Rock War - Das Camp - Robert Muchamore - E-Book

Rock War - Das Camp E-Book

Robert Muchamore

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Beschreibung

Welche Band kommt in die nächste Runde?

Jay, Summer und Dylan haben es geschafft: Sie sind im Rock War Bootcamp, in dem die besten Newcomer-Bands des Landes sechs Wochen gegeneinander antreten. Bis zur ersten Finalrunde heißt es jetzt: Rocken was das Zeug hält und sich die nötigen Rockstar-Skills aneignen – denn der richtige Ton vor der Kamera ist mindestens genauso wichtig wie ein Killer Riff auf der Bühne. Klar, dass auch hinter den Kulissen ordentlich die Fetzen fliegen und der Producer die Krise kriegt. Doch dann passiert etwas, das die Aufregung um die beste Performance völlig in den Schatten stellt …

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ROCK WAR

Aus dem Englischen von Tanja Ohlsen

Kinder- und Jugendbuchverlag in der Verlagsgruppe Random House

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Verbotenes Fett

Juli 2014

Camden, Nordlondon

Freitagabends schloss der Fish-&-Chips-Laden um halb zwei. Bei Tagesanbruch am Samstag hatte das Fett in den Fritteusen eine feste weiße Kruste, war aber noch heiß genug, dass sich Jay Thomas vorsichtig die Hände daran wärmen konnte.

Früher hatte es ihn fasziniert, wie das sprudelnde Fett fest wurde, wenn es erkaltete. Er hatte den Finger in die warme Kruste getunkt und dann halbherzig versucht, seine Spuren zu verwischen. Unter der Kruste war das Öl noch heiß, und er wäre gescholten worden, wenn man ihn erwischt hätte.

Ein kräftiger Knall aus dem Raum über ihm ließ Jay aus seinen Erinnerungen auffahren. Er teilte sich die Wohnung über dem Imbiss mit seiner Mutter, seinem Stiefvater und sechs Geschwistern. Es war selten ruhig, doch er hatte gelernt, den Lärm auszublenden, den seine kleinen Schwestern beim Herumjagen machten oder wenn sein Bruder Kai über FIFA 2014 fluchte.

Doch das ohrenbetäubende Krachen eines Koffers voller Studiolampen war ebenso ungewohnt wie das darauf folgende Fluchen.

»Hol erst mal die Kabel, Damien!«, rief ein Kameramann. »Dann kann ich anfangen, alles anzuschließen, während du den Rest der Ausrüstung holst.«

Jay hörte Damien stöhnen, dann rannte der knapp zwanzigjährige Praktikant die Treppe hinunter und aus der Hintertür zu einem der drei Laster, die das Fernsehteam im Hof geparkt hatte. Jay konnte sehen, wie sich Damien und eine hübsche Kollegin namens Lorrie kurz unterhielten.

»Ich habe dir doch gesagt, in diesem Laster sind keine Kabel!«

»Na, wenn sie hier nicht sind, dann müssen wir sie vergessen haben, als wir die Sachen bei ProMedia abgeholt haben.«

»John kriegt einen Anfall, wenn …«

Während Damien loslief, um seinem Boss die schlechte Nachricht zu überbringen, verspürte Jay ein nervöses Zucken im Magen. Sein Herz hämmerte, er hatte kaum geschlafen, und seine Mutter hatte ihm bereits ein paar Imodium-Tabletten gegen den Aufruhr in seinem Bauch gegeben.

Für Rock War ausgewählt zu werden, war das Aufregendste, was Jay je passiert war, aber im Augenblick sehnte er sich fast nach den alten Zeiten zurück, in denen er seine Legolaster zwischen den Tischen des Restaurants hindurchgeschoben hatte und an seinen Knien Salz klebte, wenn er aufstand.

»Bist du Jay?«, rief eine Frau.

Jay sah, wie sie durch den Briefkastenschlitz blickte, der sich auf halber Höhe des Metalltores vor dem Laden befand.

Aus einem der oberen Fenster schrie jemand: »Könnt ihr am Set bitte mal leise sein! Wir versuchen hier ein Interview aufzunehmen!«

Anstatt der Frau etwas zuzurufen, winkte Jay ihr ein wortloses »Ich komme!« zu und ging durch die Hintertür in den warmen Sonnenaufgang. Auf der Hauptstraße war Rushhour, und gerade rumpelte ein Laster mit Schutt vorbei, als die Frau ihm eine schlanke Hand hinhielt, an der nachtleuchtende Armbänder prangten.

»Ich bin Angie, die Regisseurin vom Kamerateam B. Hättest du zehn Minuten für ein Interview?«

Jay fuhr sich mit der Hand durch die wirren Haare.

»Ich sehe aber ziemlich wüst aus und habe noch meine Schlafshorts an.«

»Keine Sorge«, meinte Angie, und Jay nahm einen leichten australischen Akzent wahr, »der Frisch-aus-dem-Bett-Look ist genau das, was wir uns für diesen Dreh wünschen. Es ist der erste Tag der Sommerferien. Ihr seid auf dem Weg ins Bootcamp von Rock War. Du bist aufgeregt und beeindruckt und genau das wollen wir mit der Kamera einfangen.«

Jay fand es gut, dass man von ihm erwartete, aufgeregt und beeindruckt zu sein. Obwohl er eigentlich nicht zugestimmt hatte, interviewt zu werden, deutete Angies Arm auf den Pub nebenan.

Der »White Horse«-Pub und das daran angrenzende Schnellrestaurant waren seit über fünfzig Jahren im Besitz von Jays Familie. Den Pub führte seine Tante Rachel, die mit ihren vier Töchtern, einer Enkelin und deren wechselnden Freunden über dem Pub wohnte. Jay folgte Angie durch die Saloonschwingtüren des White Horse, wo er zu seinem Erstaunen sah, dass die Fenster mit schwarzen Tüchern verhängt worden waren. Lichter und Kameras waren für die Filminterviews aufgestellt und die Dartscheibe des Pubs schmückte den Hintergrund.

»Den anderen habe ich nebenan eingefangen«, verkündete Angie ihrer Crew triumphierend lächelnd, als sie Jay hereinbrachte.

Die Crew bestand aus einer Kamerafrau, einem Tontechniker, einem Praktikanten sowie der Regisseurin Angie. An der Bar stand Jays hübsche Cousine Erin in engen Jeansshorts und einer hellgrünen Weste. Sie war braun gebrannt und sportlich und Jay war ein wenig verlegen. Er trug Shorts normalerweise nur im Bett, und es war ihm peinlich, seine nackten Beine im Fernsehen zu zeigen, weil er so mager war.

»Kann ich mir schnell noch eine Jeans holen?«, fragte er, als der Praktikant mit einem Make-up-Täschchen kam und ihm Grundierung auf die Stirn tupfte.

»Nur damit du im Licht nicht fettig glänzt«, erklärte er.

Jays Frage nach der Jeans beantwortete niemand, und das ganze Gewusel schüchterte ihn so ein, dass er es nicht wagte, noch einmal zu fragen.

Zwei Minuten später saß er mit einem drahtlosen Mikrofon unter dem T-Shirt auf einem Barhocker vor der Dartscheibe, während zwei Kameras auf ihn und Erin auf dem Hocker neben ihm gerichtet waren.

»Alles klar?«, fragte Angie und sah durch die Linse der Kamera auf den Bildausschnitt. Dann wandte sie sich beruhigend an die beiden Teenager. »Versucht euch zu entspannen, ich werde euch ein paar Fragen über eure Bands stellen. Wenn ihr eine Antwort verpatzt oder euch etwas von dem, was ihr sagt, nicht gefällt, fangt einfach von vorne an, dann werden wir es bei der Nachbearbeitung ändern … Kamera? Ton? Okay, Bob …? Action!«

Angie setzte die Brille auf, die sie um den Hals trug, nahm einen Fragebogen von einem Tisch und trat an Jay und Erin heran.

»Wir fangen ganz leicht an«, begann sie. »Ich möchte, dass ihr mir eure Namen, euer Alter, den Namen eurer Band und eure Rolle in der Band nennt. Okay?«

Die beiden Teenager nickten und Angie deutete auf Jay.

Jay erstarrte und hatte das Gefühl, hundert Dinge auf einmal wahrzunehmen: die Hitze der Lichter, die Sandsäcke auf den Gerätestativen, zig Kabel, die sich über den mit Zigarettenlöchern übersäten Teppich schlängelten. Millionen von Menschen würden ihn so zum ersten Mal sehen – mit stacheligen weißen Beinen und geerbten Superdry-Shorts.

»Seid locker«, meinte Angie beruhigend. »Stellt euch vor, nur ihr und ich sitzen hier bei einer schönen Tasse Kaffee.«

»Äh …«, begann Jay, dem plötzlich der Mund trocken wurde. »Mein Name ist Jay Thomas. Ich bin dreizehn Jahre alt und ich bin der Leadgitarrist bei Jet … War das okay?«

Angie hielt beide Daumen hoch.

»Du bist ein Naturtalent«, log sie und wandte sich dann an Erin.

»Ich bin Erin«, sagte die und schob sich schüchtern eine Haarsträhne aus dem Gesicht. »Ich bin dreizehn und singe und spiele Gitarre für Brontobyte.«

»Und woher kennt ihr euch?«

»Wir sind Cousin und Cousine«, erzählte Erin lächelnd. »Wir sind nur zwei Monate auseinander und außerdem Nachbarn. Als wir klein waren, waren wir so.« Sie legte die Hände aufeinander und fuhr fort: »Meine frühesten Erinnerungen sind von Jay und mir. Wie wir auf dem Boden herumgekugelt sind, Fangen gespielt haben, miteinander gerauft und so.«

»Süß«, fand Angie. »Aber wenn ihr euch so nahestandet, wie kommt es dann, dass ihr in verschiedenen Bands spielt?«

Erin zuckte mit den Schultern und lächelte.

»Wir sind immer noch Freunde. Aber ich glaube, wir stehen uns nicht mehr sooo nahe seit …«

»… wahrscheinlich seit der vierten oder fünften Klasse«, übernahm Jay. »Wir fingen an, unsere eigenen Freunde zu haben. Und Jungs und Mädels interessieren sich für unterschiedliche Dinge.«

»Das könnte stimmen«, fand Erin.

Jay war ein wenig erleichtert, dass seine Cousine genauso nervös klang, wie er sich fühlte.

»Soweit ich weiß, Jay, warst du ein Mitglied von Brontobyte«, sagte Angie. »Kannst du mir etwas mehr darüber erzählen?«

»Ja, schon«, antwortete Jay vorsichtig und wand sich ein wenig auf dem Barhocker. Die Kamerafrau gab ihm mit einem Wink zu verstehen, er solle sich wieder in ihre Richtung drehen. »Ich habe Brontobyte mit meinen Freunden Tristan und Salman gegründet, zusammen mit Tristans kleinem Bruder Alfie. Wir haben ein paar Jahre zusammen gespielt, aber dann kam es zu musikalischen Differenzen, und da bin ich schließlich gegangen.«

»Na, das habe ich aber anders gehört«, fuhr Erin auf.

Anklagend wandte sich Jay zu ihr.

»Wieso, ich bin doch gegangen, oder?«

»Jay hat seinen Bandmitgliedern ein Ultimatum gestellt«, ergriff Erin die Gelegenheit und erzählte: »Entweder sie ersetzen Tristan als Drummer oder er geht. Und er hat verloren.«

Jay sah Erin finster an. Es ärgerte ihn, dass sie seine Demütigung ausgegraben hatte. Angie hingegen wirkte sehr zufrieden. Sie hatte offensichtlich auf diese Entwicklung nur gewartet.

»Es war keine faire Abstimmung«, erklärte Jay. »Tristan hat für sich selbst gestimmt, und Alfie hat gewusst, dass er eins auf die Mütze kriegt, wenn er gegen seinen großen Bruder stimmt.«

»Wenn du es sagst, Cousin«, grinste Erin.

»Du warst nicht dabei«, wehrte sich Jay. »Und jetzt stehst du natürlich auf Tristans Seite, weil der Idiot dein Freund ist.«

Es entstand eine Pause. Jay war zwar wütend, aber er wollte es sich weder mit Erin verderben noch vor der Kamera kleinlich wirken. Also zuckte er nur mit den Achseln und lächelte Erin an, um anzudeuten, dass er das Ganze nicht so ernst nahm.

Erin verstand seine Geste, hob die Hände und stieß ein falsches Lachen aus.

»Du sagst, Tristan sei ein Idiot, aber war er nicht sieben Jahre lang dein bester Freund?«

Erins Frage traf Jay, daher wechselte er die Tonart.

»Zufällig nehme ich meine Musik ernst. Und was auch immer man von Tristan persönlich hält, am Schlagzeug taugt er einfach nichts.«

Plötzlich merkte er, dass »Ich nehme meine Musik ernst« ziemlich pompös klang, und ärgerte sich darüber.

»Falls du es noch nicht bemerkt hast, Jayden, euer Leadsänger würde auch nicht gerade die Oper in Sydney füllen. Und Tristans Schlagzeug war immerhin nicht so schlecht, dass es die Juroren davon abgehalten hätte, uns für Rock War auszusuchen.«

»Wer braucht schon einen tollen Sänger?«, meinte Jay gereizt, doch immer noch in die Kamera lächelnd. »Waren Kurt Cobain oder Elvis tolle Sänger? Ist Bob Dylan einer? Was zählt, ist die Bühnenpräsenz. Und der wahre Grund, warum Brontobyte zu Rock War gekommen ist …«

»Was?«, fuhr jetzt Erin richtig wütend auf.

Jay zuckte mit den Achseln und legte sich eine Hand übers Gesicht, um anzudeuten, dass er das nicht öffentlich sagen wollte.

»Oh nein«, beharrte Erin, beugte sich vor und stemmte eine Hand in die Hüfte. »Brontobyte ist weshalb zu Rock War gekommen?«

»Na gut, waschen wir gleich alle schmutzige Wäsche in der Öffentlichkeit«, stieß Jay hervor, »Jet kam zu Rock War, weil wir Rock the Lock gewonnen haben und ein super Demoband online gestellt haben. Brontobyte ist nur wegen unserer Rivalität dabei. Zwei Bands, die einander hassen, das macht sich gut im Fernsehen.«

»Du solltest dich mal hören«, spottete Erin. »Du bist ja nur eifersüchtig, weil deine Band dich rausgeworfen hat und ich mit Tristan zusammen bin.«

Jay ignorierte seine Cousine und fuhr fort: »Ihr seid die Lachnummer. Der totale Außenseiter im Wettbewerb. Brontobyte ist der, der bei der Tanzshow ständig hinfällt, oder die Brillenschlange, die bei der Talentshow nicht jonglieren kann.«

Erin antwortete nicht gleich und Jay sorgte sich wegen ihres flammenden Blickes.

»Du bist ja so eingebildet!«, spuckte sie und setzte zu einem Schlag in sein Gesicht an.

Jay duckte sich unter dem Schlag weg, doch dem Schubs mit beiden Händen konnte er nicht ausweichen, sodass er seitlich von seinem Hocker fiel.

»Du hühnerbrüstiger Freak!«, rief Erin und warf im Hinausstürmen noch eine Studiolampe um.

Jay blieb einen Moment auf dem abgeranzten Pubteppich sitzen, bevor er sich an dem Hocker wieder hochzog. Erst als er wieder stand und sich das T-Shirt geradezog, bemerkte er, dass die Kamera noch lief.

Sofort warf ihm Angie eine Frage zu.

»Jay, Brontobyte und Jet werden die nächsten sechs Wochen eng zusammen im Rock-War-Camp verbringen. Wie, glaubst du, wird das gehen bei der ganzen Spannung, die zwischen den beiden Gruppen herrscht?«

Jay erkannte, dass Angie ihn mit ihren Fragen die ganze Zeit manipuliert hatte, und entschied sich, ihr nicht noch mehr Futter zu liefern.

»Es wird ganz wunderbar«, knurrte er. »Schlicht und einfach traumhaft.«

Summer ist die Beste

Dudley, West Midlands

»Hi! Mein Name ist Summer Smith. Ich bin vierzehn Jahre alt und ich bin die Leadsängerin von Industrial Scale Slaughter … Entschuldigung, können wir das noch mal machen?«

»Warum?«, fragte der Regisseur Joseph. Der kleine Mann trug eine gepunktete Krawatte und einen grauen Weihnachtsmannbart und machte den Eindruck, als wolle er den Oscar für den besten Film gewinnen und nicht fürs Reality-TV eine Wettbewerbsteilnehmerin in einer Sozialwohnung in Dudley filmen.

»Ich weiß nicht. Klang meine Stimme nicht komisch?«

»Deine Stimme war perfekt«, fand Joseph und wandte sich an den Kameramann. »Alles im Kasten.«

»Kann ich jetzt fertig packen?«, erkundigte sich Summer.

Joseph ignorierte sie und sprach weiter mit seinem Kameramann. Sein geschniegelter Akzent passte nicht in diese Gegend.

»Ich brauche ein paar Aufnahmen von diesem Zimmer«, verlangte er. »Nimm die Bücher auf, die Kleidung auf dem Boden, auf jeden Fall die Schwimmmedaillen und das Foto der Mutter auf der Heizung.«

Summers Zimmer war nur einen Meter breiter als ihr Einzelbett, und auch wenn sie nicht so viele Sachen hatte, sah ihr Zimmer nie ordentlich aus, weil sie mehr Kleidung hatte, als in den pinkfarbenen Schrank passte.

»Ich würde lieber auf dem Balkon filmen«, meinte Summer, »die Lampen hier sind so heiß.«

Joseph trat zu ihr und legte ihr eine Hand auf die Schulter. Vielleicht lag es daran, dass ihr winziges Zimmerchen mit der Kamera und den Lampen schon völlig verstopft war, aber sie fühlte sich verunsichert durch die beiden Männer, die in ihren ganz privaten Raum eindrangen.

»Ich male ein Porträt von dir, Liebes«, erklärte Joseph. »Dieses Zimmer. Deine Kleidung, deine Musik, deine Poster. In den Händen eines geschickten Bearbeiters ergeben ein paar kurze Aufnahmen ein besseres Bild von dir als eine halbstündige Rede.«

Summer gefiel die Vorstellung, dass ihr Bild durch den Inhalt ihres tristen Zimmers geprägt wurde, nicht, doch sie wagte es nicht, gleich am ersten Morgen einem Regisseur zu widersprechen. Und außerdem musste sie sich um ganz andere Dinge kümmern.

Während der Regisseur hinausging, um im Wohnzimmer den nächsten Set vorzubereiten, führte Summer eine akrobatische Nummer mit dem Kameramann auf, indem sie hastig ihre Kleidung zusammensammelte, während er die Kamera vom Stativ nahm und ein paar Nahaufnahmen und Ansichten des Zimmers filmte.

Summer hatte keinen richtigen Koffer, daher stopfte sie ihre Sachen in zwei große Lidl-Einkaufstaschen.

»Aber meine schmutzigen BHs filmen Sie nicht, oder?«, fragte Summer.

Der junge Kameramann war ein wenig aus der Fassung, und Summer nutzte seine Verlegenheit, um das gerahmte Foto ihrer Mutter von der Heizung zu nehmen und im Spalt zwischen Bett und Wand verschwinden zu lassen. Auf gar keinen Fall wollte sie jemandem einen Anlass geben, Fragen nach ihrer Mutter zu stellen.

»Summer, Liebes«, rief Joseph fröhlich, »könntest du bitte so nett sein und in den Salon kommen?«

Summer war nicht ganz sicher, was er mit Salon meinte, aber sie fand ihn im Wohnzimmer. Dort saß ihre Großmutter Eileen in ihrem Sessel, wie üblich mit der Atemmaske vor der Brust, und neben dem Sofa standen zwei altmodische Hartschalenkoffer fertig gepackt.

»Deine Großmutter hat mir erzählt, wie sehr du dich um sie kümmerst«, sagte Joseph ehrlich beeindruckt.

»Waschen, kochen, einkaufen«, bestätigte Eileen. »Ohne Summers Hilfe läge ich schon längst unter der Erde.«

»Sei doch nicht albern, Nan«, wandte Summer ein.

Eileen wackelte mit dem Finger. »Wie oft hast du schon den Krankenwagen gerufen, wenn es mit meinen Lungen so schlimm wurde? Als sie das erste Mal den Notruf gewählt hat, war sie erst sechs.«

»Phänomenal«, fand Joseph und grinste Summer breit an. »Du bist ja eine Heldin. Und, Eileen, werden Sie bei Verwandten wohnen, während Summer im Bootcamp ist?«

Eileen schüttelte den Kopf.

»Wir haben keine weitere Familie, aber – dem Herrn sei Dank – Mr Wei hat sich bereit erklärt, mir einen sechswöchigen Aufenthalt in einem Heim zu bezahlen.«

Joseph kratzte sich am Bart.

»Und Mr Wei ist …?«

»Der Dad meiner Bandkolleginnen«, erklärte Summer. »Michelle und Lucy Wei. Ich habe wirklich ein schlechtes Gewissen, sein Geld anzunehmen und Nan in ein Heim zu stecken, während ich mich amüsiere. Aber ich habe ihr gesagt, wenn es ihr nicht gefällt, werde ich das Camp sofort verlassen und nach Hause kommen, um mich um sie zu kümmern.«

»Und ich habe dir gesagt, du sollst dir keine Sorgen machen, Summer«, warf Eileen bestimmt ein. »Du hast weit mehr getan, als du müsstest, und ich bin sicher, es gibt dort nichts, mit dem ich nicht ein paar Wochen lang fertigwerden würde. Und jetzt komm her und gib deiner Großmutter einen Kuss.«

»Ich werde mir immer Sorgen um dich machen«, behauptete Summer, als sie ihre Nan auf die Wange küsste. »Versuch lieber erst gar nicht, mich daran zu hindern.«

Joseph war gerührt von dem Kuss und wünschte sich, die Kamera würde laufen.

Sobald Summer zurücktrat, kam der Kameramann herein und verkündete mit der Lautstärke eines Nebelhorns: »Alles fertig da drüben, Boss!«

»Perfekt!«, fand Joseph. »Nun, dann haben wir also unser kleines Intro in Summers Zimmer. Jetzt möchte ich gerne Eileen filmen, die uns von ihrer Enkelin erzählt, und dann enden wir mit einem tränenreichen Abschied von Summer an der Tür.«

»Aber meine Großmutter kommt mit uns zu den Weis. Ihr Vater fährt sie dann später in das Heim.«

»Ja, ja«, meinte Joseph, »aber wir haben hier eine wunderbare Geschichte mit deinem schwierigen Hintergrund und wie du dich um deine Großmutter kümmerst. Wenn es nach mir geht, fangen wir die Show mit dir an.«

»Ich habe die Videos gesehen, wo du singst«, warf der Kameramann ein. »Du bist hübsch, du hast eine tolle Stimme und eine herzzerreißende Geschichte. Du wirst weit kommen bei Rock War.«

»Hast du das gehört, mein Liebes?« Eileen lächelte breit. »Du bist ein ganz heißer Favorit.«

»Das hat er nicht gesagt«, lachte Summer.

»Und du musst aufpassen«, neckte sie Eileen, »denn die Jungen da werden dir alle an die Wäsche wollen!«

»Nan!«, empörte sich Summer.

Joseph und der Kameramann lachten über Summers rote Wangen, und Joseph begann, Anweisungen zu geben, wie das Licht für das Interview mit Eileen eingerichtet werden sollte.

Die gelöste Stimmung verflog allerdings, als eine atemlose Hilfskraft in die Wohnung gestürmt kam. Es war ein Student, der hier einen Ferienjob machte. Er hatte eine Habichtsnase, schien aber nett zu sein.

»Da unten … da sind drei …«, keuchte er und hielt dann inne, um fast die ganze Luft im Raum aufzusaugen, »… da sind drei Kerle. Ich wollte eine neue Kamerabatterie aus dem Wagen holen, wie Sie gesagt haben, und da wollten die wissen, warum wir auf ihrem Gebiet filmen. Einer von ihnen sagte, er wolle fünfzig Pfund haben, und als ich versuchte, die Tür aufzumachen, hat er den Spiegel zerschlagen.«

»Kleine Scheißer«, bemerkte Joseph und richtete sich entschlossen auf.

»Vor ein paar Jahren hat mal ein Satellitensender eine Dokumentation über den Wohnblock gedreht«, erinnerte sich Summer. »Darüber haben sich viele Leute aufgeregt, weil sie meinten, wir würden alle als Sozialhilfeschmarotzer und Prolls hingestellt.«

»Nun, dann gehen wir mal runter und sehen, ob man mit denen nicht auch vernünftig reden kann, nicht wahr?«, schlug Joseph vor.

Der Kameramann war vierzig Zentimeter größer als Joseph und verstellte ihm den Weg.

»Und wenn es haarig wird? Sollten wir nicht lieber die Polizei rufen?«

Joseph blinzelte ihn an.

»Ich bin schon seit dreißig Jahren in diesem Geschäft, und ich bin, was ich bin, weil Joseph Tucker immer pünktlich liefert. Wenn wir die Cops rufen, dauert es eine halbe Stunde, bis sie kommen, und bis dahin sind die bösen Jungs längst weg. Und wir verschwenden den Rest des Tages damit, nutzlose Aussagen zu machen.«

Damit stürmte Joseph an dem Kameramann vorbei und griff im Hinauslaufen seinen Krückstock mit dem weißen Griff von einem Kleiderhaken. Summer folgte dem Kameramann und dem Studenten, während Eileen ihnen nachrief: »Seid vorsichtig!«

Summer hoffte, dass sie die Jungen draußen kannte, doch nach acht Geschossen Treppe bog sie vorsichtig aus dem Haus und stand vor ihr völlig unbekannten jungen Männern in Trainingsanzügen und Turnschuhen.

»Und was ist hier los? Ein kleiner Raubüberfall?«, wollte Joseph wissen, als er auf die drei Männer zuging und extravagant seinen Gehstock herumwirbelte, bevor er in die Tasche fasste und ein kleines Bündel mit 10- und 20-Pfund-Scheinen hervorholte.

»Wir wollen nicht, dass Leute von draußen hier filmen«, erklärte der kleinste der drei mit osteuropäischem Akzent.

Joseph ignorierte ihn und ging direkt auf den größten der Männer zu. Er hatte einen Stiernacken und einen kahl rasierten Kopf. Offenbar war er der Anführer, denn er hatte sich vor die hinteren Türen des Lieferwagens gestellt.

»Zeit ist Geld«, erklärte Joseph und baute sich furchtlos vor dem großen Mann auf. »Geh beiseite, Junge, bevor du dich noch vollends zum Narren machst.«

Summer glaubte ihren Augen nicht zu trauen. Joseph war mindestens sechzig und von nicht gerade imposanter Statur. Er trug Altmännerhosen, die ihm bis unter die Achseln reichten, und Wildledermokassins, die eine erschreckende Ähnlichkeit mit Pantoffeln aufwiesen.

»Fünfzig Mäuse, Santa«, erklärte der Große, als Joseph knapp einen Meter vor ihm stehen blieb.

»Höchst amüsant«, meinte Joseph und tippte auf seine Taschen, in denen etwas Kleingeld klimperte. »Du kriegst nicht mal fünfzig Pence. Und jetzt lass mich an meinen verdammten Wagen!«

Als Joseph einen halben Schritt auf die weißen Türen zumachte, holte der Große aus, um ihn wegzustoßen. Sobald er dabei sein Gewicht verlagerte, duckte sich Joseph, hakte ihm den Krückstock um den Knöchel und ließ ihn krachend zu Boden gehen. Summer war erschrocken, nicht nur darüber, dass Joseph einen so großen Gegner zu Fall gebracht hatte, sondern dass es bei ihm so leicht ausgesehen hatte wie ein Tanzschritt.

»Du alter Knacker!«, schrie der Kerl, rollte sich herum und sprang auf, um erneut anzugreifen.

Joseph wich zurück wie ein Matador vor einem angreifenden Stier und versetzte ihm einen sauberen Karateschlag ins Genick. Durch den plötzlichen Schmerz knickte der Mann ein und fiel hart auf die Knie, woraufhin Joseph zurücktrat und drohend den Stock hob.

»Willst du noch mehr?«, fragte er herausfordernd.

Der Kerl stöhnte, und seine beiden Kumpel schienen auch keine Lust zu haben, es zu versuchen, daher verzogen sich die drei nach einem kurzen, angespannten Augenblick, die Hände in die Taschen ihrer Kapuzenshirts geschoben und mit dem Gesichtsausdruck von kleinen Jungen, die von ihrem Vater gescholten worden waren.

»Gott steh mir bei, wenn ich je vergessen sollte, die SD-Karten zu sichern«, scherzte der Kameramann. »Wo hast du das gelernt, Joseph?«

»Bei der Militärpolizei«, erklärte Joseph, reckte die Brust vor und klemmte sich den Stock unter den Arm. »Ich bringe vielleicht nicht viel auf die Waage, aber ich habe zu meiner Zeit einige von seinem Schlag auf die Bretter geschickt.«

Theatralisch riss Joseph die Türen des Lieferwagens auf. Er kam Summer auf einmal viel großartiger vor.

»Voilà«, verkündete er. »Und jetzt hol die Ersatzbatterien und mach den Set im Wohnzimmer klar. Lasst uns die Großmutter interviewen und diesen ätzenden Ort verlassen, bevor noch jemand was versucht.«

Hopplahopp

Die Limousine hielt auf der Straße vor dem Fish-&-Chips-Laden der Richardsons mit zwei Rädern auf dem Gehweg und ohne Rücksicht auf die doppelte rote Parkverbotslinie. Das Gewirr von Leuten und Kameras auf der Straße zog einige verwunderte Blicke auf sich, doch vor allem waren Hupen zu hören und Stinkefinger zu sehen, weil der parkende Wagen den Morgenverkehr auf eine einzige Spur zwang.

Jay stieg von der Straßenseite her als Erster ein und rutschte über das weiche Leder bis zur anderen Seite der Rückbank. Durch die dunkel getönten Scheiben war es im Inneren düster. Die Sitze waren unglaublich, man konnte sie auf Knopfdruck zurückneigen, anwärmen oder eine Massage bekommen. Im Dach veränderten Hunderte von LEDs das Licht von Gold in Blau und in der Konsole aus Zebranoholz und Chrom standen Eiswürfel und Gläser mit dem Rage-Cola-Logo.

Nach ihm kamen der vierzehnjährige Adam und Theo, der gerade siebzehn geworden war.

»Rutsch rüber, Fettwanst!«, befahl Theo und schubste Adam, obwohl massenweise Platz war. »Fahrer, wo ist der Alk?«

Theo und Adam sahen Jay ähnlich genug, dass man erkennen konnte, dass sie Halbbrüder waren, doch die beiden waren sportlich und muskulös und zogen das andere Geschlecht magisch an, was Jay immer neidisch machte.

In der langen Limousine befand sich den Jungen gegenüber noch eine weitere Sitzbank, doch erst als sich Jay angeschnallt hatte, bemerkte er, dass sie von dort aus jemand filmte.

Der Kerl war so klein, dass er in der Limousine aufrecht stehen konnte.

»Sieht aus, als hättest du deine Nische gefunden«, meinte Theo. »Wie heißt du, Zwerg?«

»Aus irgendeinem Grund nennt man mich Shorty«, gab der Kameramann zurück. »Ihr sollt euch natürlich so benehmen, als wäre ich gar nicht da.«

Der Fahrer trat aufs Gas, kam jedoch kaum zwei Meter weit, da Angie ans Fenster klopfte und die hintere Tür aufmachte.

»Das müssen wir noch mal drehen. Fahren Sie bitte zurück.«

»Ich kann hier nicht stehen bleiben!«, erklärte der Fahrer wütend. »Hinter mir stauen sich fünfzig Autos!«

Angie sah die drei Brüder leicht gereizt an.

»Ich weiß, dass das euer erster Tag ist und so, aber denkt daran, dass ihr euch benehmen müsst, als wäre der Kameramann nicht da. Oder habt ihr je eine Show gesehen, wo die Leute anfangen, sich mit der Kamera zu unterhalten?«

»Ich hab mal einen Porno gesehen, in dem der Kameramann mitgemacht hat«, erklärte Theo.

Adam fing an zu lachen, doch Angie wurde nur noch gereizter.

»Also gut, steigt aus«, verlangte sie. »Wir drehen die Abfahrt später.«

»Sie müssen sich beruhigen, meine Liebe«, meinte Theo, während der Fahrer eine Flut von Flüchen losließ und irgendetwas von wegen verarschen wetterte. »Ich kann Ihnen eine Massage geben, die Ihre Spannung vollkommen löst.«

Angie wurde klar, dass Theo nur Unfug machen würde, wenn sie ihm auch nur einen Millimeter nachgab, und entschied sich, ihm einen Dämpfer zu geben.

»Ich stehe auf Männer, Theo, nicht auf Schuljungen«, erklärte sie knapp.

»Autsch!«, schrie Adam begeistert und schlug sich auf die Schenkel. Vor Lachen brüllend stiegen er und Jay aus dem Auto.

Jays Mutter, seine Geschwister und sein Stiefvater standen vor dem Laden und warteten darauf, gefilmt zu werden, wie sie zum Abschied winkten. Jay hörte plötzlich auf zu lachen, als er sah, dass seinem sechsjährigen Bruder Hank die Tränen über das Gesicht liefen.

»Hey«, sagte Jay und ging vor dem Kleinen, der das Bein seines Vaters umklammert hielt, in die Hocke. »Nicht traurig sein. Wir sind ganz schnell wieder zurück.«

»Ihr macht ganz tolle Sachen und ich muss hierbleiben«, beschwerte sich Hank.

Zu Jays Ärger entdeckte einer der Kameramänner die tränenreiche Szene. Da Hank nicht beim Weinen gefilmt werden wollte, legte er eine Hand übers Gesicht und versteckte sich hinter seinem Dad.

»He, Mann!« Jay richtete sich auf und sah den Mann finster an. »Merken Sie nicht, dass er durcheinander ist?«

Wortlos zog sich der Kameramann zurück und Jays Stiefvater Len legte Jay beruhigend die Hand auf die Schulter.

»Hank fängt sich schon wieder«, meinte er. »Wenn wir erst an der Küste sind und Sandburgen bauen, ist er so fröhlich wie die Sau in der Scheiße.«

»Nein, bin ich nicht«, beharrte Hank, doch dann leuchteten seine Augen auf: »He, Mum! Dad hat ein schlimmes Wort gesagt!«

Jay konnte seinen kleinen Bruder nicht weiter beruhigen, denn die Kameras liefen, und Angie befahl ihm, wieder ins Auto zu steigen. Eine Frau in einem Mini-Cabrio hupte anhaltend und schrie die Crew an, sodass sie warten mussten, bis sie vorbei war, bevor sie wieder drehen konnten.

Die zweite Aufnahme wurde weit besser. Shorty filmte in der Limo, eine andere Kamera war auf das davonfahrende Auto und eine dritte auf die winkende Familie gerichtet. Jays unausstehlicher Bruder Kai hielt ein Plakat hoch, auf dem stand: »Hoffe ihr verlirt«

»Gott, und ich hoffe, sie zeigen ihn mit diesem Plakat«, seufzte Jay und winkte zurück.

»Warum?«, fragte Theo.

Adam und Jay grinsten einander an.

»Rechtschreibung ist auch nicht so deine Sache, was, Theo?«

»Nein, aber euch beiden die Zähne ausschlagen schon«, grunzte Theo.

Nach dreihundert Metern bog die Limousine in eine Straße ab, die zu den Wohnblöcken hinter dem Restaurant führte.

»Raus mit euch, Jungs«, verlangte Shorty.

»Was ist denn los?«, erkundigte sich Adam vom mittleren Sitz aus, während seine beiden Brüder Shorty nach draußen folgten.

Dort nahm der Kameramann einen Satz magnetischer Nummernschilder aus einem Rucksack und tauschte RW3 gegen RW2 aus.

»Sie können doch nicht einfach die Nummernschilder austauschen«, sagte Jay ungläubig. »Das ist illegal!«

Shorty lachte.

»Das ist doch nur für ein paar Minuten. Wir bringen die Limousine zurück, damit auch Erin ihre Abschiedsszene erhält.«

»Und dann kommt sie noch einmal zurück und bringt uns zum Rock-War-Haus?«, fragte Jay.

»Limousinen mietet man stundenweise und die sind teuer«, erklärte Shorty. Ein Nummernschild mit RW3 schepperte zu Boden und enthüllte darunter ein wesentlich profaneres KZ13PPH. »Der Bus, in den ihr euer Gepäck gestellt habt, holt gerade euren Bandkollegen Babatunde ab. Er wird in ungefähr fünfzehn Minuten hier sein.«

»Das war aber ein gammeliger alter Schul-Minibus«, beschwerte sich Jay. »Der war innen total dreckig.«

»Wahrscheinlich sind darin das ganze Jahr Kinder von und zum Spielfeld gefahren worden«, meinte Shorty und grinste wissend. »Aber in den Sommerferien werden die Schulbusse nicht gebraucht, daher konnte unser geliebter Produzent Mr Allen ein halbes Dutzend davon recht billig mieten, um euch Blagen herumzukutschieren.«

»Und lassen Sie mich raten: Wenn wir bei der Rock-War-Villa ankommen, wird eine weitere Limousine auf uns warten«, vermutete Jay.

Shorty zeigte auf Jay und schnalzte mit der Zunge.

»Du lernst schnell, Kleiner.«

* * *

Nach dem Fiasko mit der Limousine und einer dreistündigen Fahrt mit einer Pause bei einem Burger King an einer Raststätte erwartete Jay schon fast, seine Sommerferien im Schlafsaal eines heruntergekommenen Internats verbringen zu dürfen, doch die ersten Anzeichen waren nicht schlecht. Der Minibus setzte sie am Tor eines großen Landhauses ab, zu dem eine Kiesauffahrt durch einen weitläufigen Park mit einem krass modernen Erweiterungsbau am Ende führte.

Babatunde und die drei Brüder mussten allerdings eine Weile warten, bis sie mehr erfuhren, denn sie wurden am Tor ausgeladen, wo sie warten sollten. Fünfzehn Minuten später kam eine Band namens Dead Cat Bounce dazu und eine Produktionsassistentin brachte in Plastikfolie gewickelte Sandwiches und warme Rage-Cola-Dosen. Sie verkündete, dass die Bands alle zusammen ins Haus gebracht werden würden, um die maximale Wirkung zu erzielen.

Die Sonne brannte vom Himmel herunter, und während noch weitere Wettbewerbsteilnehmer ankamen, suchte Jay sich einen Platz im Schatten unter einem Baum und legte sich mit seinem Rucksack als Kopfkissen ins Gras. Theo begann mittlerweile den Aufstand zu proben. Er mochte es nicht, wenn man ihm sagte, was er tun sollte, und dass über seine Zeit jetzt von einem Fernsehteam verfügt wurde, passte ihm ganz und gar nicht.

Jet waren die Ersten gewesen, doch innerhalb einer Stunde tauchten noch weitere acht Bands auf. Erin und ihre Bandkollegen von Brontobyte hielten von ihnen Abstand, doch Jay freute sich, Summer, Michelle, Lucy und Coco von Industrial Scale Slaughter zu sehen, die er beim Rock-the-Lock-Bandwettbewerb im Frühling kennengelernt hatte.

»Ich war ganz aus dem Häuschen, als ich sah, dass ihr es zu Rock War geschafft habt«, erzählte Jay, der sich noch besser fühlte, als Summer ihn strahlend anlächelte und umarmte. Er stand total auf sie, obwohl sie älter war als er und für ihn wahrscheinlich unerreichbar.

Eine weitere Band, die er vom Rock the Lock kannte, waren Frosty Vader, aber sie kamen in einer neuen Zusammensetzung mit zwei Kids aus Belfast. Es waren ein Mädchen namens Sadie und ein Junge namens Noah, der in einem Rollstuhl saß.

»Ich wette, den haben sie in die Band aufgenommen, damit er in die Kamera sabbert und ihnen Sympathiepunkte einbringt«, stöhnte Theo, als nur seine Bandkollegen in Hörweite waren.

Jay kam mit Theo zwar gut aus, trotzdem traute er sich nicht, seine schwachsinnigen Bemerkungen zu kritisieren.

Doch Babatunde, der Drummer von Jet, protestierte.

»Es besteht ein feiner Unterschied zwischen einem Rebellen und einem Arschloch«, zischte er.

Einen Augenblick lang sahen die beiden sich feindselig an. Babatunde war ein cooler Typ, der stets eine dunkle Sonnenbrille trug und die Kapuze seines Sweatshirts selbst im Hochsommer nicht absetzte. Er war zwar kein Schwächling, aber Theo war älter als er, hatte eine ganze Reihe von Boxtrophäen im Schrank und galt als aggressiv.

»Leute!«, mahnte Jay, der vermeiden wollte, dass sich zwei seiner Bandmitglieder in die Haare kriegten, noch bevor sie das Haus betreten hatten.

Doch dieses eine Mal schaffte Theo es, zu akzeptieren, dass er unrecht hatte, und gab nach.

»Ich mein ja nur«, murrte er abwehrend. »Ein Junge im Rollstuhl kriegt sicher Sympathiepunkte.«

»Vielleicht kriegen wir auch Sympathiepunkte, weil Theo so ein Idiot ist«, lachte Adam.

Das passte Theo überhaupt nicht, doch glücklicherweise kamen in diesem Moment ein paar weitere Produktionsassistentinnen zum Tor und begannen die Bandnamen aufzurufen.

»Crafty Canard?«, rief die erste Frau. »Delayed Gratification?«

Die andere Frau rief Jet aus und die vier Jungen stellten sich in eine Schlange. Beeindruckt nahm Jay ein dunkelblaues T-Shirt mit dem Bandlogo entgegen. Er hatte selbst eine primitive Version davon entworfen, als er das Profil von Jet auf der Rock-War-Webseite hochgeladen hatte, aber das Designteam der Show hatte es professionell überarbeitet, und die Band wirkte gleich viel realer, wenn man es so auf einem T-Shirt sah.

Die Kostümdesigner des Teams hatten sich offensichtlich richtig Mühe gegeben, denn Babatunde bekam ein Kapuzenshirt mit dem Jet-Logo und Adam und Theo eng anliegende Tanktops, die ihre Muskeln zur Geltung brachten. Weniger begeistert zeigten die vier sich von den Baseballkappen mit dem Sponsorlogo von Rage Cola.

Da er damit beschäftigt war, sein T-Shirt zu bestaunen, und eine der Assistentinnen schrie, dass auf dem Weg zum Haus alle ihre Rage-Cola-Baseballkappen tragen müssten, verpasste Jay die Ankunft von Meg Hornby.

Meg hatte eine Eintagsfliegenkarriere mit einem Fernseh-Hit namens »The Beater« gemacht. In den Neunzigern hatte sie als punkiges Model ein Vermögen verdient, indem sie sich Tattoos und Bodypiercings hatte stechen lassen, als das noch radikal genug war, um damit aufzufallen.

Jetzt, da ihr Aussehen verblasste, bildete die Gelegenheit, Gastgeberin für Rock War zu spielen, eine glanzvolle Abwechslung zu ihrer sonstigen Beschäftigung bei Promi-Spielshows und den gelegentlichen Auftritten im Frühstücksfernsehen als selbst ernannte Expertin für Musik und Mode.

Doch auch wenn Meg nicht gerade ein Megastar war, fand Jay es ziemlich aufregend, jemandem, der zumindest auf bescheidene Weise berühmt war, auf weniger als zehn Meter nahe zu kommen. Meg brauchte drei Anläufe, um »Willkommen in der Rock-War-Villa, lasst uns mal sehen, was euch dort erwartet« in die Kamera zu sagen, doch die Regisseurin Angie war immer noch nicht recht begeistert von ihrer Leistung.

Zwei Stunden nachdem man sie am Tor abgesetzt hatte, konnte Jay es durchschreiten. Mehrere Kameras waren auf die vierundvierzig jungen Musiker gerichtet, die ihr Gepäck und vereinzelt auch Gitarren über den weißen Kiesweg zum Haus hinaufschleppten.

Summer war die Einzige, die keinen Rollkoffer oder Rucksack dabeihatte, und Adam schnappte sich eine ihrer Supermarkttaschen.

»Oh, ein richtiger Gentleman«, bedankte sich Summer fröhlich und schenkte ihm ein strahlendes Lächeln, das Jay furchtbar eifersüchtig machte.

Jay lief am Ende der Gruppe, wo er überrascht feststellte, dass Theo Noahs Rollstuhl schob, wahrscheinlich aus Schuldgefühlen wegen seiner dummen Bemerkung. Noah bestand sehr auf seiner Unabhängigkeit und hasste es, geschoben zu werden, doch Gepäck und Räder, die im Kies stecken blieben, ließen ihm kaum eine Wahl.

»Ich bin Jay«, stellte Jay sich vor. »Ich habe das Video von Frosty Vader auf der Webseite von Rock War gesehen. Das ist ziemlich gut, mit den ganzen Samples und so.«

Neben dem Rollstuhl lief Noahs beste Freundin Sadie, ein weiteres Mitglied von Frosty Vader.

»Das war ganz okay, aber nicht das beste«, meinte sie. »Ihr seid Jet, nicht wahr? Euer Schlagzeuger – der Schwarze? Er ist unglaublich.«

»Er heißt Babatunde«, sagte Jay. »Deinen Namen habe ich nicht mitbekommen.«

»Weil ich ihn noch nicht gesagt habe«, erklärte Sadie schlicht. »Ich bin Sadie und das ist Noah.«

»Howdy-ho«, sagte Noah, winkte ihm zu und kam sich gleich darauf blöd vor, nicht einfach Hi gesagt zu haben.

»Ähm, ist Sadie dein richtiger Name?«, erkundigte sich Jay.

»Allerdings ist das mein richtiger Name«, erwiderte Sadie ein wenig beleidigt. »Ist etwas damit?«

»Nein«, wehrte Jay schnell ab, »ich habe nur noch nie eine Sadie getroffen.«

»Das ist jüdisch«, erklärte Sadie. »Ich bin zwar keine Jüdin, aber meine Familie war irgendwann vor langer Zeit wohl mal jüdisch.«

Theo neigte sich über Noah und flüsterte ihm absichtlich so laut, dass es jeder hören konnte, zu: »Wie man sieht, hat mein Bruder Jayden den Bogen bei den Damen so richtig raus, und ich vermute fast, dass er als Jungfrau sterben wird.«

Jay schnalzte ärgerlich mit der Zunge und Noah grinste.

Zwanzig Meter vor ihnen wedelten Angie und eine der Assistentinnen mit den Armen und befahlen allen, stehen zu bleiben. Nachdem sie schon Stunden am Tor hatten warten müssen, kam die Order nicht allzu gut an.

Angie sprach übers Mikrofon mit jemandem und organisierte dann drei Kameras so, dass sie auf eine ebene Rasenfläche neben dem Haus gerichtet waren.

»Helikopter auf zwei!«, rief Angies Assistentin. Jay blickte auf und bemerkte eine dunkle Silhouette, die zu einem ausgewachsenen Hubschrauber wurde. Auf der Heckflosse prangte das Bild eines finster dreinsehenden Pandabären und auf der Seite stand Pandas of Doom.

Einer der Kameramänner hockte sich hin, als der Hubschrauber landete und die Luft über dem penibel getrimmten Rasen aufwirbelte. Als der Kopilot die Kabinentür öffnete, stiegen die vier Bandmitglieder aus, zuerst ein dicker Junge, gefolgt von einem blassen Goth-Mädchen und zwei weiteren Jungen. Sie trugen rote T-Shirts mit ihrem Bandnamen und mussten ihre Rage-Cola-Mützen festhalten, als sie in den Wind der Rotoren kamen.

»Na, das nenne ich Qualität«, beschwerte sich Sadie. »Ich durfte mich mit Noahs Rollstuhl bei Ryanair abmühen und die Seppel kriegen ihren eigenen Hubschrauber.«

»Ich habe keine Ahnung, wer die Pandas of Doom sind«, verkündete Theo. »Aber ich glaube, ich hasse sie jetzt schon.«

Bettenburg

Es passte nicht ganz zusammen. Auf der einen Seite wollten die Produzenten von Rock War durch den Austausch von Nummernschildern ein paar Pfund für die Limousinenmiete sparen, doch die Rock-War-Villa war einfach grandios.

Durch die riesigen Türen des Hauses gelangte man in einen marmorgetäfelten Flur voller Ausrüstungskoffer, am Boden angeklebter AV-Leitungen und massenweise Elektrokabel, die durch ein offenes Fenster zu einem Lkw führten, der genügend weit entfernt parkte, dass die Mikrofone das Geräusch des Dieselgenerators in seinem Inneren nicht mit aufnahmen.

Doch für das Fernsehen würden die Aufnahmen so geschnitten werden, dass die zwölf Bands von der Tür direkt in den großen Ballsaal gelangten. Shorty hatte eine gyrostabilisierte Steadicam an seiner Hüfte, mit der er einen Schwenk aufnahm und dabei Summers offenen Mund einfing, als sie den großen Saal mit dreifacher Geschosshöhe betrat.

Die gewölbte Decke bestand aus riesigen Eichenbalken, und an den beiden oberen Stockwerken verliefen ringsum Balkone, hinter denen einige der vielen Zimmer des Landhauses lagen. Für das Fernsehen hatte man diesem klassisch schönen Raum durch zwei schwarz und gelb gestrichene Wände und zwei gewundene Metallrutschen ein Hightech-Aussehen verpasst.

Auf Erdgeschossebene war der Raum wie ein Jugendklub eingerichtet, allerdings nicht wie ein normaler Jugendklub mit klebrigem Fußboden und kaputten Billardtischen. In der Mitte lagen vierfach aufeinandergetürmte Sitzsäcke mit dem Logo von Rage Cola. Die beiden Metallrutschen wanden sich umeinander wie DNA-Stränge und boten einen raschen Weg aus dem ersten und zweiten Stockwerk nach unten.

Von hier aus ging es in die eine Richtung zu Tischtennisplatten und Billardtischen, Lufthockey und elektrischen Massagestühlen. Auf der anderen Seite befanden sich ein Mini-Indoor-Basketballplatz mit richtigem Kunststoffboden und einer elektrischen Anzeigetafel, zwei Trampoline mit Umzäunung und ein riesiges Bällebad, wie es sie sonst nur für kleine Kinder gibt. Und an der Rückwand waren große Flatscreens angebracht, an die PlayStations und Sky-Boxen angeschlossen waren. Im Moment zeigten sie aber nur verschiedene Werbespots für Rage Cola.

Angies vier Kameramänner sowie einige mit Camcordern bewaffnete Praktikanten und Assistenten standen bereit, um die Reaktionen der Kids auf diesen unglaublichen Raum aufzunehmen. Doch da sie so lange hatten warten müssen, stellten sich Summer und die anderen Mädchen erst einmal in einer Schlange vor den Toiletten auf, während die Jungen – die bereitwillig an die Bäume gepinkelt hatten – sich um neongespickte Automaten versammelten und sich zu kostenloser Rage Cola verhalfen.

Als Theo merkte, dass er gefilmt wurde, plusterte er sich auf, grinste breit und hielt seine Plastikflasche hoch.

»Rage Cola«, sagte er theatralisch und nahm einen Schluck. »Sieht köstlich aus, riecht erfrischend. Schmeckt wie das, was man einem Affen aus der Arschritze kratzt.«

Der Kameramann mit den lila Haaren begann ebenso zu lachen wie etliche Jungen. Einige machten mit eigenen Versionen von Theos Spruch weiter, während andere so taten, als würden sie an Rage Cola ersticken. Jay hielt sich den Bauch und fiel tot um, sodass ein Junge über ihn stolperte. Mit schottischem Akzent entschuldigte er sich.

»Ich bin Dylan«, stellte er sich vor, als er Jay die Hand hinstreckte, um ihm aufzuhelfen. »Pandas of Doom.«

Dylan war vierzehn, gut aussehend, ein wenig untersetzt und seine gebleichten Haare wiesen einen schwarzen Haaransatz auf.

»Jay, Jet. Was war denn das mit dem Hubschrauber?«

Dylan zuckte mit den Achseln.

»Mein Dad kennt jemanden mit einem Helikopter. Den Fernsehleuten gefiel die Vorstellung, dass eine Band eingeflogen wird, und heute Morgen sind sie aufgetaucht, um die Logos aufzukleben.«

»Ich habe noch nie in einem Hubschrauber gesessen«, sagte Jay. »Wie ist das?«

»Eng und laut«, antwortete Dylan. »Aber neunzig Minuten in der Luft sind um Längen besser als acht Stunden im Zug, auch wenn man ein bisschen eingeklemmt wird.«

Angie kam herüber und schalt zuerst den lilahaarigen Kameramann, dass er weiterfilmte, obwohl die Jungen Rage Cola niedermachten. Dann wandte sie sich ernst an die Jungen und ein paar der Mädchen, die von den Toiletten zurückkamen. »Ihr müsst euch verteilen! Erkundet den Raum und steht nicht einfach so herum wie die Bowlingkegel!«

Theo schüttelte den Kopf.

»Sie haben uns den halben Tag in der Sonne warten lassen. Da müssen die Leute etwas trinken und aufs Klo!«

Angie stemmte die Hände in die Hüften und zog eine Grimasse.

»Wie ich schon sagte, Theo: Je schneller ich die Aufnahmen für die Show bekomme, desto eher könnt ihr tun, was ihr wollt.«

Nachdem sie ihm und dem Kameramann einen mahnenden Blick zugeworfen hatte, drehte sie sich um, und ein paar Kids zogen zögernd los, um den Ballsaal zu erkunden. Doch Theo war ihr wegen des Schuljungenkommentars vom Morgen noch böse, und da er sich daran erinnerte, dass er noch eines der plastikverpackten Sandwiches in der Tasche hatte, die am Tor verteilt worden waren, knüllte er es zu einem Ball zusammen und warf es ihr nach.

Die Folie riss und Stücke von Käse und Gurken trafen Angies Hinterkopf. Wütend drehte sie sich um.

»Wer war das?«

Keiner der lachenden Jungen wollte Theo verraten, und auch der Kameramann, den sie eben angefahren hatte, war keine Petze.