Prima ist der Klimawandel, auch für den Gemüsehandel - Fritz Eckenga - E-Book

Prima ist der Klimawandel, auch für den Gemüsehandel E-Book

Fritz Eckenga

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9,99 €

Beschreibung

Wenn die Zukunft in finsterer Ungewissheit liegt, lohnt der erhellende Blick in den Nahbereich der Gegenwart. Die Hirnschmelze schreitet voran, der Alkoholspiegel steigt unaufhörlich, und aus dem Sprachschlot heraus wird emittiert, was die Restgrütze hergibt. Da tut Dichtung Not! Ein weiteres Mal hat Fritz Eckenga für den lesenden Teil der Menschheit ein reichhaltiges Protokoll seiner Beobachtungen und Sofortmaßnahmen ausgearbeitet und präsentiert neben seiner gewohnt stabilen Dichtung nun erstmals auch extrem belastbares Bildmaterial.

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Seitenzahl: 43

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Fritz Eckenga

Prima ist der Klimawandelauch für den Gemüsehandel

Gedichte

Verlag Antje Kunstmann

Vorwort der Hersteller

Lieber Leser,

hierher, bitte!

Gut – jetzt noch ein Stück zur Mitte.

Nicht so weit! Stopp! Nicht so viel!

So ist’s recht – und nun Profil.

Gute Güte, welch ein Zinken!

Hände runter! Nein, nicht winken!!!

Wozu bist Du bitte hier?!

Konzentrier Dich aufs Papier!

Augen jetzt nach unten richten

und den Stoß Gedichte sichten.

Haben wir für Dich gereimt,

korrigiert, sortiert, geleimt.

Unsre Arbeit ist getan.

Wir sind fertig, Du bist dran.

Also Leser, lies, mach hin!

Autor und Verlegerin

Klima-Dichtung

Geschichte, Vermächtnis und Auftrag

An Herrn Goethes Dichterhofe

herrschte Klimagipfelruh.

Keine Ökokata-Strophe

von Geheimrat von und zu.

Auch vom Konkurrenten Schiller

niemand was zum Thema las.

Nix da über Klimakiller,

null in Sachen Treibhausgas.

Geistesgrößen schnitten Riesen-

schinken sich aus Dichterhirnen.

Alles über Wald und Wiesen,

nichts zu Energiesparbirnen.

Weltenschmerz und Herzbeklemmung,

Bienenflug und Wolkenziehn.

Alles drin. Doch Wärmedämmung?

Nicht. (Auch nicht bei Hölderlin.)

Weder Eichendorff noch Heine

schrieben dazu was aufs Blatt.

Keine Zeile, nicht mal eine,

findet zu dem Thema statt.

Konnten die auch nichts von wissen,

liegt ja logisch auf der Hand,

Gletscherschmelze, Erderwärmung

waren damals unbekannt.

Zogen erst viel später gründlich

in das Weltbewusstsein ein.

Schlugen weder schrift- noch mündlich

nieder sich in Reimerein.

Appelliern wir an die Jungen:

Eure Werke wolln wir sehn!

Nichts ist euch bis jetzt gelungen!

Nichts in puncto Thermopen-

Doppelglas und Biomasse,

Brennwertkessel, Energie-

Effizienz und Schadstoffklasse.

Ach, was hätte ein Genie

wie, um nur mal eins zu nennen,

Fritz Eckenga draus gemacht …

na, den wernse doch wohl kennen!

Gebense mal Ob und Acht!

In gehobnen Lyrikkreisen

galt Eckenga als gesetzt,

war bekannt als heißes Eisen.

Dann hat er sich schwer verletzt.

Eckenga wurde März Null Sieben –

mit Verdacht auf Dichtungsriss –

amtsärztlich kaputtgeschrieben.

Dann verlor er wohl den Biss.

Überliefert bleibt sein Leiden

an der großen Katastrophe,

durch des Spätwerks erste beiden

Zeilen seiner Anfangsstrophe:

Prima ist der Klimawandel –

auch für den Gemüsehandel…

Kulturlandschaften

An der Story mit dem Besen

ist kein Wörtchen wahr gewesen.

»Walle Walle!« – nur Geschwalle!

Goethe hatte sie nicht alle …

 

 

Im Dienste der Schönheit

Zwei am Rande, ruhig schlafend:

Alter, matter Maschendraht

teilt sich seinen Feierabend

mit dem guten Freund Plakat.

Seit Epochen stehn die beiden

wie vom Zufall hingestellt,

so genügsam, so bescheiden,

hier am Ende aller Welt.

Niemand, der den Dienst je dankte,

dem die zwei sich opfern still,

niemand, der ihn je verlangte,

keiner, der verstehen will,

dass der Sinn so mancher Landschaft

einfach nur das Dasein ist,

man die Schönheit einer Botschaft

nicht nach Sinn und Zweck bemisst.

 

Hoffnung, weiter links

Aller Spargel abgestochen

von Saisonarbeiters Hand,

Legionäre längst, vor Wochen,

transferiert ins Heimatland.

Alle Landschaft ausgeblutet,

menschenleere Wüstenei,

nur noch Asphalt, Teer, geflutet,

nur noch Nichts, das sagt: Vorbei.

Einzig Du, Du gelber Schimmer,

der Du durch das Dunkel drings,

tröstest uns: Es lohnt sich immer!

Geht nur weiter, weiter links!

Glaube! Hoffnung! Ja, wir gehen!

Weil Du es so treu gelobst!

Wo wir weiter links dann sehen:

Doch, da gibt’s noch etwas Obst.

 

 

Dem zwölften Teigling

Importierte Weißmehlsklaven,

früh verschleppt aus Billigland,

aufgebacken in Maschinen,

rasch belegt von Leichtlohnhand.

Zum Verzehr als Bahnhofsflittchen,

wo’s nach alten Fritten stinkt,

mit Salat und Remoulade

für den Quicki aufgeschminkt.

Elf entkamen dieser Hölle,

elf befreiten sich vom Joch,

brachen aus dem Teiglingsgulag

aus durch dieses kleine Loch.

Doch der Zwölfte ließ sein Leben,

er, der diesen Plan erdacht,

hielt zum Schutze der Kumpane

bis zum Letzten für sie Wacht.

Zog der Häscher Wut und Bisse,

wie man’s kennt, durch Mut auf sich.

Auch sein letzter Satz war klassisch:

»Lasst mich hier, ich schaff es nich …«

 

Echte Helden sterben einsam.

Echte Helden gehn allein

in die Bücher der Geschichte

und ins Weltgedächtnis ein.

Ihm ist also diese Ode!

Ihm ist dieses Großgedicht!

Ihn soll es auf ewig ehren!

Und die andern nämlich nicht.

 

Blindverkostung

Lindenblüte. Quitte. Honig.

Minerale. Terroir.

Süße Note. Fast melonig.

Zitrusfrucht. Erstaunlich klar.

Dunkle Beeren. Schokolade.

Steinobst. Nuss. Petroleum.

Intensiv. Verhalten. Fade.

Welch ein Sammelsurium.

Leichte Säure. Aprikose.

Röstaromen. Curry. Zimt.

Minze. Bratwurst. Unterhose.

Gibt’s ja gar nicht! Doch! Bestimmt!

Bohnerwachs. Lakritz. Banane.

Fichtennadel. Gras. Muskat.

Fuselstoffe. Marzipane.

Adilette. Mobilat.

Tee in Thermos. Nasse Asche.

Schwarzer Krauser Nummer eins.

Nylonsocke. Plastiktasche.

Antitranspirant von Heinz.

Holz. Linole. Null Tannine.

Augen auf! Jawohl! Applaus!

Herren-Umkleide-Kabine.

Nase voll und nix wie raus.

 

Wøhnst du nøch?

Lass die schlechte TAJT verrinnen.

Lass uns gute DINGE tun.

Lass das alte AGGER ruhn.

Lass uns nochmal neu beginnen.

Lass BJÖRKEN und SKÄMT zerschlagen.

Das Zerschlagene war Zorn.

Das, was werden wird, wird vorn.

Lass uns eine Zukunft wagen.

Lass den Schwedenschrott in Schonen.

Lass den Elch vorübergehn.

LASSE LEKSVIK, STENSKÄR stehn.

Lass uns leben und nicht wohnen.

 

Die kurze Rückkehr des Pythagoras nach Samos

Lang war des Gelehrten Reise,

früh verließ er Haus und Hof.

Fern von Samos wurd er weise,

blieb er, wusst er, blieb er doof.

Inzucht unter den Versippten,

Inselkoller, Syphilis,

auf nach Thalis, dann Ägypten,

Memphis und Diospolis.

Zahlenmystik und Planeten,

Seelenlehre, Harmonie,