Verlag: Harmony Verlag Kategorie: Lebensstil Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2016

Erhalten Sie Zugriff auf dieses
und über 100.000 weitere Bücher
ab EUR 3,99 pro Monat.

Jetzt testen
7 Tage kostenlos

Sie können das E-Book in Legimi-App für folgende Geräte lesen:

Tablet  
Smartphone  
Lesen Sie in der Cloud®
mit Legimi-Apps.
Warum lohnt es sich?
Hören Sie in der Cloud®
mit Legimi-Apps.
Warum lohnt es sich?
Seitenzahl: 671

Das E-Book kann im Abonnement „Legimi ohne Limit+“ in der Legimi-App angehört werden für:

Android
iOS
Hören Sie in der Cloud®
mit Legimi-Apps.
Warum lohnt es sich?

Das E-Book lesen Sie auf:

E-Reader EPUB für EUR 1,- kaufen
Tablet EPUB
Smartphone EPUB
Computer EPUB
Lesen Sie in der Cloud®
mit Legimi-Apps.
Warum lohnt es sich?
Hören Sie in der Cloud®
mit Legimi-Apps.
Warum lohnt es sich?

Leseprobe in angepasster Form herunterladen für:

Sicherung: Wasserzeichen

E-Book-Beschreibung Ritte des Schicksals - Barbara Behrend

Der erfolgreiche Springreiter Ulli wird von seiner Frau Alex vor die Tür gesetzt, nachdem sie herausgefunden hat, dass eine Mitarbeiterin ein Kind von ihm erwartet. Da Ulli dringend einen Job braucht landet er in einem Verkaufsstall. Dort gerät er in einen Konkurrenzkampf mit der Frau seines Chefs.Während eines großen Turniers wird Ullis Erfolgspferd durch ein Attentat schwer verletzt. Kurz darauf verunglückt sein Chef tödlich.Ulli verlässt mit seinem Pfleger Severin den Stall und findet einen Arbeitsplatz als Trainer in einer privaten Reitschule. Dort lernt er eine geheimnisvolle Frau kennen und sein Leben wird erneut auf den Kopf gestellt.

Meinungen über das E-Book Ritte des Schicksals - Barbara Behrend

E-Book-Leseprobe Ritte des Schicksals - Barbara Behrend

Ritte des Schicksals

Barbara Behrend

Erste Auflage © 2015 Harmony Verlag Barbara Behrend Hundskopfstr. 3 55234 Albig Mail: info@harmony-albig.de

Alle Rechte vorbehalten.

Covergestaltung: Barbara Behrend Illustrationen: © Sam Strickler/Shutterstock.com Lektorat: Anemone Eliette Dähn

eBook-Produktion Cumedio Publishing Services - www.cumedio.de

Inhalt

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

»Dieses Buch ist allen Menschen gewidmet, deren Weg sich in irgendeiner Weise mit meinem kreuzte.«

Barbara Behrend

Kapitel 1

Von einem lauten Piepton wurde er aufgeschreckt. Um ihn herum war es stockdunkel. Das Piepen wurde immer schriller. Genervt tastete er mit der rechten Hand auf den Nachttisch. Wo war das blöde Ding nur? Mit einem lauten »Platsch« fiel seine Chromuhr auf den Boden.

»Verdammter Mist!«, brummte er.

»Was ist denn los?«, fragte eine schlaftrunkene Stimme neben ihm.

»Ich finde diesen blöden Wecker nicht!«, antwortete Ulli.

Alex seufzte und knipste das Licht ein. Sofort schnappte sich Ulli den Funkwecker und schaltete ihn aus.

»Montagmorgen halb sechs und das Grauen nimmt kein Ende!«, murmelte er.

»Der Alltag hat uns wieder!« Seine Frau grinste, rückte etwas näher und legte einen Arm um seinen Bauch. Er schlang seinen linken Arm um sie und drückte sie fest.

Am Freitagmorgen waren sie nach Lissabon geflogen und erst gestern Abend um elf Uhr zurück nach Hause gekommen. Es war ein wunderschönes Wochenende gewesen. Endlich einmal weg von zu Hause, dem Hof und den Pferden.

»Hörst du das?«, fragte sie und deutete in Richtung Fenster.

»Ja, es regnet«, stellte er fest.

In Lissabon hatte die Sonne geschienen. Zwanzig Grad und das am ersten Wochenende im März. Doch jetzt waren sie wieder zurück im deutschen Winter.

Eine Weile blieben sie schweigend liegen und hingen ihren Gedanken nach.

Dann stand Alexandra mit einem Ruck auf. »Ich gehe schon mal ins Bad!«, sagte sie.

Ulli wusste genau, dass sie in wenigen Minuten niedergeschlagen zurückkommen würde. Seufzend stand er auf und zog ein T-Shirt und eine Boxershorts über. Dann trat er zum Fenster und zog langsam den Rollladen hoch. Der Hof lag im Dunkeln da, und der Regen prasselte unaufhörlich auf die Erde nieder. Drüben im Anbau an der Reithalle ging das erste Licht an. Die Azubis wurden langsam wach, um sich für die Morgenfütterung fertig zu machen.

Ulli wandte sich vom Fenster ab und begann damit seine Reisetasche auszupacken. Es war sein übliches Montagmorgen-Ritual. Da sie fast jedes Wochenende auf Turnieren unterwegs waren, und oft erst spät Sonntagabends zurückkamen, war es normal für Alex und ihn, am nächsten Morgen ihre Taschen auszupacken und die Klamotten zu sortieren.

Als er gerade mit der Schmutzwäsche das Schlafzimmer verlassen wollte, kam Alex aus dem Bad. Sie hatte rote Ringe um die Augen und sah aus, als ob sie geweint hätte. Sofort ließ Ulli seine Klamotten fallen und schloss sie in seine Arme. Sie drückte ihr Gesicht an seine Brust und schluchzte. »Schon wieder, Ulli. Ich verstehe das nicht. Ich war mir dieses Mal so sicher!«, sagte sie traurig.

Ulli sagte nichts. Was sollte er auch sagen? Seit fünf Jahren versuchten sie ein Kind zu bekommen und jeden Monat wurden sie von neuem enttäuscht. Beide hatten sich untersuchen lassen, doch die Ärzte meinten, es wäre alles in Ordnung.

Ulli verstand das nicht. Er wünschte sich sehnlichst ein Kind. Doch was ihm am meisten zu schaffen machte, war Alexandras Niedergeschlagenheit, wenn sie ihre Regel bekam. Er wusste nicht, wie er sie noch trösten sollte.

Sie hatten alles: Ein Haus, einen Hof, Erfolg und Geld. Sie liebten sich und waren glücklich. Das Einzige, was fehlte, war ein Kind! Eigentlich wünschten sie sich viele Kinder. Aber im Moment wären sie froh, wenn es auch nur einmal klappen würde.

Alex löste sich aus seiner Umarmung und sah ihn an.

»Ich werde doch nochmal die Hormone nehmen. Vielleicht habe ich beim letzten Mal bei der Einnahme etwas falsch gemacht. Heute Mittag fahre ich direkt zum Frauenarzt.«

Ulli nickte und strich ihr über die Wange. »Mach das. Vielleicht hat der Arzt ja auch noch eine andere Idee.«

Er wandte sich ab und sammelte seine Schmutzwäsche wieder auf.

»Und wenn du dich nochmal untersuchen lässt?«, fragte sie vorsichtig. »Immerhin ist es schon zwei Jahre her.«

Ulli unterdrückte einen Seufzer. »Okay, ich lasse mir für nächste Woche einen Termin geben.«

»Danke!«. Sie drückte ihm einen Kuss auf den Mund und ging ins Schlafzimmer.

Eine viertel Stunde lang stand er unter der Dusche und ließ sich vom warmen Wasser berieseln. Dabei dachte er über die Zukunft nach. Alex gab ihm immer das Gefühl, dass es seine Schuld war, weshalb sie nicht schwanger wurde. Wie sollte das weitergehen? Was war, wenn sie nie Kinder haben würden? Hatte ihre Ehe und ihre Liebe dann noch Bestand?

Schon seit Wochen dachte er über eine Adoption nach. Es war an der Zeit mit ihr darüber zu sprechen. Am besten heute Abend bei einem guten Essen.

Als er in die Küche kam, hatte Alex bereits den Frühstückstisch gedeckt. Ihre Laune war deutlich besser und sie lächelte.

»Ich könnte darauf wetten, dass Papaya heute ihr Fohlen bekommt«, verkündete sie fröhlich.

»Warum?«, fragte er verwundert.

»Na, weil sie warten wollte, bis du wieder zu Hause bist. Sie hängt doch genauso an dir, wie du an ihr«, meinte Alex.

Ulli grinste bei dem Gedanken an seine Trakehnerstute. Er hatte sie als Zweijährige auf einer Auktion gekauft. Ihr Springvermögen hatte es ihm angetan. Sie hatte das Potenzial für S-Springen gehabt. Leider war sie nur einen Meter zweiundsechzig groß geblieben und damit kaum größer, als die Hindernisse in einem Parcours. Ulli hatte ihr das nicht antun wollen. Es wäre ihr zu sehr auf die Knochen geschlagen. Nachdem er sie in einigen M-Prüfungen vorgestellt hatte, überlegte er, sie zu verkaufen. Aber wenn sie dann vor ihm stand mit ihrem tiefschwarzen glänzenden Fell und ihn mit den pechschwarzen treuen Augen ansah, bekam er es nicht übers Herz.

Drei Jahre lang hatte sie einem der Auszubildenden zu Siegen und Platzierungen verholfen. Dann hatte Ulli sie im letzten Jahr decken lassen. Der Vater des Fohlens war ebenfalls Trakehner und genau, wie Papaya, besaß er ein hohes Springvermögen.

Ulli träumte schon lange von einem eigenen Pferd, das er selbst ausbilden und bis zu den höchsten Prüfungen vorstellen konnte. Die Pferde, die sie auf dem Hof zur Verfügung hatten, gehörten entweder seinem Schwiegervater oder seinen reichen Geschäftsfreunden. Sie fanden es schick ein oder zwei Pferde zu besitzen, die sie an den Wochenenden bei großen Turnieren im Fernsehen bewundern konnten. Wenn sie Zeit hatten, kamen sie persönlich vorbei, um in der VIP-Lounge bei einem Glas Champagner und Canapés die Pferde live springen zu sehen. Ulli hatte dafür nicht viel Verständnis. Für ihn gehörten Pferde zum Alltag. Er musste täglich ihren Geruch einatmen, ihr Fell streicheln, ihr Wiehern hören und ihre Bewegung unter dem Sattel spüren. Mit Menschen, die Pferde nur als Prestigeobjekte besaßen, konnte er nichts anfangen. Aber damit verdiente er sein Geld.

Das Gestüt, auf dem Alex und er lebten, gehörte seinem Schwiegervater. Er hatte es Alex und ihm zwar zur Hochzeit geschenkt, dennoch hielt Klaus-Dieter Lehmann nach wie vor die Hand über alles und traf die wichtigen Entscheidungen. Der Star des Stalls war Alex mit ihrem Hengst Walzerklang. Die beiden waren seit einem Jahr im A-Kader und wurden von Bundestrainer Harry Rober trainiert. Klaus-Dieter, Harry und Alex' Fans waren sich ganz sicher, dass sie im Sommer an den Olympischen Spielen in London teilnehmen würde. Alex hatte sich in den Kopf gesetzt, dass Ulli und sie gemeinsam im Team für Deutschland starten sollten. Klaus-Dieter hatte aus diesem Grund seinem Schwiegersohn im letzten Herbst ein neues Spitzenpferd zur Verfügung gestellt. Ein brauner Hengst aus der hessischen Zucht. In der laufenden Hallensaison war Harry bereits auf Ulli und Scatman aufmerksam geworden. Mit der Berufung in den A-Kader wollte er allerdings noch die ersten Turniere der Freilandsaison abwarten. Die Entscheidung für den Olympiakader würde ohnehin erst nach der Deutschen Meisterschaft in Balve Anfang Juni fallen.

Er sah seine Frau nachdenklich an. Ihre langen dunkelblonden Haare trug sie streng zurückgekämmt und am Hinterkopf zu einem Dutt gebunden. Wie immer, wenn sie sich konzentrierte, lag ihre hohe Stirn in Falten und ihre wunderschönen grün-blauen Augen huschten über den Zeitungsartikel den sie gerade las. Mit ihren einen Meter achtundfünfzig war sie dreißig Zentimeter kleiner als er. Aber wenn sie im Sattel eines edlen Pferdes saß und durch den Parcours jagte, kam er sich immer sehr klein und schwach vor. Genau bei diesem Anblick hatte er sich vor zehn Jahren in Alexandra Lehmann verliebt. Als er sie dann auf einer Reiterparty näher kennen lernte, war es vollkommen um ihn geschehen. Schon damals hatte er das Gefühl, dass sie die Frau seines Lebens war.

»Alex«, begann er vorsichtig.

Sie schaute von der Zeitung auf. »Ja?«

Ulli stand auf, ging um den Tisch herum und kniete sich neben sie. Er nah ihre rechte Hand und streichelte sie. »Findest du es nicht besser, wenn wir mit dem Baby bis nach Olympia warten?«

»Aber Ulli!«, rief sie entsetzt. »Du glaubst doch nicht im Ernst, dass ich nach fünf Jahren wieder anfange, die Pille zu nehmen?«

»So habe ich das nicht gemeint«, versuchte er sie zu beruhigen. »Ich finde nur, wir sollten uns nicht zu sehr darauf versteifen. Vor allem du. Konzentrier dich mehr auf das Training und denke nicht immer, wenn wir Sex haben daran, dass du schwanger werden könntest.«

»Ach so siehst du das! Dir ist es wichtiger, dass ich bei Olympia starte, als das wir ein Kind bekommen!« Alex war völlig außer sich. Sie sprang von ihrem Stuhl auf und Ulli erhob sich vom Boden. Er ärgerte sich darüber, das Thema angesprochen zu haben. Doch jetzt war es zu spät.

»Alex, bitte! Das ist nicht wahr. Ich wünsche mir nichts mehr, als ein Baby mit dir. Aber wir sollten aufhören, uns zu sehr darauf zu beschränken. Wir sind beide gesund. Daran kann es also nicht liegen. Vielleicht ist das Problem, dass wir es zu sehr wollen, oder?«

Alex sah betroffen zu Boden. Sie holte tief Luft und nickte. Als sie ihn ansah, bemerkte er die Tränen in ihren Augen. Er zog sie an sich und drückte sie feste.

»Du hast Recht Ulli. Aber es ist schwer. Ich wünsche es mir so sehr.«

»Ich doch auch. Doch wir wollen auch beide zu Olympia. Und wer weiß, vielleicht passiert es ja dort«, tröstete er sie.

Sie sah ihm in die Augen und lächelte. »Das wäre der Hammer. Ach Ulli, ich liebe dich.«

Er strich ihr mit der Hand über die Wange und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. »Ich liebe dich auch.«

Gegen acht Uhr gingen sie in den Stall, um mit ihrer Arbeit zu beginnen. Conny, die Chefpflegerin, wünschte den beiden einen guten Morgen und berichtete, dass eine der Pflegerinnen sich in der dritten Woche krank gemeldet hatte.

»Emma ist immer noch krank?«, fragte Alex überrascht. »Was hat sie denn?«

Conny zuckte mit den Achseln. »Keine Ahnung. Sie meinte, sie müsste es mir nicht sagen.«

»Seltsam. Ich dachte immer, dass ihr euch so gut versteht.«, meinte Alex.

»Ja schon. Aber sie verhält sich in der letzten Zeit sehr merkwürdig. Ich weiß nicht, was mit ihr los ist.«, erklärte Conny.

Alex warf ihrem Mann einen fragenden Blick zu. Ulli setzte eine ahnungslose Miene auf und hob die Schultern. »Das letzte Mal war sie Anfang Januar mit mir auf einem Turnier. Danach habe ich immer Enrico und Dana mitgenommen. Emma wollte nur noch mit dir und Achim arbeiten.«

»Stimmt. Das fand ich auch seltsam.«, bemerkte Conny. »Sie hat sich normalerweise nur für dich einteilen lassen.«

»Sie kommt mit Scatman nicht klar. Ich glaube deswegen will sie sich nicht mehr um meine Pferde kümmern.«, erklärte Ulli.

»Wie auch immer. Wir fangen jetzt mit der Morgenarbeit an. Sollte Emma sich nächste Woche erneut krank melden, werde ich selbst mir ihr sprechen.«, sagte Alex entschieden.

»Okay. Ich erledige zuerst noch ein bisschen Büroarbeit, dann komme ich zu dir in die Halle. Dana soll mir Scatman für neun Uhr fertig machen.«, meinte Ulli und wandte sich ab.

Er lief quer durch den Stall, an dessen anderem Ende sich das Büro befand. Dort erledigten, Alex, Conny, Ullis Schwester Ines und er ihre organisatorischen Arbeiten. Ines war die Zuchtleiterin auf dem Hof und für das Wohl der Stuten, Fohlen und Jungpferde verantwortlich.

Um diese Zeit war allerdings niemand im Büro. Eilig ließ Ulli seinen PC hochfahren. Gott sei Dank hatte er seit einem Monat ein neues Modell, das wesentlich schneller betriebsbereit war, als der Alte.

Zuerst öffnete er das Email-Programm, um fünfundzwanzig neue Mails zu empfangen. Dann wählte er sich ins Internet ein. Sofort erschien die Startseite von Facebook. Er loggte sich ein und sah, dass Emma online war. Ohne Umschweife schrieb er: »Was ist los?«

Sofort kam die Antwort: »Was soll sein?«

»Du bist bereits in der dritten Wochen krankgeschrieben. Alex macht sich langsam Gedanken. Was hast du?«

»Ach SIE macht sich Gedanken. DU etwa nicht?«

»Hör auf damit! Wir wollten das vergessen!«

»DU wolltest es vergessen. Ich kann es nicht!«

»Aber wir waren uns doch einig, dass es nur ein Ausrutscher war!«

»Stimmt, aber manchmal kommen die Dinge etwas anders als erwartet...«

»Was soll das heißen?«

»Ich muss mit dir reden. Es ist wichtig.«

»Wir können uns unterhalten, wenn du nächste Woche wieder zur Arbeit kommst.«

»Es wäre besser, wenn wir uns irgendwo treffen, wo es keiner mitbekommt. Glaube mir, in deinem eigenen Interesse!«

»Willst du mich erpressen?« Ulli wurde es auf einmal ganz heiß. Hatte sie etwa Fotos oder andere Beweise, die sie gegen ihn verwenden konnte?

»Nein. Ich will nur eine Lösung finden, mit der wir beide leben können.«

»Ich dachte, die hätten wir, indem wir alles so belassen, wie es ist. Mit der Ausnahme, dass du mich nicht mehr alleine auf Turniere begleitest.«

»Wir gesagt: manchmal kommen die Dinge anders, als erwartet!«

»Emma, jetzt sag mir endlich, was los ist!« Er war sauer. Was sollte diese Geheimniskrämerei?

»Ich bin schwanger. In der 7. Woche. Ich denke, du weißt, was das bedeutet!«

Erstarrt schaute er auf den Bildschirm. Da stand es schwarz auf weiß: s-c-h-w-a-n-g-e-r

Verdammt! Das durfte doch nicht wahr sein. Millionen von Männern betrogen regelmäßig ihre Frauen, ohne dass irgendetwas passierte. Er war vor sieben Wochen für einen Moment schwach geworden, was er sofort bereut hatte, und nun war Emma schwanger.

Das Klingeln seines Handys riss ihn aus den Gedanken. Es war Ines. »Wenn du die Geburt deines Fohlens noch mitbekommen möchtest, musst du dich beeilen.«, flüsterte seine Schwester aus dem Telefon.

Sofort sprang er auf und lief in den Stall.

Ines stand in der geöffneten Boxentür und beobachtete Papaya bei der Geburt ihres ersten Fohlens. Mit dem Finger auf den Lippen deutete sie Ulli an, leise zu sein. Für die Geburt der Fohlen hatte sie strenge Stallregeln aufgestellt. Zum Beispiel durften höchstens zwei Personen anwesend sein. Im Stalltrakt musste absolute Ruhe herrschen. Hunde hatten während der Fohlensaison genauso wenig im Stutenstall verloren wie fremde Personen.

In jeder Box waren moderne Kameras angebracht, die Ines dank neuester Technik in diesem Jahr sogar mit ihrem Smartphone einzeln abrufen konnte.

Papaya lief im Kreis in der Box umher. Den Kopf hatte sie zum Boden gesenkt. Ulli konnte sehen, dass ihr Körper immer wieder durch eine Wehe geschüttelt wurde. Die Vorderbeine des Fohlens schauten bereits aus dem Leib der Stute heraus. Bei der nächsten Wehe stöhnte Papaya auf. Die Nüstern des Fohlens kamen für einen Moment zum Vorschein. Ulli trat von einem Bein aufs andere. Ines legte ihm grinsend eine Hand auf die Schulter. »Beruhige dich. Es ist alles in Ordnung. Das geht jetzt ganz schnell, « flüsterte sie.

Tatsächlich dauerte es nicht lange und der Kopf des Fohlens kam heraus. Nun konnte Ulli sehen, dass das Fohlen fuchsfarben war und eine Blesse hatte. Auch die beiden Vorderbeine waren gleichmäßig weiß gefärbt. Die Stute drehte immer kleinere Kreise. Sie zog die Beine mit jeder Bewegung mehr an, bis sie sich schließlich hinlegte. Ihr Bauch zog sich abermals stark zusammen. Unter lautem Stöhnen rutschte das Fohlen komplett in die weiche Streu aus Spänen. Sofort rappelte sich Papaya wieder auf, drehte sich um und begutachtete ihren Nachwuchs mit großen Augen und geblähten Nüstern.

Ulli wollte die Box betreten, aber Ines hielt ihn zurück. »Warte. Lass sie noch in Ruhe.«

Es war ein Fuchsfohlen mit vier weißen Beinen und einer wunderschönen Blesse, das da vor seiner rappenschwarzen Mutter in der Box lag. Papaya fing an es abzulecken. Kurz darauf machte das kleine Pferd seine ersten Versuche aufzustehen. Ulli zog sein Handy aus der Tasche und machte Fotos.

»Siehst du, was es ist?«, wollte er von seiner Schwester wissen, als das Fohlen für einen Moment auf seinen wackligen Beinen stand. Ines bückte sich und versuchte das Geschlecht zu erkennen. »Nein, ich sehe nichts.«

Das Fohlen konnte sich nicht mehr halten und fiel in die Späne.

»Na, dann geh schon rein«, meinte Ines lächelnd zu ihrem Bruder.

Das ließ Ulli sich nicht zweimal sagen. Vorsichtig betrat er die Box und streichelte Papaya. Dann näherte er sich langsam ihrem Nachwuchs. Da sie nichts dagegen zu haben schien, bückte er sich und strich mit der Hand dem Fohlen über das noch feuchte Fell.

»Es ist ein Hengst«, stellte er fest. »Ist er nicht wunderschön?« Er strahlte seine Schwester an.

»Oh ja, das ist er. Ein Prachtkerl, « pflichtete sie ihm bei.

Ulli lehnte sich gegen die Boxenwand, um sich gemütlich in den Hobelspänen niederzulassen. Er streckte die Beine aus und legte einen Arm um den Hals des Fohlens. Ines verschränkte ihre Arme vor der Brust und sah ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an.

»Brüderchen, das ist kein Kuscheltier. Er muss jetzt lernen aufzustehen und zwar so schnell wie möglich. Dann muss er etwas trinken und seine ersten Schritte laufen, « erklärte Ines streng.

»Du hast Recht.« Schweren Herzens stand Ulli auf. Gleich machte auch der kleine Hengst wieder einen Versuch, der allerdings misslang.

Ulli grinste liebevoll. »Daran musst du aber noch arbeiten. Ich muss jetzt auch was schaffen.«

Fröhlich pfeifend machte er sich zurück auf den Weg ins Büro.

Alex saß hinter seinem Schreibtisch und starrte ihn an.

»Schatz, Papayas Fohlen ist da. Es ist ein Hengst. Du musst ihn dir gleich ansehen.«, verkündete er fröhlich.

Doch Alex starrte ihn weiterhin ohne jegliche Regung an. Erst jetzt fiel ihm auf, dass sie leichenblass war. Er trat auf sie zu, wollte sich zu ihr bücken und sie umarmen. Doch sie sprang auf wie eine Furie und schob ihn von sich weg.

»WAS-HAT-DAS-ZU-BEDEUTEN?«, schrie sie und zeigte auf den Bildschirm seines Computers.

Jetzt fiel ihm alles wieder ein: Er hatte seinen Facebook-Account nicht geschlossen und Alex hatte seinen kompletten Chat mit Emma lesen können.

»Das... ich..., « stammelte er und hatte in Wirklichkeit keine Ahnung, was er sagen sollte.

»Halt einfach die Klappe! Du brauchst mir gar nichts zu erklären! Es steht ja alles hier drin! Du verdammtes verlogenes Schwein! Jetzt weiß ich auch warum du mir in der letzten Zeit ständig Geschenke gemacht und du diesen spontanen Trip nach Lissabon gebucht hast. Du bist doch das Allerletzte! Wenn ich mit dir schlafen will, weil ich denke, dass es der richtige Zeitpunkt ist, um schwanger zu werden, bist du zu müde. Aber da lasse ich dich einmal mit dieser kleinen Schlampe alleine, macht die die Beine breit und du springst an wie ein Hengst auf der Deckstation. Und als wäre das nicht schon schlimm genug, ist diese Kuh jetzt auch noch schwanger! Wann wolltest du mir das denn sagen?«, schrie sie ihn an.

»Ich habe es doch auch erst vorhin erfahren.« Während er den Satz aussprach, bemerkte er selbst, wie plump das klang.

Mit einem lauten Knall landete ihrer rechte Hand in seinem Gesicht. Au! Das tat verdammt weh. Aber noch schlimmer war der Schmerz, den er in ihren Augen sah und sich tief in sein Herz brannte. Er hob seine Arme und wollte sie beruhigen, doch sie wich ihm aus.

»Es tut mir leid«, sagte er schwach.

»Es tut dir leid?«, schrie sie erneut. »Mir tut es auch leid. Mir tut es leid, dass ich dich überhaupt geheiratet habe. Wie konnte ich nur so naiv sein? Ich wollte sogar ein Kind von dir!« Sie senkte ihre Stimme und sah ihn traurig an. »Warum Ulli? Was hat dir gefehlt? Du hattest doch alles. Wir konnten über alles reden und Sex hatten wir auch genug.«

Ulli dachte an den Abend, an dem er mit Emma im Bett gelandet war. Alex und er hatten sich einen Tag zuvor gestritten. Sie hatte ihn gebeten, das Turnier am Wochenende abzusagen, weil sie hoffte, an diesem Wochenende schwanger werden zu können. Doch Ulli hatte darauf bestanden zu fahren, da er dachte, dass Harry dort sein würde, um sich einige Reiter und Pferde anzusehen. Den ganzen Samstag über hatte er versucht sie telefonisch zu erreichen, um sie zu beruhigen. Am Abend zog er sich frustriert in die Hotelbar zurück, um sich zu betrinken. Normalerweise trank er nicht viel Alkohol. Doch an diesem Abend hatte er sich ausgebrannt und missverstanden gefühlt. Plötzlich war Emma aufgetaucht. Sie tranken zusammen mehrere Biere und Cocktails. Dann ging alles sehr schnell. Sie stiegen in den Lift. Bereits dort fiel Emma ihm um den Hals und machte sich an seiner Hose zu schaffen. Ihr weit ausgeschnittener Pullover war verrutscht und gab den Blick auf ihr üppiges Dekolleté frei. Ullis Kopf drehte sich. Er konnte kaum noch einen klaren Gedanken fassen. Als sie eng umschlungen auf sein Hotelbett fielen, hörte er das Piepen seines Handys, das ihm andeutet, dass er eine SMS erhalten hatte. Für eine Sekunde dachte er daran, nachzusehen, ob es eine wichtige Nachricht war, doch er beschloss, dass das bis später warten konnte

Emma hatte sich mittlerweile bis auf ihre Spitzenunterwäsche entkleidet und räkelte sich unter ihm auf dem Bett. Ulli war nie zuvor aufgefallen, dass sie so dick war. Sie entsprach gar nicht seinem Geschmack mit ihren kurzen schwarzen Haaren, dem kleinen Kopf, viel zu großen Brüsten und dem dicken Bauch. Außerdem hatte sie sehr kräftige kurze Beine. Allerdings schien sie mit ihren gerade mal einundzwanzig Jahren viel Erfahrung im Umgang mit Männern zu haben. Ulli war plötzlich alles egal. Er hatte die Welt um sich herum komplett ausgeschaltet. Emma gab ihm in diesem Moment das Gefühl frei zu sein, keine Verpflichtungen zu haben und ein Mann zu sein.

Nach wenigen Minuten lagen sie sich erschöpft in den Armen. Mit einem Mal war Ulli wieder zurück in der Realität. Er bat Emma zu gehen und das Geschehene zu vergessen. Zu seiner Erleichterung war sie deswegen auch nicht eingeschnappt, sondern nahm anstandslos ihre Sachen und ging. Sofort griff Ulli nach seinem Handy und las die SMS von Alex: »Ich habe gesehen, dass du heute mehrmals versucht hast, mich anzurufen. Leider hatte ich mein Handy im Stall liegen, lassen und es erst jetzt gefunden. So spät wollte ich dich nicht mehr anrufen. Du schläfst sicher schon. Wie ich gestern reagiert habe, tut mir schrecklich leid. Ich liebe dich über alles. Du bist mein großes Glück. Deine Alex«

In der ganzen Nacht hatte er kein Auge zugetan.

»Wärst du nicht so schusselig und würdest dein Handy bei dir tragen um erreichbar zu sein, dann wäre das alles nicht passiert.«, schimpfte Ulli.

»Ach, jetzt bin ich schuld, dass du mit einer anderen in die Kiste gesprungen bist? Das wird ja immer schöner!«

»Es dreht sich ja immer nur alles um dich. DU willst bei Olympia starten. DU willst ein Kind. DU willst Sex. DU kaufst ein neues Pferd. DU machst die Turnierplanung. DU bist der Boss. Was ich will, interessiert hier eh keinen.«

»Ich frage dich immer, ob du einverstanden bist, bevor ich etwas entscheide«, verteidigte sie sich. »Außerdem dachte ich, dass du auch ein Kind willst«, fügte sie leise hinzu. Alex stiegen die Tränen in die Augen.

»Natürlich will ich ein Kind. Aber bei dem Druck, den du auf mich ausübst, ist es ja kein Wunder, dass es nicht klappt, « rief Ulli wütend.

Alex' Gesicht lief rot an. »Aber einer anderen kannst du ein Kind machen. Zack! Einmal ficken und schon ist es passiert. Oder habt ihr es öfter gemacht?«

»Alex bitte! Es war ein Ausrutscher, « versuchte er sich zu verteidigen.

»Du hast mein Vertrauen missbraucht und dieses kleine Flittchen ebenso. Pack deine drei Koffer und verschwinde. Emma kannst du ausrichten, dass sie auch nicht wieder zu kommen braucht. Ich schreibe ihr noch heute die Kündigung.«, erklärte Alex eisig und ließ ihn stehen. Ulli wusste, dass es keinen Sinn machte, noch etwas zu sagen. Obwohl er keine Ahnung hatte was er tun sollte, ging er ins Haus und fing an zu packen.

Erschrocken stellte er fest, dass sein ganzes Hab und Gut tatsächlich in drei Koffern Platz hatte. Alles andere gehörte Alex oder gar ihren Eltern. Er hatte nichts in diese Ehe mitgebracht, außer den Klamotten, die er trug und seine Fähigkeit Pferde auszubilden. Vielleicht war es das Beste, wenn er ging. Er könnte sich irgendwo ein anderes Leben aufbauen. Aber zuerst brauchte er eine Unterkunft für die nächsten Tage und Nächte.

Während er das Haus verließ, rief er Ines an. »Schwesterchen, könnte ich in den nächsten Tagen bei dir wohnen?«, fragte er direkt.

»Ehm...ja...aber wieso?«, stammelte Ines verwirrt.

»Alex hat mich rausgeschmissen.«

»Aha...das verstehe ich nicht. Was war denn los?« Ines war offensichtlich völlig verwirrt ob dieser Neuigkeit. »Komm in den Stall. Ich gebe dir den Wohnungsschlüssel. Heute Abend erzählst du mir dann alles, okay?«

»Ja, danke.« Ulli fiel ein Stein vom Herzen. Auf seine zwei Jahre jüngere Schwester war wie immer Verlass.

Nachdem er sein Gepäck im Kofferraum des Geländewagens verstaut hatte, ging er zum Stutenstall. Die Pferdepflegerin Dana kam ihm entgegen.

»Ulli, da bist du ja. Ich warte seit einer halben Stunde mit Scatman auf dich.«, rief sie ihm zu.

»Sattel wieder ab!«, gab er schnippisch zurück.

»Wie bitte?«, fragte sie erschrocken.

»Du hast mich richtig verstanden. Sattel ihn wieder ab!«

»NEIN!«, rief Alex entschieden dazwischen. Sie kam gerade mit Walzerklang aus der Reithalle geritten. »Achim wird ihn ab heute reiten.«

Dana starrte verloren abwechselnd auf Ulli und Alex.

»Du hast gehört, was deine Chefin befohlen hat, Dana. Ich habe hier nichts mehr zu sagen, « meinte Ulli verbittert.

Er und Alex warfen sich eisige Blicke zu, während sie an ihm vorbei zum Stall ritt. In diesem Moment wurde ihm klar, dass er sie endgültig verloren hatte. Er hatte nichts mehr zu sagen. Die Position, die er auf diesem Gestüt begleitete, hatte er nur bekommen, weil er mit ihr verheiratet war. Diese Erkenntnis war bitter.

Mit gesenktem Haupt ging er zu seiner Schwester.

»Oh je. Du siehst sehr blass aus, « stellte sie besorgt fest.

Er ging gar nicht darauf ein. »Gibst du mir bitte den Schlüssel?«

Sie griff in ihre Hosentasche und gab Ulli ihren Wohnungsschlüssel.

»Ich weiß noch nicht, was mit Papaya wird. In den nächsten Tagen werde ich aber einen Stall für sie suchen, « sagte er schwach.

»Ist es so schlimm?«, fragte sie schockiert.

Ulli nickte.

»Um Himmels willen!« Sie wollte noch etwas sagen, doch in diesem Moment betrat eine Pflegerin den Stall. Ines legte ihm tröstend eine Hand auf die Schulter. »Wir sehen uns heute Abend.«

Ulli wandte sich ab und ging.

Der Regen, der seit den frühen Morgenstunden auf die Erde niederprasselte, passte genau zu seiner Stimmung. Patschnass stieg er in den Wagen und sah sich noch einmal um. Das war es dann. Aus und vorbei. Das moderne große Gutshaus, indem sie sechs Jahre lang gemeinsam gelebt hatten. Die drei Stallgebäude, alle mit modernen Boxen und Paddocks ausgestattet, um den Pferden eine möglichst artgerechte Haltung zu bieten. Eine Reithalle mit dem neuesten Bewässerungssystem und dem besten bereitbaren Boden, den er je zuvor gesehen hatte.

Ulli startete den Motor und fuhr los. Sein Weg führte an den riesigen Koppeln vorbei, auf denen im Sommer die Pferde grasten. Jetzt war alles noch nass und grau, doch schon in wenigen Wochen würden die Wiesen in saftigem grün erstrahlen und die Bäume, die die Zufahrtsstraße säumten, erste Knospen tragen. Kaum hatte er diese Straße verlassen, konnte er den Wormser Dom sehen. Ulli fand ihn nicht besonders schön. Die Mauern des alten Gebäudes sahen von weitem aus, als wären sie schmutzig. Und doch hatte dieser Dom einen wichtigen Platz in der deutschen Geschichte. Hier waren Kaiser und Könige gekrönt worden. Die Sagen um den Nibelungenschatz spielten in dieser alten Stadt. Die Bundestrasse 47 führte ihn direkt hinein. Er konnte nur diverse Plattenbauten und Discounterläden sehen. Nie würde Ulli verstehen, warum diese in der Geschichte so bedeutende Stadt, derart herunterkommen konnte. Allerdings kannte er auch ihre schönen Ecken, wie zum Beispiel das Rheinufer und die Fußgängerzone. Ines wohnte in einem Mehrfamilienhaus im Neubauviertel in der Nähe des Rheins.

Zu seiner Erleichterung gab es um diese Uhrzeit genügend Parkplätze vor dem Haus. Er brachte seine Koffer in den zweiten Stock zur Wohnung seiner Schwester. Dort sah er sich um. Ines bewohnte eine sechzig Quadratmeter große Dreizimmerwohnung mit einer kleinen Küche, Badezimmer, Schlafzimmer, Wohnzimmer und einem Gästezimmer.

Ulli fielen sofort die in der ganzen Wohnung verstreut ihre Klamotten auf. Reithosen, Socken, Pullover und Schuhe im Flur und im Wohnzimmer auf Boden, Garderobe und Couch verteilt. Er schüttelte den Kopf. Typisch Ines!

In der Küche stapelten sich Töpfe und Teller in der Spülanrichte. Ulli verdrehte die Augen. Er beschloss seine drei Koffer ins Gästezimmer zu bringen und dann die Wohnung aufzuräumen. Das Gästezimmer ähnelte einer Abstellkammer, und das war es wohl die meiste Zeit über auch. Hier standen ein Staubsauger, ein aufgeklappter Bügeltisch, gefüllte Wäschekörbe, Umzugskartons voller Bücher und ein alter Dressursattel auf einem Holzgestell. Es war gerade noch genug Platz, um seine Koffer abzustellen. Den Kiefernholzschrank traute er sich erst gar nicht zu öffnen. Sicher fielen ihm Handtücher oder Bettwäsche entgegen, sobald er die Schranktür bewegte. Das Einzelbett stand an der Wand und war frisch bezogen. Allerdings lagen auch hier Kleidungsstücke von Ines verstreut. Die Wand war hellblau gestrichen. Das einzige Zimmer, das sie vor drei Jahren bei ihrem Einzug in diese Wohnung so gelassen hatte, wie es war. Über dem Bett hing ein Bild von ihrem Wallach Sam. Der Trakehner war vor drei Jahren eingeschläfert worden. Er hatte das für ein Pferd sehr hohe Alter von zweiunddreißig Jahren erreicht. Ines war sechszehn gewesen, als ihr Vater ihn bei einem Pferdehändler gekauft hatte. Ullis und Ines Eltern waren einfache Bauern mit ein paar Hektar Ackerland und Weinbergen. Die Ernte wurde an die Genossenschaft verkauft. Der Ertrag musste für die Familie zum Lebensunterhalt ausreichen. Immerhin hatten die Schultes beim Bau der Autobahn A61 vier Äcker verkaufen können und sich damit ein gutes finanzielles Polster verschafft. Mittlerweile war Ullis Vater dreiundsechzig Jahre alt. Vor zwei Jahren hatte er bis auf einen kleinen Weinberg alles verpachtet.

So lange Ulli denken konnte, hatte immer ein Pony oder ein Pferd in dem kleinen Stall des Hofes gestanden, auf dem die Kinder reiten konnten. Seine ersten Turniererfolge hatte Ulli allerdings mit den Pferden des Reitvereins gesammelt. Schon sehr früh waren Ulli und Ines zum Reit- und Fahrverein Alzey am Wartberg gegangen, um richtig reiten zu lernen. Der damalige Reitlehrer hatte Ullis Talent erkannt und ihn gefördert. Nachdem er mit sechszehn Jahren seine Ausbildung als Bereiter in einem Turnierstall begonnen hatte, wollte Ines auch so ein tolles Pferd. Ihr Vater zögerte zwei Jahre, bis auch sie ihre Ausbildung als Pferdewirtin in Zucht und Haltung begann. Sam war damals bereits fünfzehn Jahre alt gewesen, doch Ines war noch acht Jahre lang mit ihm erfolgreich auf kleinen Dressurturnieren geritten. Noch heute brachte sie es nicht übers Herz sich ein neues Pferd zu kaufen. Ulli wusste, dass sie, seit dem Tag, an dem sie beschlossen hatte, Sam nicht mehr zu reiten, auf keinem anderen Pferd mehr gesessen hatte.

Ulli schloss die Tür des Gästezimmers hinter sich und machte sich auf den Weg in die Küche. Da er das Gefühl hatte, etwas tun zu müssen, spülte er das Geschirr.

Nach einer Stunde erstrahlte Ines Küche in neuem Glanz. Er hatte alle Töpfe, Pfannen und Teller weggeräumt, den hellen Holztisch abgewischt und die weißen Schränke poliert. Danach leerte er einen Wäschekorb, der im Gästezimmer stand, sammelte die schmutzigen Klamotten seiner Schwester ein und begann den Flur und das Wohnzimmer zu saugen.

Dass Ines den dunkelgrauen Teppichboden bei ihrem Einzug nicht entfernt hatte, konnte er bis heute nicht verstehen. Allerdings bot dieser einen guten Kontrast zu den hellgelb gestrichenen Wänden, dem dunkelbraunen Wohnzimmerschrank und der hellgrauen Sitzgruppe. Ulli schüttelte nicht zum ersten Mal den Kopf über die Wohnungseinrichtung seiner Schwester. Früher hatte er es verstanden, da sie sehr wenig Geld verdiente. Aber heute auf dem Gestüt verdiente sie mehr als das Doppelte. Da hätte sie sich auf jeden Fall eine neue Einrichtung leisten können.

Er stellte sich mit verschränkten Armen vor das Wohnzimmerfenster und schaute hinaus in den Regen. Alex würde ihm seinen Fehltritt niemals verzeihe, soviel stand fest. Aber wie sollte es weitergehen? Sie hatte ihm vorhin klar gemacht, dass er nicht nur aus ihrem Haus und ihrem Herzen verbannt war, sondern auch von ihrem Hof. Er war zum ersten Mal in seinem Leben arbeitslos! Kontakte hatte er weltweit zu allen möglichen großen Gestüten und Reitställen. Aber war dort irgendwo ein Job frei, der zu ihm passte? Er musste Papaya irgendwo unterbringen. Die Stute allein wäre sicher kein Problem, aber mit einem frischgeborenen Fohlen bei Fuß war das etwas anderes.

Hoffentlich kam Ines bald nach Hause. Sie hatte immer für alles eine Lösung. Außerdem musste er dringend mit Emma sprechen. Doch dabei konnte seine Schwester ihm nicht helfen. Da musste er alleine durch. Und es stellte sich die Frage, ob Ines ihm überhaupt noch half, wenn sie die Wahrheit über seine Trennung von Alex erfuhr.

Gegen halb fünf klingelte es Sturm an der Tür. In der Erwartung, dass es Ines war, drückte er den Summer und ging zur Wohnungstür. Kurz darauf öffnete sich der Aufzug. Doch statt Ines trat Alex heraus. Sie sah blass und durchgefroren aus. Einige Haarsträhnen hingen nass aus ihrer Baseballkappe heraus.

»Alex«, entfuhr es ihm erschrocken.

»Hallo Ulli. Ich wusste, dass ich dich hier finde, « stellte sie fest. »Gib mir bitte die Autoschlüssel.«

»Die Autoschlüssel?«, fragte er ungläubig. »Wieso das denn?«

»Der Wagen gehört dem Gestüt und somit mir. Jetzt gib sie schon her! Achim wartet unten auf mich, um die Kiste nach Hause zu fahren.«, erklärte sie sachlich.

»Achim! Übernimmt er jetzt alles von mir? Die Pferde, das Auto und am Ende sogar dich?« Ullis laute Stimme hallte im Aufzugsvorraum wider.

»Jetzt übertreibst du aber!«, fuhr Alex ihn an. »DU warst doch derjenige, der seine Finger nicht bei sich lassen konnte. Du fühlst dich doch benachteiligt. Hör auf mir so einen Mist zu unterstellen. Ich habe schon mit Papa gesprochen. Du bekommst keinen Cent nach der Scheidung.«

»Scheidung?«, rief Ulli entsetzt.

»Natürlich. Glaubst du, ich will mit einem Mann verheiratet sein, der in der Gegend herumvögelt und fremde Frauen schwängert?« Ihre schrille Stimme verhallte im Treppenhaus.

Ulli fühlte sich zutiefst verletzt und hatte das Bedürfnis ihr ebenfalls weh zu tun. »Wenigstens hatte ich mal wieder Spaß beim Sex. Der war mir bei dir nämlich völlig abhandengekommen.«

An ihrem Blick sah er, dass er voll getroffen hatte.

»HE!«, rief Ines, die plötzlich wie aus dem Nichts hinter Alex auftauchte. »Jetzt reicht es! Weder meine Nachbarn, noch ich interessieren uns für euer Intimleben. Klärt das ein anderes Mal an einem anderen Ort!«

»Dann sag deinem Arschloch von Bruder, er soll mir die Autoschlüssel geben!«, befahl Alex ihrer Schwägerin.

Ines sah Ulli eindringlich an. Vor Wut schnaubend wandte er sich um und nahm die Schlüssel vom Garderobenschrank. Alex riss sie ihm sofort aus der Hand und meinte: »Den Haustürschlüssel, die Stall- und Torschlüssel auch noch.«

Ulli lief vor Wut rot an, sagte aber keinen Ton, sondern griff in die Tasche seiner Reithose und holte den Schlüsselbund heraus, um ihn ihr zu übergeben.

»Du kannst mich beleidigen, wie du willst, Ullrich Schulte, aber bedenke, dass ICH dich in der Hand habe. Du hast nichts mehr. Gar nichts!« Sie wandte sich zum Gehen, drehte sich aber noch einmal auf dem Absatz um und setzte hinzu: »Deine Stute ist spätestens in einer Woche vom Hof, sonst siehst du sie nie wieder!«

Er holte Luft, um ihr noch etwas entgegenzusetzen, doch Ines legte ihm eine Hand auf den Brustkorb und schob ihn in die Wohnung. Als sie Tür hinter sich schloss, konnten sie hören, wie Alex gegen den metallischen Abfallbehälter trat, der vor dem Aufzug stand. Kurz darauf schluchzte sie laut auf. Auch wenn Ulli ihr gerne noch ein paar Gemeinheiten an den Kopf geknallt hätte, brach es ihm das Herz.

Ines stand wie erstarrt mit verschränkten Armen vor der Wohnungstür und fixierte ihn mit ihren grünen Augen.

»Was?«, fragte er patzig.

»Geh ins Wohnzimmer und setz dich auf die Couch«, sagte Ines ruhig, aber mit einer Bestimmtheit, die keine Widerworte duldete.

Er nahm auf der Couch Platz während Ines ihre Jacke und ihre Stallschuhe an der Garderobe auszog.

Überrascht sah sie sich im Wohnzimmer um, sagte aber keinen Ton zu der Ordnung, die dort plötzlich herrschte. Sie setzte sich auf den Sessel, ihm gegenüber, lehnte sich zurück und verschränkte die Arme vor der Brust.

Ulli hatte sich von seinem Wutausbruch an der Tür erholt und sah sie nun unsicher an.

»Ich warte«, sagte sie leise aber eindringlich.

Er schloss sie Augen und holte tief Luft. »Ich hatte eine Affäre...nein...einen One-Night-Stand...mit Emma. Sie ...«, begann er vorsichtig.

Wie eine Handgranate, aus der man den Sicherungsring gezogen hatte, sprang Ines in die Luft und baute sich vor ihm auf. »Bist du von allen guten Geistern verlassen? Ich dachte, du und Alex seit das perfekte Paar. Du warst für mich ein großes Vorbild und sowas wie ein Heiliger unter allen Springreitern, die ich kenne. Aber nein, ihr seid alle gleich. Alle! Mein Gott, und bei dir habe ich mich ausgeheult, als Peter, Jörg und Sigmund mich betrogen haben.«

Ulli nutzte die zwei Sekunden, die sie brauchte, um Luft zu holen und versuchte sich zu verteidigen: »Das war etwas ganz anderes. Alex hat mich ständig unter Druck gesetzt. Sie wollte nur noch Sex, wenn sie dachte, sie hätte ihren Eisprung. Meinst du, Sex nach Plan macht auf Dauer Spaß?« Den armen Mann zu spielen, der von seiner Frau ständig zum Sex genötigt wurde, fing an ihm zu gefallen, auch wenn diese plumpe Ausrede bei Ines genauso wenig zog wie bei Alex.

»Wenn du nicht mein großer Bruder wärst, würde ich dir jetzt kräftig eine reinhauen. Aber das überlasse ich lieber Alex.« Kopfschüttelnd wandte sie sich ab und ging seufzend zum Fenster. »Vielleicht ist es gut, wenn du ein paar Tage hier bleibst. Dann könnt ihr euch beide beruhigen. Ich kann ja mal versuchen mit Alex zu sprechen. Vielleicht schafft sie zu vergessen, was du ihr vorhin an den Kopf geschmissen hast. Das war nämlich ziemlich dumm. Und wer weiß, vielleicht kann sie dir den Fehltritt auch nochmal verzeihen. Verdient hättest du es allerdings nicht.« Mit strengem Blick sah sie ihn von oben herab an.

Er senkte den Blick. Seine Hände wurden feucht, als er sagte: »Das ist noch nicht alles. Ich glaube nicht, dass sie mir jemals verzeiht. Emma ist nämlich schwanger.«

Ines schnappte dreimal nach Luft und lief kopfschüttelnd in die Küche. Er hörte einen lauten Knall. Offensichtlich hatte sie eine Pfanne zu Boden geschmissen. Kurz darauf kam sie zurück ins Wohnzimmer gelaufen. Immer noch kopfschüttelnd rief sie laut: »Du hast doch nicht mehr alle Tassen im Schrank! Wie konntest du nur? Was soll denn jetzt werden? Glaube ja nicht, dass du lange hier wohnen kannst. Alex hat dir eine Woche für Papaya gegeben. Die gebe ich dir auch um einen Job und eine Wohnung zu finden.«

»Das kannst du doch nicht machen, Ines. Du bist meine Schwester«, jammerte er.

»Oh doch, das kann ich. Ich habe nämlich keine Lust, wegen dir meinen Job zu verlieren.« Sie schlug sich mit der flachen Hand gegen die Stirn und schüttelte mit dem Kopf, dann lies sie sich auf den Sessel fallen und begrub ihr Gesicht in den Händen.

»Ist ja wieder typisch«, begann Ulli. »Ihr Weiber haltet zusammen. Ich bin jetzt der Schuldige. Aber hast du schon mal darüber nachgedacht, dass immer beide Schuld haben, wenn einer Fremd geht?« Langsam erhob auch er jetzt seine Stimme.

»Nein, mein Lieber, so brauchst du nicht anzufangen.« Sie warf ihm einen bösen Blick zu und schüttelte abermals den Kopf. »Ich will das jetzt auch nicht mehr hören. Sag mir besser wie es jetzt weiter gehen soll.«

Ulli zuckte mit den Achseln. »Wie du schon gesagt hast, ich brauche einen Job, und zwar möglichst schnell. Wohnen könnte ich vielleicht erstmal bei Mama und Papa.«

Ines lachte laut auf. »Das ist jetzt nicht dein Ernst! Papa lacht dich aus und Mama wird dir eine knallen. Darauf kannst du dich verlassen.«

Dem konnte Ulli nicht widersprechen. Sein Vater war immer gegen die Beziehung mit der »reichen verwöhnten Göre« gewesen, und hatte von Anfang an gesagt, dass diese Ehe keine Zukunft hatte. Seine Mutter würde endlos enttäuscht von ihm sein. Er nahm sich vor in den nächsten Tagen zu ihnen zu fahren, um alles zu beichten. Daran führte kein Weg vorbei. Wieder auf dem elterlichen Hof zu leben, war ein Ding der Unmöglichkeit.

»Ich habe im Moment ehrlich gesagt keinen Plan, « sagte er nach einigen Minuten schwach.

Ines seufzte und sagte ruhig: »Was ist denn mit diesem Eisele. Hat der nicht auf ein Gestüt in Albig eingeheiratet?«

Ulli dachte an seinen ehemaligen Kollegen aus Warendorf und nickte. »Stimmt. Er hat diese Trakehnerzüchterin geheiratet, die das Erdöl auf ihrer Koppel gefunden hat und dadurch zur Millionärin wurde. War echt der Hammer vor zwei Jahren. Ich habe zwar lange nicht mehr mit ihm gesprochen, aber vorbeifahren und nachfragen schadet bestimmt nicht.«

»Na siehst du.«, seufzte Ines erneut. »Wenigstens ein kleiner Lichtblick. Dann können wir das Thema für heute Abend abhaken und über das Essen nachdenken. Pizza?«

Er nickte.

Sie verbrachten den Abend mit pizzaessen und Gesprächen im Wohnzimmer, wobei Ines immer wieder verständnislos den Kopf schüttelte.

Kapitel 2

Sobald Ines am nächsten Morgen um sieben Uhr die Wohnung verlassen hatte, spülte Ulli das Frühstücksgeschirr, um sich anschließend an den Computer zu setzen und sich in seinen Facebook-Account einzuloggen.

Emma hatte gestern noch zweimal geschrieben, dass er wohl feige wäre und sich deswegen nicht mehr melden würde. Er sah, dass sie im Moment mit dem Smartphone online war und beschloss, sie direkt anzurufen.

Gleich nach dem ersten Klingeln nahm sie ab. »Ja?«, sagte sie nur, doch dieses eine Wort klang schon sehr provozierend.

»Hi, hier ist Ulli. Hör mal, ich konnte mich gestern nicht mehr melden. Es ging alles drunter und drüber...Alex hat mich rausgeschmissen. Sie hat unseren Chat gelesen.«, erklärte er stockend und hatte eigentlich keine Ahnung, was er mit Emma reden wollte.

»Oh, das ist scheiße.«, sagte sie knapp und klang dabei ein wenig mitleidig.

»Ja, das ist es. Ich weiß nicht, ob sie sich schon bei dir gemeldet hat, aber ich gehe davon aus, dass sie dir kündigen wird.«, eröffnete er ihr vorsichtig.

»Mist. Aber was sollte ich auch erwarten? Was machst du jetzt? Hast du schon einen neuen Job?«

»Nein, ich werde nachher einen alten Bekannten besuchen. Vielleicht hat der was für mich.«

»Wäre gut. Da ich ja demnächst arbeitslos sein werde, brauche ich jede finanzielle Unterstützung, die ich bekommen kann.«, meinte Emma sachlich.

Ulli war plötzlich sprachlos. Nun wurde ihm klar um was es hier ging. Er wurde stinksauer. »Hör mal Fräulein, ich bin nicht deine Gelddruckmaschine. Wenn du das in dem Moment geglaubt hast, als du mich ins Bett gezerrt hast, dann hast du dich aber getäuscht. Dir hätte gleich klar sein müssen, dass ich nicht viel eigenes Geld habe.«

»Ist doch nicht mein Problem, dass du in deiner Ehe nicht die Hosen an hast. Sieh zu, dass du zu Geld kommst, um mich und das Kind zu bezahlen, sonst bekommst du noch andere Probleme, « erklärte sie kalt und legte einfach auf.

Vor Wut schnaubend warf Ulli sein Handy in die Ecke. Mit einem dumpfen Krachen knallte es gegen die Wand und fiel dann in zwei Teilen zu Boden. Ulli hob es auf und versuchte es zusammen zu setzen. Doch vergebens, das ohnehin schon sehr alte Modell hatte nun endgültig den Geist aufgegeben. Na toll! Er hatte sich die ganze Zeit gegen diese modernen Smartphones gewehrt, jetzt kam er wohl nicht mehr drum herum sich ein solches zu kaufen. Jetzt hatte er keine Frau, keine eigene Wohnung, keinen Job, kein Auto und kein Handy mehr. Das konnte ja heiter werden!

Gott sei Dank kannte er die Handynummer seiner Schwester auswendig und rief sie vom Festnetz aus an. »Hör mal, könnte ich bitte dein Auto bekommen? Dann kann ich zu Richie nach Albig fahren und noch kurz bei unseren Eltern vorbei sehen, um ihnen zu sagen, was passiert ist. Außerdem muss ich mir ein neues Handy besorgen.«

Ines seufzte genervt. »Na gut. Sonst werde ich dich ja nie los. Ich komme gleich heim und du fährst mich dann zurück zum Gestüt.«

»Danke.«

Eine viertel Stunde später kam Ines in ihre Wohnung. »Ich habe noch etwas für dich«, sagte sie und kramte in einer Schublade im Wohnzimmerschrank. Dann hielt sie ihm ein IPhone vor die Nase. »Das ist mein altes. Das Internet ist sehr langsam, aber da du eh nicht damit umgehen kannst ist das nicht weiter schlimm.«

»Danke«, sagte er verlegen.

»Schon gut. Komm, lass uns fahren, ich will nicht so lange weg bleiben. Der Tierarzt kommt gleich zu den Stuten.«

»Wie geht es Papaya und dem kleinen Petrus?«, wollte Ulli wissen, als sie mit dem Aufzug nach unten fuhren.

»Petrus?«

»Ich habe ihn erstmal so getauft. Vielleicht fällt mir noch was Besseres ein.«

Ines lachte. »Den beiden geht es gut. Er ist putzmunter. Um die beiden brauchst du dir keine Gedanken zu machen. Ich hoffe nur, dass du einen guten Platz findest.«

»Das werde ich.«, meinte Ulli entschlossen. »Wie war Alex heute Morgen drauf?«

»Keine Ahnung. Sie sitzt mit Achim im Büro. Es wird erzählt, dass sie die halbe Nacht schon mit den Pferden gearbeitet hat. Alle fragen mich, wo du bist und was los ist. Aber ich halte mich da raus.«

Ulli nickte nur.

Da es wieder angefangen hatte zu regnen, setzte er Ines direkt vor der Tür des Stutenstalls ab. Bevor er jedoch vom Hof fahren konnte, kam Conny angelaufen und klopfte an die Fahrerseite des Wagens. »Hi, hast du mit Emma gesprochen? Alex meinte, ich solle dich fragen wegen ihr. Meinst du, ich kann nächste Woche wieder mit ihr rechnen?«

»Das musst du mit Alex oder Emma selbst besprechen. Ich bin raus hier, falls du es noch nicht mitbekommen hast.«, antwortete er patzig und kurbelte die Scheibe wieder hoch.

Kopfschüttelnd fuhr er vom Hof. Warum sagte Alex den Mitarbeitern nicht klar, was Sache war? War ihr das peinlich, dass ihr Mann sie betrogen hatte?

Er fuhr auf die Autobahn in Richtung Alzey. Es fiel ihm schwer sich an den kleinen roten Opel Corsa seiner Schwester zu gewöhnen. So viele Jahre war er nur große PS-starke Wagen gefahren und nun hatte er das Gefühl, dass er kaum vom der Stelle kam. Kurz vor dem Alzeyer Kreuz beschloss er, zuerst zu Richard Eisele zu fahren, bevor er seine Eltern besuchte. Wenn Richie einen Job für ihn hatte, war es einfacher seinen Eltern alles zu erklären. Er wechselte von der A61 auf die A63 in Richtung Mainz und nahm die erste Abfahrt nach Albig.

Der Hof lag etwas oberhalb des kleinen Weindorfes. Die Einfahrt war links und rechts gesäumt von gepflegten Rasenstücken. Auf der rechten Seite befand sich ein Brunnen mit einem Pferd, der aber zurzeit ausgeschaltet war. Der Hof selbst war offensichtlich neu gepflastert worden. Alles sah sehr ordentlich aus. Auf einem der Paddocks, die an den Hof grenzten, döste ein Pferd mit Decke im Regen.

Ulli parkte das kleine Auto vor dem Haus und stieg aus. Eine breite, sehr einladende Treppe, führte zur Haustür. Noch bevor er klingeln konnte, öffnete eine junge Frau mit einem Baby auf dem Arm die Tür.

»Guten Morgen, mein Name ist Ullrich Schulte. Ist Richard Eisele zu sprechen?«, fragte er höflich.

»Mein Mann müsste in der Reithalle sein.«, antwortete die Frau freundlich und gab ihm die Hand. »Ich bin Britta Eisele. Sie haben mit Richie zusammen in Warendorf gearbeitet, richtig?«

Ulli nickte.

»Das hat er mir mal erzählt. Er wird sich sehr freuen, Sie zu sehen. Gehen Sie einfach den Weg runter zur Halle, da müsste er irgendwo zu finden sein.«

»Vielen Dank.« Bestärkt durch Brittas Worte ging er den Weg zur Halle hinunter.

Die Reithalle war komplett aus Holz gefertigt, das offensichtlich im letzten Sommer zuletzt mit einem schützenden Öl gestrichen worden war. Alles hier sah sehr neu und ordentlich aus. Auch in der Reithalle, wo nagelneuer grüner Sand als Reitboden diente. Hier saß Richard Eisele in einer Ecke auf einem Stuhl und gab Befehle an einen sehr jungen Reiter, der mit seinem braunen Wallach einen Parcours sprang. Ulli beobachtete eine Weile schweigend die Szene von der Hallentür aus. Die Sprünge waren gutes A-Niveau und der Reiter ritt sie sauber an. Allerdings könnte er nach Ullis Meinung noch etwas an seinem Tempo feilen.

Von einer Sekunde auf die andere brachte der Reiter sein Pferd zum Stehen und starrte Ulli ehrfurchtsvoll an. »Herr Schulte?«, fragte er unsicher.

»Ja. Guten Tag.«, grüßte Ulli ihn freundlich. Eigentlich war er gewohnt, dass die Leute, und vor allem die jungen Reiter, auf Alex so reagierten.

»Mein Name ist Kevin Weiler. Ich bin ein großer Fan von ihnen.«

»Vielen Dank. Das ehrt mich sehr«, meinte Ulli verlegen.

Richard war von seinem Stuhl aufgestanden und näherte sich der Hallentür.

»Lass den Herrn Schulte mal in Ruhe, wenn er den weiten Weg von Worms schon auf sich genommen hat, um uns zu besuchen. Reite noch einmal über die Zweifache, dann lass es gut sein. Und wenn du dein Pferd dann trocken geritten hast, bin ich mir sicher, dass Herr Schulte dir ein Autogramm gibt«, rief Richard sarkastisch und zwinkerte Ulli zu. »Komm schon rein.«

Ulli öffnete die Hallentür und gab Richard die Hand.

»Das ist eine Überraschung. Was verschlägt dich denn hier her? Hast du nichts zum Trainieren im Stall oder warum fährst du an einem Dienstagmorgen durch die Gegend?«

Ulli schüttelte den Kopf, während er Kevin dabei zusah, wie er die zweifache Kombination sprang.

»Alex und ich haben uns getrennt. Ich brauche schnell einen neuen Job. Ehrlich gesagt hatte ich die Hoffnung, dass du mir da weiterhelfen könntest.«, sagte Ulli vorsichtig.

»Was?« Richard sah ihn fassungslos an. »Sie hat dich rausgeworfen? Mit allem Drum und Dran?«

Ulli nickte.

»Hast du Mist gebaut?«, fragte Richard, um die Frage gleich wieder zurückzuziehen. »Sorry, das geht mich sicher nichts an.«

»Es hat einfach nicht mehr gepasst. Aber ich möchte nicht darüber sprechen«, meinte Ulli.

»Komm, lass uns ins Haus gehen. Da können wir in Ruhe reden und überlegen, wo du unterkommen kannst«, schlug Richard vor.

»Und mein Autogramm?«, rief Kevin ihnen nach.

Ulli und Richard lachten. Richard nahm von einer Ablage in der Hallenecke eine Ausgabe des Magazins Pferd und Reiter, auf dem Ulli und Alex abgebildet waren, und ein Filzstift. Beides drückte er Ulli in die Hand.

Ulli unterschrieb grinsend auf seinem Foto und gab es dem jungen Mann, der mittlerweile vom Pferd gestiegen war.

Richard führte ihn zunächst auf dem Hof herum und erklärte ihm, dass Britta und er, nachdem Britta sehr viel Geld für eine Weide bekommen hatte, auf der Erdöl gefunden worden war, den Hof renoviert hatten. Außerdem konnten sie günstig den benachbarten Stall dazukaufen, der vor etwa zwei Jahren noch einem Immobilienhai aus Mainz gehörte. Richard hatte früher als Bereiter für ihn gearbeitet und dadurch Britta kennengelernt, die damals das Trakehnergestüt mit der Witwe ihres Bruders geführt hatte. Brittas Eltern und ihr Bruder waren vor einigen Jahren bei einem Unfall ums Leben gekommen und hatten Britta und ihrer Schwägerin Katja neben dem Hof mit viel Arbeit auch einige Schulden hinterlassen.

Nachdem Ulli nun die ganze Geschichte des Hofes kannte und über die neuen Boxen und vor allem die schönen Trakehnerpferde gestaunt hatte, gingen sie ins Haus.

Richard führte ihn durch den Hintereingang des länglichen Gebäudes, wo sich ein Wirtschaftsraum befand, in dem er seine Stallschuhe ausziehen konnte.

Eine ältere Frau öffnete die Tür zur Küche und kam auf die beiden zu.

»Stell deine Schuhe bitte direkt neben die Tür. Ich möchte nach dem Essen hier einmal durchwischen. Dann kann ich auch deine Schuhe gleich sauber machen«, befahl sie Richard freundlich.

»Na klar, Oma Janssen. Vielen Dank«, antwortete Richard höflich und deutete auf Ulli. »Oma, das ist Ulli Schulte, ein alter Kollege von mir. Ulli, das ist Oma Janssen. Sie ist eigentlich die Oma von Katja, aber sie hat Britta und mich quasi als Enkel adoptiert und lebt nun abwechselnd mal hier und mal bei Katja und Charlie.«

Ulli gab der netten Dame die Hand.

»Freut mich, Sie kennen zu lernen. Bleiben Sie zum Essen?«, wollte Oma Janssen wissen und sah fragend zwischen Ulli und Richard hin und her.

»Aber sicher doch«, antwortete Richard an seiner Stelle. »Wir gehen nur noch ins Büro, um ein paar Sachen zu besprechen.«

»Wir essen um zwölf!«, betonte sie.

»Ich weiß«, rief Richard und lief, gefolgt von Ulli, einmal quer durch das Haus ins Büro.

Dort setzten sie sich beide vor den Schreibtisch.

»Also Ulli, was machen wir mit dir? Du brauchst einen Arbeitsplatz, wo du möglichst auch wohnen kannst und einen Unterstellplatz für deine Stute mit Fohlen. Habe ich das richtig verstanden?«, hakte Richard nach.

»Genau«, antwortete Ulli knapp.

»Also, wie ich dir schon gesagt habe, sind wir hauptsächlich ein Zuchtbetrieb. Für die Vorstellung der Jungpferde bin ich zusammen mit unseren Azubis zuständig. Mehr wollen wir im Grunde zurzeit nicht. Wenn Lena, unser Baby, aus dem gröbsten raus ist, wird Britta auch wieder mehr reiten, und ein paar Verkaufspferde auf Turnieren vorstellen. Da ist leider kein Platz für einen hochqualifizierten Reiter wie dich. Das tut mir echt leid, « erklärte Richard. »Allerdings könnte ich bei Charly und Katja mal anfragen. Erinnerst du dich an Charly von Fichten? Er ist seit ein paar Monaten mit Brittas Schwägerin verheiratet. Die beiden bauen sich seit zwei Jahren einen Turnierstall im Upland auf. Sie kommen, auch dank des Geldes von diesem Koppelverkauf, damit sehr gut voran. Allerdings weiß ich nicht, wie deren Personalplanung zurzeit aussieht. Wir telefonieren zwar mindestens einmal in der Woche, aber da geht es dann um die Stuten und Hengste wegen der Zucht. Die beidem züchten auch Trakehner, haben aber nur drei Stuten, von denen eine noch im Sport geht. Allerdings haben sie einen ganz tollen Deckhengst.«

»Ich erinnere mich an Charly. Du hattest ihn mir mal vorgestellt. Hast du nicht mit ihm zusammen deine Ausbildung gemacht?«

»Ja genau.«

»Ich habe ihn ab und zu noch auf Turnieren getroffen. Ist aber schon länger her. War immer ein lustiger Typ.«

Richard nickte grinsend. »Deswegen hat er auch seine größte Feindin geheiratete.«

»Wie meinst du das?«

»Charly war Gestütsleiter auf dem Nachbarhof, also mein Chef. Da kam es zwischen ihm und Katja oft zu Nachbarschaftsstreitigkeiten. Naja, ist eine alte Geschichte. Aber Katja ist sehr anstrengend.«

Hinter ihnen ging die Tür auf und eine Frau sagte: »Das habe ich jetzt aber überhört!« Erschrocken drehten sich beide um. Britta stand im Türrahmen und blickte ihren Mann herausfordernd an.

»Ja, hast du. Das sind Männergespräche, mein Schatz.« Er zwinkerte ihr zu. »Das ist übrigens Ullrich Schulte.«

»Ich weiß. Wir haben uns eben schon vorgestellt. Das Essen ist fertig, kommt ihr?«

Das ließen sie sich nicht zweimal sagen. Sie standen auf und folgten ihr ins Esszimmer, wo ein voll gedeckter Tisch wartete.

Es gab Frikadellen, Kartoffeln und Erbsen-Karottengemüse.

Ulli war sich sicher, dass er schon ewig nicht mehr so gut gegessen hatte. Da konnte selbst der sonntägliche Braten bei seiner Mutter nur schwer mithalten. Alex und er ernährten sich unter der Woche nur von leichter Kost, die die Haushälterin zubereitete und am Wochenende, gingen sie immer Essen, egal ob sie auf Turnieren waren oder nicht.

Als sie fertig waren, wollte Ulli helfen, den Tisch abzuräumen, doch Oma Janssen und Britta zwangen ihn förmlich sitzen zu bleiben.

»Ich kann Charly gerne anrufen und ihn fragen, ob er was frei hat«, schlug Richard vor.

»Das wäre super. Vielen Dank.«

Richard zog sein Handy aus der Tasche und drückte die Kurzwahltaste. Charly war schnell am Apparat. Richard wechselte ein paar Worte mit ihm und legte dann mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck auf.

»Also, Charly hat zwar nicht direkt was für dich, aber im Nachbardorf ist ein Springstall, der immer gute Leute sucht. Der gehört einem Gunter Stratmann. Den kennst du vielleicht. Er verkauft Pferdetransporter. Charly würde aber gerne vorher mit dir sprechen und dir seinen Hof zeigen.«, berichtet Richard.

»Super. Das mache ich sehr gerne.«

»Um auf deine Stute mit dem Fohlen zurückzukommen: ich könnte dir anbieten, sie bei uns einzustellen. Wir haben jetzt ein Hengstfohlen, das ebenfalls zwei Tage alt ist und erwarten in den nächsten Wochen noch fünf weitere, « meinte Richard.

»Das wäre toll. Ich denke nicht, dass ich bei Stratmann eine Stute mit Fohlen unterbringen kann. Und bei euch wird sie sich sicher wohlfühlen.« Ulli fiel ein Stein vom Herzen.

»Ich biete dir gerne an, sie abzuholen. Was hältst du von Freitag? Ich komme mit dem Lkw, da stehen sie besser, als auf dem Hänger, « bot Richard an.

»Das ist sehr nett von dir. Vielen Dank. Ich habe ja zurzeit kein eigenes Auto, geschweige denn einen Hänger«, gab Ulli beschämt zu.

Sie tauschten ihre aktuellen Handynummern aus und Ulli verabschiedete sich von Richard, Britta und Oma Janssen.

Nur ganz langsam fuhr er über die Bundesstraße in Richtung Alzey. Eigentlich hatte er gar keine Lust mehr, zu seinen Eltern zu fahren, aber er musste dieses Gespräch hinter sich bringen.

Als er auf den kleinen Hof fuhr, stand sein Vater neben seinem alten Deutz Traktor. Er hatte die Motorhaube geöffnet und war offensichtlich dabei etwas zu reparieren. Ulli schüttelte in Gedanken mit dem Kopf. Wenn der alte Dickschädel etwas Geld von ihm angenommen hätte, würde er einen nagelneuen Schlepper fahren, anstatt ständig an dem alten Ding herumzuschrauben.

Als Heinrich Schulte das Auto seiner Tochter sah, hielt er in seiner Arbeit inne und wandte sich von dem Traktor ab, um den Besuch zu begrüßen. Doch als er sah, dass anstatt Ines, Ulli aus dem Auto stieg, blieb er abrupt stehen und musterte seinen Sohn. Dann fing er laut an zu lachen.

»Guten Tag, Vater«, grüßte Ulli ihn genervt. »Ich freue mich auch, dich zu sehen.«

»Hilde, komm vor die Tür! Unser Sohn ist da. Das musst du sehen, « rief er in Richtung Haus seiner Frau zu.

Ulli machte auf dem Absatz kehrt, um ins Haus zu gehen. Heinrich folgte ihm.

Seine Mutter kam ihm schon entgegen. Wie immer mit einer bunten Kittelschürze über einem grauen Rollkragenpullover gekleidet.

»Ulli, das ist aber eine Überraschung. Komm rein. Als ob ich es gewusst hätte, habe ich heute Marmorkuchen gebacken.«, verkündete sie stolz. Der Marmorkuchen seiner Mutter war von klein auf sein absoluter Lieblingskuchen.

»Hallo Mama. Das ist super. Vielen Dank. Ich muss mit euch reden, « sagte er ernst.

»Na, da bin ich aber gespannt, « meinte sein Vater immer noch amüsiert, hängte seine verwaschene grüne Jacke an die Garderobe und warf seine Kappe auf die Hutablage. »Hilde, er ist mit dem Auto von Ines da. Hast du gesehen, wie er angezogen ist? Stinknormale Jeans und ein Pullover. Heute mal keinen Designerzwirn und auch keine Reithosen, die so viel kosten, wie die Reparatur für meinen Deutz.«

»Du bist jetzt still. Und wasch dir die Hände, bevor du an meinen Kaffeetisch kommst!«, befahl Hilde ihrem Mann. Sie legte eine Hand auf Ullis Arm und sah ihn eindringlich an. »Jetzt komm erstmal rein in die gute Stube.«