht mal selbst eingekochtes Apfelmus oder Kompott könnten wir verwenden. Und ob das dann der Devise »Es muss Spass machen!« noch standhalten könnte, wage ich zu bezweifeln.

Es scheint zum Verrücktwerden. Weil wir für den Moment mangels besserer Informationen nicht weiterkommen, vertagen wir auch dieses Problem, um uns anderen Bereichen zu widmen. Und gelangen zumindest in puncto Lebensmittel zu der beruhigenden Erkenntnis, dass wir während des plastikfreien Monats nicht Hunger leiden müssen. Brot, Gebäck, Käse, Wurst, Gemüse, Obst, Eier, Mehl, Zucker und vieles andere würden wir problemlos ohne Plastikverpackung kaufen können. Die Milch wollen wir, da Tetrapacks innen mit Plastik beschichtet sind, bei einer Bäuerin in der Nachbarschaft holen, was wir zwischendrin ohnehin schon öfter gemacht haben. Nur die Plastikmilchkanne gilt es zu ersetzen.

Schwieriger dürfte die Beschaffung plastikfreier Haushalts- und Kosmetikartikel werden. Bei Klopapier und Taschentüchern hoffen wir auf Produkte der Marke »Danke«, da diese zumindest lange Zeit über in Papier verpackt erhältlich waren. Für Geschirrspülmittel und Shampoo hingegen fällt uns auf Anhieb keine einzige plastikfreie Alternative ein. Und bei Zahnbürsten, die ja Plastik pur sind, erst recht nicht – da ist die Verpackungsfrage noch das geringste Problem.

Allerdings setze ich – im Nachhinein gesehen etwas blauäugig – große Hoffnungen in Bioläden und Reformhäuser, wo wir bislang nur sehr selten eingekauft haben und die ich mir demzufolge in meiner Fantasie als wahre Paradiese für experimentierfreudige Plastikverweigerer vorstelle. Insofern sehe ich dem morgigen Einkauf trotz der ersten Rückschläge recht optimistisch entgegen.

Doch schon einen Tag später würde ich um einige Illusionen ärmer sein.

Kein Paradies für Plastikverweigerer

Am nächsten Morgen geht es früh los zu unserem ersten plastikfreien Einkauf. Da außerdem neue Fahrräder für Samuel und Marlene anstehen, fahren wir mit dem Auto nach Graz.

Was wiederum dazu führt, dass wir während der Fahrt wie so häufig über das Thema Autofahren diskutieren, und zwar diesmal im Zusammenhang mit dem geplanten Experiment. Mein Mann ist wie gesagt im Gegensatz zu mir ein begeisterter und vor allem sehr konsequenter Radfahrer, der den Weg zu seiner Arbeitsstelle in Graz meist und bei nahezu jeder Witterung mit dem Fahrrad zurücklegt. Ansonsten nimmt er den Zug. Ich hingegen muss mich ständig motivieren und mir das Radfahren einschließlich Steigungen als nützliches Fitnessprogramm verkaufen, um dem Ganzen etwas Positives abgewinnen zu können.

Peter jedenfalls ist es an diesem Morgen sehr wichtig zu betonen, dass er für unser Experiment keine unnützen Autofahrten akzeptieren will, auch nicht zum Zweck der Plastikvermeidung. »Das darf nicht dazu führen, dass wir mit dem Auto herumfahren, um irgendwo bestimmte Sachen ohne Plastik einzukaufen! Das wäre total kontraproduktiv. Wir müssen uns bemühen, alles weiterhin mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erledigen.«

Keine Frage, da sind wir uns einig. Schließlich wäre es ziemlich absurd, auf der einen Seite Erdöl einsparen zu wollen und auf der anderen Treibstoff in die Luft zu blasen. Doch das sagt sich so leicht, und im hintersten Winkel meines Kopfes regen sich bereits erste Zweifel, ob wir es wirklich schaffen werden, den zusätzlichen Zeitaufwand, den der plastikfreie Einkauf möglicherweise mit sich bringt, in unseren Alltag zu integrieren.