Ratten sind auch nur große Mäuse. Kleine Fellnasen mit großem Herz. - Ketschau A. - E-Book

Ratten sind auch nur große Mäuse. Kleine Fellnasen mit großem Herz. E-Book

Ketschau A.

0,0
3,49 €

Beschreibung

Ratten sind freche Kobolde, kleine, intelligente Heimtiere. Dieser kleine Ratgeber richtet sich an Ersthalter und interessierte Laien. Neben der Geschichte, Fütterung und Pflege enthält das Buch auch Hinweise zur Gesundheit, Beschäftigung und Genetik. Einige Zeichnungen runden das Buch ab.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 93

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0



INHALT

Die Ratte

Herkunft und Verbreitung

Anatomie, Wesen und Verhalten

Vielseitige Ratten – Verschiedene Typen und Farben

Ratten sollen es sein

Überlegungen vor dem Kauf von Ratten

Rattenkauf beim Züchter, Zoofachhandel oder Tierschutz?

Unterbringung und Zubehör

Eingewöhnung

Gesund – Ein Rattenleben lang

So hält man die „Riesenmäuschen“ gesund

Rattentypische Erkrankungen

Die Ratten werden alt

Naturheilkunde

Richtige Rattenernährung – Auch Ratten sind kleine Leckermäuler

Hausputz im Rattenheim

Ratten richtig beschäftigen

Ein wenig Genetik

Literatur

Die Ratte

Herkunft und Verbreitung

Unsere Farbratten stammen von der Wanderratte (Rattus norvegicus) ab. Wanderratten stammen ursprünglich aus Steppengebieten Asiens. Jahrhundertelang wurden Ratten als vermeintliche Überträger der Pest gnadenlos verfolgt und umgebracht – ausgerottet hat man die Ratten mit den Verfolgungen und Nachstellungen allerdings nicht, denn Ratten sind viel zu intelligent, um sich ausrotten zu lassen. Wie dem auch sei, nicht die Ratten selbst übertrugen die Pesterreger, sondern die Flöhe, die AUF den Ratten lebten. Sie benutzten die Ratten „nur“ als Wirtstier. Sobald die Ratten starben, suchten sich die Flöhe einen neuen Wirt. Nichtsdestotrotz wurden die Pestflöhe natürlich von den Ratten verbreitet. Im Übrigen handelte es sich bei den Ratten, auf denen die Pestflöhe lebten, um Schwarze Englische Hausratten. Unsere Farbratten dagegen stammen wie oben erwähnt von der Wanderratte ab. Farb- und Wanderratten haben also nichts mit den Pestepedemien zu tun. Wanderratten gelangten als Blinde Passagiere auf den Handelsschiffen von Asien nach Europa. 1553 stellte der Schweizer Naturforscher Konrad Gesner in seinem Tierbuch eine Ratte dar, vermutlich handelte es sich dabei um eine Wanderratte. Wir kennen geschichtliche Belege, die aus dem 18. Jahrhundert stammen und von Beobachtungen von Wanderratten handeln. 1735 wurden sie in Frankreich erwähnt, 1750 in Deutschland und um 1800 in Spanien. 1755 gelangten Wanderratten per Schiff nach Amerika – natürlich als „Blinde Passagiere“. Wanderratten sind anpassungsfähiger als Haus- oder Dachratten (Rattus rattus). Die Hausratten sind selten geworden, da die Wanderratten sie verdrängt haben. Da die Ratten sich häufig am Korn zu schaffen machten, dieses anfraßen oder verunreinigten und sie zudem an der Übertragung bzw Verbreitung von Krankheitserregern nicht ganz unschuldig waren, versuchte man sie auszurotten. Bevor Gift zum Einsatz kam, versuchte man es mit Katzen sowie verschiedenen Hunderassen wie Deutschen Spitzen, Pinschern, aber auch verschiedenen Jagdhunderassen wie z.B. Yorkshire Terriern, Russell Terriern oder anderen. Diese Hunde hielten Haus, Hof und Stall zwar mitunter ratten- und mäusefrei, aber ausrotten konnten sie die Ratten nicht. Die Hunde mussten schnell und wendig sein und die Ratten möglichst mit einem Biss töten. Nach einiger Zeit kamen die Eigentümer der Hunde auf die abartige Idee, die Hunde in Gruben gegen gefangene Ratten kämpfen zu lassen. Es wurden Wetten darauf abgeschlossen, welcher Hund in der kürzesten Zeit die meisten Ratten „erledigte“. Die Ratten wurden vorher eingefangen und in die „Pits“ gesteckt. Natürlich wurde bei diesen Wetten viel Geld auf den besten Hund gesetzt. Jimmy Shaw und Jack Black aus London waren zwei der bekanntesten Rattenfänger jener Zeit. Sie sollen Anfang/ Mitte des 19. Jahrhunderts schon Wanderratten mit abweichenden Farben gefangen haben. Weiße, Schecken und andere Farben wurden von den „Grauen“ getrennt und an Labors verkauft oder sie wurden in „Pits“ (Kampfringe) gesteckt. Manchmal kauften auch Liebhaber solche „andersartigen“ Ratten und gaben hohe Geldsummen für sie aus. Die Liebhaber züchteten auch solche Farbschläge gezielt. Auch Labors entdeckten die Ratten recht früh für sich. Es wird auch heute noch in der Krebsforschung mit Ratten experimentiert. Das ist der Grund, warum Ratten heute häufig an Tumoren erkranken und nicht selten daran auch sterben. Wahrscheinlich haben die Experimente mit der Zeit auch das Erbgut der Ratten verändert. Zahme Ratten sind also direkte Abkömmlinge der Wanderratte. Dennoch kann man beide nicht unbedingt in einen Topf werfen. Farbratten wurden über Jahrzehnte gezielt gezüchtet, sodass sich verschiedene äußerliche und Wesensmerkmale gefestigt haben. Farbratten sind normalerweise äußerst anhänglich und liebenswert, wenn man vernünftig mit ihnen umgeht. Sie sind friedlich und zahm, die Wanderratte dagegen ist eher scheu, wenn der Mensch nicht den Fehler macht, sie – wenn auch unabsichtlich – anzufüttern, beispielsweise durch die Entsorgung von Essensresten auf dem Komposthaufen. Neben der Krebsforschung wurden Ratten auch in der Verhaltensforschung eingesetzt. Die meisten Ratten werden aber heutzutage als Liebhabertiere gehalten (oder als Futtertiere gezüchtet…). Die Engländerin Mrs. Douglas widmete ihr Leben den Ratten. Sie kämpfte unermüdlich für ihre Wertschätzung. Mrs. Douglas starb 1921. Daraufhin gingen die Zahlen der zahmen Ratten in privaten Haushalten rapide zurück. Erst seit den 1970er Jahren wird die Ratte wieder als Haus- und Ausstellungstier geschätzt und erlebte seitdem einen wahren Boom. Auch wenn heute noch viele Menschen ihre Vorbehalte sogar zahmen Farbratten gegenüber haben, hat sich die Einstellung zur Ratte doch geändert. Sie hat Einzug gehalten in private Wohn- und Kinderzimmer, in Büchern und Filmen wird sie durchaus auch positiv – wenn auch nicht immer wirklich real – dargestellt. Denken wir nur an das liebenswerte Rattenböckchen „Remy“ aus dem Pixar-Film „Ratatouille“, das ein Restaurant vor dem Untergang bewahrt oder an Rattenböckchen „Walter“ aus der wunderschönen Geschichte „Ein Weihnachtsgeschenk für Walter“ von Barbara Wersba. Im Original heißt die Geschichte „Walter. The Story of a rat“. Letzteres beschreibt das recht einsame Leben der Buchautorin Amanda Pomeroy, in das sich die kleine Ratte Walter eingeschlichen hat. Walter kann lesen und schleppt immer wieder heimlich eines von Ms. Pomeroys Büchern in seinen Bau, um es dort zu lesen und anschließend wieder zurück zu bringen. Schließlich freunden sich Ms. Pomeroy und Walter an. Beide Geschichten – die von Walter und die von Remy – sind natürlich realitätsfern. Aber sie sind einfach liebenswert und verhelfen der Ratte zu einem besseren Image. Nicht weil sie so viel mit der Realität gemeinsam hätten, sondern weil die Ratte hier nicht als widerlich, ekelhaft und hinterhältig dargestellt wird, sondern als klug, possierlich, niedlich, hilfsbereit und liebenswert. Ebenfalls eine schöne Geschichte ist „Der Wind in den Weiden“ (The Wind in the Willows) von Kenneth Graham. Ein schön illustriertes Buch, das zu den weltweit am meisten verkauften zählt. In dieser Geschichte flieht ein Maulwurf vor dem Frühjahrsputz und trifft auf Ratte, Dachs und Kröte. Die Tiere tragen menschliche Züge, leben in Behausungen mit Möbeln, in Miniformat und an ihre natürlichen Lebensweisen angepasst. Obwohl die Tiere in der Geschichte den Menschen und ihren Verhaltensweisen ähnlich sind, entspricht ihr Leben dem in der Natur. Sie leben in der Freiheit, folgen dem Lauf des Jahres, dem Ruf der Heimat und möchten nichts davon missen: die Sicherheit ihres Baus und die Treue ihrer Gefährten. Sie fahren mit dem Auto, streichen ihre Wohnung, machen Hausputz, trinken Tee. Das Buch ist offensichtlich in unterschiedlichen Auflagen bzw in verschiedenen Verlagen erschienen, und auch mit unterschiedlicher Ausstattung. Die Illustrationen der einzelnen Ausgaben unterscheiden sich. Das Buch ist entzückend, für junge und alte Leser!

Anatomie, Wesen und Verhalten

Wie schon beschrieben, stammen unsere Farbratten von den Wanderratten (Rattus norvegicus) ab. Sie können gut klettern, hören und springen. Sie können ihren Körper durch jeden Spalt zwängen, sofern auch der Kopf hindurch passt. Dies können normalerweise nur Tiere ohne Schlüsselbein. Bei Ratten jedoch ist das Schlüsselbein normal ausgebildet. Ratten können gut sprinten, sind sehr gelenkig. Sie ähneln den anderen echten Mäusen sehr, sind aber kräftiger und größer. Ratten sind auch nur „große Mäuse“! Ratten sind eher mittelgroß, der Schwanz ist körperlang, spärlich behaart und mit vielen kleinen Schüppchen besetzt. Vorder- und Hinterläufe sind etwa gleich lang. Ratten haben wie alle Nagetiere weiches, wolliges Unterfell und härteres, etwas längeres Deck- oder Grannenhaar. Die Ohren sind nur leicht behaart, an den Pfötchen haben Ratten kein Fell. Ratten orientieren sich mit Tasthaaren (Vibrissen) an Schnauze und Augen auch im Dunkeln. Sie reagieren auch auf Berührungsreize durch die Leithaare an Beinchen und Flanken. Wilde Ratten sind überwiegend braun, grau oder schwarz gefärbt. Bei Farbratten aus Zuchten dagegen gibt es sehr viele Farben von Reinweiß, über Grau, Braun, Rot, Creme, Blau, Schwarz. Aber auch weißgescheckte Ratten oder solche mit anderen Farbschlägen, z.B. Siamabzeichen, kommen vor (siehe auch Genetikkapitel). Rättchen kommen taub und blind zur Welt, sie haben auch noch kein Fell. Um den 15. Tag herum öffnen sich die Augen der Rattenwelpen. Das Blickfeld umfasst 360 °C. Mögliche Fressfeinde wie Füchse, Katzen oder auch Greifvögel bleiben auf diese Weise selten unbemerkt. Ratten sehen im Dunkeln oder Halbdunkeln recht gut, das Farbensehen scheint nur sehr undeutlich ausgeprägt zu sein. Man sollte Ratten keinem grellen Sonnenlicht aussetzen, wenn sie nicht die Möglichkeit haben, sich in eine dunkle Ecke zurückzuziehen. Den Ratten schadet das grelle Licht. Besonders nicht und schlecht pigmentierten Rattenaugen (wie denen von Albinos) bekommt grelles Licht nicht gut. Ratten sind Makrosmaten, können also sehr gut riechen. Sie besitzen – ähnlich wie Hunde – eine flächenmäßig groß ausgebildete Riechschleimhaut. Düfte spielen z.B. bei der Erkennung von Feinden oder Rudelgenossen, aber auch bei der Ernährung, Fortpflanzung und Partnerwahl eine Rolle. Über den Geruchssinn „orten“ Ratten auch Nahrung. Das unter der Nasenhöhle sitzende Jacobson’sche Organ spielt bei der Geruchserkennung ebenfalls eine große Rolle. Rattenpfötchen sind unbehaart, die vorderen Pfötchen haben fünf, die hinteren vier Zehen mit Krallen. Die Daumen sind zurückgebildet. An ihnen findet man keine Krallen. Rattenschwänze haben eine „Sollbruchstelle“. Der Schwanz reißt ein oder ab, wenn man Ratten am Schwanz hochnimmt oder ein Beutegreifer sie dort packt. Eine Ratte darf nie, niemals (!) am Schwanz festgehalten oder gar hochgehoben werden! Das ist schlimmste Tierquälerei und der Schwanz kann – ich sage es hier noch einmal - ein- oder abreißen! Von Blindschleichen kennen wir etwas ähnliches: packt etwa ein Beutegreifer ihren Schwanz, kann die Blindschleiche einen Teil davon abstoßen. Hat sie Glück, ist der Beutegreifer erst einmal mit dem abgeworfenen Schwanzende beschäftigt, und die Blindschleiche kann fliehen. Der Schwanz der Blindschleiche