Rough - Drucie Anne Taylor - E-Book
Beschreibung

Die junge Texanerin Camille will nichts Anderes, als in Ruhe zu studieren, doch Delsin Rough, der Frauenschwarm des Colleges, macht ihr einen Strich durch die Rechnung. Er ist alles, was sie nicht will. Bemüht darum, ihn eigentlich loszuwerden, lässt sie Delsin dennoch immer näher an sich heran, bis das Unvermeidbare passiert. Sie verliebt sich. Allerdings gönnt ihnen nicht jeder diese Beziehung, weshalb Camille sich schon bald gezwungen sieht, vor ihren Gefühlen zu Delsin davon zu laufen. Bloß stellt Delsin eine Versuchung dar, der sie nur schwer widerstehen kann.

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MOBI

Seitenzahl:334


Drucie Anne Taylor

Rough

Raue Versuchung

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Danke

Impressum neobooks

Kapitel 1

»Rough! Rough! Rough!«, bellt die Menge, die um die Halfpipe herumsteht, während ich versuche, den zahlreichen Sprüngen der beiden Skateboarder zu folgen. Es ist ein Battle in einem Wettbewerb. Delsin Rough ist der unumstrittene Champ hier auf dem Campus, wahrscheinlich auch sonst in seinem Leben. Er ist in einer Fraternity, was ich persönlich bescheuert finde, aber wem es hilft, mein Gott, der soll's eben tun. Mein Name ist Camille Brooks und ich bin 19 Jahre alt. Ich studiere Biologie und Chemie im zweiten Semester, doch das habe ich fast hinter mich gebracht, denn die Sommerferien stehen vor der Tür und ich freue mich auf zu Hause.

Delsin Rough ist ein rauer Kerl, wie sein Name schon sagt. Er ist hochgewachsen, trägt meistens ein Basecap und steht wohl auf Grunge, denn genau so läuft er herum. Er ist der Sohn von irgendeinem Skateboard-Profi, der sogar Computerspielen seinen Namen leiht. Für alle Mädels an der Schule der perfekte Freund, denn eigentlich müsste er gar nicht studieren, da er Geld wie Heu hat, aber für mich ist er genauso ein Angeber wie seine Verbindungsbrüder. Er gehört zur Pi Kappa Phi Fraternity der University of Miami, unter den Studenten häufig nur 'The U' genannt. Warum ich das alles weiß? Man hört viel über ihn. Delsin ist der Schwarm aller Blondierten und der Würgereizauslöser aller Intelligenten. Also auch einer von mir. Ich weiß gar nicht, warum ich mir diese ganzen Geschichten immer wieder anhöre. Das hängt wohl mit meiner besten Freundin Hailey zusammen, die einmal mit ihm auf der Rückbank seines Autos gelandet ist, und danach nie wieder nur in seiner Nähe war. Thalia, die mit Hailey und mir in einer WG lebt und zu einer meiner besten Freundinnen geworden ist, ist ebenfalls mit ihm im Bett gelandet.

Ich weiß gar nicht, wie oft ich schon über die Sachen von irgendwelchen Kerlen bei uns gestolpert bin, weil die beiden meinen, sie müssten das College mit jeder Menge Sünden absolvieren. O Gott, jetzt klinge ich total frigide und prüde, dabei bin ich das gar nicht.

»Hey, Sweetie«, sagt Avery, mit ihm habe ich mich sehr gut angefreundet, nachdem wir uns besser kennengelernt hatten.

»Hey, Knackarsch«, grinse ich zu ihm hoch, dann schaue ich wieder zu den beiden Skatern.

»Rough! Rough! Rough!« Es klingt wirklich wie das Gebell von Hunden!

»Mann, was gibt der Penner wieder an«, schmunzelt Avery, als er Delsin ebenfalls zusieht. Was ich dazusagen muss, er ist Delsins bester Freund und gehört damit eigentlich zu meinen Feinden, aber ich schere ihn nicht mit diesem Schwachkopf über einen Kamm.

»Etwas anderes kenne ich nicht von ihm«, erwidere ich genervt.

Hailey hat mich hierhergeschleppt und ist dann mit irgendeinem Kerl abgezogen, den ich aus meinen Lehrveranstaltungen kenne. Nathaniel oder so heißt er. Eigentlich völlig egal.

»Na, Camille, du solltest nicht so hart mit ihm sein. Er genießt das Leben«, sagt Avery.

»Das tue ich auch und trotzdem verhalte ich mich nicht wie eine orientalische Haremsdame«, kontere ich.

Avery fängt an zu lachen. Er schüttelt sich geradezu. »Das ist nicht schlecht. Ich glaube, so nenne ich ihn ab jetzt.«

Ich kichere. »Dann mach das. Du kannst ihm auch sagen, dass es aus tiefstem Herzen kam.«

»Du kannst ihn echt nicht ausstehen«, stellt er einmal mehr fest.

»Kann ich wirklich nicht. Er hat meine beiden besten Freundinnen flachgelegt und sie danach fallen lassen, als hätten sie … Was sagt ihr immer? Sackratten? Gut, die kann eine Frau nicht haben, aber das war verdammt scheiße von ihm«, murre ich.

»Rough! Rough! Rough!« Nun jubeln es die Leute, die diesen Volldepp so anhimmeln. Er ist der Star der Uni, während ich ein kleines Licht bin, das ich übrigens gerne bin und bleibe.

»Sind die jetzt endlich fertig?«, frage ich genervt.

»Sieht so aus. Komm mit!«, antwortet er und ergreift meine Hand. Dann zieht er mich durch die Menge, bis an den Rand der Halfpipe, in der Delsin eben noch gefahren ist. Kaum stehen wir dort, kommt er zu uns.

»Hey, Alter. Alles klar? Wer ist die Kleine an deiner Hand?«, grüßt Delsin Avery.

»Die Kleine hat einen Namen«, mische ich mich ein, noch bevor Avery etwas sagen kann.

Er sieht mich an. Dunkelgrüne Augen fixieren meine braunen Augen. »Und wie lautet der?«

»Das wiederum geht dich nichts an, aber ich bin keine Kleine!«, schnauze ich ihn an.

Delsin hebt abwehrend die Hände. »Woah! Fahr die Krallen ein, Kätzchen.«

Avery schmunzelt neben mir. »Darf ich dir Camille vorstellen?«

Ich verdrehe die Augen. »Na danke«, murmele ich.

»Camille, das ist Delsin Rough«, stellt er mir seinen Freund vor, dem ich bisher erfolgreich ausgewichen bin.

»Freut mich, Camille. Ich gebe dir besser nicht die Hand, irgendwie hab ich Angst, dass du sie mir abreißt«, grinst Delsin.

Am liebsten würde ich ihm eine reinhauen. Diese selbstsichere Art und diese Überzeugung, dass er der unwiderstehlichste Mann auf Erden ist, widern mich an. »Keine Angst. Ich reiße dir deine 'Spirit Fingers' nicht ab, sonst kannst du ja keine Frauen mehr beglücken«, kontere ich und schaue Avery an. »Ich hau ab. Hailey ist sowieso mit irgendeinem Kerl abgezogen, von daher muss ich nicht länger bleiben und mir den Quatsch hier antun.«

»Alles klar, Sweetie. Sehen wir uns später noch?«, fragt Avery.

Ich spüre, wie die Hitze ungebremst in meine Wangen schießt. »Ähm … Wenn du willst.«

Delsin lacht. »Meine Fresse seid ihr süß.«

Bevor ich mich versehen kann, balle ich die Hand zur Faust und boxe ihn gegen den Oberarm. »Halt's Maul, Mann.«

Avery blickt mich mit weit geöffneten Augen an, dann fasst er an meinen Oberarm und zieht mich etwas von Delsin weg. »Okay. Du kannst ihn ums Verrecken nicht ausstehen, aber du musst meinen besten Freund nicht gleich zusammenschlagen«, schmunzelt er.

»Oh, der hätte teeren und federn verdient«, grummele ich.

»Ich weiß, aber ich kenne ihn seit meiner Kindheit und … Keep Calm, Camille. Du bist doch sonst nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen.«

Ich seufze. »Tut mir leid?«, frage ich in möglichst unschuldigem Ton.

Avery zeigt mir sein strahlend weißes Lächeln, das seine dunkelblauen Augen zum Glänzen bringt. Anschließend umarmt er mich sanft. »Du bist süß, Sweetie Tweetie. Ich hole dich heute Abend ab. Wirf dich in Schale, denn wir gehen auf eine Party meiner Fraternity.«

Ich drücke ihn kurz an mich, danach löse ich mich von ihm. »Okay. Um wie viel Uhr?«

»Ich bin gegen acht bei dir.«

Ich lächele ihn an. »Gut, dann bis acht.«

Seine etwas zu langen schwarzen Haare flattern im Wind. Averys Augen glänzen. Seine Haut ist braun. Er ist ein Traumtyp, aber ich habe mir geschworen, mich niemals auf einen Womanizer – wobei Avery eher zu den bodenständigen Lernwilligen gehört - einzulassen, denn die hat man nie für sich allein. Klingt jetzt vielleicht blöd, aber ich hätte schon gern einen nerdigen Typen am Start. Keinen ungepflegten Hardcore-Gamer, sondern einen klugen Kopf, der nett aussieht, aber nicht so schön ist, dass ihm die Mädels in Scharen hinterherlaufen.

»Bis heute Abend, Sweetie.« Avery beugt sich zu mir herunter und küsst meine Stirn. »Ich freu mich.«

Ich zwinkere ihm zu, anschließend kämpfe ich mich durch die Menge von wild gewordenen Barbies, die zu Delsin wollen.

»Rough ist der King. Rough ist der King«, grölen ein paar seiner Verbindungsbrüder, an denen ich mich vorbei drängele. Sie stinken nach Bier und ich frage mich, ob sie bis zur Party trinken und dann in ihre Betten fallen oder zwischendurch pausieren.

Was auch immer. Ich will jetzt erst mal nach Hause und dann muss ich schon duschen, denn von hier aus bin ich eine Stunde bis zu meiner Wohnung unterwegs. Es sind nur noch vier Stunden bis acht Uhr, die sollte ich nutzen, um mich zu waschen und noch ein wenig zu lernen, bevor ich mich dann aufhübsche.

♥♥♥

Endlich hab ich mein Auto erreicht. Ich fahre einen alten Ford Mustang. Ein Muscle Car, das mein Stiefvater mir zu meinem 16. Geburtstag geschenkt hat. Ich liebe diesen Wagen einfach.

Nachdem ich das Verdeck meines roten Mustangs geöffnet hatte, steige ich ein und starte den Motor. Ich habe überhaupt keine Ahnung, was ich anziehen soll. Vielleicht das kurze rote Kleid mit dem Neckholder. Immerhin bringt das meine Beine zur Geltung und es ist einfach ein verdammt heißes Stück. Avery hat es für mich ausgesucht, als wir vor ein paar Wochen shoppen waren und bisher hat sich einfach nicht die Gelegenheit geboten, um es anzuziehen.

Ja, ich denke das rote Kleid und schwarze High Heels werden gut aussehen.

Kapitel 2

Kurz vor acht Uhr. Aufgeregt stöckle ich durch die Wohnung. Hailey und Thalia haben ein paar Flaschen Bier gebunkert, von denen ich mir eins stibitzt und getrunken habe, um mich aufzulockern. Es klopft an der Tür. Ich drehe mich so schnell herum, dass ich stolpere und der Länge nach auf die Nase falle. »Scheiße!«, fluche ich, als ich mich aufrappele. Hoffentlich ist meine Frisur nicht im Eimer. Gut, aufwendig gestylt habe ich meine langen Haare nicht, aber sie sollten schon so liegen bleiben, wie ich sie gekämmt habe. Es klopft wieder. »Ja ja, ich komme schon«, rufe ich und humple zur Wohnungstür.

Es wundert mich, dass meine Freundinnen nicht da sind, aber ich störe mich nicht daran. Schließlich öffne ich die Tür. »Hey, Avery«, grüße ich ihn lächelnd und lasse mich von ihm in eine Umarmung ziehen.

»Sweetie Tweetie, du siehst verdammt heiß aus«, erwidert er, als er sich von mir löst und ich mich einmal vor ihm drehe.

»Nur für dich«, gluckse ich.

Daraufhin beugt er sich zu mir und küsst meine Wange. »Und du riechst, wie immer, verdammt gut.«

»Danke«, sage ich leise. Dann mustere ich ihn. »Du siehst auch heiß aus in deinen Jeans, Sneakers und dem Hemd.« 'Will der mich verarschen? Wofür sollte ich mich denn so aufstylen?', frage ich mich in Gedanken. Er trägt eine ausgewaschene used Look Jeans, weiße Sneakers und ein schwarzes Nadelstreifenhemd. Schlecht sieht er nicht aus, allerdings geht er so auch in die Vorlesungen.

»Ich sähe anders aus, wenn mir Delsins Schnalle nicht aufs Outfit gekotzt hätte«, knurrt er.

Ich pruste los. »Sorry, aber scheinbar finde nicht nur ich ihn zum Kotzen.«

Avery lacht. »Du kannst so richtig schön gemein sein, weißt du das?«

Ich nicke gewichtig. »Ja.« Dann grinse ich ihn frech an.

»Und es gefällt mir.« Er zwinkert mir zu. »Können wir los?«

»Ja, muss nur noch meine Handtasche holen.« Mit den Worten eile ich schon ins Wohnzimmer, ziehe meine enge Jeansjacke über und nehme meine Handtasche an mich. Danach laufe ich zurück zu Avery. »Da bin ich schon wieder.«

»Großartig. Dann hopp.« Er nickt zur Seite, also zum Treppenhaus, und ich verlasse die Wohnung. Nachdem ich abgeschlossen hatte, gehen wir raus und spazieren langsam zum Haus der Pi Kappa Phi Fraternity. Dort sind fast nur Sportler drin, die beliebtesten Kerle hier auf dem Campus, doch ebenso die größten Weiberhelden. Avery ist anders als diese Kerle. Er ist einzigartig und springt nicht durch die Betten. Er meinte mal zu mir, dass er kein Interesse daran hätte, die Herzen der Mädels zu brechen, sondern sich lieber aufs Lernen konzentriert. Eine Einstellung, die ich natürlich gutheiße.

»Delsin war ziemlich sprachlos wegen deines Auftritts«, sagt er auf einmal, als wir über den Gehweg spazieren.

Ich lache leise. »Na ja … Ich wollte mir nichts gefallen lassen, außerdem soll er wissen, dass er nicht so unwiderstehlich ist, wie er denkt.«

»Ich glaube, mit der Meinung stehst du ziemlich alleine da.«

»Das ist mir egal. Er beeindruckt mich überhaupt nicht und das soll er wissen«, erwidere ich.

»Du weißt, dass du jetzt seine Herausforderung für dieses Semester sein wirst, oder?«, fragt Avery.

Ich bleibe stehen und starre ihn an. »Was heißt das?«

Nervös tritt er von einem Fuß auf den anderen. »Also Delsin war beeindruckt und du stehst nicht auf ihn … Das ist etwas, was er überhaupt nicht ausstehen kann. Er möchte einfach, dass du ihn magst.«

»Hinter diesem ganzen Selbstbewusstsein ist er doch ein recht einsamer Kerl, der darauf hofft, die Richtige zu finden, was?«, erkundige ich mich amüsiert.

»Ich denke schon.«

»Komm schon, Ave! Du weißt ganz genau, wie dein bester Freund tickt.«

»Schon, aber deshalb binde ich es meiner besten Freundin nicht auf die Nase, weil ich weiß, dass sie ihn nicht leiden kann«, grinst er.

Ich verdrehe amüsiert die Augen. »Na gut. Dann muss ich mich wohl in Acht nehmen, damit er mir nicht zu nahe kommt.«

»Womit wir beim nächsten Punkt wären … Er ist heute Abend alleine dort, weil Cay ihn angekotzt hat, und wird sich wohl an uns hängen«, lässt er mich wissen, als wir die Fraternity fast erreicht haben. Ich wohne nicht weit vom Verbindungshaus der Pi Kappa Phi weg, weshalb wir überhaupt zu Fuß gegangen sind.

»Das kann ja was werden«, seufze ich.

»Bitte ignorier ihn einfach, wenn er dich nervt. Okay?«

Ich salutiere lachend. »Aye, Sir!«

Avery führt mich ins Gebäude, aus dem laute Musik dröhnt. »Scheint schon in vollem Gange zu sein«, brüllt er über die Bässe hinweg.

Ich nicke mit zusammengekniffenen Augen. »Scheint ganz so.«

Avery führt mich in die Küche, wo es nicht ganz so laut ist. »Was willst du trinken?«

»Ein Bier vielleicht?«, erwidere ich.

»Alles klar. Kommt sofort. Lauf nicht weg«, sagt er gut gelaunt.

»Niemals«, lächele ich und setze mich auf einen Hocker.

Avery lässt mich inmitten von flirtenden sowie trinkenden Studenten allein.

»Camille«, kreischt Tayo, eine Kommilitonin von mir, die in der Zeta Beta Tau Fraternity oder so ist, und fällt mir um den Hals.

»Hey, Tayo«, grüße ich sie und umarme sie kurz. Sie riecht nach Alkohol und billigem Parfum. Eigentlich haben wir nie etwas miteinander zu tun, weshalb mich diese Zuneigung überrascht.

»Alles klar bei dir? Du siehst heiß aus«, sagt sie.

»Ja. Danke. Und bei dir?«

Sie nickt, dabei tanzen ihre schwarzen Locken um ihre schokoladenbraune Haut. Tayo ist verdammt hübsch.

»Ich geh mal weiter. Tristan wartet irgendwo in dem Pulk da hinten auf mich«, erwidert sie dann.

»Okay. Viel Spaß euch beiden.«

Tristan ist ihr Freund, der auch zu dieser Fraternity gehört. Er ist ein netter Kerl und gehört auch zu Averys Clique.

»Danke. Dir auch.« Danach tanzt Tayo davon.

Lächelnd sehe ich ihr hinterher, wobei ich mich frage, wo Avery so lange steckt. Das Fass steht doch gar nicht so weit weg.

»Wenn du lächelst, bist du viel hübscher«, raunt mir jemand zu.

Ich zucke zusammen, dann drehe ich den Kopf. Mein Lächeln erfriert, als ich Delsin Rough neben mir sehe. »Ich lächle nur für Leute, die ich mag.«

Sein Mundwinkel zuckt nach oben. »Vielleicht schaffe ich es ja, dass du mich ein wenig magst und mal für mich lächelst«, grinst er.

Ich verdrehe die Augen. »Vielleicht, aber ich gehe davon aus, dass vorher die Hölle zugefroren ist.« Ich zwinkere ihm zu.

»Aaaaah, Camille, brich mir nicht das Herz. Gib's zu, tief in den …«

Ich hebe skeptisch eine Augenbraue.

»Okay. War falsch davon auszugehen, dass jemand wie du Bedenken dabei hat«, meint er schulterzuckend, woraufhin ich schmunzle.

Sofort halte ich mir die Hand vor den Mund.

»Ha! Geschafft«, freut er sich.

»Du hast mich unvorbereitet getroffen«, kontere ich.

»In Ordnung … Was bekomme ich, wenn ich dich noch mal zum Lachen bringe? Deine Handynummer?«

»Okay.«

»Und es ist egal, wie ich dich zum Lachen bringe?«, fragt er.

»Kein Kitzeln«, antworte ich. Ich bin höllisch kitzelig, und wenn er das spitzkriegt, bin ich verloren, denn das würde Delsin sicher ausnutzen.

»Witze sind also in Ordnung?«

Ich stöhne genervt. »Meine Güte, Delsin. Versuch dein Glück einfach und dann sehen wir weiter.«

Wie heute Nachmittag hebt er abwehrend die Hände. »Ist ja gut, Kätzchen. Dann ein Witz. Ich warne dich vor. Ich kenne fast nur fiese Witze.«

»O Gott, das kann ja was werden«, murmele ich und wünsche mir, dass Avery schnell zurückkommt.

»Ach, bist du durstig?«, fragt Delsin.

»Ein wenig, aber Avery ist unterwegs, um mir ein Bier zu holen«, erwidere ich.

Er reicht mir seinen Becher, den ich annehme. »Danke, Delsin.«

»Nichts für ungut. Aber trink's nicht aus.«

»So charmant … Ich frage mich, wie du die ganzen Weiber flachlegst.«

Er schmunzelt. »Indem ich so charmant bin, wie jetzt.«

»Und was ist mit dem Witz? Oder soll ich einfach über dich lachen?«, möchte ich wissen und klimpere absichtlich mit den Wimpern.

»Damit wäre mir deine Handynummer sicher«, kontert er.

'Selbstsicherer Affenarsch', denke ich brummig und warte darauf, dass er mir endlich den Witz erzählt.

»Gut … Der Witz … Ein Betrunkener wird mit einem Penisbruch ins Krankenhaus eingeliefert. Der Arzt fragt entsetzt: 'Wie haben sie das fertiggebracht?'Lallt der Betrunkene: 'Wenn ich den Scheißkerl erwische, der das nackte Weib auf die Mauer gemalt hat.'«

Die Pointe kommt genau in dem Moment, in dem ich trinke. Ich muss so sehr lachen, dass ich das Bier quer über die Theke vor mir spucke. »Tut mir leid.«

Delsin schmunzelt neben mir. »Womit wir dann bei deiner Handynummer wären. Sag an«, verlangt er.

Nachdem ich mit dem Handrücken über mein Kinn gewischt hatte, sage ich ihm meine Nummer an. Was er glücklicherweise nicht weiß, ist, dass ich zwei Handys habe. Letzte Woche habe ich mir einen neuen Vertrag gemacht und die Handynummer, die ich ihm gegeben habe, ist von meinem alten Mobilfunkvertrag, der in drei Tagen ausläuft. Glücklicherweise habe ich derzeit beide Handys dabei.

Er tippt die Nummer in sein Iphone ein, dann ruft er mich an. Mein Handy spielt 'I wish I was a Punkrocker' von Sandi Thom. »Jetzt hast du auch meine Nummer.«

»Danke. Ich dachte schon, dass ich sämtlichen Mädels hier unter den Rock schauen muss, in der Hoffnung, dass sie auf irgendeinem Slip steht«, grinse ich.

»Woah, Kätzchen, fahr die Krallen ein«, lacht er.

»Was ist denn so witzig?«, fragt Avery, der sich mit drei Bechern zu uns gesellt hat.

»Camille spielt wieder Tiger«, antwortet Delsin.

Avery nickt langsam. »Interessant.« Dann reicht er mir mein Bier.

»Danke. Wieso warst du solange weg?«, möchte ich wissen.

Avery schaut mich nachdenklich an. »Ich habe mich noch mit Tristan unterhalten und dann kam der Spinner hier neben mir vorbei und hat mich darum gebeten, ihm auch eins mitzubringen.«

Ich nicke langsam. »Cheers.« Anschließend trinke ich einen großen Schluck.

Delsin und Avery lassen mich nicht aus den Augen.

»Du hast einen ordentlichen Zug drauf«, stellt Delsin beeindruckt fest, als er in meinen Becher schaut.

»Ja und?«, frage ich.

»Nichts weiter. Ich bin nur beeindruckt.«

»Ah, okay«, erwidere ich. Danach schaue ich Avery an. »Du willst nicht zufällig eine rauchen, oder? Ist ziemlich warm hier drin.«

»Gerade nicht. Tut mir leid«, entgegnet er.

»Aber ich würde gern eine rauchen.« Delsin ergreift mein Handgelenk und zieht mich vom Hocker. Er ist so ruppig, dass ich ihm in die Arme falle. Sofort versuche ich, mich aufzurappeln, doch er hält mich fest. »Du sollst dich mir doch nicht zu Füßen werfen«, scherzt er.

»Arschloch«, knurre ich und trete ihm mit voller Absicht auf den Fuß.

»Scheiße!«, flucht er und lässt mich endlich los. »Oh Mann! Du solltest echt mal die Krallen einfahren.«

»Und du solltest dir Manieren zulegen«, motze ich, nehme meinen Becher und gehe durch die Hintertür nach draußen. Über den unebenen Rasen stolpere ich zu einem Baum, der ziemlich verloren aussieht, aber wenigstens etwas Schutz und Ruhe bietet, was ich im Haus beides nicht habe.

»Camille?«, ruft Delsin, der mir scheinbar gefolgt ist.

Ich drehe mich zu ihm um, als ich mich an den Baumstamm lehne. »Was willst du denn schon wieder?«

Er kommt vor mir zum Stehen und mustert mich. »Tut mir leid. Ich wollte dich nicht so anmachen.«

Ich schüttele den Kopf, anschließend trinke ich wieder einen Schluck. »Schon okay. Vergiss es einfach.«

Delsin legt seine Hand neben meinen Kopf und betrachtet mich. »Du bist nicht sauer?«

»Nein, nachdem ich gesagt hatte, dass Manieren dir guttun würden, bin ich sogar ziemlich ruhig.«

Mit der freien Hand reibt er sich den Nacken. Ich mustere ihn. Die dunkelbraunen Haare trägt er etwas länger und sein Pony hat er quer über seine Stirn gekämmt. Er trägt ein schwarzes Hemd, den obersten Knopf offen, und eine ausgewaschene Bluejeans. Seine Muskeln zeichnen sich deutlich unter seiner Kleidung ab, obwohl er nicht übermäßig muskulös ist. Bei ihm ist es genau die richtige Mischung. 'Denk sofort an etwas anderes!', tadle ich mich.

»Wie wäre es, wenn du mich erst mal kennenlernst, bevor du mich verteufelst?«, fragt er.

Wieder trinke ich einen großen Schluck. »Warum sollte ich?«

»Weil ich denke, dass wir ziemlich gute Freunde werden könnten«, sagt er gelassen.

Ich lache gespielt. »Denke ich nicht.«

»Warum nicht?« Nun legt er den Kopf schief und seine Augen funkeln im Licht der Gartenlaternen.

»Weil du meine besten Freundinnen flachgelegt und sie danach fallen gelassen hast, als hätten sie irgendeine Geschlechtskrankheit«, erwidere ich schnippisch.

Delsin zieht die Hand zurück und schiebt sie in seine Hosentasche. »Das ist nun mal meine Art. Ich genieße mein Leben und deine Freundinnen waren ziemlich anhänglich, denke ich, sonst wäre ich nicht so mit ihnen umgesprungen. Normalerweise serviere ich keine Tussi so herzlos ab.«

»Tussi?«, frage ich aufgebracht. »Nenn meine besten Freundinnen noch einmal so und du lernst mich richtig kennen!«

Delsin lacht laut. »Ich mag es, wenn du so aus der Haut fährst.« Dann drängt er mich gegen den Baumstamm, hebt mein Kinn an und schaut in meine Augen. »Droh mir noch mal«, raunt er.

»Lass mich los«, erwidere ich stattdessen.

»Nein.«

Ich kämpfe gegen ihn an, aber er ist zu stark für mich. »Lass mich, verdammt noch mal, endlich los, du dämlicher Penner!«, schnauze ich ihn an.

Er schüttelt den Kopf und wirkt ziemlich cool.

»Ich reiß dir den Arsch auf, wenn du mich jetzt nicht endlich loslässt!«

Delsin sagt nichts, sondern drückt seine Lippen auf meine. Überfordert presse ich den Mund zu, falls er einen Versuch wagt, mir die Zunge in den Hals zu schieben.

Dann nimmt er mein Gesicht in seine Hände und löst sich von mir. »Du bist so verdammt sexy, wenn du wütend bist.« Er grinst und es vergeht ihm nicht, als ich ihn ohrfeige.

»Du Scheißkerl!«, schreie ich, schubse ihn weg und gehe zurück zum Haus.

»Ach komm schon, Camille. Du kannst mir doch eine Chance geben«, ruft er mir hinterher.

»Vorher friert die Hölle ein!« Ich stapfe ins Haus. Avery ist nicht in der Küche, weshalb ich mich auf die Suche nach ihm mache. Genervt schiebe ich mich zwischen den Gästen hindurch, dabei halte ich die Augen nach ihm offen.

Einmal dränge ich mich durch die ganzen Leute, bis ich im Flur stehe. Ich sehe Ty, einen weiteren Pi Kappa Phi, der öfters bei Avery und mir am Tisch sitzt, wenn ich mich mal in der Cafeteria blicken lasse.

»Hey, hast du Avery gesehen?«, frage ich laut.

Er schaut zu mir. »Ja, der ist mit Pearl nach oben gegangen. Keine Ahnung, was sie treiben, aber ich gehe davon aus, dass es heiß hergeht«, antwortet er grinsend.

»Tolle Sache«, maule ich. »Kann ich ein bisschen bei dir bleiben? Mein Begleiter ist ja mit seinem Schwarm abgezogen.«

Ty nickt. »Klar. Willst du ein Bier?«

»Ja. Bitte.«

Er dreht sich weg und zapft mir ein frisches Bier. Mir war gar nicht aufgefallen, dass er gleich neben dem Fass steht. Dann reicht er mir den Becher.

»Danke, Ty.« Wir stoßen an, anschließend trinke ich einen großen Schluck.

»Willst du vielleicht tanzen?«, erkundigt er sich.

Ich schaue auf die provisorische Tanzfläche im Wohnzimmer. »Die drängen sich da ziemlich eng aneinander.«

»Dann tanzen wir einfach hier«, schlägt er vor und zieht mich an sich. Es geht so schnell und ruckartig, dass mir der Becher runterfällt. »Scheiße!«, fluche ich. »Tut mir leid.«

Ty zuckt mit den Schultern. »Ist egal. Die Putzkolonne räumt morgen auf.«

»Okay«, erwidere ich immer noch peinlich berührt.

Schließlich legt er seine rechte Hand an meine Hüfte und seine linke in meinen Rücken, so drückt er mich enger an sich. Ty fängt an, sich im Takt mit mir zu bewegen. Ich schwinge die Hüften, während irgendein Hip-Hop Song aus den Boxen plärrt, den ich überhaupt nicht kenne. Mit jeder Sekunde werde ich sicherer und gehe auch etwas ran. Meine Hände streicheln über Tys Oberarme und seine Brust. Man merkt, dass er viel Sport treibt. Football, glaube ich. Er ist der Tackle oder so, aber da ich mich mit Football überhaupt nicht auskenne, weiß ich es auch nicht sicher. Seine Hand wandert auf meinen Po, wo er fest zugreift.

»Au«, quietsche ich und presse mich gegen ihn.

Er lacht leise. »So gefällt mir das irgendwie besser.« Ty schaut in meine Augen, dann neigt er den Kopf und nähert sich meinen Lippen.

Ich beuge mich immer weiter nach hinten, um diesem Kuss zu entgehen, doch er folgt mir mit seinem Oberkörper.

'Sind die hier denn alle triebgesteuert?', überlege ich, als auch schon an mir gezogen wird. Ich stolpere, doch legt jemand seinen Arm um mich.

»Bist du bescheuert, Mann?«, brüllt er Ty an.

Ich hebe den Blick, da ich es immer noch nicht richtig glauben kann, dass Delsin mir nach der Ohrfeige zu Hilfe gekommen ist.

»Sorry, Camille. Ich dachte, du willst es auch«, entschuldigt sich Ty bei mir.

»Schon okay«, erwidere ich.

»Schon okay?«, hakt Delsin aufgebracht nach.

Ich nicke langsam. »Er hat sich doch entschuldigt und es ist nichts passiert. Also ist alles okay.«

Delsin schnaubt, dann blickt er Ty wieder an. »Wir zwei sprechen uns noch!«

»Delsin, hör auf hier den dicken Macker zu markieren. Bitte«, mische ich mich ein, anschließend ziehe ich ihn aus dem Raum und an die frische Luft.

»Ich sollte ihn umbringen«, knurrt er.

Ich verdrehe die Augen und gehe einfach ein Stück mit ihm, bis wir eine Bank erreicht haben, auf die ich mich setze. »Es ist wirklich okay. Wir haben alle Alkohol getrunken, da kann man schon mal etwas falsch deuten.«

Er schnaubt wieder, dann zündet er sich eine Zigarette an. »Ich habe rot gesehen. Tut mir leid.«

»Warum tut es dir leid? Du hast mir geholfen und das war nett von dir«, erwidere ich. »Danke, Delsin.«

Daraufhin sieht er zu mir herunter. »Ich hätte ihm fast einen Kinnhaken verpasst.«

Ich klopfe neben mich auf die Bank und er lässt sich neben mich plumpsen. »Und was hätte das gebracht?«

»Für Ty wäre es eine Lektion gewesen, dass man so nicht mit einer Frau umgeht.«

»Deshalb gehst du ja auch so gut mit Frauen um«, murmele ich.

Er lacht leise. »Die Mädels, die sich auf mich einlassen, wissen, dass ich nur meinen Spaß haben will. Stell dir vor, sie wollen auch Spaß haben. Es passiert einvernehmlich.«

Ich seufze. »Ich bezweifle, dass du zu meinen Freundinnen so offen warst.«

»Wer sind deine Freundinnen?«, fragt er.

»Hailey Osment und Thalia Leroux«, antworte ich.

»Die Namen sagen mir überhaupt nichts«, gibt er zu.

»Ich würde sie auch vergessen, wenn ich täglich eine andere Frau im Bett habe«, kontere ich.

»Könnten wir vielleicht mal das Thema wechseln? Ich steh nicht so darauf, wenn du mir ständig Vorwürfe machst, weil ich mein Leben genieße.«

»Okay. Wechseln wir das Thema. Worüber willst du reden?«, erkundige ich mich interessiert.

»Was studierst du?«

»Naturwissenschaften und du?«

Delsin lächelt. »Was denkst du denn?«

Meine Augenbraue schießt in die Höhe. »Ich denke, dass du mir eine Antwort geben solltest, sonst werde ich ab sofort auch ausweichen.« Danach grinse ich ihn frech an.

»Ich studiere Architektur«, schmunzelt er.

»Womit wir mit dem Thema durch wären«, kichere ich.

Er stößt den Qualm der Zigarette aus, der eine dichte Wolke bildet. »Woher stammt dein Name? Ich habe den noch nie gehört.«

»Delsin? Das ist ein indianischer Name«, erwidert er.

»Was bedeutet er?«, frage ich neugierig.

Daraufhin lacht er. »Ich bin so.«

»Nein, ich will wissen, was er bedeutet.«

»Ich bin so.«

»Delsin, jetzt sag es mir«, verlange ich ungeduldig.

»Das tue ich doch die ganze Zeit. Mein Name bedeutet: Ich bin so«, erwidert er.

»Oh.« Ich fange an zu lachen. »Das ist peinlich.«

Er stimmt ein und wir brauchen eine Weile, bis wir uns gefangen haben. Auf einmal legt er den Arm hinter mich auf die Lehne. »Hast du Geschwister, Camille?«

Ich schüttele den Kopf. »Nicht so wirklich.«

»Was heißt das?«

»Na ja, mein Dad ist neu verheiratet und ich habe eine Stiefschwester und drei Stiefbrüder, aber mit denen habe ich nichts zu tun«, antworte ich. »Und du?«

Er grinst. »Mein Dad ist viel herumgekommen und ich weiß, dass er nicht nur in den Halfpipes unterwegs war. Ich weiß von vier Halbgeschwistern, die ich väterlicherseits habe und meine Mom hat nach mir auch noch zwei Kinder bekommen. Meine Schwestern Tiara und Chloe.«

Ich drehe mich zu ihm und betrachte ihn. Erst jetzt fällt mir der Bartschatten auf seinen Wangen auf. »Studieren die beiden auch hier?«, frage ich neugierig.

»Nein. Die beiden sind 14 und 16 Jahre alt. Es dauert noch, bis sie studieren.«

»Und deine anderen Halbgeschwister?«

»Die sind in den ganzen Staaten verstreut … Ich habe keine Ahnung, wo sie studieren, wie alt sie sind, und ob sie überhaupt irgendwas tun.«

»Hast du keinen Kontakt zu ihnen?«, möchte ich wissen, dabei lehne ich mich zur Seite und meinen Kopf auf seinen Arm. So ist es einfach bequemer.

»Wenig bis gar nicht. Zu Thanksgiving, Weihnachten und zum Geburtstag meines Dads, sonst interessieren wir uns nicht wirklich füreinander«, erzählt er.

Die Geschichte tut mir leid. Warum auch immer, aber Delsin tut mir leid. »Das ist traurig«, sage ich leise.

»Irgendwie schon, hm? Aber tröste dich, … es ist nicht dein Problem«, erwidert er, wobei er die Zigarette wegschnippt.

Ich zucke zusammen. 'Warum muss er nun die Unterhaltung kaputtmachen?' »Das stimmt. Es ist nicht mein Problem, aber ich bedaure es wirklich. Allerdings … wenn ich es mir recht überlege, würde ich auch keinen Kontakt zu dir haben wollen«, gehe ich ihn an und stehe auf.

»Camille, es tut mir leid. Ich … bin einfach nicht für Konversationen gemacht. Ich wollte dich nicht anmachen.«

»Komisch! Du willst mich nie anmachen und heute hast du es gleich mehrfach getan. Sag Avery bitte, dass ich nach Hause gegangen bin«, antworte ich und lasse ihn sitzen.

Genervt mache ich mich auf den Weg nach Hause.

»Du bist so eine verdammte Zicke, Camille«, ruft er mir hinterher.

»Und du bist ein blöder Affenarsch, Delsin!« Ich beschleunige meine Schritte, denn ich will mich nicht auf offener Straße fetzen. Es bringt so rein gar nichts, sich mit diesem Kerl anzulegen. Da ich keine Schritte höre, gehe ich davon aus, dass er mir nicht folgt, sondern noch auf der Bank sitzt.

♥♥♥

Endlich zu Hause. Die Wohnung ist immer noch verlassen. »Wo stecken die beiden nur?«, frage ich mich, als ich die Lichter einschalte.

Eigentlich ist es gut, dass ich allein bin, so kann ich in Ruhe duschen gehen und ohne Begleitgeräusche einschlafen. Denn in den letzten Tagen wurde ich vom Stöhnen meiner Freundinnen wach gehalten. Im Flur ziehe ich meine High Heels aus, die ich mit dem Fuß an die Seite schiebe, danach gehe ich ins Bad, wo ich mich aus meinem Kleid schäle.

Als ich unter der Dusche stehe, höre ich mein Handy klingeln. Allerdings bin ich zu faul, nun aus der Kabine zu springen und dorthin zu laufen, auch wenn mich nur wenige Meter von meiner Jeansjacke trennen, in der ich es verstaut habe. Nein. Ich bleibe jetzt unter dem heißen Wasser stehen und wasche meine Haare aus.

Der Klingelton verstummt und geht wieder los, verstummt und geht wieder los. Es wiederholt sich alle paar Sekunden, dass Sandi Thom mir vorträllert, dass sie sich wünscht, ein Punkrocker zu sein. Langsam reicht's mir. Ich trete aus der Dusche, schnappe mir ein Handtuch und gehe ans Handy. »Was?«, melde ich mich gereizt.

»Sweetie? Ich bin's Avery. Bist du zu Hause?«

»Ja. Warum fragst du? Delsin sollte dir doch Bescheid sagen«, antworte ich verwirrt.

»Wir kommen zu dir. Sind in fünf Minuten da«, sagt er und legt auf.

'Was war das denn jetzt?' Kopfschüttelnd trockne ich mich ab, dann wickele ich das Handtuch um meinen Körper und eile in mein Zimmer. Ein paar Mal rutsche ich fast aus, weil ich meine Füße nicht richtig abgetrocknet habe, doch ich kann mich jedes Mal rechtzeitig fangen. »Wir brauchen dringend Teppiche, statt dieser verdammten Fliesen«, fluche ich, als ich vor meinen Kleiderschrank schliddere.

Schnell hole ich mir Unterwäsche, ein langes T-Shirt und Shorts heraus.

Kaum bin ich angezogen, klopft es schon an der Tür.

»Sweetie?«, ruft Avery.

»Komme«, erwidere ich laut und eile an die Wohnungstür. »Was ist …«, ich sehe ihn mit Delsin im Schlepptau, der sturzbetrunken wirkt, »denn los?«, stelle ich meine Frage zu Ende.

»Kann ich Delsin bei dir parken? Ich muss das Auto holen und Pearl will auch nach Hause«, erwidert er.

Ich seufze. »Eigentlich würde ich ihn zu gerne auf der Parkbank schlafen lassen.«

»Bitte, Cami, tu es für mich.« Cami nennt er mich nur, wenn er mich überzeugen will. Avery weiß genau, dass ich nicht anders kann, wenn er mich mit großen Augen ansieht und so nennt.

Ich stoße die Luft aus. »Okay. Auf die Couch mit ihm.«

»Keine gute Idee, nachdem er Hailey und Thalia so … verarscht hatte«, entgegnet er nachdenklich.

»Herrgott, dann bring ihn in mein Zimmer. Mein Bett ist groß genug für zwei. Aber … wenn er mir in mein Zimmer kotzt, dann wischst du es auf, wenn du nachher zurückkommst«, sage ich drohend, doch lächle ich dabei.

»Abgemacht.« Dann kommt er herein und schleppt Delsin in mein Zimmer.

Ich folge ihnen. »Hilfst du mir, ihm die Schuhe auszuziehen?«

»Ja, wenn ich ihn in dein Bett gelegt habe.«

»Okay. Ich hole einen Eimer, falls er sich übergeben muss«, lasse ich Avery wissen, drehe mich um und gehe zum Wandschrank, in dem wir alle Haushaltssachen aufbewahren. Dort hole ich den Putzeimer heraus, laufe damit ins Bad und fülle ihn bis zur Hälfte mit kaltem Wasser.

Als ich in mein Schlafzimmer komme, ist Ave dabei, Delsin auszuziehen. »Was machst du denn da?«

Er schaut zu mir. »Soll er in verqualmten Sachen neben dir liegen? Das wäre doch ziemlich widerlich für eine Nichtraucherin, oder nicht?«

»Schon. Aber lass ihm irgendwas an und damit meine ich nicht die Socken, sondern die Shorts.« Während ich spreche, schießt mir die Hitze in die Wangen.

Ave schmunzelt. »Keine Angst.« Danach zieht er Delsin die Jeans aus.

Ich bringe den Eimer neben dem Bett in Position. »Ich schwöre dir, wenn ich vollgekotzt werde oder er mir an die Wäsche will, werde ich dich für den Rest meines Lebens hassen.«

»Wenn Delsin sein Leben lieb ist, wird er nichts dergleichen tun.« Ave gibt mir die Kleidung, die ich vors Fenster lege, das gekippt ist, damit sie mir nicht das Zimmer voll stinkt.

»So, er liegt und schläft scheinbar. Also er bewegt sich nicht mehr, aber atmet noch. Ruf mich an, wenn es Probleme gibt, okay?«

Ich nicke ihm zu. »Alles klar. Viel Spaß mit Pearl.«

»Danke, Sweetie«, sagt er, kommt zu mir und umarmt mich.

»Dafür habe ich so was von was gut bei dir«, erwidere ich lächelnd.

»Alles, was du willst.«

»Gut. Ich lass mir was einfallen«, grinse ich und bringe ihn zur Tür. »Halt. Du wolltest doch das Auto holen und ihn abholen, nachdem du Pearl nach Hause gebracht hast, oder habe ich das vorhin falsch verstanden?«, frage ich, als er ins Treppenhaus tritt.

»Nein. Ich bringe Pearl nach Hause und komme ihn dann abholen. Aber ich glaub, heute Abend konnte ich sie endlich überzeugen, es mit mir zu versuchen, deshalb kann es morgen werden, bis ich den Säufer da hinten abhole.«

Ich seufze leise. »Okay. Dann erzähl mir morgen, wie er es geschafft hat, sich so schnell zu betrinken. Ich war gerade mal eine halbe Stunde von der Party weg, als du angerufen hast.«

»Jello Shots und Tequila«, erwidert Ave.

»Du meinst, er hat Kurze und Jello Shots intus?«

Er nickt. »Ja. Er hat das Zeug ziemlich schnell in sich reingeschüttet, als du weg warst.«

»Na toll. Gut, wie dem auch sei. Viel Spaß bei Pearl und ich melde mich, wenn Delsin mir Probleme bereitet.«

»Danke, Sweetie. Du bist die Beste«, lächelt Ave und küsst meine Stirn.

»Sag das noch mal, wenn ich meine Wiedergutmachung haben will«, kichere ich und schließe die Tür.

Ich gehe zurück in mein Schlafzimmer und betrachte Delsin Rough, der völlig betrunken und infernalisch schnarchend in meinem Bett liegt. »Wehe du fasst mich heute Nacht an. Denn dann reiße ich dir wirklich deine Spirit Fingers ab«, murmele ich und lege mich neben ihn. Ave hat ihn genau in die Mitte des Betts gelegt, weshalb ich ihn weiter zur Seite schiebe. »Oh Mann. Bist du schwer«, ächze ich.

»Ich will nicht aufstehen, Mom«, mault er im Schlaf.

»Glaub mir, wenn ich deine Mutter wäre, würdest du respektvoller mit Frauen umgehen«, erwidere ich, obwohl er mich sicher nicht wahrnimmt.

Als ich genug Platz habe, lege ich mich endlich hin und decke uns beide zu. Kaum habe ich die Augen geschlossen, dreht Delsin sich zu mir und legt seinen Arm über meinen Bauch. Genervt hebe ich ihn herunter und drehe mich auf die Seite, doch es dauert nicht lange, da liegt sein Arm wieder über mir.

»Dann lass ihn eben liegen«, murmele ich und schließe die Augen.

♥♥♥

Irgendwann, mitten in der Nacht, bin ich dann auch eingeschlafen. Es war ungewohnt, neben jemandem zu liegen, denn ich habe bisher immer allein geschlafen.

Ich werde angestupst, weshalb ich blinzle. »Hm?«, mache ich leise.

»Würdest du mir erklären, warum ich neben dir liege?«, fragt Delsin mit ernster Stimme.

Ich drehe mich zu ihm um und öffne ein Auge. »Weil du sternhagelvoll warst und Ave dich hergebracht hat, damit du deinen Rausch ausschlafen kannst. Eigentlich wollte er dich abholen, aber ich denke, dass Pearl und er Wichtigeres zu tun hatten, als dich zu babysitten«, antworte ich müde und schließe das Auge wieder.

»Und du hast dich bereitwillig als Gastgeberin gemeldet?«, hakt er interessiert nach.

»Könntest du den Mund halten, damit ich noch ein wenig schlafen kann?«, erwidere ich mit einem Gähnen.

Er schmunzelt. »Nein, ich würde mich gerne unterhalten.« Dann streichelt er meinen Oberschenkel.

»Ich würde gerne schlafen. Du hast die ganze Nacht geschnarcht und ich bin müde. Also entweder hältst du jetzt den Mund oder du ziehst dich an und gehst«, schlage ich vor.

»Okay. Ich hau ab. Danke, dass ich hier schlafen durfte, Camille.«

»Gern geschehen«, erwidere ich und gebe mich wieder meiner Müdigkeit hin.

Kapitel 3

Als ich später aufwache, erschrecke ich mich heftig.

Delsin sitzt neben mir und schaut mich an. »Du bist ja richtig niedlich, wenn du schläfst.«

Langsam richte ich mich auf. »Und du hast richtige Stalkerqualitäten«, stelle ich fest.

Grinsend legt er sich wieder neben mich. »Ich weiß.«

»Delsin, hör zu: Ich kann dich nicht ausstehen und du durftest nur hier übernachten, weil Ave mich angefleht hat. Deshalb fände ich es jetzt ganz toll, wenn du deinen Hintern hier raus schaffst.«

»Ich glaube, ich bleibe noch ein wenig. Wir könnten uns weiter unterhalten. Nüchtern bin ich auch nicht ganz der Arsch, für den du mich hältst«, erwidert er.

Ich seufze, dabei lasse ich mich zurück aufs Kissen fallen. »Na schön. Dann erzähl mir irgendwas von dir.«

»Ich studiere Architektur.«

»Weiß ich.«

»Ich habe insgesamt sechs Halbgeschwister«, fährt Delsin fort.

»Weiß ich auch.«

»Woher weißt du das?«, fragt er.

»Du hast es mir gestern Abend auf der Party erzählt«, antworte ich.

»Okay, dann … erzähle ich dir irgendwas anderes von mir.«

Ich drehe mich auf die Seite und schaue geradewegs in seine dunkelgrünen Augen. »Warum studierst du überhaupt, wenn du überall erzählst, dass du genug Geld besitzt, um niemals arbeiten zu müssen?«

Delsin dreht sich ebenfalls auf die Seite und stützt seinen Kopf auf seine Hand. »Weißt du, wie langweilig es ist, wenn man den ganzen Tag zu Hause sitzt und all deine Freunde studieren?«

»Ja, weiß ich. Ich habe zwischen der Highschool und dem College ein Jahr Pause gemacht, sonst wäre ich jetzt schon im vierten Semester, wie meine Freundinnen«, antworte ich.

»Wie kommt's?«

»Interessiert dich das wirklich?« Ich komme wirklich nicht umhin, genervt zu klingen.

Er nickt langsam.