Recht und Rache - Georg von Andechs - E-Book

Recht und Rache E-Book

Georg von Andechs

4,6

Beschreibung

m Rhein bei Duisburg wird eine entstellte Männerleiche entdeckt. Unmittelbar danach bekennt sich eine Gruppe namens Nemesis zu der Tat - und kündigt weitere an. Klaus Heppner vom Duisburger KK11, übernimmt die Ermittlungen und muss feststellen, dass Nemesis diese Drohung wahrmacht und eine beispiellose Mordserie in Gang setzt. Wer steckt hinter der Organisation - und wer ist das nächste Opfer?

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Georg von Andechs ist das Pseudonym des Kriminalbeamten Jörg Ziemer, der seit fast fünfundzwanzig Jahren in seiner Heimatstadt Duisburg Verbrechern das Handwerk legt – mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Seine dienstlichen Eindrücke und Erfahrungen verarbeitet er in seinen Büchern. Hauptsächlich bekannt ist er in Duisburg und Umgebung durch seine gesangliche Tätigkeit als Solotenor des Duisburger Polizeichores und des Vokalensembles »Restroom Singers«. Jörg Ziemer ist in zweiter Ehe verheiratet und Vater von vier Kindern.

Dieses Buch ist ein Roman. Handlungen und Personen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind nicht gewollt und rein zufällig.

© 2015 Emons Verlag GmbH Alle Rechte vorbehalten Umschlagmotiv: © mauritius images/Alamy Umschlaggestaltung: Tobias Doetsch Lektorat: Lothar Strüh eBook-Erstellung: CPI books GmbH, LeckISBN 978-3-86358-759-8 Ruhr Krimi Originalausgabe

Gewidmet meiner Marion, ohne die das Buch niemals vollendet worden wäre

PROLOG

Als der Hammer niedersauste und seinen linken Daumen zertrümmerte, wusste Kollmann, dass diese Geschichte für ihn nicht gut ausgehen würde. Der brutale Schmerz, der ihm die Tränen in die Augen trieb und sich in seiner Kehle zu einem kreischenden Schrei entlud, war fast nichts angesichts der Erkenntnis, es nicht mit normalen Entführern zu tun zu haben und dass der erste Schlag nur der Anfang sein würde. Damit hatte er recht.

Sie nahmen ihn sich methodisch vor, zerschlugen systematisch Finger für Finger, und als sie damit fertig waren, beschäftigten sie sich mit seinen Unterarmen. Elle und Speiche zerbrachen mit einem Knacken, als hätte man einen Ast zum Feuermachen übers Knie gebrochen. Zu diesem Zeitpunkt gab Kollmann nur noch eine Mischung aus Winseln und Röcheln von sich. Dann wurde es schwarz um ihn.

Ein Eimer Wasser, der ihm über den Kopf gegossen wurde, brachte Kollmann wieder zu sich. Als er die Augen öffnete, blendete ihn der Schein einer ultrastarken Taschenlampe.

»Warum?«, krächzte Kollmann. »Warum tut ihr mir das an? Was habe ich euch getan?«

Wider Erwarten erhielt er tatsächlich eine Antwort, allerdings in einer brutalen Eindeutigkeit. Der Schlag gegen sein Kinn riss seinen Kopf nach hinten, und ihm wurde übel. »Nichts hast du uns getan«, hörte er eine Stimme durch den Nebel in seinem Kopf, »aber anderen, die sich nicht wehren konnten wie wir.«

»Aber ich habe für alles bezahlt«, jammerte Kollmann. »Ich habe danach nichts mehr getan. Lasst mich laufen, bitte!«

Leises Lachen erklang, und aus dem Hintergrund des Raumes schob sich eine Gestalt an Kollmann heran, größer und breiter als die anderen. »Nun gut, dann geh. Wenn du es bis zur Straße schaffst, hast du gewonnen. Wir lassen dir fünf Minuten Vorsprung, dann folgen wir dir. Wenn wir dich einholen … du hast sicher genug Phantasie. Schließlich hast du sie schon zur Genüge ausgelebt. Macht ihn los«, wandte sich die Gestalt an eine andere, die zu Kollmann eilte und die Riemen löste, mit denen er an die Lehnen eines wuchtigen Holzstuhls gefesselt war.

Ganz automatisch versuchte sich Kollmann mit den Armen beim Aufstehen abzustützen. Der Schmerz war unbeschreiblich, aber als noch grausamer empfand er das Lachen der ihn umstehenden Gestalten. »Noch viereinhalb Minuten«, sagte der Anführer, und trotz der Skimaske wusste Kollmann, dass der Mann breit grinste. Kollmann wuchtete sich aus den Beinen hoch und torkelte in Richtung der Tür, die er trotz des Halbdunkels erkennen konnte. Einer seiner Peiniger zeigte wie zum Hohn auf die Klinke. »Viel Spaß beim Runterdrücken«, meinte er hämisch. Kollmann biss die Zähne zusammen und drückte die Klinke mit dem Ellbogen hinunter, und obwohl der gebrochene Unterarm scharf protestierte, gelang es ihm, die Tür aufzustoßen und ins Freie zu torkeln.

Erst als ihn der kühle Nachtwind traf, bemerkte Kollmann, dass er völlig nackt war. Wo sind meine Kleider, dachte Kollmann verwirrt, mein Armani-Anzug, das Van-Laack-Hemd und die Rolex? War es das, worum es ihnen ging? Aber warum haben sie mich dann gefoltert? Er war stehen geblieben und atmete tief durch, um den Kopf wieder klarzubekommen. Rings um ihn herum standen hohe Bäume. Wald, dachte Kollmann. Ich bin in einem Wald, aber wo ist hier eine Straße? Im Dämmerlicht der dünnen Mondsichel, die den verzweifelten Versuch machte, etwas Licht durch die nackten, aber dicht stehenden Bäume zu senden, bemerkte er plötzlich einen matschigen Weg vor sich, und als er sich umdrehte, sah er die Waldhütte, aus der er gerade geflohen war.

Sofort begann er mit ungelenken Schritten den Weg entlangzulaufen, als er vor sich etwas schimmern sah. Er hielt an und sah nur wenige Zentimeter vor seinen Beinen einen dünnen Draht, der quer über den Weg gespannt war. Eine Falle, durchfuhr es ihn, und als er darüber hinwegspähte, sah er kleine Buckel, die zu gleichmäßig waren, um natürlich entstanden zu sein. Er kannte sie nur zu gut. Minen, dachte er matt. Sie haben den Weg vermint. Was nun?

Kollmann schlug sich instinktiv in die Büsche. Er war erst wenige Meter weit gekommen, als er hörte, wie die Tür der Hütte aufgerissen wurde und drei johlende Gestalten herausstürzten. »Freu dich, Kollmann! Wir kommen!«

Kollmanns Blut gefror zu Eis. Verzweifelt versuchte er sein Tempo zu erhöhen, doch schon bald hatten die Verfolger seine Fährte aufgenommen, und er konnte hören, wie sie mit jeder Sekunde näher kamen. Er drehte sich im Laufen halb um und begriff beim nächsten Schritt, dass genau dies ihre Absicht gewesen war.

Das Fangeisen grub sich mit urtümlicher Gewalt in seinen rechten Unterschenkel, und Kollmann stürzte schreiend zu Boden. Er hätte nicht sagen können, wo der Schmerz größer war, ob im Bein oder in den beim Fallen instinktiv ausgestreckten Armen, auf denen er hart landete. Auf alle Fälle ließ die Agonie ihn sofort das Bewusstsein verlieren.

Noch einmal erwachte Kollmann. Er saß wieder in dem Folterstuhl, und das Blut floss an seinem Bein hinab, von dem man die Bärenfalle entfernt hatte. Hoffnungslos sah er den großen Mann an, der vor ihm stand. »Ihr habt mir nicht die geringste Chance gelassen«, flüsterte Kollmann.

Der Mann schüttelte den Kopf. »Nein. Du hattest auch keine Chance verdient.« Und mit diesen Worten zog er sich die Skimaske vom Gesicht.

Dass Kollmann sein Gegenüber erkannte, zeigte sich, als er trotz halber Bewusstlosigkeit die Augen weit aufriss. »Du?«, flüsterte er. »Oh mein Gott …«

»Ja. Möge er dir gnädig sein – obwohl ich das bezweifle.« Als sich der Hammer dieses Mal hob, begann Kollmann erneut zu schreien.

Aber nur seine Peiniger hörten ihn.

EINS

13.Januar 2013

»Komm, noch etwas fester.« Gespannt sah Klaus Heppner Marion Paschen an, die mit zusammengepressten Lippen auf der anderen Seite ihres Küchentisches saß. Ihre linke Hand lag in seiner, und er wartete wie seit einem Jahr darauf, dass sie endlich mehr Druck auf seine Hand ausüben würde. Marion hatte den Anschlag von Petra Hammer, die aus Wut und Rachsucht versucht hatte, ihren Schädel zu zertrümmern, weitestgehend ohne bleibende Schäden überstanden; Ausnahmen bildeten dabei aber ihre regelmäßig wiederkehrenden Alpträume, die sie schreiend aus dem Schlaf hochschrecken ließen, und die Teillähmung ihrer linken Hand.

Professor Dr. von der Groeben hatte ihnen erklärt, dass es für die Taubheit keinerlei physiologische Gründe gab und dass die schockbedingte Nervenlähmung mit der Zeit abklingen würde. Doch jetzt, gut zweieinhalb Jahre nach ihrer Kopfverletzung, kam, wie schon länger befürchtet, ein weiterer Faktor hinzu. Marion lebte nach der Devise: »Gott, gib mir Geduld – aber dalli!« Ihre linke Hand seit einem Jahr quasi nur in Zeitlupe und mit äußerster Konzentration benutzen zu können, zerrte an ihren Nerven. Sie wurde zusehends launisch und aggressiv, und alle Versuche, sie zu beruhigen, schienen ihre Frustration nur noch zu steigern.

»Drück doch selber, wenn du meinst, es besser zu können«, fauchte sie Klaus Heppner an, der diese Ausbrüche bereits kannte.

»Es geht nicht um meine Hand, sondern um deine.«

»Fein, vielleicht können wir zur Abwechslung mal tauschen. Ich habe keinen Bock mehr, mir etwas vorzumachen.« Marion sprang auf und rannte durch das Wohnzimmer auf die Terrasse. Heppner folgte ihr langsam.

Beide wohnten mittlerweile in Wanheimerort, nachdem sie den Beschluss gefasst hatten, zusammenzuziehen, und Marion ihr Haus in Walsum verkauft hatte. Genauer gesagt hatten sie das Mehrfamilienhaus auf der Erlenstraße von den Erben Tobias Kastners gekauft und ein wenig umgebaut. Ihre Wohnung umfasste das gesamte Erdgeschoss nebst kleinem Garten und der ersten Etage. Die Verbindung wurde durch eine Wendeltreppe zwischen den beiden Fluren hergestellt. Das Haus selbst war über hundert Jahre alt und zeichnete sich insbesondere durch die drei Meter hohen Decken aus. Die Wände waren derart dick, dass selbst bei fünfunddreißig Grad im Schatten die Hitze draußen blieb – oder wie jetzt im Winter die Kälte.

Im Gegensatz zu populären Vorurteilen war Wanheimerort ein durchaus attraktiver Stadtteil. Von der Erlenstraße gelangte man direkt zum Wanheimerorter Markt, wo man sich zweimal pro Woche mit frischen Lebensmitteln eindecken konnte, und die Fischerstraße, eine Basarstraße mit vielen Geschäften, grenzte direkt daran an. Von den Bewohnern der Straße waren beide herzlichst aufgenommen worden. Besonders der ihnen mit seiner Familie gegenüber wohnende Mann zeigte sich begeistert, dass ein Polizist das Haus gekauft hatte.

»Kannst du von Glück sagen! Ist eine tolle Gegend hier, keine Zigeuner und so.« Er selbst war Türke.

Als Heppner seiner Freundin die Hände auf die Schultern legte, bemerkte er, dass sie bebten. Marion weinte unhörbar, und als er sie behutsam umdrehte, rannen Tränen an ihren Wangen herunter. »Warum wird es nicht besser, Klaus?«, fragte sie stockend.

Heppner widersprach. »Es wird aber doch besser. Noch vor zwei Monaten warst du noch nicht in der Lage, die Finger einzeln zu bewegen. Das klappt jetzt schon prima. Und bei dem Versuch, eine Faust zu machen, kommst du auch schon viel weiter als noch vor kurzer Zeit.«

»Aber ich muss mich auf jede einzelne Bewegung unsagbar konzentrieren. Keine einzige Bewegung ist selbstverständlich, und nichts klappt, wenn ich meine Hand dabei nicht ansehe. Ich glaube, es ist hoffnungslos.«

Sie hatten diese Diskussion schon etliche Male geführt, und Heppner wusste, dass sie sich im Kreis drehten. Bevor er jedoch zu einer Antwort ansetzen konnte, klingelte das Telefon. Er klopfte Marion auf die Schulter, küsste ihren Nacken und ging zurück ins Wohnzimmer. Na klar, ein Anruf mit unterdrückter Nummer an einem Samstagvormittag, das konnte nur eins bedeuten. Er hob ab und wappnete sich schon mal für das Schlimmste.

»Heppner.«

»Hallo, Klaus, ich bin’s, Helmut Schiller. Wenn meine Liste stimmt, hast du dich mal wieder für die falsche Woche als Bereitschaftsbeamter der Mordkommission eintragen lassen.«

»Falsche Woche?«, knurrte Heppner sarkastisch. »Bei unserem Personalmangel bin ich schon froh, mal eine Woche nicht auf der Liste zu stehen. Fast die Hälfte unserer Leute ist doch auf der Suche nach diesem vermissten Großindustriellen. Und die Kriminalwache hat mal wieder einen merkwürdigen Todesfall?«

Helmut Schiller lachte leise. »Ja und nein, mein Freund. Nicht wir, sondern die Wasserschutzpolizei hat eine Leiche aus dem Rhein gefischt. Der Bootsführer von WSP1 ist in heller Aufregung und meinte, es soll mal schnellstmöglich jemand vom KK11 rüberkommen. Und da du auf der Liste stehst …«

»Schon gut, du musst dich nicht entschuldigen. Ich bin in einer Viertelstunde im Präsidium.«

Als Heppner auflegte und sich umdrehte, stand Marion bereits hinter ihm. »Ich habe schon gehört, die Arbeit ruft. Geh du mal schön Mörder fangen und lass deine arme, verkrüppelte Lebensabschnittsgefährtin allein zu Hause sitzen«, sagte sie. »Das war ein Scherz«, fügte sie schnell hinzu, als sie sah, wie seine Gesichtszüge entgleisten.

»Aber kein besonders guter«, versetzte Heppner gepresst. »Es lag zu viel von der Wahrheit, wie du sie siehst, darin. Merk dir eins: Du bist nur deshalb noch meine Lebensabschnittsgefährtin und nicht meine Ehefrau, weil du gesagt hast, du willst mich nicht heiraten, solange du noch nicht wieder vollständig geheilt bist. Du musst doch allmählich gemerkt haben, dass ich nicht aus Mitleid mit dir zusammen bin. Und verkrüppelt bist du noch lange nicht.«

Seine Freundin sah bekümmert aus. »Ich glaube, ich muss noch einiges über schwarzen Humor lernen. Dieser Versuch ist jedenfalls gründlich danebengegangen. Hast du schon eine Ahnung, wie lange du weg sein wirst?«, wechselte sie schnell das Thema.

Heppner zuckte die Achseln. »Wie üblich gar keine. Ich weiß nur, dass wir es mit einer Wasserleiche zu tun haben. Je nachdem, wie lange der Körper im Wasser gelegen hat, kann das ganz schön unappetitlich sein.«

Marion schüttelte sich, und Heppner konnte das nur zu gut verstehen. Er wertete es als gutes Zeichen, dass sie ihm zum Abschied mit der linken Hand über die Wange strich.

Der Nachteil des Umzugs nach Wanheimerort bestand darin, dass Heppner seither nicht mehr zu Fuß zum Präsidium laufen konnte. Der Vorteil: Sein Auto stand jetzt in einer Garage. Dementsprechend war sein BMW beim Einsteigen zwar kalt, aber nicht eisig, und er brauchte auch keine Scheiben freizukratzen. Heppner warf die Zeitung auf den Beifahrersitz und startete den Motor. Respekt, dachte er. Achtzehn Jahre alt und springt immer noch beim ersten Versuch an. Er setzte aus der Garage zurück, fuhr durch das Hoftor und musste erst an der nächsten Ampel wieder bremsen.

Gewohnheitsmäßig warf er einen Blick auf die Schlagzeilen und stellte fest, dass die Meldungen nach wie vor vom rätselhaften Verschwinden des Kamp-Lintforter Großindustriellen beherrscht wurden. Heute lautete die Meldung: »Steuerflucht oder Entführung? Nach wie vor keine Spur vom Vorsitzenden der KMP-Gruppe«.

Ein Hupen hinter ihm riss ihn von der Zeitung los. Heppner wedelte dem schimpfenden Fahrer hinter ihm entschuldigend mit der Hand zu und machte, dass er weiterkam.

Zur Kriminalwache zu kommen war an diesem Sonntag im Januar 2013 nicht ganz so einfach. Seit etwa einem halben Jahr liefen Umbaumaßnahmen im Foyer des Präsidiums, sodass man nur durch den Nebeneingang an der Kantine ins Präsidium gelangen konnte. Während wochentags ein Pförtner Wache hielt, musste man am Wochenende klingeln und darauf warten, dass jemand von der Hauptwache der PI Mitte herbeieilte und die Tür öffnete. Das konnte mitunter dauern, wobei dies nicht auf die Böswilligkeit der Kollegen zurückzuführen war, sondern auf den Personalmangel und die Einsatzbelastung der restlichen Kräfte.

Diesmal ging es recht flott, und Stefan Kurz, den alle wegen seiner Ähnlichkeit mit Captain Picard von der Enterprise nur Jean-Luc nannten, ließ Heppner sogar ausnahmsweise durch den Sicherheitsbereich im Erdgeschoss. Helmut Schiller war beeindruckt, als der Mordermittler plötzlich aus der Tür in seinem Rücken auftauchte.

»Man sieht, dass du Beziehungen hast«, grinste er. »Sogar mich haben sie letztens den Umweg laufen lassen. Sieh zu, dass du dir einen Wagen schnappst und nach Ruhrort düst. Die WSP1 hat schon an der Wache am Vinckeufer angelegt, und die Leute sind in heller Aufregung. Soll ich schon mal die gesamte Bereitschaft zusammentrommeln?«

Heppner schüttelte den Kopf. »Lass das erst mal, Helmut. Vorher will ich mir ansehen, wen oder was die WSP da aus dem Rhein gefischt hat.«

Im Gegensatz zu seinem BMW war der Dienstgolf, in den er einstieg, eiskalt. Der Nieselregen der letzten Stunden hatte zudem dazu geführt, dass der ganze Wagen mit einer dünnen Eisschicht bedeckt war. Heppner verschwendete fünf Minuten mit der natürlich vergeblichen Suche nach einem Eiskratzer und holte dann seinen aus dem BMW. Nur nachher nicht liegen lassen, ermahnte er sich selbst. In einem Dienstwagen vergessene private Dinge lösten sich gewöhnlich binnen weniger Stunden auf. Nicht dass er seinen Kollegen zutraute, seine Handschuhe oder seinen Schirm zu klauen. Nein, die Sachen lösten sich tatsächlich auf.

In Ruhrort war es saukalt. Irgendwie hatte Heppner den Eindruck, dass der Fluss, an dessen Seitenkanal sich der Bootssteg der WSP befand, auch das letzte bisschen Wärme aus der Luft sog. Trotz dicker gefütterter Lederjacke, Handschuhen, Schal und Stiefeln begann er zu zittern, als er den Steg zum modernsten Boot der WSP-Flotte hinabstieg. Unten begrüßte ihn der Bootsführer, der sich als Hauptkommissar Thomas Sielmann vorstellte.

»Wir waren auf unserer üblichen Streifenfahrt, also den Rhein flussabwärts bis Emmerich, als wir in Höhe Stromkilometer 788,5 etwas im Wasser treiben sahen. Es –«

»Moment, ich bin nicht vom Fach«, unterbrach Heppner den Kollegen. »Stromkilometer 788,5 – was heißt das im Klartext?«

PHK Sielmann lächelte milde. Offenbar war er diese Art von Dilettantismus von den Landratten-Kollegen gewohnt. »Das ist in Höhe der Einmündung der Alten Emscher, also im Duisburger Norden in der Nähe des Hamborner Industriegeländes. Wir haben da etwas Helles im Wasser gesehen und sahen nach. Als wir feststellten, dass es sich um einen menschlichen Körper handelt, haben wir die Gig zu Wasser gelassen und den Körper geborgen. Wir sind dabei vorsichtig vorgegangen, um keine eigenen Spuren zu hinterlassen.«

Bevor Heppner auch nur Anlauf dazu genommen hatte, nahm PHK Sielmann seine Frage vorweg: »Der Körper befindet sich noch an Bord. Er liegt auf dem Vorschiff. Damit meine ich, da vorne in Richtung Bug.« Und er zeigte in die entsprechende Richtung.

Nachdem Heppner die schützende Plane zurückgeschlagen hatte, sah er einen aufgedunsen wirkenden Leichnam vor sich liegen. Über das Geschlecht konnte kein Zweifel bestehen, denn der Tote war nackt. Dennoch wirkten seine Genitalien merkwürdig deformiert.

»Fischfraß?«, fragte er Sielmann, doch dessen Widerspruch kam sofort und aus tiefster Überzeugung.

»Nee. Barsche hätten von den Genitalien gar nichts übrig gelassen. Und das sind auch keine Bisswunden, sondern es sieht so aus, als wär ihm der Schwanz geplatzt. Entschuldigung«, murmelte er. »Wir sehen so viele Wasserleichen, dass man sich eine furchtbare Schnodderigkeit angewöhnt.«

»Take it easy, Kollege. Geht uns doch genauso.« Heppner grinste Sielmann zu, der sich sichtlich entspannte. Sein Blick fiel auf schartige Verletzungen an einem Bein des Toten, und er wies Sielmann darauf hin.

»Könnten vielleicht von einer Schiffsschraube stammen«, sagte dieser, »aber … Ich weiß nicht. Die Wunden sind zu gleichmäßig und viel zu klein für die Schraube eines Frachters. Ein Sportboot hätte den Muskel komplett durchtrennt. Nein, das muss was anderes gewesen sein.«

Trotz starken Widerwillens begann Heppner damit, die Leiche abzutasten. Das Fleisch war noch fest und löste sich noch nicht von den Knochen, was auf eine relativ kurze Liegezeit im Wasser schließen ließ. Der Bauchbereich war hart und aufgebläht. Nicht überraschend bei einer Wasserleiche, die lange unter Wasser gelegen hatte und durch die Darmgase wieder an die Oberfläche gestiegen war. Dafür war die Leiche aber noch zu frisch.

Merkwürdig, dachte Heppner und tastete die Leiche weiter ab, bis er zu den Rippen kam. Entsetzt hielt er inne. Während sich auf der Haut des Brustkorbs nur schwache dunkle Spuren von Gewalteinwirkung zeigten, hatte irgendeine furchtbare Kraft die Rippen des Mannes in Mus verwandelt. Heppner trat einen Schritt zurück, und jetzt bemerkte er die unnatürlichen Stellungen von Unterarmen und Fingern.

»Mann, hat dieser Bursche überhaupt noch einen heilen Knochen im Leib? Sieh dir das an, Thomas. Waren das Schiffsschrauben, oder hat er sich die Verletzungen zugezogen, als der Körper über Grund schleifte?«

Erneut schüttelte sein Kollege den Kopf. »Keinesfalls! An der Haut sehe ich keine offenen Verletzungen, wie sie vom Schotter auf Grund verursacht worden wären. Keine Chance. Das war massive äußere Gewalt. Ob ante oder post mortem, das wird uns nur ein Rechtsmediziner sagen können.«

Heppner nickte nachdenklich und sah dem Toten zum ersten Mal direkt ins Gesicht. Was er sah, ließ ihn die Brille abnehmen, die Augen reiben und nochmals genauer hinsehen. Tatsächlich, er war es. Obwohl er durch das Liegen im Wasser etwas aufgedunsen war und das ansonsten sorgfältig gescheitelte Haar jetzt platt an seinem Kopf klebte, ließen die markante Nase und die breite Narbe auf seinem rechten Jochbein, die von seiner Mitgliedschaft in einer schlagenden Studentenverbindung stammte, keinen Zweifel zu. Heppner hatte sein Bild in den letzten drei Wochen oft genug gesehen, und so griff er zum Handy und rief Helmut Schiller an.

»Trommle alles zusammen, was Beine hat, Helmut. Schick die Gesellschaft für Leichenwesen her und lass schon mal alles für eine Autopsie vorbereiten. Ja, heute, Helmut. Benachrichtige Professor Kürten vom Rechtsmedizinischen Institut; der wartet nur auf solche Anrufe. Und: Ist noch jemand von der Soko François im Haus? Dann verbinde mich mal mit ihnen.«

Nur wenige Sekunden später hatte Heppner seinen Kollegen Detlef Schall in der Leitung. »Hallo, Detlef«, flötete er zuckersüß in den Apparat, »soviel ich weiß, sucht ihr immer noch den Vorsitzenden der KMP?«

»Na klar, du Blödmann. Würde ich mir sonst das Wochenende versauen?«

»Tja, dann habe ich eine gute und eine schlechte Nachricht für dich«, sagte Heppner und blickte auf den Toten zu seinen Füßen. »Die gute ist: WSP1 hat ihn gerade gefunden. Und die schlechte, dass er mit Sicherheit nicht freiwillig nackt in den Rhein gesprungen ist, nachdem man ihm alle Knochen gebrochen hatte.«

ZWEI

Dreißig Minuten später hatte die Gesellschaft für Leichenwesen, im Dienstjargon kurzerhand zu »der Gesellschaft« abgekürzt, die sterblichen Überreste von François Kollmann abgeholt und zur Pathologie der Uniklinik Düsseldorf transportiert, wo die Autopsie stattfinden sollte. Heppner fuhr gleich hinterher, da bei einer Sectio, so der Fachbegriff, ein Polizeibeamter als Zeuge anwesend sein musste. Der Weg nach Düsseldorf ließ ihm Zeit, sich die Informationen über Kollmanns Verschwinden ins Gedächtnis zu rufen.

François Kollmann war einundsechzig Jahre alt und mit dem Tod seines älteren Bruders vor knapp zehn Jahren Vorstandsvorsitzender der KMPAG geworden. Das Kürzel stand für »Kollmann Martial Projects«, was unschwer darauf schließen ließ, dass er sein Geld mit der Produktion und dem Verkauf von Kriegswaffen verdiente. Dies brachte ihm natürlich etliche Feinde ein, insbesondere seitdem er in einem Fernsehinterview vor einem Jahr den Film »Lord of War« mit Nicolas Cage als seinen Lieblingsfilm bezeichnet hatte. Kurz darauf hatte es einen Vorfall gegeben, als eine Friedensaktivistin ihn mit einem Blutbeutel attackiert hatte. Trotzdem wagte Heppner zu bezweifeln, dass Menschen, die den Frieden als höchstes zu schützendes Gut betrachteten, plötzlich zu skrupellosen Folterknechten wurden.

Kollmann war geschieden und hatte zwei mittlerweile erwachsene Kinder. Das Verhältnis zu seiner Exfrau und den Kindern schien jedoch miserabel zu sein, da sie sich nach seinem Verschwinden kategorisch weigerten, mit der Polizei zu kooperieren und Informationen preiszugeben, die für eine Suche hätten verwendet werden können. »Wir wollen nichts mehr mit ihm zu tun haben« lautete die einhellige Antwort. Danach hatten sie die Verbindung abgebrochen.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wurde seither sogar die Telekommunikation von Sylvia, Carsten und Carolin Dahms – sie hatten nach der Scheidung den Mädchennamen der Mutter als Familiennamen gewählt – abgehört, aber das einzige relevante Gespräch hatte zwei Tage nach der polizeilichen Kontaktaufnahme zwischen Bruder und Schwester stattgefunden. Carolin hatte ihren Bruder rundheraus gefragt, ob er etwas mit dem Verschwinden von »ihm« (sie nannte Kollmann nicht einmal mehr ihren Vater) zu tun habe. Carsten hatte dies energisch bestritten und geantwortet, wahrscheinlich habe er von jemand anderem das bekommen, was er seit Langem verdiene. Die Begeisterung, mit der Carolin die anschließenden Worte »Oh ja, das hoffe ich« ausstieß, ließ die Ermittler vermuten, dass innerhalb der Familie etwas Gravierendes vorgefallen war. Für sie war es daher nicht überraschend gewesen, dass die Vermisstenanzeige am 19.12.2012 vom Sozius der KMP erstattet worden war.

Kollmann war am Vortag zuletzt lebend gesehen worden. Sein Butler Graham Jeffries erklärte, dass »der gnädige Herr« wie jeden dritten Dienstag im Monat zu einer Herrenrunde gefahren sei, welche sich pünktlich um achtzehn Uhr treffe. Wo, wusste er nicht, und er konnte auch nicht sagen, wer noch zu dieser Herrenrunde gehörte. Zumindest den Treffpunkt, das Hotel Van der Valk in Moers, bekamen die Fahnder durch den Hinweis der Hotelangestellten Stephanie van Polter heraus. Ihr war zwar bekannt, dass sich dort des Öfteren mehrere gut situierte Herren trafen, und eine Lichtbildvorlage ergab, dass Kollmann einer davon war, aber die Namen der anderen Männer kannte sie nicht, weil sich die Männer nur kurz im Hotel trafen und einen Kaffee tranken und danach mit unbekanntem Ziel weiterfuhren.

An jenem Dienstag sei Kollmann nicht eingetroffen. Die Männer hätten zwar versucht, ihn anzurufen, seien dann aber ohne ihn aufgebrochen. Stephanie van Polter war sich sicher, dass einer der Männer gesagt hatte: »Wo bleibt denn Kollmann? Frag doch mal, wo er steckt.« Durch die Fahndungsaufrufe im Fernsehen habe sie Kollmann erkannt und sofort die Polizei gerufen. Sie sei sich sicher, dass sich Kollmann immer mit genau vier Freunden getroffen hatte, wusste aber eben keinen einzigen Namen.

Die Spur schien also in einer Sackgasse zu enden. Die einzige einigermaßen sichere Erkenntnis war, dass Kollmann auf dem Weg zu dieser Herrenrunde abgefangen worden sein musste. Auch von seinem Auto, einem silberfarbenen Jaguar XJ, fehlte bislang jede Spur.

Stutzig hatte die Ermittlungskommission (kurz: EK) gemacht, dass auf Kollmanns Handy kein eingehender Anruf am Abend des 18.12.2012 zu verzeichnen gewesen war. Auch der Butler wusste von keinem eingehenden Anruf zu berichten. Stephanie van Polter blieb aber unbeirrbar dabei, dass zumindest zwei der Männer versucht hätten, Kollmann per Handy zu erreichen. Während ihrer Aussage schilderte sie ein Detail, das sie zusätzlich stutzig machte.

»Die beiden Männer, die telefoniert haben, benutzten das gleiche Handy. Nein, nicht dasselbe; es waren schon zwei Telefone, aber absolut identische Geräte. Und soll ich Ihnen mal was sagen? Das waren Billigteile, wie man sie in so Prepaidpaketen gratis dazubekommt. Ich bitte Sie! Die Kerle sahen aus wie Geschäftsleute, und dann benutzen sie keine Smartphones? Irgendwie kamen die mir komisch vor.«

Das gleiche Gefühl hatte auch die Fahnder beschlichen. Aber warum sollte François Kollmann ein Zweittelefon benutzen? Es blieb nur die Erklärung, dass er darüber irgendwelche Aktivitäten und Kontakte pflegte, bei denen er seine Identität verschleiern wollte. Aber wieso wurde dann sein Name im Klartext genannt? Die Ermittler hatten sich vorgenommen, Kollmann nach seinem Auftauchen danach zu fragen. Das hatte sich nun erledigt.

Heppner seufzte und hielt vor dem Gebäude der Uniklinik Düsseldorf, das auch das Institut für Rechtsmedizin beherbergte. Er kannte den Weg auswendig, und der müde dreinblickende Pförtner, der ihn vom Sehen her kannte, winkte ihn nach einem flüchtigen Blick auf seinen Dienstausweis durch. »Der Professor und sein Stab sind schon oben und warten auf Sie«, murmelte er gelangweilt. »Ich hoffe nur, es ist wirklich wichtig. Sonntags hat der Professor nämlich Bridgetag.« Ein echter Temperamentsbolzen, dachte Heppner. Fast schon so tot wie die Leute, die hier angeliefert werden.

»Ah, Herr Heppner, wenn ich mich nicht irre. Schön, gerade Sie hier zu sehen. Sie kotzen mir wenigstens nicht den Sektionssaal voll.« Professor Kürten, der sich keineswegs frustriert wegen seines verpassten Kartenspiels zeigte, schüttelte Heppner die Hand, bevor sie sich die sterile OP-Kleidung, Mundschutz und Einweghandschuhe überstreiften.

Der Rechtsmediziner begann seine Untersuchung zunächst mit einem kompletten Röntgenscan des Körpers, dessen Ergebnis ihn unwillkürlich durch die Zähne pfeifen ließ. »Donnerwetter! Wenn ich jetzt von ›multiplen Frakturen‹ sprechen würde, wäre es die Untertreibung des Jahres. Schauen Sie sich das mal an!«

Heppner winkte ab. »Ich habe nach dem Auffinden einen Tastbefund durchgeführt. Die Frakturen sind für mich also keine Überraschung. Was mich interessiert, ist die Antwort auf die Frage, ob die Verletzungen vor oder nach seinem Tod entstanden sind.«

»Mich auch«, murmelte Professor Kürten. »Das wird eine größere Aufgabe.«

Bei der nun folgenden blutigen Arbeit blockte Heppner die visuellen Eindrücke mittels einer unsichtbaren Wand ab. Nur so konnte er verhindern, dass der immer unappetitlichere Anblick ihm den Magen umdrehte. Nach fast dreieinhalb Stunden wandte sich Professor Kürten vom Sektionstisch ab und zog die Handschuhe aus, die er zusammenknüllte und zusammen mit dem Mundschutz in einen Sammelbehälter für kontaminierten Abfall warf. Er hatte den Oberkörper Kollmanns komplett aufgeschnitten und die Organe wie das Gehirn entnommen, um sie separat zu untersuchen. Das KK11 witzelte immer darüber, dass alle Organe später in die Bauchhöhle gepackt wurden, wodurch der Spruch »Er hat mehr Hirn im Bauch als im Kopf« nicht nur für manche Leute galt, die eine Fliege verschluckt hatten. Jetzt seufzte Professor Kürten und schloss die Augen, bevor er zu sprechen begann.

»Ich habe keine Ahnung, was dieser Bursche jemandem angetan hat, aber was er in den letzten Stunden seines Lebens erdulden musste, gönne ich nicht mal meinem ärgsten Feind. Man hat ihm Finger, Unterarme, Schlüsselbeine und nahezu alle Rippen gebrochen und die Knie zertrümmert. Darüber hinaus hat man seinen Penis und die Hoden buchstäblich zu Brei geschlagen. Selbst wenn er die Torturen überlebt hätte, wäre er anschließend ein Eunuch gewesen, aber ein Überleben war vom Täter oder von den Tätern offensichtlich ohnehin nicht geplant. Ja, die Verletzungen sind ihm vor seinem Tod zugefügt worden, und nach meiner Untersuchung war die massive Gewalt auf seine Rippen letztendlich todesursächlich. Ein Fragment einer zerschlagenen Rippe hat sich in die Lunge gebohrt und die Lungenarterie verletzt. Darüber hinaus habe ich einen Riss der Leber festgestellt, der mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls durch stumpfe Gewalteinwirkung verursacht wurde. Unmittelbare Todesursache war inneres Verbluten.«

Der Professor sah Heppner an. »Wahrscheinlich ist Ihnen beim Abtasten der harte Bauch aufgefallen.« Als der Polizist nickte, fuhr er fort. »Alle Verletzungen, die ich feststellen konnte, waren die Folge stumpfer Gewalt, und zwar mittels eines harten, glatten Gegenstandes. Der Mann ist systematisch totgeschlagen, also buchstäblich zu Tode gefoltert worden. Ich habe so etwas noch nicht gesehen. Im Übrigen habe ich weder unter seinen Fingernägeln noch sonst wo an seinem Körper Fremd-DNA gefunden. Nur unter dem Nagel seines rechten Zeigefingers befand sich eine Substanz, die ich als ganz gewöhnlichen Dreck einschätze. Der Rest ist wohl vom Rheinwasser weggewaschen worden. Die Probe wird noch untersucht.«

»Was für ein Werkzeug ist verwendet worden, Herr Professor? Möglicherweise ein Holzknüppel oder ein Metallrohr?«

Der Rechtsmediziner zuckte die Schultern. »Kann ich derzeit noch nicht sagen. Ich habe einige Schnitte gemacht und präpariert, um feingewebliche Untersuchungen durchführen zu können, aber ich gehe nicht von einem runden Werkzeug aus. Insbesondere die Verletzungen des Penis sprechen eher für ein Werkzeug mit einer glatten Schlagfläche.«

»Meinen Sie einen Hammer? Herr Professor, sind Sie wirklich der Meinung, dass der Mann mit einem Hammer gefoltert wurde?« Heppner stockte angesichts von Marions Erfahrungen mit einem solchen Werkzeug der Atem.

»Wir sprechen im Moment noch off the records, Herr Heppner. Ein abschließendes Statement erhalten Sie und Ihre Kollegen, wenn ich meinen offiziellen Bericht vorlege, und das wird ein paar Tage dauern, auch wenn Ihnen angesichts der Identität des Toten die Presse im Nacken sitzt.« Er lachte leise. »Ja, ich weiß, wen ich da gerade obduziert habe. Auch ich lese Zeitungen. Aber ob François Kollmann, der Papst oder Lieschen Müller auf meinem Tisch liegt, macht für mich keinen Unterschied. Im Tod sind sie alle gleich. Bei uns geht bekanntermaßen Genauigkeit vor Schnelligkeit. Wenn Sie aber einen Schuss ins Blaue gestatten: Ein Maurerfäustel wäre genau das Werkzeug, das die Spurenlage erklären würde. Aber bitte zitieren Sie mich noch nicht.«

Das Klingeln von Heppners Handy verhinderte eine Fortsetzung des Gesprächs. Detlef Schall befand sich in einem für ihn untypischen Zustand: Er war in heller Aufregung.

»Mensch, Klaus, gut, dass du drangehst. Kannst du mir schon irgendwelche Einzelheiten berichten? Du hast keine Ahnung, was hier los ist. Irgendjemand, wahrscheinlich ein Besatzungsmitglied von WSP1, hat der Presse gesteckt, dass die Leiche von Kollmann aufgefunden wurde, und seitdem ist hier am Präsidium der Belagerungszustand ausgebrochen. Keiner kommt mehr ins PP rein, ohne dass ihm mindestens fünf Mikrofone unter und ebenso viele Kameras vor die Nase gehalten werden. Ist fast noch schlimmer als bei der Loveparade 2010.«

»Logisch«, meinte Heppner sarkastisch, »da waren es zwar einundzwanzig Tote, aber es war kein Promi darunter. Es geht doch nur um die Auflagenhöhe. So ist die Journaille nun mal.«

Heppner wusste, wovon er redete. Vor drei Jahren war er das Ziel der Pressehyänen gewesen, nachdem er gegen einen Kollegen wegen mehrfachen Mordes ermittelt hatte und der vom Vater eines der Opfer vor dem Duisburger Gericht erschossen worden war. Da Heppner den Täter über die Vorführung informiert hatte, wenn auch auf Anweisung seines damaligen Chefs, prägte eine große Boulevardzeitung für ihn den Namen »Killer-Cop«. Erst eine einstweilige Verfügung des Gerichts und seine anschließende erfolgreiche Klage gegen einen Reporter, der trotzdem den Begriff benutzt hatte, brachte die Meute zum Schweigen. Das eingeklagte Geld steckte jetzt in seinem Haus und in einem Solidarfonds des Sozialwerks der Polizei, der sich um die Hinterbliebenen im Dienst getöteter Kollegen kümmerte. »Seit der Zahlung lese ich die Artikel des verurteilten Journalisten doppelt so gern«, meinte Heppner stets.

»Nur für dich, Detlef: Es war Mord. Einzelheiten verrate ich dir später, aber es ist reichlich unappetitlich. Fotos des Toten zur endgültigen Identifizierung bringe ich gleich mit, aber eigentlich besteht kein Zweifel. Neben dem Schmiss im Gesicht haben wir noch zwei weitere charakteristische Narben gefunden, die uns der Butler beschrieben hat. Es ist Kollmann, da besteht kein Zweifel. Halte die Presse hin, Detlef. Ruf unsere Pressestelle an und lass eine Pressekonferenz einberufen, bei der wir ihnen ein paar Informationen geben können.«

»Ist gut, ich tue, was ich kann. Beeil dich aber.« Schall beendete das Gespräch abrupt, und Heppner konnte nachempfinden, wie er sich fühlte.

»Wir wurden gerade unterbrochen, Herr Heppner«, vernahm der Angesprochene die Stimme von Professor Kürten hinter sich. »Es gibt da noch ein paar Sachen, die mir merkwürdig vorkamen. Ich habe bei der Absuche der Haut einen Einstich auf der linken Halsseite gefunden, wie er von einer Injektionsnadel stammen könnte. Ich habe auch davon ein Präparat angelegt und kann Ihnen morgen oder übermorgen Genaueres sagen. Und er hatte Wasser in der Lunge. Nein, bevor Sie mich fragen: Es war kein Rheinwasser. Als er in den Fluss fiel, war er sicherlich bereits tot, aber vorher ist Wasser in seine Lunge gelangt, und zwar nicht zu wenig. Wenn Sie mich fragen: Angesichts der anderen Folterspuren sollte man von Waterboarding ausgehen. Die Verletzung am rechten Unterschenkel konnte ich zunächst nicht zuordnen, bis ich mich an einen Vortrag von Professor Springer erinnert habe. Er hat derartige Verletzungen bei Jägern beobachtet, die in ihre eigenen Fallen gelaufen sind. Wären wir in Sibirien, würde ich sagen, dass der Mann in eine Bärenfalle getreten ist. Es gibt kein anderes Instrument, das eine solche Spurenlage verursacht.«

Heppner dankte Professor Kürten und amüsierte sich zum wiederholten Mal, dass der Leiter der Rechtsmedizin den Familiennamen des bekanntesten Serienmörders aus Düsseldorf trug. Peter Kürten war 1931 wegen neunfachen Mordes und sieben Mordversuchen zum Tode verurteilt und hingerichtet worden. Motiv seines Handelns war die reine Lust am Töten gewesen, durch die Kürten sexuell stimuliert wurde. Fritz Lang verfilmte das Ganze später unter dem Titel »M – Eine Stadt sucht einen Mörder«. Dort ging es zwar um Kindermorde, aber Heppner hatte es immer beeindruckend gefunden, dass die »ehrlichen Gauner« den von Peter Lorre genial gespielten Killer selbst jagten, vor Gericht stellten und dieser nur durch die eintreffende Polizei vor dem Lynchmord gerettet werden konnte.

Als der Polizist die Rechtsmedizin verließ, setzte ein eisiger Nieselregen ein. Ein ganz toller Winter, dachte er verdrossen. Nicht mal für richtigen Schnee reicht es. Den bekommen wir wahrscheinlich erst zu Ostern. Oder im Juni. Nein, unser Klima hat sich nicht verändert. Das ist alles eine Sinnestäuschung. Heppner schabte fluchend den gefrierenden Regen von seiner Windschutzscheibe und fuhr vorsichtig wieder zum Duisburger Präsidium.

Detlef Schall hatte nicht übertrieben. Es war schwierig, sich zwischen den ganzen Journalisten einen Weg in den Hof des Präsidiums zu bahnen, und Heppner dankte Gott, als sich das stählerne Rolltor hinter ihm senkte und die Meute ausschloss, ohne dass er zu einem Statement gezwungen gewesen wäre.

Die EK François war komplett im großen Besprechungsraum des KK11 versammelt. Detlef Schall, der sie leitete, sah müde und frustriert aus. Natürlich hatte er bis zuletzt gehofft, es mit einer Entführung zu tun zu haben, aber diese Hoffnung war mit jedem Tag, an dem eine Lösegeldforderung ausblieb, etwas mehr geschwunden. Jetzt hatten die Ermittler die traurige Gewissheit.

Der Einfachheit halber war die EK in eine MK, also eine Mordkommission, umgewandelt worden. Das hatte den großen Vorteil, dass man kein zusätzliches Personal von anderen Aufgaben abziehen musste. Mit einer Ausnahme – KHK Klaus Heppner. Er nahm sich also einen Kaffee und setzte sich auf einen freien Stuhl.

»Klaus wird uns ab sofort unterstützen. Wie allen bekannt ist, wurde François Kollmann heute tot aus dem Rhein gefischt. Zu den näheren Umständen seines Todes wird uns Klaus gleich das vorläufige Obduktionsergebnis mitteilen.« Detlef Schall nickte ihm aufmunternd zu, und Heppner berichtete über die Ereignisse der letzten Stunden.

»Es steht somit fest, dass wir es mit einem oder mehreren Tätern zu tun haben, die vor nichts zurückschrecken«, zog er ein Fazit. »Wir haben keine Ahnung, was hinter dem Mord steckt oder wer, wissen nicht, wie sich die Täter Kollmanns bemächtigt haben und wo er gestorben ist. Kurz gesagt: Wir stehen völlig am Anfang. Das Schlimme ist, dass niemand, der uns helfen könnte, uns helfen will, und umgekehrt.«

»Und ich habe die verdammte Aufgabe, gleich bei der Pressekonferenz Halbwahrheiten zu verkaufen«, sagte Schall. »Na schön, dann werde ich halt das übliche Blabla von mir geben, von wegen ›Wir bitten die Öffentlichkeit um Mithilfe‹ und so weiter. Na gut. Für heute Abend ist erst mal Feierabend, da wir –« Weiter kam er nicht. Helmut Schiller stürmte durch die Tür und wedelte mit einem Blatt Papier.

»Vielleicht bringt das hier etwas Drive in eure Ermittlungen. Die Kollegen aus Köln haben bei Porz einen silbernen Jaguar XJ aus dem Rhein gefischt. Fragt mich nicht, was und wieso sie ausgerechnet dort gesucht haben, aber sie haben Kollmanns Auto gefunden. Der Wagen wurde gehoben und steht jetzt auf dem Sicherstellungsgelände des Kölner Vertragsunternehmens.«

Ede Vollstraß hatte Bereitschaft beim Erkennungsdienst, und zusammen mit Peter Elgert fuhr er nach Köln, um das Wrack zu untersuchen. »Viel verspreche ich mir davon ja nicht«, murmelte Detlef Schall. »Das Wasser dürfte die meisten Spuren beseitigt haben. Na ja, wer es nicht versucht, hat schon verloren. Alle anderen gehen für heute nach Hause. Morgen werden wir uns die Personen aus Kollmanns Haushalt, die wenig trauernde Witwe und die Kinder Kollmanns noch mal vornehmen. Jetzt haben wir es schließlich mit Mord zu tun, und da werden sie reden müssen.«

»Warum sollten sie, Detlef?«, warf Heppner ein. »Wenn es irgendeine Missbrauchsgeschichte sein sollte, haben sie eher die Schwierigkeit, es sich selbst gegenüber einzugestehen. Da hilft der Tod des Vaters auch nicht. Hatten wir denn irgendwelche Anhaltspunkte in dieser Hinsicht?«

»Keine Spur«, knurrte Schall verdrossen. »Als ich sie gerade über den Tod Kollmanns informiert habe, schienen sie fast erleichtert und haben ihr Kommen für morgen früh zugesagt. Das mit dem Missbrauch ist ja auch nur eine Vermutung aufgrund des Verhaltens der Kinder.«

»Vielleicht haben die beiden auch nur zum Geburtstag kein Pony bekommen, sondern stattdessen einen Zwerghasen«, spöttelte Tom Hermanns in seiner altbewährten Art.

»Und deshalb lässt die Frau sich scheiden«, sagte Willi Beugen, der neben Hermanns saß, und schüttelte den Kopf.

Der grinste nur. »Auch da könnte es tierische Probleme gegeben haben – falls er ihr eine Kaninchenjacke statt einem Nerz geschenkt hat – und der Sekretärin einen Zobel.«

»Hört auf zu spekulieren und haltet euch an die Fakten«, grollte Detlef Schall. »Morgen früh ziehen wir alle Kontaktpersonen von Kollmann an Land. Entschuldigt das makabre Wortspiel. Willi, Tom und Hanna, ihr kümmert euch um die Exfrau und die Kids, und Klaus wird sich Kollmanns Stellvertreter vornehmen. Vielleicht kann der Bursche seinen Angaben zu Drohungen gegen Kollmann und die KMP ja noch was hinzufügen. Peter kann sich noch mal mit dem Butler unterhalten.«

»Und er sollte ihn fragen, ob es unter den Hausangestellten einen Gärtner gibt«, ließ sich Tom Hermanns nochmals vernehmen. »Schließlich sang schon Reinhard Mey davon. ›Der Mörder ist immer –‹«

»Raus mit dir!«, brüllte Schall lachend, und Tom Hermanns verabschiedete sich feixend in den Feierabend.

»Der bringt mich noch mal um«, sagte Schall kopfschüttelnd.

»Mag sein, aber sich totzulachen ist doch ein schöner Tod«, versetzte Heppner.

Während die anderen nach Hause fuhren, brachte Detlef Schall seinen Kollegen bezüglich der Drohungen gegen Kollmann auf Ballhöhe. Der Stellvertreter Kollmanns hatte der Polizei nach dessen Verschwinden einen Ordner mit Drohbriefen und -mails ausgehändigt, die zeigten, dass Kollmann etlichen Anfeindungen ausgesetzt gewesen war. Das meiste stammte von fanatischen Feinden der Waffenlobby, und es zeigte sich, dass die Drohungen ein imposantes Ausmaß angenommen hatten, nachdem die KMP im letzten Herbst einen spektakulären Waffendeal abgeschlossen hatte.

Kollmann war mit dem Verteidigungsminister nach Bagdad gereist und hatte bei seiner Rückkehr einen Vertrag im Gepäck, welcher der KMP das Monopol auf die Ausrüstung der irakischen Armee mit Panzerspähwagen einräumte und ein Volumen von zweihundert Millionen Euro hatte. Nicht schlecht, Herr Specht, dachte Heppner. Zu der Zeit war der Irak ja gerade kein Krisengebiet. Aber wie sagte man so schön: Wenn der Export von Kriegswaffen in Krisengebiete verboten ist, definieren wir den Begriff »Krisengebiet« einfach so lange neu, bis es passt. Irgendwann freut sich sicher auch mal Nordkorea über eine Neudefinition. Hauptsache, die Wirtschaft floriert. Dass unsere Soldaten auf Auslandsmissionen dann irgendwann in die Mündung einer Waffe »Made in Germany« gucken, ist dann eher zweitrangig.

Kollmann hatte diese Drohungen keineswegs ernst genommen und die Ausdrucke der Mails mit zynischen Randnotizen versehen. So lästerte er darüber, dass es eigentlich ein Widerspruch in sich sei, von »militanten Kriegsgegnern« zu sprechen. Frauen bezeichnete er grundsätzlich als »Tussen« und Menschen, die ihn zum Komplizen afrikanischer Warlords ernannten, als »Sozialromantiker«.

»Ein echtes Schätzchen, dieser Kollmann«, murmelte Heppner, und Schall nickte. »Der größte Hammer ist aber, dass Kollmann kurz nach dem Irak-Deal das Bundesverdienstkreuz verliehen wurde, und zwar für seine Verdienste um die internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit. Weißt du was? Wenn ich aus irgendeinem Grund mal so’n Ding bekommen sollte, lehne ich es glatt ab. Ich wäre einfach in zu schlechter Gesellschaft.«

»Die Gefahr, dass einer von uns diesen Orden erhält, ist aber mehr als gering«, tröstete ihn sein Kollege. »Da kommst du schon nicht in die Verlegenheit, die hohe Politik zu brüskieren.« Dann stutzte Heppner plötzlich.

»Moment mal, was ist das?« Er hielt ein Blatt in der Hand, dessen Inhalt nicht so recht zu den üblichen Drohungen zu passen schien. »Hör mal her, Detlef«, sagte Heppner und las dann vor:

»Weißt du, was du den Kindern angetan hast? Wie viele sind deinetwegen tot, verkrüppelt oder traumatisiert? Wenn du ein Gewissen hättest, müsstest du ihre Gesichter jede Nacht im Traum vor dir sehen und schreiend aufwachen, aber du sonnst dich in deinem Ruhm. Eines Tages wird jemand vor dir stehen und Rechenschaft fordern, und ich hoffe, dabei zu sein und zu sehen, wie deine Knochen bersten und deine Genitalien und Eingeweide zu Brei werden. Dann wirst du schreiend sterben und für deine Sünden zur Hölle fahren. Wenn ich dich dabei begleiten muss, ist das ein Preis, den ich zu zahlen bereit bin. Warte auf mich, Kollmann. Gezeichnet: V«

Heppner sah Detlef Schall an. »Den Brief hat er nicht kommentiert«, stellte er trocken fest. »Kein Spott, kein Hohn, gar nichts. Aufschlussreich. Habt ihr herausbekommen, worauf sich der Hinweis mit den Kindern bezieht?«

Schall nickte. »Das war noch das Einfachste. Die KMP hat vor Jahren für einen afrikanischen Staat Landminen hergestellt – trotz internationaler Ächtung. Die dortigen Machthaber gerieten bei einer Revolte unter Druck und haben die Minen ausgelegt – genau in den Weg der anstürmenden Kindersoldaten. Grotesk fand ich, dass Kollmann sein Beileid aussprach und zwei Millionen an Hilfsorganisationen spendete, die das Leid der Überlebenden zu lindern versuchten. Ha! Mit dem Waffendeal hatte er hundertfünfzig Millionen verdient.« Detlef schnaubte verächtlich.

»Das ›V‹ ist wahrscheinlich ein Zitat aus dem Film ›V wie Vendetta‹, oder?«

»Das hatten wir auch vermutet«, bestätigte der Kommissionsleiter. »Wir haben das Ganze zunächst als üble Drohung eines Filmfans abgetan, aber jetzt … Bleibt nur zu hoffen, dass sich – wenn er unser Täter ist – sein Rachedurst nur auf Kollmann gerichtet hat und wir nicht den gesamten Vorstand der KMP rund um die Uhr beschützen müssen.«

Je mehr die Beamten Einblick in das Leben und Wirken Kollmanns erhielten, desto geringer wurde ihr Mitleid mit ihm. Jetzt verstanden sie auch, warum sich Frau und Kinder von ihm abgewandt hatten.

Trotz der spannenden Lektüre musste Heppner gähnen, und ein Blick auf die Uhr verriet ihm, dass es wenige Minuten vor Mitternacht war. Detlef Schall und er verließen in stillschweigendem Einverständnis das Präsidium und fuhren heim.