Reise Know-How CityTrip Breslau - Izabella Gawin - E-Book

Reise Know-How CityTrip Breslau E-Book

Izabella Gawin

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9,99 €

Beschreibung

Dieser aktuelle Stadtführer ist der ideale Begleiter, um alle Seiten der schlesischen Metropole selbstständig zu entdecken: - Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und Museen der Stadt sowie weniger bekannte Attraktionen und Viertel ausführlich vorgestellt und bewertet - Faszinierende Architektur zwischen mittelalterlichen Prachtbauten und der berühmten Jahrhunderthalle - Abwechslungsreicher Stadtspaziergang durch Breslau - Erlebnisvorschläge für einen Kurztrip - Shoppingtipps vom traditionellen Markt bis zu Kunst und Kunsthandwerk - Die besten Lokale der Stadt und allerlei Wissenswertes über die polnische Küche - Tipps für die Abend- und Nachtgestaltung: von den beliebtesten Ausgehmeilen bis zum Theaterbesuch - Breslaus Spaß-Guerilla – um jede Ecke lugt ein Zwerg - Breslau zum Träumen und Entspannen: Scheitniger Park, Japanischer Garten, Zoo - Ausgewählte Unterkünfte von preiswert bis ausgefallen - Alle praktischen Infos zu Anreise, Preisen, Stadtverkehr, Touren, Events, Hilfe im Notfall ... - Hintergrundartikel mit Tiefgang: Geschichte, Mentalität der Bewohner, Leben in der Stadt ... - Kleine Sprachhilfe Polnisch mit den wichtigsten Vokabeln für den Reisealltag CityTrip - die aktuellen Stadtführer von Reise Know-How, mit über 160 Städtezielen die weltweit umfangreichste Kollektion. Fundiert, übersichtlich, praktisch. REISE KNOW-HOW - Reiseführer für individuelle Reisen

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
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Seitenzahl: 187

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Inhalt

Hinweise zur Benutzung

Stadtplan für Smartphone und Tablet

Verweise im Buch

Restaurantkategorien

Vorwahlen

Breslau entdecken

Willkommen in Breslau

Kurztrip nach Breslau

Stadtspaziergang

Im Herzen der Altstadt

Universitätsviertel

Sandinsel

Dominsel

Vom Ring zum Nationalmuseum

Westlich und südlich des Rings

Südstadt

Zum Scheitniger Park

Breslau erleben

Breslau für Kunst- und Museumsfreunde

Breslau für Genießer

Breslau am Abend

Breslau für Shoppingfans

Breslau zum Träumen und Entspannen

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Praktische Reisetipps

An- und Rückreise

Autofahren

Barrierefreies Reisen

Diplomatische Vertretungen

Elektrizität

Geldfragen

Informationsquellen

Internet

Medizinische Versorgung

Mit Kindern unterwegs

Notfälle

Öffnungszeiten

Post

Radfahren

Sicherheit

Sport und Erholung

Sprache

Stadttouren

Telefonieren

Toiletten

Unterkunft

Verkehrsmittel

Wetter und Reisezeit

Breslau verstehen

Breslau – ein Porträt

Von den Anfängen bis zur Gegenwart

Leben in der Stadt

Laboratorium der Moderne

Erinnerungskultur

Anhang

Register

Die Autorin

Impressum

Bildnachweis

Kartenanhang

Hinweise zur Benutzung

Stadtplan für Smartphone und Tablet

Ergänzend zum Zentrumsausschnitt am Ende dieses Ebooks können Sie sich den Faltplan zum Buch auf Ihr mobiles Gerät laden laden: Einfach die kostenlose App „Avenza Maps“ der Firma Avenza™ installieren (erhältlich für Android, iOS und Windows Phone) und anschließend in der App den Stadtplan zum Buch herunterladen.

Die App „Avenza Maps“ ist ohne Internetverbindung nutzbar, es fallen bei der Nutzung keine Datengebühren an. Sie bietet einige Features, z.B. die Anzeige des eigenen Standorts auf der Karte oder den Import und das Speichern von Ortsmarken. Weitergehende Informationen: www.avenza.com/pdf-maps

Verweise im Buch

Alle Sehenswürdigkeiten und interessanten Orte (Points of Interest) im Buch haben eine eindeutige Nummer, die sich als Ortsmarke im Kartenmaterial wiederfinden. (Nummern von Sehenswürdigkeiten stehen in geschweiften Klammern, z.B. {2}, Nummern von Points of Interest in spitzen Klammern, z.B. <16>.) Beim Klick auf die Nummer öffnet sich die Web-App zum Buch und der ausgewählte Punkt wird auf einer Google-Maps-Karte als Ortsmarke angezeigt. Die Web-App ermöglicht zudem die Routenführung vom aktuellen Standort zur ausgewählten Ortsmarke: www.reise-know-how.de/citytrip/breslau20

Restaurantkategorien

Durchschnittlicher Preis für ein Essen ohne alkoholische Getränke:

€: günstig (unter 10 €)

€€: mittelpreisig (10–20 €)

€€€: teuer (über 20 €)

Vorwahlen

> für Polen: 0048

> für Breslau: 71 (bereits in den Festnetznummern integriert)

Breslau entdecken

Willkommen in Breslau

Noch ist Breslau ein Geheimtipp, doch hat die Stadt alle Voraussetzungen zum Trendziel: historisches Ambiente und jugendlichen Lifestyle, eine vitale Gastro- und Ausgehszene, dazu eine Aufbruchstimmung, die anscheinend nie verebbt. 1000 Jahre ist Breslau alt, doch alles andere als rückwärtsgewandt. Das Erbe, auch das deutsche, wird sorgsam kultiviert, doch hindert dies die Städter nicht daran, alles aufzugreifen, was neu und interessant scheint.

Wo ist es am schönsten?

Zwischen Ring und Universität entdeckt man so viel Sehenswertes, dass man viele Stunden bleiben möchte. Von der Uni geht es über die Stadtbrücke zur Dominsel (Ostrów Tumski), einer grünen und stillen Oase, in der Breslau vor über tausend Jahren gegründet wurde.

Wird man müde, kann man im Grüngürtel längs des Stadtgrabens (Podwale) entspannen – oder auch auf der rechten Oderseite, im Scheitniger Park, wo man sich schnell wie auf dem Lande fühlt.

Zum Szeneviertel entwickelt sich der ehemals jüdische Bezirk westlich der Altstadt [E5–F6]: kopfsteingepflasterte Straßen, gesäumt von Gründerzeitpalästen und immer wieder Passagen, durch die man seitwärts in die Vergangenheit abtauchen kann. Vor allem am Wochenende herrscht beste Stimmung – und dies bis morgens um vier! Beim nächtlichen Bummel durch die stimmungsvoll beleuchteten Straßen stößt man immer wieder auf neue, fantastische Bars und hat die Qual der Wahl: Wo kehrt man ein?

Kurz und knapp: Rynek alias Ring

Der seltsame Name „Ring“ (poln. Rynek) leitet sich vom schlesisch-deutschen Wort „Ring“ ab und bezeichnet einen Marktplatz mit einem Rathaus in seiner Mitte und vielen Patrizierhäusern ringsum.

Wie bewegt man sich?

In der Altstadt und auf der Dominsel geht man zu Fuß. Die Entfernungen sind gering und viele Straßen verkehrsberuhigt, so kann man sich treiben und alles in Ruhe auf sich wirken lassen (siehe „Stadttouren auf –>).

Eine historische Straßenbahn (Zabytkowa Linia Tramwajowa) startet vom 1. Mai bis 30. September samstags und sonntags um 12 Uhr an der Oper {39} und tuckert quer durch die Stadt zur Jahrhunderthalle {46} bzw. zur Universität und zur Dominsel (–>).

Alternativ besteigt man einen der vielen Elektro-Roller „Hulajnoga“ oder ein Elektromobil vor der Elisabethkirche {4} an der Nordwestecke des Rings. Die einstündige Tour führt zu allen wichtigen Sehenswürdigkeiten.

Breslau auf die nostalgische Art erlebt man in der Pferdedroschke, die Haltestelle befindet sich an der Südostecke des Rings. Nahebei wartet die günstigere Rikscha. Aktive mieten sich ein Fahrrad (–>).

Ein besonderes Vergnügen bereiten Bootstrips: Ausflugsschiffe starten von der Anlegestelle nahe der Markthalle {14} (Przystań Uniwersytecki/Hala Targowa) zu Törns auf dem Fluss. Von der Ostseite der Sandinsel (Przystań Kardynalska) fährt ein Schiff zur Anlegestelle am Zoo {49}, von wo aus es nur wenige Schritte zum Scheitniger Park {47} sind. Wer lieber selbst zum Paddel oder Ruder greift, findet eine Bootsverleihstation knapp westlich des Nationalmuseums {29} in der Gondelbucht (Zatoka Gondoli). Vor Ort erhält man eine Skizze, auf der alle Routen eingezeichnet sind.

Wer sich außerhalb des Zentrums bewegen möchte, kann auf ein gut ausgebautes Bus- und Straßenbahnnetz zugreifen. Die Tickets (bilety MPK) erhält man an jedem Kiosk (Ruch), für Nachtfahrten kauft man Extratickets (bilety nocne). Praktisch sind Karten, die einen ganzen Tag bzw. drei oder sieben Tage gültig sind und freie Fahrt in allen Bussen und Straßenbahnen erlauben (–>).

Breslau auf nostalgische Art erleben – mit Droschke (011br Abb.: kw)

Wo ist was los?

In Breslau gibt es zahlreiche Orte, die kulturell genutzt werden: Ob Kathedrale oder Synagoge, die Prachtsäle der Universität oder die Jahrhunderthalle – immer ist irgendwo etwas los. Tipps zu anstehenden Events erhält man bei der Wrocław Info oder – noch besser – bei der Kulturinformation an der Ostseite der Tuchhallen, wo man auch Eintrittskarten bekommt (–>).

Wer etwas Polnisch versteht, kann die Gratiszeitschrift „Co jest grane“ zur Hand nehmen. Das ist die Freitagsbeilage der Tageszeitung Gazeta Wyborcza, in der alle wichtigen und interessanten Veranstaltungen aufgeführt sind.

Kurztrip nach Breslau

Breslau ist für einen Kurztrip ideal: In zwei bis drei Tagen kann man alles Wichtige sehen und genießen – fast immer zu Fuß und ohne Stress. Wer sich für eine Unterkunft in der Innenstadt entscheidet, findet alle Schönheiten direkt vor der Haustür. So spart man sich die langwierige Anfahrt mit Auto, Bus und Straßenbahn und hat es abends nicht weit zu den gemütlichen Kneipen rund um den Ring.

1. Tag: Durch die Altstadt und auf die Dominsel

Wo Breslau steinalt ist, ist es am schönsten: Auf dem Marktplatz {1} gibt es so viele Attraktionen, dass man hier gut einen halben Tag verbringen könnte: Schauen Sie in die Paläste und die Passagen und erkunden Sie die Gässchen ringsum! Um das Ambiente länger auf sich wirken zu lassen, empfiehlt sich eine Pause in einem der Terrassenlokale. Gestärkt setzen Sie den Rundgang im zweiten historischen Viertel, auf der Sand- und Dominsel (–> bzw. –>), fort. Der auf –> skizzierte Spaziergang bietet sich für die Erkundung an.

Wie wäre es, den Tag klassisch abzurunden? Vom Opernhaus über das Nationale Musikforum bis zur Jahrhunderthalle {46} verfügt Breslau über fantastische Konzert-Locations.

Extratipp: Beste Aussichten

Von mehreren Orten bieten sich An- und Einblicke der besonderen Art: Vom Turm der Elisabethkirche {4}, den man über 300 enge Stufen erklimmt, überblickt man den Ring und die umliegenden Gassen. Eine ähnliche Aussicht, doch diesmal aus östlicher Richtung, bietet die 47 Meter hohe Hexenbrücke, die die beiden Türme der Maria-Magdalena-Kathedrale {24} verbindet. Keinerlei Anstrengung erfordert der Aufstieg zum Turm der Johannes-Kathedrale {20}; ein Lift bringt Besucher zur Aussichtsterrasse in fast 100 Meter Höhe, wo sich ein Panorama der Dom- und Sandinsel darbietet inklusive Tiefblick in den bischöflichen Lustgarten. Vom Astronomischen Turm der Universität {8}, den man sich mit mehreren überlebensgroßen Skulpturen teilt, schaut man auf die Oder und das Dächergewirr der Altstadt. Vom Sky Tower reicht der Blick bei klarer Sicht bis zur Schneekoppe im Riesengebirge.

2. Tag: Scheitniger Park, Süden und Szene-Viertel

Vormittags – zu Fuß oder mit dem Boot ins Grüne

An einem warmen Sommertag empfiehlt sich ein Bootsausflug: Vom Bulwar Włostowica auf der Sandinsel [H5] fährt ein Schiff – vorbei am Nationalmuseum {29} – zur Anlegestelle am Zoo {49}. Von dort ist es nur ein Katzensprung zum Scheitniger Park {47} mit der grandiosen Jahrhunderthalle {46} und dem Japanischen Garten.

Für diejenigen, die lieber laufen wollen, bietet sich der Weg über die attraktive Promenade an: Hinter der Markthalle {14} beginnt der Bulwar X. Dunikowskiego, der am Fluss entlang – vorbei an der Gondelbucht und dem Nationalmuseum {29} – zur Brücke Most Grunwaldzki führt. Nachdem man diese überquert hat, läuft man auf der Uferpromenade Wybrzeże Stanisława Wyspiańskiego am „durchlöcherten Käse“ der Polytechnischen Universität und an gründerzeitlichen Wohnhäusern vorbei bis zur nächsten Brücke. Die Most Zwierzyniecki führt hinüber zur nächsten Insel mit dem Scheitniger Park. Zurück geht’s auf gleichem Weg oder mit der Seilbahn Polinka (–>) zur ul. Na Grobli – hier lockt Hydropolis (–>).

Nachmittags – auf jüdischen Spuren

Nachmittags kann man mit der Straßenbahn 9 bzw. 15 oder einem Taxi zum Alten Jüdischen Friedhof {42} fahren. Dieser liegt etwa drei Kilometer südlich des Zentrums und wirkt mit seinen tempelartigen Gräbern und Mausoleen wie eine verwunschene Enklave mitten in der Stadt. Ein paar Gehminuten südwestlich ragt der Wasserturm {43} auf, Breslaus skurrilster Bau – und, sobald es wieder erlaubt ist hinaufzusteigen, mit Weitblick! Toll ist auch der Ausblick vom Sky Tower (–>), dem mit 212 Metern höchsten Wohngebäude der Stadt! Danach geht es über die Straße Powstańców Śląskich schnurstracks ins Zentrum zurück. Hinter der Oper, an der Ecke Świdnicka/H. Modrzejewskiej, befindet sich in einem Gründerzeitbau das Hotel Monopol (–>). Fährt man im Lift zum Café im obersten Stock, genießt man einen prächtigen Ausblick auf die Barockoper {39}, die gotische Dorotheenkirche {37} und das moderne Nationale Musikforum (–>). Ein weiteres Highlight ist das restaurierte Königsschloss {34} keine zehn Gehminuten entfernt. Multimedial werden hier 1000 Jahre Stadtgeschichte inszeniert. Wenig erfährt man allerdings über die jüdischen Bewohner Breslaus. Dafür steht gleich um die Ecke das einzige erhaltene jüdische Gotteshaus, die prachtvolle Synagoge zum Weißen Storch {33} mit einer Ausstellung zu „Breslaus Juden“.

Abends – im neuen Szeneviertel

Die Synagoge befindet sich im neuen Szeneviertel rings um die ul. Włodkowica, wo man den Tag stimmungsvoll ausklingen lassen kann, z. B. im Terrassencafé Mleczarnia (–>). Wechselt man in die parallel verlaufende ul. Św. Antoniego, gelangt man über Haus Nr. 8 in die Passage Niepolda und über Nr. 2–4 in den Pokoyhof (–>). Wo sich einst jüdische Wohn- und Gasthäuser befanden, reihen sich nun skurrile Pubs und Klubs. Wem das Treiben hier zu wild ist, kehrt zu den Cafés am Ring zurück, beobachtet den Trubel und lässt die Zeit seelenruhig verstreichen.

Stadtspaziergang

Der Verlauf des hier beschriebenen Spaziergangs kann mittels unserer kostenlosen Web-App nachvollzogen werden. Für den Spaziergang benötigt man etwa 1 Stunde reine Gehzeit, bei Besuch der Museen bis zu 5 Stunden.

Alle Wege Breslaus führen zum Ring (Rynek) {1} inmitten der schachbrettartig angelegten Altstadt. Es lohnt, den Platz einmal zu umrunden, denn er ist der schönste der Stadt, autofrei und zu jeder Tageszeit voll Leben. Die Touristeninformation (–>) befindet sich in seiner Südwestecke, von dort spaziert man dann schräg hinüber zum Alten Rathaus {2}, in dessen Prunksälen einst Breslaus Patrizier rauschende Feste feierten. Heute schlagen hier hochkarätige Ausstellungen die Brücke zur Gegenwart. An der Nordwestecke des Rings ragt die Elisabethkirche {4} auf. Erklimmt man den Turm, gewinnt man einen ersten Überblick über Breslau. Der Blick reicht vom historischen Zentrum bis weit in die Vororte.

Durch die Gassen der Altstadt, vorbei an den Alten Schlachtbänken {5}, bummelt man zur Universität und besucht die vom Boden bis zur Decke bemalte Aula Leopoldina {8}. Fantastisch illustriert ist auch die benachbarte Jesuskirche {9}, Breslaus opulenteste Kirche. Für eine kleine Pause empfiehlt sich eines der Lokale am Platz.

Danach startet man zu einer Zeitreise durch mehrere Stilepochen.Man passiert das Ossolineum {10} und ein paar Kirchen. Nur wenige Schritte weiter geht es bunt und geschäftig zu. In der Markthalle {14} werden in einem gigantischen Gewölbe knackiges Obst und Gemüse verkauft.

Anschließend wird die Oder über die Brücke (Most Piaskowy) überschritten. Bevor man gleich rechts in die malerische Uferpromenade Bulwar Piotra Włostowica einbiegt, lohnt ein Blick in die Kirche Maria auf dem Sande {15} mit ihren eleganten Schiffen und der schrägen Kapelle der Blinden und Tauben. Dann geht es an vertäuten Ausflugsschiffen vorbei zur Dombrücke. Breslaus Schutzheilige wachen über Hunderte Schlösser, die Verliebte zum Zeichen ihrer Treue an den Brückenstäben befestigt haben.

Als Auftakt warten auf der Dominsel mehrere Kirchen, doch fast sogartig wird man in die Domstraße in Richtung der himmelstürmenden Türme der Johannes-Kathedrale {20} gezogen. Man sollte es sich aber nicht nehmen lassen, vor dem Dombesuch einen Blick in die Gärten der hohen Geistlichkeit rechts zu werfen (Haus Nr. 8 und Nr. 9). Für eine Verschnaufpause bietet sich alternativ der Botanische Garten {22} an.

Dann geht es am grünen Flussufer entlang zur Brücke Most Pokoju, wo einen wieder der urbane Geräuschpegel umfängt. Auf der gegenüberliegenden Oderseite lockt das Nationalmuseum {29} mit Kunstwerken aus 1000 Jahren. Ausdrucksstark sind die mittelalterlichen Skulpturen und Installationen der polnischen Moderne. Ein kleines Café bietet Gelegenheit zur Stärkung. Danach kann man wieder ins Grüne eintauchen. Durch den Słowacki-Park erreicht man die Rotunde des Panorama Racławicka {28} mit einem riesigen Rundgemälde. So realistisch ist eine Schlacht darauf in Szene gesetzt, dass man sich wie ein Zeitzeuge fühlt. Gegenüber befindet sich in einem ehemaligen Kloster das Architekturmuseum {27}, das mit Ausstellungen zu modernem Wohnen von sich reden macht. Einen architektonischen Kontrast erlebt man ein paar Schritte weiter: Die gotische Adalbertkirche {26} spiegelt sich in den Fassaden der Galeria Dominikańska (–>), die auf mehreren Lichthof-Etagen bunte Warenwelten bietet. Überquert man die Straße und geht geradeaus, kommt man – vorbei an der BWA-Galerie {25} – zur Maria-Magdalena-Kathedrale {24}, einem weiteren Meisterwerk gotischer Architektur. Von hier sind es nur ein paar Schritte zum Rynek {1} und damit zum Ausgangspunkt des Spaziergangs.

Das gibt es nur in Breslau

> Die älteste Kneipe Europas: Über 700 Jahre (und hoffentlich bald wieder) wurde im Schweidnitzer Keller Bier ausgeschenkt, früher an „Marktleute, Sumpfhühner und verkommende Studenten“ (A. Kerr), später an die Bürger und Besucher Breslaus.

> Schlachtbank {5} als Künstlertreff: Wo einst Blut floss, Huhn und Gans über den Tresen gingen, reihen sich heute kleine Galerien und Künstlerkneipen in Fachwerkhäuschen aneinander.

> Über 150 Bronzezwerge: Sie bevölkern Straßen, Plätze und Fassaden. Mit den uns bekannten harmlosen Gartenzwergen haben sie wenig gemein: Sie sind spöttische, oft böse Gesellen … (S. 23).

> Gaslaternen auf der Dominsel: Abend für Abend und bei jedem Wetter entzündet ein Wächter mit einem Flammenwerfer die Gaslaternen in den Gassen der Dominsel {19}. Sie tauchen die Straßen in schummriges Licht und lassen lang gewandete Geistliche wie Gespenster erscheinen.

> Blumenfrauen rund um die Uhr: Wenn alle schließen, halten sie am Salzmarkt {6} die Stellung. Vermummt kauern sie hinter Bergen von Blumen und spekulieren darauf, dass auch um 4 Uhr morgens der Galan seine Auserwählte mit einer Blume verführen will.

> Märchenhafter Wasserturm {43}: Als der Architekt den Turm entwarf, muss er wohl geträumt haben: Mit seinen nach oben strebenden Säulen, Giebeln und Spitzdächern ist er das bizarrste Gebäude der Stadt.

Im Herzen der Altstadt

So schön war Breslau noch nie: Von strenger Backsteingotik bis zum Überschwang des Barock, von klassizistischer Eleganz bis zur kühnen Moderne wurden in den letzten Jahren fast alle Gebäude in der Innenstadt restauriert. Dabei wirkt die Stadt alles andere als museal. Von früh bis spät sind die Straßen und Passagen belebt, auf Schritt und Tritt spürt man, dass Genuss und Vergnügen hoch im Kurs stehen.

Alle Wege führen zum Ring, Breslaus zentralem Platz in der Stadtmitte. Von ihm zweigen zahlreiche Gassen ab, in denen man gern herumstromert – für kleine Pausen findet man reichlich Cafés und Bistros.

Extrainfo: Mit der Straßenbahn

Wie kommt man vom Bahnhof mit der Straßenbahn möglichst nahe an den zentralen Ring (Rynek) heran?

> mit Linie 15 (Richtung Marino) bis zur Haltestelle Rynek (4. Haltestelle), dann ostwärts 5 Min. zu Fuß

> mit Linie 8 (Richtung Tarnogaj) bis zur Haltestelle Galeria Dominikańska (2. Haltestelle), dann westwärts 10 Minuten zu Fuß

Originalton

Norbert Elias, Verfasser des Klassikers „Über den Prozess der Zivilisation“, erinnert sich an das Familienhaus am Ring 16: „Dort hatte mein Vater eine Firma. Er war in der Textilbranche wie viele Juden, hatte wahrscheinlich um 1890 begonnen und wurde dann von dem wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland mitgetragen. Es war eine Art Fabrik, aber hauptsächlich Handarbeit und relativ wenige Maschinen – vielleicht 30 Leute, auch Schneider, die Kleidung für den Großhandel herstellten.“

{1} Ring (Rynek) *** [F6]

Der Ring ist der Salon der Stadt, ein Ort öffentlicher und privater Repräsentation. In seiner Mitte stehen das Alte und das Neue Rathaus sowie die ehemaligen Tuchhallen, ringsum reihen sich barocke Bürgerhäuser aneinander. Kaum ein Breslauer lässt es sich entgehen, mindestens einmal am Tag über den Platz zu schlendern, denn hier wird man von guter Stimmung erfasst, fühlt sich angesteckt von Anmut und Leichtigkeit.

Jede Tageszeit hat ihren Reiz: Im Morgengrauen kommt die Putzkolonne und fegt die von den Nachtschwärmern zurückgelassenen Reste zusammen. Im Laufe des Vormittags öffnen die Cafés und es werden erste Sonnenschirme aufgespannt. Dann füllt sich der Ring blitzschnell und schon ab 13 Uhr sind die Terrassenlokale dicht besetzt. So bleibt es meist bis in die späten Abendstunden hinein, wenn sich das Leben mehr und mehr in die Katakomben verlagert, die unterirdischen Kellerlokale …

Der Breslauer Ring ist nicht rund, sondern nahezu viereckig (212 m x 175 m). 1242 wurde er entworfen, ein Jahr nach der Zerstörung Breslaus durch die Mongolen. Offenbar hatten die damaligen Stadtherren Großes vor, denn sie konzipierten den Platz so weitläufig, dass bis heute – mehr als 800 Jahre später! – kein Gefühl von Enge aufkommt. Seine Weite kontrastiert mit der dichten Bebauung der Straßen ringsum.

Die Erkundung könnte man bei der Touristeninformation im Haus Nr. 14 (–>) starten, wo man mit Infos und Broschüren versorgt wird. Geht man von hier aus im Uhrzeigersinn einmal um den Platz herum, entdeckt man sogleich den einzigen Ausreißer inmitten der historischen Bebauung: ein modernes Eckhaus – just dort, wo der Ring in den Salzmarkt übergeht. Dies ist keine „sozialistische Sünde“, wie manch ein Besucher meint, sondern ein Werk des Bauhaus-Architekten Heinrich Rump. Trotz seiner zehn Stockwerke tritt das Gebäude neben dem kleineren, auffällig bemalten Kurfürstenhaus (Nr. 8) optisch zurück. Dieses war in habsburgischer Zeit anno 1672 entstanden. Offenbar wollte der ehemalige Besitzer seine guten Beziehungen zur Staatsmacht unter Beweis stellen. Er ließ nicht nur den kaiserlichen Doppeladler am Eingangsportal anbringen, sondern beauftragte den Künstler Giacomo Scianzi damit, die Fassade mit Sgrafitto-Figuren von Leopold I. und seinen sieben Kurfürsten auszumalen. In gotisch-verschnörkelten Lettern erscheint der dazu passende Spruch: „Deme Gott und die höchste Obrigkeit wol viel, schadet kein Neyder noch Verleumder“. Was so viel heißen mag wie: „Wer Erfolg hat, dem kann Neid nichts anhaben.“

Das Nachbarhaus Zur Blauen Sonne (Nr. 7) gehörte im späten Mittelalter der deutschen Kaufmannsfamilie Boner und war vor 1945 im Besitz des Thyssen-Clans. Auch hier findet man üppige Fassadenmalerei: Zwischen den Fenstern tanzen Frauen mit wehendem Haar, ein goldener Blumenfries trennt die Etagen. Glaubt man den Stadtchroniken, so weilte hier manch ein Monarch zu Gast, die Palette reicht von König Władysław (1511) über König Ferdinand I. (1527) bis zu Kaiser Rudolf II. (1577). Hinter der historischen Fassade liegt eine moderne Passage, die, von Boutiquen und Lokalen gesäumt, zur Straße Kiełbaśnicza führt.

Nicht weniger schön ist das Haus Zur goldenen Sonne (Nr. 6), von dessen Balkon General von Marwitz 1742 den „Frieden von Breslau“ verkündete, womit Schlesien an Preußen angegliedert wurde. Auch innen ist das Palais eine Augenweide – mit Parkettböden und idyllischen Landschaftsmalereien an der Decke. Seit 2016 ist hier das Pan-Tadeusz-Museum (–>) untergebracht, das multimedial in Polens gleichnamiges Nationalepos einführt. Verfasst wurde es von dem aus dem heutigen Litauen stammenden Adam Mickiewicz, und es inspirierte Generationen von Polen zu politischer Aktion.

Altpolnisches Ambiente umgibt den Besucher im Dwór Polski, dem „Polnischen Hof“ (Nr. 5). Hotel und Restaurant sind mit dunklen Holzmöbeln ausgestattet, Ritterrüstungen, Schilder und Schwerter beschwören mittelalterliche Zeiten. Erinnerungen anderer Art pflegt man im benachbarten Gasthaus Lwowska alias Lemberg (Nr. 4). Dort halten historische Aufnahmen die Schönheit der galizischen Hauptstadt fest, aus der viele heutige Breslauer stammen. Und auch im Greifenhaus (Pod Gryfami, Nr. 2) fühlt man sich in Lemberger Zeiten versetzt.

Die Nordseite des Rings hieß in deutscher Zeit Naschmarkt, schon im 15. Jh. wurden hier Honig und Lebkuchen verkauft. Polnische Breslauer haben die Tradition aufgegriffen und in diesem Abschnitt mehrere Konditoreien und Cafés eingerichtet. Im Haus Nr. 57 befindet sich die Städtische Bibliothek, die im ersten Stock den Lesesaal des Goethe-Instituts beherbergt – das Haus heißt Zur Goldenen Palme. Seine Nachbarn sind kleiner, doch tragen sie gleichfalls das Wort „golden“ im Namen: Auf dem Giebel des Hauses Zum Goldenen Pelikan (Nr. 43) thront der gleichnamige Vogel. Das Haus Zum Goldenen Hirsch ziert ein sanftes Waldtier, das früher oft Symbolfigur von Apotheken war. Noch heute erinnert eine lateinische Inschrift in der Diele daran, dass hier in alten Zeiten Arznei über den Tresen ging.

An der Ecke Rynek/Wita Stwosza, nun schon auf der Ostseite des Rings, leuchtet an der Fassade (Nr. 41) ein Goldener Hund. Angeblich gab es hier im Mittelalter einen Mann, der stets um Mitternacht das Haus verließ, um seinen Hund auszuführen. Im Mondlicht erstrahlte das Fell des Tieres in so leuchtend goldenen Farben, dass man den Vierbeiner für einen verzauberten Geist hielt.

Das Kaufhaus Merkur liegt gleich daneben (Nr. 39/40) und führt in die Welt des Kommerz zurück. Seinen Namen verdankt es dem Schutzpatron der Kaufleute. Hoch oben auf einem Globus thront der antike Gott und symbolisiert die weltumspannenden Handelskontakte. Der ehemalige Hühnermarkt (ul. Kurzy Targ), eine vom Ring ostwärts abzweigende Straße, führt geradewegs zur gotischen Maria-Magdalena-Kathedrale {24}.

Die Südseite des Rings ist nach dem Haus Zum goldenen Becher (Nr. 22) benannt. Im Mittelalter hatte hier die berühmte Schweidnitzer Brauerei ihren Sitz, die durch einen unterirdischen Gang mit dem Ratskeller verbunden war. Ein paar Meter weiter, im Haus Zum Alten Galgen (Nr. 19), wurden bis 1335 die im Rathaus gefällten Todesurteile vollstreckt. Wer sich die Räume anschaut, wird freilich nichts Makabres entdecken, vielmehr erinnert ein „kaiserliches“ Restaurant an die gute alte Habsburgerzeit unter Franz Joseph. Nicht als Werbeträger taugt offenbar die frühere Hausbewohnerin Clara Immerwahr, die 1900 als erste Frau Breslaus den Doktortitel erhielt. 1915 schied sie freiwillig aus dem Leben, weil sie die Giftgasforschungen ihres Mannes, des Chemienobelpreisträgers Fritz Haber, als „Perversion der Wissenschaft“ begriff. Und auch um Norbert Elias, einen der berühmtesten Soziologen des 20. Jahrhunderts, bleibt es still. Er wohnte im Kaufmannshaus Nr. 16, in dem heute ein Lokal öffnet.

Einen Namen freilich kennen alle heutigen Breslauer: den des Komödiendichters Aleksander Fredro