Reich, sexy - und gefährlich - Barbara Dunlop - E-Book

Reich, sexy - und gefährlich E-Book

Barbara Dunlop

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Beschreibung

Darby weiß, wie man mit mächtigen Männern umgeht: Um den Bau einer Eisenbahn zu stoppen, fordert sie sogar den smarten Bürgermeister Seth zu einem Flirt heraus. Ein gewagtes Spiel, denn sprühende Funken sind eine Sache. Aber leider kämpft ihr liebster Feind nicht fair …

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IMPRESSUM

Reich, sexy – und gefährlich erscheint in der HarperCollins Germany GmbH

Redaktion und Verlag: Postfach 301161, 20304 Hamburg Telefon: +49(0) 40/6 36 64 20-0 Fax: +49(0) 711/72 52-399 E-Mail: [email protected]
Geschäftsführung:Thomas BeckmannRedaktionsleitung:Claudia Wuttke (v. i. S. d. P.)Produktion:Jennifer GalkaGrafik:Deborah Kuschel (Art Director), Birgit Tonn, Marina Grothues (Foto)

© 2013 by Barbara Dunlop Originaltitel: „A Cowboy’s Temptation“ erschienen bei: Harlequin Enterprises Ltd., Toronto Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.

© Deutsche Erstausgabe in der Reihe COLLECTION BACCARABand 358 - 2015 by Harlequin Enterprises GmbH, Hamburg Übersetzung: Anja Mehrmann

Umschlagsmotive: Coffice Vit, sivilla / Shutterstock

Veröffentlicht im ePub Format in 01/2017 – die elektronische Ausgabe stimmt mit der Printversion überein.

E-Book-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck

ISBN 9783733775889

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten. CORA-Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Weitere Roman-Reihen im CORA Verlag:BACCARA, BIANCA, JULIA, ROMANA, HISTORICAL, MYSTERY, TIFFANY

Alles über Roman-Neuheiten, Spar-Aktionen, Lesetipps und Gutscheine erhalten Sie in unserem CORA-Shop www.cora.de

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1. KAPITEL

Er sah eigentlich nicht aus wie ein Bürgermeister … In Jeans und mit einem verbeulten Stetson auf dem Kopf stand Seth Jacobs im beleuchteten Hof der Ranch. Sein Gesicht mit den dunklen Augen und der geraden Nase war tief gebräunt. Aus dieser Entfernung wirkte er wie der Cowboy, der er war, rau und kraftvoll.

Darby Carroll nippte an einem Wodka im Plastikbecher und drückte sich vor dem Tor der neu erbauten Scheune der Davelyns herum. Ein paar Meter weiter, auf der anderen Seite der schlammigen Baustelle, stand Seth mit einigen Cowboys am offenen Feuer. Die Männer unterhielten sich und ließen eine Flasche Jack Daniel’s kreisen. Seth lachte über etwas, das einer der Cowboys sagte, und seine weißen Zähne blitzten im Feuerschein.

Es ging auf zehn Uhr zu, und die meisten jungen Familien aus Lyndon hatten ihre Kinder bereits eingesammelt und sich auf den Heimweg gemacht. Übrig geblieben waren Singles, jüngere kinderlose Ehepaare und ein paar Mittfünfziger, deren Kinder inzwischen erwachsen waren, die sich aber noch zu jung fühlten, um nach einer Party gleich mit einer Tasse Tee zu Bett zu gehen.

Der Septemberhimmel war sternenklar und im Hintergrund wummerte Tanzmusik. Die laue Luft duftete nach Weizengras, und vom Fuß des Berges war das leise Rauschen des Lyndon Rivers zu hören. Fast alle Bewohner des westlichen Tals waren zum Bau der Scheune erschienen.

Familie bedeutete in diesem Tal alles, diese Tatsache verlieh Seth Macht und Ansehen. Die Jacobs hatten sich schon vor Generationen im Tal niedergelassen, während sie selbst nur eine Zugereiste war, die den Landbesitz ihrer Großtante erst drei Jahre zuvor übernommen hatte. Manche Leute hier waren der Ansicht, dass ihr überhaupt keine eigene Meinung zustand.

Darby trank noch einen Schluck von dem herben Whisky und beobachtete weiterhin die Männer. Unwillkürlich fragte sie sich, ob ein Gespräch unter vier Augen ihrer Sache förderlich sein könnte. Sie wollte Seth Jacobs so vieles sagen, konnte so viele Argumente vorbringen. Vorausgesetzt, er war bereit, ihr zuzuhören.

Ihre Blicke trafen sich, und plötzlich fühlte sie sich gefangen. Es war, als umklammerte er mit schwieligen Händen ihre Arme. Er neigte den Kopf und sagte etwas zu dem Cowboy neben sich, dann reichte er ihm die Flasche, löste sich von der Gruppe und kam auf sie zu.

Er hatte breite Schultern und schmale Hüften, und nun überwand er mit großen Schritten die paar Meter, die zwischen ihnen lagen. Darby zweifelte nicht im Geringsten, dass er bei der Wahl zum Bürgermeister hundert Prozent aller weiblichen Stimmen erzielt hatte. Na ja, nicht ganz, zumindest sie hatte seinen Gegenspieler gewählt.

Er blieb vor ihr stehen. „Sie sehen aus wie eine Frau, die etwas loswerden will.“

Sie warf das kastanienbraune Haar zurück über den Rücken. „Und sind Sie ein Mann, der bereit ist zuzuhören?“

„Darauf habe ich sogar einen Eid geleistet“, antwortete er leichthin und verlagerte das Gewicht, sodass er mit der Schulter am breiten Pfosten des Scheunentors lehnte. „Bei hübschen Frauen nehme ich ihn besonders ernst.“

„Ich bin nicht hier, um mit Ihnen zu flirten, Bürgermeister.“

Im Blick seiner dunkelblauen Augen lag aufreizende Wärme. „Schade eigentlich.“

„Ich will mich mit Ihnen streiten.“

Er seufzte. „Hm … Dann habe ich wohl Pech gehabt.“

„Wussten Sie, dass ein Zugsignal über hundertdreißig Dezibel laut ist?“

„Nein, das wusste ich nicht“, sagte er gedehnt.

„Die Schmerzgrenze liegt bei hundertfünfundzwanzig.“ Sie zeigte auf eins ihrer Ohren und zitierte die Statistiken, die sie gelesen hatte: „Hundertvierzig Dezibel können bereits bleibende Schäden verursachen.“

„Wissen Sie eigentlich, dass Sie absolut faszinierende Augen haben? Was für eine Farbe ist das? Türkis? Grün?“

Für den Bruchteil einer Sekunde war Darby verwirrt, dann fing sie sich wieder. „Im Augenblick geht es um meine Ohren.“

Grinsend legte Seth den Kopf schief. „Die sind auch interessant.“

„Und ich würde sie gern funktionsfähig erhalten. Meine Ohren und die aller anderen Bewohner von Lyndon, vor allem die der Kinder.“

„Also … dann rate ich Ihnen, Ihre schönen Augen, die niedlichen Ohren …“ Er lehnte sich leicht zurück, um ihre Größe abzuschätzen, „und Ihren zarten Körper von den Gleisen fernzuhalten.“

„Wie betrunken sind Sie eigentlich?“, fragte sie und überlegte, ob es sinnvoll war, das Gespräch fortzusetzen.

Noch immer grinste er. „Warum?“

„Weil Sie sich nicht wie ein Bürgermeister benehmen.“

„Oh. Wie dumm von mir.“

Er nahm den Stetson ab und strich sich mit den Fingern durch das Haar, um ihm den Anschein einer Frisur zu verleihen. Dann straffte er die Schultern und das großspurige Grinsen verschwand aus seinem Gesicht. „Besser so?“

„Ihr Entwurf sieht zwölf unbewachte Bahnübergänge in der weiteren Umgebung von Lyndon City vor.“

„Ja.“

„Das sind zwölf neue Möglichkeiten für die Bürger der Stadt, ums Leben zu kommen.“

„Glauben Sie nicht, dass die Leute die hundertdreißig Dezibel des Signals hören und sich aus dem Staub machen werden?“

Darby ließ sich nicht entmutigen. „Das bedeutet zwölf Signale von bis zu hundertfünfzig Dezibel pro Zug, vierundzwanzig Stunden am Tag, sieben Tage die Woche.“

Das Grinsen war wieder da. „Rechnen können Sie offenbar ziemlich gut.“

„Ja, allerdings. Und Sie werden diese Sache ernst nehmen müssen.“

„Die Firma Mountain Railway steckt zig Millionen Dollar in dieses Projekt. Glauben Sie mir, ich nehme es ernst.“

Sie leerte ihr Glas. „Geld ist nicht alles.“

„Die Bahnlinie kommt den Ranchern zugute“, entgegnete er und wirkte plötzlich völlig nüchtern.

In Gedanken stellte Darby weitere Berechnungen an. Vielleicht war es nicht besonders klug, diese Unterhaltung an einem Abend zu führen, an dem sie bereits drei Wodka Tonic getrunken hatte.

Seth war jedoch noch nicht fertig. „Rancher und Züge leben in diesem Land schon seit über zweihundert Jahren friedlich nebeneinander.“

„In Lyndon leben nicht nur Rancher.“

Wieder lächelte er, vielsagend diesmal. „Und das ist der Grund, warum Sie dagegen sind. Sie denken, dass die Stimmung in Ihrem Ruhesitz für Damen wichtiger ist als der Wohlstand von Lyndon City.“

„Mein Ruhesitz für Damen?“ Darby spürte, dass ihre Wangen vor Empörung rot wurden. „Glauben Sie, dass wir herumsitzen und Rezepte austauschen?“

„Was tun Sie denn dort?“

Das ging ihn überhaupt nichts an, und sie hatte nicht die Absicht, es ihm zu verraten. Es war zwar kein Staatsgeheimnis, aber ihre Arbeit trug durchaus zur nationalen Sicherheit bei. „Ich warne Sie, Bürgermeister. Ich werde einen Volksentscheid beantragen, um feststellen zu lassen, ob eine Bahnlinie durch Lyndon Valley verlaufen darf oder nicht.“ Sein selbstgefälliges Grinsen verriet, dass er ihr Ausweichen bemerkte.

„Das ist nicht nötig. Die Bahnlinie war das Herzstück meines Wahlkampfes. Sie gehören zu einer Minderheit, Darby. So funktioniert Demokratie eben.“

Sie lehnte sich zu ihm. „Die Demokratie gibt mir auch das Recht auf Redefreiheit.“

Lange blickte er ihr prüfend ins Gesicht. War er beeindruckt, verärgert, oder versuchte er, die Sache aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten?

„Ihre Augen sind wirklich faszinierend“, sagte er.

Angesichts dieser unerwarteten Worte begann es in ihrer Brust leicht zu prickeln, doch rasch schob sie das Gefühl beiseite. „Reißen Sie sich gefälligst zusammen, Bürgermeister.“

„Redefreiheit, Ms Carroll. Das gilt für alle.“

„Wollen Sie mir allen Ernstes erzählen, dass es Ihnen als Bürgermeister zusteht, mit den Bürgerinnen zu flirten?“

„Im Augenblick bin ich nur Gast auf einer Party.“

„Dann sollten wir aufhören, über Geschäfte zu reden.“ Darby musste sich eingestehen, dass das kein besonders guter Vorschlag war.

„Sie haben angefangen. Ich wollte von vornherein nur flirten.“

Tapfer hielt sie seinem Blick stand. „Ich aber nicht.“

„Zu schade.“

„Bürgermeister“, sagte sie tadelnd. Es gefiel ihr überhaupt nicht, dass sie für seine Flirtversuche offenbar empfänglich war. „Ich bin die Opposition.“

„Nur bei einem einzigen Thema.“

„Bei dem ich zum Äußersten entschlossen bin.“

„Genau wie ich.“ Bekümmert schüttelte er den Kopf. „Trotzdem haben Sie unglaubliche Augen.“

Darby ließ sich nicht beirren. „Glauben Sie mir, ich habe noch viel mehr als das“, sagte sie mit warnendem Unterton in der Stimme.

Darby hatte einen Doktortitel in Psychologie, den schwarzen Gürtel in Karate und fünf Jahre Erfahrung beim Militär. Normalerweise war sie jeder Herausforderung gewachsen, doch gegen einen Politiker war sie bisher nie angetreten. Und schon gar nicht gegen jemanden wie Seth Jacobs.

In Lyndon City sprachen die Leute voller Ehrfurcht von ihm, und sie war noch niemandem begegnet, der sich offen mit ihm angelegt hätte. Er war ein beeindruckender Gegner, und er stand zwischen ihr und ihrem Traum.

Bei der Rückkehr in das Sierra Hotel, das ihr gehörte und in dem sie wohnte, ließ sie ihren Geländewagen auf der Zufahrt stehen und betrat das Foyer. Für die kommende Woche erwarteten sie neue Gäste, doch bis dahin hatten sie und ihre wenigen Mitarbeiterinnen den Zufluchtsort am Seeufer für sich allein.

„Wie ist es gelaufen?“, fragte Marta Laurent.

Marta war die Erste gewesen, mit der Darby sich in Lyndon angefreundet hatte, inzwischen war sie die Direktionsassistentin des Hotels.

Marta schaltete die Nachrichtensendung stumm, die über den Breitbildfernseher flimmerte. „Konntest du mit ihm reden?“

Darby ließ ihren kleinen Rucksack auf das Sofa fallen und setzte sich daneben. „Ja. Aber ich glaube, er nimmt mich nicht ernst. Hey, sind dir meine Augen schon mal merkwürdig vorgekommen?“

„Mit deinen Augen ist alles in Ordnung. Was hat er denn gesagt?“

„Dass die Bürger von Lyndon City ihn gewählt haben, weil sie wussten, dass er für die Bahnlinie ist.“

„Damit hat er recht“, sagte Marta sachlich wie immer.

„Ja, ich weiß.“ Darby gab es nur ungern zu.

„Hast du überprüft, ob es möglich ist, ihn zu einem Volksentscheid zu zwingen?“

„Dazu müsste ich bis nächsten Montag sechshundert Unterschriften für eine Petition zusammenkriegen.“

„Unmöglich ist das nicht“, sagte Marta nachdenklich und setzte sich neben sie. „Ich kenne eine Menge Leute. Wir könnten eine Kampagne starten und uns mit Unterschriftslisten vor Geschäfte stellen, deren Inhaber uns wohlgesinnt sind.“

Plötzlich empfand Darby so etwas wie Hoffnung. Sie würde alles tun, um das Sierra Hotel zu schützen, denn sie wusste, dass es vielen Frauen lebenswichtige Dienste leistete.

Am Ufer des Lake Berlynn gelegen stellte es einen vollkommenen Zufluchtsort für Frauen dar, die in anspruchsvollen Jobs bei der Polizei oder beim Militär arbeiteten. Sie brauchten einen Ort, an dem sie sich unter ihresgleichen erholen konnten. Zu den Dingen, vor denen sie flohen, gehörte auch die Belästigung durch Lärm.

So war das Sierra Hotel entstanden.

Angelockt vom großen Fenster und dem beruhigenden Ausblick dahinter stand sie auf. Ein abschüssiger, nachts beleuchteter Weg führte zu einem Sandstrand. „Wir dürfen das nicht zulassen“, sagte sie.

Marta stellte sich neben sie. „Und das werden wir auch nicht.“

„Seit Jahrzehnten bringen sie die Rinder problemlos in Trucks zum Endbahnhof“, überlegte Darby laut. „Die Bahnlinie ist nur eine Frage der Bequemlichkeit.“

„Und das Sierra Hotel ist unersetzlich“, fügte Marta hinzu. „Warum erzählst du dem Bürgermeister nicht, was du hier tust? Vielleicht versteht er es dann besser.“

Darby schüttelte den Kopf. „Diese Art von Aufmerksamkeit möchte ich nicht auf uns ziehen.“ Einige ihrer Gäste hatten in ihren Organisationen hohe Posten inne, ein gewisses Maß an Diskretion war unumgänglich.

„Klar, verstehe“, sagte Marta. „Ich könnte innerhalb einer Stunde eine Website gegen die Bahn anlegen.“

„Adresse: Stoppt-Laerm-in-Lyndon.org“, sagte Darby, der die Idee gefiel.

„Ja, nicht schlecht.“ Marta nickte zustimmend.

Eine Website war ein guter Anfang. Die Einwohner von Lyndon konnten keine sinnvolle Entscheidung treffen, wenn sie nicht genau informiert waren. Und wozu war Demokratie gut, wenn die Mehrheit keine Chance bekam, mitzuentscheiden?

„Wir führen alle Zahlen und Fakten auf“, sagte Marta. „Und wir können Prospekte drucken und sie in der Stadt verteilen. Nehmen wir die Frauen ins Visier, die Jacobs nahestehen. Seine Eltern sind weggezogen, als sie in Rente gingen, aber seine Schwestern leben noch in der Stadt. Abigail ist schwanger.“

Darby bewunderte Martas klaren Verstand. Egal, worum es sich handelte, sie begann automatisch zu analysieren und Vorhersagen zu treffen.

„Du meinst, sie ist schwanger mit einem Baby, das eines Tages womöglich vom Zug überfahren wird“, führte sie den Gedanken weiter.

„Oder dessen zarte Trommelfelle von hundertfünfzig Dezibel zerrissen werden.“ Marta nickte.

„Hat seine Schwester Mandy nicht einen kleinen Jungen im Babyalter?“

„Ganz genau.“

Darby ertappte sich dabei, dass sie grinste. „Das sind großartige Ideen.“

„Danke.“ Marta erwiderte ihr Lächeln.

„Seth Jacobs, wir kommen.“

Allmählich dämmerte es Seth, dass er Darby Carroll unterschätzt hatte. Dass eine so unglaublich gut aussehende Frau auch unglaublich tüchtig sein konnte, hatte er sich nicht vorstellen können.

Er starrte auf das Plakat gegen die Bahnlinie, das am Schwarzen Brett im Foyer des Rathauses hing, und musste an die Begegnung beim Scheunenfest denken. Darbys Augen waren beunruhigend faszinierend, groß und grün und mit dunklen Wimpern. Doch sie waren keineswegs das einzig Schöne an ihr. Ihre Haut war hell und glatt. Sie hatte seidiges kastanienbraunes Haar, das ihr über den Rücken fiel. Und ihr zierlicher Körper wirkte gesund und straff. Sie schien voller Energie und Tatendrang zu sein.

Er nahm das Poster ab und betrachtete es genauer. Es war empörend und gleichzeitig beeindruckend, denn es ermunterte die Einwohner von Lyndon, einen Volksentscheid zu verlangen.

„Ich glaube nicht, dass du das darfst“, sagte Lisa Thompson hinter ihm. Sie war seine Cousine, seine Beraterin und die Teamchefin.

„Das ist mein Schwarzes Brett.“

„Nein, es gehört der Stadt“, widersprach sie. „Und die Bürger dürfen ihre Mitteilungen dort sieben Tage lang aushängen. Es ist völlig legal, die Bahnlinie zu hassen.“

Widerwillig gestand er sich ein, dass sie recht hatte, und reichte Lisa das Poster. Sie wedelte tadelnd mit dem Zeigefinger vor seinem Gesicht herum.

„Heute Morgen hatten wir ein Dutzend Anrufe zu dem Thema“, sagte sie und pinnte das Poster wieder an das Korkbrett.

„Dafür oder dagegen?“

„Beides. Durchaus möglich, dass Darby Carroll genug Unterschriften zusammenkriegt. Die Frau ist bewundernswert hartnäckig. Ich finde, ihr seid euch ziemlich ähnlich.“

„Wie bitte?“

Lisa trat einen Schritt zurück. „Tod dem Überbringer der schlechten Nachricht, stimmt’s, Boss? Es ist allgemein bekannt, dass du zu manchen Themen eindeutig Stellung beziehst und dich weigerst, nachzugeben.“

„Das tue ich zum Wohl der Stadt. Und die Bahnlinie ist gut für die Stadt.“

„Da kann ich dir nicht widersprechen.“

„Worüber streiten wir uns dann?“

„Ich meine nur, dass sie eine würdige Gegnerin ist.“

Seth konnte keine würdige Gegnerin gebrauchen, schon gar keine schöne mit hinreißend grünen Augen. Seit einem Jahr war er nun Bürgermeister, und er hatte inzwischen gemerkt, dass buchstäblich jede Entscheidung Gegner auf den Plan rief.

„Wann tritt das Wegerecht in Kraft?“, fragte er.

„Die Bürger haben noch eine Woche Zeit, sich dazu zu äußern.“

Er richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf das Poster. „Und wenn sie für ihre Petition genug Unterschriften sammelt?“

„Dann dauert es sechzig Tage, bis der Volksentscheid durchgeführt ist. So lange würde sich das Inkrafttreten verzögern.“

Er sah bereits, wie sich all seine schönen Pläne in Luft auflösten. „Hat jemand mit Mountain Railway gesprochen? Weiß man dort Bescheid?“

„Gestern habe ich mit dem Geschäftsführer geredet“, sagte Lisa.

„Und?“

„Nun, einerseits sind sie diese Art von Protest gewöhnt. Andererseits befürchten sie, dass er ihnen diesmal gefährlich werden könnte.“

„Wenn wenigstens einmal – nur ein einziges Mal! – etwas einfach wäre“, schimpfte Seth, während sie die Marmortreppe zu seinem Büro hinaufstiegen.

„Armer Boss“, neckte Lisa ihn. „Hast du erwartet, dass sie dich lieben würden?“

„Ich habe erwartet, dass sie vernünftig sind.“

„Warum? Du weißt doch, wie der Wahlkampf gelaufen ist.“

Er rang sich ein Lächeln ab. „Ich weiß, dass die meisten Bürger von Lyndon vernünftige und hart arbeitende Menschen sind. Wieso kann keiner von denen mal anrufen oder zu einer Sitzung erscheinen?“

„Weil sie mit ihren Jobs und Familien beschäftigt sind. Sie erwarten, dass du die Geschicke der Stadt für sie lenkst. Dafür wirst du bezahlt.“

Er durchquerte das Vorzimmer und betrat sein Büro. Der Raum war groß und luftig. Ein Panoramafenster zeigte auf den Fluss, eins auf den Rathausplatz. Die Farben des Herbstes erstrahlten überall. Rot, gelb und grün erstreckten sie sich bis in die Rocky Mountains.

Er stellte sich ans Fenster und blickte hinaus.

Darby Carroll hatte sich auf einen lächerlichen Kreuzzug begeben. Hundertdreißig Dezibel. Die Zahl war bedeutungslos. Niemand außer den Gleisarbeitern würde sich in der Nähe des Zuges aufhalten, wenn er pfiff. Und die Männer würden Gehörschutz tragen.

„Vielleicht solltest du mit ihr reden“, sagte Lisa, die neben ihm auftauchte.

„Um ihr was zu sagen?“

„Okay, anders ausgedrückt: Vielleicht solltest du sie anhören.“

„Glaubst du, dass das meine Meinung ändern würde?“ Lisa redete Unsinn. Genau wie alle anderen in Lyndon befürwortete sie die Eisenbahnlinie, weil sie wusste, dass sie ein Segen für die heimische Wirtschaft war.

„Oftmals wollen die Leute nur, dass man ihnen zuhört.“

„Die ganze Stadt hört ihr zu, verdammt.“ Die Frau hatte sogar Werbespots im Radio senden lassen.

„Sie will, dass du ihr zuhörst“, sagte Lisa.

„Nein.“

„Doch.“

„Ich bin dein Boss.“

„Das heißt nicht, dass ich falschliege.“

„Du bist die aufsässigste Angestellte der Welt.“

Lisa grinste. „Ich dachte, das hätten wir schon vor Monaten geklärt.“

Seth ließ sich ihren Vorschlag durch den Kopf gehen. „Glaubst du, dass ich einen Fehler gemacht habe?“

„Weil du gegen Darby kämpfst?“

„Nein, indem ich als Bürgermeister kandidiert habe.“

Er hatte seinem Bruder Travis die Führung der Familienranch überlassen. Seine Entscheidung hatte er damit begründet, dass er als Bürgermeister in der Lage sein würde, die Dinge zugunsten der Rancher zu verändern. Doch bisher war er nur in Streitigkeiten verwickelt worden. Jede bedeutsame Veränderung, für die er sich eingesetzt hatte, war in Wortgefechten oder im Papierkrieg untergegangen.

„Du bist ein großartiger Bürgermeister“, versuchte Lisa ihn zu beruhigen.

„Ich möchte ein erfolgreicher Bürgermeister sein. Ich will die Bahnlinie nach Lyndon bringen, um unseren Nachbarn das Leben zu erleichtern.“

„Du tust, was du kannst.“

„Aber das reicht nicht.“

„Kopf hoch, Seth. Du hast einen Rückschlag erlitten. Und wenn schon. Was wirst du als Nächstes tun?“

Ungefähr zum tausendsten Mal musste er vor Lisas Argumenten kapitulieren. Wie üblich lag sie mit ihrem Rat genau richtig.

„Ich muss mit Darby Carroll reden“, gab er zu.

„Sag ich doch. Hauptsache, du vergisst das während des Gesprächs nicht.“

2. KAPITEL

Alles, was in Lyndon Rang und Namen hatte, erschien zum Herbstfestival im Stadtpark am Fluss. Es war gleichzeitig ein Kunsthandwerker- und Bauernmarkt, ein fröhliches Familien- und Sportfest.

Darby nahm zum dritten Mal daran teil, doch in diesem Jahr ging es um mehr als sonst. Sie unterhielt sich mit den Leuten und verteilte Flyer, die auf die Website Stoppt-Laerm-in-Lyndon.org verwiesen. Und vor allem sammelte sie möglichst viele Unterschriften für ihre Petition. Am kommenden Tag um Mitternacht lief die Frist ab.

Marta schlenderte zwischen den Ständen des Bauernmarktes umher, während Darby hoffte, auf dem schmalen Hauptweg mit fürsorglichen Müttern sprechen zu können, die ihre Kinder in ein Karussell oder ins Riesenrad gesetzt hatten.

„Etwas stärker. Etwas höher“, erklang eine vertraute tiefe Stimme.

Darby drehte sich um und entdeckte Seth Jacobs. Er saß auf einer Rampe über einem Wassertank und gab einem Jungen im Teenageralter Anweisungen. Der Junge versuchte, mit einem Baseball eine Zielscheibe zu treffen und Seth im Wasserbecken zu versenken. Noch war der Bürgermeister trocken, und die kurze Schlange von Frauen und Mädchen, die anstanden, um ebenfalls ihr Glück zu versuchen, stellte keine große Gefahr für ihn dar.

Wirklich schade. Zu gern hätte sie gesehen, wie er unterging.

Zehn Minuten zum Zuschauen würde sie sich jetzt einfach gönnen.

Wie von selbst trugen ihre Füße sie zum Wassertank. Sie zog einen Fünfdollarschein aus der Tasche ihrer Jeans und erhielt dafür von der Frau am Verkaufsstand drei Softbälle. Darby war zuversichtlich, dass sie nur einen einzigen Wurf brauchen würde. Sie reihte sich in die Schlange ein.

Gleich darauf entdeckte Seth sie. Er blickte auf die Bälle in ihrer Hand, und in seinen Mundwinkeln zuckte es.

Sie bedachte ihn mit einem selbstsicheren Lächeln, warf einen Ball in die Luft und fing ihn mit der anderen Hand wieder auf. Die Vorfreude jagte ihr das Adrenalin durch die Adern.

Seth biss die Zähne zusammen.

Der Junge, der als Nächster dran war, ging nahe heran, doch er traf die Mitte der Zielscheibe nicht. Dann unternahmen drei Frauen kichernd ihre Versuche, ebenfalls ohne Erfolg.

Nun war sie an der Reihe.

„Bürgermeister“, sagte sie.

„Ms Carroll.“

„Bereit zum Untergang?“

„Tun Sie, was Sie können.“

„Oh, das werde ich.“

Darby hatte oft Softball gespielt, wenn sie irgendwo in Übersee stationiert gewesen war. Aber vor allem konnte sie schon in der Grundausbildung hervorragend mit dem Gewehr umgehen.

Seth trug verwaschene Jeans und Sneakers statt der üblichen Lederstiefel, dazu ein blau kariertes Hemd, dessen Ärmel er aufgekrempelt hatte, sodass seine gebräunten Unterarme zu sehen waren. Er drückte sich den Stetson fester auf den Kopf, und ihre Blicke trafen sich.

Adios, Seth Jacobs.

Darby konzentrierte sich auf die Zielscheibe.

„Werden Sie jetzt bloß nicht nervös“, sagte er spöttisch.

Sie ließ sich jedoch nicht aus der Fassung bringen, zog den rechten Arm nach hinten und warf.

Der Ball traf ins Schwarze. Für Sekundenbruchteile riss Seth die Augen auf, dann tauchte er in den Tank ein.

Die Zuschauer kreischten und applaudierten.

„Nun, das war’s für unseren tapferen Bürgermeister“, ertönte blechern eine Frauenstimme aus einem Lautsprecher. „Applaus, Ladies und Gentlemen!“

Als Seth wieder auftauchte, warf er ihr einen finsteren Blick zu, bevor er seinen Hut schwenkte und unverzagt in die Menge lächelte.

Darby verließ den Hauptweg und ging zum Baseballfeld. Dort fanden alle möglichen Spaßwettkämpfe statt, vom Wettrennen auf drei Beinen bis zum Eierwerfen. Auch hier würde sie auf besorgte Mütter von Kleinkindern treffen, die ihre Befürchtungen bezüglich Sicherheit und Lärmbelästigung teilten.

„Guter Wurf“, hörte sie Seth hinter sich.