Private Altersvorsorge - Christian Eigner - E-Book

Private Altersvorsorge E-Book

Christian Eigner

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Beschreibung

Ob mit Riester, Fonds-Sparplänen oder einer Immobilie: Machen Sie den Check und erfahren Sie, welche Form der privaten Altersvorsorge am besten zu Ihnen und Ihrer Lebenssituation passt. Jährlich testen die Finanztest-Experten mehr als 10.000 Produkte rund um das Thema Altersvorsorge. Der Ratgeber gibt die besten Tipps, mit denen Sie dem Zinstief trotzen und später mehr aus Ihrem Geld machen können. Ermitteln Sie Ihren individuellen Vorsorgebedarf und entwickeln Ihren persönlichen Finanz-Fahrplan. Unterschiedliche Beispielfälle veranschaulichen, wie Sie je nach Lebenslage Ihre Private Altersvorsorge konkret in die Praxis umsetzen.

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Seitenzahl: 267

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Christian Eigner

Private Altersvorsorge

Inhaltsverzeichnis

6 Was wollen Sie wissen?

13 Schritt für Schritt zur besten Vorsorge

15 Schritt 1: Rentenlücke ermitteln

20 Schritt 2: Zusatzvorsorge checken

23 Schritt 3: Finanziellen Spielraum ausloten

27 Schritt 4: Geeignete Anlageform finden

31 Schritt 5: Top-Anbieter auswählen

33 Vorsorgen mit Vater Staat

34 Riester-Rente: Sichere Rendite durch staatliche Förderung

42 Riester-Rentenversiche­rungen

44 Riester-Fondspolicen

47 Riester-Banksparpläne

49 Riester-Fondssparpläne

52 Eigenheimrente („Wohn-Riester“)

58 Die besten Riester-Ange­bote

62 Betriebliche Altersversorgung: Über den Job zur Zusatzrente

66 Fünf Formen der Betriebsrente

72 Sicherheiten und Risiken der betrieblichen Versorgung

76 Zusatzversorgung im öffentlichen Dienst

78 Rürup-Rente: Steuerbonus für Selbstständige

84 Vermögenswirksame Leistungen (VL)

91 Privat vorsorgen

93 Auf sichere Zinsen setzen

104 Börseninvestments – Chancen nutzen mit Fonds

114 Die besten Fonds finden und günstig kaufen

116 Versicherungen – magere Renditen, wenig Flexibilität

123 Immobilien – mit „Betongold“ der Inflation trotzen

133 Frühzeitig die Rentenphase planen

134 Rechtzeitig an den Ausstieg denken

140 Steuern und Sozialabgaben einkalkulieren

153 Vorsorgeguthaben sinnvoll einsetzen

163 Von der Theorie in die Praxis

164 Beispiel 1: Junge Leute

168 Beispiel 2: Junge Familie

170 Beispiel 3: Künftige Immobilienkäufer

172 Beispiel 4: Beruflich Etablierte

174 Beispiel 5: Älteres Ehepaar

178 Beispiel 6: Paar während der Trennung

181 Beispiel 7: Erbin ohne Familie

183 Beispiel 8: Im Ruhestand ohne Geldsorgen

186 Hilfe

186 Fachbegriffe erklärt

189 Stichwortverzeichnis

192 Impressum

Was wollen Sie wissen?

Die Rente ist sicher – wird aber nicht reichen. Wer im Alter keine Geldsorgen haben will, muss zusätzlich sparen. In Zeiten historischer Tiefstände bei den Zinsen mangelt es so manchem an Überzeugung. Dass und wie Altersvorsorge dennoch funktionieren kann, zeigen Ihnen die folgenden Seiten im Überblick. Vertiefende Infos finden Sie an den angegebenen Stellen im Buch.

Warum wird die Rente immer weniger?

Zum einen,weil wir statistisch gesehen immer älter werden. Das ist eigentlich eine prima Sache – denn viele Senioren sind körperlich und geistig noch fit und können ihren Ruhestand genießen. Doch mit der Lebenserwartung steigt auch die Dauer des Rentenbezuges. Allein die Anhebung des Renten­eintrittsalters auf 67 Jahre kann diese Ent­wicklung nicht abfedern. Hinzu kommt: Durch die Geburtenflaute rücken immer weniger Beitragszahler nach. Sie sind es hauptsächlich, die die Renten der Alten finanzieren müssen. Um das System stabil zu halten und die Rentenbeiträge nicht explodieren zu lassen, kürzt die Politik die Leistungen. Lag das Renten­niveau 2010 noch bei 51,6 Prozent eines durchschnittlichen Jahreseinkommens, gehen Experten für 2030 nur noch von 43 Prozent aus. Was das bedeutet, lesen Sie ab Seite 15.

Wie kann ich wenigstens alles aus der gesetzlichen Rente herausholen?

Indem Sie dafür sorgen, dass sämtliche Versicherungszeiten auf Ihrem Rentenkonto vermerkt sind. Wie Sie das herausfinden, lesen Sie auf Seite 17. Ihre Beiträge aufstocken dürfen Pflichtversicherte leider nicht – auch wenn das derzeit attraktiv wäre. Wer jedoch vorzeitig mit Abschlag in Rente geht, kann durch zusätzliche Beiträge Einbußen ausgleichen. Zudem sollten Beamte und Selbstständige prüfen, ob sie sich nicht auf diesem Weg eine Rente sichern können. Derzeit ist das eine gute Alternative zum Abschluss eines Rürup-Vertrags oder einer privaten Rentenversicherung. Sich beraten lassen sollten Hausfrauen, die Erziehungszeiten auf dem Konto haben, aber keine fünf Jahre Mindestversicherungszeit erreichen. Sie können die fehlenden Jahre mit Beiträgen auffüllen und sich so ebenfalls eine Rente sichern. Mehr dazu lesen Sie ab Seite 136.

Warum soll ich bei den derzeitigen Minizinsen überhaupt sparen?

Die Zinsen für viele Sparanlagen gleichen derzeit nicht einmal die Inflation aus – unterm Strich steht ein Kaufkraftverlust. Doch mickrige Renditen sind kein Grund, gar nicht vorzusorgen. Zum einen winkt bei vielen Vorsorgeformen eine ansehnliche staatliche Förderung (mehr dazu ab Seite 33). Zum anderen hieße Nichtstun, den Faktor Zeit zu ignorieren. Doch der ist bei der Altersvorsorge absolut essenziell. Je länger die Spardauer, desto mehr können Sie selbst mit kleinen Raten erreichen. Unterschiede in der Verzinsung machen sich über eine Anlagedauer von 10 Jahren weniger bemerkbar als über 30 Jahre. Wer früh anfängt, muss zunächst nicht so sehr auf die Zinsen schielen. Auf längere Sicht stehen die Chancen auf höhere Erträge besser – dann kann das Ersparte durchstarten. Weitere Grundregeln für die private Vorsorge finden Sie ab Seite 13.

Lohnt sich eine Betriebsrente angesichts von Steuern und Abgaben?

Bei der staatlich geförderten Vorsorge empfiehlt es sich stets, Anspar- und Auszahlungsphase im Zusammenhang zu betrachten. Per Gehaltsumwandlung finanzierte Betriebsrenten sind bei der Einzahlung steuerfrei, zählen aber bei Auszahlung voll zum steuerpflichtigen Einkommen. Das lohnt sich in der Regel trotzdem, denn bei den meisten Menschen ist der persönliche Steuersatz im Alter deutlich niedriger als während des Berufslebens. Dagegen schlägt der Abzug der vollen Kranken- und Pflegekassenbeiträge – trotz Abgabenfreiheit in der Sparphase – mächtig ins Kontor. Für gesetzlich Krankenversicherte ist das Ganze daher unterm Strich wenig attraktiv – zumal sich Sparer an einen langfristigen, unflexiblen Vertrag binden. Dennoch können viele beim Angebot des Chefs zugreifen – unter welchen Umständen, lesen Sie ab Seite 62.

Bin ich als Selbstständiger auf die Rürup-Rente angewiesen?

Falls Sie nicht Mitglied der gesetz­lichen Rentenversicherung sind, aber dennoch eine staatlich geförderte Vorsorge wollen, bleibt Ihnen nur die Rürup-Rente. Doch auch sie eignet sich nicht für alle Selbstständigen und Freiberufler. Sie bietet zwar umfangreiche Steuervorteile in der Ansparphase – diese lassen sich aber nur bei entsprechendem Verdienst optimal ausnutzen. Gut fahren Sie mit Rürup, wenn Sie dauerhaft gut verdienen und folglich hohe Steuern zahlen. Sind Sie dagegen nicht sicher, ob Sie sich die Beiträge bis zum Laufzeitende leisten können, sollten Sie besser die Finger von der Rürup-Rente lassen. Ab Seite 78 lesen Sie, was Sie außerdem beachten sollten.

Ich bin kein Vorsorge-Zocker – was also soll ich an der Börse?

Altersvorsorge und Zockerei schließen einander aus. Doch Geld an der Börse zu investieren ist nicht automatisch unseriös und spekulativ. Mindestens zehn Jahre Anlagedauer und eine möglichst breite Streuung Ihres Geldes vorausgesetzt, können Sie – gerade in Zeiten niedriger Zinsen – sehr gute Renditen bei überschaubarem Risiko erzielen. Tendenziell sind Börseninvestments eher etwas für Jüngere. Doch auch ältere Menschen, die nicht ihr gesamtes Vermögen zum Lebensunterhalt brauchen, können mit einem Teil davon auf Rendite setzen. Die höchsten Gewinne versprechen derzeit Aktien. Wir empfehlen Ihnen jedoch keine Einzelaktien, sondern grundsätzlich Fondsanteile. Entweder mit eingebauter Kapitalgarantie, wie sie Riester-Fondssparpläne bieten, oder in Form unserer Pantoffel-Portfolios mit Zinsanlagen als Sicherheitsbaustein (siehe ab Seite 111).

Woran erkenne ich ein gutes Vorsorgeprodukt?

Das ist oft alles andere als einfach. Nicht nur, dass Sie sich für eine Anlageform entscheiden müssen. Innerhalb dieser Anlageformen ist bei Weitem nicht jedes Angebot empfehlenswert. Wenn möglich, sollten Sie vor Vertragsabschluss mehrere Angebote einholen und vergleichen – auf Basis der garantierten Auszahlung beziehungsweise Rente. Für die Höhe der Auszahlung spielt eine entscheidende Rolle, welche Kosten der Anbieter für sich selbst abzweigt. Während ein Banksparplan praktisch kostenlos zu haben ist (mehr zu Vor- und Nachteilen auf Seite 93), gönnen sich die meisten Anbieter privater Rentenversicherungen üppige Abschluss- und Verwaltungsgebühren – die der Kunde oft nicht einmal nachvollziehen kann. In Finanztest finden Sie fortlaufend aktuelle Testergebnisse zu Vorsorgeprodukten. Zudem können Sie einzelne Tests online unter www.test.de gegen eine geringe Gebühr gezielt suchen und herunterladen.

Gibt der Staat auch etwas zu meinem Eigenheim dazu?

Die Möglichkeitensind vielfältig – je nachdem, in welcher Lebensphase Sie sind. Geht es Ihnen darum, möglichst viel Eigenkapital anzusparen, eignet sich ein Riester-Bausparvertrag (ab Seite   52). Falls Sie vom Betrieb vermögenswirksame Leistungen bekommen (ab Seite  84), können Sie innerhalb bestimmter Einkommensgrenzen die Wohnungsbauprämie bekommen. Kurz vor Baubeginn können Sie ein bestehendes Riester-Guthaben auflösen und zu Eigenkapital machen. Sind Sie gerade auf der Suche nach einem Hypothekendarlehen, ziehen Sie eines mit Riester-Förderung in Erwägung – oder schließen Sie einen Riester-Kombikredit ab (ab Seite 55). Sogar für ein fertiges Eigenheim lässt sich Wohn-Riester einsetzen – wenn Sie Ihre vier Wände altersgerecht umbauen wollen.

Was muss ich später bei der Auszahlung meiner Altersvorsorge beachten?

Grundsätzlich gilt: Auch Ruheständler sind Geldanleger. Mit Beginn der Auszahlungsphase enden zwar die jahrelangen Sparanstrengungen – doch jetzt müssen viele Sparer entscheiden, wie sie ihr(e) Guthaben nutzen wollen – und die entsprechenden Verträge mit Anbietern schließen. So haben viele Riester-Sparer die Wahl, bei ihrem Anbieter zu bleiben oder ihr Guthaben von einem anderen Anbieter verrenten zu lassen (ab Seite 154). Wer eine größere Summe erbt oder eine Lebensversicherung ausgezahlt bekommt, sollte überprüfen, ob er das Geld – statt es zu Hause zu bunkern – besser erneut anlegt und scheibchenweise aufbraucht. So können sich Anleger ein auf ihren Bedarf zugeschnittenes Zusatzeinkommen sichern, während das Guthaben weiter arbeitet.

Und wenn das Geld dann doch nicht reicht?

Wer erst mit Rentenbeginn aufwacht, kommt eventuell zu spät, um noch gegenzusteuern. Checken Sie deshalb spätestens ab Mitte 50 regelmäßig Ihre Ansprüche – inklusive gesetzlicher Rente. Überschlagen Sie, was an Steuern und Sozialabgaben abgeht und was Ihnen jeden Monat netto bleibt (Tipps dazu ab Seite 140). Reicht das, um Ihre Fixkosten zu decken, und was bleibt Ihnen darüber hinaus? Wer zusätzlich zur Rente auf Erspartes zugreifen müsste und auf ein langes Leben hoffen kann, sollte sich einen ausreichenden Teil seines Vermögens als zusätzliche lebenslange Rente auszahlen lassen. Ist dafür zu wenig Geld da, müssen Sie Ihre Sparanstrengungen sehr wahrscheinlich intensivieren. Um Ihnen eine praktische Vorstellung des im Buch Gesagten zu vermitteln, präsentieren wir Ihnen ab Seite 163 acht typische Beispielfälle – und ihren jeweils ganz individuellen Weg zu einem möglichst sorgenfreien Ruhestand.

Schritt für Schritt zur besten Vorsorge

Die Rente wird nicht reichen. Je jünger Sie heute sind, desto größer die Lücke im Alter. Ob Sie bereits vorsorgen oder erst einsteigen wollen – was Sie brauchen, ist ein Plan.

Löst das Thema Altersvorsorge bei Ihnen positive Gefühle aus? Wohl eher das Gegenteil: Der Gedanke an die Finanzierung des eigenen Ruhestands ist den meisten Menschen unangenehm. Zwar ist ihnen klar, dass die Rente allein nicht reichen wird. Doch deshalb heute schon zusätzlich sparen? Da winken vor allem Jüngere ab. Jetzt wird gelebt, und da bleibt meist kaum Geld übrig. Außerdem sind Riester-Rente & Co. kompliziert und intransparent – und die Sparzinsen, salopp formuliert, ein Witz.

Folge: Rund ein Drittel aller Beschäftigten zwischen 30 und 59 Jahren sorgt nicht fürs Alter vor. Das fand das Allensbach-Institut im August 2017 im Auftrag der Versicherungswirtschaft heraus. Gleichzeitig hat jedoch jeder Zweite Angst davor, dass seine Rente später nicht reichen wird, um die gewohnte Lebensqualität zu sichern.

Nichtstun kostet wertvolle Zeit

Wer zu diesem Buch greift, will nicht auf höhere Zinsen oder bessere Produkte warten, sondern seine Altersvorsorge selbst in die Hand nehmen. Das ist in jedem Fall die bessere Variante: Die Zeit einfach ungenutzt verstreichen zu lassen läuft dagegen unweigerlich auf einen finanziellen Kraftakt hinaus: Je später Sie in die Vorsorge einsteigen, desto höher die Beiträge, die Sie dann sparen müssen.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Wer mindestens fünf Jahre rentenversichert war und Geld eingezahlt hat, der bekommt später auch eine Rente. Garantiert ist jedoch lediglich der Anspruch auf einen bestimmten Teil vom großen Rententopf. Und der wird für künftige Rentnergenerationen – gemessen an der Entwicklung der Löhne und Gehälter – deutlich schrumpfen.

Selbst wer heute gut verdient, wird mit seiner Rente nur noch einen Teil seiner Ausgaben bestreiten können. Im besten Fall lässt sich das Loch in der Haushaltskasse durch Verzicht – etwa auf Reisen, Hobbys oder Kultur – stopfen. Im schlechtesten Fall drohen Altersarmut und Grundsicherung.

Durchblick dank Vorsorge-Check

Doch welche Anlageform ist die beste? Sollen Sparer ihr Geld langfristig anlegen oder flexibel bleiben? Auf Chancen setzen oder auf Nummer sicher gehen? Und wo gibt es kompetente und unabhängige Beratung?

Wer sich für Altersvorsorge entscheidet, hat viele Fragen – in diesem Buch finden Sie die Antworten. Zunächst geben wir Ihnen einen Vorsorge-Check an die Hand, mit dessen Hilfe Sie Schritt für Schritt vorgehen können – von der Bestandsaufnahme bis zur Auswahl der richtigen Geldanlage.

Zuerst verschaffen Sie sich einen Überblick darüber, wie hoch Ihre Rente sein wird, wie viel Geld Sie im Alter brauchen werden und welche Zusatzvorsorge Sie schon haben. Daraus ergibt sich Ihre „Rentenlücke“. Anschließend finden Sie heraus, wie viel Sie sparen können und welche Vorsorgeformen sich für Sie eignen – bevor Sie im letzten Schritt erfahren, wie Sie den besten Anbieter finden. Kleiner Spoiler: Die eigene Hausbank ist es in der Regel nicht.

Ausgehend von diesen Informationen können Sie gezielt gegensteuern – mit einer Anlageform, die zu Ihrer Lebenssituation passt, Beiträgen, die Sie finanziell nicht überfordern, und Kosten, die nicht stärker als nötig an Ihrem Guthaben knabbern.

Wer unter 40 ist, kann die ersten beiden Schritte überspringen. Zu wenig verlässlich wären Prognosen im Hinblick auf Rentenhöhe und Finanzbedarf im Alter. Stattdessen sollten jüngere Menschen einfach lossparen. Wer so früh wie möglich beginnt und konsequent die staatliche Förderung mitnimmt, sammelt im Lauf der Zeit schon mit kleinen Beiträgen ein stattliches Guthaben an. Das gilt auch für jene, die als Altersvorsorge auf ein Eigenheim setzen wollen. Auch ihnen greift Vater Staat schon in der Sparphase großzügig unter die Arme.

Schritt 1: Rentenlücke ermitteln

Mit steigendem Alter beginnt sich abzuzeichnen, wie weit Ihre Rente im Ruhestand reichen wird. Sorgen Sie deshalb recht­zeitig dafür, dass auf Ihrem Rentenkonto keine Lücken klaffen.

Die gute Nachricht: Auch künftige Rentnerjahrgänge werden nach jetzigem Stand mehr aus der Rentenkasse herausbekommen, als sie während ihres Berufslebens einzahlen. Laut Deutscher Rentenversicherung können sich sowohl Menschen, die bereits kurz vor der Rente stehen, als auch jüngere Leute statistisch auf eine Rendite von 2 bis 3 Prozent freuen.

Das ist deutlich mehr, als viele sichere Geldanlagen bei Banken und Versicherungen derzeit abwerfen – doch kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen: Ein Versicherter mit 45 Beitragsjahren, der stets exakt so viel verdient hat wie der Durchschnitt aller Beitragszahler, erhält seit 1. Juli 2017 eine monatliche Brottorente von 1 396,35 Euro (West) beziehungsweise 1 336,05 Euro (Ost).

Im Verhältnis zum Durchschnittsverdienst eines Arbeitnehmers lag diese „Standardrente“ 2010 noch bei 51,6 Prozent, 2015 nur noch bei 47,7 Prozent. Laut Koalitionsvertrag der Bundesregierung soll das Rentenniveau bis 2025 nicht unter 48 Prozent sinken – wohlgemerkt bei 45 Beitragsjahren und ununterbrochenem Durchschnittsverdienst. Wer weniger verdient und folglich weniger Geld eingezahlt hat, muss mit deutlich weniger Rente klarkommen. Immerhin soll es für Menschen mit mindestens 35 Beitragsjahren eine Grundrente geben, die 10 Prozent über der Grundsicherung liegt.

Höhere Beiträge – mehr Rente

Kein Wunder, dass viele Menschen zusätzlich Geld in die Rentenkasse einzahlen wollen. Möglich ist das: Auf diese Weise können etwa nicht pflichtversicherte Freiberufler und Beamte Ansprüche erwerben. Auch Arbeitnehmer, die vorzeitig in Rente gehen wollen oder bereits gegangen sind, können bis zum Erreichen des offiziellen Rentenalters freiwillig einzahlen, um den mit der Frührente verbundenen Abschlag auszugleichen (siehe S. 134). Dieser beträgt 0,3 Prozent pro Monat vorzeitigen Rentenbeginns.

Ab einem Alter von 50 Jahren kann jeder Versicherte bei der Rentenversicherung eine Auskunft über die Höhe des Ausgleichsbetrages beantragen („besondere Rentenauskunft“). Diesen Betrag zahlt man dann auf einen Schlag oder in halbjährlichen Raten.

Der Clou: Verschiebt man seinen Rentenbeginn später doch bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze, gehen die zusätzlich erworbenen Ansprüche nicht etwa verloren, sondern erhöhen die Rente!

So errechnet sich die Rente

Die Rentenhöhe ergibt sich aus vier Faktoren, die miteinander multipliziert werden. Wichtig ist vor allem die Zahl der während des Arbeitslebens erworbenen Rentenpunkte, im Fachjargon „Entgeltpunkte“ genannt.

Entgeltpunkte.

Wer in einem Kalenderjahr exakt so viel verdient wie der Durchschnitt aller Arbeitnehmer, bekommt genau einen Entgeltpunkt. Dieses Durchschnittsentgelt lag 2017 in den alten Bundesländern bei 37 103 Euro, in den neuen Bundesländern bei 33 148 Euro brutto (Stand: Dezember 2017, vorläufige Werte). Wer mehr verdient hat, bekommt mehr als einen Punkt. Lag der Verdienst niedriger, gibt es weniger.

Rentenwert.

Der Wert eines Entgeltpunktes wird als Rentenwert bezeichnet und ändert sich jährlich. Aktuell beträgt er 31,03 Euro (West) beziehungsweise 29,69 Euro (Ost).

Zugangsfaktor.

Eventuelle Zu- und Abschläge werden in einem Zugangsfaktor erfasst. Geht jemand vorzeitig in Rente, bekommt er einen Abschlag, geht er später in Rente, winkt ein Zuschlag. Wer mit Erreichen der Regelaltersgrenze in Rente geht, hat den Zugangsfaktor 1,0.

Rentenartfaktor.

Schließlich fließt auch die Art der Rente in die Rechnung ein (zum Beispiel Alters-, Hinterbliebenen-, Erwerbsminderungsrente). Handelt es sich um eine Altersrente, beträgt der Rentenartfaktor grundsätzlich 1,0.

Renteninformation richtig lesen

Erwerbstätige zwischen 27 und 54 Jahren, die mindestens fünf Jahre lang Beiträge gezahlt haben, erhalten einmal im Jahr einen Brief von der Rentenversicherung – die Renteninformation. Der erste dieser Briefe enthält einen Überblick über den bisherigen Versicherungsverlauf und die Aufforderung, anhand dieses „Kontoauszuges“ zu prüfen, ob sämtliche Ver­sicherungszeiten berücksichtigt wurden. Falls es Lücken gibt, sollten Versicherte sich mit der Rentenversicherung in Verbindung setzen und eventuell einen Antrag auf Kontenklärung stellen.

Kontenklärung

Überprüfen Sie Ihre Renteninformation auf Lücken bei den Versicherungszeiten. Fehlen auf dem Rentenkonto beispielsweise Zeiten der Kinder­erziehung oder der Arbeitslosigkeit, be­antragen Sie bei Ihrem Rentenversicherungsträger eine Kontenklärung. Fragen Sie die Berater telefonisch (0 800/10 00 480 70, kostenlos), welche Nachweise dafür erforderlich sind, und reichen Sie sie zügig ein. Wichtig: Auf den Kopien der Nachweise muss deren Übereinstimmung mit dem Original bestätigt sein.

Die im Anschluss an die erste Sendung jährlich verschickte Renten­infor­mation umfasst jeweils zwei Seiten. Sie enthält unter anderem folgende Angaben:

Versicherungszeiten.

Darunter versteht man Zeiträume, in denen Ver­sicherte Entgeltpunkte gesammelt haben.

Entgeltpunkte.

Die Renteninforma­tion weist auch die Zahl der Entgeltpunkte auf dem Rentenkonto aus.

Rentenbeginn.

Außerdem erfährt der Versicherte, wann er erstmals eine „Regelaltersrente“ beziehen kann, also das Renten­alter erreicht.

Ansprüche bei Erwerbsminderung.

Wie hoch würde die Rente ausfallen, wenn der Versicherte voll erwerbsgemindert wäre – also für nicht einmal drei Stunden am Tag irgendeine Arbeit verrichten könnte?

Rentenanwartschaft.

Diese Rente hätte der Versicherte zum gegenwärtigen Zeitpunkt bereits sicher – auch wenn er künftig keinen Euro mehr in die Rentenkasse einzahlen würde.

Rentenhochrechnungen.

Die Rentenversicherung informiert auch, wie hoch die Rente ausfiele, würde der Versicherte weiter Beiträge wie im Durchschnitt der letzten fünf Jahre einzahlen.

Rentenhöhe mit Anpassung.

Außerdem liefert sie für diesen Fall Prognosen zur Rentenhöhe, falls die Rente bis zum Renteneintritt pro Jahr um 1 Prozent beziehungsweise 2 Prozent steigt.

Beiträge.

Zudem sehen Versicherte, welche Beiträge sie und ihr Arbeitgeber oder (bei längerer Krankheit oder Arbeitslosigkeit) öffentliche Kassen bislang eingezahlt haben.

Vorsicht vor übertriebenen Erwartungen: Die in der Renteninformation unterstellten Rentenerhöhungen sind sehr optimistisch und nur mit Vorsicht zu genießen. Auch die Inflation wird nicht exakt berücksichtigt. Das Schreiben liefert lediglich den allgemeinen Hinweis, dass „bei einer Inflationsrate von beispielsweise 1,5 Prozent zu Ihrem 65. Lebensjahr 100 Euro voraussichtlich nur noch eine Kaufkraft nach heutigen Werten von etwa 65 Euro besitzen“.

Rentenauskunft – jetzt handeln!

Statt der Renteninformation bekommen Versicherte ab 55 Jahren alle drei Jahre eine Rentenauskunft zugesandt. Diese gibt einen Überblick, mit welchen Einnahmen sie rechnen können. Im Einzelnen enthält die Rentenauskunft folgende Angaben:

eine Übersicht über die auf dem Ver­sichertenkonto gespeicherten rentenrechtlichen Zeiten,

eine Übersicht zu den bislang gesammelten Entgeltpunkten,

Auskunft über die Leistungen nach derzeitigem Stand, wenn keine weiteren Beiträge mehr fließen sollten,

die voraussichtliche Höhe der Altersrente bei Erreichen der Regelaltersgrenze sowie einer eventuellen Erwerbsminderungs- und Hinterbliebenenrente zum aktuellen Zeitpunkt.

Auf Antrag erfahren Versicherte ab 55 Jahren darüber hinaus, wie viel Geld sie zusätzlich aus eigener Tasche einzahlen müssten, um einen Rentenabschlag bei vorzeitigem Rentenbeginn auszugleichen (siehe „Rentenabschläge ausgleichen“, S. 136).

Enthält die Rentenauskunft nicht ausreichend berücksichtigte Versicherungszeiten, wird es höchste Zeit, ein Verfahren zur Kontenklärung zu beantragen.

Finanzbedarf im Alter abschätzen

Um Ihre Rentenlücke auszurechnen, benötigen Sie eine weitere wichtige Zahl: Ihren, zumindest ungefähren, Finanzbedarf im Ruhestand. Dazu müssen die meisten Menschen ein wenig in die Glaskugel blicken: Wie werden Sie im Alter leben?

Ihr bisheriges Leben und Ihre Vorstellungen vom Ruhestand lassen zumindest erste Schlüsse zu. Denken Sie an Ihre familiäre, berufliche und gesundheit­liche Lage, Ihre Wohnsituation, an Hobbys und Interessen.

Nehmen Sie wichtige Fragen frühzeitig in den Blick: Wann soll Ihr Ruhestand beginnen? Welche Fixkosten werden Sie haben – und welche zusätzlichen Geldquellen?

Niemand sollte im Alter Abstriche an seinen Grundbedürfnissen machen müssen. Neben Wohnen, Essen und Kleidung sollte auch Geld für Hobbys und Reisen da sein. Ebenso Rücklagen für wichtige Anschaffungen und unvorhersehbare Situationen. Das ist keinesfalls verzichtbarer Luxus. Was, wenn Sie oder Ihr Partner krank oder pflegebedürftig werden? Was, wenn Sie Ihr Haus alters- oder behindertengerecht umbauen wollen? Was, wenn Sie 100 Jahre alt werden?

Als Maßstab für Ihr Alterseinkommen das letzte Nettogehalt heranzuziehen ist etwas hochgegriffen. Die meisten Menschen brauchen im Ruhestand weniger Geld, weil etwa die Rate fürs Haus wegfällt oder sie in eine kleinere Wohnung umziehen. Auch die Kinder stehen dann meist auf eigenen Beinen – und eventuell hat man ja bereits eine größere Erbschaft gemacht.

Deshalb ist es sinnvoll, als Bezugsgröße 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens zu verwenden. Ihre Rentenlücke ist die Differenz zwischen diesen 80 Prozent und der zu erwartenden gesetzlichen Nettorente.

Rentenlücke berechnen

Unser kostenloser Rechner unter

www.test.de/rentenluecke

hilft jedem Versicherten dabei, seine Renten­lücke auszurechnen. Nicht vergessen: Für jüngere Menschen wird die Lücke aufgrund des sinkenden Rentenniveaus tendenziell größer. Wir gehen davon aus, dass die gesetzliche Rente bis 2030 durchschnittlich um nur 0,5 Prozent pro Jahr steigt und die Einkommen um 1,5 Prozent jährlich wachsen.

Teuerungsrate einkalkulieren

Im vergangenen Jahrzehnt verlor das Geld in Deutschland im Schnitt pro Jahr 1,4 Prozent an Kaufkraft. Auch wenn die Inflationsrate 2016 nur 0,5 Prozent betrug – mit den derzeitigen Zinsen für sichere Spareinlagen schaffen es Anleger gerade so, diesen Verlust auszugleichen. Oft nicht einmal das.

Um die Kaufkraft Ihres Vermögens zu steigern – also einen realen Gewinn zu verbuchen –, müsste die Rendite jedoch über der aktuellen Inflationsrate liegen. Das bedeutet auch: Wer sein Geld aus Angst vor Finanzkrisen unters Kopfkissen legt, fährt allein durch die Inflation Verluste ein.

Steigt ihr Verdienst stetig an, können Berufstätige der Inflation auf der Karriereleiter davonlaufen. Sie können ihre Einnahmen auch erhöhen, indem sie sich fortbilden, Zusatzaufgaben übernehmen oder den Arbeitgeber wechseln. Aus den Einkommenssteigerungen der vergangenen Jahre lassen sich gewisse Rückschlüsse auf die weitere Entwicklung ableiten. Wer in einem tarifgebundenen Großkonzern arbeitet, tut sich damit leichter als Beschäftigte kleiner und mittlerer Firmen.

Übrigens ist die Inflation auch im Rentenalter ein Thema: Ausbleibende Renten­erhöhungen und Minizinsen bei den Spareinlagen führen zu einem Kaufkraftverlust.

Mit und ohne Inflation

Mit dem Inflationsrechner unter

www.test.de/finanzbedarf

können Sie sich ausrechnen, was Ihre prognostizierte Rente bei Rentenbeginn noch wert ist. Geben Sie dazu einfach den Betrag aus der jährlichen Renteninformation sowie die von Ihnen erwartete Inflationsrate ein. Der Rechner lässt sich für private Renten ebenso nutzen. Da jedoch niemand sagen kann, wie hoch die Inflation künftig ausfallen wird, können Sie es sich auch einfacher machen: Lassen Sie Inflation und prognostizierte Rentensteigerungen außen vor und überlegen Sie sich, wie Sie heute mit einer Rente ohne die jährliche Rentenerhöhungen klarkommen würden.

Hätten Sie´s gewusst?

Von 100 Euro

... verwenden die Deutschen 35 fürs Wohnen, inklusive Energie- und Reparatur­kosten.

… wandern 23 in Gaststättenbesuche und Hotelaufenthalte, Innen­ausstattung, Bildung, Gesundheit sowie Post und Telekommunikation.

… investieren sie 14 in Ernährung und Tabakwaren.

… stecken sie 14 in den Bereich Verkehr.

… entfallen 10 auf Freizeit, Unterhaltung und Kultur.

... geben sie 4 für neue Bekleidung aus.

Quelle: Statistisches Bundesamt (Werte für 2016)

Schritt 2: Zusatzvorsorge checken

Viele fangen mit ihrer Altersvorsorge nicht bei null an, sondern haben bereits einen Vertrag abgeschlossen. In diesem Schritt checken Sie, wie weit Sie mit dieser Zusatzvorsorge kommen.

Anbieter von Geldanlagen informieren ihre Kunden regelmäßig darüber, was aus deren Einzahlungen geworden ist. Die Höhe des Guthabens ist bei manchen Produkten – etwa Banksparplänen – mit einem Onlinerechner ohne Weiteres nachvollziehbar. Dagegen sind Kapitallebens- und private Rentenversicherungen weitgehend bis völlig intransparent. Auf die Informationspolitik der Versicherer haben Kunden kaum Einfluss – ihnen bleibt meist nur, mit den vorliegenden Werten zu rechnen.

Wer bereits einen Vorsorgevertrag bei einer Versicherung abgeschlossen hat – ob gefördert oder nicht –, benötigt dazu die aktuelle Standmitteilung. Aus dieser geht die bislang erreichte garantierte Leistung hervor, vorausgesetzt, die Beiträge fließen wie vereinbart bis Vertragsende weiter. Mit diesem Wert lässt sich verlässlich kalkulieren. Da Überschüsse jedoch ungewiss sind, sollten Sie Prognosen zu deren Höhe nicht in Ihre Rechnung einbeziehen – oder wenigstens konservative Annahmen treffen.

Inhaber klassischer Riester- oder Rürup-Rentenversicherungen kalkulieren mit der im Vertrag garantierten Mindestrente. Dasselbe gilt für Anwartschaften aus der betrieblichen Altersversorgung. Bei Riester-Verträgen sind darüber hinaus die staatlichen Zulagen garantiert.

Das Geld staatlich geförderter Vorsorgemodelle fließt als lebenslange Rente – das ist besonders wichtig, wenn die gesetzliche Rente nicht ausreicht, um die Fixkosten zu decken. Verrenten lassen sich aber auch die Auszahlung aus einer Lebensversicherung, ein Guthaben, das in einem Fondssparplan angespart wurde, oder eine Erbschaft. Allerdings fehlt Ihnen dann eventuell die Kalkulationsbasis, weil etwa ein Fondssparplan – außer im Rahmen der Riester-Förderung – keine Garantiesumme vorsieht.

Hochrechnungen oft ungenau

Bei geförderten Fondspolicen sowie Fonds- und Banksparplänen steht die Rentenhöhe erst kurz vor der Auszahlung fest. Hier müssen Sie sich für Hochrechnungen mit der Summe der eingezahlten Beiträge behelfen.

Noch schwerer vorhersagen lassen sich die Erträge ungeförderter Zinsanlagen und Renditen von Börseninvestments: Hier sind Sie auf Hochrechnungen angewiesen, für die Sie Annahmen zur Entwicklung von Kapitalmarktzinsen und Börsenkursen treffen müssen. Helfen kann ein Blick zurück.

     Checkliste  

Vorsorge-Check

Listen erstellen. Gehen Sie bei jeder Zwischenbilanz Ihrer Altersvorsorge systematisch vor. Listen Sie zunächst alle Einnahmen auf, die Ihnen ab Rentenbeginn voraussichtlich zur Verfügung stehen, danach die zu erwartenden Ausgaben.Einnahmen sammeln. Versuchen Sie, die Höhe Ihrer Einkünfte im Alter aus den Angaben in Ihren Unterlagen zu Hause oder durch Nachfragen bei den zuständigen Stellen einzuschätzen. Denken Sie dabei an: gesetzliche Rente oder Beamtenversorgung, Riester-Rente, Betriebsrente, private Vorsorge, etwa­ige Einkünfte aus der Vermietung einer Immobilie, sonstige Einkünfte sowie mögliche Erbschaften.Ausgaben schätzen. Erstellen Sie eine möglichst vollständige Liste Ihrer zu erwartenden Ausgaben. Berücksichtigen Sie voraussichtliche Lebenshaltungskosten für Kleidung, Ernährung, Gesundheit und Gebrauchsgegenstände. Außerdem einzubeziehen sind: Miete samt Nebenkosten, Ausgaben für Auto und sonstige Verkehrsmittel, Kosten für Versicherungen und Kreditverpflichtungen, eventuelle Unterhaltszahlungen sowie Ausgaben für Urlaub, Hobbys und Freizeit.Werte vergleichen. Stellen Sie Einnahmen und Ausgaben gegenüber. Die Differenz gibt Ihnen eine gute Orientierung über Ihre voraussicht­liche finanzielle Situation im Alter.

So warfen Sparpläne mit globalen Aktienfonds in den letzten 30 Jahren 6,4 Prozent Rendite pro Jahr ab, Sparpläne mit Euro-Rentenfonds je nach Laufzeit der enthaltenen Anleihen zwischen 4,1 und 4,5 Prozent und Sparpläne mit Euro-Mischfonds 5,4 Prozent (Quelle: BVI). Da jedoch niemand vorhersehen kann, ob sich diese Entwicklungen fortsetzen, sind diese Werte lediglich als Anhaltspunkte brauchbar.

Abzüge nicht vergessen

Hinzu kommt: Sowohl von der gesetzlichen Rente als auch von geförderten und ungeförderten Geldanlagen gehen bei der Auszahlung in aller Regel Steuern und Sozialabgaben ab. Das mindert den Auszahlungsbetrag zum Teil erheblich.

So wächst mit jedem neuen Rentnerjahrgang die Zahl der Ruheständler, die ihre Rente versteuern müssen. Obendrein gehen bei gesetzlich Krankenversicherten von der Bruttorente Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung ab. Dieselben Regelungen gelten für die Basis-Rente („Rürup-Rente“).

Auch geförderte Riester- und Betriebsrenten sind voll steuerpflichtig – von Auszahlungen aus betrieblicher Altersversorgung gehen zudem happige Sozialabgaben von derzeit rund 18 Prozent ab!

Bei ungeförderten Versicherungsverträgen kommt es darauf an, ob das Guthaben als Einmalzahlung oder monatliche Rente fließt. Steuerfrei kommt nur davon, wer seine Kapitallebens- oder private Rentenversicherung vor 2005 abgeschlossen hat und weitere Voraussetzungen erfüllt.

Auf Gewinne, die Anleger mit Wertpapieren und Zinsanlagen erzielt haben, werden 25 Prozent Abgeltungsteuer fällig – plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Je nach Bundesland macht das zusammen bis zu 28 Prozent des jeweiligen Gewinns!(Ausführlich dazu siehe „Steuern und Sozialabgaben einkalkulieren“, S. 140.)

Ungefähr einmal im Jahr sollten Sie sich fragen, ob Ihre Zusatzvorsorge ausreicht, um die Lücke zwischen gesetzlicher Rente und Finanzbedarf im Ruhestand zu füllen, Mit zunehmendem Alter sollten Sie Ihr Vorsorgeguthaben gegen Verluste absichern, indem Sie es schrittweise von Aktien- in Zinsanlagen umschichten.

Schritt 3: Finanziellen Spielraum ausloten

Zusätzlich vorsorgen klingt gut – aber wovon? Nur kein Stress: Reserven schlummern in fast jedem Haushalt. Zuerst schützen Sie sich vor existenziellen Risiken und legen eine Notreserve an.

Wer einen sicheren Job, ein festes Einkommen und auf dem Giro- oder Tagesgeldkonto stets ein ordentliches Plus hat, kann ohne größere Probleme für den eigenen Ruhestand vorsorgen. Denkbar wäre dann sogar der Abschluss eines längerfristigen Vertrags – etwa einer privaten Ren­ten­ver­sicherung, wäre diese nicht so unflexibel, intransparent und teuer (siehe „Klassische Rentenversicherung“, S. 116).

So weit zur Beschreibung des idealen Vorsorgesparers. Die finanzielle Situation von jüngeren Menschen und Wenigverdienern sieht jedoch anders aus. Für sie sind Anlageformen besser, die es ermöglichen, die Beitragshöhe zu variieren, Einzahlungen auch mal auszusetzen und möglichst flexibel auf das Guthaben zugreifen zu können.

Auch für wohlhabendere Sparer gilt: Alles kann sich von heute auf morgen ändern. Stellen Sie sich vor, Sie verursachen einen schweren Unfall, werden plötzlich arbeitsunfähig oder sterben sogar. Im Extremfall droht Ihrer Familie dann der finanzielle Ruin – es sei denn, Sie haben rechtzeitig die richtigen Weichen gestellt.

Existenzbedrohende Risiken

Bevor Sie Ihr Budget für die Altersvorsorge checken, sollten Sie deshalb an das Hier und Jetzt denken und drei wichtige Versicherungen abschließen:

Private Haftpflichtversicherung.

Die Privathaftpflicht schützt Sie und Ihre Familie, falls Sie jemandem Schaden­ersatz zahlen müssen. Sie springt ein, wenn Sie dem Nachbarn aus Versehen mit Rotwein den Teppich ruinieren – aber auch, wenn Sie als Radfahrer einen Fußgänger anfahren und dieser invalide wird. Dann steigt der Schaden schnell in den sechsstelligen Bereich. Deshalb empfiehlt Finanztest eine Deckungssumme von mindestens zehn Millionen Euro. Wer schon eine Police hat, sollte prüfen, ob ihr Umfang noch dem aktuellen Bedarf entspricht. So fehlt in älteren Verträgen oft der Schutz bei Schäden an geliehenen Sachen. Hausbesitzer mit Ölheizung sollten nachschauen, ob die Versicherung zahlt, wenn Öl aus dem Tank ausläuft. Sehr gut bewertete Verträge gibt es ab 50 Euro pro Jahr bei der Schwarzwälder Versicherung (Tarif: Exclusiv Fair Play Direkt). Knapp 100 Euro kostet der mit am besten bewertete Schutz etwa bei Basler Versicherung (Ambiente Top) und VHV (Klassik-Garant mit Baustein Exklusiv).

Berufsunfähigkeitsversicherung (BU).

Jeder fünfte Angestellte und jeder vierte Arbeiter wird vor Erreichen des Rentenalters berufsunfähig. Hauptursachen sind psychische Krankheiten, Rückenleiden und andere Erkrankungen des Bewegungsapparats, Krebs sowie schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auf den Staat ist kein Verlass: Anspruch auf den früheren Berufsunfähigkeitsschutz haben nur Versicherte, die vor dem 2. Januar 1961 geboren wurden. Für alle anderen bleibt nur die gesetzliche Erwerbsminderungsrente. Eine volle Rente – aktuell im Schnitt 736 Euro im Monat – erhält nur, wer aus gesundheitlichen Gründen nicht einmal drei Stunden täglich irgendeiner Arbeit nachgehen kann. Wer noch zwischen drei und sechs Stunden täglich arbeiten kann, erhält eine halbe Rente, ist jedoch gezwungen, jeden Job anzunehmen. Jeder, der einen Vertrag bekommt, sollte eine BU-Versicherung in ausreichender Höhe abschließen. Das Qualitätsurteil „Sehr gut“ erhielten im aktuellen Test (Finanztest 7/2017) 31 von 74 Tarifen, unter anderem die Angebote von Europa, Hannoversche und Alte Leipziger.

Risikolebensversicherung.

Mit dieser Police sichern Sie Hinterbliebene ab, falls Sie selbst plötzlich versterben. Besonders unverheiratete Paare brauchen diesen Schutz – denn der hinterbliebene Partner hat keinen Anspruch auf eine gesetzliche Witwenrente. Entweder schließt nur der Hauptverdiener einen Vertrag ab oder beide Partner. Wichtig ist die Police auch für Paare und Alleinerziehende, die minderjährige Kinder zu versorgen haben. Kinderlose Singles brauchen sie dagegen nicht. Die Kosten sind erträglich: So gibt es einen Vertrag mit 30-jähriger Laufzeit und einer Versicherungssumme von 250 000 Euro für einen 25-jährigen Verwaltungsangestellten, der nicht raucht, bereits ab gut 200 Euro im Jahr. Die genaue Beitragshöhe hängt von Alter, Beruf und individuellem Risiko ab. Faustregel: Die Versicherungssumme sollte das Drei- bis Fünffache des Jahresbruttoeinkommens betragen. In den von Finanztest untersuchten Modellfällen tauchten diese günstigen Anbieter immer wieder auf: CosmosDirekt, Euro­pa, WGV, Credit Life und Hannoversche.

Die 3 besten

Tipps zur BU

1Früh einsteigen. Schließen Sie eine private Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) so früh wie möglich ab. Je niedriger das Einstiegsalter, desto eher bekommen Sie noch einen Vertrag ohne Ausschluss bestimmter Vorerkrankungen beziehungsweise ohne den damit verbundenen Risikozuschlag. Je älter Sie sind, desto teurer wird der Schutz wegen möglicher Vor­erkrankungen.

2Durchhalten. Versicherer machen es vor allem körperlich arbeitenden Menschen nicht einfach, bezahlbaren Schutz ab­zuschließen. Bleiben Sie trotzdem hartnäckig und geben Sie nicht auf: Fragen Sie parallel bei mehreren Gesellschaften nach, um ein geeignetes Angebot zu finden.

3Lücken vermeiden. Berufsunfähigkeitsversicherungen garantieren eine Rente manchmal nur bis zum 60. Lebensjahr. Drängen Sie darauf, dass der Vertrag bis zum Beginn Ihrer Altersrente läuft, damit keine Lücke entsteht.

Finanzpolster und Konsumsparen