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Robert Morgan - Heimtückische Intrigen E-Book

Alfred Wallon

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Beschreibung

ROBERT MORGAN Band 3 von Alfred Wallon Der Umfang dieses Buchs entspricht 129 Taschenbuchseiten. Die dramatische Flucht aus den Kerkern des Londoner Tower ist geglückt. Robert Morgans Sohn Jeffrey ist noch völlig verwirrt darüber, dass ausgerechnet ein berüchtigter und von der britischen Krone gesuchter Piratenkapitän sein Vater sein soll. Er muss erst einmal begreifen, was dies für ihn und sein weiteres Leben bedeutet. Denn eins ist klar – sein unbeschwertes und behütetes Leben existiert nicht mehr. Nun gehört er zu den Geächteten, auf deren Ergreifung ein hohes Kopfgeld ausgesetzt ist. Tot oder Lebend! Morgan erzählt Jeffrey, wie er durch heimtückische Intrigen von einem angesehenen britischen Navyoffizier zu einem verhassten Piraten wurde – und dafür sind Morgans Todfeinde Lord Peter Dawson und Admiral James Fawcett verantwortlich. Noch ist der Tag nicht gekommen, an dem sich Morgan für diese Schmach rächen wird. Denn jetzt muss er erst einmal auf Kurs in Richtung Karibik gehen. Denn dies ist das Ziel der Meuterer, die in der Zwischenzeit mit Morgans Schiff Seeadler die irische Küste verlassen haben … Das ist der dritte Band der mehrteiligen Saga um Robert Morgan!

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Seitenzahl: 137




Alfred Wallon

Robert Morgan - Heimtückische Intrigen

Band 3 der Piratenserie

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Heimtückische Intrigen

ROBERT MORGAN

Band 3

von Alfred Wallon

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 129 Taschenbuchseiten.

 

Die dramatische Flucht aus den Kerkern des Londoner Tower ist geglückt. Robert Morgans Sohn Jeffrey ist noch völlig verwirrt darüber, dass ausgerechnet ein berüchtigter und von der britischen Krone gesuchter Piratenkapitän sein Vater sein soll. Er muss erst einmal begreifen, was dies für ihn und sein weiteres Leben bedeutet. Denn eins ist klar – sein unbeschwertes und behütetes Leben existiert nicht mehr. Nun gehört er zu den Geächteten, auf deren Ergreifung ein hohes Kopfgeld ausgesetzt ist. Tot oder Lebend!

Morgan erzählt Jeffrey, wie er durch heimtückische Intrigen von einem angesehenen britischen Navyoffizier zu einem verhassten Piraten wurde – und dafür sind Morgans Todfeinde Lord Peter Dawson und Admiral James Fawcett verantwortlich. Noch ist der Tag nicht gekommen, an dem sich Morgan für diese Schmach rächen wird. Denn jetzt muss er erst einmal auf Kurs in Richtung Karibik gehen. Denn dies ist das Ziel der Meuterer, die in der Zwischenzeit mit Morgans Schiff Seeadler die irische Küste verlassen haben …

Das ist der dritte Band der mehrteiligen Saga um Robert Morgan!

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author / Cover by Firuz Askin, 2016

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

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Kapitel 1: Gallaghers Ende

Josh Dobbs spürte die zornigen Blicke Leutnant Everhearts in seinem Rücken. Der breitschultrige Wärter kratzte sich immer wieder nervös über sein stoppeliges Kinn, während er versuchte, mit den Soldaten Schritt zu halten – und das zu einer Stunde, wo er normalerweise längst tief und fest schlief.

Aber in dieser Nacht war alles anders. Nicht nur, dass es jemand geschafft hatte, sich mit einem Vorwand und falschen Papieren Zugang zum Kerker des Tower zu verschaffen – nein, es war diesen Bastarden sogar gelungen, einen Gefangenen zu befreien und dann mit ihm nicht nur aus dem Tower zu entkommen, sondern auch aus London.

Allein bei dem Gedanken daran, dass diese elenden Hundesöhne es geschafft hatten, einen erfahrenen Wärter wie ihn auszutricksen, wurde Dobbs wütend. Nicht nur er, sondern auch alle anderen, die in diesem Teil des Towers ihren Dienst taten, hatten von Admiral Fawcett höchstpersönlich einen gewaltigen Rüffel abbekommen. Und nicht nur das! Der Admiral hatte sogar geschworen, Dobbs standrechtlich erschießen zu lassen, wenn er sein Spatzenhirn nicht sofort anstrengte und ihm erzählte, auf welche Weise das Ganze überhaupt hatte passieren können.

Josh Dobbs war ein Mann schlichten Gemütes, und wenn ein Mann wie Admiral Fawcett ihm drohte, dann war das kein Scherz. Deshalb hatte Dobbs natürlich vom ersten Besuch des Henkers erzählt – und von Tom Gallagher, der mit dem falschen Henker und einem verkleideten Priester in den Tower gekommen war.

Dobbs kannte Gallagher schon seit vielen Jahren. Warum hätte er jemals daran zweifeln sollen, dass ausgerechnet Tom Gallagher an diesem falschen Spiel beteiligt war? Und doch musste es so sein. Eine andere Möglichkeit gab es nicht – und genau deshalb war er jetzt mit Leutnant Everheart und fünf weiteren Soldaten auf dem Weg zu dem Haus, in dem Gallagher wohnte.

„Wie weit ist es noch?“

Leutnant Everhearts Stimme klang sehr ungeduldig. Auch er wollte so schnell wie möglich dem Admiral einen Erfolg melden, damit seine militärische Laufbahn nicht einen plötzlichen Knick bekam.

„Am Ende der Straße rechts“, erwiderte Dobbs rasch und zeigte in die betreffende Richtung. „Dort ist es dann das dritte Haus. Was wird mit Gallagher geschehen, Leutnant?“

„Das entscheidet der Admiral und nicht wir, Dobbs“, winkte der Offizier ab und gab seinen Soldaten einen kurzen Wink, die Gewehre bereit zu halten. „Los, weiter!“

Dumpf klangen die Schritte der Soldaten auf dem harten Kopfsteinpflaster der engen Gassen in diesem Stadtviertel. In keinem der Häuser brannte zu dieser späten Stunde noch Licht. Das war gut so, denn umso schneller konnten Leutnant Everheart, Josh Dobbs und die übrigen Soldaten ihren Plan in die Tat umsetzen.

Tom Gallaghers Haus wirkte von außen unscheinbar. Hier lebte kein Mann, der über große Reichtümer verfügte. In all den Jahren seiner Tätigkeit als Kerkerwärter hatte er zwar immer sein Auskommen gehabt, hatte aber auch kaum etwas für später zurücklegen können. Dobbs wusste nicht viel über Gallagher, außer dass er eine kranke Mutter hatte, die bei ihm im Haus lebte und die er noch versorgte.

„Zwei Mann gehen hinters Haus!“, befahl der Leutnant. „Ihr anderen kommt mit. Ihr schießt sofort auf meinen Befehl, wenn es nötig ist. Verstanden?“

Sekunden später stand der Leutnant vor der Tür und schlug mit der Faust dagegen.

„Gallagher!“, rief er mit lauter Stimme. „Aufmachen – aber sofort!“

Es interessierte ihn nicht, dass auch die anderen Bewohner in dieser Straße von dem Lärm geweckt wurden. Leutnant Everheart hatte einen Auftrag durchzuführen, und diese Sache hier wollte er so schnell wie möglich hinter sich bringen.

„Was ist denn?“, hörte er eine mürrische Stimme im Haus. „Wer ist da?“

„Mach auf, Gallagher – oder wir treten die Tür ein!“, rief der Leutnant. „Wird´s bald?“

Im Fenster neben der Tür war der flackernde Lichtschein einer Petroleumlampe zu erkennen. Schlurfende Schritte erklangen, und wenig später öffnete Gallagher die Tür. Er sah müde aus und machte einen niedergeschlagenen Eindruck.

„Warum stört Ihr mich, Leutnant?“, fragte er Everheart mit bitterer Stimme. „Mein Dienst beginnt erst morgen früh wieder und ...“

Der Leutnant trat einen Schritt nach vorn und stieß Gallagher den Gewehrkolben in den Magen. Das geschah so plötzlich, dass dieser laut aufstöhnte und zu Boden sank. Fassungslos sah er, wie die anderen Soldaten an dem Leutnant vorbei ins Haus stürmten.

„Seid Ihr wahnsinnig?“, beschwerte sich Gallagher unter Schmerzen. Aber der Blick des Leutnants war unbarmherzig. Auf sein Geheiß hin packten zwei Soldaten Gallagher an den Armen und rissen ihn einfach hoch, während aus dem oberen Stockwerk die besorgte Stimme seiner Mutter erklang.

„Du kommst mit uns, Tom“, sagte Josh Dobbs, der sich bis jetzt noch im Hintergrund gehalten hatte. „Ich fürchte, du wirst einige unangenehme Fragen zu beantworten haben. Und ich rate dir dringend, die Wahrheit zu sagen. Sonst ...“

Er sprach diesen Satz bewusst nicht zu Ende, bemerkte aber, wie es in Gallaghers Augen nervös aufflackerte. Dass dieser den Blicken des Leutnants auswich, war eindeutig.

„Tom!“, hörte Gallagher die besorgte Stimme seiner Mutter aus den oberen Räumen. „Was ist denn da unten? Ist jemand gekommen?“

„Ich muss noch mal weg, Mutter!“, rief Gallagher unter den höhnischen Blicken des Leutnants. „Es kann dauern!“

Mehr konnte er nicht mehr sagen, denn in diesem Moment zerrten ihn die beiden Soldaten einfach mit sich. Gallaghers Sorge um seine kranke Mutter bestimmte sein weiteres Denken und Handeln. Sein verzweifelter Blick richtete sich auf den Leutnant, der in der Nähe der Tür stand.

„Meine Mutter, Sir!“, rief er. „Sie ist krank und braucht Hilfe. Jemand muss nach ihr sehen. Bitte!“

„Das hättest du dir früher überlegen können, bevor du diesem Piratenpack geholfen hast, Gallagher“, antwortete Leutnant Everheart. „Für Verräter gibt es keine Gnade. Das müsstest du eigentlich wissen. Bringt diesen Bastard weg, Männer!“

Gallagher bäumte sich unter dem harten Zugriff der Soldaten auf, aber die machten kurzen Prozess mit ihm. Ein paar Schläge und Tritte ließen den Kerkerwächter ganz schnell verstummen. Erschöpft und stöhnend hing er in den Armen seiner Peiniger, die ihn einfach mit sich zogen.

„Gut gemacht, Dobbs“, lobte ihn der Leutnant. „Den ersten Teil hätten wir hinter uns.“

„Was geschieht mit der alten Frau?“, wollte Dobbs wissen, weil die verängstigten Rufe von Gallaghers Mutter immer noch zu hören waren.

„Das kümmert mich nicht“, erwiderte der Leutnant und schlug die Tür hinter sich zu.

*

„Er ist zäh“, sagte Admiral James Fawcett mit einem verständnislosen Blick auf den zitternden und blutenden Mann, der in der Ecke des Kerkers kauerte und wie ein in die Enge getriebenes Tier um sich blickte. „Ich verstehe nicht, warum er nicht redet. Sorgt dafür, dass er geständig ist. Wir haben keine Zeit zu verlieren!“

Leutnant Everheart und Josh Dobbs befolgten den Befehl des Admirals ohne Zögern. Damit der Kerkerwächter sich wieder Vorteile verschaffen konnte, übernahm er es selbst, auf den vor Angst laut schreienden Gallagher einzuschlagen und lachte dabei sogar gehässig. Einem Burschen wie Dobbs wäre jedes Mittel Recht gewesen, um die Schlappe wieder auszuwetzen, die er erlitten hatte. Schließlich war er doch von einem verkleideten Piraten überwältigt worden und hatte genauso wenig bemerkt, dass der Mönch und der Henker in Wirklichkeit zwei berüchtigte Piraten waren, die von der britischen Krone schon seit vielen Jahren gesucht wurden.

„Nicht mehr schlagen!“, schrie Gallagher und hob beide Hände vors Gesicht, um sich vor den Fäusten des breitschultrigen Dobbs zu schützen. Aber der war mitleidlos und prügelte weiter auf ihn ein. So lange, bis Gallagher schließlich die entscheidenden Worte brüllte: „Ich sage alles!“

Dobbs dagegen war so in Rage, dass er das zunächst gar nicht gehört hatte. Er fuhr damit fort, den wehrlosen Gallagher zu schinden, so dass ihn Leutnant Everheart schließlich davon abhalten musste, Gallagher totzuschlagen.

Admiral Fawcett beobachtete angewidert den schwitzenden Kerkerwärter und gab ihm mit einem Wink zu verstehen, dass er jetzt verschwinden sollte. Dobbs verbeugte sich noch einmal demütig vor dem Admiral und verließ den Kerker ganz schnell.

„Gallagher, du bist nicht besonders schlau mit deiner Verstocktheit“, richtete der Admiral nun das Wort an den blutenden und stöhnenden Mann. Gallagher war so schwach, dass er sich aus eigener Kraft nicht mehr erheben konnte. Zwei Soldaten mussten ihn packen und hochreißen. „Ich sage es nicht noch einmal. Gestehe endlich, was du weißt, und ich sorge dafür, dass deine Strafe milde ausfallen wird. Also was ist jetzt?“

In den Augen des Gefangenen flackerte es unruhig. Er murmelte etwas Unverständliches vor sich hin und schaute immer wieder zur Kerkertür, wo Dobbs soeben verschwunden war.

„Soll ich ihn rufen lassen?“, fragte Admiral Fawcett und wischte sich mit der linken Hand ein imaginäres Staubkorn von seiner rechten Schulter. „Dobbs wäre sicherlich sehr froh darüber, seine Arbeit fortzusetzen ...“

„Nein ...“, keuchte Gallagher. „Alles, aber nur das nicht. Ich will ja ... alles sagen. Wirklich ...“

„Gut“, nickte Fawcett. „Dann sind wir ja schon einen entscheidenden Schritt weiter gekommen, Gallagher. Ich bin schon sehr gespannt auf deine Geschichte.“

Er forderte den Gefangenen mit einem kurzen Wink demonstrativ auf und wartete mit vor der Brust verschränkten Armen, was ihm der ehemalige Kerkerwärter zu berichten hatte. Zuerst kamen die Worte nur stockend über die aufgesprungenen Lippen des gepeinigten Mannes, aber mit jeder weiteren Minute redete Gallagher immer schneller. Weil er genau wusste, dass sein Leben davon abhing!

„In einer Hafenkneipe also ...“, sagte Admiral Fawcett. „Und du Narr hast diese Fremden einfach mit nach Hause genommen? Was für ein Leichtsinn!“

„Sie haben mir … geholfen“, keuchte Gallagher. „Sonst hätte man mich zusammengeschlagen und ... tot liegen lassen, Sir.“

Fawcetts Blick ließ Gallagher spüren, dass das vielleicht besser für ihn gewesen wäre. Er sprach es nicht aus, aber der eingeschüchterte Kerkerwächter hatte die Mimik auch so verstanden.

„Der Anführer erzählte ... von einem Schiff, das vor der irischen Küste ankert, Sir“, fuhr Gallagher rasch fort. „Dort sollten … die anderen Männer auf die Rückkehr ... warten. Ich habe das nicht ... verstanden“, sagte Gallagher.

„Was hast du noch mitbekommen?“, fuhr ihn Admiral Fawcett wütend an.

„Nur das, Sir“, kam sofort die Antwort. „Ich schwöre es ... bei Gott und der Kirche.“

„Hast du denn nicht gewusst, wer diese Halunken wirklich sind, Mann?“, fragte der Admiral weiter. „Dir hätte doch klar sein müssen, dass du damit Hochverrat begehst.“

„Meine Mutter, Sir“, seufzte Gallagher. „Die Männer bedrohten sie ... mit dem Tod. Einer von ihnen blieb ... zuhause bei ihr. Er hätte sie kaltblütig ... getötet, wenn ich nicht ...“

„Kaum zu glauben“, murmelte Admiral Fawcett kopfschüttelnd. „Wegen einer alten Hexe muss die britische Krone den höhnischen Triumph eines berüchtigten Piraten erdulden. Und alles nur, weil dieser Trottel hier nicht Manns genug war, um die Obrigkeit zu informieren ...“ Bei den letzten Worten schaute er zu Leutnant Everheart, der mit seinen Soldaten das Verhör bisher schweigend verfolgt hatte. Als dieser die Blicke des Admirals auf sich gerichtet fühlte, trat er einen Schritt nach vorn.

„Leutnant, Ihr und die übrigen Männer seid Zeugen, dass ein Mann aus Euren eigenen Reihen zum Verräter geworden ist. Er genoss das Vertrauen der britischen Krone, und er hat es schimpflich missbraucht. Dafür kann es nur eine Lösung geben, nicht wahr?“

„Natürlich, Sir“, sagte der Leutnant und stand stramm vor dem Admiral. „Wie lauten Eure Befehle, Sir?“

„Ich denke, dass wichtigere Dinge auf dem Spiel stehen als ein langwieriger Gerichtsprozess, an dessen Ende auch nur ein Urteil stehen kann“, erwiderte Fawcett. „Kraft meines Ranges erteile ich Euch und Euren Männern den Befehl, diesen Verräter auf der Stelle hinzurichten. Und wenn Ihr das Urteil vollstreckt habt, dann bringt die Leiche weg von hier. Verstanden?“

„Klar und deutlich, Sir“, versicherte Leutnant Everheart mit einem zackigen Gruß. „Soll es jetzt gleich geschehen?“

Der Admiral gab mit einem kurzen Nicken sein Einverständnis und verließ die Zelle mit schnellen Schritten. Die Angstschreie Gallaghers nahm er nur beiläufig war. Sie verstummten in dem Moment, als ein Schuss in der Zelle fiel. Leutnant Everheart hatte Fawcetts Befehl sofort ausgeführt.

*

Lord Peter Dawson stand die unruhige Nacht noch im Gesicht geschrieben, als ihn Admiral James Fawcett am frühen Morgen in seinem Haus am Grosvenor Square aufsuchte. Die Laune des Lords hatte den sprichwörtlichen Nullpunkt erreicht, weil dieser verfluchte Hundesohn Morgan alle getäuscht hatte. So kaltblütig war sein Plan gewesen, dass niemand mit den Folgen gerechnet hatte.

Auch Admiral Fawcett, der von einem Bediensteten in die Bibliothek des Lords gebracht wurde, blickte verärgert drein, als er Lord Dawson begrüßte. Ungeduldig wartete er ab, bis der Diener den Raum wieder verlassen hatte.

„Es gibt Neuigkeiten“, sagte Fawcett. „Deshalb bin ich gleich zu Euch gekommen, Lord Dawson. Ich hoffe, Ihr versteht, dass ich bereits die notwendigen Schritte in die Wege geleitet habe.“

„Ihr müsst schon etwas deutlicher werden“, erwiderte der Lord, während er zu einer Anrichte ging, zwei Gläser mit einer hellbraunen Flüssigkeit füllte und eines davon dem Admiral gab. Der nahm das Glas wortlos entgegen und trank es in einem Zug aus. Lord Dawsons Blick war missbilligend, weil Fawcett diesen guten Brandy nicht zu würdigen wusste. Aber er sagte ihm das nicht.

„Wir haben den Mann erwischt, der Morgan und seine Kumpane in den Tower brachte. Sein Name ist ... oder besser gesagt war Tom Gallagher. Ein Wächter des Towers, dessen Mutter Morgan als Druckmittel benutzt hat. Dieser Bastard ist wirklich mit allen Wassern gewaschen, das muss ich neidlos anerkennen. Aber wir haben dennoch etwas erfahren können. Dieser Gallagher war geständig ...“

Fawcett berichtete dem Lord, was er von Gallagher erfahren hatte und bemerkte, wie überrascht dieser jetzt war.

„Ein zweites Schiff? Vor der irischen Küste? Natürlich – warum sind wir nicht von selbst auf diesen Gedanken gekommen“, murmelte der Lord mit wütendem Gesichtsausdruck.

„Ich habe keinen Anlass, an dieser Aussage zu zweifeln, Lord Dawson. Deshalb sind kurz vor Sonnenaufgang zwei Fregatten der Royal Navy in See gestochen – mit Kurs auf die irische Küste. Unsere Schiffe sind schnell und wendig. Wir haben somit wenigstens eine Chance, diesem Hund Morgan auf den Fersen zu bleiben. Weil er sicher nicht damit rechnet, dass er verfolgt wird.“

„Eine gute Entscheidung“, nickte Lord Dawson. „Ich wünschte, ich hätte mitkommen können. Diesem Bastard Morgan hätte ich sehr gern gegenüber gestanden, wenn er hoffentlich bald in Ketten gelegt und zurück nach London gebracht wird.“

„Wir arbeiten daran“, meinte Admiral Fawcett. „Aber in der Zwischenzeit gilt es, den König zu verständigen. Habt Ihr schon ...?"

„Nein“, erwiderte Lord Dawson. „Seine Majestät, König George I. hält sich außerhalb von London auf und wird erst heute Mittag zurück erwartet. Ich denke, Ihr solltet ebenfalls mitkommen, wenn wir ihn über die Ereignisse im Tower informieren.“

„Darauf könnt Ihr euch verlassen“, stimmte Fawcett sofort zu. „Ich denke, wir werden eine geeignete Erklärung finden, damit der König uns weiterhin sein Vertrauen schenkt, oder?“

„Worauf Ihr Euch verlassen könnt“, lächelte Lord Dawson.

*

„Wie geht es ihm?“, fragte Morgan, als er die Tür zu seiner Kajüte öffnete und abwechselnd von Bart McCormack zu dem erschöpften jungen Mann blickte, der die Augen geschlossen hatte und dessen Stirn schweißüberströmt war.

„Nicht gut“, erwiderte der weißhaarige Seemann mit ernster Miene. „Jeffrey hat Fieber, Robert. Ich tue, was ich kann ...“

Morgan trat ans Bett. In seinen stoppelbärtigen Gesichtszügen arbeitete es, als er sich über Jeffrey beugte und mit der rechten Hand nach dessen Stirn tastete. Er murmelte einen leisen Fluch, als er die Hitze spürte, die den Körper seines Sohnes nicht zur Ruhe kommen ließ.

„Was hast du ihm gegeben, Mac?“, wollte Morgan wissen. „Er schafft es doch, oder?“

„Alles, was Jeffrey braucht, ist ein erholsamer und tiefer Schlaf“, versuchte McCormack den Kapitän zu beruhigen. „Die Zeit im Kerker hat ihm sehr zugesetzt. Ganz zu schweigen von der Feuchtigkeit in diesem Rattenloch.“

„Ich könnte diese britischen Bastarde mit meinen eigenen Händen erwürgen“, brummte Morgan. „Was sie meinem Sohn angetan haben, werde ich niemals vergessen. Dafür werden sie alle bezahlen, Mac.“

„Deine Rechnung kannst du ihnen später präsentieren, Robert“, meinte McCormack. „Ich glaube, dies ist ganz sicher nicht der richtige Zeitpunkt dafür. Wie sieht es am Horizont aus?“

„Keine Verfolger, wenn du das meinst“, erwiderte Morgan. „Bei diesem Hundewetter wagt sich kaum ein Schiff auf die offene See. Die warten alle ab, bis die dunklen Wolken weitergezogen sind und sich das Meer wieder beruhigt hat.“

„Beruhigt?“ McCormack runzelte die Stirn, weil ihm das stärkere Schwanken des Schiffes nicht entgangen war. „Mir kommt es so vor, als wenn der Sturm erst noch bevorsteht. Und zwar nicht mehr lange.“

Bei diesen Worten riskierte er einen Blick aus dem Lukenfenster der Kapitänskajüte. Was er sah, gefiel ihm ganz und gar nicht. Zunächst waren es nur vereinzelte trübe Wolken gewesen, die der aufkommende Wind vor sich hergetrieben hatte. Aber mittlerweile hatte sich dies noch verdichtet. Auch der Regen war stärker geworden, und der Wind peitschte die Wellen immer heftiger.

„Es ist nicht der erste Sturm, den wir meistern, Mac“, meinte Morgan, als er den skeptischen Blick seines alten Gefährten richtig deutete.

„Wenn ich auf den Planken des Seeadlers stünde, dann würde ich mir auch keine Sorgen machen“, entgegnete McCormack. „Aber ob dieses Schiff einem so schweren Orkan wirklich gewachsen ist? ...“