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Marian wurde vor einigen Wochen vergewaltigt. Das für sie Schlimme: Es war Peter, ihr bester Freund. Sie hat zuerst nicht die Kraft, ihn anzuzeigen. Doch er soll mit der Tat nicht einfach so davon kommen.
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Seitenzahl: 28
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Geneviére Paris
Racheengel
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Prolog
1. Kapitel
2. Kapitel
3. Kapitel
4. Kapitel
Impressum neobooks
Schon als Kind schien er nicht zu dieser Welt zu gehören. In keine Gruppe passte er, war der ewige Außenseiter. Willkommenes Opfer für böse Streiche, für Knuffe, Schläge und andere Handgreiflichkeiten. Tag für Tag musste er dies alles ertragen. Wenn er im Unterricht die Antwort schuldig blieb, lachten alle über seine Dummheit. Doch wenn er wusste, was erfragt wurde, war er der Streber. Und das war längst nicht das Schlimmste. Die Schimpfnamen und auch das Lachen hätte er ertragen können, die Gewalttaten mit einem Lächeln abtun, doch womit er nicht umgehen konnte, war die Einsamkeit, der er ausgesetzt war. Es gab niemanden, der ihm beistand, keinem, dem er seinen Kummer anvertrauen konnte. Er wurde behandelt, wie ein Aussätziger. Entweder mochte man ihn nicht, oder die anderen hatten Angst, ebenfalls ausgegrenzt zu werden, sollte man sich mit ihm abgeben.
So verging seine gesamte Schulzeit. Die dort erzwungene Einsamkeit setzte sich nun freiwillig fort. Vertrauen wollte er keinem mehr. Menschen enttäuschten ihn nur, dessen war er sich vollkommen sicher. Zumal auch seine Eltern ihn in der Jugend geschlagen hatten, eingesperrt worden war er wieder und wieder. Früh zog er aus, hatte bislang nie erfahren, was Liebe sein konnte. Seine Wut auf die Gesellschaft wuchs und ganz besonders, auf einen Menschen. Er nahm sich vor, das Leben dieser Person vollkommen zu zerstören. Systematisch würde er das tun und nichts würde ihn davon abhalten können.
Sie starrte in den Spiegel. So verändert hatte sie sich selber noch nie gesehen. Sie war kaum wieder zu erkennen. Die langen Haare trug sie heute offen, einer wilden Löwenmähne gleich. Dazu kam Schminke, die sie sonst nie benutzte. Es hatte ewig gedauert, die langen Wimpern zu tuschen und Lidschatten aufzulegen. Doch am schlimmsten war der Umgang mit dem Kajalstift gewesen. Es war schwer gewesen, immer wieder hatten ihre Augen angefangen zu tränen und sie hatte aufhören müssen. Zum Glück hatte sie früh genug angefangen. Denn heute Abend musste alles perfekt sein. Seit Wochen schon hatte sie sich auf diesen Abend vorbereitet. Auch die Kleidung, die sie trug, war neu und so ganz anders, als ihr sonstiger Stil. Kurzer Lederrock, eine halbdurchsichtige Bluse und dazu kniehohe Stiefel, mit bleistiftdünnen Absätzen. Alleine zu lernen, darauf zu laufen, hatte einige Tage in Anspruch genommen. Und jetzt war sie endlich soweit, ihm endlich wieder in die Augen sehen zu können.
Marian fuhr sich noch einmal durch die Haare, bevor sie die Weinflasche entkorkte. Kerzen brannten auf dem gedeckten Tisch. Auch im Schlafzimmer hatte sie bereits alles vorbereitet. Der Stuhl aus ihrer Büroecke war in die Mitte des Raumes gerollt, damit sie nachher um ihn herumgehen konnte. In Gedanken hatte sie den heutigen Abend schon so oft durchgespielt. Seit Wochen konnte sie an nichts anderes mehr denken, als an das, was sie heute tun würde. Und in ihren Gedanken kam er nicht mehr aus ihrer Wohnung heraus. Jedenfalls nicht lebend. Unruhig lief sie in der Wohnung auf und ab. Noch ein Blick ins Schlafzimmer, doch auch da musste sie nichts mehr richten. Der Stuhl, Tücher als Fesseln und alles weitere, was sie brauchte war bereit. Auch die Kleidung, die sie an dem Abend getragen hatte lag bereit. Er sollte wissen, warum dies alles passierte.
