Publikumsethik - Positionen einer Ethik der Rezipienten - Sigrid Goldbrunner - E-Book

Publikumsethik - Positionen einer Ethik der Rezipienten E-Book

Sigrid Goldbrunner

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Beschreibung

Studienarbeit aus dem Jahr 2001 im Fachbereich Medien / Kommunikation - Medienethik, Note: 1,0, Ludwig-Maximilians-Universität München (Institut für Kommunikationswissenschaft), Sprache: Deutsch, Abstract: Seit den 20iger Jahren betreiben Kommunikationswissenschaftler Medienwirkungsforschung. Als Hörfunk und Fernsehen noch in den Kinderschuhen steckten, stand der passive und manipulierbare Rezipient, der nach dem Stimulus-Response-Modell funktioniert, im Mittelpunkt der Forschung. Mittlerweile ist man sich jedoch einig, dass der Rezipient durchaus aktiv ist und schon durch das Überangebot, bei seiner Mediennutzung selektiv vorgehen muss. Medienrezeption ist persönlichkeits- und situationsabhängig. Allgemeine Aussagen über die Wirkung der Massenmedien können besonders in einer Gesellschaft der fortschreitenden Individualisierung nur sehr schwer getroffen werden. Der Rezipient entspricht nicht einem unmanipulierbaren und moralischen Idealbild, ihm wird aber mehr Aktivität und Individualität und damit Verantwortung für sein Verhalten zugetraut. Hinzu kommt, dass in den letzten Jahren das Thema Medienethik in der Kommunikationswissenschaft verstärkt aufgegriffen worden ist. Meist ist in diesem Zusammenhang die journalistische Ethik, also die Ethik der Kommunikatoren in der Massenkommunikation gemeint. Trotzdem stellt sich die Frage, welche ethische Verantwortung dem Publikum in den Massenmedien zukommen kann. Um diese Frage näher zu beleuchten, sollen im Folgenden die wichtigsten Positionen der Publikumsethik besprochen werden. Jedem dargestellten Beitrag wird eine kritische Betrachtung folgen. Zu Beginn erscheint es sinnvoll, eine kurze wissenschaftliche Einordnung der Publikumsethik und ein Kapitel über die Verantwortung im Rahmen der Publikumsethik voranzustellen. Am Ende soll ein Ausblick stehen, was die Publikumsethik praktisch und theoretisch leisten kann.

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Veröffentlichungsjahr: 2006

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WS2000/01

Ludwigs-Maximilians-Universität München

Institut für Kommunikationswissenschaften (ZW)

Hauptseminar: Medienethik – Journalismus zwischen Quote und Moral

Hausarbeit

T h e m a

Publikumsethik – Positionen einer

Ethik der Rezipienten

Verfasserin:

Sigrid Goldbrunner

I n h a l t s v e r z e i c h n i s

Publikumsethik- Positionen einer Ethik der Rezipienten

1 Einleitung

2 Publikumsethik

2.1 Einordnung

2.2 Der Begriff Publikumsethik

3 Verantwortung in der Publikumsethik

4 Beiträge zur / Positionen der Publikumsethik

4.1 Die kollektive Verantwortung von Clifford Christians

4.2 Ethos des Rezipienten von Wolfgang Wunden

4.3 Mediennutzungsethik von Hermann Lübbe

4.4 10 Gebote der Mediennutzung Cees J. Hamelink

4.5 Grundfragen der Publikumsethik von Rüdiger Funiok

4.5.1 Das Publikum aus der Perspektive der Mediennutzung

4.5.2 Rollenverantwortung bei der Medienrezeption

5 Fazit

6 Ausblick

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

 

Seit den 20iger Jahren betreiben Kommunikationswissenschaftler Medienwirkungsforschung. Als Hörfunk und Fernsehen noch in den Kinderschuhen steckten, stand der passive und manipulierbare Rezipient, der nach dem Stimulus-Response-Modell funktioniert, im Mittelpunkt der Forschung. Mittlerweile ist man sich  jedoch einig, dass der Rezipient durchaus aktiv ist und schon durch das Überangebot, bei seiner Mediennutzung selektiv vorgehen muss. Medienrezeption ist persönlichkeits- und situationsabhängig. Allgemeine Aussagen über die Wirkung der Massenmedien können besonders in einer Gesellschaft der fortschreitenden Individualisierung nur sehr schwer getroffen werden. Der Rezipient entspricht nicht einem unmanipulierbaren und moralischen Idealbild[1], ihm wird aber mehr Aktivität und Individualität[2] und damit Verantwortung für sein Verhalten zugetraut. Hinzu kommt, dass in den letzten Jahren das Thema Medienethik in der Kommunikationswissenschaft verstärkt aufgegriffen worden ist. Meist ist in diesem Zusammenhang die journalistische Ethik, also die Ethik der Kommunikatoren in der Massenkommunikation gemeint. Trotzdem stellt sich die Frage, welche ethische Verantwortung dem Publikum in den Massenmedien zukommen kann.

 

Um diese Frage näher zu beleuchten, sollen im Folgenden die wichtigsten Positionen der Publikumsethik besprochen werden. Jedem dargestellten Beitrag wird eine kritische Betrachtung folgen. Zu Beginn erscheint es sinnvoll, eine kurze wissenschaftliche Einordnung der Publikumsethik und ein Kapitel über die Verantwortung im Rahmen der Publikumsethik voranzustellen. Am Ende soll ein Ausblick stehen, was die Publikumsethik praktisch und theoretisch leisten kann

 

2 Publikumsethik

 

2. 1 Einordnung

 

Ethik als Teildisziplin der Philosophie, kann in eine deskriptive Ethik, welche die geltenden Normen untersucht und in eine normenbegründende Ethik unterteilt werden, die versucht richtige Handlungsnormen zu ermitteln, die auf erkennbare moralische Prinzipien zurückzuführen sind. Über die Jahrhunderte sind in der Frage der Ethik verschiedene Theorien entwickelt worden, wie menschliches Handeln zu beurteilen ist. Beispiele für solche Begründungsstrategien sind: Verantwortungsethik, Sozialethik, Individualethik, Systemethik, Gesinnungsethik. Der wohl bekanntest Entwurf ist der kategorische Imperativ von Immanuel Kant. Aus dieser allgemeine Ethik, die sich mit dem Handeln des Menschen im Gesamtem befasst, haben sich Bereichsethiken oder angewandte Ethiken entwickelt. Eine solche Bereichsethik ist die Medienethik. Die Theorien der allgemeinen Ethik werden dabei auf die Medien angewandt. Ein Beispiel dafür ist, eine journalistische Leistung gemäß der Gesinnungsethik, nach der Gesinnung des Journalisten und nicht beispielsweise wie es die Verantwortungsethik fordert nach den Folgen der Publizität zu bewerten.

 

Bereichsethiken entstehen, wenn es aufgrund des technischen oder wissenschaftlichen Fortschritts neue Handlungsmöglichkeiten gibt, von denen man zunächst nicht weiß, wie man richtig damit umgehen soll. Wenn es Bedarf an neuen gesetzlichen Regelungen gibt, kann eine solche Ethik als Rechtsgrundlage dienen.[3]

 

Publikumsethik ist wiederum ein Bereich der Medienethik, die sich mit der Ethik des

 

Publikums beschäftig. Publikumsethik fragt also wie sich das Publikum verhalten soll, nicht wie es sich verhalten muss. Dafür gibt es Gesetze wie die Jugendschutzbestimmungen.

 

Noch 1985 merkte Boventer an, dass sich die Kommunikationswissenschaft zuwenig mit der Ethik beschäftig und dafür der Empirie den Vorzug gibt.[4] Heute ist nicht zuletzt durch die Entwicklung des Internets, der Ethikbedarf wieder gestiegen.

 

2.2 Der Begriff Publikumsethik

 

Publikumsethik meint, wie oben bereits besprochen, die Beschäftigung mit der Ethik des Lesers, Hörers, Zuschauers und Surfers. Die Bezeichnung impliziert jedoch eine bestimmte Sichtweise des Rezipienten. „Ob der Rezipient als bloß passiver Konsument oder als aktiv handelndes Subjekt angesehen wird, ist unter ethischen Gesichtspunkten ein wesentlicher Unterschied.“[5] Davon hängt es ab, ob sich überhaupt eine Ethik des Publikums entwickeln kann, oder ob sich die Ethik der Massenkommunikation auf eine Produzentenethik beschränken muss. Die Begriffe, Rezipient, Publikum, Nutzer und Konsument haben jeweils andere Konnotationen. Der Begriff Rezipient hat den Vorteil, dass er für alle Medien anwendbar ist. Er lässt aber an ein passives Aufnehmen von Information und Unterhaltung denken. Mit dem Konsumenten assoziiert man einen verbrauchenden Umgang mit den Medien. Medienangebote werden auf den ökonomischen Aspekt reduziert. Damit ist jedoch öffentliche Aufgabe, die die Medien in einem demokratischem Staat leisten nicht berücksichtigt. Beim Stichwort Mediennutzer werden die Eigenschaften Aktivität und Selektion hervorgehoben. Dieses Verständnis drückt eine Wende in der Rezeptionsforschung aus. Der Rezipient wird nicht mehr als Objekt der Massenkommunikation, sondern als Subjekt begriffen.

 

Funiok plädiert für den Begriff Publikumsethik, da es die Aufgabe der Medien ist „alles politisch relevante zu publizieren, ihrem Publikum zugänglich zu machen.[6] Dieses Bedeutung ist für die Massenmedien unverzichtbar. Die Entwicklung einer Publikumsethik kann nur einen Sinn haben, wenn der Rezipient als aktiv und selektionsfähig anerkannt wird.[7] Im Nachfolgenden wird aus diesem Grund der Begriff Publikumsethik verwendet