Plötzlich blond - Meg Cabot - E-Book

Plötzlich blond E-Book

Meg Cabot

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Beschreibung

Was wäre, wenn … ich plötzlich schön wäre? - Witzige Verwechslungskomödie mit Tiefgang

Beauty-Sessions und It-Girl-Getue findet die superintelligente Emerson Watts eigentlich total doof. Wer so blond ist wie Super-Beauty Nikki Howard, kann doch eigentlich nur blöd sein, oder?

Doch ein unglücklicher Zufall will es, dass Emerson eines Tages im schönen Körper jener Nikki Howard aufwacht. Plötzlich ist sie beliebt und begehrt und die süßesten Jungs stehen Schlange. Vielleicht ist blond sein doch ganz nett, denkt Emerson? Wäre da nicht ihr bester Freund und heimlicher Schwarm Christopher, der völlig immun gegen ihre neuen Reize zu sein scheint ... Ein Christopher-Eroberungsplan muss her, aber plötzlich!

Top-Thema »Vorher-Nachher« pfiffig und urkomisch umgesetzt.

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Seitenzahl: 396

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Meg Cabot

Plötzlich blond

Aus dem Amerikanischen von Katarina Ganslandt

Foto © Ali Smith

Meg Cabot, geboren in Indiana, lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Katzen in New York und Florida. Sie arbeitete zunächst als Illustratorin, bevor sie sich dem Schreiben zuwandte. Auf einen Schlag berühmt wurde Meg Cabot mit den Romanen um Prinzessin Mia. Garry Marshalls zweiteilige Verfilmung der Serie, »Plötzlich Prinzessin«, wurde weltweit zum großen Kino-Erfolg.

Weitere Informationen zu Meg Cabot und ihren Büchern:www.megcabot.de

cbj ist der Kinder- und Jugendbuchverlag in der Verlagsgruppe Random House

www.cbj-verlag.de

Gesetzt nach den Regeln der Rechtschreibreform

1. Auflage 2010 © 2008 Meg Cabot, LLC Die Originalausgabe erschien 2008 unter dem Titel »Airhead« bei Scholastic Inc., New York © 2010 für die deutschsprachige Ausgabe cbj, München Alle deutschsprachigen Rechte vorbehalten Dieses Werk wurde vermittelt durch die Literarische Agentur Thomas Schlück GmbH, 30827 Garbsen. Aus dem Amerikanischen von Katarina Ganslandt Lektorat: Janka Panskus st · Herstellung: WM Satz: Uhl + Massopust, Aalen E-Book-Umsetzung: GGP Media GmbH, Pößneck ISBN 978-3-641-03916-5 www.cbj-verlag.de

Für Benjamin

Ich danke Beth Ader, Jennifer Brown, Michelle Jaffe, Susan Juby, Laura Langlie, Abigail McAden, Rachel Vail – und ganz besonders Benjamin Egnatz

»Emerson Watts?«

Die Stimme unseres Rhetoriklehrers Mr Greer schreckte mich aus meinem Dämmerzustand.

Na ja, normal, oder? Erwarten die etwa allen Ernstes, dass wir morgens um Viertel nach acht hellwach sind? Also bitte.

»Ja, hier! Anwesend!« Ich riss den Kopf von der Tischplatte hoch und tastete meine Mundwinkel verstohlen nach eventuellen Sabberspuren ab.

Anscheinend nicht verstohlen genug. Whitney Robertson, die mit anmutig übereinandergeschlagenen langen, gebräunten Beinen ein paar Tische von mir entfernt saß, lachte nämlich verächtlich auf und zischte: »Pennerin.«

Ich warf ihr einen vernichtenden Blick zu und flüsterte tonlos: Leck mich.

Darauf verengte sie ihre stark geschminkten veilchenblauen Augen, grinste herablassend und flüsterte ebenso tonlos zurück: Das hättest du wohl gern.

»Ich bin gar nicht die Anwesenheitsliste durchgegangen, Em.« Mr Greer unterdrückte ein Gähnen. Aha, er war also genauso spät ins Bett gekommen wie ich. Allerdings – im Gegensatz zu mir – wohl kaum, weil er in letzter Minute noch panisch die Hausaufgaben für den Rhetorikkurs erledigt hatte. »Ich habe dich aufgerufen, weil du jetzt mit deinem Zwei-Minuten-Vortrag dran bist. Wir hatten doch ausgemacht, dass ich euch diesmal in umgekehrter alphabetischer Reihenfolge drannehme.«

Toll. Echt toll.

Verlegen stand ich auf und trottete langsam nach vorn zur Tafel, während alle leise kicherten. Außer Whitney. Was aber nur daran lag, dass sie inzwischen einen kleinen Schminkspiegel aus ihrer Tasche gezogen hatte und sich darin bewunderte. Lindsey Jacobs, die neben ihr saß, starrte sie hingerissen an und flüsterte: »Wow. Der Farbton von dem Lipgloss ist echt wie für dich gemacht.«

»Ich weiß«, hauchte Whitney ihrem Spiegelbild verliebt zu.

Ich kämpfte tapfer gegen den aufsteigenden Brechreiz an. (Aus Nervosität und nicht etwa wegen den beiden. Obwohl … ich finde sie wirklich ziemlich zum Kotzen.) Dann wandte ich mich der Klasse zu. Vierundzwanzig Augenpaare blinzelten mich verschlafen an.

»So, Em«, sagte Mr Greer. »Du hast zwei Minuten.« Er drehte an seiner Eieruhr. »Und …«

Faszinierend. Kaum hatte er »Und …« gesagt, hatte ich ein komplettes Blackout. Ich hatte jedes, aber auch wirklich jedes Wort des Vortrags vergessen, an dem ich die halbe Nacht lang gearbeitet hatte. Ich konnte nur noch eines denken: Woher hatte Lindsey das gewusst? Dass der Farbton des Lipglosses wie für Whitney gemacht war, meine ich? Ich lebe immerhin schon seit fast siebzehn Jahren auf diesem Planeten und habe immer noch keine Ahnung, welcher Farbton mir stehen würde … geschweige denn irgendjemand anderem.

Ehrlich gesagt glaube ich ja, dass daran mein Vater schuld ist. Angeblich habe ich meine Mutter, als sie mit mir schwanger war, immer so rabiat getreten, dass er sich trotz des ziemlich eindeutigen Ultraschallbilds absolut sicher war, dass ich nur männlichen Geschlechts sein konnte. Deshalb hatte er sich auch nur einen Namen für einen Jungen überlegt. Selbst als ich dann auf der Welt war und zweifelsfrei feststand, dass das Ultraschallbild recht gehabt hatte, ließ er sich nicht davon abbringen, mich auf den Namen seines Lieblingsschriftstellers zu taufen. Tja, so kann es einem gehen, wenn man einen Literaturwissenschaftler zum Vater hat. Und da meine Mutter – die damals von ihrer Peridural-Anästhesie wahrscheinlich noch immer komplett neben der Spur war – nichts dagegen unternommen hat, steht in meiner Geburtsurkunde jetztEmerson Watts.

Toll. Ich bin wahrscheinlich das einzige Mädchen, das von sich behaupten kann, schon im Mutterleib ein Opfer typischer Geschlechterklischees geworden zu sein.

»… los!«, sagte Mr Greer und nahm die Hand von der Eieruhr.

Plötzlich fiel mir alles wieder ein, was ich am Vorabend zu meinem Thema recherchiert hatte.

Puh!

»Neununddreißig von hundert PC-Spielern«, begann ich meinen Vortrag, »sind Mädchen und junge Frauen. Trotzdem ist nur ein winziger Bruchteil der Spiele, die die Computerspielbranche entwickelt – eine Branche, die übrigens weltweit jährlich ungefähr fünfunddreißig Milliarden Dollar umsetzt – auf eine weibliche Zielgruppe ausgerichtet.«

An dieser Stelle legte ich eine dramatische Kunstpause ein, die ich mir allerdings genauso gut hätte sparen können.

Okay, wahrscheinlich kann man niemandem einen Vorwurf machen. Es war wirklich noch verdammt früh am Morgen.

Aber trotzdem. Nicht einmal Christopher, der bei uns im Haus wohnt und angeblich mein allerbester Freund ist, hörte mir zu. Als ich zu seinem Platz in der letzten Reihe schaute, sah ich, dass er mit geschlossenen Augen dasaß.

»Die University of California in Los Angeles hat eine Studie durchgeführt«, fuhr ich unbeirrt fort, »aus der hervorgeht, dass die Zahl der Frauen, die einen Hochschulabschluss in Informatik ablegen, mittlerweile auf den historischen Tiefstand von unter dreißig Prozent gesunken ist. Damit ist Informatik das einzige Studienfach, in dem der Anteil von Studentinnen sogar abnimmt!«

Mittlerweile war ich der einzige Mensch im Raum, der noch wach war. Selbst Mr Greer waren die Augen zugefallen.

Beeindruckende Leistung, Mr Greer, echt. Und so einer will Pädagoge sein?

»Erziehungswissenschaftler machen unser Schulsystem für diese Entwicklung verantwortlich, weil es den Lehrern offenbar nicht gelingt, junge Mädchen für naturwissenschaftli che Fächer zu interessieren – insbesondere für alles, was mit Computern zu tun hat.« Ich redete tapfer weiter und sah Mr Greer dabei direkt ins Gesicht. Nicht dass er es bemerkt hätte. Er schnarchte inzwischen leise vor sich hin.

Toll. Echt toll. Dabei hatte ich mich so gefreut, als ich mein Vortragsthema bekommen hatte, weil ich nämlich zufälligerweise zu den neununddreißig Prozent der Mädchen gehöre, die auf Computerspiele stehen. Jedenfalls auf ein ganz bestimmtes Computerspiel.

»Was könnte man also tun, um mehr Mädchen für Computerspiele zu interessieren?«, fragte ich in die schläfrige Stille hinein. »Immerhin beweisen wissenschaftliche Untersuchungen, dass Computerspiele das strategische Denken, das Verstehen von Zusammenhängen und das Reaktionsvermögen verbessern. Und interaktive Online-Spiele fördern außerdem auch noch die Fähigkeit zu kooperativer Zusammenarbeit.«

Vollkommene Stille. Mir wurde klar, dass es so keinen Zweck hatte. Echt nicht.

»Tja«, sagte ich. »Ich könnte mir jetzt natürlich auch die Klamotten vom Leib reißen und euch demonstrieren, dass ich unter meiner Jeans und meinem Kapuzenshirt ein Tank Top und Hot Pants trage wie Lara Croft in Tomb Raider - bloß dass meine aus feuerfestem Material bestehen und mit Dinosaurierstickern beklebt sind, die im Dunkeln leuchten.«

Niemand rührte sich. Noch nicht mal Christopher, der Lara Croft ziemlich scharf findet.

Also machte ich munter weiter. »Ich weiß, was ihr jetzt denkt: Im Dunkeln leuchtende Dinosauriersticker sind so was von out, outer geht's gar nicht. Aber ich finde, dass sie mei nem Kampf-Outfit das gewisse Etwas verleihen. Klar, die Shorts unter den Jeans sind natürlich ziemlich unbequem und eher unpraktisch, wenn man mal schnell aufs Klo muss, aber dafür sind die Oberschenkelhalfter, in denen meine beiden Schnellfeuerpistolen stecken, extrem …«

Die Eieruhr schrillte.

»Danke, Em«, gähnte Mr Greer. »Dein Vortrag war sehr überzeugend.«

»Nicht doch, Mr Greer«, sagte ich und strahlte ihn an. »Ich danke Ihnen.«

Ich bin echt verdammt froh, dass ich mein Begabtenstipendium habe und meine Eltern daher keine Schulgebühren zahlen müssen. Meiner Meinung nach lässt die Qualität des Unterrichts an der Tribeca Highschool nämlich sehr zu wünschen übrig.

Als ich an meinen Platz zurückging, fragte Mr Greer (hauptsächlich sich selbst, nehme ich an): »So, wer ist denn als Nächster dran? Ach ja. Whitney Robertson.« Er lächelte so, wie alle immer lächeln, wenn sie mit Whitney reden. Alle außer mir. »Kommst du bitte nach vorn?«

Whitney – die sich gerade die Nase gepudert hatte, als die Eieruhr losgegangen war – ließ ihr Puderdöschen zuschnappen und schlug ihre überkreuzten Beine auseinander. Schlagartig waren alle hellwach. Anscheinend war ich nicht die Ein zige, die dabei einen Blick auf ihren Tanga mit Leopardenmuster erhascht hatte.

»Na gut, dann versuch ich's mal.« Whitney lachte kokett auf, ließ ihren langen, schlanken Körper hinter dem Tisch hervorgleiten und schlenderte an den Tischreihen vorbei. (Das ist mein Ernst. Sie trug acht Zentimeter hohe Plateauabsätze und schlenderte! Wie schaffen diese Mädchen das nur? Wenn ich versuchen würde, in acht Zentimeter hohen – ach was, vier würden schon reichen – Schuhen zu schlendern, würde ich garantiert sofort stolpern und auf die Fresse fallen.) Dabei wippte ihr Minirock neckisch um ihre Schenkel. Als sie sich umdrehte, waren alle Augen auf sie gerichtet.

Bis auf die von Christopher, wie ich befriedigt bemerkte, als ich mich kurz zu ihm umdrehte. Er schlief noch immer tief und fest.

»Und … los!«, sagte Mr Greer.

»Ich möchte heute darüber reden«, begann Whitney mit einer honigsüßen, melodischen Stimme, die nichts mit der zu tun hatte, mit der sie mich gerade noch›Pennerin‹genannt hatte, »weshalb ich der Meinung bin, dass die Behauptung, die Medien würden ein unerreichbares Schönheitsideal zum Standard erklären, falsch ist. Wie ihr wisst, gibt es viele Frauen, die sich darüber beklagen, die Mode- und Filmindustrie würde das Selbstbewusstsein junger Mädchen und älterer Frauen untergraben. Darum verlangen sie, in Filmen und in der Werbung müssten mehr …«, sie malte zwei Anführungszeichen in die Luft, »›Durchschnittsfrauen‹ gezeigt werden. Ich halte diese Forderung für lächerlich!« Whitney schleuderte ihre langen blonden (und – nach Aussage meiner jüngeren Schwester Frida, die sich mit so was auskennt – eindeutig gefärbten) Haare nach hinten. Ihre veilchenblauen Augen funkelten empört. »Inwiefern soll es denn bitte das Selbstbewusstsein von Frauen untergraben, wenn die Gesellschaft ein gesundes Körpergewicht – das laut Medizinern bei einem BMI von unter 24,9 liegt – als schön definiert? Wenn einige Frauen zu faul sind, ins Fitnessstudio zu gehen, weil sie lieber zu Hause hocken und Computerspiele spielen … dann ist das ja wohl ihr Problem, oder? Jedenfalls ist es eine Unverschämtheit, andere Frauen, die sich pflegen und auf ihren Körper achten, deswegen als hirnlose Weibchen zu beschimpfen oder ihnen vorzuwerfen, sie würden ein Schönheitsideal propagieren, das unmöglich zu erreichen sei. Immerhin gibt es genug Mädchen und Frauen, die Tag für Tag den lebenden Beweis dafür liefern, dass es ebennichtunmöglich ist, dieses Ideal zu erreichen.«

Wie bitte? Was redete sie da? War das etwa Whitneys Interpretation des Themas, das Mr Greer ihr für ihren Zwei-Minuten-Vortrag gegeben hatte? Dass normalgewichtige Frauen gefälligst aufhören sollten, den Medien vorzuwerfen, sie würden Magermodels und klapperdürre Schauspielerinnen als Schönheitsideal propagieren? Ich sah mich um, ob die anderen genauso fassungslos waren wie ich.

Aber offenbar stand ich mit meiner Meinung allein. Das schloss ich jedenfalls aus den verzückten Blicken, mit denen alle (zumindest die männliche Hälfte der Klasse) auf Whitneys zugegebenermaßen extrem prallen Brüste starrte.

»Wenn es wirklich so schlimm wäre, aussehen zu wollen wie … sagen wir mal, jemand wie Nikki Howard«, fuhr Whitney fort und bezog sich damit auf ein umschwärmtes Teenie-Supermodel, das selbst ich kannte, »dann würden Frauen ja wohl nicht geschätzte dreiunddreißig Milliarden Dollar jährlich für Schlankheitsprodukte, sieben Milliarden für Kosmetika und gut dreihundert Millionen für chirurgische Eingriffe ausgeben, oder? Ich meine, diese Frauen sind doch nicht doof! Nein, sie wissen eben einfach, dass man mit ein bisschen Mühe und etwas Geld genau so attraktiv sein kann wie … na ja, wie zum Beispiel ich.«

Damit schleuderte Whitney ihre blonde Mähne zurück und holte tief Luft. »Einige Leute«, sie warf einen bedeutungsvollen Blick in meine Richtung, »halten es vielleicht für arrogant von mir, dass ich mich selbst als attraktiv bezeichne. Aber es ist nun mal eine Tatsache, dass Schönheit nicht davon abhängt, ob man über 1,75 m groß ist oder Kleidergröße 34 trägt. Das wichtigste Accessoire einer Frau ist nämlich ihr Selbstbewusstsein … und ich würde sagen, das besitze ich!«

Whitney zuckte in gespielter Bescheidenheit die Schultern und fast alle Jungs sowie mindestens die Hälfte der Mädchen seufzten sehnsüchtig auf. Ich fuhr in meinem Stuhl herum und stellte erleichtert fest, dass Christophers Kopf inzwischen auf seine Brust gesunken war. Wenigstens einer der anwesenden vierzehn Jungs war gegen Whitneys Zauber immun.

Als ich mich wieder nach vorn drehte, sagte Whitney gerade: »Manche gehen sogar so weit zu behaupten, viele Frauen würden sich zu Tode hungern, bloß um schlank zu sein. Dabei ist es in Wirklichkeit doch genau umgekehrt. Das Einzige, was die Gesundheit der Frauen wirklich bedroht, ist die grassierende Fettleibigkeit, die mittlerweile geradezu epidemische Ausmaße angenommen hat!«

Meine Mitschüler nickten zustimmend, als wäre das, was Whitney da von sich gab, völlig logisch und vernünftig. Was es ja wohl überhaupt nicht war. Jedenfalls nicht in meinen Augen.

»Okay«, sagte Whitney. »Das war's von mir. Waren das zwei Minuten?«

Wie aufs Stichwort schrillte in diesem Moment die Eieruhr auf Mr Greers Tisch los. Er strahlte. »Exakt zwei Minuten. Sehr gute Leistung, Whitney.«

Sie schlenderte lächelnd an ihren Platz zurück.

Ich meldete mich. Anscheinend war ich mal wieder die Einzige, die hierzu einen Kommentar abgeben würde. »Mr Greer?«

Er sah mich erschöpft an. »Was gibt's, Em?«

»Ich habe gedacht«, setzte ich an und nahm die Hand herunter, »bei diesem Zwei-Minuten-Vortrag ginge es darum, die Zuhörer von einer Aussage zu überzeugen, und zwar nicht mit irgendwelchen willkürlichen Behauptungen, sondern mit Hilfe von wissenschaftlich belegten Fakten und Statistiken.«

»Dann hab ich ja alles richtig gemacht«, bemerkte Whitney und ließ sich auf ihren Platz fallen.

»Soll ich dir mal sagen, was du gemacht hast?«, fuhr ich sie an. »Du hast allen in der Klasse, die nicht so dünn und perfekt gebaut sind wie Nikki Howard, ein total schlechtes Lebensgefühl gegeben. Wenn du ehrlich wärst, hättest du sagen müssen, dass wir es niemals schaffen können, so auszusehen wie sie, ganz egal wie sehr wir uns anstrengen und wie viel Geld wir ausgeben.«

Ich wurde überraschend vom Gong unterbrochen. So kurz war mir die Stunde noch nie vorgekommen. Anscheinend hatte ich doch länger gedöst, als ich gedacht hatte.

Um uns herum sprangen alle auf und strömten aus dem Zimmer. In dem ganzen Trubel sagte Lindsey zu mir: »Du bist doch bloß neidisch.«

»Ganz genau.« Whitney strich ihren Rock über ihren schma len Oberschenkeln glatt. »Aber in einem Punkt hast du völlig recht, Em. Ganz egal wie sehr du dich anstrengst, so wie Nikki wirst du niemals aussehen.«

Sie kicherte über ihre eigene Schlagfertigkeit und schlenderte dann, die ebenfalls kichernde Lindsey hinter sich herziehend, aus dem Klassenzimmer. Ich blieb allein mit Mr Greer zurück. Und mit Christoper.

»Wenn du willst, kannst du deine Gegenargumente nächste Woche zur Sprache bringen, Em«, bot Mr Greer mir großzügig an. »Dann üben wir die rhetorische Form der Widerrede.«

Ich funkelte ihn bloß genervt an. »Tausend Dank, Mr Greer.«

Er zuckte mit den Schultern und sah ein bisschen beschämt aus.

Ich wandte mich an Christopher. »Und dir danke ich auch sehr. Echt toll, wie du mich moralisch unterstützt hast.«

Christopher blinzelte verschlafen und rieb sich die Augen. »Hm? Was denn? Ich hab jedes Wort mitgekriegt, was du gesagt hast.«

»Ach ja?« Ich zog eine Augenbraue hoch. »Wovon hat mein Vortrag denn gehandelt?«

»Äh … kann ich dir gerade nicht so genau sagen. Aber er hatte irgendwas mit Hot Pants und Dinosaurierstickern zu tun, die im Dunkeln leuchten.«

Ich schüttelte traurig den Kopf.

Manchmal frage ich mich, ob die Highschool nicht vielleicht in Wirklichkeit eine Art experimentelles Labor ist, in das die Jugendlichen von der Gesellschaft gesteckt werden, damit getestet wird, wie viel Durchhaltevermögen sie haben, um in der wahren Welt da draußen zu überleben.

Wenn ja, bin ich mir ziemlich sicher, dass ich diesen Test nicht bestehe.

Man sollte meinen, mir wäre wenigstens am Wochenende eine kleine Ruhepause von den Whitneys dieser Welt vergönnt, doch weit gefehlt.

Das Problem ist, dass meine jüngere Schwester auf dem besten Weg ist, sich in eine zu verwandeln. In eine Whitney, meine ich.

Okay, sie ist noch nicht ganz so schlimm wie die Oberchefzicke. Noch nicht. Aber sie macht rasante Fortschritte. Das wurde mir am Samstag deutlich vor Augen geführt, als Mom mir beim Frühstück mitteilte, ich müsse Frida als Aufpasserin zur Eröffnung des Stark Megastores begleiten, weil sie mit ihren vierzehn Jahren noch zu »jung« sei, um alleine auf solche Veranstaltungen zu gehen.

Ersetzt man das Wort »jung« in oben stehendem Satz mit »dumm und unreif«, weiß man, was meine Mutter gemeint hat.

Damit will ich nicht andeuten, Frida wäre in irgendeiner Weise geistig minderbemittelt. Sie hat genau wie ich ein Begabtenstipendium für die Tribeca Highschool bekommen.

Aber leider hat sie sich dort schnurstracks in eine Möchtegern-Whitney-Robertson verwandelt und sich dem Clan der »Lebenden Toten« angeschlossen, wie Christopher und ich die Leute an unserer Schule nennen, die zwar theoretisch leben, aber praktisch tot sind, weil sie keine Seele haben.

Dass sie Zombies sind, merkt man zum Beispiel daran, dass sie überhaupt keine persönlichen Interessen haben (oder, falls doch, diese krampfhaft verbergen, um in der breiten Masse bloß nicht aufzufallen). Und sie beschäftigen sich in ihrer Frei zeit bloß mit Sachen, mit denen sie später bei ihrer Unibewerbung zu punkten hoffen.

Bedauerlicherweise gehört die Mehrheit der Schüler an der Tribeca Highschool zu den »Lebenden Toten«.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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