Praxisbuch Tierfotografie - Daan Schoonhoven - E-Book

Praxisbuch Tierfotografie E-Book

Daan Schoonhoven

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Beschreibung

Für spektakuläre Tieraufnahmen benötigt man nicht unbedingt brüllende Löwen oder imposante Elefanten. Selbst in Wohnortnähe gibt es viel zu entdecken – krachende Geweihe rivalisierender Hirsche, boxende Hasen auf der Frühlingswiese oder die Nagespuren von Bibern am Bach. Von allen Tieren sprechen besonders Säugetiere unsere Gefühle an. Die Niedlichkeit eines Füchschens, die Urkraft eines Wisents, das Lächeln eines Seehunds und die Knopfäuglein einer Maus sind unwiderstehliche Fotomotive. Mit diesem Praxisbuch erfahren Sie, wo und wie Sie die unterschiedlichen Tiere finden und sich ihnen unbemerkt nähern können, was alles zu einer guten Vorbereitung Ihrer Fotosession gehört und mithilfe welcher Ausrüstung und Aufnahmetechnik beeindruckende Tieraufnahmen gelingen. Die Autoren – alle erfahrene Wildlife-Fotografen – geben mit diesem Buch bereitwillig ihre gesammelten Kenntnisse weiter und zeigen, wie Ihnen außergewöhnliche Bilder gelingen und Sie eine eigene Handschrift entwickeln. Aus dem Inhalt: - Ausrüstung und Aufnahmetechnik - Artenkenntnisse und ethische Aspekte - Unterschiedliche Ansätze der Tierfotografie - Bildstile und Bildgestaltung - Methoden der Annäherung an Tiere - Kleine Säugetiere – Eichhörnchen, Hase, Igel etc. - Größere Säugetiere – Rothirsch, Wildschwein, Fuchs etc. - Meeressäuger – Robbe, Wal und Delfin - Säugetiere in Europa – Braunbär, Elch, Wildkatze etc. - In Wildparks und Zoos fotografieren - Organisierte Fernreisen und Safaris

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Daan Schoonhoven ist begeisterter Naturfotograf und entwickelt schon seit über 15 Jahren Konzepte für die Naturfotografie, um sie einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. So ist er Betreiber der niederländischen Fotografen-Communitys www.nederpix.nl und www.birdpix.nl sowie Gründer der Naturfoto-Organisationen PiXFACTORY und der Bildagentur Buiten-Beeld. Bei seiner eigenen fotografischen Arbeit bleibt Daan seiner ersten Liebe treu, der Vogelwelt. Gemeinsam mit den besten Naturfotografen der Niederlande gibt er die erfolgreiche Buchreihe der »Praktijkboeken« heraus, praxis- und lösungsorientierte Fachbücher, die der dpunkt.verlag nun auch dem deutschen Publikum in Übersetzungen zugänglich macht. Alle Titel sind von unterschiedlichen Fotografen geschrieben, die dem Leser ihr Expertenwissen vermitteln und mit ihren besten Fotos zeigen, wie man dieses in gelungene eigene Bilder umsetzt. Sie sind auch auf www.natuurfotografie.nl zu finden, einer weiteren von Daan betriebenen Website, wo sie Fototipps veröffentlichen und Fotoworkshops anbieten.

Zu diesem Buch – sowie zu vielen weiteren dpunkt.büchern – können Sie auch das entsprechende E-Book im PDF-Format herunterladen. Werden Sie dazu einfach Mitglied bei dpunkt.plus+:

www.dpunkt.plus

Daan Schoonhoven (Hrsg.)

Praxisbuch Tierfotografie

Wildschwein, Eichhörnchen, Robbe & Co. – Säugetiere an Land und am Wasser fotografieren

Übersetzung aus dem Niederländischen von Volker Haxsen

Daan Schoonhoven

[email protected]

Lektorat: Rudolf Krahm

Übersetzung: Volker Haxsen

Copy-Editing: Alexander Reischert, www.aluan.de

Satz & Layout: Birgit Bäuerlein

Herstellung: Stefanie Weidner

Umschlaggestaltung: Helmut Kraus, www.exclam.de,unter Verwendung eines Fotos von Reint Jacob Schut

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

ISBN:

 

Print

978-3-86490-629-9

PDF

978-3-96088-650-1

ePub

978-3-96088-651-8

mobi

978-3-96088-652-5

1. Auflage 2019

Translation Copyright für die deutschsprachige Ausgabe © 2019

dpunkt.verlag GmbH

Wieblinger Weg 17

69123 Heidelberg

Copyright der niederländischen Originalausgabe © Uitgeverij Birdpix, 2015

Copyright für die Fotos: Fotografen wie angegeben

Titel der Originalausgabe: Praktijkboek wildlife fotografie

Published by Uitgeverij Birdpix (PiXFACTORY)

ISBN: 978-90-79588-114

Die vorliegende Publikation ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte vorbehalten. Die Verwendung der Texte und Abbildungen, auch auszugsweise, ist ohne die schriftliche Zustimmung des Verlags urheberrechtswidrig und daher strafbar. Dies gilt insbesondere für die Vervielfältigung, Übersetzung oder die Verwendung in elektronischen Systemen.

Alle Angaben und Programme in diesem Buch wurden von den Autoren mit größter Sorgfalt kontrolliert. Weder Autor noch Herausgeber noch Verlag können jedoch für Schäden haftbar gemacht werden, die in Zusammenhang mit der Verwendung dieses Buchs stehen.

In diesem Buch werden eingetragene Warenzeichen, Handelsnamen und Gebrauchsnamen verwendet. Auch wenn diese nicht als solche gekennzeichnet sind, gelten die entsprechenden Schutzbestimmungen.

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Die Bildstimmung wird durch das erste Morgenlicht und den Nebel hervorgerufen. Vom Rothirsch sind zwar keine Details zu erkennen, doch seine deutliche Silhouette macht das mehr als wett. | Weerterbos, Nederweert | 29.09.2014, 7:15 Uhr | Bob Luijks | Canon EOS 5D Mark III mit Canon EF 500 mm 1:4 L IS USM + 1,4-fach Telekonverter, 1/50 s, Blende 5,6, ISO 6400, Stativ

Inhaltsverzeichnis

1Ausrüstung und Planung

Bob Luijks

1.1Kamera

1.1.1Bildqualität bei hohen ISO-Werten

1.1.2Fokusgeschwindigkeit

1.1.3Pufferkapazität

1.1.4Bewährung im Freien

1.2Objektiv

1.2.1Lichtstärke

1.2.2Brennweiten

1.2.3Telekonverter

1.2.4Bildstabilisierung

1.2.5Zoomobjektiv oder Festbrennweite

1.3Stativ und Stativkopf

1.4Weiteres Zubehör

1.5Planung

1.6Checkliste

1.7Artenkenntnis

1.8Ethische Aspekte

1.9Das Licht

1.9.1Bewölkter Himmel

1.9.2Sonnenschein

1.9.3Das Wetter und die Bildstimmung

1.9.4Einfluss der Landschaft auf das Licht

Allgemeine Kameraeinstellungen

A(v)-, T(v)- (Canon) bzw. S- (Nikon) oder M-Einstellung?

Autofokusmessfelder

Autofokusmodus

Auslöseverhalten

ISO-Einstellung

RAW-Format

2Unterschiedliche Ansätze in der Tierfotografie

Bob Luijks

2.1Porträts

2.2In der Umgebung

2.3Verhalten

2.4Bildreportage

2.5Künstlerisch-kreativer Ansatz

2.5.1Bewegung

Verschlusszeit

2.5.2Bewusste Unschärfe

2.5.3High-Key und Low-Key

2.5.4Farbgebung

2.5.5Formen

2.6Dokumentation oder »schönes Bild«

2.7Bildkomposition

2.7.1Alles dreht sich ums Auge

Schärfentiefe

Tote Tiere

2.7.2Kompositionsregeln

2.7.3Blickrichtung

AF-ON

2.8Bewusstes Anschneiden

2.8.1Hoch- oder Querformat

2.9Zwei sind mehr als eins

2.10Farbe oder Schwarz-Weiß

3Näher an Tiere herankommen

Paul van Hoof · Jan Vermeer

3.1Sich Säugetieren nähern

Warum einfach, wenn es auch schwierig geht?

Jan Vermeer

3.2Schutzhütten

Scheue Tiere und solche, die es nicht sind

3.3Fernauslösung

3.3.1Aktive Bedienung aus der Entfernung

3.3.2Kamerafallen (passive Bedienung)

3.3.3Belichtung

3.3.4Hochgeschwindigkeitsfotos

4Kleine Säugetiere

Paul van Hoof

4.1Eichhörnchen

Springendes Eichhörnchen

David Pattyn

4.2Mäuse

Fotos von nicht fotografierbaren Mäusen

Gartenratte

Paul van Hoof

4.3Am Wasser lebende Säugetiere

4.3.1Schermaus, Bisamratte und Biberratte

4.3.2Wann und wo

4.3.3Zu Wasser und an Land

4.3.4Otter

4.3.5Biber

Text mit Beiträgen von Willy de Koning

4.4Hasen

4.5Kaninchen

4.6Igel

4.7Maulwürfe

4.8Kleine Marder

4.9Baummarder

Kennt man die Spuren der Tiere, kommt man näher an sie heran

Aaldrik Pot

4.10Steinmarder

4.11Fledermäuse

4.11.1Ruhende Fledermäuse

4.11.2Fledermäuse im Flug

5Große Säugetiere

Jeroen Stel

5.1Rothirsche

Ein Kampf um Leben und Tod

Adri Hoogendijk

5.2Rehe

5.3Wildschweine

5.4Füchse

5.5Dachse

Der Kreislauf des Lebens

Dachse in der Nacht

Handlung in Bildern

5.6Weidetierexoten

5.6.1Schottisches Hochlandrind, Wisent, Galloway-, Heck- und Taurusrind

5.6.2Konik-Pferde

5.6.3Exmoor-Ponys

5.6.4Mufflons

5.6.5Damhirsche

5.7Erfolg durch Einsatz

6Meeressäuger

Arjen Drost

6.1Robben

6.1.1Robben außerhalb der Niederlande

6.2Wale und Delfine

6.2.1Schweinswale

6.2.2Andere Wale und Delfine bei uns

Schwertwale in der Nordsee

Melvin Redeker

6.3Bootsfahrten zu Walen

6.3.1Wahl der Ausrüstung

6.3.2Wo und wann?

6.3.3Ruhige See?

6.4Wale in Europa

7Säugetiere in Europa

Marijn Heuts

7.1Braunbären

7.2Vielfraße

7.3Wölfe

7.4Polarfüchse

7.5Eisbären

7.6Rentiere

7.7Elche

7.8Moschusochsen

Kampfweibchen

Floris Smeets

7.9Wildkatzen

7.10Schneehasen

7.11Alpensteinböcke

Alpensteinböcke in Italien fotografieren

Niels Kooyman

7.12Gämsen

7.13Wisente

7.14Alpenmurmeltiere

7.15Goldschakale

7.16Iberische Luchse

8Tiere in Gefangenschaft

Bob Luijks

8.1Zoo oder Wildpark?

Eurasischer Luchs im Wildpark

8.2Vorteile von Wildparks

8.3Unnatürliche Bildelemente

8.3.1Zäune

8.3.2Scheiben

8.3.3Weitere Bildelemente

8.3.4Ausblenden oder miteinbeziehen?

8.4Gut vorbereitet losziehen

8.4.1Die Tierarten

8.4.2Fütterungszeiten

8.4.3Sich beschränken

8.4.4Die besten Bedingungen

8.4.5Sich den Tieren nähern

8.5Wildparks in unseren Landen

8.5.1Niederlande

Wildpark Het Aardhuis

Naturpark Lelystad

8.5.2Belgien

Wildpark im Gebiet der Grotten von Han

8.5.3Deutschland

Biotopwildpark Anholter Schweiz

Wildpark Frankenhof

Wildpark Gangelt

Greifvogelstation Wildfreigehege Hellenthal

Tier-Freigelände Neuschönau

8.5.4Norwegen

Polar Park

8.6Fazit

9Fernreisen

Marijn Heuts

9.1Die Planungsphase

9.1.1Das Reiseziel

9.1.2In Gesellschaft

9.1.3Organisiert oder auf eigene Faust?

Wer bin ich und was will ich?

9.1.4Führer (Guide)

9.1.5Unterkunft, Verpflegung und Transport

Praxisbeispiele: Auf Safari in Afrika

Option 1: Im Süden Afrikas mit dem Auto

Option 2: Kenia all-inclusive

9.2Die Reise

9.2.1Unterwegs

9.2.2Vor Ort

9.2.3Fotoausrüstung

9.2.4Begleitumstände

9.2.5Wunschliste

Stichwortindex

Index der Tierarten

Index der Fotolocations

Index der Fotografen

Vorwort

… zur deutschen Ausgabe

Mit dem siebten Titel der Praxisbuchreihe richten die Autoren und Fotografen von Nederpix ihren Blick erneut auf die Tierwelt. Im Fokus ihrer Kameras befinden sich nun unsere nahen Verwandten, die Säugetiere.

Tiere zu fotografieren stellt mehr oder minder große Herausforderungen an den Fotografen, je nachdem ob sie in Freiheit leben, im Wildpark oder im Zoo. Im Originaltitel des Buches wird der Begriff Wildlife-Fotografie verwendet, den wir bei der Übersetzung bewusst vermieden haben. Wie die Erfahrung gezeigt hat, assoziieren Leser in den Niederlanden wie auch in Deutschland mit dem englischen Begriff wilde und exotische Raubtiere, vornehmlich aus Afrika oder Asien. Dabei bezieht sich »wild« nur darauf, dass die Tiere in Freiheit leben.

Nach einführenden Kapiteln zu Ausrüstung, Planung und Herangehensweisen wird zunächst gezeigt, wie kleinere Säugetiere, beispielsweise Eichhörnchen, Mäuse, Hasen oder Biber, in freier Natur fotografiert werden. Auch bei den größeren Säugern wie Rothirschen, Rehen oder Wildschweinen bleiben die Autoren in unseren geografischen Breiten. Erst allmählich weitet sich der Blick und es werden Motive wie Meeressäuger oder Braunbären in anderen europäischen Ländern thematisiert.

Nicht zuletzt appelliere ich an Ihr Verantwortungsbewusstsein als Natur- und TierfreundInnen und lege Ihnen den Abschnitt zu den ethischen Aspekten der Tierfotografie (Abschnitt 1.8) ans Herz. Achten Sie bei der Jagd nach dem gelungenen Foto darauf, das Verhalten der Tiere nicht zu stören und ihren Lebensraum nicht zu beeinträchtigen. Und auch gesichtete Spezies im Internet zu melden, kann eine Kehrseite haben, wenn die Naturfreunde anderntags scharenweise vor Ort erscheinen.

Und nun wünsche ich Ihnen viel Freude und Erfolg mit Ihrem neuen »Praxisbuch Tierfotografie«!

Rudolf Krahmdpunkt.verlagJanuar 2019

Eichhörnchen | Reint Jacob Schut

Einleitung

Für spektakuläre Tierfotografie braucht man keine brüllenden Löwen oder imposanten Elefanten. Selbst in Wohnortnähe gibt es viel zu entdecken: Was halten Sie von krachenden Geweihen rivalisierender Hirsche, von boxenden Hasen auf der Frühlingswiese oder beeindruckenden Nagespuren von Bibern? Selbst im Flachland trifft man auf spannende Szenen für packende Bilder.

Säugetiere in freier Wildbahn vor die Linse zu bekommen ist nichts Alltägliches. Von den bei uns heimischen rund 80 Säugetierarten leben viele im Verborgenen: Mäuse in ihren Verstecken, nachtaktive Fledermäuse, andere seltene Exoten und dann noch die Meeressäuger.

Gerade die Säugetiere sind es aber, die unsere Fantasie anregen, sodass viele Naturfotografen auf ganz bestimmten Vertreter dieser Gattung aus sind. Doch jene davon, die sich bei uns antreffen und fotografieren lassen, sind besonders scheu und oft auch nur an speziellen Orten zu finden. Um unter diesen Umständen dennoch seine fotografischen Erfolgschancen zu vergrößern, sind eine gute Vorbereitungen und oftmals auch andere Herangehensweisen als bei anderen Formen der Naturfotografie erforderlich.

Damit ist die Richtung dieses Buches bereits klar umrissen. Der größte Gewinn besteht dabei oftmals darin, mehr über die Tiere zu erfahren, die Sie fotografieren wollen: ihr Verhalten, ihr Vorkommen und wie Sie sich ihnen nähern können.

Nach einigen Kapiteln über die Ausrüstung, die Vorbereitungen, unterschiedliche Stilrichtungen der Tierfotografie und allgemeine Ratschläge zur Annäherung an Säugetiere gehen wir gezielt auf bestimmte Vertreter ein und tragen jeweils ausführliche Informationen zusammen, die für den Naturfotografen relevant sind. Dabei geht es von den kleinen Säugetieren über die größeren einschließlich der Weidetiere bis hin zu den Meeressäugern. Da auch andere europäische Länder in dieser Hinsicht viel zu bieten haben, widmen wir den dort ansässigen Säugetieren ein eigenes Kapitel. Im Kapitel über Wildparks gehen wir auf die zahlreichen Möglichkeiten ein, die sich dort im Gegensatz zum Freiland bieten. Das Buch schließt mit einem Kapitel über Fernreisen mit dem Schwerpunkt der dafür ratsamen Vorbereitungen zu Hause.

Was ist letztlich entscheidend, um auf diesem Gebiet erfolgreich zu sein? Dieses Buch gibt Ihnen reichlich Informationen an die Hand, um Fotos zu machen, die sich von der Masse absetzen. Dafür braucht es eine gehörige Portion Durchhaltevermögen und jede Menge Zeit. Wenn dann schließlich der entscheidende Moment eintritt, haben Sie hoffentlich so viel Know-how, dass Ihnen die richtigen Handgriffe mühelos gelingen und sämtliche Mühen im Vorfeld vergessen lassen.

Dann können wir nur noch gratulieren!

Dank

Dieser fünfte Band unserer Reihe war alles andere als Routine. Die Autoren haben hierfür dieselbe Leidenschaft und Einsatzbereitschaft an den Tag gelegt wie bei ihren eigenen Fotos. Wir dürfen uns glücklich schätzen, dass sich aus dem kleinen Kreis der (semi-)professionellen Naturfotografen eine stattliche Zahl gefunden hat, die bereit waren, ihre Erfahrungen in diesem Buch verschriftlicht weiterzugeben. Ich danke daher von Herzen Arjen Drost, Marijn Heuts, Paul van Hoof, Bob Luijks und Jan Vermeer für die großen Anteile, die sie beigesteuert haben.

Danken möchte ich aber auch Adri Hoogendijk, Niels Kooyman, David Pattyn, Aaldrik Pot, Melvin Redeker, Floris Smeets und Marc Steichen für ihre mitreißenden Beiträge in Form von Informationen über bestimmte Verhaltensweisen von Tieren oder speziellen Anleitungen. Zu guter Letzt geht mein Dank an Yola de Lusenet für die Text- und Jaap Schelvis für die Bildredaktion, an Arno ten Hoeve für die Buchgestaltung sowie Gert-Jan Cromwijk und Lian Bos für die Korrekturarbeiten.

Ein Großteil der Fotos in diesem Werk stammt zwar von den Autoren, doch haben noch über 90 weitere Fotografen Bilder beigetragen, die von ihnen auf Nederpix geteilt wurden. Diese Vielfalt an Fotografen wie Fotos soll demonstrieren, was in der Tierfotografie alles möglich ist. Daher an dieser Stelle ein großes Dankeschön an alle Fotografen, die ihre Werke zur Verfügung gestellt haben. Erfreuen Sie sich am Ergebnis!

Daan SchoonhovenJanuar 2019

Ein Stativ kann man immer gebrauchen. | Landschaftsschutzgebiet Blauwe Kamer | 21.05.2011, 14:51 Uhr | Johan van der Wielen | Canon EOS 5D Mk II mit Canon EF 70 – 200 mm 1: 2,8 L IS II USM auf 146 mm, 1/640 s, Blende 2,8, ISO 50

1Ausrüstung und Planung

Bob Luijks

Tiere in freier Wildbahn zu fotografieren ist keine leichte Aufgabe. Das beginnt schon bei den Vorbereitungen und der Wahl der richtigen Ausrüstung. Aus diesem Grund stellt dieses Buch eine Übersicht über die nötige Ausrüstung und Ratschläge in Bezug auf die äußeren Voraussetzungen für erfolgreiches Arbeiten in der Natur an den Anfang. Neben den Tieren sind nämlich das Wetter und das Licht die wichtigsten Mitspieler.

Während es in der Natur- und Landschaftsfotografie weniger ausmacht, mit welchem Kameratyp und welchen Objektiven man unterwegs ist, liegen die Dinge in der Tierfotografie etwas anders. Da die allermeisten Tiere sehr scheu sind und sich daher nur aus großer Entfernung und häufig gleichzeitig unter widrigen Umständen fotografieren lassen, ist eine gute Ausrüstung unentbehrlich. In diesem Kapitel geht es zunächst um die Grundausstattung. Spezialzubehör wie Fotofallen und dergleichen wird in den kommenden Kapiteln besprochen.

1.1Kamera

Worauf kommt es bei der Wahl einer Kamera für unsere Zwecke an?

1.1.1 Bildqualität bei hohen ISO-Werten

Viele Tiere lassen sich nur während der Dämmerung oder in dunklen Umgebungen wie Wäldern sehen. Darüber hinaus stehen sie häufig nicht still, sodass man zur Vermeidung von Bewegungsunschärfe auch noch mit kurzen Verschlusszeiten fotografieren muss, was das Bedürfnis nach hohen ISO-Einstellungen in die Höhe treibt. Diese sind jedoch ab einem bestimmten Grad durch das Bildrauschen mit sichtbaren Einbußen an Bildqualität verbunden. Vor allem die preiswerten Modelle mit kleineren Sensoren lassen hier zu wünschen übrig. Mit Spiegelreflexkameras und spiegellosen Systemkameras aus dem (semi-)professionellen Segment kann man derzeit mit ISO-Werten von 3200 und teils auch darüber gute Fotos bekommen.

1.1.2 Fokusgeschwindigkeit

Als Tierfotograf möchte man, wenn etwas spannend wird, nichts verpassen. In solchen Momenten muss die Kamera genau und schnell scharfstellen können, selbst wenn sich das Tier in Bewegung befindet. Eine große Anzahl von Fokusmessfeldern ermöglicht einem mehr Freiheit bei der Bildkomposition und indirekt auch ein schnelleres Fotografieren. Passiert aber gerade besonders viel, beschränken Sie sich besser auf die Fokusmessfelder in der Suchermitte, da diese schneller reagieren als die zu den Rändern hin. Es sei jedoch an dieser Stelle bemerkt, dass die Fokussiergeschwindigkeit nicht nur von der Kamera, sondern maßgeblich auch vom Objektiv abhängt!

1.1.3 Pufferkapazität

Bei Tieraufnahmen kann man nicht auf den einen entscheidenden Augenblick warten. In der Regel ist es vorzuziehen, Serienaufnahmen mit mehreren Bildern pro Sekunde zu machen und später das beste Foto auszuwählen. Die Kameramodelle unterscheiden sich in puncto Pufferkapazität und Schreibgeschwindigkeit. Beide Eigenschaften – wie viele Bilddaten und wie schnell sie in der Kamera gespeichert werden – wirken sich auf die Bildrate aus. Auch die unterschiedlichen Schreibgeschwindigkeiten von Speicherkarten sollten Sie beim Kauf berücksichtigen.

Nichts ist so frustrierend wie im entscheidenden Moment mehrere Sekunden warten zu müssen, bis die Kamera wieder fotografieren kann, weil sie gerade durch Speichervorgänge blockiert ist. Die entscheidende Szene kann danach vorbei sein. Maximale Bildfrequenz und Pufferkapazität sind in der Tierfotografie demnach wichtige Auswahlkriterien bei der Kamera.

Um bei sich schnell bewegenden Tieren so viele Aufnahmen wie möglich am Stück machen zu können, ist eine hohe Pufferkapazität vonnöten. | Polarfuchs im Gegenlicht | Norwegen | 19.07.2014, 20:12 Uhr | Jaap La Brijn | Nikon D800 mit Nikkor AF-S 600 mm 1:4 G IF-ED VR, 1/1250 s, Blende 8, ISO 400

1.1.4 Bewährung im Freien

Tierfotografie findet unter den unterschiedlichsten Bedingungen statt: Es ist warm oder kalt, trocken und staubig oder auch feucht bis nass. Die besseren Kameras halten all diesen Umweltbedingungen stand.

Neben den digitalen Spiegelreflexkameras (DSLRs), die lange Zeit am besten für die Tierfotografie geeignet waren, haben nun auch die spiegellosen Systemkameras, insbesondere die mit APS-C- oder Micro-Four-Thirds-Sensoren in Bezug auf Serienbildrate und Rauscharmut bei hohen ISO-Einstellungen aufgeholt und sich zu einer echten Alternative gemausert. Dies gilt bisher allerdings noch nicht für das Segment der Kompakt- und der Bridge-Kameras mit teilweise extremem Brennweitenbereich. Mit ihnen lassen sich jedoch gut Tiere in Gefangenschaft, bei hellem Tageslicht und generell Tiere fotografieren, an die man nah herankommt, wie etwa Wildschweinrotten im niederländischen Veluwe oder Steinböcke in den Hohen Tauern Österreichs.

1.2Objektiv

1.2.1 Lichtstärke

Wie gesagt muss man in der Tierfotografie häufig in dunkler Umgebung arbeiten. Ein lichtstarkes Objektiv, also eines mit einer großen Anfangsöffnung (kleiner Blendenwert), das viel Licht zum Sensor durchlässt, liefert unter solchen Bedingungen oft bessere Ergebnisse.

Im Gegensatz zu dieser Kegelrobbe weichen viele Säugetiere den Menschen großräumig aus, sodass ein Teleobjektiv unentbehrlich ist. | Kegelrobbe | Helgoland | 14.06.2009, 12:10 Uhr | Peter Grobben | Canon 5D Mk II mit Canon EF 300 mm 1:4,0 L USM, 1/160 s, Blende 6,3, ISO 100

1.2.2 Brennweiten

Da sich viele Tiere nur aus größerem Abstand fotografieren lassen, ist die Brennweite respektive der Brennweitenbereich eines Objektivs ganz entscheidend. Vor allem bei kleinen Tieren kann es schwierig sein, aus der Ferne noch ausreichend Details abzubilden. Die einfachste, aber auch teuerste Lösung besteht in einem starken Teleobjektiv: Brennweiten von 500 mm und darüber sind in vielen Fällen ein Muss, zumindest in unseren Breiten. (Damit soll nicht gemeint sein, dass nicht auch mit geringeren Telebrennweiten oder gar Weitwinkelobjektiven bei uns hervorragende Aufnahmen gelingen könnten. Dann geht man aber auch ganz anders vor, wie im Kapitel 3, »Näher an Tiere herankommen«, ausgeführt.)

Durch den Einsatz einer Crop-Kamera, also mit einem im Vergleich zur Vollformatkamera kleineren Sensor, können Sie die Dinge näher heranholen. Da der kleinere Sensor einen kleineren Ausschnitt des durch das Objektiv ausgeleuchteten Bildkreises abbildet, entsteht so ein Vergrößerungsfaktor von 1,5- bis 1,6-fach. Vom Bildwinkel her entspricht ein für Vollformat konstruiertes 500-mm-Teleobjektiv an einer Crop-Kamera einer Brennweite von 750 (1,5-fach) respektive 800 mm (1,6-fach) – ein deutlicher Zugewinn.

 

Vorteile

Nachteile

Zoom-objektiv

■exakte Wahl des Bildausschnitts durch Hinein- und Zurück zoomen

■verglichen mit mehreren Festbrennweiten leicht und kompakt und daher gut zu transportieren

■relativ preisgünstig

■mit zunehmendem Brennweitenbereich (über den üblichen Bereich) vermehrte Zugeständnisse an die Bildqualität

■durch die Bank weniger lichtstark

■nicht immer für Telekonverter geeignet

Festbrennweitenobjektiv

■maximale Bildqualität

■meist lichtstärker als Zoom objektive

■Einsatz von Telekonvertern möglich

■(sehr) teuer

■größer und schwerer, sodass man sehr lange Brennweiten ungern mit sich herumträgt

■in Sachen Bildausschnitt nicht ganz so flexibel, da die Änderung des Kamerastandpunkts häufig schwer bis gar nicht möglich ist

Kommt einem der Fuchs derart nah, ist mit einem 500-mm-Objektiv nichts mehr anzufangen. In solchen – zugegebenermaßen kuriosen – Situationen ist man mit einem Zoom- oder gar Weitwinkelobjektiv besser bedient. | Amsterdamse Waterleidingduinen | 29.11.2012, 11:26 Uhr | Paul van Hoof | Nikon D800 mit Nikkor AF-S 16 – 35 mm 1:4,0 auf 19 mm, 1/1250 s, Blende 4, ISO 400

1.2.3 Telekonverter

Eine weitere Möglichkeit, seine Motive näher heranzuholen, ist der Einsatz eines Telekonverters. Dieser besteht im Grunde aus einer Sammellinse zwischen Objektiv und Kameragehäuse. Üblicherweise liegen die Verlängerungsfaktoren der Brennweite bei 1,4 oder 2. Mitvergrößert werden allerdings auch die selbst beim teuersten Objektiv vorhandenen Bildfehler, sodass immer mit einer gewissen Einbuße an Bildqualität zu rechnen ist. Doch bei hochwertigen Modellen erhält man dennoch sehr brauchbare Bilder.

Der größere Nachteil von Telekonvertern besteht meist im Lichtverlust von ein oder zwei Blendenstufen, was zu längeren Verschlusszeiten zwingt und vor allem dann zum Problem werden kann, wenn die Lichtstärke wie bei einem Zoomobjektiv ohnehin nicht groß ist. Bei Zoomobjektiven sollte man dringend auf Kompatibilität achten, da man diese ansonsten mit dem Konverter beschädigen kann. Auch die Verluste an Bildqualität durch den Konverter werden bei Zoomobjektiven eher sichtbar.

1.2.4 Bildstabilisierung

Beim Fotografieren aus freier Hand ohne Stativ ist eine Bildstabilisierung von großem Vorteil. Bei aktuellen Systemen kann die längste Verschlusszeit ohne Verwacklung ganze vier Blendenstufen länger ausfallen. Sobald Sie wieder vom Stativ aus fotografieren, sollten Sie allerdings daran denken, die Bildstabilisierung auszuschalten, da es bei einigen Objektiven ansonsten zu unerwünschten Vibrationen kommt.

Bei viel Licht und der Möglichkeit, sich abzustützen, kann man auch häufig ohne Stativ auskommen. | Helgoland | 09.10.2010, 14:22 Uhr | Jaap Schelvis | Canon EOS 5D Mk II mit Canon EF 70 – 200 mm 1:4 L USM auf 70 mm, 1/1000 s, Blende 8, ISO 400

1.2.5 Zoomobjektiv oder Festbrennweite

In die Entscheidung zwischen einem Zoomobjektiv oder einem mit fester Brennweite fließen mehrere Faktoren ein. In der Tabelle auf der vorigen Seite sind diese im Einzelnen aufgeführt.

1.3Stativ und Stativkopf

Ein Stativ hat das ganze Gewicht von Kamera und Objektiv zu tragen und muss dabei noch ausreichend stabil stehen. Sind Sie viel auf Reisen und verändern Ihren Standort oft, um Motiven nachzujagen, empfiehlt sich ein leichtes Karbonstativ. Arbeiten Sie hingegen eher von einem fixen Standort aus, der sich zudem leicht erreichen lässt, legen Sie den Schwerpunkt besser auf die Stabilität des Stativs. Das Stativgewicht darf dann ruhig höher sein. Wichtig ist, dass Sie hinter dem Stativ aufrecht stehend durch die Kamera blicken können – alles andere führt irgendwann zu Rückenschmerzen. Viele Stative verfügen über eine Mittelsäule, von deren Gebrauch man wegen der Stabilitätseinbußen möglichst absehen sollte. Sie sollten auf jeden Fall ein Stativ wählen, dessen Beine nicht untereinander verbunden sind, damit Sie sie maximal abspreizen können und dadurch sehr tiefe Perspektiven möglich sind.

Bei den Stativköpfen haben Sie die Wahl zwischen Kugelköpfen, Fluidköpfen und speziellen Konstruktionen wie den Kardanköpfen (Gimbals). Vor allem lange Teleobjektive verlangen nach schweren Fluidköpfen (ursprünglich für Film- und Videoaufnahmen entwickelt) oder Kardanköpfen. Mit diesen laufen Sie nicht Gefahr, dass sich trotz fixiertem Kopf das Objektiv unbemerkt absenkt, was bei kleineren und leichteren Kugelköpfen durchaus vorkommt. Ein Fluid-kopf ist nicht nur relativ schwer, sondern auch entsprechend sperrig. Ein günstiges Verhältnis von Trage- zu Eigengewicht weisen die Kardanköpfe auf, doch benötigen diese für ihre Funktion Objektive mit einem eigenen Stativgewinde für eine Schnellkupplungsplatte. Mal eben schnell zwischendurch eine Weitwinkelaufnahme zu machen, geht dann nicht ohne spezielle Adapter. Gehen Sie also eher mit großem Brennweitenspektrum auf Motivsuche, empfiehlt sich demnach ein Fluid- oder ein Kugelkopf. Lauern Sie dagegen in einem Tarnzelt mit großem Tele, sind Kardan- oder Fluidköpfe die beste Wahl. Selbst wenn alle Feststellschrauben lose sind und Sie die Hände in den Taschen haben, sollte sich das Ganze nicht bewegen oder zur Seite abkippen, wenn das lang ersehnte Hauptmotiv endlich auftaucht.

Nach Sonnenuntergang packen die meisten Fotografen zusammen. Doch das Licht ist dann noch nicht komplett verschwunden. Außerdem setzt auch zuweilen nach Sonnenuntergang ein wunderbarer Nebel ein, der innerhalb weniger Minuten einen Hirsch verhüllen kann. In solchen Situationen ist ein gutes Stativ unentbehrlich. | Nederweert | 19.09.2014, 19:41 Uhr | Bob Luijks | Canon EOS 5D Mk III mit Canon EF 500 mm 1:4 L IS USM + 1,4-fach-Telekonverter, 1/25 s, Blende 5,6, ISO 1600, Stativ

Ein eleganter Mittelweg besteht aus einem stabilen Kugelkopf, kombiniert mit einem halben Kardankopf (wie dem Wimberley Sidekick). Man arbeitet dann wie gewohnt mit seinem Kugelkopf und nimmt den kleinen und leichten Adapter nur beim Einsatz des Teleobjektivs dazu. Diese Kombination ist zwar nicht ganz so stabil wie ein reiner Kardankopf, doch sicher eine Überlegung wert, wenn Sie viel unterwegs sind. Der Sidekick ist weder groß noch schwer, wohingegen ein kompletter Kardankopf Ihre Fototasche gleich mehrere Kilos schwerer machen kann.

Die zwei Wildschweine sind im Schneefall nur noch schemenhaft zu erkennen, was den urigen Charakter dieser Tiere unterstreicht. Egal wie das Wetter ist, das Leben geht seinen Gang. | Hoenderloo | 27.02.2011, 17:08 Uhr | Henri van Vliet | Canon EOS 7D mit Sigma SPO 150 – 500 mm 1:5,0 – 6,3 DG OS HSM auf 439 mm, 1/45 s, Blende 5,6, ISO 2000, Stativ und Fernauslöser

1.4Weiteres Zubehör

Speicherkarten

In der Tierfotografie macht man oft viele Fotos, weshalb Sie sich am besten solche mit großer Speicherkapazität besorgen. Achten Sie dabei aber auch auf die Lese- und Schreibgeschwindigkeiten der Karten, da nach schnellen Aufnahmeserien mit mehreren Bildern pro Sekunde die Daten schnell auf die Karte übertragen werden müssen, damit die Kamera aufnahmebereit bleibt.

Ein ungewöhnliches und doch spannendes Bild, das sich aufgrund des Schneefalls nicht so leicht erfassen lässt. Das im Foto klein abgebildete Reh macht den Reiz aus. | Leende, Niederlande | 03.02.2012, 15:51 Uhr | Marijn Heuts | Canon EOS 5D Mk II mit Canon EF 500 mm 1:4 L IS USM, 1/250 s, Blende 5,6, ISO 200

Rucksack

Ihre wertvolle Ausrüstung verdient guten Schutz, doch sollten Sie bei der Anschaffung vor allem auch auf den Tragekomfort achten. Das Gewicht sollte gut auf Ihren Hüften ruhen und nicht an den Schultern hängen. Schenken Sie diesem Aspekt nicht die gebührende Aufmerksamkeit, bekommen Sie früher oder später Beschwerden. Natürlich lohnt es sich auch gut zu überlegen, was man im Einzelfall mitnehmen will. Man sollte seinen Rucksack noch gut tragen können und ein 500-mm-Objektiv braucht eben seinen Platz. Reservieren Sie auch noch ausreichend Kapazität für die nötige Verpflegung.

Unterhaltung

Tierfotografie kann zwischendurch ausgesprochen langweilig sein. Manchmal ist für die Sichtung einer bestimmten Art stundenlanges Warten angesagt. Während man die Gegend im Blick behalten muss, kann ein wenig mediale Ablenkung helfen, die Zeit totzuschlagen.

Verpflegung und Kleidung

Sorgen Sie dafür, dass Sie gut durch den Tag kommen, indem Sie ausreichend essen und trinken und angemessen gekleidet sind. Auch bei nicht sehr tiefen Temperaturen kann man bei körperlicher Inaktivität über längere Zeit leicht durchfrieren.

Je öfter Sie draußen sind, desto größer Ihre Chancen, das eine tolle Bild zu bekommen. Hier ein kurzer Moment mit spektakulärem Licht, durch das der Fuchs hindurchpirscht. | Amsterdamse Waterleiding duinen | 29.11.2012, 15:20 Uhr | Paul van Hoof | Nikon D800 mit Nikkor 16 – 35 mm 1:4 auf 35 mm, 1/2000 s, Blende 4, ISO 800

1.5 Planung

Kein Foto ohne Plan. Während man bei anderen Formen der Naturfotografie relativ unvorbereitet einfach losziehen kann, kommt die Tierfotografie ohne gründliche Planung nicht aus. Zufallstreffer sind in unserem Teil der Welt viel zu selten möglich.

Rechtzeitige Planungen sind Gold wert: Frühzeitig im Terminkalender vermerkt, vermeidet man unnötigen Stress, während man auf den entscheidenden Moment wartet …

1.6Checkliste

Schritt 1

Welche Tierart möchte ich fotografieren?

Schritt 2

Was für ein Bild ist mein Ziel? Einfach eine schöne Aufnahme in hübscher Umgebung oder eine ausführlichere Bildgeschichte? (siehe Kapitel 2, »Unterschiedliche Ansätze in der Tierfotografie«)

Schritt 3

Wo kommt die gewünschte Art vor? Hier können Sie mehrere Informationsquellen zu Rate ziehen: naturgucker.de, Verbreitungsatlanten, spezielle Reiseliteratur, aber auch Experten und Schutzgebietsbetreuer (Ranger). Das Vorkommen einer Art in einem bestimmten Gebiet sagt noch nichts über die Chancen aus, sie vor die Linse zu bekommen. Das hängt maßgeblich vom Gesamtbestand, davon, wie sehr die Art dort an Menschen gewöhnt ist, und natürlich vom Habitat selbst ab. Nehmen Sie sich die Zeit, die Gegend an einem beliebigen Tag nach dem Licht, störenden Bildelementen und anderen möglicherweise für die Aufnahme wichtigen Kriterien zu untersuchen.

Schritt 4

Was braucht man, um am ausgewählten Ort das ersehnte Foto zu machen? Vielleicht benötigen Sie ein Tarnzelt, für das Sie vom Landbesitzer eine Genehmigung zum Aufstellen einholen müssen. Wollen Sie eventuell Futter zum Anlocken einsetzen? Bei einer Auslandsreise müssen Sie entscheiden, ob Sie allein oder in der Gruppe reisen und ob Sie bei Bedarf einen Führer vor Ort organisieren (siehe Kapitel 9, »Fernreisen«).

Schritt 5

Wann ist die beste Zeit für das gewünschte Foto? Manche Tiere lassen sich nur zu bestimmten Zeiten im Jahr blicken oder weisen für kurze Perioden bestimmte interessante Verhaltensweisen auf, wie etwa die Hirsche während der Brunftzeit. Auch die Tageszeit und das Wetter spielen wichtige Rollen. Ein Tier im warmen Licht der Abendsonne ergibt ein ganz anderes Bild als eine vage Kontur im dichten Nebel.

Schritt 6

Losziehen! Letztlich sollten sich die Mühen der Vorbereitungen auszahlen. Natürlich kann es immer sein, dass das Bild, das Ihnen vorschwebte, doch nicht zustande kommt, weil die Umstände es nicht erlaubten. Doch mit jedem Mal wird Ihre Bilderserie umfangreicher und vielseitiger, da Sie immer andere Bilder mit nach Hause bringen.

Kenntnisse über das Verhalten einer Art – wie hier dem Rothirsch – vergrößern Ihre Chance auf ein gutes Bild beträchtlich, vor allem da Sie weniger Gefahr laufen, die Tiere zu verscheuchen. | Veluwe | 28.09.2013, 19:11 Uhr | Aldert Verboom | Canon EOS 1D Mk IV mit Canon EF 500 mm 1:4 IS USM + 1,4-fach-Telekonverter, 1/125 s, Blende 6,3, ISO 400

1.7Artenkenntnis

Im Internet stößt man auf die tollsten Fotos, die in einem sofort den Reflex auslösen, ebenfalls solch ein Bild machen zu wollen. Bei derartigen Bildern lässt sich jedoch kaum das Ausmaß an Planung erahnen, das dazu erforderlich war (obwohl es natürlich auch Leute geben muss, die dabei immer Glück zu haben scheinen).

Artenkenntnis beginnt schon beim Erkennen der Tiere: Einen Otter und einen Biber sollte man schon auseinanderhalten können. Die rein äußerlichen Merkmale lassen sich Naturführern entnehmen, in denen man auch etwas über die Lebensweise und die Verbreitung der Arten erfährt. Selbstredend ist das Internet eine ergiebige Quelle für derlei Informationen.

Ausführlichere Informationen über die Verbreitung bestimmter Arten erhält man über die Verbreitungsatlanten vom Bund und den Ländern, die mittlerweile vielfach im Internet veröffentlicht sind und daher aktueller sein können als jene in gedruckter Form1. Auch hier leistet naturgucker.de wertvolle Dienste. Es kann allerdings passieren, dass Sie an Informationen über das Vorkommen streng geschützter Arten nicht oder nur unzureichend herankommen.

Das Vorkommen einer gewünschten Art ist allerdings nur die Grundvoraussetzung für ihre Sichtung. Lebensweise und Verhalten tragen das ihre dazu bei: Zu welcher Tageszeit kann man die Tiere beobachten? Wo halten sie sich überhaupt im Tagesverlauf auf? Denn schließlich kann das stark variieren: Beispielsweise schlafen einige Tiere im Wald, wandern durch Landschaften weiter und suchen auf den Äckern nach Nahrung. Außerdem reagieren die Tiere unterschiedlich auf das Wetter (sich schützen oder herauskommen).

Teilweise findet man dazu Hinweise in der Literatur, doch für ein konkretes Habitat sind oft Tipps aus erster Hand zielführender. Vielleicht finden Sie Anschluss bei eingeweihten Fotografen, unterhalten sich mit Forschern und Landbesitzern oder beobachten einfach selbst zunächst die Tiere in Gefangenschaft.

Eichhörnchen lassen sich immer wieder gerne bei Vogelhäuschen blicken. | Tessenderlo | 23.03.2013, 10:48 Uhr | Theo Vanden Wyngaert | Canon EOS 5D Mk III mit Canon EF 600 mm 1:4 L IS II USM + 1,4-fach Telekonverter, 1/200 s, Blende 7,1, ISO 1250

1.8Ethische Aspekte

Einige Säugetiere lassen sich einfach im Garten fotografieren: Mäuse, Ratten, Igel und Eichhörnchen. Häufig sind es die Nahrungsquellen, die sie dort hinlocken. Machen Sie sich über Nutzpflanzen her, betrachten wir sie als Schädlinge, doch wenn sich beispielsweise ein Eichhörnchen beim Vogelhäuschen oder ein Igel in unserem Garten blicken lässt, sehen wir sie als willkommene Gäste. Für den Fotografen haben diese Tiere den Vorteil, dass sie sich leicht mit Futter anlocken lassen, andererseits möchte man eigentlich deren natürliches Verhalten in ebenso natürlicher Umgebung festhalten.

Als Naturfotograf gilt es an dieser Stelle abzuwägen. Gegen eine Ratte, die sich dank des Futters im Garten niedergelassen hat, wird kaum jemand etwas einwenden, doch beim Anfüttern von Füchsen hört für viele der Spaß auf.

Ein wesentlicher Aspekt ist, dass man sich in der Natur wie ein Gast verhält. Tiere in freier Wildbahn sind in ethischer Hinsicht kein einfaches Motiv. Der Mensch hat sich im Verlauf der Geschichte durch intensive Bekämpfung und Bejagung die meisten Tiere sprichwörtlich zum Todfeind gemacht. Oft reicht allein schon die menschliche Silhouette, damit sie in Deckung gehen. Viele eigentlich tagaktive Arten wie Füchse und Rehe haben ihre Aktivitäten in die Dämmerung oder Nacht verlegt, um uns aus dem Weg zu gehen. Auf diese Weise ist es in unseren Breiten schwierig geworden, diese Tiere zu fotografieren.

Dringen wir nun in die Areale vor, wo die Tiere vor uns Schutz suchen, so ist es unsere Pflicht, sie so wenig wie möglich zu stören. Bis vor etwa zehn Jahren war die Wildtierfotografie Spezialisten vorbehalten: Nur eine Handvoll von Fotografen besaß die nötigen Kenntnisse und Fähigkeiten, Tiere in ihrer natürlichen Umgebung im Bild festzuhalten. Neben der geringen Anzahl war es aber auch deren behutsame Annäherung, dass nachteilige Effekte auf die Natur ausblieben.

Lassen Sie keine Abfälle zurück … | Kruger-Nationalpark, Südafrika | 10.10.2010, 6:27 Uhr | Roelof Janssens | Nikon D200 mit Nikkor AF-S 24 – 70 mm 1:2,8G ED, 1/125 s, Blende 6,3, ISO 400

Wie sehr sich das heute doch verändert hat! Mit dem Aufkommen der Digitalfotografie wurde die Naturfotografie zu einem beliebten Zeitvertreib. Vor allem an den Wochenenden hat daher durch die Vielzahl an Menschen der Druck auf die Naturgebiete zugenommen. Verschärft wird die Lage durch die weniger kenntnisreichen Fotografen, die blindlings Bilder hinzubekommen versuchen, wie sie sie in den sozialen Medien gesehen haben.

Sie sind als Naturfotograf höchstpersönlich dafür verantwortlich, sich so zu verhalten, dass die durch Sie verursachten Störungen auf ein absolutes Minimum beschränkt werden. Darüber hinaus haben Sie sich an die Regeln und Gesetze der Gebietseigner zu halten. Beachten Sie dabei auf jeden Fall Folgendes:

Betreten Sie keine Gebiete, die aus irgendwelchen Gründen abgesperrt sind.

Verlassen Sie die Wege nicht, wenn Sie dazu keine ausdrückliche Erlaubnis haben.

Machen Sie sich über Ihr Motiv schlau. Je besser Sie es kennen, desto weniger Gefahr laufen Sie, es zu stören.

Beschränken Sie sich auf wenige Arten. Wenn Sie sich mehr mit dem Verhalten einer Art befassen, werden auch Ihre Fotos besser. Das reine Artensammeln hat nichts mit guter Tierfotografie zu tun.