Rednecks - Mario Steinmetz - E-Book

Rednecks E-Book

Mario Steinmetz

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Beschreibung

Aus meinen toten, leeren Augenhöhlen werden keine Skorpione kriechen... Eine Bande knallharter Redneck-Biker plant den ganz großen Deal mit einem mexikanischen Kartell. Da kommt ihnen der verwahrloste Trailerpark ›Grab the Pussy‹ gerade recht. Abgelegen, inmitten der glühend heißen Wüste New Mexicos, schert sich kein Schwein darum, was dort geschieht. Abgesehen von den Freiern, die bei den Porno Pussys zum schnellen Schuss kommen. Es dauert nicht lange, bis sich Pussys und Biker nicht nur in der Horizontalen in die Quere kommen. Doch da ist noch mehr, was zwischen den wurmstichigen Trailern lauert. Eine finstere Macht, uralt und göttlich, wartet darauf, entfesselt zu werden... Wenn sich der Himmel über der Wüste New Mexicos verfinstert, ist sie nicht mehr weit…

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Veröffentlichungsjahr: 2023

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Ähnliche


REDRUM

 

 

 

 

 

 

 

Rednecks

1. Auflage

(Deutsche Erstausgabe)

Copyright © 2019 dieser Ausgabe bei

REDRUM BOOKS, Berlin

Verleger: Michael Merhi

Lektorat: Stefanie Maucher

Korrektorat: Jasmin Kraft / Silvia Vogt

Umschlaggestaltung und Konzeption:

MIMO GRAPHICS unter Verwendung einer Illustration von Shutterstock

 

ISBN: 978-3-95957-848-6

 

E-Mail: [email protected]

www.redrum-verlag.de

 

 

YouTube: Michael Merhi Books

Facebook-Seite: REDRUM BOOKS

Facebook-Gruppe:

REDRUM BOOKS - Nichts für Pussys!

 

RedneckS

M.H. Steinmetz

Faye Hell

 

Zum Buch:

 

Aus meinen toten, leeren Augenhöhlen werden keine Skorpione kriechen ...

 

Eine Bande knallharter Redneck-Biker plant den ganz großen Deal mit einem mexikanischen Kartell. Da kommt ihnen der verwahrloste Trailerpark ›Grab the Pussy‹ gerade recht. Abgelegen, inmitten der glühend heißen Wüste New Mexicos, schert sich kein Schwein darum, was dort geschieht. Abgesehen von den Freiern, die bei den Porno Pussys zum schnellen Schuss kommen.

Es dauert nicht lange, bis sich Pussys und Biker nicht nur in der Horizontalen in die Quere kommen. Doch da ist noch mehr, was zwischen den wurmstichigen Trailern lauert. Eine finstere Macht, uralt und göttlich, wartet darauf, entfesselt zu werden ...

 

Wenn sich der Himmel über der Wüste New Mexicos verfinstert, ist sie nicht mehr weit…

 

Zu den Autoren:

 

Von Kindesbeinen an ist Faye Hell vom Bösen fasziniert. Seit 2007 ist sie Redakteurin des VIRUS Magazins. Dort verfasst sie vorrangig Rezensionen zu Horrorfilmen abseits des Mainstreams. In ihrer schriftstellerischen Arbeit verbindet die ehemalige Schauspielerin subtiles Grauen mit expliziter Gewalt und Obszönität.

 

M.H. Steinmetz lebt und arbeitet in Rheinland-Pfalz, wo er neben dem Schreiben mittelalterliches Reenactment betreibt. Man munkelt, dass seine zombiehaft-dämonische Inspiration einer Séance entspringt, bei der er einem Sukkubus begegnete, sein Faible für Backwood-Storys hingegen in den endlosen Weiten der Plains geboren wurde.

Die düsteren Romane und Geschichten der beiden Autoren wurden bisher in den unterschiedlichsten Verlagen veröffentlicht. Bei REDRUM lassen sie allerdings das erste Mal gemeinsam ihren grausamsten Fantasien freien Lauf. Unzensiert.

 

Inhalt

Prolog

Grab the Pussy

White Horses

Tell me your Secrets

El Asustin

GrenzGAEnger

Tough Kitty Milk Stout

Mamas Pussys

666

ein Mann unter Wasser

Angst

Auge um Auge

Der gekreuzigte Messias

Es GIBT keine Helden

Cocktails & Racheengel

Zimt-Schnecke

Deep Throat

Hail Mama

Chasing Rabbits

One Man Army

Monster

Kaffee

Día de los Muertos

Seelenfrieden

La Caterina

Requiem

Einen auf den Weg

Nachwort

Verlagsprogramm

 

 

RedneckS

M.H. Steinmetz

Faye Hell

HORROR

Prolog

Mitternacht. In der texanischen Wüste stand die Hitze wie zäher Brei in der Sommerluft, machte das Atmen zur Qual, trieb den Schweiß aus den Poren. El Paso flimmerte als heller Schein am Horizont. Die rote Leuchtreklame des Roadrunner Shortstop Motelsblinkte und erlosch schließlich ganz. Irgendwo bellte ein Hund.

Der Schlagring in Butchs Faust klatschte zum wiederholten Mal in die fleischige Masse, die das Gesicht des mexikanischen Motelangestellten gewesen war. Jeder der tätowierten Finger eine verdammte Botschaft.

F.E.A.R.

Fear!

»Mach’s Maul auf, Bohnenfresser!«

Auf den zerschlagenen Lippen bildeten sich rosa Bläschen, die zerplatzten, wenn der wimmernde Mann zu sprechen versuchte. In seinem Gesicht öffnete sich ein rot blutendes Loch, das eher an einen Anus, als an einen Mund erinnerte. Zwischen den vom Kautabak braun verfärbten Zähnen hing das Fleisch seiner Lippen. Die Schneidezähne endeten in abgebrochenen Stümpfen. Andere saßen nach Butchs einfühlsamer Behandlung locker im Kiefer, verneigten sich ehrfurchtsvoll vor dem nächsten Schlag.

»Fffucchtsschhhtt … Grräänzzsch«, blubberte das Sprechloch des kleinen dicklichen Angestellten, der, an einen Stuhl gefesselt, in der ranzigen Lobby des Roadrunner Shortstop Motels saß. Das braune Hemd mit dem Hotellogo, einem gelben Laufvogel, dessen Füße bremsend über etwas, das aussah wie Asphalt, rutschten und dabei Staub aufwirbelten, klebte schweiß- und blutgetränkt an seinem Körper. Es roch sauer wie seine Unterhose, die er eingenässt hatte. Die dunkelbraune Arbeitshose hing ihm an den Fußknöcheln, getränkt von einer Pfütze aus Pisse und Blut, die sich unter dem Stuhl gebildet hatte.

»Leck mich am Arsch«, knurrte Butch, zog sich den Schlagring von den Fingern und wischte ihn mit einem beigen Roadrunner Motel Handtuch sauber. Knackend streckte er seinen muskulösen Körper. Sich über den langen Bart streichend, schüttelte er resignierend den Kopf. »Der macht seine Fresse nicht auf und wenn doch, kommt nur Scheiße raus.«

»Nun ja, Chief«, feixte der sehnige Wayne, »hast ihn hart rangenommen.« Er fuhr seit fünf Jahren an Butchs Seite und wusste, dass die Gelassenheit des Chiefs der ›White Stars of South Texas‹ nur eine mühsam aufrecht erhaltene Maske war, die jeden Moment fallen konnte. Der Sergeant of Arms entblößte seine makellos weißen Zähne. »Ham ja noch die Mex im Hinterzimmer und die Crackschlampe in Zimmer 3, die sich hier häuslich niedergelassen hat.« Er wischte sich den Schweiß von den tätowierten, klar definierten Armen. »Einer wird schon was wissen!«

Butch zog sich einen Zigarillo aus der Weste, steckte ihn sich zwischen die Lippen und grinste, während Wayne ihm Feuer gab. »Hol die Fotze aus dem Hinterzimmer, zieh sie aus und lass sie vor dem Mex knien.«

Wayne machte sich auf den Weg. In der Tür drehte er sich ein letztes Mal um. »Was iss’n mit Bo, soll der mitkommen? Ich mein, der is’ hinten bei ihr.«

Butch nickte. »Soll er.« Er ging zur Rezeptionstheke, nahm sich die Whiskeyflasche aus der offen stehenden Schublade und schraubte die Kappe mit dem Daumen ab. Der goldgelbe Fusel schmeckte abscheulich und schlug ihm wie eine geballte Faust in den Magen. »Mexikanerdreck!« Einen Schwall leerte er dem Gefangenen ins Gesicht, der keuchend stöhnte.

Aus dem finsteren Loch, das ins Hinterzimmer führte, taumelte eine nackte Frau in die Rezeption. Sie schlug sich die Hände vors Gesicht und schickte ein Stoßgebet zum Himmel, als sie den Mexikaner auf dem Stuhl hocken sah.

Butch baute sich vor ihr auf. »Knie dich vor den Bohnenfresser und nimm seinen bepissten Schwanz in den Mund. So, wie du’s jeden beschissenen Tag machst, Tacobitch!«

Die Mexikanerin war zu drall für Butchs Geschmack und rasiert war sie auch nicht. In dem dichten Busch zwischen ihren Beinen glitzerte Schweiß. Zumindest hoffte er, dass es Schweiß war. Vom Alter her war sie etwas jünger als der gefesselte Mann. Ihr Blick wechselte von verzweifelt zu widerspenstig. »No, Señor! No!«

»Ich hatte gehofft, dass du das sagst«, knurrte Butch und hämmerte seine Faust ohne Vorwarnung in ihren Magen. Gurgelnd ging sie zu Boden, genau dorthin, wo Butch sie haben wollte.

»Was willst’n mit der Fotze anstellen?«, meldete sich Bo von der Tür aus zu Wort. Der spindeldürre Kerl mit dem Rattengesicht war hinter Wayne aus dem Zimmer getreten und wischte sich mit einem nassen Lappen die Hände ab. Sein verwaschenes Hemd stand offen und zeigte eine amateurhafte Madonna auf seinem Bauch. Eine Madonna, die einen riesenhaften haarigen Schwanz lutschte.

Wayne zuckte entschuldigend mit den Schultern. »Die war schon nackt, als ich reinkam, Chief.«

Butch sah Bo scharf an. Der dünne Kerl hatte sich nicht unter Kontrolle, wenn es aus fünf Meilen gegen den Wind nach Muschi roch. Und wenn’s eine unrasierte Tacomuschi war, war Bo nicht mehr zu bremsen. Dickliche, verschwitzte Frauen, das war genau Bos Ding. »Du willst sie ficken, Bo?«

»Nich’, wenn du Ansprüche anmeldest, Chief!« Bos Blick klebte auf dem Arsch der knienden Frau. Die Beule in seiner Jeans bestätigte Butchs Vermutung. Fahrig leckte sich Bo Sabber aus dem Mundwinkel.

»Sorg dafür, dass sie den Schwanz des Bohnenfressers lutscht, kannst sie dabei in ihren fetten Arsch ficken!«

Anstelle einer Antwort griff Bo der weinenden Frau ins schwarze Haar und stieß sie in den Schritt des gefesselten Mannes. »Mach’s Maul auf oder ich schneid dir die Lippen aus dem Gesicht und brech dir die Zähne raus, damit du’s doch tust!«

Butch wusste, dass dies keine leere Drohung war. Wenn eine Frau Bo eines ihrer Löcher verweigerte, schnitt er sich eben ein neues, wo es ihm gerade passte. Bo war das perverseste Schwein diesseits des Rio Grande, so viel stand fest.

Die Frau wimmerte leise, stammelte ein weiteres Gebet und öffnete ihre vollen, rot angemalten Lippen, um den schlaffen braunen Schwanz in den Mund zu nehmen. Bo grunzte und hob ihren Arsch, bis sie auf allen vieren dahockte. Es war verblüffend, wie schnell der dünne Kerl seine ölige Jeans unten hatte. Wayne gluckste, weil Bo keine Unterhose trug und man deutlich sehen konnte, wie lang er die Hose nicht mehr gewechselt hatte. Sein praller Schwanz war ebenso unrasiert wie der Schritt der Mexikanerin.

»Was für ’ne Drecksau«, murmelte Wayne und wandte sich angewidert ab.

Butch zog grinsend die mattschwarze Desert Eagle, lud sie durch und drückte der schluchzenden Frau das Mündungsloch an die Schläfe. »Fang an zu lutschen, Puta.« Und an den gefesselten Mann gerichtet. »Das Spiel geht folgendermaßen: Du wirst es geil finden, wenn die Schlampe dir den Mexschwanz bläst, während sie von Bo in den Arsch gefickt wird. Das machst du doch, Bo, oder?«

Bo grunzte, drückte mit beiden Händen ihre Arschbacken auseinander und stieß sein Becken nach vorn. Die Frau schrie erstickt auf, behielt den inzwischen angeschwollenen Schwanz dabei aber im Mund. »Oh ja, Chief, und wie ich das enge Loch ficke!«

Die Augen des Mexikaners weiteten sich. Schwer zu sagen, ob aus Geilheit oder Furcht. Butch nickte zufrieden. Er wusste, dass man in solchen Situationen schnell einen Ständer bekam. »Macht sie gut, nicht wahr? Also, du sagst mir, was ich wissen will, bevor du deine Ladung in ihren Mund schießt.« Er nahm die Dessert Eagle vom Kopf der arbeitenden Frau. Bos Lenden klatschten an ihren Hintern, lösten sich schmatzend. »Dann ist alles gut. Ihr überlebt. Oder …« Der Lauf der Waffe drückte erneut gegen ihre Schläfe. »… du spritzt ab, bevor du geredet hast. Ich bin unzufrieden, blase ihr den Kopf weg und schneide dir danach Schwanz und Eier ab, damit du jämmerlich verblutest.« Butchs Blick wurde kalt. »Also, wie entscheidest du dich?«

Eine Weile war nichts zu hören, bis auf das Klatschen von Haut auf Haut, die schmatzenden Sauggeräusche und Bos krächzendes Stöhnen.

»Zehn zu eins, dass er vorher abschießt«, flüsterte Wayne heiser. Er sah der Mexikanerin mit ausdruckslosem Gesicht beim Blasen zu. Der Schwanz des Motelangestellten füllte ihren Mund vollständig aus. Nicht wegen seiner Länge, sondern weil er dick wie eine italienische Salami bei Walmart war.

»Scchhwwwwaaaiiiiss dassses isss innn Puuuueeeooo Paaaoooaaass«, nuschelte der Mann und spuckte Blut, das der Frau ins Gesicht tropfte. Schweiß perlte von seiner Stirn.

Butch schnaubte genervt. »Was?«

»Puuuuoooo Paaa«, keuchte der Mexikaner. »Puuuu … ooooo!«

Butch krümmte den Zeigefinger. Der Kopf der Mex explodierte. Knochensplitter und Hirn spritzten zerstäubt durch den Raum.

»Scheiße, Mann!«, schrie Bo und stürzte nach hinten, den steifen Schwanz aufgerichtet wie eine rotköpfige nasse Lanze. »Was sollte das denn?«

»Heilige Scheiße, Butch!« Wayne wischte sich Hirnmasse aus dem Gesicht.

Der gefesselte Mann schrie, weil sich der Kiefer der Frau, einem letzten Impuls folgend, geschlossen und zugebissen hatte, während der obere Teil ihres Schädels einfach nicht mehr existierte.

Butch rollte mit der Zunge den Zigarillo in den anderen Mundwinkel und lächelte schräg. »Du dummes Schwein hättest nicht abspritzen sollen!« Ein zweiter Schuss pulverisierte den Rest ihres Gesichts sowie den Schwanz und die Eier des Mexikaners, der sich gellend aufbäumte und mit dem Stuhl nach hinten umkippte.

»Hat er doch gar nich!«, beschwerte sich Bo und machte seiner Geilheit mit einigen schnellen Handbewegungen ein Ende, dass es sämig auf die Pobacken der zusammengesunkenen Frau klatschte.

»Hat er.« Butch steckte die Waffe zurück ins Holster, sah den am Boden kauernden Bo an. »Hat wer verstanden, was der Bohnenfresser gefaselt hat?«

Wayne spuckte einen bitter schmeckenden Klumpen Galle aus, der ihm aus dem Magen gestiegen war. »Hab was von Puerto verstanden, mehr allerdings nicht.«

Bo schüttelte seinen erschlaffenden Schwanz ab und zog seine Hose nach oben. »Hab gefickt, also Fehlanzeige.«

»Statten wir der Schlampe in Zimmer 3 ’nen Besuch ab.« Butch aschte in beängstigend verächtlicher Weise auf den sterbenden Mexikaner. »Hier stinkt’s wie in ’ner Güllegrube!« Damit hatte er nicht Unrecht. Sowohl der Darm des Sterbenden als auch der der Toten hatte sich entleert. Angewidert stieg er über die braun-dampfenden Pfützen und verließ die Rezeption.

 

***

 

Lemmy lehnte an der Tür zu Zimmer 3 und rauchte, den schwitzig-weißen Cowboyhut tief ins Gesicht gezogen. Bei ihm prangte das Zeichen der ›White Stars of South Texas‹, ein roter grinsender Totenschädel mit einem weißen Stern auf der knöchernen Stirn, unter dem sich zwei Springmesser kreuzten, auf einer braunen Fransenlederjacke. Einer Jacke, wie sie Don Johnson im Film Harley Davidson and the Marlboro Man trug. Als er Butch aus der Rezeption kommen sah, tippte er sich lässig an den Hutrand. »Marla wartet drinnen auf dich, Chief.«

»Marla?«

Lemmy nickte. »Jep, Marla! Nettes, aber durchgeknalltes Mädchen, das dir was zu sagen hat!«

Butch betrat das Motelzimmer und wurde von einem Duftgemisch aus billigem Parfum, kaltem Zigarettenrauch, Whiskey und muffiger Bettwäsche empfangen. Auf einer halb zusammengebrochenen Kommode stapelte sich unordentlich gefaltete Wäsche. Im von einem Fettfilm überzogenen Fernsehgerät mühte sich ein verzweifelter, seiner Stimme beraubter Prediger ab, eine Turnhalle voller sich hin und her wiegender Irrer zu bekehren. Rund um die verklebte Mikrowelle ein Sammelsurium aus Pizzakartons und Burritoschachteln.

Marla hockte, nervös an einer Zigarette ziehend, auf dem Bett. Das karierte Schulmädchenröckchen reichte kaum aus, um ihren kleinen Arsch zu bedecken, ebenso wenig, wie das verwaschene Duck Dynasty Tanktop, das vier bärtige Jäger zeigte, es vermochte bedeutend mehr als ihre kleinen, aber schön gerundeten Tittchen zu bedecken. Marla war dünn, ihr Gesicht hager. Ihre Lippen schimmerten rot wie frisches Blut. Sie hatte die Augen dunkel geschminkt, was in scharfem Kontrast zu ihrem weißblonden Haar und der kränklich blassen Haut stand.

Butch war sofort klar, dass er es mit einem Junkie zu tun hatte. Dazu brauchte er nicht die zahlreichen Einstiche in ihren Armbeugen zu sehen, an denen sie sich ständig kratzte. Ein Junkie, der sich das Geld für den nächsten Schuss auf dem Parkplatz verdiente. Kniend zwischen zwei geparkten Trucks. Andererseits war sie auf ihre Art anziehend und nett anzusehen.

Der Chief baute sich vor ihr auf und hakte die Daumen in die Hosentaschen. »Hab gehört, hast mir was zu sagen?«

Marlas Blick huschte zu dem in der Tür lehnenden Lemmy und scheu nach oben zu Butch. »Yeah …« Sie hatte den breiten Slang, wie ihn die Leute aus Louisiana sprachen.

Southern Gulf Slang, dachte Butch genervt. Singend, leicht nuschelnd, die Hälfte der gesprochenen Worte verschluckend. »Will, dass’us mir versprichst, mich leben zu lass’n, bitte …«

Butch sah sich im Raum um und fragte sich, ob man das hier Leben nennen konnte. Vegetieren traf es eher. »Wenn’s was ist, was ich brauchen kann, hast mein Wort. Wenn nicht, dann …« Butch formte mit den Fingern eine Pistole, zielte auf Marlas Gesicht, drückte ab und blies sich über den ausgestreckten Zeigefinger.

Marla beeilte sich, zu nicken. »Scho’ klar, Mann … also, dann leg ich ma’ los.« Sie blies geräuschvoll den Rauch aus ihrem Mund in einer ganz bestimmten, nervösen Art, und aschte auf den Boden. »Der Cowboy sagte, dass ’n Trailerpark suchst, hm?«

Butch verzog keine Miene. »Möglich.«

»’nen ganz bestimmt’n an ’ner Grenze, nich weit von El Paso.« Marla kratzte sich in der Armbeuge.

»Kann sein …«

»Ein’n, von dem man nur hinter vorgehalt’ner Hand hört, nich für Touristen mein ich.«

»Fängst an, mich zu langweilen«, knurrte Butch. Sein Kieferknochen knackte, als Marla sich ihr weißblondes Haar mit einer fahrigen Geste nach hinten strich, weil sie sich offensichtlich in der eigenen Haut unwohl fühlte.

»Also, der, den ich mein, is’ in der Nähe von Puerto Palomas … nich’ direkt dort, in ’en Hügeln, eher …«

»Mädchen, musst echt an deiner Sprache arbeiten. Puerto Palomas, sagst du?«

»Ja Sir.« Marla sah auf ihre Füße, die in weinroten Cowboystiefeln mit blauen, aufgestickten Mustern steckten. Die Schäfte waren zu weit für ihre dünnen Waden.

Butch ging vor ihr in die Hocke, legte den Kopf schräg, um ihr ins Gesicht zu sehen. »Bist ’n hübsches Mädchen, Marla. Hättest was Besseres verdient, als das hier, weißt du das?« Seine Hand machte eine allumfassende Bewegung. »Würd mir das Herz brechen, dir wehzutun.« Er streichelte ihre Wange, strich eine widerspenstige Strähne zur Seite. »Musst mir das aber ’n bisschen genauer sagen, damit ich was für dich tun kann, okay?«

Marla holte schnatternd Luft, weil sie jeden Moment mit etwas rechnete, was verdammt wehtat. »’ne Straße oder Hausnummer hab ich nich’, aber, na ja, könnt’s auf ’ner Karte zeigen.«

»Wirst nichts auf ’ner Karte rumkritzeln«, flüsterte Butch und schenkte Marla einen traurigen Blick. »Wirst mitkommen und es uns zeigen!«

Marla sah auf. Ihre Augen wirkten groß wie Wagenräder. Da war etwas in ihrem Blick, das Butch warnen wollte. Etwas, das mehr Angst vor dem hatte, was kam, als vor dem, was war.

Butch stand auf, drehte sich zu seinen Männern um. Dass Bo nicht zu sehen war, schien ihn nicht zu stören, denn der tat das, was er immer tat, wenn es Leichen gab. Er brachte zu Ende, was er begonnen hatte.

»Wayne, pack Marla und ihren Kram in den Van«, einen letzten Blick auf Marla werfend, »und verpass ihr ’ne schnelle Dusche. Lemmy, treib Bo auf und sag ihm, dass er die Benzinkanister benutzen soll! In fünf Minuten will ich dieses Drecksloch brennen sehen!«

Lemmy nickte in Richtung des rostigen Lincoln, der vor Marlas Zimmer parkte. »Was iss’n mit der Schrottkarre?«

»Abfackeln! Die braucht sie nicht mehr!«

 

Grab the Pussy

»Ich bin hungrig und ich brauch echt richtig dringend Kohle«, bettelte die junge Frau, die auf den Namen Cinnamon hörte. Es spielte dabei keine Rolle, dass ihre beschissenen bigotten Eltern sie gewiss nicht auf diesen Namen getauft hatten. Sie war so süß wie Zimt und überdosiert ebenso gesundheitsschädigend wie das Gewürz, das jeden sofort an Weihnachtssterne und Rentiere denken ließ. Ihr rotblondes Haar sah aus wie vergammelte Dämmwolle und hing ihr in fettigen Strähnen ins eingefallene Gesicht. Sie war eigentlich hübsch anzusehen, nur hatte sie sich in letzter Zeit offensichtlich etwas zu sehr gehen lassen. Abgefuckt waren hier alle unterwegs. Aber das war nicht mehr abgefuckt, das war unansehnlich und etwas Unansehnliches wurde nicht gefickt. Und das war ein Problem, denn genau darum ging es hier. Im ›Grab the Pussy‹, dem Paradies der Dreilochstuten, war Ficken Programm.

»Wenn du deine beschissenen Haare wäschst und deine ranzige Pussy gleich mit, dann hast du auch wieder mal Kundschaft. Und Kundschaft bringt was?«, fragte Angel und musterte das dürre Mädchen mit eisigen Blicken. Angels Haut war hellbraun wie ein leckeres Sahnebonbon und ihre dunkle schulterlange Lockenmähne machte sie zu einer unwiderstehlichen Löwin. Aber es waren die blassblauen Augen der Mexikanerin, die ihresgleichen suchten und wohl nicht so leicht finden würden. Betörend und vernichtend zugleich, wie nicht von dieser Welt.

»Was bringt Kundschaft?«, wiederholte Angel ungeduldig, da Cinnamon lieber nervös in der Nase bohrte, anstatt auf die Frage einzugehen. »Du sollst antworten, wenn man mit dir spricht, Bitch! Was bringt Kundschaft?«

»Kundschaft bringt Kohle. Kundschaft bringt was zu essen«, nuschelte Cinnamon.

Angel nahm die langen Beine, die in pinken Cowboystiefeln steckten, vom Tisch, stand langsam auf und glitt auf Cinnamon zu wie ein geschmeidiges Raubtier. Ihrem Fluchtreflex Folge leistend, wich diese ein paar Schritte zurück, bis sie gegen die Wand des Trailers stieß. Ein Entkommen war an diesem verdammten Ort so unmöglich wie das Glück. Cinnamon ließ ein wehleidiges Winseln hören und Angels Hand schoss nach vorn, packte die Hure am Kinn:

»Du wäschst dich und rasierst deine Pussy. Und dann lutscht du den erstbesten Schwanz, der sich hierher verirrt, bis er dir seinen Saft ins Gesicht spritzt und dir die Kohle, die du so dringend brauchst, in die Fotze schiebt. Oder umgekehrt. Du wirst nehmen, was du kriegen kannst. Ich will, dass du dich hier endlich wieder mal sinnvoll einbringst. Sonst kannst du deinen Scheiß packen und den verfickten Trailer räumen. Obwohl du, wenn wir deinen verdammten Arsch in der Wüste abladen, wahrscheinlich nicht mehr allzu viel für dein weiteres Leben brauchen wirst. Aber das weißt du. Nicht wahr?«

Cinnamon nickte. Zumindest so gut sie nicken konnte, solange Angel ihr Kinn grob umklammert hielt.

»Ausgezeichnet. Braves Kind, gute Bitch«, stellte Angel fest und ließ los, holte aber sofort mit der Hand aus und schlug Cinnamon ins Gesicht. »Nur so als kleine Erinnerung, wer hier das Sagen hat. Und jetzt: Hau ab!«

Cinnamon ließ die Schultern nach vorn sinken, zog den Kopf ein und schlich davon wie ein geprügelter Hund. Sie war klug genug, Angel nicht darauf hinzuweisen, dass diejenige, die tatsächlich das Sagen hatte, gerade nicht anwesend war. Immerhin gab es ein paar Grundregeln im ›Grab the Pussy‹.

Widersprich Angel nicht. Halt deine Fotze sauber. Stell keine dummen Fragen und antworte niemals auf Fragen Außenstehender. Fick denjenigen, der auch gewillt ist, dafür zu bezahlen. Tu, was du tun musst. Aber vor allem: Hab kein Mitleid.

 

***

 

»Oh ja, das ist so geil! Oh ja, bitte mach weiter. Hör nicht auf, Baby. Er ist so groß. Ich bin so ausgefüllt. Dein riesiger Schwanz sprengt meine enge Fotze. Du bist der beste Fick von allen. Fester, fester, steck ihn weiter rein! Oh ja, oh ja, genau da! Ja, ich komm gleich, ich komm gleich, oh ja, Baby, spritz ab …«

Vivian, die wegen ihres langen aschblonden Haares von allen nur Dust genannt wurde, stöhnte halbherzig. Sie klang, als wäre sie eben erst fünf Stockwerke die Treppe hochgerannt und würde nun ein Kochrezept laut vorlesen. Oder eine Bedienungsanleitung. Genau genommen war das hier auch nichts anderes.

Man nehme einen fetten abstoßenden Kerl mit einer prallen Brieftasche und einem winzigen Schwanz und biete ihm eine gewaschene und rasierte Pussy, die er rücksichtslos ficken kann, bis er nach wenigen Minuten abspritzt.

Fertig war das Erfolgsrezept.

Das war das ganze Geheimnis.

Dust sorgte darüber hinaus meistens dafür, dass die Penner sie von hinten nahmen, so musste sie ihnen wenigstens nicht ins Gesicht sehen. Die meisten Typen sahen beim Ficken genauso aus wie beim Kacken. Das war abstoßend. Also hielt sie ihnen den Arsch hin. Wenn ein Kerl sie deshalb in den Arsch fickte, war ihr das auch recht. Auf diese Weise kamen sie meist sogar noch schneller. Das Arschloch war die verbotene Hintertür aller Ehemänner.

»Oh ja, oh ja, ich kann nicht mehr! Spritz ab, Baby! Lass uns gemeinsam kommen. Ja, oh ja …«, feuerte sie den Fettsack weiter an, der sich hinter ihr abmühte. Sein Grunzen klang verdächtig. Die Chancen, dass er gleich einen Herzinfarkt bekommen würde, waren größer als seine Aussicht auf einen Orgasmus. Dust hatte die Seite des Modemagazins, das aufgeschlagen neben dem Bett am Boden lag, bereits fertig gelesen, was bedeutet, dass sich das hier viel zu sehr in die Länge zog. Im ›Grab the Pussy‹ erhielt man keinen Stundenlohn, man wurde pro Schwanz bezahlt. Es war also höchste Zeit, die Sache in die Hand zu nehmen. Oder besser noch in den Mund.

»Oh Baby, er ist so geil! Ich muss ihn unbedingt schmecken!«, brachte Dust das Höchstmaß an professioneller Begeisterung zum Ausdruck, zu dem sie fähig war. Wie nicht anders zu erwarten, ließ sich Mister-mit-einem-Bein-im-Grab nicht zweimal bitten. Mit einem saftigen Schmatzen zog er seinen Schwanz aus ihrer Fotze und blieb, das Becken gierig nach vorn geschoben, breitbeinig auf dem Bett knien. Größer wurde das Ding durch diese sehr entgegenkommende Geste allerdings trotzdem nicht. Dust seufzte genervt, was sie sofort mit einem weiteren halbherzigen Stöhnen kaschierte und beugte sich hinunter zum mickrigen Wurm.

»Er ist mächtig! Er ist ein Geschenk! Du machst mich so glücklich mit deinem Schwanz«, leierte sie herunter und nahm den Penis schnell in den Mund, um nicht noch weitere Lobeshymnen anstimmen zu müssen. Es war keine besonders große Überwindung. Immerhin hatte sie dieser Freier noch nicht in den Arsch gefickt. Scheiße schmeckte immer widerlich, sogar die eigene. Sie schloss die Lippen so eng sie konnte um den dünnen Schaft und sogleich spürte sie, wie sich die Hände des Freiers in ihrem Haar festkrallten. Hämmernd stieß er ihren Kopf immer und immer wieder gegen seinen Körper, als wäre er auf dem Hartplatz und würde mit einem Basketball trippeln.

Zack, zack, zack.

Nach exakt fünfzehn Stößen spritzte er einen dampfenden Schwall seines zähflüssigen Spermas in ihren Mund ab und Dust schluckte eilig. Wenigstens mochte sie den Geschmack von Sperma. Man hätte sogar behaupten können, dass sie ihn liebte. Und im ›Grab the Pussy‹ wurde immer ohne Kondom gefickt, also gab es genug Sperma zu schlucken. Aber jeder Scheißjob brachte wohl auch so seine Vorteile mit sich.

 

***

 

Nachdem der alte Fettwanst, der übrigens einer ihrer zuverlässigsten Stammkunden war, den Trailer verlassen hatte, nahm Dust das Geschirrtuch, das auf der Anrichte lag und wischte sich die Pussy und die Innenseite ihrer Schenkel trocken. Es war bloß der Schweiß des stinkenden Vorarbeiters und nicht etwa ihr eigener Pussysaft, der vom dreckigen Stofffetzen aufgesogen wurde. Das Stöhnen und Stoßen der Männer beeindruckte sie wenig. Da spielte es gar keine Rolle, wie dick oder lang das Würstchen war. Ihre Pussy blieb trocken wie die Wüste. Würde sie Steuern bezahlen, könnte sie jedes Jahr eine Badewanne voller Gleitgel absetzen. Dust bekam nur dann einen Orgasmus, wenn sie von einer Frau geleckt wurde. Am liebsten ließ sie sich von Angel lecken, aber wenn Mama nicht da war, hatte Angel zu viel damit zu tun, den Laden am Laufen zu halten.

Als Dust die Tür ihres Trailers mit einem lauten Knall aufstieß und ins Freie trat, zeigte sich mal wieder überdeutlich, wie beschäftigt genau Angel war. Die durchtrainierte aber dennoch gertenschlanke Mexikanerin ragte wie ein Racheengel über einem Typen auf, der vor ihr im Dreck lag und wie ein kleines Baby heulte. Einen Fuß hatte sie auf seinem nackten Oberkörper abgestellt und bohrte den Absatz ihrer heißgeliebten Cowboystiefel zwischen seine Männertitten. Der Lauf eines M16 Shorty Sturmgewehrs war auf seinen Kopf gerichtet.

»Was hab ich dir schon tausend Mal gesagt, du verdammtes Arschloch!?«, brüllte Angel den wimmernden Kerl an. Es war offensichtlich, dass er ihr tatsächlich mächtig auf die Eierstöcke ging, sie aber vor allem auch ihre Machtposition auskostete. Angel leckte gern Muschis, spielte noch lieber die Chefin und am liebsten quälte sie Menschen. Bevorzugt diejenigen, die männlichen Geschlechts waren und sich beschissen aufführten. Zu ihrem Glück war der Trailerpark voller Muschis, die darauf brannten, von ihr geleckt zu werden. Und genau solche Muschis zogen Typen an, die gar nicht anders konnten, als sich kolossal danebenzubenehmen. Das ›Grab the Pussy‹ war Angels persönlicher Himmel.

»Wirst du verfickt noch mal antworten!«, keifte Angel, drehte das Gewehr mit einer Geschicklichkeit, als wäre sie ein Cheerleader und das M16 Shorty ihr verdammter Glitzerstab, um 180 Grad und rammte dem halbnackten Kerl den Schaft in die Fresse.

Dust, die sich auf die behelfsmäßige Veranda vor ihrem Trailer gesetzt hatte und die Darbietung beobachtete, konnte das Knacken des Kieferknochens hören, als dieser brach. Das war beeindruckend. Ebenso wie das Blut, das aus dem zerschlagenen Maul des Freiers sprudelte wie Wasser aus einer Quelle.

»Ibb soll bie Waabbe nich beschäbbiben …«, kamen die demütigen Worte kaum verständlich über seine zerfetzten Lippen.

»Ganz genau! Du sollst die Ware nicht beschädigen, weil niemand seinen Schwanz in beschädigte Ware stecken will! Du brichst meinem Mädchen den Kiefer, ich breche dir den Kiefer. Und wenn du das nächste Mal denkst, du kannst stattdessen ihre Pussy zertrümmern, weil mir das ja nicht auffallen würde, dann lass dir eines sagen. Ich kontrolliere die Pussys der Mädchen und wenn du eine Pussy kaputt machst, sorg ich dafür, dass du von diesem Tag an da unten neben deinem Arschloch noch ein zweites Loch hast.«

Abermals wirbelte Angel das M16 Shorty um ihre rechte Hand, bis der Lauf diesmal auf den Schritt des Mannes zeigte.

»Alles klar? Hab ich mich deutlich genug ausgedrückt?«, wollte Angel wissen und stocherte mit der Waffe zwischen Schwanz und Eiern herum. »Ein Loch wäre im Vergleich zu dieser Armseligkeit da unten eine echte Verbesserung.«

»Alles klar, alles klar«, kam die gurgelnde Antwort.

Als Dust sah, dass sich ein weiterer Kerl von hinten an Angel heranschlich, nahm sie beide Zeigefinger in den Mund und stieß einen schrillen Pfiff aus. Dust hob die Waffe, riss diese herum und richtete sie auf den potentiellen Angreifer. Dieser verharrte mitten in der Bewegung. Er sah aus wie die verdammte Redneck-Variante einer dieser kostbaren Statuen. So einer, wie sie in Italien im Museum stehen. Vor allem lag das wohl daran, dass er erstaunlich gut in Form und splitterfasernackt war.

»Und du, Arschloch, kannst dich umdrehen und davonlaufen. Solange du nicht näher kommst, hab ich keinen Grund, abzudrücken. Du wirkst auf mich wie ein Mann, der ganz genau weiß, wie beschissen groß das Loch ist, das dieses Baby auf diese Entfernung in deinen Körper reißen wird.«

Der Nackte blieb noch kurz regungslos stehen, als müsse er eben mal seine Überlebenschancen berechnen, dann hob er beschwichtigend beide Hände. Langsam setzte er einen Fuß hinter den anderen und schlich rückwärts davon.

Angel, die nie den Stiefel vom Brustkorb des am Boden liegenden Mannes genommen hatte, erhöhte den Druck und wandte sich wieder ihrem eigentlichen Ziel zu: »Du Wichser kannst dich auch verpissen. Und wenn du das nächste Mal hier aufschlägst, dann bringst du verdammt noch mal Blumen mit.«

Mit einem gezielten Tritt rammte sie ihm die Schuhspitze in den gebrochenen Kiefer und schlenderte danach zum Trailer, vor dem Dust saß. Angel legte die Waffe ins Gras und ließ sich neben Dust auf die Veranda niedersinken.

»Soll ich dich lecken, Bitch?«, fragte Angel.

»Nach dieser Show kannst du mich auch mit einem Strap-on in den Arsch ficken, wenn dir danach ist«, entgegnete Dust, schnappte sich Angels Hand und schob diese in ihre Jeansshorts. Jetzt war es tatsächlich ihr Pussysaft, der das Delta zwischen ihren Beinen in ein Feuchtgebiet verwandelt hatte.

Angel und Dust.

Angel Dust.

Die beste Droge von allen.

Und der verdammt noch mal beste Fick überhaupt.

 

 

White Horses

Die aufstrebende Sonne im Rückspiegel, die das in Flammen stehende Roadrunner Shortstop Motelwar, überflutete den Horizont mit orangerotem Schein.

Die Nacht verschluckte das Licht. Der Staub alles, was hinter ihnen auf der schnurgeraden Wüstenstraße lag. Unter dem Geknatter der Motorräder zogen die Lichter El Pasos dahin, um wieder zu verschwinden.

Marla saß auf dem Beifahrersitz im schwarzen Van, hatte die Scheibe nach unten gelassen und ließ sich den Wind durch die strähnigen Haare wehen. Sie verspürte ein wenig Trauer über ihren geliebten abgefackelten Lincoln. Mit dem Wagen war das letzte Relikt ihres gestorbenen Lebens in Rauch aufgegangen. Was übrig blieb, war eine drogenabhängige Nutte ohne Vergangenheit, wie es sie zu tausenden entlang der texanisch-mexikanischen Grenze gab. Gescheiterte Existenzen, bar jeder Hoffnung.

Dreißig Dollar Blowjob-Huren, die für den nächsten Schuss alles machten. Wie zum Beispiel eine Gruppe durchgeknallter Redneck-Biker zu einem Ort zu führen, der sich ›Grab the Pussy‹ nannte und der westlich von Puerto Palomas mitten im Nirgendwo lag. Der gottverdammt schlimmste Ort, von dem sie je gehört hatte. Ein Loch in der Wüste, das direkt in die Hölle führte. Doch das spielte keine Rolle, denn die Typen würden sie töten, daran gab es nicht den geringsten Zweifel. Sie im Sand verscharren wie Abfall.

»Immer an der Grenze entlang, sagtest du?« Waynes vom Staub kratzige Stimme riss sie aus dem bedrückenden Gespinst schwermütiger Gedanken. Marla blinzelte, bedachte den dunkelblonden, sehnigen Mann mit einem langen Blick und nickte. »Hast doch das Schild gesehen. Puerto Palomas, aber dran vorbei und weiter. Ich sag’s, wenn wir ab müssen.«

Wayne nickte. Sein sauber gestutzter Vollbart schimmerte im Armaturenlicht. »Right.« Er sah Marla kurz an. »Hast verdammtes Glück gehabt, Mädchen.« Er zeigte mit dem Kinn zu einer Zigarettenschachtel. »Zünd mir mal eine an, ja?«

Vor ihnen die Rücklichter der Harleys von Butch und Lemmy. Zwei Geisterreiter auf einer Straße, die auf der linken Seite von einem endlosen, von Stacheldraht gekrönten Zaun und auf der anderen von einer schwarzen Wüste gesäumt wurde, die nichts als den Tod beherbergte. Marla steckte sich eine Zigarette zwischen die Lippen, zündete sie mit ihrem zerkratzten Zippo an und eine zweite, die sie Wayne reichte. »Glück? Hm, na ich weiß nich.«

Wayne zog an der Zigarette, blies Rauch zur Decke. »Im Ernst. Hast was Wichtiges gewusst und führst uns hin. Bist nützlich.«

»Mal schau’n, wie lang«, sinnierte Marla und sah aus dem Fenster. »In der Wüste überlebst’ keinen Tag. Ich mein ohne Wasser und so’n Scheiß.«

»Warum sagst du das?«

»Na ja, weil’s dort, wo wir hinfahren, weit und breit nur im Trailerpark was gibt, deswegen. Alles andere ist der pure Tod. Verstehst du, was ich meine?«

Wayne blies genervt den Rauch aus. »Solltest dir besser um deine Zukunft Gedanken machen, als über so ’nen Scheiß.«

Marla schnippte die Zigarette aus dem Fenster und kratzte sich in der zerstochenen Armbeuge. »Hab ich denn eine?«

»Hängt von dir ab, Mädchen, und wie du deine Qualitäten zu verkaufen weißt.«

Marla machte sich dahingehend keine besonderen Illusionen. Die Dusche, die ihr Wayne verpasst hatte, hatte gutgetan, den alten faden Schweiß abgewaschen. Ihre Haare lagen ordentlich, den Rest hatte sie mit Make-up auf Vordermann gebracht. Sie war noch immer eine scharfe Braut, aber eine Geisel der Droge, die wie ein drohender Schatten über ihr schwebte, sie aufzehrte, nach und nach. Ein Geist, der sie in den bodenlosen Abgrund lockte, wenn sie ihn am wenigsten brauchte. Ein Gespenst, das sie Dinge sehen ließ, die anderen verborgen blieben.

Marla sah seufzend aus dem Fenster und verbrachte den Rest ihrer letzten Fahrt schweigend. Der Fahrtwind kühlte den Schweiß auf ihrer Haut, machte sie schwebend. Einmal sah sie im Scheinwerferlicht ein herrenloses fahles Pferd mit gesenktem Kopf neben der Straße laufen. Ein Pferd mit toten Augen, wie es auch auf den muskulösen Oberarm Waynes gestochen war. Auf dessen Rücken hockte ein hämisch grinsender Sensenmann. War es ein Zeichen, das sie nicht zu deuten wusste?

 

***

 

Wo sich die Grenzstraße mit der kreuzte, die, den Zaun durchdringend, nach Mexiko führte, schwenkte der kleine Konvoi auf den kalt beleuchteten Parkplatz des White Bucking Horse Diners. Dort erwarteten sie vier weitere staubbedeckte Harleys, deren Fahrer ebenfalls das Emblem der ›White Stars of South Texas‹ trugen.

Marlas Blick heftete sich auf das Logo des Diners, ein weißes bockendes Pferd, das versuchte, seinen Lasso schwingenden Reiter abzuwerfen. Spätestens jetzt begriff sie, dass das Pferd in der Wüste tatsächlich ein Zeichen gewesen war. Eine Warnung, dass sie der weiße Tod niederwerfen und zertrampeln würde, wenn sie ihn weiter im Drogenrausch ritt.

Wayne hielt an und drehte den Zündschlüssel. Der Motor erstarb mit einem letzten Schütteln. Er zog eine Gartenschere aus der Jacke und legte sie vor Marla auf das Armaturenbrett. »Bis ich zurück bin, rührst du dich nicht. Du fummelst nichts an, steigst nicht aus und schnüffelst nicht rum.« Er tippte auf die Schere. »Jedes Mal, wenn ich sehe, dass du’s tust, schneide ich dir ’nen Finger ab.

---ENDE DER LESEPROBE---