Rückkehr von morgen - George G Ritchie - E-Book

Rückkehr von morgen E-Book

George G Ritchie

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7,99 €

Beschreibung

Im Kriegsjahr 1943 stirbt der angehende Armeearzt George Ritchie an den Folgen einer Grippe. Und kehrt ins Leben zurück. Seine Reise in die unsichtbare Welt dauert nur wenige Minuten. Doch was er dort sieht und erlebt, revolutioniert sein "zweites Leben": Als lebenshungriger junger Mann, der mit dem christlichen Glauben nichts am Hut hat, steht er Christus gegenüber. Nichts bleibt, wie es war. Ein Augenzeugenbericht von den "letzten Dingen", die diesen Namen nicht verdienen. Sie sind der Auftakt zum wahren Leben.

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George Ritchie mit Elizabeth Sherrill

Rückkehr von morgen Dieses Buch stellt Sie vor die entscheidende Fragen Ihres Lebens

Über das Buch:Im Kriegsjahr 1943 stirbt der angehende Armeearzt George Ritchie an den Folgen einer Grippe. Und kehrt ins Leben zurück. Seine Reise in die unsichtbare Welt dauert nur wenige Minuten. Doch was er dort sieht und erlebt, revolutioniert sein „zweites Leben“: Als lebenshungriger junger Mann, der mit dem christlichen Glauben nichts am Hut hat, steht er Christus gegenüber. Nichts bleibt, wie es war. Ein Augenzeugenbericht von den „letzten Dingen“, die diesen Namen nicht verdienen. Sie sind der Auftakt zum wahren Leben ...

Bibliografische Information Der Deutschen Bibliothek Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.

ISBN 978-3-86827-786-9 Alle Rechte vorbehalten Originaltitel: Return from Tomorrow © 1978 by George G. Ritchie, M.D. © der deutschsprachigen Ausgabe 1980 by Verlag der Francke-Buchhandlung GmbH 35037 Marburg an der Lahn Deutsch von Konrad Brandt Umschlaggestaltung: Verlag der Francke-Buchhandlung GmbH / Christian Heinritz Satz und Datenkonvertierung E-Book: Verlag der Francke-Buchhandlung GmbH

www.francke-buch.de

Anstatt eines Vorwortes – Leserstimmen –

Eine positive Herausforderung

... ein wertvoller Einblick in die unsichtbare Welt (die doch überaus real ist), der uns zu einer ernsthaften Auseinandersetzung mit dem Geschilderten herausfordert ...

Das kann ein Leben verändern

... ich habe das Buch in einer schwierigen Zeit meines Lebens gelesen. Es hat mir meinen Gottesglauben wiedergegeben, und ich habe es all meinen Freunden empfohlen. Jahre später traf ich Dr. Ritchie. Wie schon sein Buch, so beeindruckte auch er mich als ein echter und aufrichtiger Charakter ...

Eines der wichtigsten Bücher, die ich je gelesen habe

... ich habe dieses Buch bereits mehrere Male durchgelesen und es hat meinen Lebensstil grundlegend verändert. Dr. Ritchies Bericht ist für mich die erstaunlichste und glaubwürdigste Aufzeichnung einer Nah-Tod-Erfahrung. Alle Freunde und Verwandten, an die ich dieses Buch verschenkt habe, schätzen diese Lektüre als eine besonders kraftvolle spirituelle Erfahrung – selbst die Agnostiker unter ihnen!

Ich selbst kann es nur jedem Leser ans Herz legen: Sie werden nur wenige Stunden brauchen, um es durchzulesen, Sie werden aber immer und immer wieder darauf zurückkommen!

Dieses Buch wird Sie beschäftigen – noch lange nachdem Sie es gelesen haben.

... es sind viele faszinierende und wunderbare Erlebnisse, an denen uns George Ritchie teilnehmen lässt, und seine Erfahrungen haben mich zutiefst berührt. Doch am meisten bewegte es mich, als ich die Tragweite erkannte, die unsere bewusste Absage an all den Hass in dieser Welt hat. Denn George Ritchie ist Augenzeuge: Wir nehmen unsere erwünschten und unerwünschten Haltungen und Überzeugungen mit uns – auch wenn wir unseren irdischen Körper verlassen ...

Der klarste Einblick in das Leben nach dem Tod, der je einem Menschen erlaubt war.

... eine Reise durch Raum und Zeit und eine Begegnung mit Jesus. Wenn Sie Christ sind, wird dieser außergewöhnlich detaillierte Bericht Sie packen!

Und wenn Sie es nicht sind, werden Sie jede Menge Stoff zum Nachdenken finden in diesem Buch, das jeder nicht mehr aus der Hand legen kann, der es einmal angefangen hat ...

Was hier beschrieben wird, überzeugt aus sich selbst heraus.

... es mag pathetisch klingen, aber es lässt sich nicht anders sagen. Es geht hier um die zentralen Grundfragen unseres Lebens: Woher kommen wir, wo gehen wir hin und warum sind wir hier? Noch nie habe ich so eine authentische und überzeugende Auseinandersetzung mit der Frage nach dem Sinn des Lebens gelesen wie hier ...

Kapitel 1

Ich kam frühzeitig in mein Büro. Ich war gern ein paar Minuten allein, bevor der erste Patient kam. Mein flüchtiger Blick glitt durch den leicht verdunkelten Raum: der Schreibtisch, die bequemen Sessel, das gelbe Sofa vor dem Fenster. Als Psychiater war ich mit der Praxis sehr zufrieden. In den vergangenen 13 Jahren hatte ich als praktischer Arzt gearbeitet, und ich hatte oft den Eindruck gehabt, dass ich nur die Einzelteile einer Person behandelte, dass ich es mehr mit Krankheitssymptomen zu tun hatte als mit der Krankheit selbst. Im Krankenhaus von Richmond, Virginia, wo ich praktizierte, hatte ich, wie es in jedem großen modernen Krankenhaus der Fall ist, keine Zeit, meine Patienten als Menschen kennenzulernen; keine Zeit, auf die Fragen zu hören, die im Sprechzimmer unausgesprochen blieben.

Darum ging ich mit 40 Jahren zurück zur Schule. Es war mir nicht leicht gefallen, meine Frau darum zu bitten, Richmond zu verlassen und nach Charlottesville zu ziehen: unsere beiden Kinder mussten die Schule wechseln, ich musste meine Position als Vorsitzender der „Richmond Akademie praktizierender Ärzte“ aufgeben und für mehrere Jahre zurück ins Studium gehen. Aber in den zwölf Jahren, die seit jener Entscheidung vergangen sind, bin ich manches Mal glücklich darüber gewesen und niemals mehr, als in diesem stillen Augenblick am Anfang dieses Tages.

Ich schlug den Terminkalender vor mir auf und sah die Eintragungen des heutigen Tages durch. Mildred Brown. Peter Jones. Jane Martin.* Dort hielt mein Finger an.

Mein erster Patient nach dem Mittagessen war Fred Owen. Ich hatte vergessen, dass er gestern aus der Universitätsklinik entlassen worden war. In der vergangenen Woche hatte ich den Bericht von Freds Arzt per Telefon erhalten – „Lungenkrebs mit Metastasen auf dem Wege zum Gehirn“ –, aber ich hatte es schon gewusst. Fred würde an Lungenkrebs sterben. Ich hatte es schon im September vermutet, vor fünf Monaten, als er mich zum ersten Mal mit Symptomen verschiedener Depressionen aufgesucht hatte. Die Depressionen, der trockene Husten, das Kettenrauchen während der Sprechstunde, all dies ließ mich aufhorchen. Darum hatte ich um einen Termin gebeten, um hier in Charlottesville eine vollständige Untersuchung an der Universitätsklinik von Virginia vornehmen zu lassen.

Doch Fred hatte sich offensichtlich nicht an den Termin gehalten. Als ich vor drei Wochen diesen Verdacht schöpfte, untersuchte ich ihn kurzerhand in meinem Sprechzimmer. Ich hatte zwar nicht alle erforderlichen Instrumente, doch mit dem Stethoskop hatte ich genug gehört. Danach hatte er in der Universitätsklinik eine Serie von Tests und Untersuchungen über sich ergehen lassen müssen. Aber all das geschah mehr um Freds willen, als dass es noch irgendeinen Zweifel an dem Befund gab.

Und nun, um 13 Uhr, würde er erscheinen. Wie konnte ich ihm helfen, der furchtbaren Tatsache seines eigenen Todes entgegenzusehen? In den vergangenen Monaten hatte er beachtliche Fortschritte gemacht, aber er hatte noch solch einen langen Weg der Erkenntnis vor sich. Was er eigentlich dringend brauchte, war Zeit. Und genau die hatte Fred nicht mehr.

Und nach alldem, was er im Leben erreicht hatte, würde er als Mitte-Vierziger die Nachricht vom unheilbaren Krebs als ein absolutes Nein dazu empfinden. Die Diagnose würde genau das unterstreichen, was er als Neurotiker stets behauptete; nämlich, dass diese Welt und jedermann in ihr sich seit seiner Geburt gegen ihn verschworen hatten. Das Problem war, diese seine Sicht war noch nicht einmal so verkehrt. Angefangen bei einer Mutter, die ihn abgelehnt hatte, über eine Reihe unbeständiger Pflegeeltern bis hin zu einer Anzahl Vorgesetzter, die ihn ausgenutzt hatten, und eine unglückliche Ehe; er hatte kaum etwas anderes kennengelernt als kranke Verhältnisse. Die Entdeckung gesunder Menschen war unser Ziel gewesen. Mit einem Vorschuss an Vertrauen in meine Person hatte er sich zum ersten Mal in seinem Leben nach einer echten Freundschaft ausgestreckt. Und jetzt sollte er sterben! Der letzte Vertrauensbruch stand vor der Tür, der abschließende Beweis dafür, dass das Leben von Anfang an gegen ihn gespielt hatte.

An jenem Morgen kehrten meine Gedanken zwischen den anderen Sprechstundenbesuchen immer wieder zu Fred zurück. Zur Mittagszeit hatte ich mir ein Sandwich auf mein Zimmer bestellt und aß es in Eile am Schreibtisch, für den Fall, dass er früher kommen sollte. Es wurde 13 Uhr, und es wurde 13.15 Uhr, ohne dass Fred erschien. Es wurde schließlich 13.35 Uhr, und zum ersten Mal in fünf Monaten kam er zu spät zur Sprechstunde.

„Ich werde Sie nicht mehr bezahlen können“, sagte er, noch bevor er sich setzte. „Ich habe heute Morgen gekündigt. Diesen Halsabschneidern habe ich in aller Deutlichkeit gezeigt, was ich von ihnen halte! Sie wollten, dass ich bleibe, bis sie für mich Ersatz gefunden haben, aber warum sollte ich noch irgendetwas für sie tun?“

„Vier Monate geben mir die Ärzte noch!“, fuhr er fort und warf sich mit einem Ton in den Sessel, der wohl wie ein Lachen klingen sollte. „Welch ein Witz, ha, Doktor? All das Wühlen in der Vergangenheit, damit ich es in der Zukunft besser habe – nur, ich werde keine Zukunft mehr erleben. Besprechen Sie die Probleme mit meiner Mutter, reden Sie mit meiner Frau – alles andere ist jetzt reine Zeitverschwendung, ha!?“

„Im Gegenteil“, sagte ich zu ihm. „Jetzt ist es dringlicher als je zuvor. Ihre Zukunft hängt mit der Klärung Ihrer Verhältnisse zusammen. Mehr als Sie vermuten.“

Er starrte mich an. Seine wunden Augen waren schrecklich anzusehen. „Meine Zukunft?“, wiederholte er. „Ich sagte Ihnen doch gerade, sie geben mir vier Monate, und das bedeutet womöglich vier Wochen, denn die Ärzte lügen doch, wie alle anderen auch. Offen gesagt, ich glaube nicht, dass es das alles wert ist.“

„Ich spreche nicht über vier Monate oder vier Wochen oder 40 Jahre. Ich spreche über die Zukunft, für die es kein Maß gibt.“

Vor seinen weit geöffneten Augen ging ein Rollladen herunter. „Meinen Sie ,Himmel und Hölle‘ oder diesen Kram? Lassen Sie sich was Besseres einfallen, Doktor!“

Er versuchte, seinen bewussten „Der-Teufel-kann-mich-mal“-Ton durchzuhalten, aber ich konnte feststellen, dass ich ihn verärgert hatte. Unser Verhältnis zueinander war über Wochen langsam aufgebaut worden mit dem Zugeständnis, dass ich ihm nichts vormachen würde. Das war von größter Bedeutung. Er sagte oft, dass ich der erste Mensch sei, der niemals versuche, ihn zu betrügen.

„Von allen anderen hätte ich das erwartet, aber nicht von Ihnen! Wenn ich etwas über den Quatsch hören wollte, dass der Tod nicht das Ende ist, dann wäre ich zu einem Priester gegangen. Sie versprechen einem Flügel und eine Harfe und was man sonst noch wünscht, wenn die Spende groß genug ist.“

Ich holte tief Luft und rang nach den richtigen Worten – oder wenigstens nicht nach den falschen. Ich wusste genug über Freds frühere Lebensgeschichten, um zu verstehen, dass alles annähernd Religiöse kein Thema für ihn war. Die schlimmsten der drei Pflegeeltern, bei denen er gelebt hatte, waren fromme Kirchgänger gewesen, die daran glaubten, dass sie die Widerspenstigkeit aus dem zurückgezogenen kleinen Jungen herausschlagen könnten.

„Ich weiß nichts von Harfen und Flügeln“, erwiderte ich. „Ich kann Ihnen nur erzählen, was ich persönlich beobachtet habe, nachdem ich ...“

Hier brach ich ab aus Angst vor dem gefährlichen Wort, das eine Brücke des Vertrauens abreißen konnte, die zwischen uns entstanden war. „Nachdem ich gestorben war“ – das war’s, was ich hatte sagen wollen. Aber hier saß ein Mann, der oft belogen worden war. Wie konnte ich ihn an dem Wendepunkt meines Lebens teilhaben lassen, ohne dass ich ihm wie der größte Lügner von allen vorkam?

„Fred“, begann ich zögernd, „die Ärzte hatten mich auch einmal aufgegeben. Ich wurde für tot erklärt – das Betttuch wurde über meinen Kopf gezogen. Die Tatsache, dass ich nach zehn Minuten oder so ins Leben zurückkam, um noch eine Zeit auf dieser Erde zu sein, ist für mich nur ein Nebenprodukt einer viel größeren Geschichte. Es ist diese großartige Geschichte, Fred, die ich Ihnen gern erzählen möchte.“

Fred nahm eine neue Schachtel Zigaretten heraus und zündete sich mit zitternder Hand eine davon an. „Sie erwarten von mir, dass ich Ihnen glaube, Sie hätten in eine Art zukünftiges Leben hineinsehen können? Das wollen Sie mir doch damit sagen, oder? Ist doch nicht schlimm, dass dieses Leben ein elender Schwindel ist, im nächsten wird dann alles rosig sein?“

„Ich erwarte nicht, dass Sie etwas glauben. Ich möchte Ihnen nur ganz einfach erzählen, was ich glaube. Und ich habe keine Ahnung, wie das nächste Leben sein wird. Was ich auch immer sah, es war sozusagen von der Türschwelle aus. Aber es war genug, um mich von diesem Augenblick an ganz und gar von zwei Tatsachen zu überzeugen. Erstens, dass unser Bewusstsein mit dem körperlichen Tod nicht aufhört, dass es in Wirklichkeit schärfer und noch bewusster als je zuvor wird. Zweitens, dass es ungeheuer wichtig ist, viel mehr, als wir annehmen, wie wir unsere Zeit auf der Erde zubringen und welche menschlichen Beziehungen wir aufbauen.“

Einige Minuten war Fred zu wütend, um mir ins Gesicht zu sehen.

„Wenn Sie so krank waren, wie Sie behaupten“, fragte er, die Augen auf den grünbraunen Teppich gerichtet, „woher wollen Sie dann wissen, dass Sie nicht im Delirium waren?“

„Weil, Fred, weil dieses Erlebnis das umfassend wirklichkeitsnächste war, das mir je passiert ist. Von da ab hatte ich ja auch die Gelegenheit, Träume und Halluzinationen zu studieren. Ich hatte Patienten mit Halluzinationen. Es gibt hier einfach keine Ähnlichkeit.“

„Sie meinen, Sie glauben allen Ernstes, es gehe so weiter ... wir bleiben wir selbst? Danach, meine ich?“

„Ich schwöre es bei meinem Leben. Alles, was ich in den vergangenen 30 Jahren getan habe: Arztstudium, Zusatzstudium zum Facharzt für Psychiatrie, all die Stunden ehrenamtlicher Arbeit an jungen Leuten Woche für Woche – all das hat seinen Ursprung in diesem Erlebnis. Ich glaube nicht, dass ein Delirium das gesamte Leben eines Menschen bestimmen könnte.“

„Das Delirium könnte es nicht“, stimmte er zu. „Wenn es aber nur eine momentane Täuschung war? Wenn Sie vielleicht, wissen Sie, nur einfach geistig etwas weggetreten waren?“

„Sie meinen, wenn ich vielleicht etwas verrückt war?“ Ich lächelte, und doch war die Frage durchaus berechtigt. Das Wahnsinnige erscheint dem Sterbenden als das Plausibelste.

„Es ist schwer, das zu beantworten, Fred. Ich meine nicht, dass jeder von uns immer sicher sein kann, alle Sinne beisammen zu haben. Doch immerhin habe ich einen Grund der Hoffnung für mich, und das ist die Feuerprobe, der ich in der Universität ausgesetzt wurde, bevor ich mit dem Studium der Psychiatrie anfing. Ich wurde jedem erfahrenen Mitarbeiter des Kollegiums einzeln vorgestellt und musste jede Frage beantworten, die mir gestellt wurde.

Da das Erlebnis, das ich hatte – die Erfahrung mit dem Tod und was anschließend passierte – direkt ins Zentrum dessen stieß, was ich glaube, meinte ich, dass sie ein Recht hätten, davon zu hören. Darum erzählte ich es ihnen. Was die hervorragenden Ärzte daraus gemacht haben, weiß ich nicht. Aber nachdem sie mich ausgehorcht hatten, beurteilte mich jeder als geistig gesund und emotional stabil.“

„Was beweist, dass die Ärzte verrückt sind“, sagte Fred. Aber er lächelte. Das erste Lächeln, seit er hereingekommen war, und ich wusste, wie reserviert seine Haltung auch immer war, jetzt war er wenigstens bereit zum Hören.

Die Geschichte war zu lang, als dass ich sie in einer oder zwei Sprechstunden hätte erzählen können, aber ich fühlte, dass es wichtig war, egal, wie viel Zeit wir damit zubrächten. Im Blick auf Fred und seine Persönlichkeit wusste ich, es war besser, nicht mit meiner persönlichen Auslegung zu beginnen. Für ihn würde es nötig sein, alles Stück für Stück zu erzählen, genauso, wie es passierte, und dann würde er sich seine eigene Meinung bilden. „Ich werde nicht versuchen, Ihnen irgendein Ergebnis vor Augen zu malen, Fred. Ich werde nur beschreiben, was passiert ist, Schritt für Schritt, angefangen bei dem Augenblick, als ich in das Armeelazarett kam. Später, wenn Sie darüber sprechen wollen, was es bedeutet – für mich, für Sie – dann können wir das tun.“

„Armeelazarett?“, fragte Fred. Er zählte zurück. „Das war während des Zweiten Weltkrieges, nicht wahr? Sie wollen sagen ... Sie wurden erschossen?“

„Es war während des Krieges, aber es war nicht eine Kugel, die mich erwischte.“ Ich lächelte ein wenig verschüchtert in meiner Erinnerung. „Es war das Wetter in West-Texas ...“

Kapitel 2

Ich schloss meine Augen und dachte 34 Jahre zurück, erinnerte mich an die lange Bahnfahrt von Virginia nach Abilene, Texas; Hunderte von jungen Rekruten, und viele – wie ich – zum ersten Mal von zu Hause fort. Ich war in Richmond geboren und aufgewachsen, und ich erinnerte mich auch an mein Erstaunen darüber, dass es einen Ort auf dieser Erde geben sollte, an dem die Bäume nicht in großer Zahl wuchsen.

„Es war Ende September 1943“, fing ich an, „und ich war auf dem Weg zum Lager Barkeley, Texas, zur Grundausbildung. Ich war zwanzig, lang, dünn, ein ziemlich typisches Kind jener Tage, voller Idealismus, den Krieg zu gewinnen und die Nazis zu schlagen.

Das Einzige, auf das ich nicht vorbereitet war, war der Kampf mit dem Staub. In Abilene auf dem Bahnhof waren wir auf Lastwagen verladen worden zur Fahrt in das Lager, das mehrere Meilen außerhalb lag. Es staubte so enorm, dass wir auf dem ganzen Weg nichts sehen konnten. Ich wusste, das Lager Barkeley musste ein großes Gelände sein – 250 000 Mann sollten dort zur Ausbildung stationiert sein – aber es dauerte Tage, bis ich es vor lauter Staub erkennen konnte: eine ausgedehnte Stadt hölzerner Baracken, die sich bis in die Wüste erstreckte.

Während der Sandstürme, so wurden wir gedrillt, hatten wir mit Schutzbrillen zu marschieren. Und trotzdem mussten wir die Hand auf die Schulter des Vordermannes legen, damit wir nicht übereinander fielen. Im November setzte der Regen ein, und der Staub verwandelte sich in Matsch. Doch der Wind trocknete die Oberfläche, und wieder blies er uns Staub ins Gesicht. Man sagt, dass es der einzige Ort in der Welt sei, wo man bis zu den Knien im Matsch marschiert und trotzdem Staub in die Augen bekommt.

Zu allem Überfluss wurde es im Dezember bitter kalt, kälter als es je in Richmond wurde. Am 10. Dezember saßen wir zwei Stunden auf der Erde – es war ungefähr 10° minus – während uns irgendein junger Leutnant eine Vorlesung über die richtige Art der Reinigung unserer Ausrüstung hielt. In der kommenden Nacht hustete die ganze Kompanie.

Am nächsten Morgen hatte ich immer noch Halsschmerzen, also meldete ich mich krank. Natürlich hatte ich Fieber, nicht sehr hoch, um die 39 Grad, aber ein Jeep kam und brachte mich ins Lazarett.

Das Lazarett war ein 5000-Betten-Monstrum. Es umfasste mehr als 200 niedrige Holzbaracken, die alle durch Gänge miteinander verbunden waren. Da ich Fieber hatte, schickte mich die Schwester in der Aufnahme auf die Isolierstation. Es handelte sich um eine 24-Betten-Baracke mit einem Ärztezimmer, einem Schwesternzimmer und einem Arzneiraum auf der einen Seite des Eingangs und auf der anderen Seite mit drei kleinen Schlafkammern, in die man gelegt wurde, wenn man ernsthaft krank war. Aber alles, was ich hatte, war dieses bisschen Fieber, darum kam ich natürlich in die Hauptabteilung dahinter.

Meine einzige Sorge bei allem war die Tatsache, dass es bereits der 11. Dezember war, und am 18. Dezember musste ich im Zug nach Virginia sitzen. Ich hatte gerade die großartigste Versetzung zugesagt bekommen, die einem 20-jährigen Anfänger jemals von der US-Armee gewährt worden war, und diese wollte ich mir nicht durch eine dumme Erkältung nehmen lassen. Am 22. Dezember würde ich – das stand fest – mit meiner Ausbildung im Medizinischen College von Virginia, in meiner Heimatstadt Richmond, beginnen, unter dem spezialisierten Ausbildungsprogramm der Armee Arzt zu werden.

Das Erstaunen darüber ließ mich nachts noch wach werden, und ich fragte mich, ob es wirklich wahr sein konnte. Es war gleich nach dem Erntedankfest, als ich plötzlich vom Übungsplatz hereingerufen wurde in einen Raum voller Majoren, Obersten und sogar Generälen. Ich war sicher, es war ein Kriegsgericht, und ich versuchte, mich an Filmszenen zu erinnern, ob sie einem auch die Chance geben, die Eltern anzurufen, oder ob sie einen einfach wegführen und erschießen. Mit weichen Knien stand ich stramm, während sie mich mit Fragen befeuerten. Ob es stimme, dass ich mein Vorstudium an der Universität von Richmond abgeschlossen habe? Ob es stimme, dass ich zum Studium der Medizin am College von Virginia zugelassen worden war? Welchen Grund ich gehabt hatte, mich bei der Armee zu melden, obwohl Medizinstudenten automatisch zurückgestellt wurden?