Ren Dhark Weg ins Weltall 82: Findet Parock! - Manfred Weinland - E-Book

Ren Dhark Weg ins Weltall 82: Findet Parock! E-Book

Manfred Weinland

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Beschreibung

Ömer Giray und Liv Sanders geraten bei ihren Ermittlungen in eine brenzlige Situation, die droht, ihre Tarnung auffliegen zu lassen. Etwa zur selben Zeit stellt die INSTANZ von ERRON-2 Aktivitäten in einer ihr bis dato unbekannten Station der Wächter fest, die Grund zur Sorgen geben und die Wächter dazu veranlassen, dort nach dem Rechten zu sehen. Währenddessen sucht die Besatzung der POINT OF immer noch nach Parock. Die Zeit brennt den Raumfahrern dabei immer mehr unter den Nägeln, denn es ist nicht auszuschließen, dass dem Kraval etwas zugestoßen ist. Daher gilt dringlicher denn je: Findet Parock! Jan Gardemann, Nina Morawietz und Manfred Weinland schrieben einen actiongeladenen SF-Roman nach dem Exposé von Ben B. Black.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 366




Ren Dhark

Weg ins Weltall

 

Band 82

Findet Parock!

 

von

 

Jan Gardemann

(Kapitel 1 bis 5 sowie 20 bis 22)

 

Nina Morawietz

(Kapitel 6 bis 11 sowie 23 und 24)

 

Manfred Weinland

(Kapitel 12 bis 19)

 

und

 

Ben B. Black

(Exposé)

Inhalt

Titelseite

Vorwort

Prolog

1.

2.

3.

4.

5.

6.

7.

8.

9.

10.

11.

12.

13.

14.

15.

16.

17.

18.

19.

20.

21.

22.

23.

24.

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Impressum

Vorwort

Heute freue ich mich besonders, einen neuen Kollegen im Autorenteam von REN DHARK begrüßen zu dürfen. Denjenigen unter Ihnen, liebe Leser, die schon länger dabei sind, dürfte der Name durchaus ein Begriff sein, und auch außerhalb des REN DHARK-Kosmos hat »der Neue« erfolgreich an verschiedenen Serien mitgearbeitet – und tut es noch. Dabei geht es nicht nur um Science-Fiction, sondern unter anderem auch um die Bereiche Horror, Fantasy und Krimi.

Die Rede ist von Manfred Weinland, der etliche Romane zum Classic- und zum Drakhon-Zyklus der Serie beigetragen hat. Aus seiner Feder stammt auch der unvergessene erste Sonderband mit dem Titel »Die Legende der Nogk«, bevor er sich dann im Weiteren von REN DHARK zurückzog, um sich anderen Projekten widmen zu können.

Ich kannte Manfred – von einigen wenigen, kurzen Kontakten auf Facebook abgesehen – nur dem Namen nach und natürlich von dem her, was er für REN DHARK geschrieben hat. Nach dem für uns alle sehr überraschenden Tod Achim Mehnerts habe ich einer Eingebung folgend mit ihm Kontakt aufgenommen und ihn gefragt, ob er sich eine neuerliche Mitarbeit bei unser aller Lieblingsserie vorstellen könnte. Zu meiner großen Freude hat er Ja gesagt, und, wie in solchen Situationen nicht unüblich, wurde es dann auch ein längeres Telefonat, denn wir hatten uns viel zu erzählen.

Was mir bis zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst war, ist der Umstand, dass Manfred der Vater der Wächter ist, deren Abenteuer bei den Lesern nach wie vor sehr gut ankommen und die auch uns, die Macher der Serie, immer noch begeistern. Wie man an den noch nicht allzu lange zurückliegenden Erlebnissen in der Galaxis Voktar gesehen hat, gibt es an dieser Stelle noch viele Geheimnisse zu entdecken und demzufolge auch viel zu erzählen.

Mich persönlich fasziniert an den Wächtern vor allem zweierlei: Zum einen der Umstand, dass sie sich bedingungslos für das Gute einsetzen, dabei auch zu drastischen Mitteln greifen, wenn es sein muss, und sich zur Not selbst opfern würden, um ihrer Sache zu dienen, zum anderen der Gedanke daran, dass der Wächterorden einstmals eine große Gemeinschaft war, der zur Blütezeit wohl viele Tausend Wächter angehörten, und die inzwischen um ihr Bestehen ringen muss.

Aber zurück zu Manfred: Was lag also näher, als ihn für seinen Wiedereinstieg bei REN DHARK eine Wächter-Geschichte schreiben zu lassen? Ich kann schon so viel verraten, dass sich darin bereits Entwicklungen vage abzeichnen, die im weiteren Verlauf der Serie noch eine größere Rolle spielen werden, und ich bin schon sehr gespannt darauf, was uns auf der bald anstehenden Autorenkonferenz noch alles dazu einfallen wird.

Nun ist es jedoch Zeit, Sie, liebe Leser, nicht länger auf die Folter zu spannen. Für die Besatzung der legendären POINT OF gilt nämlich momentan als oberste Prämisse: Findet Parock!

 

Stuttgart, im März 2019

Ben B. Black

Prolog

Im Herbst des Jahres 2067 scheint sich das Schicksal endlich einmal zugunsten der Menschheit entwickelt zu haben. Deren Hauptwelt heißt längst nicht mehr Terra, sondern Babylon. 36 Milliarden Menschen siedelten auf diese ehemalige Wohnwelt der Worgun um, als die irdische Sonne durch einen heimtückischen Angriff zu erlöschen und die Erde zu vereisen drohte. Mittlerweile konnte die Gefahr beseitigt werden, und das befreundete Weltallvolk der Synties hat den Masseverlust der Sonne durch die Zuführung interstellaren Wasserstoffgases wieder ausgeglichen. Die Erde ist erneut ein lebenswerter Ort, auf dem allerdings nur noch rund 120 Millionen Unbeugsame ausgeharrt haben. Die neue Regierung Terras unter der Führung des »Kurators« Bruder Lambert hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Planeten nach dem Vorbild Edens in eine Welt mit geringer Bevölkerungsdichte, aber hoher wirtschaftlicher Leistungskraft zu verwandeln, und ist deshalb nicht bereit, die nach Babylon Ausgewanderten wieder auf die Erde zurückkehren zu lassen.

Noch im selben Jahr nimmt Ren Dhark das Angebot des Industriellen Terence Wallis an und lässt seinen Körper mit Nanorobotern behandeln, die ihn und sieben von ihm Auserwählte unsterblich machen. Doch anstatt sich mit seiner nun vollständig veränderten Lebensperspektive beschäftigen zu können, muss sich Ren Dhark einer neuen Aufgabe stellen: Eine unbekannte Macht namens Kraval sorgt dafür, dass der Hyperraum nicht länger zugänglich ist.

Als man diese Herausforderung endlich gemeistert hat, tauchen die Wächter mit einer neuen Hiobsbotschaft auf: Im Zentrum der Milchstraße hat sich scheinbar aus dem Nichts ein Miniaturuniversum gebildet, das allerdings exponentiell wächst und schon in wenigen Jahren den Untergang unseres Universums herbeiführen könnte. Mithilfe der Nomwarun – nur etwa 50 Zentimeter große Nachfahren der Worgun – gelingt es schließlich, der Gefahr zu begegnen. Allerdings spielen die Nomwarun nicht mit offenen Karten und zerstören das Miniuniversum, anstatt es wie versprochen in ein anderes Kontinuum zu versetzen, weil das anscheinend nicht möglich gewesen ist. Ren Dhark macht dieses Resultat sehr zu schaffen, doch es gelingt ihm nicht, die Nomwarun entsprechend zur Rede zu stellen.

Knapp zwei Jahre später, im Sommer des Jahres 2072, scheint endlich die Normalität in der Milchstraße zu herrschen, die sich jedermann wünscht. Da werden Arc Doorn, Chris Shanton und Amy Stewart durch ein Lichtphänomen aus einer uralten Einrichtung der Wächter unterhalb des Titicacasees in die Galaxis Voktar verschlagen. Ren Dhark eilt seinen Freunden zu Hilfe, und nach einer kleinen Odyssee gelingt es den Raumfahrern im Sommer 2073 schließlich, wieder in die Milchstraße zurückzukehren.

Kaum zu Hause, bekommen es die Raumfahrer mit jemandem zu tun, der offenbar bewohnte Planeten mit tödlichen Seuchen überzieht. Auf der Suche nach Hinweisen auf den Verbleib des geheimnisvollen Fremden dringt die POINT OF ins Hoheitsgebiet des Telin-Imperiums vor. Dort gelingt es schließlich, Kharamak zu stellen, doch der Krayn lässt Ren Dhark und seinen Begleitern keine andere Wahl, als ihn zu töten.

Die Terraner befinden sich bereits wieder auf dem Heimweg, als sie von den Tel dazu aufgefordert werden, bei der Aufklärung einer Reihe bestialischer Morde auf der Forschungswelt Reshaf zu helfen. Der Täter entpuppt sich als ein Teil des Bakterienmannes, dem Ren Dhark und seine Getreuen ins Czukai-System folgen, wo sie jedoch die Spur verlieren – und mit dieser verschwindet auch Parock, der das Bakterienmannsegment mit seinem Xe-Flash verfolgt hat. Die POINT OF begibt sich auf die Suche nach dem Kraval, dabei bekommt man es mit Utaren zu tun, deren Absichten offenkundig nicht friedlicher Natur sind …

1.

Die beiden Raumschiffe, die in dem sich überlappenden Bereich des zweifachen Intervallfeldes schwebten, konnten unterschiedlicher nicht aussehen. Die POINT OF, ein Ringraumer aus Unitall mit einem äußeren Durchmesser von einhundertachtzig Metern, hielt sich exakt im Zentrum des Sphärenkonstrukts auf, denn ihre Generatoren waren es, die die Schutzkugeln mit einem Durchmesser von je dreitausend Metern generierten. Bei der MARIEL wiederum handelte es sich um ein Pyramidenschiff der Utaren, und es wirkte mit seinen vierhundert Metern Basislänge wesentlich gewaltiger als der Ringraumer, dessen Kreisstärke lediglich fünfunddreißig Meter betrug. Der Pyramidenraumer wies an seiner Außenhaut indes zahlreiche Beschädigungen auf, und eine der unteren Ecken war nach innen eingedrückt. Der Antrieb und die Schutzfeldgeneratoren funktionierten ebenso wenig wie die Bordwaffen.

Die blauen Zwerge hatten behauptet, dass sie mit ihrem Schiff versehentlich und leider ungeschützt in ein Asteroidenfeld geraten waren und sämtliche Schiffssysteme daraufhin ihren Geist aufgegeben hatten. Allerdings hatten die Führungsoffiziere der POINT OF inzwischen herausgefunden, dass diese Version nicht ganz richtig sein konnte, denn die Löcher im Pyramidenkörper wiesen Spuren auf, wie sie nur von Energiewaffen verursacht wurden. Außerdem schienen einige Schutzfeldgeneratoren durchaus noch zu funktionieren, denn ein Störfeld umgab den Laderaum in der Basis des Schiffes und verhinderte, dass die Menschen mittels Tastern und Spürern einen Blick auf die Ladung werfen konnten.

Trotz dieser Ungereimtheiten hatte sich Ren Dhark dazu bereiterklärt, den Utaren zu helfen und die manövrierunfähige MARIEL per Intervallschlepp zur nächstgelegenen Station der Blauen zu transportieren. Diese Entscheidung war dem ehemaligen Commander der Planeten nicht leichtgefallen, denn eigentlich befanden er und seine Kameraden sich gerade auf der Suche nach einem Mannschaftsmitglied der POINT OF. Es handelte sich um den Kraval Parock, der seit etlichen Tagen zusammen mit dem speziell auf seine Bedürfnisse zugeschnittenen Xe-Flash im All verschollen war. Dhark, der den vier Meter großen, robusten Koloss nur zu genau kannte, wusste, dass dieser nicht so schnell unterzukriegen war. Dennoch sorgte er sich um seinen Freund, denn sie hatten seit vielen Tagen kein Lebenszeichen mehr von ihm erhalten. Die in Not geratenen Utaren wegen seiner eigenen Probleme im Stich zu lassen kam für den weißblonden Commander jedoch nicht infrage, und so hatte er seinen Ersten Offizier angewiesen, die MARIEL in Intervallschlepp zu nehmen.

Doch jetzt meldete der Ortungschef Tino Grappa plötzlich, dass sich zwei weitere Pyramidenschiffe im Anflug befanden.

Unter anderen Umständen wäre Dhark erleichtert gewesen, denn was lag näher als anzunehmen, dass die Utaren mit den Pyramidenraumern aufgetaucht waren, um ihren in Not geratenen Artgenossen zu helfen? Eingedenk der Schäden der MARIEL, die eindeutig von einem Raumgefecht stammten, hielt es der Commander trotzdem für angeraten, Vorsicht walten zu lassen.

»Funken Sie die Pyramiden an, Mister Morris«, wies er den schmalbrüstigen Mann mit den hellblonden Haaren an, der in der Funkbude saß und vor lauter Ehrgeiz die Finger nicht stillhalten konnte.

»Ist bereits geschehen«, vermeldete dieser auch prompt. »Ich erhalte jedoch keine Antwort.«

»Sind die Waffen einsatzbereit?«, fragte Dhark Hen Falluta daraufhin.

Der Erste Offizier tippte sich mit den Fingern leicht gegen die Stirn. »Waffensteuerungen Ost und West befinden sich in Alarmbereitschaft, seit wir den Notruf der MARIEL empfangen haben.«

Ren Dhark nickte zufrieden. »Rochard und Clifton sollen die beiden Pyramidenschiffe vorsorglich ins Visier nehmen.«

Falluta bestätigte knapp, woraufhin sich Dhark wieder der Funkbude zuwandte. »Ich will mit Skel Skelton sprechen. Er soll mir verraten, was es mit diesen Schiffen auf sich hat.«

Dienstbeflissen aktivierte Morris die Verbindung zur MARIEL, und wenige Augenblicke später baute sich in der Bildkugel ein Extrafenster auf, in dem eine blaue humanoide Gestalt erschien.

»Bring uns schnell von hier weg, Dhark!«, drängte der Utare übergangslos, wobei seine blaue Tolle, die wie die Windhose eines Tornados über seiner Stirn aufragte, bedenklich auf und nieder wippte. Das Gesicht des Blauhäutigen, der kaum größer als einen Meter war, wirkte verzerrt. Nervös nestelte er an der Goldbordüre seiner roten Fantasieuniform herum.

»Wir bekommen Besuch«, gab sich der Commander betont gelassen. »Zwei Pyramidenraumer nähern sich unserer Position. Sie werden uns in wenigen Minuten erreicht haben.«

Der Kapitän der MARIEL winkte ab. »Das weiß ich längst.«

»Eure Ortungsanlage funktioniert also wieder?« fragte Ren Dhark unschuldig. Er konnte sich nicht helfen, aber irgendwie genoss er den Anblick des kurz vor einer Panikattacke stehenden Utaren. Dass Skel Skelton mit falschen Karten spielte, war ihm von vornherein klargewesen; das Verhalten, das der Utare jetzt an den Tag legte, bestätigte diese Annahme nur noch zusätzlich.

»Meine Leute tun alles, um die Schiffssysteme wieder zum Laufen zu bringen«, erläuterte Skel Skelton hastig. »Funk und Ortung arbeiten inzwischen wieder einigermaßen zufriedenstellend.«

»Das freut mich zu hören«, erwiderte Dhark. »Und dich wird es freuen, dass sich Schiffe deiner Landsleute unserer Position nähern.«

»Ehrlich gesagt bin ich darüber nicht gerade glücklich.«

Der weißblonde Raumfahrer zog eine Augenbraue in die Stirn. »Warum denn das?«

»Ich kenne diese Schiffe nicht. Und die Kommandanten reagieren auch nicht auf unsere Funkrufe. Ich fürchte, sie führen nichts Gutes im Schilde.«

»Was sollten sie euch denn Böses wollen?«, bohrte Dhark unerbittlich nach.

»Woher soll ich das denn wissen?«, blaffte der blaue Zwerg. »Ihre Vorgehensweise ist auf jeden Fall verdächtig. So verhalten sich keine Utaren, die sich mit der Absicht zu helfen einem in Not geratenen Schiff nähern!«

Amy Stewart, die ebenfalls vor der Bildkugel stand, zog mit einer Geste Dharks Aufmerksamkeit auf sich. Der weibliche Cyborg deutete mit seinem schlanken muskulösen Arm auf den oberen Bereich der Bildkugel, wo die Position der beiden sich nähernden Pyramidenschiffe nebst den dazugehörigen Zahlenwerten angezeigt wurde.

Dhark furchte die Stirn. Die beiden Pyramiden schwenkten vom Kurs ab, der auf die POINT OF und die MARIEL gezielt hatte. Sie flogen eine Schleife und jagten anschließend in die Richtung zurück, aus der sie gekommen waren.

»Wahrscheinlich haben sie festgestellt, dass unsere Waffensysteme aktiv sind«, mutmaßte Falluta, dem das Manöver der Blauen ebenfalls nicht entgangen war.

»Nanu!«, rief Skel Skelton jetzt überrascht aus. »Mein Ortungschef meldet soeben, dass sich die vermeintlichen Helfer wieder aus dem Staub gemacht haben.« Er verzog bedauernd das Gesicht. »Sieht ganz so aus, als hätten sie es sich doch noch anders überlegt.«

Dharks Miene verfinsterte sich. »Das kommt mir alles ziemlich seltsam vor.«

»Wem sagst du das!« Skel Skelton wirkte nun sichtlich gelöst. »Wir werden wohl nie erfahren, was diese Utaren zu ihrem Handeln bewog. Die beiden Frachtschiffe haben auch keine Kennung gesendet. Wir sollten froh sein, dass sie wieder fort sind, und uns jetzt auf das Naheliegende konzentrieren.«

Dhark rieb sich nachdenklich das Kinn. »Wir setzen einen Kurs auf die Koordinaten, die du uns übermittelt hast, Skel Skelton.«

»Das klingt sehr vernünftig«, lobte der Kapitän und unterbrach die Verbindung.

*

»Wo sind wir da nur wieder hineingeraten?«, rief Chris Shanton aufgebracht. Der wohlbeleibte Ingenieur mit Halbglatze, spitzem Kinnbart und buschigen Augenbrauen schüttelte den Kopf. »Ich fresse einen Schraubenschlüssel, wenn es sich bei diesen beiden Pyramidenraumern nicht um jene Schiffe handelt, die die MARIEL angegriffen und beschädigt haben.«

»Da kann man dir ja nur wünschen, dass du unrecht hast«, machte sich Jimmy bemerkbar. »Ein Schraubenschlüssel lässt dich jedenfalls nicht noch zusätzlich Fett ansetzen.« Der Roboterhund mimte den braven Scotchterrier, machte Sitz und sah mit seinen Hundeaugen treuherzig zu seinem Konstrukteur auf.

»Immerhin wusste Skel Skelton, dass es sich um Frachtschiffe gehandelt hat«, warf Arc Doorn ein, der keine Lust verspürte, auf Jimmys Stichelei einzugehen. »Es ist daher anzunehmen, dass sie waffentechnisch nicht viel besser ausgerüstet sind als die MARIEL, die auch bloß ein Handelsschiff ist und lediglich über Defensivbewaffnung verfügt. Darum wollten sie sich wohl auch nicht auf einen Kampf mit uns einlassen.«

Amy Stewart verschränkte die Arme vor der Brust. Das Licht der Zentrale schimmerte kühl in ihrem blonden Haar. »Ohne entsprechende Bewaffnung hätten diese beiden Schiffe der MARIEL ja wohl kaum so arg zusetzen können, wie es offenkundig geschehen ist.« Ihre Stimme in Altlage trug ihre Worte spielend leicht bis zu allen Arbeitspulten in der Zentrale.

Jimmy erhob sich lässig. »Ich organisiere dann schon mal einen Schraubenschlüssel.«

Shanton verstellte seiner Erfindung den Weg. »Wir wissen nichts über die Bewaffnung dieser Pyramidenschiffe«, stellte er klar. »Also können wir auch nicht sagen, ob sie nicht doch für die Schäden an der MARIEL verantwortlich sind. Womöglich geht ihre Bewaffnung über das hinaus, was sonst bei Handelsschiffen der Utaren üblich ist.«

»Die beiden Schiffe waren energetisch so gut abgeschirmt, dass ich auf die Schnelle nicht ermitteln konnte, über welche Waffensysteme sie verfügen«, mischte sich Tino Grappa ein. »Es ließ sich nicht einmal ein Blick in ihre Frachträume werfen.«

»Wie bei der MARIEL auch«, ergänzte Dhark ernst.

Jimmy setzte sich wieder und drehte demonstrativ den Kopf zur Seite.

»Wir haben es mit äußerst zwielichtigen Gesellen zu tun«, resümierte Shanton erbost. »Und für dieses Pack unterbrechen wir die Suche nach Parock?«

»Wir sind sie ja bald wieder los«, beschwichtigte der Commander. »Das Zielgebiet ist nur knapp eine Tagesreise entfernt.«

»Was werden wir bei diesen Koordinaten denn überhaupt vorfinden?«, hakte Amy nach und sah fragend zu Tino Grappa hinüber.

»Das lässt sich nicht so genau sagen«, musste der Ortungschef einräumen. »Unsere Sternenkarten von diesem Gebiet der Milchstraße sind nicht sehr genau. Anscheinend befindet sich dort eine gelbe Sonne. Mehr gibt unser Datenmaterial nicht her.«

Arc Doorn strich seine langen roten Haare über die Schulter zurück. »Skel Skeltons Worten nach zu urteilen müsste sich dort eine Station der Utaren befinden.«

»Warum funken wir diese Station nicht einfach an und teilen den dort verweilenden Utaren mit, dass ihre Kollegen in der MARIEL Hilfe benötigen?«, warf Shanton ein. »Sollen die sich doch um ihre Artgenossen kümmern.«

Dhark rieb sich den Nacken. »Ehrlich gesagt bin ich neugierig, was die Utaren in diesem Teil der Milchstraße so treiben«, sagte er gedehnt. »Aber Sie haben natürlich recht, Chris. Die Suche nach Parock hat Vorrang!« Er wandte sich der Funkbude zu, doch sagen musste er nichts, denn Morris hatte bereits einen To-Richtfunkimpuls auf die Reise zu den Koordinaten geschickt, was er dem Commander mit einem Fingerzeig in Flugrichtung kundtat.

»Wir werden empfangen«, informierte Morris die um die Bildkugel Stehenden kurz darauf. »Ich bin mit der Funkzentrale der Einrichtung verbunden.« Er presste den Kopfhörer mit einer Hand gegen das rechte Ohr und sprach etwas in das Mikrofon. Anschließend lauschte er konzentriert. Dann nickte er und sah zu Ren Dhark hinüber. »Der Stationsleiter Kut Kutima will Sie sprechen, Sir!«

Dhark deutete mit einem Kopfnicken auf die Bildkugel, woraufhin der Funker die Bildsprechverbindung in die Kugel leitete. Ein Fenster dehnte sich von einem winzigen Punkt ausgehend aus und mit ihm auch das zerfurchte Gesicht eines betagten Utaren. Die Tolle aus stark gelichteten, blassblauen Haaren mutete mehr wie eine diffuse Nebelschwade an. Der blaue Zwerg trug eine schlichte grüne Uniform, die, untypisch für einen Utaren, kaum Verzierungen aufwies.

»Ihr habt die MARIEL im Schlepp, wurde mir berichtet«, kam Kut Kutima gleich zur Sache, ohne sich lange mit irgendwelchen Begrüßungsformeln aufzuhalten.

»Ganz recht«, erwiderte Dhark. »Das Schiff ist stark beschädigt und manövrierunfähig, die Mannschaft allerdings wohlauf.«

»Ich will sofort mit Skel Skelton sprechen!«, verlangte der Stationsleiter.

»Das kannst du, sobald du mir versichert hast, dass du dich um die Bergung des Pyramidenraumers kümmern wirst.«

»Das ist mir leider nicht möglich.« Kut Kutima wurde sich nun anscheinend bewusst, wie unhöflich sein Auftreten gewirkt haben musste. »Ich bitte um Entschuldigung, wir erwarten das Eintreffen der MARIEL schon seit einiger Zeit. Das Schiff hat wichtige Güter geladen, Lebensmittel und so – eben alles, was wir zum Überleben in dieser Station benötigen.«

»Und aus welchem Grund könnt ihr dem havarierten Schiff nicht helfen?«, wollte Dhark wissen.

»Weil momentan kein anderer Raumer an der Station angedockt ist. Es befindet sich auch keiner in unmittelbarer Nähe. Wir sind auf eure Hilfe angewiesen. Leider.«

Dhark presste unzufrieden die Lippen aufeinander. »Wir haben uns bereits auf den Weg gemacht, wie du ja weißt«, erklärte er. »In etwa zwanzig Stunden werden wir mit der MARIEL im Schlepp eintreffen.«

»Wir werden euch nicht lange aufhalten«, versicherte Kut Kutima. »Alles, was ihr zu tun habt, ist, das Schiff bei uns abzuliefern. Anschließend könnt ihr sofort wieder eurer Wege ziehen.«

Dhark wurde den Eindruck nicht los, dass es der Stationsleiter gar nicht so gern sah, wenn sich Fremde der Raumstation näherten. Unter anderen Umständen hätte der Utare wahrscheinlich versucht, die Menschen abzuwimmeln. In diesem Fall blieb dem Blauen jedoch offenbar nichts anderes übrig, als die Raumfahrer zu empfangen, doch nur, um sie anschließend so schnell wie möglich wieder loszuwerden. Die Neugier des Sternenforschers erhielt neue Nahrung. »Ich erwarte eine kleine Entschädigung für unser aufopferungsvolles Verhalten«, erklärte er prompt und für seine Kameraden völlig unerwartet, wie ihre verwunderten Mienen verrieten. »Immerhin verlieren wir durch diese Bergungsaktion wertvolle Zeit.«

Der Utare zog zerknirscht die Augenbrauen zusammen. »Mal sehen, was sich da machen lässt«, erwiderte er ausweichend. »Aber zuerst einmal bringt ihr die MARIEL mitsamt ihrer Ladung in einem Stück hierher, verstanden?«

Dhark lächelte glatt. »Du kannst dich auf uns verlassen. Bis bald!«

Morris schaltete die Verbindung stumm und machte sich anschließend daran, den Utaren in der MARIEL eine Kontaktaufnahme mit der Station zu ermöglichen.

Dhark fing von seiner Lebensgefährtin unterdessen einen fragenden Blick auf.

»Du verlangst eine Entschädigung?«, wunderte diese sich mit in Falten gelegter Stirn.

Dhark zuckte mit den Schultern und antwortete lapidar: »Das ist nur ein Vorwand, damit Kut Kutima uns nicht sofort wieder fortjagen kann.«

»Warum wollen wir uns länger als nötig bei dieser Utaren-Station herumtreiben?«, wollte Shanton wissen. »Wir können uns doch später um diese Sache kümmern. Viel wichtiger ist es doch, dass wir Parock endlich finden.«

»Dabei können uns die Utaren am Ende vielleicht sogar helfen«, erwiderte Dhark. »Wir dürfen nicht vergessen, dass wir Parocks Spur in diesem Raumsektor verloren haben. Den Utaren könnte womöglich etwas aufgefallen sein, das uns helfen wird, die Spur wiederzufinden.«

»Sie glauben, es existieren in dieser Utaren-Station entsprechende Anlagen?«, hakte Arc Doorn nach.

»Ich glaube gar nichts«, ging Dhark auf die Frage des Worgunmutanten in der Gestalt eines Menschen ein, der angeblich in Sibirien geboren worden war. »Ich gedenke jedoch, mir Gewissheit zu verschaffen.«

»Was soll denn nun mit unseren neun S-Kreuzern geschehen?«, hakte Falluta nach. »Diese stehen immer noch in Formation einer Kugelsphäre im Raum. Sollen wir sie nun vielleicht doch zur Verstärkung heranziehen?«

Dhark überlegte einen kurzen Moment lang, entschied sich dann jedoch anders. »Die S-Kreuzer bleiben, wo sie sind, nämlich dort, wo wir die Suche nach Parocks Xe-Flash eingestellt haben, als wir den Notruf der MARIEL empfingen. Auf diese Weise können wir unverzüglich mit der Suche an derselben Stelle fortfahren, sollte der Besuch in der Utaren-Station nichts ergeben.«

»Außerdem würde Kut Kutima nur misstrauisch werden, wenn wir statt mit nur einem Ringraumer plötzlich mit zehn bei seiner Station auftauchen«, pflichtete Amy ihrem Lebensgefährten bei.

Dhark nickte. »Darüber hinaus würde es mir jetzt auch viel zu lange dauern, bis der Checkmaster die Verbindung zu den Hyperkalkulatoren der S-Kreuzer wiederhergestellt hat, um den Verband dann zentral zu lenken. Es ist zwingend erforderlich, dass wir bei der Suche nach Parock endlich vorankommen, ohne dabei noch mehr Zeit zu vergeuden!«

Shanton seufzte. »Ich hoffe inständig, dass uns dieser kleine Zwischenfall tatsächlich mehr nützt als schadet. Wir müssen den Kraval endlich finden!«

*

Artus hielt sich vor der Bildkugel auf und betrachtete die Darstellung des Weltalls mit seinen leicht vorstehenden rötlichen Optiken. Der humanoide Großserienroboter aus Stahl stand jedoch nicht reglos da. Er bewegte die im Vergleich zum Torso dünnen, röhrenförmigen Arme wie jemand, der in einem Museum vor dem Gemälde eines Altmeisters verweilt und seinen Gedanken nachhängt. Dabei wechselte er von einem Standbein auf das andere, wie um die Muskeln zu entlasten, die er doch gar nicht besaß.

Taret Londok, der Artus seit einer Weile beobachtete, trat neben den Roboter hin. »Was geht dir in diesem Moment durch den Kopf, Artus?«, fragte er.

Der Roboter drehte dem Tel das konturlose Gesicht zu, das – von den »Augen« einmal abgesehen – lediglich über eine Art Plattnase und einen mit einem Lautsprechergitter versehenen Mundschlitz verfügte. Die Akustikmuscheln an beiden Kopfseiten vervollständigten den minimalistischen Entwurf der Ingenieure von Wallis Industries, die diese Baureihe entwickelt hatten. Lediglich das grüne Stirnband mit dem goldenen »A« darauf, das Artus einst von Jamie Savannah geschenkt bekommen hatte, verlieh der intelligent gewordenen Maschine ein individuelles Aussehen.

»Ich bewundere die ausgeklügelte Formation unserer neun S-Kreuzer«, erklärte Artus.

Der Tel-Wissenschaftler blinzelte indigniert. Die hellblauen Augen in dem schwarzen Gesicht, dessen Physiognomie an die eines Nordeuropäers erinnerte, stachen dabei genauso auffällig wie seine weißen Zähne hervor. »Und ich dachte, du wärst beim Anblick der Sterne in philosophische Betrachtungen versunken.«

»Nur weil ich durch die Vernetzung meiner vierundzwanzig Cyborg-Programmgehirne mit meiner Suprasensorik echte Künstliche Intelligenz erlangt habe, bedeutet das nicht, dass ich mich den lieben langen Tag mit hochtrabenden Gedanken herumschlage«, entgegnete Artus.

Taret Londok lächelte verunsichert. Seit er vor einigen Wochen an Bord der POINT OF gekommen war, um die Terraner im Auftrag des Telin-Imperiums dabei zu unterstützen, das entflohene Bakterienmannsegment und den von den Bazillen gestohlene Elart einzufangen und zurück zur Forschungswelt Reshaf zu bringen, hatte er viele wunderliche Dinge gesehen. Artus, der Ren Dhark seit vielen Jahren als gleichberechtigtes Mannschaftsmitglied der POINT OF zur Seite stand, faszinierte ihn dabei jedes Mal aufs Neue.

Der Tel beugte sich vor und suchte die Bildkugel mit den Blicken ab. »Was genau hast du dir angesehen? Ich kann nur Sterne erkennen.«

»Meine Optiken vermögen schärfer zu sehen, als es den meisten Biologischen möglich ist.« Artus machte sich an der Steuerung des Bildgebers zu schaffen, woraufhin neun rot eingefärbte Kreissymbole in der Darstellung erschienen. Sie bildeten eine Kugelsphäre, die sich weit in den Leerraum ausdehnte.

»Das sind die neun S-Kreuzer, die wir an jener Stelle zurückgelassen haben, an der wir die Suche nach Parock unterbrechen mussten«, erläuterte Artus. »Die POINT OF passiert deren Position gerade, und ich nutze die Gelegenheit, das Arrangement in der Bildkugel zu betrachten.«

Taret Londok lächelte andeutungsweise. »Diese Formation stellt für dich einen ästhetischen Anblick dar?«, vermutete er.

»Ruft die Akkuratesse dieser Formation denn nicht deine Bewunderung hervor?«, wollte Artus wissen. »Inmitten des willkürlichen Chaos der Sternenkonstellationen muten die exakt positionierten S-Kreuzer doch fast schon archaisch an, so als betrachte man ein uraltes Relikt, das von ähnlich großartiger Schöpferkraft kündet, mit der auch die Sterne erschaffen wurden.«

Der Tel-Wissenschaftler fuhr sich mit den Fingern durch das dichte Kopfhaar. »Ich sehe dort draußen eigentlich nichts anderes als real gewordene physikalische Gesetzmäßigkeiten. Die S-Kreuzer-Formation hingegen stellt nur ein von intelligenten Lebensformen erdachtes und von ihren Rechenmaschinen umgesetztes Konstrukt dar.«

»Und dennoch teilen sich beide Phänomene ein und denselben Raum.«

Taret Londok blies die Wangen auf und ließ dann hörbar Luft aus seinem Mund entweichen. »Wir sind nun einmal Teil dieses Universums und hinterlassen Spuren darin. Die würde ich jedoch nicht unbedingt mit den Hervorbringungen der Natur gleichsetzen.«

»Wenn es sich um rein mathematische Konstrukte handelt, wie etwa die geometrische Formation dieser S-Kreuzer, erkenne ich darin durchaus eine konstruktive Schaffenskraft.«

Der Tel-Wissenschaftler sah Artus eine Weile nachdenklich an. »Dich beschäftigen sehr wohl philosophische Problematiken, wie mir scheint. Hattest du das vorhin nicht abgestritten?«

»Ich habe lediglich gesagt, dass mich nicht ausgerechnet der Anblick der Sterne zu philosophischen Gedanken reizt. Vielmehr ist es die S-Kreuzer-Formation, die meinen Denkapparat auf Touren bringt.«

»Das liegt vielleicht daran, dass du selbst auch ein von biologischen Lebewesen entwickeltes Konstrukt bist«, mutmaßte Londok. »Künstliche Intelligenz erkennt sich selbst in den von Sternenvölkern erschaffenen Gebilden wieder.«

»Selbsterkenntnis durch Reflektion, die sich nicht an der Natur, sondern an künstlichen Konstrukten festmacht«, fasste Artus mit ernster Stimme zusammen. »Das trifft es vielleicht am besten.«

Taret Londok gab sich keine Mühe, sein Erstaunen über diese Unterhaltung zu verbergen. »Langsam begreife ich, warum es den Tel trotz technischem Fortschritt bisher nicht gelungen ist, echte künstliche Intelligenz zu erschaffen. Wir verdanken unseren Aufstieg hauptsächlich der Nutzung von Rakes-Technologie, die wir vor mehreren Hundert Jahren entdeckten. Seitdem bemühen wir uns, diese Technik zu entschlüsseln und zu begreifen. Doch davon unabhängig auf eigene Bestrebungen hin etwas auf technischem Gebiet hervorzubringen, wie es die Menschen getan haben, kommt bei den Tel meines Erachtens viel zu selten vor. Du stellst so ein Konstrukt dar, Artus. In dir steckt keine von den Rakes abgeschaute Plagiattechnik. Du bist ein von Menschen selbstständig hervorgebrachtes Konstrukt. Nur deshalb ist es Jimmy und dir möglich gewesen, künstliche Intelligenz zu entwickeln.«

»Ein interessanter Gedankenansatz«, stimmte Artus zu. Er sah den Tel-Wissenschaftler unverwandt an. »Wirst du dich nach deiner Rückkehr ins Telin-Imperium dafür einsetzen, dass die Tel vermehrt eigene Forschung betreiben, anstatt nur auf die Relikte der Worgun zu bauen?«

Londok seufzte. »Ich weiß es nicht«, musste er gestehen. »Von den Hinterlassenschaften der Rakes geht eine viel zu große Faszination aus. Ob ich mich der Strahlkraft dieser Relikte jemals werde entziehen können, um komplett unabhängige Forschungen zu betreiben, mit dem Ziel, ureigene Tel-Erfindungen zu generieren, vermag ich nicht zu sagen.«

»Das ist wohl einer der wichtigen Punkte, in denen sich Menschen und Tel voneinander unterscheiden.« Artus wandte sich von der Bildkugel ab. »Du musst mich jetzt entschuldigen, Londok. Der Checkmaster benötigt meine Unterstützung. Ich habe zu arbeiten.«

Der Tel-Wissenschaftler nickte zerstreut. Noch lange stand er da und starrte sinnierend auf die Bildkugel, bis Shanton ihn mit dem Hinweis auf das in der Messe bereitstehende Mittagsmahl aus seinen Betrachtungen riss.

*

Als die Utaren-Station nur noch eine halbe Lichtstunde entfernt war, versammelten sich Ren Dhark und seine Kameraden um die Bildkugel, um sich einen Eindruck von der Einrichtung der blauen Zwerge zu verschaffen.

Schon etliche Stunden zuvor hatten Tino Grappa und Dencil Yell per Fernortung festgestellt, dass die Zielsonne über keinerlei natürliche Trabanten verfügte. An diesem Befund änderte sich auch nichts, während die POINT OF mit der MARIEL im Intervallschlepp immer näher an das Gestirn heranrückte. Dort, wo um andere Sterne herum Planeten und Asteroiden ihre Bahnen zogen, präsentierte sich die Umgebung dieser Sonne wie leergefegt. Nicht einmal kleine Gesteinsbrocken oder Staubpartikel ließen sich mit den Ortungsgeräten nachweisen. Der interplanetare Raum schien vollkommen steril zu sein – wäre da nicht die Station der Utaren gewesen.

Das eindrucksvolle Bauwerk der blauen Zwerge befand sich in einer geostationären Umlaufbahn nur fünfzigtausend Kilometer von der Photosphäre des gelben Gestirns entfernt im Leerraum und erinnerte die Raumfahrer an einen langen, verwachsenen Baumstamm, der mit Pilzen überwuchert war.

Das Gebilde maß einen Kilometer in der Länge und besaß einen Durchmesser von etwa fünfzig Metern. Es schien aus mehreren verschiedenen Segmenten zu bestehen, die auf eine Art und Weise aneinandergefügt worden waren, die schlussendlich das uneinheitliche Bild eines verknoteten Baumstamms ergaben. Bei den pilzförmigen Gebilden, die die Oberfläche des Stabes bedeckten, handelte es sich um gewaltige Parabolspiegel, deren Schüsseln hauptsächlich auf die Sonne ausgerichtet waren.

»Es scheint sich um eine Forschungsstation zu handeln«, äußerte Shanton als Erster eine Vermutung.

Arc Doorn nickte gewichtig. »Ich neige zu der Annahme, dass wir es bei dieser Sonne aufgrund der merkwürdigen Gegebenheiten innerhalb des interplanetaren Raums mit einer Anomalie zu tun haben.«

»Die Utaren sind hier also anscheinend auf ein interessantes Phänomen gestoßen, das sie nun zu erforschen versuchen«, beteiligte sich auch Taret Londok an der Einschätzung der Lage.

»Die Parabolantennen zeigen nicht alle in Richtung der gelben Sonne«, bemerkte Amy Stewart. »Einige wenige sind in den offenen Weltraum ausgerichtet.«

»Vielleicht erfüllen diese zurzeit nur einfach keine Funktion und wurden darum stillgelegt«, warf Hen Falluta ein. »Dort draußen gibt es immerhin nichts Interessantes zu beobachten.«

»Was können Sie uns über die Sonne sagen, Mister Grappa?«, rief Ren Dhark zur Ortungsabteilung hinüber. Neben Grappa arbeitete momentan auch sein Kollege Dencil Yell an dem Pult. »Weist die irgendwelche Besonderheiten auf?«

»Schwer zu sagen«, gab der Mailänder zurück. »Dem ersten Anschein nach handelt es sich um einen ganz gewöhnlichen gelben Stern. Die Heliosphäre ragt allerdings nicht so weit in den Weltraum hinein, wie es bei derartigen Sonnen normal ist. Die äußere Grenze der Astrosphäre ist dagegen klar definiert und nicht zerfasert wie sonst üblich.«

»Die Sonnenwinde mit ihren mitgeführten Magnetfeldern müssten wohl eher als Stürme oder Hurrikane bezeichnet werden«, ergänzte Yell, der konzentriert die Anzeigen seiner Station betrachtete. »Die Teilchenströme toben extrem heftig und verdrängen das interstellare Medium bis an die Grenze der Heliosphäre mit erstaunlicher Nachhaltigkeit.«

Shanton strich sich über den Kinnbart und umschloss das Ende mit der Faust, um in dieser Pose einen Moment zu verharren. »Dann werden diese Sonnenwinde wahrscheinlich dafür verantwortlich sein, dass die Heliosphäre frei von jeglichen Himmelskörpern ist.«

Doorn nickte beipflichtend. »Obwohl der Druck des Teilchenstroms extrem groß ist, bleibt die Utaren-Station wie festgenagelt am Fleck stehen. Das ist ziemlich bemerkenswert.«

Amy legte die Hände auf ihre Hüften. »Die Blauen sind bekannt für ihre ausgeklügelten energetischen Felder. Bestimmt haben sie etwas entwickelt, das sie und ihre Station vor der Strahlung der Sonne genauso schützt wie vor den Sonnenwinden.«

»Ich denke, Miss Stewart hat recht!«, rief Grappa herüber. »Die Station lässt sich mit keinem unserer Taststrahlen durchdringen. Für unsere Ortung ist dieses Objekt so gut wie unsichtbar. Nur optisch lässt es sich erfassen, wenn man, wie in diesem Fall geschehen, entsprechende Filter vorsetzt, die das grelle Sonnenlicht dämpfen.«

»Die Utaren wollen also möglichst unentdeckt bleiben«, resümierte Dhark. »Umso mehr muss es Kut Kutima ärgern, dass er jetzt Fremde an die Station heranlassen muss.« Der Commander warf einen Blick in die Runde. »Ich will um jeden Preis einen Fuß in diese Anlage setzen. Die Utaren hüten ein Geheimnis, und ich möchte unbedingt herausfinden, was es damit auf sich hat!«

»Wir werden gerufen!«, machte sich Glenn Morris von der Funkbude aus bemerkbar. »Es ist Kut Kutima. Die Nachricht erreicht uns über eine To-Richtfunkverbindung.«

Falluta furchte die Stirn. »Das ist allerdings merkwürdig. Wir befinden uns doch längst in Reichweite herkömmlicher Funkwellen.«

»Die haben in den hiesigen Sonnenwinden keinen Bestand«, erläuterte Morris. »Der Teilchenstrom wirbelt alles durcheinander.«

»Lassen Sie uns hören, was der Stationsleiter von uns will«, forderte Dhark den Ersten Funker auf.

In der Bildkugel erschien daraufhin ein Abbild des betagten Utaren und überlagerte die Darstellung der Forschungsstation.

»Willkommen im Kontemo-System«, begrüßte er die Raumfahrer. »Ich würde euch einen Leitstrahl senden, wenn das einen Sinn hätte. Doch die Sonnenwinde würden ihn zerstreuen und euch in die Irre leiten, anstatt euch zur Andockbucht zu führen. Ihr müsst also auf Sicht fliegen.«

»Das stellt für uns kein Problem dar«, erwiderte Dhark. »Ich bin mir nur nicht sicher, was mit meinem Schiff und der Besatzung geschehen wird, wenn ich die Schutzsphären abschalte, um die MARIEL aus dem Intervallschlepp freizugeben. Ich werde meine Mannschaft keinerlei Risiken aussetzen, damit das klar ist!«

»Die Kontemo-Station ist von einem starken kugelförmigen Schutzfeld mit einem Durchmesser von knapp fünf Kilometern umgeben, sodass der gesamte Stabkörper dieser Einrichtung von einem Ende bis zum anderen großzügig eingehüllt ist«, versicherte der Utare. »Sobald euer Schiff in dieses Kugelfeld eintaucht, seid ihr in Sicherheit und könnt die Intervallfelder bedenkenlos abschalten. Die Andockstelle für die Raumschiffe befindet sich übrigens in der Mitte des Bauwerkes auf der sonnenabgewandten Seite.«

»Die MARIEL kann noch immer nicht navigieren«, gab Falluta zu bedenken.

»Kein Problem«, entgegnete Kut Kutima leichthin. »Der Pyramidenraumer wird mithilfe eines Traktorstrahls zur Andockvorrichtung hingezogen.« Er lächelte zuvorkommend. »Ihr dürft eure Aufgabe ab dem Zeitpunkt als erledigt betrachten, da ihr die MARIEL aus dem Intervallschlepp entlasst.«

»Ich habe diese Dienstleistung an eine Bedingung geknüpft«, erinnerte Dhark den Stationsleiter.

Kut Kutima winkte ab. »Sag mir einfach, was du willst, und ich werde sehen, ob ich dir dein Begehren erfüllen kann.«

»Das will ich mit dir lieber unter vier Augen erörtern.«

»So? Warum denn das?«

»Die Sache ist ein bisschen kompliziert, und es könnte sein, dass ich einige eurer Apparaturen dafür in Anspruch nehmen muss.«

Die Miene des Utaren verfinsterte sich. »Diese Einrichtung ist für Utaren ausgelegt. Ich fürchte, Lebewesen von deiner enormen Größe dürften die hiesigen Räumlichkeiten eher als beengend empfinden.«

»Es wäre für mich nicht das erste Mal, dass ich ein Bauwerk der Utaren betrete.« Dhark lächelte unterkühlt. »Ich bin mir sicher, dass es auch in der Kontemo-Station Bereiche gibt, die groß genug sind, damit ich bequem darin stehen kann.«

Kutima presste den Mund zu einem schmalen Strich zusammen. »Wir sind hier sehr beschäftigt«, setzte er an.

»Die Angelegenheit wird nicht lange dauern«, versprach der Commander. »Und ich denke, es ist nicht zu viel verlangt, dass du uns ein wenig von deiner kostbaren Zeit opferst, nachdem wir einen ganzen Tag dafür aufgewendet haben, die MARIEL zu euch zu bringen. Ganz zu schweigen davon, dass uns auch noch der Rückweg bevorsteht.«

Der Utare fuhr sich mit der Hand über das Gesicht. »Also schön!«, sagte er nicht eben begeistert. »Ich werde eine weitere Andockstelle für euren Ringraumer aktivieren lassen. Du musst allerdings allein kommen. Und wenn diese Sache erledigt ist, um die du mich bitten möchtest, müsst ihr unverzüglich wieder verschwinden.«

»Glaub mir, das liegt auch in unserem Interesse!«

Amy Stewart schüttelte entschieden den Kopf. »Du solltest nicht ohne Begleitung in diese Station gehen«, zischte sie ihrem Lebensgefährten zu.

Dhark nickte kaum merklich. »Ein Roboter wird mich begleiten, Kut Kutima«, sagte er daraufhin und warf Artus einen kurzen Blick zu.

»Einverstanden«, grummelte der Utare missmutig. »Wir sehen uns dann in der Abfertigungshalle.«

Dhark gab Grappa ein Zeichen, die Verbindung zu unterbrechen.

»Was hast du nur vor, Ren?«, erkundigte sich Amy, während das Zusatzfenster in der Bildkugel erlosch.

»Ich versuche, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen«, erläuterte Dhark. »Drückt mir die Daumen, dass dies auch gelingen wird.«

2.

Auf Ren Dharks Geheiß hin übernahm Hen Falluta die Gedankensteuerung. Während der Checkmaster das Gehirn des Ersten Offiziers mit den optischen Eindrücken versorgte, die die Außenkameras generierten, steuerte Falluta den Ringraumer nebst Pyramidenschiff in die Schutzsphäre der Utaren-Station. Mit einem kurzen Zuruf bedeutete ihm der mailändische Ortungsoffizier, dass die doppelten Intervallfelder gänzlich in das fremde Fluidum eingetaucht waren. Falluta brachte die beiden Schiffe daraufhin bis auf zweihundert Meter an die Station heran, dann schaltete er die Intervallfelder ab.

Grappa ließ die Finger über die Tastfelder seiner Station tanzen und überflog dabei mit den Blicken die Meldungen der Spürer. »Es sind keine schädlichen Strahlungen feststellbar«, informierte er die Anwesenden. »Das Schutzfeld der Utaren schirmt die darin eingehüllten Objekte offenbar mit derselben Effektivität ab wie unsere Intervallfelder. Wir befinden uns allerdings nicht in einem Zwischenkontinuum.«

Falluta nahm das Gesagte aufmerksam in sich auf, während er im Geiste das Geschehen außerhalb der POINT OF verfolgte. Der vom Checkmaster in Gedankenimpulse umgewandelte Videostrom der Kameras vermittelte dem Ersten Offizier ein genaues Bild der Vorgänge. Er sah den Mittelteil der Kontemo-Station förmlich vor sich. Statt der Parabolantennen ragten dort in regelmäßigen Abständen gewaltige Stutzen aus dem röhrenförmigen Modul. Diese Ausstülpungen gab es offenbar nur auf der sonnenabgekehrten Seite der Station, denn über den oberen und unteren Rand der Röhre hinweg konnte Falluta die Rückseiten der Parabolspiegel auf der gegenüberliegenden Seite ausmachen, deren konkave Flächen dem gelben Stern zugekehrt waren.

Zwei der Stutzen, die alle einen Durchmesser von je vier Metern aufwiesen und knapp zwei Meter aus dem Modul ragten, wurden jetzt von einem pulsierenden roten Leuchtkranz umgeben. Falluta beobachtete, wie die MARIEL auf einen der markierten Stutzen zuschwebte.

»Wir werden von einem Traktorstrahl erfasst!«, meldete Grappa in diesem Moment.

Falluta bemerkte dies jetzt ebenfalls. Daraufhin schaltete er den Brennkreis ab, sodass die POINT OF nunmehr antriebs- und steuerlos in der Schutzsphäre schwebte. Die Werte, die der Checkmaster kurz darauf in sein Gehirn überspielte, verrieten ihm, dass die POINT OF jetzt ebenfalls zu einem Stutzen hingezogen wurde. Dieser entpuppte sich bei genauerem Hinsehen als eine Art Schott.

Der blinkende rote Kreis, der den Stutzen umgab, wurde zunehmend größer, während der Ringraumer darauf zuglitt. Als der Abstand zum Tor nur noch zehn Meter betrug, wurde das Schiff angehalten und verharrte am Fleck.

»Das scheinen ja ziemlich mächtige Kraftfelder zu sein, mit denen die Utaren da hantieren«, merkte Shanton an, der das Geschehen vor der Bildkugel stehend verfolgte. »Ich wusste gar nicht, dass die Blauen diese Technik so gut beherrschen.«

»Es kommt noch viel schöner!«, rief Falluta. »Eine rötliche Kraftfeldröhre schiebt sich auf die POINT OF zu. Diese pulsierenden Lichtkreise, die die Schotts umgeben, dienen offenbar nicht nur als Navigationshilfe, vielmehr scheint es sich um einen modulierbaren Energiering zu handeln.« Der Erste Offizier schüttelte verdattert den Kopf. »Die Röhre trifft genau dort auf die Außenhülle der POINT OF, wo sich eine Personenschleuse befindet.«

»Sie haben unser Schiff durchleuchtet«, schlussfolgerte Dhark und warf einen Blick zu Grappa hinüber.

Der Mailänder schüttelte daraufhin den Kopf. »Unsere Sensoren haben keinen Taststrahl registriert.«

Plötzlich schallte eine Stimme in der Zentrale auf. »Der Andockvorgang ist abgeschlossen. Die Verbindungsröhre steht jetzt zum Übergang in die Station bereit.«

Glenn Morris fluchte verhalten, während er hektisch an der Kommunikationskonsole herumschaltete. »Ich habe keine Ahnung, wie die Utaren das gemacht haben!«, rief er frustriert. »Diese Stimme scheint wie aus dem Nichts gekommen zu sein!«

Dhark furchte grüblerisch die Stirn. Dann wandte er sich an Artus: »Mach dich bereit. Wir statten dieser geheimnisvollen Station jetzt einen Besuch ab.«

Artus, der sofort verstand, was sein Freund von ihm erwartete, nahm das Stirnband ab und verwahrte es in einem Fach seines Torsos. Um sich den Anschein eines gewöhnlichen Roboters zu verleihen, schritt er dann ein wenig steifbeinig hinter dem Commander her, der sich Richtung Ausgang in Bewegung gesetzt hatte.

*

Artus setzte vorsorglich als Erster einen Fuß in das rötliche Röhrenfeld, das sich hinter dem äußeren Schott der POINT OF anschloss und nahtlos an der Unitallhülle anlag. Das durchscheinende Gebilde mündete am gegenüberliegenden Ende in den Stutzen, dessen Schott nun offenstand. Dahinter erstreckte sich eine hell erleuchtete Halle, in der etliche Utaren geschäftig hin und her rannten.

Artus, der nun mit beiden Beinen in der Röhre stand, hüpfte auf und nieder, um die Festigkeit des Gebildes zu testen. Der Untergrund gab zwar ein wenig nach, doch die Röhre selbst federte nicht, sondern blieb stabil.

Dhark trat hinzu und sah sich in der transparenten Röhre um. »Beeindruckend«, merkte er an und gab Artus dann zu verstehen, weiterzugehen.

Bereits wenige Schritte später erreichten sie die Halle. Diese erstreckte sich etwa zwanzig Meter in die Tiefe und endete vor einer mit mehreren Durchlässen versehenen Wand. In ihrer Breite umfasste sie gleich mehrere Andockstellen; weit auseinanderstehende Säulenreihen trennten die unterschiedlichen Bereiche voneinander. Die Halle maß in der Höhe sogar noch einen Meter mehr als der Durchmesser der Stutzen; selbst Parock hätte darin bequem stehen können. Während Dhark mit Sorge an seinen Kraval-Freund dachte, sah er zu dem benachbarten Bereich hinüber, vor dessen Schott die MARIEL festgemacht war.

Transportbehälter von unterschiedlicher Größe wurden auf Prallfeldern ruhend aus dem Laderaum des Pyramidenschiffs in die Kontemo-Station geschafft. Kleine Projektoren, die sich die Utaren vor die Brust geschnallt hatten, generierten offensichtlich die Kraftfelder, mit deren Hilfe die Kisten bewegt wurden. Die Lasten zu bewegen wurde von den Feldern offenbar ebenfalls übernommen, denn die Blauen mussten sich in keiner Weise anstrengen.

»Kannst du herausfinden, was sich in den Behältern befindet?«, raunte Dhark Artus zu.

»Leider nicht«, erwiderte dieser. »Unsere Hallensektion ist von einem Energiefeld umgeben. Die Utaren haben offenbar vorgesorgt und den zu unserer Andockstelle gehörenden Bereich energetisch isoliert, damit wir nicht spionieren können.«

»Ren Dhark!«, schallte da ein Ruf zu ihnen herüber. »Willkommen in der Kontemo-Station!« Kut Kutima schritt zwischen zwei Säulen hervor auf die Gäste zu. Die Daumen hinter den Gürtel gehakt vermittelte der nur einen Meter große Utare einen selbstzufriedenen Eindruck. Ein wesentlich jüngerer Utare folgte ihm dichtauf. Dieser trug ebenfalls eine rote schlichte Uniform, doch seine tiefblaue Tolle besaß wesentlich mehr Spannkraft als die des Stationsvorstehers. Sie gabelte sich in zwei spitz zulaufende Stränge, die bei jedem Schritt vorwitzig auf und nieder wippten.

»Das ist Sne Snekas«, stellte Kutima seinen Begleiter im Näherkommen vor, indem er mit knappem Kopfnicken auf ihn zeigte. »Er fungiert als mein Erster Assistent und beaufsichtigt für mich alle Bereiche dieser Station.« Er lächelte unbestimmt und blieb schließlich vor seinen Gästen stehen. »So bin ich immer über alles informiert, ohne selbst hinter allem her sein zu müssen.«

»Eine bemerkenswerte Anlage, die du hier leitest«, schmeichelte der Commander und ließ den Blick schweifen. »Darf man fragen, welchem Zweck sie dient?«

Kutima sah streng zu dem Terraner auf. »Fragen darfst du, eine Antwort wirst du allerdings nicht erhalten. Was hier vor sich geht, geht allein die Utaren etwas an.«

»Verstehe«, gab sich Dhark weltmännisch. »Umso mehr weiß ich es zu schätzen, dass du dich bereiterklärt hast, mich und meinen Roboter zu empfangen.«

Kutima verzog säuerlich den Mund. »Du hast darauf bestanden. Und ich habe mich nur darauf eingelassen, weil du uns eine wertvolle Hilfe warst.« Er deutete hinter sich. »Ohne diese Güter aus dem Bauch der MARIEL können wir unsere Arbeit nicht fortführen.«

»Halten wir uns nicht länger mit Geplänkel auf«, drängte Sne Snekas und sah Dhark von unten herauf herausfordernd an. »Wie können wir uns dir gegenüber erkenntlich zeigen, Mensch?«

Dhark sah ein, dass er die Sache nun nicht länger hinauszögern konnte. »Wir sind auf der Suche nach einem verschollenen Mitglied meiner Mannschaft«, erklärte er daher rundheraus. »Der Mann ist mit einem Kleinraumer unterwegs, einer Large. Wir sind der Signatur des Beibootes bis in diesen Bereich der Milchstraße gefolgt, doch dann riss die Spur plötzlich ab. Seitdem fischen wir mehr oder weniger im Trüben.«

»Und wie sollen wir euch dabei helfen?«, erkundigte sich Snekas unwirsch. »Hier ist euer Kamerad mit seinem Worgun-Gerät jedenfalls nicht aufgetaucht.«

Dhark wurde hellhörig. Die schroffe Art, die der Erste Assistent ihm gegenüber an den Tag legte, ließ ihn vermuten, dass dieser Blaue zu jener Sorte Utaren gehörte, die nicht besonders gut auf die Worgun und deren Hervorbringungen zu sprechen waren. Zu diesen »Hervorbringungen« zählten diese Leute nicht zuletzt auch die Menschen, bei denen es sich ja bekanntlich um von den Gestaltwandlern genetisch manipulierte Geschöpfe handelte.

»Ich hatte gehofft, dass es in dieser Station vielleicht Ortungsanlagen gibt, die leistungsstärker sind als die in der POINT OF.«