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Jens Schiffgens

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Beschreibung

Diplomarbeit aus dem Jahr 2006 im Fachbereich BWL - Controlling, Note: 2,7, Universität zu Köln, Sprache: Deutsch, Abstract: Einleitung 1.1 Problemstellung und Untersuchungsziel Die Unternehmenstätigkeit auf dem freien Markt ist grundsätzlich für jedes Unternehmen mit Risiken verbunden. Risiken sind ein integraler Bestandteil der Geschäftstätigkeit. Sie werden jedoch bewusst in Kauf genommen, um die Gewinnpotentiale des Marktes erschließen zu können. Erfolgreich sind Unternehmen, die eine Kontrolle über ihre Risikopositionen ausüben, die diese identifizieren, bewerten und steuern können und gleichzeitig ihre Chancen wahrnehmen. Risiken und Chancen sind zwei Seiten der selben Medaille, die sich gegenseitig bedingen, aber in ihren Potentialen gesteuert werden können. Für eine erfolgreiche Unternehmenstätigkeit ist somit eine zielorientierte, bewusste und systematische Auseinandersetzung mit Risiken und Chancen erforderlich. Ein effektives und effizientes Risikocontrolling (RC) kann diesen Anforderungen gerecht werden. Das Operieren des RC im Spannungsfeld zwischen Verlustvermeidung und Ertragsrealisierung stellt dabei besonders hohe Anforderungen und kann bei erfolgreicher Umsetzung daher einen bedeutenden Wettbewerbsvorteil begründen. Der Einfluss des RC auf den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens hat vor allen Dingen durch die Einführung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien, die Globalisierung und dem daraus resultierenden weltweiten Wettbewerb wesentlich an Gewicht gewonnen. Besonders nachdrücklich wirken sich diese Entwicklungen dabei auf die Medienbranche aus. Deswegen besteht hier ein außerordentlich hoher Bedarf an einem effektiven RC. Da sich die gesamtwirtschaftliche Bedeutung der Medienbranche in den letzten Jahren zudem wesentlich erhöht hat, ist es verwunderlich, dass es in der wissenschaftlichen Literatur, an einer diesem Stellenwert angemessenen Thematisierung der betriebs- und volkswirtschaftlich drängenden Relevanz eines effektiven Risikocontrolling in Medienunternehmen (MU) mangelt. Um diesem Missstand entgegenzutreten, beschäftigt sich diese Diplomarbeit ausführlich mit einem effektiven Risikocontrolling in MU [...]

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Veröffentlichungsjahr: 2006

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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung.
2 Grundlagen des Risikocontrolling.
3 Medienunternehmen und deren Risiken.
4 Risikocontrolling in Medienunternehmen.
5 Schlussbetrachtung.

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AG Die Aktiengesellschaft AktG Aktiengesetz AnSVG Anlegerschutzverbesserungsgesetz BGBl. Bundesgesetzblatt BilKoG Bilanzkontrollgesetz BilReG Bilanzrechtsreformgesetz BSC Balanced Scorecard BSC+ Balanced Scorecard Plus CM Controller Magazin CMA Magazin Certified Management Accountants Magazine DB Der Betrieb DCGK Deutscher Corporate Governance Kodex DIW Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung e.V. DRS Deutscher Rechnungslegungsstandard FES Früherkennungssystem FWS Frühwarnsystem GVBl. Gesetz- und Verordnungsblatt HGB Handelsgesetzbuch http Hypertext Transfer Protocol IAS International Accounting Standards IDW Institut Deutscher Wirtschaftsprüfer IDW PS Institut Deutscher Wirtschaftsprüfer Prüfungsstandard KonTraG Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich M&A Mergers & Acquisitions MBit/s Megabits pro Sekunde MU Medienunternehmen RC Risikocontrolling RMP Risikomanagementprozess

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RMS Risikomanagementsystem RStV Rundfunkstaatsvertrag SEC Securities and Exchange Commission SOA Sarbanes-Oxley-Act TG+/-Obere Toleranzgrenze/Untere Toleranzgrenze TKP Tausender-Kontakt-Preis TransPuG Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich WPg Die Wirtschaftsprüfung ZfbF Zeitschrift für betriebswirtschaftliche Forschung ZfC Zeitschrift für Controlling ZfCM Zeitschrift für Controlling & Management ZV Zeitungsverlag/e

Page 6

Abbildung 2.1: Rechtsnormen zum Risikocontrolling in Deutschland.............................9

Abbildung 2.2: Beeinflussung des Unternehmensrisikos durch

Steuerungsmaßnahmen..........................................................................15

Abbildung 4.1: Beispielhafte BSC+ als strategisches Instrument für Zeitungsverlage und Free-TV-Anbieter...........................................................................45

Abbildung 4.2: Modell einer Checkliste für Zeitungsverlage und

Free-TV-Anbieter...................................................................................47

Abbildung 4.3: Beispielhafter Risikokatalog für Zeitungsverlage und

Free-TV-Anbieter..................................................................................48

Abbildung 4.4: Auszug eines indikatororientierten Früherkennungssystems für Zeitungsverlage und Free-TV-Anbieter................................................51

Abbildung 4.5: Ablauf eines Prozesses zur Identifikation von Szenarien......................54

Abbildung 4.6: Aggregation der erfassten gattungsübergreifenden Risiken...................57

Abbildung 4.7: Beispielhaftes Scoring-Modell für Zeitungsverlage und

Free-TV-Anbieter...................................................................................58

Abbildung 4.8: Exemplarisches Risiko-Portfolio für einen fiktiven Zeitungsverlag und einen fiktiven Free-TV-Anbieter.....................................................61

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1 Einleitung

1.1 Problemstellung und Untersuchungsziel

Die Unternehmenstätigkeit auf dem freien Markt ist grundsätzlich für jedes Unternehmen mit Risiken verbunden. Risiken sind ein integraler Bestandteil der Geschäftstätigkeit. Sie werden jedoch bewusst in Kauf genommen, um die Gewinnpotentiale des Marktes erschließen zu können. Erfolgreich sind Unternehmen, die eine Kontrolle über ihre Risikopositionen ausüben, die diese identifizieren, bewerten und steuern können und gleichzeitig ihre Chancen wahrnehmen. Risiken und Chancen sind zwei Seiten der selben Medaille, die sich gegenseitig bedingen, aber in ihren Potentialen gesteuert werden können. Für eine erfolgreiche Unternehmenstätigkeit ist somit eine zielorientierte, bewusste und systematische Auseinandersetzung mit Risiken und Chancen erforderlich. Ein effektives und effizientes Risikocontrolling (RC) kann diesen Anforderungen gerecht werden. Das Operieren des RC im Spannungsfeld zwischen Verlustvermeidung und Ertragsrealisierung stellt dabei besonders hohe Anforderungen und kann bei erfolgreicher Umsetzung daher einen bedeutenden Wettbewerbsvorteil begründen. Der Einfluss des RC auf den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens hat vor allen Dingen durch die Einführung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien, die Globalisierung und dem daraus resultierenden weltweiten Wettbewerb wesentlich an Gewicht gewonnen. Besonders nachdrücklich wirken sich diese Entwicklungen dabei auf die Medienbranche aus. Deswegen besteht hier ein außerordentlich hoher Bedarf an einem effektiven RC.

Da sich die gesamtwirtschaftliche Bedeutung der Medienbranche in den letzten Jahren zudem wesentlich erhöht hat, ist es verwunderlich, dass es in der wissenschaftlichen Literatur, an einer diesem Stellenwert angemessenen Thematisierung der betriebs- und volkswirtschaftlich drängenden Relevanz eines effektiven Risikocontrolling in Medienunternehmen (MU) mangelt. Um diesem Missstand entgegenzutreten, beschäftigt sich diese Diplomarbeit ausführlich mit einem effektiven Risikocontrolling in MU.

1.2 Gang der Untersuchung

Die Diplomarbeit unterteilt sich neben der Einleitung in vier Kapitel, die den Leser auf-einander aufbauend über die Notwendigkeit und die Ausgestaltung des Risikocontrolling in MU informieren sollen. Dazu werden in Kapitel 2 zunächst die Ansatzpunkte des RC vorgestellt. Der erste Abschnitt dieses Kapitels beschäftigt sich dabei einleitend mit den begrifflichen Grundlagen des RC. Hier werden unterschiedliche Abgrenzungen der

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Begriffe „Risiko“, „Risikocontrolling“ und „Risikomanagement“ diskutiert und die der Arbeit zu Grunde liegenden Begriffsauffassungen erörtert. In Abschnitt 2.2 folgt eine Vorstellung der rechtlichen Rahmenbedingungen, die für das RC relevant sind. Besondere Beachtung finden dabei das Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG), der Sarbanes-Oxley-Act (SOA) und die Regelungen von Basel II. Der folgende Abschnitt 2.3 bietet einen Überblick über wichtige risikopolitische Grundsätze, die für einen erfolgreichen Umgang mit den Risiken maßgeblich sind. Her-vorgehoben wird hier vor allen Dingen die Notwendigkeit zur Implementierung eines effektiven und effizienten RC. An den hier erwähnten Erfolgskriterien sollte sich insbesondere der in Abschnitt 2.4 vorgestellte Risikomanagementprozess (RMP) orientieren. Dieser Prozess umfasst die Identifikation, Analyse, Bewertung, Steuerung und Überwachung von Risiken. Hier gilt es, zentrale Anforderungen zu erfüllen, um einem effektiven und effizienten Risikocontrolling gerecht zu werden. In einem engen Zusammenhang mit dem RMP stehen die Überwachung des gesamten Prozesses und die Kommunikation und Dokumentation der ermittelten Risiken, die in den Abschnitten 2.5 und 2.6 kurz angesprochen werden.

Kapitel 3 enthält eine ausführliche Analyse von MU und deren Risiken. Dazu erfolgt in Abschnitt 3.1 nach einer Eingrenzung des Begriffsverständnisses zunächst eine ausführliche Thematisierung der Besonderheiten von MU. Hier wird besonders ersichtlich, dass sich die Medienbranche von anderen Branchen grundlegend unterscheidet. Als außergewöhnliches Merkmal vieler MU wird hier z.B. auf eine „duale Marktverbundenheit“ verwiesen, welche die Relevanz zweier konträrer Absatzmärkte - des Rezipientenmarktes und des Werbemarktes - verdeutlicht. Zudem werden die Charakteristika von Mediengütern, staatliche Regulierungen, Marktzutrittsschranken und aktuelle Marktstrukturen erörtert. Nach einer Vorstellung aller Arten von MU, die einem engen Begriffsverständnis entsprechen, in Abschnitt 3.2. werden in Abschnitt 3.3 die aktuellen Heraus-forderungen für MU diskutiert. Dazu zählen insbesondere die Digitalisierung, die Verbreitung des Internets, die Globalisierung und die Konvergenz der verschiedenen Medienformen. Darauf aufbauend analysiert Abschnitt 3.4 die Risiken von Zeitungsverlagen (ZV) und Free-TV-Anbietern.

Auf Basis der gesammelten Feststellungen wird in Kapitel 4 eine konkrete Umsetzung des Risikocontrolling in MU vorgeschlagen. Dazu wird einleitend in Abschnitt 4.1 die besonders hohe Bedeutung des RC für Medienunternehmen hervorgehoben. Danach wird in Abschnitt 4.2 untersucht, welche konkreten Auswirkungen die rechtlichen Rahmenbedingungen zur Einrichtung eines Risikocontrolling auf die Geschäftsführung

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von MU haben. Besonders wichtig ist hierbei die Feststellung, dass es für mittlere und kleinere Unternehmen der Film- und Fernsehproduktion schwieriger geworden ist, Kredite für die Filmproduktion zu erhalten, seitdem Kreditanstalten die Ratings des Basel II-Abkommens durchführen. Die zuvor gesammelten Erkenntnisse werden nun in Abschnitt 4.3 aufgegriffen, um eine Auswahl und entsprechende Ausgestaltung der RC-Instrumente für Zeitungsverlage und private Free-TV-Anbieter abzuleiten. Zuerst wird hier das strategische Instrument der Balanced Scorecard Plus (BSC+) betrachtet, das sich durch die um Risikoaspekte erweiterten Zieldimensionen der originären BSC auszeichnet. Mit ihrer Hilfe lassen sich die in der Unternehmens- und Risikostrategie vorgegebenen Ziele operationalisieren. Anschließend wird auf die Verwendung von Checklisten und Frühwarnsystemen (FWS) zur Identifikation und Analyse von Risiken verwiesen. Diese Instrumente stellen durch ihre methodische Vorgehensweise sicher, dass alle relevanten Einzelrisiken erfasst und systematisiert werden. In diesem Kontext werden jeweils beispielhaft ein FWS und eine Checkliste für Verlage und private Fernsehsender entwickelt. Nachfolgend wird die Szenario-Technik als Instrument zur Identifikation und Analyse aggregierter Risiken vorgestellt. Eine entsprechende Abbildung zur Szenariobildung wird dabei anhand einiger Beispiele zu Risiken von Zeitungsverlagen und privaten Fernsehsendern verdeutlicht. Für eine effektive Bewertung der Risikopositionen bieten sich vor allen Dingen Scoring-Modelle und Risiko-Portfolios an, die nachfolgend beschrieben und zudem in beispielhaften Umsetzungen graphisch veranschaulicht werden. Auf der Grundlage der systematisierten und bewerteten Risiken erfolgt im Anschluss eine detaillierte Untersuchung potentieller Steuerungsmaßnahmen. Dabei fällt auf, dass viele medienspezifischen Risiken von Zeitungsverlagen und Free-TV-Anbietern durch entsprechende Maßnahmen gemindert werden können. Nachdem zum Abschluss des RMP Vorgaben zur Risikokontrolle in MU unterbreitet werden, schließt Kapitel 4 mit der kurzen Darstellung einer effektiven und effizienten Kommunikation und Dokumentation der Risiken in Abschnitt 4.4. Im letzten Kapitel werden die gesammelten Erkenntnisse noch einmal konsistent zusammengetragen.

2 Grundlagen des Risikocontrolling

2.1 Begriffliche Grundlagen

Wie schon der Themenstellung und der Einführung zu entnehmen ist, sind die Begriffe „Risiko“ und „Risikocontrolling“ zentrale Elemente dieser Diplomarbeit. In der wissen-

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schaftlichen Literatur gibt es keine allgemeingültige Definition dieser Begriffe.1Daher werden im Folgenden die der Arbeit zugrunde liegenden Begriffsabgrenzungen erläutert.

2.1.1 Risikobegriff

Um einer bestimmten Zielgruppe z.B. den Mitarbeitern eines Unternehmens ein konsistentes Verständnis des Begriffs „Risikocontrolling“ zu vermitteln, ist es zunächst unerlässlich, den Risikobegriff genau zu bestimmen.2Zu unterscheiden sind ein asymmetrisches und ein symmetrisches Risikoverständnis. Das asymmetrische Verständnis resultiert aus einem engen Risikobegriff, der Risiko als Gefahr einer negativen Abweichung des faktischen Ergebnisses vom Sollzustand darstellt. Demgegenüber liegt dem symmetrischen Risikoverständnis ein weiter Risikobegriff zugrunde. Dieser weite Risikobegriff schließt auch Chancen mit ein, d.h. er beinhaltet sowohl die Möglichkeit negativer als auch positiver Abweichungen vom erwarteten Erfolg.3Natürlich gibt es Arten von Risiken, die ausschließlich asymmetrischen Charakter aufweisen, also nur ein Schadenspotential begründen (z.B. Erdbeben-, Brand-, Sturmschäden). Die Geschäftstätigkeit auf dem freien Markt bietet aber Chancen und Risiken. Würde man nur Risiken fokussieren, und diese zu verhindern suchen, bliebe kaum Raum für Innovationen und Gewinnpotentiale.4Daher bildet der weite Risikobegriff die Grundlage dieser Diplomarbeit. Da MU in besonderem Maße Risiken ausgesetzt sind, liegt das Hauptaugenmerk der Analyse zwar auf der Gefahr negativer Abweichungen vom erwarteten Ergebnis, also auf einer Verlustgefahr. Nichtsdestotrotz sollte nicht vergessen werden, dass Risiken und Chancen „zwei Seiten der selben Medaille“ sind.5

2.1.2 Risikomanagement und Risikocontrolling

Die Begriffe Risikomanagement und Risikocontrolling werden in der wissenschaftlichen Literatur uneinheitlich definiert und unterschiedlich voneinander abgegrenzt.6Zum einen wird Risikomanagement als Bestandteil des Controlling verstanden7. Zum anderen wird RC als Teilgebiet des Risikomanagement definiert.8Das letztere Verständnis

1In Bezug diverse Abgrenzungen des Begriffs „Risiko“ siehe Macgill/Siu (2005), S. 1108 ff. Hinsichtlich

möglicher Verständnisse des Begriffs „Risikocontrolling“ siehe Abschnitt 2.1.2.

2Vgl. Homburg/Stephan/Haupt (2005), S. 1069.

3Bezüglich der Darstellung von symmetrischem und asymmetrischem Risikoverständnis vgl. Bur-

ger/Buchhart (2002), S. 3 f.

4Vgl. Smith/Merritt (2002), S. 13.

5Zu diesem Begriffsverständnis siehe auch Pedell (2004), S. 5 oder Romeike (2005), S. 17.

6Vgl. Burger/Buchhart (2002), S. 9.

7Vgl. Hummel (1995), S. 94.

8Vgl. Rudolph/Johanning (2000), S. 17 f.

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bezieht das RC auf die Risikoidentifikation, -analyse, -bewertung und -kontrolle. Demgegenüber umfasst das Risikomanagement den gesamten Risikomanagementprozess (RMP), also auch die Risikosteuerung.9Allerdings werden die Begriffe in der wissenschaftlichen Literatur auch teilweise synonym benutzt.10Diese Herangehensweise wird im Rahmen der Diplomarbeit übernommen. Um eine konsistente Terminologie zu gewährleisten, wird im Folgenden grundsätzlich der Begriff Risikocontrolling verwendet, nur die gemeinhin gebräuchlichen Bezeichnungen „Risikomanagementprozess“ und „Risikomanagementsystem“ (RMS) werden beibehalten.

Ausgehend von der weiten Definition des Risikobegriffs umfasst das RC daher alle organisationsweiten Regelungen und Handlungen zur Erkennung und Steuerung von Risiken, die im Umkreis der unternehmerischen Aktivität anfallen.11Die Aufgabe des RC besteht folglich in der Förderung einer erfolgreichen Unternehmensentwicklung unter Berücksichtigung eines rationalen Umgangs mit allen Risiken und Chancen.12Somit kommt dem RC auch eine strategische und wertorientierte Aufgabe zu.

2.2 Rechtliche Rahmenbedingungen für das Risikocontrolling

Eine Reihe folgenschwerer Unternehmenszusammenbrüche führte seit Ende der 1990er Jahre zu nationalen und internationalen Bestrebungen, durch gesetzliche Regelungen den unternehmensinternen Umgang mit Risiken zu verbessern. Im Zuge dieser Bemühungen wurden Gesetze und Vorschriften erlassen,13die insbesondere die Kapitalmarktkommunikation verbessern und somit die Informationsasymmetrien zwischen Unternehmen und Kapitalgebern reduzieren. In den nachfolgenden beiden Abschnitten werden die für das RC zentralen Regelungen vorgestellt.

2.2.1 KonTraG, Sarbanes-Oxley-Act und Basel II

Seit dem 1.5.1998 findet in Deutschland das Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG) Anwendung.14Das Gesetz verfügt eine Reihe von Umgestaltungen bestehender Verordnungen,15von denen hier jedoch nur die für das RC relevanten Erweiterungen aufgeführt werden. Bemerkenswert ist vor allen Dingen die Ergänzung des § 91 AktG um einen 2. Absatz, der Aktiengesellschaften dazu verpflich-

9Vgl.zu diesem Verständnis Pedell (2004), S. 4.

10Vgl. Burger/Buchhart (2002), S. 9.

11Vgl. hierzu Mensch (1991), S. 18 ff., S. 5 f., Reichmann (2001), S. 284, zudem IDW PS 340 Rdn. 4.

12Vgl. Mensch (1991), S. 18, Kratzheller (1997), S. 95.

13Vgl. Kajüter (2004), S. 12.

14Vgl. BGBl I 1998, S. 786.

15Zur detaillierten Angabe aller Neuerungen vgl. Deutscher Bundestag (1998), S. 4 ff.