Roon und der Blauporling - Rüdiger Utzig - E-Book

Roon und der Blauporling E-Book

Rüdiger Utzig

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Beschreibung

Roon und der Blauporling Drei Freunde und das Abenteuer ihre Lebens. Roon, Tammu und Malt, drei beste Freunde, erhalten von ihrem Dorfdoktor den Auftrag, Heilpilze von den Sihner Höhen zu besorgen. Auf ihrer abenteuerlichen Mission erleben sie zahlreiche Gefahren um ihr Leben. Ein Riese will sie fressen, Würgeschlangen greifen sie an, ein Riesenadler will sie erbeuten, Räuber und Bestien begegnen ihnen und sie müssen mehr als einmal um ihr Leben kämpfen. Werden sie es schaffen, die nötige Medizin rechtzeitig zu besorgen, um ihr Dorf vor dem Tod zu bewahren?

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Seitenzahl: 198

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Roon und der Blauporling

Rüdiger UtzigVorgeschichteDer AuftragDer AbschiedDer dankbare BauerDie BataksümpfeDer HeilerDer Riese JoweDie HincherschluchtDas Dorf BarkaDie RäuberDas UrteilDie VergebungDie TasslingfälleDer FallenhügelDer VaterDie NilekenDas Dorf NasborkDer kleine HundDie Sihner HöhenDie BestieDie PurgahöhleDer alte GiztuDie MarzenbergeDurch die SchluchtDer FlammweiherDie FalleDer HüttenzauberDie ZornissenDas Dorf NairuDie holde TonnyaDer Schmied GiddarDer zweite BesuchDie blaue WeltDer Weg nach SakunDie HeimatZu HauseDie AnzuchtDas DiebespaarDer Finale KampfZum vierten mal durch SakunDie RettungZeichnungenÜber den AutorImpressum

Rüdiger Utzig

Roon und der Blauporling

Für alle jung gebliebenen Abenteurer

Roon und der Blauporling

eine Geschichte

von

Rüdiger Utzig

Copyright©2016 by Rüdiger Utzig

Zeichnungen: Rüdiger Utzig

Vorgeschichte

Mein Name ist Roon und ich bin heute 73 Jahre alt. Ich muss euch diese Geschichte erzählen, da ich nicht mehr lange auf Erden weilen werde. Der harte Zahn der Zeit nagte auch an meinen Knochen. Damit diese Geschichte nicht in Vergessenheit gerät, möchte ich sie Euch unbedingt erzählen, da sie nicht nur mein ganzes Leben entscheidend geprägt hat, sondern die unseres ganzen Landes. Ich selbst lebe seit meiner Geburt in dem großen Land namens Molega, dort wiederum in einem kleinen Dorf namens Bechhof, der ein Vorort der größeren Stadt Sakun ist. Sakun liegt ein Tagesmarsch südlich in einem Tal an dem langen Fluss Rabas. In den letzten 120 Jahren ist Dank besserer Lebensqualität aus dem Dorf Sakun mit damals gerade einmal 300 Menschen eine große Stadt mit fast 7.000 Einwohnern geworden. In meinem Geburtsdorf Bechhof leben heute etwa 350 Menschen. Die meisten von diesen Menschen leben von ihrer Hände Arbeit, und das schon seit Generationen. Die Landwirtschaft war und ist die wichtigste Einkommens- quelle. Auch meinen Eltern und Großeltern ging es so. Sie bewirtschafteten in dritter Generation nördlich von Bechhof einen kleinen, aber feinen Bauernhof, den ich später übernahm. Doch nun zu meiner fantastischen Geschichte. Es ist heute schon etwa 60 Jahre her, als ich damals als zwölfjähriger Junge mit meinen besten Freunden Malt und Tammu unterwegs war. Wir waren mal wieder wie so oft in unseren Wäldern Abenteuer erleben. Malt war nach eigener Aussage ein Vielfraß und deshalb auch ein wenig übergewichtig. Da er gerne viel aß und sein Motto lautete: "Wenn das Essen gut ist, kann es auch ruhig viel sein.", fand ich ihn lustig und sympathisch. Wir nahmen ihn gerne ab und zu wegen seines "Steckenpferdes" auf den Arm. Malt war ein gemütlicher Mensch und konnte gut über sich selbst lachen. Tammu war gut einen Kopf kleiner als ich und musste sich aufgrund seiner Körpergröße schon von Kindesbeinen an lernen sich durchzusetzen. Dadurch neigte er dazu, sich zu überschätzen. Er legte sich manchmal mit Gegnern an, die ihm weit überlegen waren. Aber das oft mit Erfolg, weil er keine Angst hatte oder keine Angst zeigte. Er verstand es, sich Respekt zu verschaffen. Er war mutig und hatte das Herz eines Löwen. Ich muss heute zugeben, er war intelligenter als ich. Damals gestand ich ihm das noch nicht zu, da ich immer der Anführer unserer kleinen Bande sein wollte. Heute gönne ich ihm das von ganzem Herzen. Tammu war nicht gerade der stärkste, aber der klügste Kopf von uns dreien. Trotz allem, auch wenn es mal Streit gab, waren wir beste Freunde und nichts und niemand konnte uns trennen. Probleme gab es für uns nicht, nur Lösungen. Wir unternahmen viel in den wunderschönen Wäldern nördlich von Sakun, wo Bechhof auf einem kleinen Berg liegt. Hinter unserem Dorf ging es Richtung Westen in den Wald. Er war ein Mischwald mit Laub- und Nadelbäumen. Es war unser Wald für alle Abenteuer der Welt. Ein Fußmarsch von etwa einer Stunde weiter nördlich stand ein Turm, von dem früher unsere Ahnen, die Waaken, ihre Feinde beschossen. Auf etwa halbem Weg zu dem Turm lag eine Burgruine. Einmal waren wir wieder unterwegs zu der Burgruine, die man eigentlich nicht betreten sollte. Wir konnten die Ruine leider nur von hinten betreten, da der Vordereingang mit Brettern vernagelt war. Ein großer dunkler Teil der Steindecke war noch nicht eingestürzt und wir ignorierten den baulichen Zustand der Burg. Was sollte uns schon geschehen. Wir waren doch die Größten. Nach dem Betreten der Ruine ging es kurz geradeaus, dann ein paar Schritte nach rechts, danach wieder etwas links in den Hauptraum. Von dort konnte man durch einige Risse in der Deckein den Himmel sehen. "Ach kommt, Leute, was sollen wir denn hier? Wir waren schon so oft hier, gehen wir lieber zu der Rebuquelle runter.", sagte Tammu etwas ungeduldig. "Ich habe wieder Hunger.", jammerte Malt mal wieder. Ich verrollte die Augen bei so viel Abenteuerlust. "Du hast doch vor einer Stunde erst vier Pfannkuchen verschlungen, Malt.", versuchte ich ihn zu beruhigen. "Hier, nimm erst mal meine Wasserflasche, das ist besser als gar nichts und hilft gegen deinen Hunger.", ergänzte ich. Ich glaube, satt, dieses Worte kannte Malt nicht. Satt, was war satt? Nach einer kleinen Diskussion, wohin und was wir jetzt tun sollten, beschlossen wir, uns endlich auf den Weg zu der Rebuquelle zu machen. Man sagte mir, diese Quelle soll schon über 1500 Jahre alt sein. Zum Glück waren die Orte, an denen wir gerne spielten und Abenteuer erlebten, nur ein paar Stunden voneinander entfernt. So schafften wir es immer, uns abends, nach der Schlacht, mit letzter Kraft nach Hause zu schleppen. Als Kind denkt man meist nicht daran, dass man noch Kraft für den Heimweg braucht. Der Weg war uns wohl bekannt und wir pfiffen ein Lied, das wir in der Schule gelernt hatten.

Abends pfiffen wir meist aus dem letzten Loch. Es war einer dieser tollen Tage, wo alles passte. Wir drei besten Freunde, das Wetter, der Spaß, die Stimmung und dieser wunderschöne Wald. In weiter Ferne sahen wir irgendetwas auf unserem Weg. Ich schätze, wir hatten etwa ein Drittel des Weges zurück gelegt, dakam uns auf einmal ein uns bekannter Holzfäller mit seinem beladenen Fuhrwagen entgegen. Das war soweit ja nichts sehr ungewöhnliches in unserem Wald, aber er hatte ein rasantes Tempo drauf, der Holzfäller mit seinem Wagen. Erst als er näher kam, erkannten wir ihn. Es war der alte Hässel, der mit fast jedem im Dorf verkracht war, was ich bis heute nicht verstanden habe. Er gab den zwei Pferden die Zügel und kam sehr schnell auf uns zu. "Aaachtuung!", schrie ich. Uns blieb nichts anderes übrig, als zur Seite zu hechten. Wir hatten keine Zeit, uns einen geeigneten Landeplatz auszusuchen. Tammu hatte ein wenig Pech, denn er landete in den Feuernesseln. Wir hörten diesen alten Hässel noch lachen bis er nach der nächsten Kurve nicht mehr zu sehen war. Ich schrie ihm noch nach: "Du wirst deine Strafe noch bekommen, du alter Sack. Ich krieg dich noch, das schwör ich dir." Als wir alle wieder auf dem Weg standen, sah ich erst, wie schlimm es Tammu erwischt hatte. Die Feuernesseln lösten mit ihrem Gift in der Haut von Tammu eine pustelartike Reaktion aus. Sein kleines rotes Gesicht entwickelte sich von Minute zu Minute weiter und sah aus wie ein Streuselkuchen. "HAHAHAHAHA.", lachte Malt, als er Tammu sah. "Ich bin weich gefallen.", witzelte er über seinen Bauch. Tammu sah ihn wütend an. "Du bist ja auch in die Pferdescheisse gefallen, mein lieber Malt.", sagte Tammu und lachte. Ich glaube das half ihm ein wenig über seine Schmerzen mit den Pusteln hinweg. Ich sagte zu ihm: "Den alten Hässel werden wir uns eines Tages noch schnappen. Der hätte uns doch glatt getötet. So etwas Respektloses wie dieser Typ ist mir noch nicht begegnet." Dann sagte ich tröstend zu Tammu: "Das kalte Wasser der Rebuquelle wird deine brennende Haut etwas kühlen und deine Schmerzen lindern." "Und dich, mein Dickerchen, wird es von diesem Gestank befreien.", sagte ich zu Malt. Uns konnte einfach nichts aufhalten, auch kein frustrierter und verbitterter alter Mann. Es ging auf unserem Weg eine halbe Stunde leicht abwärts, was man ja sehr gerne geht. So ein Weg läuft sich fast von alleine. Wir waren schnell wieder bei bester Laune. Da sahen wir die Rebuquelle mit der kleinen Holzhütte zum Ausruhen. Dort konnte man sich erfrischen und auf der alten kleinen Holzbank verschnaufen. Nachdem Tammu sich das Gesicht mit dem kalten Quellwasser gekühlt hatte und Malt sich gesäubert hatte, füllten wir die Wasserflaschen wieder auf. Da hatte ich eine Idee, daran mangelte es mir nie. "Sollen wir noch zu dem alten Waakenturm gehen oder doch lieber wieder heim?", fragte ich meine Freunde. "Jaaa, dort waren wir schon so lange nicht mehr.", sagte Tammu mit leuchtenden Augen und mir schien es, als vergaß er dabei sein brennendes Gesicht. Ich hoffte, das auch Malt Lust hatte, dort hin zu laufen, denn es ging zu dem Turm immer nur bergauf. Zum Glück war er einverstanden und so machten wir uns gleich auf den Weg. Da Malt ja noch immer Hunger hatte und wir kein Jammern mehr über sein Verhungern hören wollten, pflückten wir ihm vom Wegesrand die großen reifen Morbfrüchte aus den Büschen. Sie waren schön groß und würden seinen Ranzen sicherlich eine Zeitlang beruhigen. Das beruhigte ihn tatsächlich eine Weile, zum Glück. Es ging gut eine Stunde bergauf und ein paar Handvoll Früchte später, erkannten wir den Turm durch die Bäume hindurch. Ich glaubte, jeder von uns freute sich darauf, wieder dort hinauf zu steigen. "Wisst ihr noch, wie viele Stufen es bis nach ganz oben sind?", fragte ich die beiden. "Nee." und "Ich weiß es nicht mehr.", waren ihre Antworten. "Mist, ich weiß es auch nicht mehr. Lasst sie uns wieder zählen.", sagte ich. Wir gingen durch die zwei großen offenen Türen in den Innenraum. Es schallte bei jedem Ton, den wir von uns gaben. Dieses Spiel machten wir jedes Mal. Wir pfiffen und erfreuten uns an dem Echo. Dann ging es endlich los. 1, 2, 3, 4, 5... fingen wir an zu zählen. Es waren immer 13 Holzstufen bis zu einer Ecke des Turms. in jeder dritten Ecke war eine kleine Holzbank zum ausruhen. Das alte Holzgeländer war mir nicht mehr ganz geheuer und ich wollte es deshalb auch nicht benutzen. Die Stufen wurden immer höher und höher. "Erster.", schnaufte Malt oben. Endlich angekommen mussten wir erst einmal verschnaufen. Dieser Ausblick entschädigte uns für die ganze Lauferei. Der Wind blies uns stark und streng um die Ohren, doch das war uns egal, denn wir waren stolz es geschafft zu haben. Ich schätze die Höhe des Turmes auf etwa 30 Mann. Weit über die Baumwipfel hinweg konnten wir über fast ganz Sakun blicken. "Von hier aus haben damals die Waakenberger ihre Feinde beschossen.", erzählte ich. "Welche Feinde denn?", fragte Tammu. "Na unsere Vorfahren, die Sakuner.", antwortete ich. "Die haben sich bestimmt über das Essen gestritten.", sagte Malt lachend. "Hast du wieder Hunger?", fragte Tammu und lachte.

Tatsächlich kam es damals, vor etwa 120 Jahren, wegen einer schlimmen Hungersnot der Sakuner und den Getreidereserven der Waakenberger zum Krieg um die Lebensmittel. Die alten Waakenberger hatten große Anbauflächen und Viehzucht. Die Sakuner siedelten sich später hier an und haben aus ihrer Hungersnot bei den Waakenbergern ihre Nahrung "organisiert". Was soll man machen, wenn der Hunger kommt und man weiß wo es Essen in Hülle und Fülle gibt. Die Sakuner waren ein Wandervolk, das sich gut mit Handwerk auskannte, aber das Handwerk der "Langfingerei" auch ganz gut beherrschte. Mein, Dein, Unser, kannten sie noch nicht. Deshalb waren sie hier in der Region nicht sehr beliebt. Die Waakenberger haben sich diesen Turm gebaut, um Ausschau nach ihren Feinden zu halten. Doch das ist eine andere Geschichte und wird ein andermal erzählt.

Nachdem wir die schöne Aussicht genossen hatten, liefen wir die Stufen des Turms wieder hinunter. Während wir die Treppen herunter liefen, fragte Malt: "Wie viele Stufen waren es denn jetzt?" "Ich habe 242 Stufen gezählt.", antwortete ihm Tammu. "Ich kam auf nur 238, vielleicht habe ich vier übersehen.", sagte ich. Wir einigten uns darauf, beim nächsten Besuch noch einmal zu zählen. "Hahahahaha, immer das gleiche, könnt ihr denn nicht zählen?", witzelte Tammu. Wir lachten. Ich glaubte der Zählung von Tammu, denn er war immer sehr gewissenhaft gewesen. So langsam wurde es Zeit für den Heimweg. Die Sonne stand schon sehr tief, die Schatten waren lang und dieses schöne Abendrot. Ich liebe diese Stimmung noch heute. Der Wind pfiff uns um die Ohren und es wurde langsam immer kühler. Die Beine wurden langsam immer schwerer. Wir freuten uns auf Zuhause, den gedeckten Tisch mit Abendbrot, Wurst, Käse, Butter und heißem Tee. Malt setzte zu seinem Lieblingslied an: "Ich esse wenig, aber oft und dann viel, so komm ich morgens bis abends zum Ziel.", sang er vor sich hin. Wir waren kaputt, aber glücklich und unser Abenteuer ging so friedlich zu Ende. Dachten wir alle in diesem Moment. Doch es kam anders als wir dachten. Auf einmal sprang von links auf unseren Weg ein schreiendes, aggressives, wildgewordenes Weddin aus dem Busch. Es stellte sich vor uns mit seinen zwei spitzen Hauern und brüllte. Mein erster Gedanke: Weglaufen? "Nein. Nicht mit mir. Entweder du oder ich. Wir lassen uns von niemandem vertreiben.", schrie ich das Weddin an. Was für ein Unsinn, als ob es mich verstehen könnte. Ich schnappte mir einen langen Ast vom Wegesrand und ging auf das Weddin los. "Hau ab.", schrie ich und schlug ihm zwischen die Augen. Das flößte ihm Respekt ein, denn es flüchtete. "Ich glaube, das hat es beruhigt.", lachte ich Tammu an. Tammu warf ihm noch einen Stein nach. Als es fort lief, wurden mir die Knie weich. Ich musste mich erst einmal setzen. Ich war doch erschrocken, wollte es nur nicht zeigen. "Wo kam das denn plötzlich her? Die sind doch sonst nur in der Nacht unterwegs.", fragte Tammu. Keiner wusste darauf eine Antwort. Doch wo war denn Malt hin? Er war verschwunden. Wir riefen nach ihm, doch zuerst kam keine Antwort. Auf einmal fragte eine Stimme aus dem Wald: "Ist es weg?" "Ja, Malt, komm wieder raus. Da sahen wir ihn hinter einem dicken Haichenbaum hervor kommen. "Komm jetzt, Malt, damit du endlich was zu essen bekommst. Wir sind doch gleich Zuhause.", sagte ich. Malt war vor Schrecken richtig blass geworden und sagte: "Ich glaube, ich habe keinen Hunger mehr." Ich sagte: "Malt, du musst morgen unbedingt zum Arzt gehen." "Wieso?", fragte er erstaunt, "Bin ich verletzt?" und schaute erstaunt an sich herunter. "Nein.", sagte Tammu, der meinen Witz sofort verstand. "Aber wenn du mal keinen Hunger hast, musst du krank sein.", sagte Tammu mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen. "Hättest du die letzten 15 Jahre mal richtig gegessen, dann wärst du heute nicht so ein Nasenzwerg.", sagte Malt und fing auch an zu lachen und war sichtlich erholt von dem Schrecken durch das Weddin. Nun war es Zeit geworden weiter Richtung Heimat zu gehen. Nach etwa einer Stunde wandern waren wir endlich friedlich am Waldrand angekommen. Wir schleppten uns aus dem Wald und verließen unseren riesigen und wunderschönen Abenteuer- spielplatz, der für uns das größte war und der uns immer wieder überraschte. "Endlich!", seufzte Malt. "Morgen gehen wir aber ins Wildwasserbad bei Bernolt. Dort gibt es Brezeln und Würstchen.", sagte er bestimmend. "Natürlich Malt, das ist ja auch das wichtigste.", sagte ich zu ihm und grinste ihn an. Ein aufregender, aber schöner Tag ging langsam zu Ende.

Drei Jahre später kam es zu der folgenden, fast unglaublichen Geschichte, die unser aller Leben in Bechhof und auch in Sakun bis heute geprägt hat. Dass wir drei junge Freunde dabei eine so große Rolle spielen sollten, hätten wir uns nie zu träumen gewagt. Diese Geschichte muss erzählt werden und darf nicht in Vergessenheit geraten. Sie betrifft alle Bewohner von Bechhof und Sakun und noch alle folgenden Generationen. Ich will sie Euch hier gerne erzählen. Sie ist ein sehr wichtiges Kapitel in der Geschichte der Einwohner von Bechhof und Sakun.

Doch nun, von Anfang an.

Der Auftrag

Als ich gerade einmal 15 Jahre jung war, hat mich meine Mutter zu unserem beliebten Dorfarzt Doktor Myar geschickt. Nicht, weil ich krank war, sondern weil der Doktor Hilfe brauchte. Das machte ich gerne, denn unser Doktor war ein sehr netter Mann, der uns allen schon oft geholfen hatte. Er war damals schon über 70 Jahre alt und arbeitete immer noch. "Solange ich laufen kann, bin und bleibe ich euer Doktor.", sagte er immer. Wehe, wenn ihn jemand fragte, wann er sich denn mal zur Ruhe setzen will, dann kam sein Lieblingsspruch: "Wenn ich nicht mehr arbeiten kann, werde ich zu meinem Patienten. Gott bewahre mich davor." Der Doktor hatte das Herz am rechten Fleck und nahm sich selber nicht so wichtig. Doch jetzt brauchte auch er einmal Hilfe. Der Mann, der schon jeden im Dorf mindestens einmal medizinisch versorgt hatte. Zu Doktor Myars Haus, wo er auch behandelte, war es nicht so weit. Ich habe mal die Schritte gezählt, weil mir das Spaß machte und kam auf 352. Ich klingelte an seinem schönen Haus und nach kurzem Warten öffnete die Schwester von Doktor Myar die schwere Holztür. "Hallo Roon, schön, dass du kommen konntest.", sagte sie und bat mich einzutreten. Meine Freunde Malt und Tammu waren schon da und alle warteten auf mich. In so einem kleinen Dorf kennt jeder jeden. Die Schwester von Doktor Myar war sichtlich betroffen und ging gleich zu der geschlossenen Schlafzimmertür ihres Bruders und sagte: "Mein Bruder ist schwer krank und darum meine Bitte, verhaltet euch bitte leise. Es sind seine Nerven, die ihm so schwer zu schaffen machen. Er bittet euch um eure Hilfe. Bitte geht zu ihm, er wird es euch gleich erzählen. Ich hoffe, es ist euch möglich, ihm zu helfen." Langsam öffnete sie die Tür zum Schlafzimmer, um ihren Bruder nicht zu erschrecken. "Sie sind jetzt alle da.", flüsterte sie ihrem Bruder zu. Doktor Myar war sehr schwach und sprach mit leiser Stimme: "Kommt näher, Jungs, kommt näher." Wir gingen an sein Bett heran. Er reichte uns allen seine Hände. "Lieber Roon, lieber Tammu, lieber Malt, ich danke euch, dass ihr alle gekommen seid. Ich weiß noch als wäre es gestern gewesen, als ich euch dreien auf die Welt half. Im gleichen Jahr seid Ihr zur Welt gekommen. Doch heute bin ich alt, schwach und krank." "Wie können wir Ihnen denn helfen, lieber Doktor Myar?", fragte ich etwas ungeduldig dazwischen. Der Doktor sagte leise: "Ich will es euch gerne erzählen. Ich fühle mich so schwach und krank. Ich konnte in meinem Leben so vielen Menschen helfen, wieder gesund zu werden. Doch jetzt brauche ich selbst einmal Hilfe. Ich habe eine seltene Nervenkrankheit, für die es nur ein einziges Mittel gibt, das schwer zu finden ist. Es ist das Pulver des gemahlenen blauen Porlings." Wir schauten uns alle erstaunt an. "Häh, was ist ein Porling?", fragte Tammu. Ich wusste es auch nicht. Der Doktor sprach weiter: "Der blaue Porling ist ein Pilz, der nur auf den Bergen bei den Höhen von Sihn wächst. Meine Bitte an euch ist, könnt ihr mir vier von diesen Pilzen besorgen? Ich wäre euch unendlich dankbar dafür.", sagte Doktor Myar. "Ich lasse sie nicht im Stich, Doktor Myar.", sagte ich voller Stolz, weil er uns drei fragte. "Ich bin dabei.", sagte Tammu. "Ich auch.", sagte Malt. "Danke, Jungs, ich wusste, dass ich mich auf euch verlassen kann. Ich werde euch noch genau aufmalen, wie diese Pilze aussehen, damit ihr auch die richtigen findet.", sagte der Doktor. Ich überlegte in diesem Moment, wie ich dass meiner Mutter klar machen sollte, dass ich womöglich ein paar Wochen unterwegs sein werde. Ich hoffte, dass sie es verstehen wird, denn wir wollten unserem Doktor unbedingt helfen. Tammu und Malt schauten mich an, als warteten sie nur darauf, dass ich sagte: "Los, schnappen wir uns diese Pilze." Der Doktor sprach weiter: "Auf diesem Weg zu den Höhen von Sihn werden Euch viele Feinde, Fallen und Gegner auflauern. Seid vorsichtig und das wichtigste ist, hält zusammen. Glaubt mir, nur so könnt ihr es wirklich schaffen." Kurz danach verlangte er sich ein weißes Stück Stoff und einen Kohlestift. Dann malte er auf den Stoff einen Pilz, den keiner von uns je gesehen hatte. Der Doktor war ein richtiger Künstler, es fehlte nur noch die blaue Farbe. Der Doktor sagte: "Haltet den Pilz gegen den Himmel. Der Pilz muss nur ganz leicht dunkler sein, als das Himmelblau, dann hat er die richtige Blütezeit erreicht. Ach, ich vergaß, er wächst am liebsten auf alten Baumstümpfen. Am besten auf den Haichenbäumen. In meinem Garten steht so ein altes Exemplar." Erschöpft fiel Doktor Myar zurück auf sein Kissen und stöhnte. "Bitte geht jetzt alle, mein Bruder braucht jetzt Ruhe. Wenn sein Gesicht diese rote Farbe annimmt, braucht er sofort Ruhe. Ich sage euch allen erstmal vielen Dank für euer Kommen und vielen Dank für euern guten Willen. Auch im Namen meines Bruders.", sagte die besorgte Schwester und begleitete uns zur Tür. Ich stecke noch schnell die Zeichnung ein. Dann verließen wir leise das Haus von Doktor Myar. Auf dem Heimweg sprachen wir über nichts anderes als über unser fantastisches Abenteuer.

Der Blauporling

Der Abschied