Raumschiff Promet - Die Abenteuer der Shalyn Shan 08: Das Auge des Ra - Andreas Zwengel - E-Book

Raumschiff Promet - Die Abenteuer der Shalyn Shan 08: Das Auge des Ra E-Book

Andreas Zwengel

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Beschreibung

Der Kampf um das World-Market-Imperium wird immer verbissener geführt. Michael Moses setzt einen Agenten auf ein Geheimprojekt seiner Tochter Zizzi an, dessen Spur in die Tiefe der Weltmeere führt. Shalyn Shan kehrt nach Terra zurück und möchte ein paar freie Tage mit ihrem Mann Jörn Callaghan genießen. Doch dann werden unversehens Terras Streitkräfte in Alarmbereitschaft versetzt. Fremde Raumschiffe nähern sich der Erde. Gleichzeitig kommt es zwischen Erde und Mond zu unerklärlichen Raumzeit-Verzerrungen. Die Printausgabe umfasst 166 Buchseiten.

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Andreas Zwengel & Olaf KemmlerDAS AUGE DES RA

In dieser Reihe bisher erschienen:

 

01 Tod eines Cyborgs von Achim Mehnert

02 Der ewige Feind von Achim Mehnert

03 Welt in Flammen von Achim Mehnert

04 Die letzte Fahrt der Hindenburg II von Andreas Zwengel

05 Unsterbliche Rache von Andreas Zwengel

06 Der Weg der Kriegerin von Andreas Zwengel07 Die Janus-Attentate von Andreas Zwengel

08 Das Auge des Ra von Andreas Zwengel & Olaf Kemmler

09 Die fremde Macht von Andreas Zwengel & Olaf Kemmler

10 Die Ruinen von Antaran von Andreas Zwengel & Olaf Kemmler

11 Ewige Verdammnis von Andreas Zwengel & Olaf Kemmler

12 Flucht aus Luna Asylum von Andreas Zwengel & Olaf Kemmler

13 Das kosmische Testament von Andreas Zwengel & Olaf Kemmler

14 Todeswellen von Andreas Zwengel

15 Neptuns Tochter von Andreas Zwengel

16 Der Rat der Acht von Andreas Zwengel

Andreas Zwengel & Olaf Kemmler

Das Auge des Ra

RAUMSCHIFF PROMETDie Abenteuer der Shalyn Shan

Band 8

Diese Reihe erscheint in der gedruckten Variante als limitierte und exklusive Sammler-Edition!Erhältlich nur beim BLITZ-Verlag in einer automatischen Belieferung ohne ­Versandkosten und einem Serien-Subskriptionsrabatt.Infos unter: www.BLITZ-Verlag.de© 2018 BLITZ-Verlag, Hurster Straße 2a, 51570 WindeckRedaktion: Jörg KaegelmannTitelbild: MtP Art, Mario HeyerLogogestaltung: Mark FreierSatz: Harald GehlenAlle Rechte vorbehaltenISBN 978-3-95719-468-8Dieser Roman ist als Taschenbuch in unserem Shop erhältlich!

Prolog

von H. W. Stein

Den Eintritt ins heimische Sonnensystem konnte ich hin und wieder an den merkwürdig abgehackten Lichtreflexen festmachen. Es blitzte immer an der gleichen Stelle in gewissen Abständen, und wenn ich mein Gesicht fest an eine der runden Außenscheiben presste, erkannte ich die irisierenden Farben, die auf diese Weise nur in bestimmten Bereichen des Alls entstanden. Zumindest meiner Erfahrung nach.

Eine halbe Stunde später befanden wir uns im Landeanflug zum CRC-Gelände. Jörn saß neben mir, ich hatte mich an seine Schulter gelehnt und genoss seine Nähe. Die Hoffnung, meinen Mann einmal wiederzusehen, hatte ich fast aufgegeben, doch nun waren wir wieder vereint. Ich schielte in seine Richtung, unsere Blicke trafen sich, offenbar hatte er mich die ganze Zeit beobachtet.

Er strich mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Woran denkst du, Shalyn?“

Für einen kurzen Moment verlor sich mein Blick. Ja, woran dachte ich? Es gab ein komplexes Problempaket, das mein Gehirn in Abständen immer wieder versuchte, durchzuarbeiten, doch wenn ich die unangenehmen Baustellen beiseiteschob, blieb meist nur ein wichtiger Punkt übrig. Monja.

Für Jörn war noch alles so wie vor zwei Wochen. In meinem Leben waren jedoch fast vierzehn Monate ­vergangen. Ich hatte viel erlebt, unglaublich viel, oder besser: viel Unglaubliches. Und außer der Bekanntschaft mit Monja war nur wenig Erfreuliches dabei gewesen. Die haarsträubenden Abenteuer im Virtuversum, die Entführung von Amos Carter, dann der erste Anschlag auf mein Leben. Beide Verbrechen standen nicht miteinander in Verbindung, was alles jedoch nicht einfacher machte.

„Wie schön das All ist, Jörn“, beantwortete ich seine Frage bewusst vage. Er sagte nichts. „Und die Erde ist grausam“, ergänzte ich.

Nun ging sein Blick an mir vorbei. „Es wird schwierig für mich, die vergangene Zeit aufzuarbeiten“, sagte Jörn. „Du hast nur Andeutungen gemacht, doch bei uns scheint einiges aus den Fugen geraten zu sein.“

Wenn man kräftig untertreiben wollte, dann konnte man es vielleicht so ausdrücken. Ich beneidete Jörn nicht um das, was er alles noch erfahren musste.

*

Die Promet V tropfte – ihrer Form entsprechend – gemächlich durch die Abenddämmerung ihrem zugewiesenen Landeplatz innerhalb der CRC-Werft entgegen. Aus großer Höhe konnte ich bereits erkennen, dass das gesamte Gelände hell erleuchtet war. Auf Terra versuchte man wieder mal, ein weiteres Medienspektakel des Jahres zu vermarkten. Mir graute davor. Mit Amos Carter und seinen Managern hatte ich im Vorfeld besprochen, wie wir möglichst ohne große Belästigungen der Presse durch die üblichen Formalitäten kommen konnten. Als Zugeständnis mussten wir uns alle durch einen etwa zweihundert Meter langen durchsichtigen Gang zwischen Hangar und dem Verwaltungsgebäude bewegen. Möglichst gelassen, damit man uns ausreichend medial digitalisieren und verbreiten konnte.

Und so geschah es dann auch. Mein Mann Jörn, Peet Orell und Szer Ekka verharrten nebeneinander in der gläsernen Röhre, winkten fröhlich nach draußen und ließen sich geduldig ablichten. Schließlich waren sie die eigentliche Attraktion. Meine Crew marschierte wie gewohnt, und auch ich schritt rasch voran und besprach mich dabei über meine Com mit Amos Carter. Wie ich erst jetzt erfuhr, befand er sich außerhalb der Werft.

Mir war es recht, denn mein Flug mit Jörn zu meiner augenblicklichen Wohnung auf Kuramathi war bereits nahtlos nach unserer Ankunft eingeplant. Die anderen Crewmitglieder, ebenso Peet Orell und Szer Ekka, sollten zu Zielen ihrer Wahl gebracht werden. Für alle trat ab sofort so etwas wie Urlaub in Kraft. Auch für Peet, der sichtlich angespannt wirkte, da er sich bereits in die aktuellen News auf Terra vertieft hatte, und nicht glauben konnte, was sich während seiner Abwesenheit alles verändert hatte. Je mehr Infos er in sich aufnahm, umso mehr verdunkelte sich seine Miene. Sorgenfalten breiteten sich auf seiner Stirn aus. Es schien, als wolle sein Gesicht die verlorene Zeit von vierzehn Monaten aufholen, um nachzualtern. Eigentlich hatten er, Jörn und die anderen Lebenszeit gewonnen, doch dieser Gewinn war gleichzeitig auch ein Verlust. Der Transmitterunfall auf Bankor hatte ihnen vierzehn Monate erlebtes Erdenwissen gestohlen. Doch das konnte man reparieren.

Ich verabschiedete mich von meiner Crew, und ließ mich dann mit Jörn und dem Quogoren, der natürlich nicht von meiner Seite weichen wollte, und auch nicht musste, denn dafür gab es keinen Grund, per Gleiter-Shuttle in einen anderen Bereich unserer gigantischen Werft befördern. Dort bestiegen wir einen der bereitgestellten Großraumgleiter und starteten binnen weniger Minuten hinaus in die Nacht.

*

Angekommen auf dem Malediven-Eiland Kuramathi, einer der zahlreichen Wohnsitze der Moses-Familie, umgab uns sofort bilderbuchhaftes Urlaubswetter. Strahlend blauer Himmel, angenehme fünfundzwanzig Grad und ein gleichmäßig wehendes Lüftchen. Die Landeplätze für Gleiter befanden sich geschlossen in der Nordosthälfte der kleinen Insel. Davor das riesige Moses-Anwesen, weiter westlich die Forschungsstationen. Insgesamt hatte man die Insel vor zehn Jahren um mehrere Meter erhöht, und einen leicht abfallenden Rundumsandstrand angelegt. Die übrige Oberfläche war mit einem saftig-grünen Rasen und Zwergpalmen bestückt worden.

Nach unserer Ankunft begegnete ich zum Glück niemanden aus der Moses-Familie. Lediglich die mir bekannten Angestellten zeigten sich, sie nahmen uns respektvoll in Empfang. Sir Klakkarakk bekam eine eigene Wohneinheit zugewiesen, die, wie die meisten Apartments, zur Hälfte unterhalb der Erde lagen.

„Du streckst jetzt mal deine zahlreichen Glieder aus, Klakk“, sagte ich zu ihm.

Er nickte, denn nun wusste er mich in Sicherheit. Nach dem verheerenden Anschlag auf mich, genau hier auf Kuramathi, hatte die World-Police um Wernher von Witzleben sehr intensiv nachgebessert. Nun gab es laut Aussage aller Verantwortlichen keinen sichereren Platz auf Terra als diese Insel. Wie weit dies sich in der Realität bewahrheiten sollte, konnte ich nicht sagen. Ich versuchte auch nicht, weiter darüber nachzudenken.

Klakk zwängte sich durch eine vollautomatische Schiebetür in seine Wohneinheit. Und zusammen mit meinem Mann ging ich weiter, um zu meiner Behausung, ebenfalls unterhalb der Erde gelegen, zu gelangen. Für einen Augenblick war ich mit Jörn alleine. Die Angestellten auf der Insel hatten zu tun, sonst war niemand zu sehen. Bei den Sicherheitsleuten gehörte das zum Berufsbild.

„Hier kann man es aushalten“, meinte Jörn gut gelaunt zu mir. „Ich bin gespannt, zu erfahren, wie du an diesen Ort gelangt bist.“ Ich hatte ihm nur oberflächlich und bruchstückhaft einiges erzählt. „Kaum zu glauben, dass man auf dieser kleinen Insel besonders sicher sein soll.“

„Es ist recht simpel, diesen Bereich durch Satelliten überwachen zu lassen“, entgegnete ich. „Darüber hinaus gibt es weitere Wachstation auf und unter Wasser. Sobald ein Sandkorn zu weit in die gepflegte Grasanlage fliegt, auf der wir gerade stehen, so wird dies protokolliert und bewertet.“

„Huch“, meinte Jörn amüsiert und gab mir einen Kuss auf die Stirn. „Und was passiert jetzt?“

„Nichts, nur dass mindestens hundert Leute Bescheid wissen, dass mich deine Lippen berührt haben. Sehr angenehm übrigens.“

„Die wissen aber hoffentlich, wer ich bin?“ Jörn versuchte, besorgt auszusehen.

„Die Sicherheitsleute wissen alles, was sie für ihren Arbeitsablauf benötigen“, entgegnete ich. „Und vermutlich noch einiges mehr.“

Monjas Lachen wehte zu uns rüber. Meine Freundin lag also wieder mal am Strand, warum auch nicht. Man hatte sie offenbar nicht darüber informiert, dass ich von unserem Testflug mit der Promet V nach Terra zurückgekehrt war. Die offiziellen Nachrichten interessierten sie nicht. „Jetzt wirst du Monja kennenlernen“, sagte ich zu Jörn und nahm seine Hand. „Sie wird dir gefallen.“ So wie sie mir gefallen hat, dachte ich dabei.

Wir schritten durch den exakt gleichgroß gestutzten Rasen zum Strand, Monjas Stimme folgend. Und wenig später hatte sie mich auch schon gesehen. Sie saß mit dem Pauli im Sand und freute sich ihres Lebens. Als sie sich erhob, und ich ihre leuchtenden Augen sah, erfasste mich eine große Welle der Glückseligkeit. Diese Gefühlsregung kam alleine von Monja.

Sie lief mir mit ihren langen blonden Haaren, die wie bei einem Pferdeschweif hin und her wogten, jauchzend wie ein Kleinkind entgegen, die Arme in der Luft wedelnd. „Shalyn!“, rief sie, gab mir einen Kuss und fiel mir um den Hals. „Ich wusste, dass du kommst.“

„Wer ...“

„Niemand, Shalyn, ich wusste es einfach.“

Ja, das war Monja. Und dann drehte sie sich zu Jörn. Und sie strahlte ihn ebenso glücklich an, wie mich zuvor. Ich spürte erneut diese Welle der Glückseligkeit, doch diesmal galt sie meinem Mann. Sie umarmte Jörn und nickte ihm freundlich zu. Sie wusste natürlich, dass sie jetzt nicht mehr bei mir an erster Stelle stand, da er wieder an meiner Seite war. Doch dies war ihr völlig egal, das spürte ich genau. Sie war froh, weil ich glücklich war. Ja, so war Monja.

„Hallo, Jörn“, sagte sie, und es klang so artig wie bei einem Schulkind.

„Hallo, Monja“, wurde sie von Jörn begrüßt. Und seine Stimme klang im Gegensatz zu ihrer Fröhlichkeit verlegen. Verlegen, auch wie bei einem Schulkind. Kein Wunder, denn Monja, durchgehend gebräunt, war wie immer am Strand bis auf einen knappen Tanga nackt. In Kombination mit ihrer Unbekümmertheit konnte das jeden gestandenen Mann in Verwirrung stürzen.

Im Hintergrund saß das Pauli und wühlte mit seinen Pfoten missmutig im Sand.

*

Später bekam das Pauli doch noch gute Laune, denn ich bezog mit Jörn ein gemeinsames Apartment. Und der Wollmops konnte alleine mit Monja bleiben. Ich wurde mit dem kleinen Kunstwesen einfach nicht warm, obwohl ich mir bisher eigentlich stets alle Mühe gab, nett zu ihm zu sein. In ihm steckte ein Mann der World-Police, der durch den hiesigen Anschlag auf mich zu Tode kam und dessen Geist mehr oder weniger zufällig in diesem Prototyp eines Spielzeugroboters aufgefangen wurde. Monja hatte sich seiner angenommen, die beiden kamen gut zurecht. Und solange ich nicht in der Nähe war, lebte das eifersüchtige Pauli vergnügt vor sich hin.

Gemeinsam verbrachten wir einen sehr harmonischen Nachmittag in einem der beiden Nebenhäuser von Michael Moses. Ich wollte gar nicht genau wissen, was er und seine Tochter gerade in der Weltpolitik trieben. Obwohl mir natürlich zugetragen worden war, dass Vater und Tochter sich momentan bis aufs Blut bekämpften, da jeder von ihnen die Vorherrschaft über World-Market erlangen wollte. Von daher betraten sie den neutralen Boden von Kuramathi nicht. Schließlich bestand Gefahr, aufeinanderzutreffen.

Mir war dieses typische Verhalten der Menschen einfach zuwider. Letztendlich war es stets die normale Bevölkerung, die das angerichtete Unglück der Machtbesessenen erleiden musste. Energie wurde künstlich verknappt, Kriege mit Genmonstern wurden geführt. Und die extre­men Klimakatastrophen, die teilweise auch von Menschenhand herrührten, taten ihr Übriges. Ich wollte davon im Augenblick nichts hören, und auch Jörn wollte ich noch nicht damit belasten. Um all dem aus dem Wege zu gehen, forderte ich ihn auf, weiter von seinen Erlebnissen zu berichten. Er tat dies, und sie waren abenteuerlich genug. In erster Linie versuchten wir uns aber daran zu erfreuen, einander wiedergefunden zu haben.

Monja hingegen hatte natürlich rein gar nichts zu erzählen. Die klinisch saubere und abgeriegelte Welt auf Kuramathi hatte nicht viel Abenteuerliches zu bieten. Die Technik im Pauli wurde inzwischen auf höchstem Niveau optimiert, das war Monjas Neuigkeit. Der Geist in diesem Pauli-Roboter war allerdings weiter auf einem eher bescheidenen Level. Zumindest blieb das mein Eindruck. Monja mochte da gerne anderer Ansicht sein.

Zum Abschluss des Tages gingen wir alle schwimmen und freuten uns, dass das Leben manchmal so wunderbar sein konnte. Daran konnte auch das Pauli nichts ändern, das wütend versuchte, eine Sandburg zu bauen, während wir in den Wellen herumtollten.

*

Erst am nächsten Tag tauchte ich in die bitteren Wahrheiten und Unwahrheiten dieser Welt ein, die Welt der aktuellen News und persönlichen Nachrichten an mich. Die Zustände auf Terra waren weiterhin katastrophal, hatten sich sogar noch verschlimmert. Während meiner Abwesenheit war es niemandem gelungen, daran etwas zu ändern.

Unter den verbliebenen Nachrichten, nach manueller Filterung der CRC-Mitarbeiter, an meine Adresse, fanden sich zwei Mails von Michiko. Ihre Zeilen konnte ich nicht recht deuten, offenbar wollte sie sich mit mir treffen. Es schien dringlich zu sein, doch ein Grund dafür erschloss sich für mich nicht. Aber im Augenblick hatte ich genug Zeit, um meine japanische Studienfreundin aufzusuchen. Also schlug ich meinem Mann vor, dass wir uns mit einem Besuch bei Michiko den heutigen Tag auf interessante Weise vertreiben sollten.

Doch gerade, als ich die Reisevorbereitungen im Detail mit den zuständigen Stellen abklären wollte, meldete sich mein Boss Amos Carter. Er wirkte besorgt.

Kampf um World-Market

von Andreas Zwengel

Kapitel 1

„Ein Cargo-Transport ist außer Kontrolle!“

Das war der gefürchtete Satz im Einsatzzentrum von Shannon O’Connor, und er bekam ihn erst zum dritten Mal in seiner langen Dienstzeit zu hören. Die ersten beiden Male waren glimpflich ausgegangen, aber dieses Mal drohte ihnen eine Katastrophe von unbeschreiblichem Ausmaß. Shannon war bekannt dafür, selbst in brenzligen Situationen kühl und kontrolliert zu reagieren. Das war auch dieses Mal der Fall gewesen, bis er erfuhr, was der betreffende Cargo-Transport geladen hatte. Danach war nichts mehr wie zuvor.

Ein Drittel der Ladung bestand aus neuen Energiezellen für World-Market-Filialen. Eine Verbesserung der bisherigen Ausstattung, um die Gebäude sicherer und unabhängig von der regulären Energieversorgung zu machen. Dadurch konnte die Kühlung verderblicher Ware bei Energieausfall auch über einen längeren Zeitraum gewährleistet zu werden. Eingebaut in eine Filiale waren sie rundum gesichert, aber was mit ihnen geschah, wenn sie in einer Cargo-Röhre verunglückten, das wollte sich Shannon nicht ausmalen, geschweige denn erleben.

In die Mitte des Kontrollraumes wurde von der Decke aus ein Hologramm des kompletten Cargo-Systems ­projiziert. Durch die dreidimensionale Ansicht fiel es Shannon und seinen Mitarbeitern leichter, den Überblick zu behalten. Sie konnten sich durch knappe Gesten ihrer Hände darin herumbewegen und die Ansicht aller Bereiche vergrößern. Alle Knotenpunkte und Zwischenstationen wurden farbig hervorgehoben und die Reisestrecken der einzelnen Transporter in Echtzeit abgebildet.

„Alle Sicherheitsvorkehrungen sind ausgefallen. Die Notbremsen reagieren nicht, und wir können ihn auch nicht umlenken“, meldete eine der Technikerinnen.

Shannon sah die blauhaarige Frau an. „Können wir einen Transport davorsetzen, der ihn ausbremst? Oder eine mobile Reparaturstation?“

„Das kriegen wir so schnell nicht geregelt und selbst wenn: Alle Weichen auf dieser Strecke blockieren.“

„Was soll das heißen?“

„Wir können sie nicht umstellen. Ich habe versucht, eine Alternativroute einzustellen, aber die Umleitungen reagieren auf keinen Befehl.“

„Werden sie manipuliert?“

„Ich weiß es nicht, aber es scheint so. Die Blockade hält immer nur so lange, bis unser Geisterzug die Weichen passiert hat, danach reagieren sie wieder tadellos.“

„Verdammt“, knurrte Shannon. „Wer pfuscht da in unserem System herum? Und wie ist er überhaupt dort hineingelangt? Das soll doch alles absolut sicher sein!“

„Da bin ich überfragt.“

Für Shannon gab es nur eine Verdächtige. World-­Market überwachte die Cargo-Transportröhren, und Zizzi Moses hatte die Befehlsgewalt über das weltweite Röhrensystem an sich gerissen. Damit besaß sie nicht nur die völlige Kontrolle über die Grauzonen, die auf die Lieferungen angewiesen waren, sondern konnte auch ganze Firmen und Länder ruinieren, indem sie diese von dem Transportnetz abschnitt. Andererseits sprach dies sogar dagegen, dass sie hinter der Sabotage steckte. Das System stellte einen Stützpfeiler ihrer Macht dar und den würde sie wohl kaum selbst zerstören.

Gebannt beobachtete Shannon auf der Anzeige, wie sich der Zug unerbittlich der nächsten Station näherte. „Wie lange bis zur Ankunft in Minsk IV?“, fragte er seinen Assistenten.

„Zwei Minuten, wenn die Geschwindigkeit nicht noch weiter zunimmt.“

„Der Stationsleiter möchte Sie sprechen“, sagte die Technikerin, und wenige Sekunden später hörten sie seine Stimme über die Sprechanlage.

„Hier Mikail. Was geht da vor? Wir bekommen keinen Kontakt zu einem Transport, der auf dem Weg zu uns ist.“

„Mikail, schaffen Sie Ihre Leute dort raus!“, brüllte Shannon, obwohl er genau wusste, dass es längst zu spät war. Wenn der Cargo-Transport in die Station rauschte, würde das den Effekt einer gewaltigen Bombenexplosion haben. Um dem zu entgehen, hätten sie vor einer Stunde losrennen müssen.

Es war drei Minuten her, seit der Transport außer Kontrolle geraten war und innerhalb der nächsten Sekunden würde seine Reise enden. Hilflos blickten Shannon, die blauhaarige Technikerin und jeder andere Anwesende im Kontrollraum auf die Anzeige. Noch drei Kontrollpunkte, noch zwei, noch einer – dann verschwand der Zug aus dem Hologramm.

Shannon ließ den Kopf sinken. Er zog sich das Headset vom Kopf und warf es achtlos auf seinen Schreibtisch. Vierzig Menschen hatten in der Station Minsk IV gearbeitet.

Die Technikerin neben ihm begann zu schluchzen. Shannon wusste nicht, ob sie einen Bekannten dort gehabt hatte oder ob es sich einfach um eine natürliche Reaktion auf den Tod so vieler Menschen handelte.

„Wir müssen den Verkehr umleiten.

---ENDE DER LESEPROBE---