Verlag: Poppy J. Anderson Kategorie: Gesellschafts- und Liebesromane Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2016

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E-Book-Beschreibung Prickelnde Küsse - Poppy J. Anderson

Ryan Fitzpatrick kommt zwar aus einer Familie, in der er mit dem Kochlöffel seiner Mutter verprügelt worden wäre, wenn er von sich gegeben hätte, dass Frauen in die Küche gehörten und auf ihre Männer hören sollten, dennoch steht er selbst eher auf den Typ Frau, der ihm seine Freiheiten lässt, ihm keine Vorschriften macht und bloß nicht zu viele Ansprüche an ihn stellt. Unkompliziert sollte die Frau sein, für die er seinen Single-Status aufgeben könnte, und unter keinen Umständen dürfte sie dickköpfig oder aufbrausend sein, schließlich will er sich keine Frau ins Haus holen, die wie seine Schwester ist, deren großmäulige Art einen Mann in den Wahnsinn treiben kann. Durch einen peinlichen Zufall lernt der Detective der Bostoner Polizei die gebieterische Jordan Esposito kennen, die sogar noch herrschsüchtiger und hitzköpfiger als Ryans Schwester ist und es schafft, dass er sich bis auf die Knochen blamiert. Glücklicherweise hat er sich geschworen, niemals mit dickköpfigen, aufbrausenden, komplizierten, kratzbürstigen und einen Mann in den Wahnsinn treibenden Frauen auszugehen. Aber wäre es denn so schlimm, ein Mal eine Ausnahme zu machen?

Meinungen über das E-Book Prickelnde Küsse - Poppy J. Anderson

E-Book-Leseprobe Prickelnde Küsse - Poppy J. Anderson

Table of Contents

Title Page

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

9. Kapitel

10. Kapitel

11. Kapitel

12. Kapitel

13. Kapitel

14. Kapitel

Epilog

Buchvorschau „Charmante Küsse“ (Band 5)

Nachwort

Die Fitzpatricks

Weitere Romane von Poppy J. Anderson

Impressum

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Liebesroman

 

 

 

Prickelnde Küsse

 

 

 

 

 

 

Poppy J. Anderson

 

 

 

 

 

 

Band 4

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1. Auflage Dezember 2015

 

 

Copyright © 2015 by Poppy J. Anderson

Covergestaltung: Catrin Sommer rausch-gold.com

Unter Verwendung von © Minerva Studio – fotolia.com

 

Korrektorat: SW Korrekturen e.U

 

www.poppyjanderson.de

 

 

poppyj.anderson@googlemail.com

 

 

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Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung der Autorin. Personen und Handlung sind frei erfunden, etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Menschen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt. Markennamen sowie Warenzeichen, die in diesem Buch verwendet werden, sind Eigentum ihrer rechtmäßigen Eigentümer.

 

 

 

 

 

 

 

 

1. Kapitel

 

 

„Und? Fühlt sich das gut an?“

Ryan Fitzpatrick nickte entzückt und starrte mit trockenem Mund zu der blond gelockten Tina auf, die sich auf seine Hüften niederließ und ihre winzigen Hände über seiner bloßen Brust spreizte. Er schluckte hart und hob beide Hände, um mit diesen Tinas Taille zu umfassen, als die Stewardess den Kopf schüttelte, die Augen zusammenkniff und heiser raunte: „Oh nein, mein Lieber. Du wirst nur das tun, was ich dir sage.“

Überrascht hob Ryan den Kopf, schaute in die blauen Augen der hübschen Frau, die er erst gestern im Beisein seiner Kumpels eine prüde Jungfer genannt hatte, und stöhnte augenblicklich auf, als Tina über seine Leiste rutschte. Da sie dabei dem Körperteil bedenklich nahe kam, der seit einigen Minuten das Denken für ihn übernommen hatte und sich geradezu schmerzhaft gegen seine Jeans presste, musste er die Zähne zusammenbeißen und flüsterte Tinas Namen.

„Ryan, nein“, befahl sie in einem Tonfall, der jeder Domina und jedem Hundetrainer Respekt abgerungen hätte. „Heute bestimme ich, was wir tun. Du wirst hier liegen bleiben und nichts tun. Verstanden?“

Einen Moment lang blitzte in Ryans Kopf der Gedanke auf, dass sich die Frau, die ihn vor wenigen Minuten mit dem Versprechen auf heißen Sex aus seiner Stammkneipe fortgelockt hatte und ihm nun in seinem Bett ein Wahnsinnsvorspiel bot, gewaltig von der Frau unterschied, die ihm sogar beim vierten Date einen Kuss auf den Mund verwehrt hatte. Doch dann begann Tina die Knöpfe seiner Jeans zu öffnen.

Alle Gedanken, die sich gerade noch um die Einhundertachtzig-Grad-Wendung der jungen Frau mit dem puppenartigen Gesicht gedreht hatten, verpufften angesichts ihrer Finger, die zielstrebig seine Jeans öffneten.

Zischend entfuhr ihm der Atem, als Tina breit grinste und sich mit der Zunge geradezu provokativ über die rot geschminkten Lippen fuhr. „Das wird eine Nacht werden, die du niemals vergessen wirst.“

Ryan stöhnte auf und ließ den Kopf zurück auf sein Kissen fallen, während Tina sich über ihn beugte, ihm einen Knutschfleck am Hals verpasste, den er am kommenden Wochenende sicherlich vor seiner Mom würde verbergen müssen, und ihm anschließend die Jeans samt seiner Unterhose auszog.

Dass er nun völlig nackt vor ihr lag, während sie bislang kein einziges Kleidungsstück ausgezogen hatte, ließ ihn noch schärfer werden, als er es ohnehin schon war. Das schlechte Gewissen, das in ihm aufstieg, als er daran dachte, dass er Tina in ihrem gemeinsamen Bekanntenkreis prüde und altmodisch genannt hatte, unterdrückte er rasch. Es nutzte ihm schließlich nicht, wenn er sich ausgerechnet jetzt darauf konzentrierte, wie abfällig er vor seinen Kumpels darüber gesprochen hatte, dass er sie bereits zu vier Dates eingeladen hatte und für seine Mühen nicht entschädigt worden war.

Da sich Ryan nicht daran erinnern konnte, mit einer Frau jemals vier Dates gehabt zu haben, war er wie vor den Kopf gestoßen gewesen, dass Tina nicht einmal mit ihm hatte knutschen wollen. Welche Frau zierte sich denn nach drei Abendessen und einem Kinobesuch mit anschließenden Drinks so sehr gegen ein bisschen Gefummel und Geknutsche in seinem Auto? Im Grunde hatte er spätestens nach dem vierten Date mit Sex gerechnet, doch die blonde Stewardess, die er durch die Arbeitskollegin seines Zwillingsbruders kannte, hatte sich als hartnäckig herausgestellt. Um ehrlich zu sein, war Ryan nicht auf der Suche nach einer festen Beziehung gewesen und hatte nach dem enttäuschenden Date vor wenigen Tagen beschlossen, Tina nicht wiederzusehen.

Doch das war gewesen, bevor sie zu O’Reary’s gekommen war und ihn dazu aufgefordert hatte, sie in seine Wohnung zu bringen.

Jetzt lag er nackt auf seinem Bett, starrte zu der lächelnden Frau hoch und hätte sich am liebsten selbst auf die Schulter geklopft, dass es Ryan Fitzpatrick wieder einmal geschafft hatte, eine Frau ins Bett zu bekommen. Dass er sie anschließend fallen lassen würde, hatte sie noch nicht zu interessieren ...

„Weißt du, worauf ich stehen würde?“, flüsterte die Frau, die ihm während ihrer Dates stundenlang von ihren langweiligen Hobbys und ihrem Fitnesstraining berichtet hatte, heiser in sein Ohr und krallte sich gleichzeitig erregt in seine Brustmuskeln.

Ryan klebte die Zunge am Gaumen, während er mühsam hervorstieß: „Was?“

Eine Gänsehaut zog sich über seinen gesamten Körper, als sie wisperte: „Mich würde es tierisch anmachen, wenn ich dich ans Bett fesseln dürfte.“

Mit einem gequälten Stöhnen biss Ryan ein weiteres Mal die Zähne zusammen und konnte sein Glück kaum fassen. „Was ... was?“

„Ich möchte dich ans Bett fesseln“, flüsterte sie ihm rau zu und ließ ihre Finger Zentimeter für Zentimeter tiefer über seinen Bauch wandern.

Automatisch hielt Ryan den Atem an und wusste nicht, wo ihm der Kopf stand. Obwohl eine winzige Stimme in seinem Gehirn ihm zu bedenken gab, dass Tina nicht den Eindruck erweckt hatte, der Typ für Fesselspiele zu sein, machte die Vorstellung ihn extrem an, ans Bett gefesselt zu werden. Welcher Mann fand es nicht scharf, als Lustobjekt einer Frau herhalten zu müssen?

Während seine Erektion immer härter wurde, wurde sein Hals immer trockener, sodass er mit rauer Stimme flüstern musste: „Darauf würdest du stehen?“

„Und wie“, erwiderte sie und stöhnte sehnsüchtig auf. Gleichzeitig tasteten ihre Fingerspitzen prüfend über seine Bauchmuskeln. Die Berührungen fühlten sich beinahe unerträglich an und ließen seine Eingeweide brodeln. Geradezu schmollend fügte die Frau hinzu, die er eigentlich für eine langweilige Blondine gehalten hatte: „Es sei denn, du willst dich nicht von mir ans Bett fesseln lassen.“

„Oh, Schätzchen.“ Er schluckte hart. „Mit mir darfst du alles machen, was du willst.“

„Alles?“

„Alles“, versprach er am Rande eines Zusammenbruchs, als ihre Finger sich träge in Richtung seiner Leiste bewegten.

Ihre Stimme klang wie das Versprechen all seiner feuchtesten Träume. „Heißt das, dass du still liegen würdest, während ich mit dem Mund und der Zunge über deinen Bauch fahre?“

„Über meinen Bauch?“

„Mhm.“ Wieder beugte sie sich zu seinem Kopf hinunter und flüsterte ihm extrem versaute Dinge ins Ohr, die er niemals von ihr erwartet hätte.

Ryan stöhnte lediglich auf und fürchtete, sich gleich tierisch vor ihr zu blamieren.

„Was hältst du davon, Ryan?“

„Sehr viel“, krächzte er und konnte es kaum erwarten, dass sie endlich all das tat, was sie ihm gerade vorgeschlagen hatte. Aus seinem langweiligen Dienstagabend würde allem Anschein nach eine wahnsinnig interessante Nacht werden.

Mit leuchtenden Augen lehnte sich Tina zurück, verzog entzückt den Mund und kam seiner Erektion mit ihren Fingern bedenklich nahe. „Du bist so ein großer Mann, Ryan Fitzpatrick. Und soooo stark“, gurrte sie und presste ihre Fingerspitzen in seine Bauchmuskeln. „Beinahe könnte ich Angst vor dir bekommen.“

Geschmeichelt und extrem erregt atmete Ryan schwer und hob automatisch die Hüften an. „Willst du dich nicht auch ausziehen, Schätzchen?“, wagte er sich scherzhaft vor und fragte sich, wie lange er es mit seiner akuten Erektion noch aushalten konnte.

„Erst wenn ich dich mit deinen Handschellen ans Bett fesseln darf“, flüsterte sie ihm verführerisch zu.

Obwohl er nur noch mühsam zu einem klaren Gedanken in der Lage war, blinzelte er zu ihr auf. „Was?“

Tina nickte, krallte ihre Finger in seine Brust und rieb ihren Oberschenkel gegen seinen stahlharten Penis. „Du weißt nicht, wie sehr es mich anmachen würde, dich mit deinen Handschellen ans Bett zu fesseln, Ryan. Ich hatte schon immer die Fantasie, einen Mann wie dich in meiner Gewalt zu haben und alles mit ihm machen zu dürfen.“

Dank der Tatsache, dass ihm schwindelig wurde, während sie sich an seinem besten Stück rieb, und dass es seine schönste Fantasie war, einmal das Sexobjekt einer Frau zu sein, nickte er stöhnend und sah kurze Zeit später zu, wie die begeisterte Tina seine Handschellen hervorkramte und anschließend sein rechtes Handgelenk an das stabile Bettgestell band.

Das Klicken, mit dem die Stahlbänder ineinander fanden, registrierte er mit einem erwartungsvollen Schauer und grinste breit.

„Schätzchen, ich glaube, das wird eine grandiose Nacht werden.“

„Das denke ich auch“, erwiderte Tina und stieg von seinen Hüften hinunter.

In der Annahme, dass sie sich endlich ausziehen würde, beobachtete Ryan, wie sich die hübsche Frau neben sein Bett stellte, die Hände in die Hüften stemmte und ihn finster anstarrte. Obwohl er verunsichert war, dachte er sich noch nichts dabei und wartete nur darauf, dass sie sich endlich aus dem Kleid mit den hellblauen Punkten schälte, doch als Tina abfällig schnaubte und den Schlüssel seiner Handschellen im hohen Bogen aus dem Fenster warf, wurde ihm mulmig zumute.

„Was zum ...?“

„Eine prüde alte Jungfer bin ich also?“, keifte sie plötzlich los und klang so gar nicht mehr nach der Frau, die ihm gerade noch verführerisch zugeraunt hatte, was sie alles mit ihrem Mund an seinem Körper anstellen würde.

Scheiße.

„Hör mal“, wagte er sich vor und wollte sich aufsetzen, um gleichzeitig zu bemerken, dass die Handschelle ihn daran hinderte. „Du siehst das völlig falsch, Tina.“

„Aha.“ Sie funkelte ihn böse an. „Zufälligerweise ist dein Saufkumpan Tom Sullivan mit meiner Cousine Glenda verheiratet. Er hat ihr erzählt, dass du bei O’Reary’s davon gesprochen hast, dass ich eine prüde, frigide und altjüngferliche Zicke wäre, die dich nicht rangelassen hat.“

Obwohl sich Ryan nicht daran erinnern konnte, sie frigide genannt zu haben, stand für ihn eindeutig fest, dass sie sehr wohl eine Zicke war. Wieder rüttelte er an der Handschelle und musste erkennen, dass Tina diese nicht nur ziemlich fest geschlossen hatte, sondern dass das Bettgestell sehr stabil war.

Mit zusammengebissenen Zähnen knirschte er bemüht ruhig: „Tina, schließ die Handschelle auf.“

„Du kannst den Schlüssel ja in deinem Vorgarten suchen“, riet sie ihm triumphierend. „Viel Glück!“

„Das ist nicht komisch“, knurrte er und schenkte der Tatsache, dass er völlig nackt vor ihr lag, nur wenig Beachtung. Eigentlich machte er sich viel größere Sorgen darum, dass sie ihn mit seinen Sicherheitshandschellen ans Bett gekettet und den Schlüssel weggeworfen hatte. Angesichts ihrer entschlossenen Miene schwante ihm Böses.

„Dir sollte klar sein, dass ich Polizeibeamter bin“, hörte er sich selbst sagen und klang für einen nackten Mann, der an sein eigenes Bett gefesselt war, extrem autoritär.

„Und dir sollte klar sein, dass ich keine Schlampe bin, die in dein Bett hüpft, weil du dich für unwiderstehlich hältst, Ryan Fitzpatrick“, zischte sie ihm zu und trat an den Stuhl neben dem Fenster, um ihre Tasche und Jacke aufzunehmen. „Nicht alle Frauen sind ganz wild darauf, mit dir zu schlafen und sich anschließend abservieren zu lassen.“

Besorgt richtete sich Ryan so weit auf, wie es ihm dank der Handschelle möglich war, und verfolgte mit großen Augen, wie Tina die Tasche schulterte. „Du kannst doch jetzt nicht gehen!“

„Wieso kann ich das nicht?“ Tina rümpfte angewidert die Nase. „Ich habe dir doch versprochen, dass dies eine Nacht wird, die du niemals vergessen wirst.“

„Hey!“ Ryan schluckte panisch und rüttelte wieder an seinem Bettgestell, obwohl er ahnte, dass ihn dies nicht aus seiner misslichen Lage befreien würde. „Was denkst du, was du hier tust?“

Tina warf den Kopf in den Nacken und erklärte geradezu hochnäsig: „Irgendjemand musste dir ja mal zeigen, dass du nicht alle Frauen wie dein persönliches Spielzeug behandeln kannst!“

Vergrätzt legte er die Stirn in Falten und musste sich dazu zwingen, sie nicht zu fragen, ob ihre übertriebene Zickigkeit auf ein hormonelles Ungleichgewicht zurückzuführen sei. Frauen zu fragen, ob sie ihre Tage hatten, konnte für Männer gefährlich werden – vor allem, wenn sie ihnen hilflos ausgeliefert waren. Stattdessen versuchte er es mit der Vernunft. „Komm schon, Tina. Das kann nicht dein Ernst sein. Du willst mich doch nicht hier angebunden einfach liegen lassen.“

„Oh doch!“

Ryan holte tief Luft und grollte in dem Ton, den er normalerweise bei Verhören verhafteter Krimineller anwendete: „Tina, du machst dich strafbar.“

Die Stewardess, die ihm stundenlang berichtet hatte, dass sie aus Salzteig Figuren herstellte und auf dem alljährlichen Kirchenbasar verkaufte, hob lässig eine Hand, ließ ihre Augen über seine niedergestreckte Gestalt wandern und grinste hinterhältig. „Ich glaube kaum, dass Ryan Fitzpatrick an die große Glocke hängen wird, dass ihn eine prüde, frigide und altjüngferliche Zicke nackt ans Bett gefesselt hat und dann abgehauen ist!“ Sie lachte böse auf. „Bis bald!“

Frustriert ließ Ryan den Kopf auf sein Kissen fallen und starrte an die Schlafzimmerdecke über sich, während das fröhliche Gekicher seines Gastes noch im Treppenflur des Mietshauses zu hören war, nachdem sie die Wohnungstür hinter sich zugeworfen hatte.

Verdammter Mist!

Jetzt hatte er den Salat.

Ein weiteres Mal versuchte er, an der Handschelle zu rütteln, doch leider ließ sie sich nicht wie von Zauberhand lösen. Da Tina die andere Seite der Handschelle an einem der massiven Gitterstäbe seines Bettgestells befestigt hatte, sah Ryan auch von dieser Seite kein Entgegenkommen.

Mit einem Stöhnen legte er sich wieder zurück, schwang seine Beine aus dem Bett und setzte sich halb auf, während er sich dabei fast seine Schulter auskugelte. Vorsichtig öffnete er daher mit der linken Hand die Schublade seines Nachttisches und kramte im Inneren herum, nur um festzustellen, dass sich dort leider kein Bolzenschneider befand und dass er viel zu viele Kondome besaß.

Ahnungslos ließ Ryan seine Augen durch sein Schlafzimmer wandern und wusste, dass er nichts anderes tun konnte, als jemanden anzurufen, der ihn aus seiner misslichen Lage befreite.

Am einfachsten wäre es gewesen, wenn er seinen Partner Dickie angerufen hätte, doch da der um zehn Jahre ältere Polizist seine helle Freude daran hätte, dass sein junger Partner nackt ans Bett gefesselt worden war, wollte sich Ryan dessen Spott nicht aussetzen. So wie er seinen Partner kannte, würde er Fotos machen und diese im ganzen Revier verteilen.

Anscheinend blieb Ryan nichts anderes übrig, als jemanden aus seiner Familie zu verständigen.

Sein verzweifelter Blick glitt zu dem Telefon gleich neben seinem Bett.

Er hatte vier Geschwister und konnte sich sicher sein, dass jeder diese Geschichte bis zum bitteren Ende ausschlachten würde. Am besten käme er vermutlich noch weg, wenn er seinen Zwillingsbruder Kyle anriefe, doch da dieser Wichtigtuer momentan eine Schicht im Krankenhaus absolvierte und als Arzt im Praktikum viel zu wichtig war, um im Vorgarten seines Bruders nach Schlüsseln für Handschellen zu suchen, blieben lediglich die anderen drei übrig.

Seine ältere Schwester Kayleigh würde Ryan nur unter Lebensgefahr anrufen, schließlich war sie der Sprössling der Familie, der die größte und vorlauteste Klappe von allen hatte. Trotz vier Brüder schaffte es Kayleigh als einziges Mädchen der ganzen Sippschaft, dass ihnen regelmäßig der Mund offen stehen blieb, wenn die Notärztin vom Leder zog. Ihr Freund Aidan dagegen wäre vermutlich die richtige Ansprechperson, um Ryan aus seiner misslichen Lage zu befreien, doch leider stand der baumlange Handwerker so sehr unter dem Pantoffel seiner großmäuligen Freundin, dass Ryan Glück hätte, wenn Fotos von ihm – nackt und mit den eigenen Handschellen ans Bett gefesselt – nicht auf der alljährlichen Weihnachtskarte der Familie Fitzpatrick abgedruckt wären.

Nein, Kayleigh und Aidan würde Ryan sicherlich nicht anrufen.

Vermutlich sollte er Shane benachrichtigen, immerhin war dieser selbst Detective und hatte es vor seiner Ehe mit der schwarzhaarigen Thorne so sehr krachen lassen, dass die meisten männlichen Bewohner Bostons ihre Töchter daheim eingesperrt hatten. Ja, Ryan war sich sicher, dass Shane das meiste Verständnis für die Situation seines kleinen Bruders hätte.

Ächzend griff er daher nach dem Telefonhörer und hätte diesen beinahe fallen gelassen, bevor er mühevoll die Nummer seines älteren Bruders wählte.

Da sein Handgelenk mittlerweile wie die Hölle schmerzte und die Handschelle ihm das Blut abschnürte, seufzte er erleichtert, als es nach dem ersten Klingeln in der Leitung knackte.

Ein kleinkindliches Wispern ertönte. „Hallo.“

„Connor?“ Ryan verdrehte die Augen. „Hallo, Kumpel. Hier ist Onkel Ryan. Kannst du mir deinen Daddy geben?“

Sein zweijähriger Neffe schwieg einen Moment, bevor er fröhlich ins Telefon zu singen begann. Normalerweise hätte es Ryan belustigt, dass Connor das Lied zum Besten gab, das er ihm beigebracht hatte, um seine Schwägerin auf die Palme zu bringen, weil es von Frauen mit wohlproportionierten Körperstellen handelte. Momentan hätte er jedoch gut und gerne auf die lispelnden Gesangskünste des zweijährigen Knirpses verzichten können. Daher wartete er ungeduldig, während Connor das nicht gerade jugendfreie Lied sang, und wollte erleichtert aufseufzen, als die letzte Strophe verklang, um in der gleichen Sekunde Thornes durchdringende Stimme zu hören.

„Alle Mann in die Küche! Es gibt Pizza!“

Allem Anschein nach war die Aussicht auf Pizza sehr viel verlockender als ein Telefonat mit seinem Onkel, schließlich brüllte Connor ekstatisch „Pizza!“ und legte dann den Hörer einfach beiseite.

Ryan rief zwar mehrmals den Namen seines Neffen, erhielt jedoch keine Antwort und konnte lediglich im Hintergrund hören, wie die Familie unter fröhlichem Gelächter in die Küche zu stürzen schien.

Frustriert legte Ryan wieder auf, sah sich kurz in seinem Schlafzimmer um und ließ seine Augen anschließend über seinen nackten Körper wandern. Ihm blieb nichts anderes übrig, als seinen ältesten Bruder Heath anzurufen, wenn er nicht wollte, dass seine Mom herkommen würde, um ihn aus seiner Zwangslage zu befreien.

Wenn er daran dachte, dass er Heath erst vor zwei Tagen beim wöchentlichen Sonntagsessen der Familie darauf hingewiesen hatte, dass das jährliche Softballspiel bevorstand, bei dem sein Revier gegen Heaths Feuerwehrwache antreten würde, und dass die Jungs der Feuerwehr seit drei Jahren in Folge verloren hatten, wusste er, dass sein ältester Bruder ihm diese Geschichte ewig vorhalten würde.

Dennoch biss er in den sauren Apfel, wählte Heaths Nummer und schickte ein Stoßgebet zum Himmel.

Sein Glück war, dass Heath sofort ans Telefon ging, sich zwar vor lauter Lachen beinahe in die Hose machte, dann aber einwilligte, sich auf den Weg zu machen.

Sein Pech war jedoch, dass Heath nicht nur extrem nachtragend war, sondern gerade Dienst hatte und versprach, mit seinem gesamten Löschtrupp zu Ryan zu kommen.

Nur wenige Minuten später lag Ryan auf seinem Bett, hörte Zähne knirschend, wie jemand seine Tür eintrat, und musste dann mit ansehen, wie mehr als ein halbes Dutzend Feuerwehrmänner in seine Wohnung strömte. Die Komiker filmten die ganze Aktion sogar und schienen ihre helle Freude zu haben.

Nackt, angefressen und ziemlich gefrustet sagte sich Ryan, dass er es seinem ältesten Bruder heimzahlen würde, ihn dermaßen vorgeführt zu haben.

Leider setzte Heath dem Ganzen noch die Krone auf, als er nachdenklich neben dem Bett stand, seinem Kumpel auf die Schulter schlug und mit einem übermütigen Funkeln in den Augen erklärte: „Die Handschelle müssen wir mit einem Bolzenschneider lösen.“

„Dann tu das“, keifte Ryan, der langsam die Schnauze voll hatte, wie ein Nacktmodell vor einem ganzen Trupp Feuerwehrmänner hilflos auf seinem Bett zu liegen.

Heaths Kumpel Ted prustete vor Lachen. „Wem wird die Ehre zuteil, deinen Bruder zu befreien, Leutnant? Ich glaube, das wäre die perfekte Feuerprobe für unseren Frischling.“

Heath verschluckte sich beinahe an einem Lachen und nickte anschließend mit dem fettesten Grinsen, das Ryan jemals an seinem Bruder gesehen hatte.

Laut und deutlich brüllte er in Richtung Wohnzimmer, wo der Rest der Löschtruppe wartete: „Esposito! Schnapp dir den Bolzenschneider! Zeig mal, was du kannst, und befreie meinen kleinen Baby-Bruder aus seiner misslichen Lage!“

Angesichts des gackernden Lachens aller anwesenden Feuerwehrmänner schwante Ryan Böses.

Als dann plötzlich der Frischling neben seinem Bett stand, ihn mit dicht bewimperten Augen musterte und mit der Zunge schnalzte, wusste er auch, weshalb Heath seine helle Freude hatte.

Der angehende Feuerwehrmann ... beziehungsweise die angehende Feuerwehrfrau legte lässig den Kopf zur Seite, musterte Ryans bestes Stück, als würde sie die Auslage von Salatköpfen im Supermarkt mustern, und fragte Heath belustigt: „Leutnant, ich will Ihnen nicht zu nahe treten, aber passiert es Ihrem Bruder öfter, dass er nackt ans Bett gebunden wird?“

 

 

 

 

2. Kapitel

 

 

Jordan Esposito mochte zwar erst seit gut zwei Wochen als Frischling bei der Bostoner Feuerwehr arbeiten, aber sie war sich ziemlich sicher, dass ein nackter Mann, der hilflos mit einem Paar Handschellen an sein Bett gefesselt war, nicht jeden Tag zu ihren Einsätzen gehörte. Außerdem glaubte sie nicht, dass ihre Kollegen in solchen Fällen zu ihren Handykameras griffen und filmten, wie das bedauernswerte Opfer splitterfasernackt und ziemlich angefressen darauf wartete, endlich aus seiner misslichen Lage befreit zu werden.

Das Erste, das sie auf der Akademie gelernt hatte, war gewesen, Respekt gegenüber den Opfern zu zeigen und sich immer wieder zu verinnerlichen, dass diese Menschen hilflos und auf die Rettungskräfte angewiesen waren. Niemand hatte ihr beigebracht, mit einer Handykamera bewaffnet neben dem Bett zu stehen, grölend zu lachen und das Opfer in einem süffisanten Tonfall zu fragen, wie das Date gelaufen war.

Selbst wenn Jordan nicht bereits auf der Wache erfahren hätte, dass es sich bei diesem Opfer um den Bruder des Leutnants handelte, wäre ihr ziemlich schnell klar geworden, dass dieser Einsatz eher ungewöhnlich war, immerhin steckte einer ihrer Kollegen gerade den Kopf in den Kühlschrank des Mannes, der hier ans Bett gefesselt war, während ein anderer Kollege dem Badezimmer einen Besuch abstattete. Dass das Opfer selbst warnend rief: „Sag deinen Männern, dass sie die Flossen von meinem Abendessen lassen sollen, Heath, und steck dein Handy endlich weg, verdammte Scheiße!“, ließ ebenfalls den Schluss zu, dass dieser Einsatz etwas Besonderes war.

Bislang waren die Einsätze, zu denen ihr Löschtrupp gerufen worden war, eher unspektakulär gewesen. Ein kleiner Brand im Gartenschuppen, eine entflohene Katze, ein defekter Stromkasten, der bereits gebrannt hatte, und eine achtzigjährige Rentnerin, die mit ihrem Auto in einen Kirchenzaun gebrettert war, hatten bislang zu ihren Einsätzen gehört.

Der nackte Mann dagegen war eine absolute Premiere.

Dass es zu ihren Aufgaben gehören sollte, Männer aus solchen Situationen zu befreien, war Jordan bisher gar nicht in den Sinn gekommen. Andererseits sollte ihr klar sein, dass die Jungs vom Löschzug einen Heidenspaß daran hatten, den Frischling – den weiblichen Frischling – dabei zu beobachten, wie sie die Situation anging.

Falls sie dachten, dass sich Jordan mädchenhaft zieren oder erröten würde, hatten sie sich geschnitten.

Es brauchte schon mehr als einen nackten Mann, der mit Handschellen ans eigene Bett gefesselt war, um Jordan aus der Ruhe zu bringen – immerhin war sie mit drei älteren Brüdern aufgewachsen. Wenn sie das überlebt hatte, konnte sie es auch nicht schocken, neben diesem Bett zu stehen, hinter sich ihre feixenden Kollegen zu wissen und den nackten Mann zu befreien, dem es nicht einmal peinlich zu sein schien, dass sie mehr von ihm zu Gesicht bekam als vermutlich sein Urologe.

„Schätzchen, wenn es dir nichts ausmachen würde, wäre ich echt froh, so schnell wie möglich von diesem Bett hinunterzukommen.“

Der letzte Typ, der sie Schätzchen genannt und dabei geglaubt hatte, ihr an die Brüste fassen zu können, hatte sich anschließend einen Beutel gefrorene Erbsen gegen sein bestes Stück halten müssen. Doch da Jordan davon absehen wollte, gleich im ersten Monat ihres Dienstes ein Disziplinarverfahren am Hals zu haben, schaute sie ihm lediglich mit einem trägen Lächeln ins Gesicht und hakte trocken nach: „Tatsächlich? Eigentlich würde ich davon ausgehen, dass eine Person, die sich freiwillig ans Bett fesseln lässt, ganz besonders viel Zeit dort verbringen will, Schätzchen.“

Hinter ihr erklang grölendes Lachen, während der blonde Mann mit den hellbraunen Augen und dem markanten Kinn eine Grimasse schnitt. In keiner Weise eingeschüchtert oder beschämt gestand er mit einem betörenden Grinsen: „Das war eigentlich der Plan. Aber anscheinend meinte es jemand ziemlich gut mit mir, da ich hier noch ein Plätzchen frei habe und schon immer auf Frauen in Uniformen stand.“

Obwohl Jordan normalerweise nichts aus der Fassung brachte, kam sie nun nicht umhin, den nackten Bruder ihres Leutnants mit großen Augen anzustarren und sprachlos den Mund zu öffnen. Sie war schon zu den unpassendsten Momenten angemacht worden – erst vor einigen Monaten hatte ihr betrügerischer Exfreund Garry sie auf einer Beerdigung um ein Date gebeten –, aber das hier war an Dreistigkeit kaum zu überbieten.

Gerade als sie überlegte, den gefesselten Mann zur Abkühlung mit dem Feuerwehrschlauch abzuspritzen, räusperte sich ihr Leutnant und erklärte seinem Bruder betont freundlich: „Wie es aussieht, hegst du Selbstmordgedanken, Brüderchen. Mit Esposito würde ich mich an deiner Stelle nicht anlegen. Wärst du so freundlich und unterlässt deine sexuellen Anspielungen? Ich will Mom nämlich nicht erklären, warum einer ihrer Söhne nicht mehr in der Lage sein wird, ihr Enkelkinder zu schenken, wenn du so weitermachst.“

Heath Fitzpatricks jüngerer Bruder, der unglücklicherweise zu der Sorte Mann zu gehören schien, die nicht nur unglaublich gut aussah, sondern das großkotzige Arschloch-Gen in sich trug, das auch Garry ausgezeichnet hatte, grinste träge und zwinkerte Jordan zu. Wie es schien, kam der blondhaarige Mann mit den breiten Schultern und den ausgeprägten Bauchmuskeln nicht einmal auf die Idee, dass es eine Frau geben könnte, die seinem Charme widerstand.

Dass er erst vor Kurzem von einer Frau ans Bett gefesselt und dann verlassen wurde, war allem Anschein nach längst vergessen.

Da Jordan keine große Lust hatte, sich von ihrem Leutnant verteidigen lassen zu müssen, und seit jeher ihre eigenen Schlachten lieber selbst austrug, erwiderte sie sehr trocken: „Man sollte doch meinen, dass ein Mann, der gerade erst eine handfeste Abfuhr kassiert hat, den Mund nicht allzu voll nimmt. Unglücklicherweise leiden manche Männer an einem überschätzten Selbstbewusstsein.“

Ihr Leutnant gluckste auf und nickte. „Kleiner Bruder, unser Frischling scheint dich bereits durchschaut zu haben.“

Sein kleiner Bruder, an dem nichts klein war, wie Jordan bereits beim Betreten des Zimmers bemerkt hatte, schenkte ihr einen durchdringenden Blick aus hellbraunen Augen, der sie für einen kurzen Moment bedauern ließ, dass sie großkotzigen Männern abgeschworen hatte, bevor er seufzte.

„Eine zweite Abfuhr ertrage ich heute nicht. Ein bisschen mehr Feingefühl“, bat er sie charmant. Dass seine Augen dabei über ihre unförmige Brandbekämpfungsbekleidung wanderten und sich seine Mundwinkel zu einem anerkennenden Lächeln verzogen, ließ nur einen Schluss zu: Der Bruder ihres Vorgesetzten musste entweder einen Fetisch haben, wofür auch die Handschellen und das Fehlen jeder Scham sprachen, oder aber der arme Mann hatte seit Ewigkeiten keinen Sex gehabt und würde sogar mit einer Frau schlafen, die einen Feuerwehrhelm trug und in ihrer Uniform den graziösen Gang eines humpelnden Nilpferdes an den Tag legte.

„Ryan, könntest du bitte aufhören, Angehörige meiner Löschtruppe anzugraben? Deine Flirtversuche sind mir als deinem Bruder echt peinlich. Wir Fitzpatricks haben immerhin einen Ruf zu verteidigen.“

Am liebsten hätte Jordan einen lauten Würgelaut von sich gegeben, um den anwesenden Männern zu demonstrieren, was sie von deren Balzgehabe hielt, doch da sie ihrem Vorgesetzten gegenüber nicht respektlos sein durfte, hielt sie eisern die Klappe und lieferte sich stattdessen ein Blickduell mit dem vermeintlichen Opfer, das noch immer nicht mit der Wimper zuckte, dass sie ihn nun seit Minuten völlig nackt betrachten konnte.

Tatsächlich wirkte der blondhaarige Mann mit dem trägen Lächeln ziemlich zufrieden.

Ebenso träge richtete sich Jordans Blick auf seine Leistengegend, bevor sie ihm wieder in die Augen sah und dabei eine Augenbraue in die Höhe zog. An ihren Leutnant gewandt wollte sie gelassen wissen: „Werde ich hier noch gebraucht, Sir?“

„Gute Frage“, entgegnete Heath Fitzpatrick nachdenklich. „Ich frage mich gerade, ob wir meinen Bruder nicht noch ein paar Stündchen in seinem eigenen Saft schmoren lassen sollen, bis er weniger liebestoll ist, Esposito.“

„Dafür werden sicherlich mehr als nur ein paar Stündchen nötig sein“, gab sie zu bedenken und erntete ein Lachen ihres Vorgesetzten, der neben sie trat und ihr gutmütig auf die Schulter schlug.

„Esposito, du gefällst mir von Tag zu Tag besser“, entgegnete ihr Leutnant fröhlich. „Aus dir wird nicht nur eine gute Feuerwehrfrau, sondern du passt zu unserer Einheit wie die Faust aufs Auge.“

Zufrieden holte Jordan Luft, immerhin war der Weg ziemlich beschwerlich gewesen, bis es so weit gewesen war, als Kandidat auf eine Feuerwehrwache versetzt zu werden. In ihrem Jahrgang hatte es zu Anfang nur drei weibliche Rekrutinnen gegeben – Jordan war die Einzige gewesen, die es durchgehalten hatte. Die körperlichen Voraussetzungen mochten zwar nicht ohne gewesen sein, jedoch war der psychische Druck von außen sehr viel anstrengender gewesen als beispielsweise ihr Ausbilder, der keinen Hehl daraus gemacht hatte, dass er weibliche Feuerwehrfrauen nicht gerne unter seinen Rekruten sah.

Mit den spöttischen Blicken anderer Rekruten, den blauen Flecken und den altertümlich wirkenden Sprüchen ihres Ausbilders war Jordan klargekommen – was ihr jedoch die meisten Probleme bereitet hatte, war die Sorge ihrer Familie gewesen.

Sie selbst war mit ihrer Entscheidung, Feuerwehrfrau zu werden, sehr glücklich gewesen und hatte es nicht abwarten können, ihre Ausbildung anzufangen. Ihre Eltern jedoch hatten sich bis zum heutigen Tag nicht damit abgefunden, dass ihre einzige Tochter zur Akademie gegangen war.

Bei keinem ihrer drei älteren Brüder hatten Jordans Eltern etwas zu ihren Berufswünschen zu sagen gehabt, aber als Jordan nach dem College verkündet hatte, keine Steuerberaterin zu werden, sondern zur Feuerwehr zu gehen, war das Drama vorprogrammiert gewesen.

Seither war mit ihrem Dad nicht gut Kirschen essen, denn er konnte nicht verstehen, dass seine Tochter einen Beruf ausüben wollte, bei dem sie körperlich arbeitete, mit Ruß bedeckt nach Hause kam und sich in gefährliche Situationen brachte. Dies hatte er ihr erst vor einer Woche erklärt und dabei verdrießlich die Stirn gerunzelt. Vermutlich hätte Jordan den Einwänden ihres Vaters etwas mehr Verständnis entgegengebracht, wenn er nicht gleichzeitig mit ihr auf dem Schießstand gestanden hätte, um für seine alljährliche Schießbefähigkeitsprüfung zu üben.

Wenn ihr Dad nicht seit dreißig Jahren Cop gewesen wäre und voller Stolz zur Abschlussfeier seiner drei Söhne gegangen wäre, die allesamt ebenfalls Cops geworden waren, hätte Jordan seine Besorgnis verstanden, aber so ...

Jeder, der sie kannte, wusste, dass sie sich eher die Pulsadern mit einem Brotmesser aufgeschnitten hätte, als freiwillig ein Geschäftskostüm zu tragen und als Steuerberaterin zu arbeiten. Nur ihren Eltern zuliebe war sie aufs College gegangen, obwohl sie gleich nach der Highschool zur Akademie hatte gehen wollen.

Wie kam ihr Dad eigentlich auf die Idee, dass seine Tochter einen öden Schreibtischjob machen wollte? Immerhin hatte er sie und ihre Brüder mit zum Campen, zum Angeln und sogar mit zum Jagen genommen. Seinetwegen war sie ein Adrenalinjunkie geworden, trieb viel Sport und hatte nur wenig Mädchenhaftes an sich. Warum sollte sie die ersten fünfundzwanzig Jahre ihres Lebens nun vergessen, um in ein Rollenbild zu passen, mit dem sie bisher nie in Berührung gekommen war?

Jordan konnte schneller ein Reh ausweiden als ihre Brüder und hatte in der Highschool nicht nur Basketball gespielt, sondern war dafür bekannt gewesen, ihr Auto in alle Einzelteile zu zerlegen und anschließend wieder perfekt zusammenzubauen.

Trotz der Versuche ihrer Mom, Jordan für Barbiepuppen, Teegesellschaften oder Ballettunterricht zu begeistern, hatte sich ihre Tochter an ihren älteren Brüdern orientiert und hatte draußen lieber Buden gebaut oder war Skateboard gefahren.

Und heute wunderte sich ihre Familie darüber, dass sie nicht in einem Büro sitzen wollte, um die Steuererklärungen anderer Leute zu machen?

Während sich ihre drei Brüder schon in Kindertagen dazu entschlossen hatten, wie ihr Dad Cop zu werden, war Jordan erst als Teenager auf den Trichter gekommen, dass der Job als Feuerwehrfrau genau das Richtige für sie sein würde. Zugegeben ... der Gedanke, dass ausgerechnet dieser Job etwas für sie sein könnte, hatte etwas mit einem extrem gut aussehenden Feuerwehrmann zu tun gehabt, der sie auf seinen Armen aus dem Chemielabor getragen hatte, nachdem ein Experiment in die Hose gegangen war und sie sich die Wimpern angesengt hatte. Als hormonüberfluteter Teenager von sechzehn Jahren war sie leicht zu beeindrucken gewesen, doch anschließend hatte der Gedanke sie einfach nicht mehr losgelassen.

Eigensinnig, wie sie nun einmal war, hatten weder ihre Eltern noch ihre Brüder sie davon abhalten können, diesen Traum weiterzuverfolgen.

Tatsächlich hatte sich ihre Familie bereits damit abgefunden gehabt, dass Jordan ihre Ausbildung zur Feuerwehrfrau beginnen würde. Aber dann hatten ihre Eltern vor knapp zehn Monaten jenen Anruf bekommen, der alles verändert hatte. Seither überschattete nicht nur Trauer, sondern insbesondere Sorge die ganze Familie. Für ihre Eltern und Brüder war es unverständlich, dass Jordan nach allem, was passiert war, noch immer diesen Beruf ausüben wollte.

„Bin ich auf dem Holzweg, wenn ich mich frage, ob du dir den Ausgang deines Dates anders vorgestellt hast, Fitzpatrick?“

Die dröhnende Stimme ihres Kollegen Sam, die ihr in den Ohren klingelte, unterbrach ihre frustrierenden Gedanken. Ehrlich gesagt war Jordan froh über die Ablenkung, als der feixende Sam ebenfalls das Schlafzimmer des bedauernswerten Opfers betrat und es somit beinahe zum Platzen brachte.

Ryan Fitzpatrick machte noch immer keine Anstalten, sich beschämt darüber zu zeigen, dass er in ganzer nackter Pracht vor ihnen lag, sondern zeigte dem Feuerwehrmann mit der linken Hand den Mittelfinger.

Um ehrlich zu sein, fiel es Jordan verdammt schwer, den Bruder ihres Vorgesetzten nicht ständig anzusehen, immerhin war es bereits einige Monate her, dass sie einen nackten Mann gesehen hatte.

Okay, das stimmte nicht wirklich, schließlich hatte sie erst vor wenigen Tagen ihren Kollegen dabei ertappt, wie dieser gerade aus der Dusche gestiegen war.

Zwischen dem Feuerwehrmann Glen mit seiner Halbglatze und dem blondhaarigen Mann auf dem Bett lagen jedoch Welten, immerhin besaß der gefesselte Mann keinen Bierbauch und seine Haare schien er ebenfalls noch zu besitzen. Außerdem hatte Glen glücklicherweise ein Handtuch um seine Hüften getragen, was man von diesem Exemplar der männlichen Gattung nicht sagen konnte.

„Halt die Klappe, Sam“, entgegnete das Opfer relativ gefasst und schaute Jordan stattdessen an. „Wie sieht es aus? Muss die Hand amputiert werden oder reicht es, die Handschelle zu lösen?“

Kichernd mischte sich ihr Kollege Sam wieder ein, der durch das gesamte Schlafzimmer grölte: „Und dann auch noch die rechte Hand, Ryan? Oho ... anscheinend läuft es bei dir mit den Ladys nicht mehr. Sollte dann auch noch die rechte Hand amputiert werden ...“

Wieder erfolgten Kicherlaute mehrerer Männer hinter Jordan, die so gar nicht zu einem Trupp knallharter Feuerwehrmänner passen wollten.

Sie verdrehte die Augen, als sie daran dachte, dass ihre Mom erst gestern Abend besorgt angerufen hatte, weil sie befürchtete, dass ihre Tochter in einem derart männlichen Arbeitsumfeld verrohren könnte. Wenn sie wüsste, dass Jordan an ihrem ersten Tag eine Tabelle mit den jeweiligen Nahrungsmittelallergien ihrer Mitstreiter erhalten hatte, sich nun das Gekicher der erwachsenen Männer anhören musste und zudem erfahren hatte, wie pingelig die Feuerwehrmänner waren, was die Sauberkeit der Mannschaftsduschen betraf, wäre sie vermutlich selig gewesen.