Satansschatten - Claudia Martin - E-Book

Satansschatten E-Book

Claudia Martin

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Beschreibung

Jung, so herrlich naiv und unerfahren. Noch ahnt das Mädchen nicht, dass sie schon bald zum Spielball des Teufels werden soll. Ahnt nicht, dass ihre Sinne Geister von Verstorbenen wahrnehmen können und sie andere Parallelwelten durchwandern wird. In der Ich-Form geschrieben erzählt das Buch von einem Mädchen Namens Julia. Behütet von der Familie verläuft ihr Leben in geregelten Bahnen. Das ändert sich, als Freunde ein Geschenk in Form eines unscheinbaren Tisches mitbringen. Was als harmloses Gesellschaftsspiel beginnt und den Kontakt zum Jenseits herstellen soll, öffnet das Portal zu anderen Dimensionen.

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Seitenzahl: 354

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Satansschatten

KAPITEL 1

Dämmerung.

Schon bald wird die Dunkelheit alles umhüllen und lauernd

durch die Straßen schleichen. Direkt in mein Herz.

Eine unnatürliche Kälte kriecht aus allen Winkeln des spärlich eingerichteten Zimmers und bohrt sich erbarmungslos in meine Seele.

Dämonisches Flüstern um mich herum. In mir.

Gnadenlos frißt es sich durch mein Hirn.

Plötzlich. Jemand greift nach meinem rechten Handgelenk und umklammert es mit eisigem Griff.

„Nicht schon wieder.“ Gequält stöhne ich auf.

Angst, die sich wie eine stählerne Faust um mein Herz

schlingt, lässt mich für den Hauch eines Augenblicks

erstarren.

Ich schließe die Augen, atme tief durch und schicke meine Gedanken zurück.

Viele Jahre zurück.

Der Nebel der Zeit lichtet sich. Lässt mich noch einmal alles durchleben. Lässt mich noch einmal siebzehn sein.

Verschlafen krabbel ich unter der Bettdecke hervor, gähne ungeniert, reibe mir die verquollenen Augen und strecke mich in alle Richtungen.

Was für eine Nacht. Sämtliche Naturgewalten scheinen sich auf unserem Anwesen verabredet zu haben, um sich hier geballt zu entladen.

Wirbelstürme, peitschender Regen gepaart mit grollendem Donner und farbenprächtigen, glühenden Blitzen.

Ein faszinierendes Naturschauspiel. Zu dumm, dass mich so etwas nicht wirklich interessiert und ich dank Mutter Natur, kein Auge zugemacht habe. Zumindest einen Großteil der Nacht.

Mein Magen knurrt und erinnert an das grollen des Donners.

Wie herrlich es auf einmal riecht. Würziger Geruch von Gebratenem steigt mir in die Nase.

Ein kurzer Blick auf den Wecker. Zehn Uhr dreissig.

Kein Wunder, dass ich Kohldampf habe.

Wenn ich doch nur nicht so verdammt müde wäre.

Plötzlich fällt mir die Igelfamilie, die ich gestern im Garten entdeckt habe ein. Ich muss nachsehen, ob sie die vergangenen Stunden gut überstanden hat.

Noch völlig desorientiert kämpfe ich mich aus dem verdrehten Oberbett, laufe zum Fenster und reiße es auf.

Herrlich klare Luft strömt mir entgegen.

Ein kurzer Blick nach unten. Hier und da liegen vereinzelte Äste auf dem Grundstück. Aber abgesehen davon erinnert rein gar nichts mehr an den Aufruhr der Elemente.

Abenteuer Alltag, ich komme!

Schnell anziehen, die ächzenden Stufen runtergepoltert,

durch die Küche, an Mutter vorbei. Leider bin ich ziemlich tollpatschig unterwegs und rempel sie an, woraufhin sie ihr Gleichgewicht verliert und sich am Küchenwagen festhalten muss, um einen Sturz abzufangen. Unglücklicherweise gehen dabei, ein paar Teller zu Bruch.

Scheibenkleister. Ich schaue kurz zurück und verziehe mein Gesicht. „Tschuldigung. Tut mir echt leid Mama! Komme gleich zurück. Muss nur ganz schnell was erledigen!“

Aus den Augenwinkeln heraus sehe ich noch Mutters entgeistertes Gesicht. Eigentlich sollte ich zurückgehen und ihr helfen oder zumindest ein schlechtes Gewissen haben.

Aber jetzt muss erst einmal nach meinen Schützlingen sehen.

Ich schiebe ein paar abgebrochene Äste beiseite, suche unter einigen Büschen und durchstöbere die ein oder andere Ecke, des riesigen Grundstücks.

Ohne Erfolg. Die kleinen Kerlchen sind verschwunden.

Schade. Schwarze Knopfaugen. Das spitze Näschen.

Die waren so drollig.

Enttäuscht gebe ich die Suche schließlich auf und begebe mich zurück in unser dreistöckiges Fachwerkhaus. Nicht aber ohne es vorher mit einem gewissen Stolz, zu betrachten.

Ein imposantes Gebäude.

Das alte Haus ist unsere Zuflucht, unser eigenes kleines Königreich.

Eingebettet in saftige grüne Wiesen und sanfte Hügel präsentiert es sich einsam und stolz an der höchsten Stelle eines kleinen verträumten Ortes.

Die Sonne lässt die Blätter der Bäume in warmen herbstlichen Farben erstrahlen und hebt die Schönheit des Gebäudes auf märchenhafte Weise hervor.

Alles ist so ruhig und friedlich.

Geschmeidig, beinahe anmutig tanzen die Grashalme zur sanften Melodie des Windes. Ein paar Vögel zwitschern und das Zirpen von Grillen bildet den Chorus.

Den Kopf in den Nacken gelegt, blinzel ich in die wärmenden Strahlen der Sonne.

Ein herrlicher Tag und abgesehen von nicht vorhandenen Reichtümern, bin ich rundum zufrieden.

Das Wort Einsamkeit ist mir fremd.

Meine vier Geschwister, die Schwägerin. Alle leben wir hier gemeinsam unter einem Dach.

Nicht zu vergessen unsere Eltern Bernhard und Barbara Arend, die mit bewundernswerter Geduld das Zepter führen.

Weiss Gott. Geduld und ebenso starke Nerven werden ihnen tagtäglich aufs Neue abverlangt.

Nicht nur, dass wir ein bunter, zusammengewürfelter Haufen verschiedenster Charakteren sind. Beinahe jedes Zimmer ist von unserer Unordnung befallen. Zudem herrscht immer reger Trubel, begleitet von einem enormen Lärmpegel.

Meine Kehle fühlt sich trocken an. Zielstrebig schlender ich in die Küche, die wenn auch etwas altbacken, den überhaupt wichtigsten Ort für uns alle darstellt.

Unter dem Fenster befindet sich eine alte Eckbank, dazu vier Stühle und ein wuchtiger selbstgezimmerter Holztisch.

Eigentlich passen die zusammengewürfelten Möbelstücke so gar nicht zur weißen, eher schlichten Küchenzeile und doch ist alles genau so wie es sein muss.

Einmal in der Woche setzten wir uns hier zusammen, um einen sogenannten Familienrat abzuhalten und größere sowie kleinere Probleme miteinander zu besprechen.

Was nicht unbedingt immer funktioniert. Ja oftmals sogar in massiven Streit ausartet!

Doch wie heißt es so schön, Pack schlägt sich, Pack verträgt sich. So und nicht anders ist es auch bei uns.

Während ich genüsslich meinen Tee schlürfe, beobachte ich Mutters emsiges Treiben.

Sie hat bisher noch kein Wort mit mir gewechselt, schaut kurz hoch und lächelt mir fast ein wenig säuerlich zu. Die Scherben hat sie schon längst beseitigt und sonst ist weiter nichts Großartiges passiert. Keine Ahnung warum sie so nachtragend ist. Ich habe es doch gar nicht böse gemeint.

Wenn sie mich wenigstens darauf ansprechen würde. Aber sie zieht es vor meine Anwesenheit, zu ignorieren.

Ihr rundliches, hübsches Gesicht ist vor Anstrengung rot angelaufen und die frühzeitig ergrauten Haare, die stets zu einem schlichten Knoten zusammengebunden sind, hängen zum Teil in kleinen Strähnen an ihr herunter.

Immer wieder wischt sie sich mit dem Handrücken über die Stirn. An Arbeit mangelt es ihr wahrhaftig nicht. Schon seit Stunden ist sie mit kochen beschäftigt, wäscht den Salat, bereitet den Nachtisch vor und spült zwischenzeitlich immer wieder anfallendes Geschirr ab.

Ehrlich gesagt, Hausarbeit ist so gar nicht mein Ding. Umso mehr bewundere ich Mama, die alles auf ihre stille, bescheidene Art meistert.

Der herzhafte Geruch des brutzelnden Bratens lässt mir das Wasser im Mund zusammenlaufen. Oh Mann. Ich liebe Fleisch und kann es kaum erwarten, bis es endlich gar ist.

Normalerweise schneidet Mutter mir schon immer vorher ein Stück aus der Kruste und bietet es mir zum naschen an.

Aber heute scheint sie es vergessen zu haben.

Ich warte noch eine Weile und überlege zwischenzeitlich sogar, ob ich ihr meine Hilfe anbieten soll. Entschließe ich mich aber letztendlich dagegen. Zumal sie ihre Handgriffe viel besser kennt und ich ihr nicht im Weg stehen möchte.

Mein Tee ist leer. Nachdem ich die Tasse auf den Tisch, zwischen das saubere Geschirr gestellt habe, verlasse ich ein wenig enttäuscht die Küche.

Angelockt vom scharrenden Geräusch des Schürhakens begebe ich mich stattdessen ins Wohnzimmer, am Ende des Flurs.

Auf dem Weg dorthin bleibe ich stehen und streichel in einem Anflug von Sentimentalität über die leicht gewölbte, mit kleinen Rissen durchzogene Wand.

Wie sehr ich dieses Haus liebe. All seine Risse.

Sein alterndes Mauerwerk. Seine vielen verwinkelten kleinen Räume und den langen schmalen Flur.

Vater befindet sich im Wohnzimmer und schürt das Feuer des offenen Kamins. Was mich mehr als verwundert, zumal die Außentemperatur inzwischen locker 20 Grad beträgt.

Als das Buchenholz zu züngeln beginnt, holt er wie so oft seine Gitarre hervor, um ein paar alte Volksweisen zu singen. Die Gitarre ist seine heimliche Liebe.

Wir seine größten Fans.

Meine jüngeren Schwestern Anna und Elisabeth kauern vor ihm auf dem Boden und können es kaum erwarten, in seinen Gesang einzustimmen.

Die sechzehnjährige Anna ist ohne Frage die klügste und vernünftigste von uns Mädchen. Lissy hingegen, trotz ihrer vierzehn Lenze, ein wenig naiv. Dafür aber stets hilfsbereit und Herzensgut. Jede auf ihre Art eine kleine Schönheit. Gleich ob die dunkelhaarige Anna mit ihren tiefbraunen Augen und einer Haut wie Alabaster. Oder Elisabeth, ein süsser Blondschopf mit wasserblauen Augen, die wie Saphire im Sonnenlicht leuchten.

Ich erfreue mich an den quirlig umherspritzenden Funken des Feuers und lausche Papas tiefer Gesangsstimme.

Der stattliche Mann, der wohltuende Klang seines Baritons und die Gitarre. Ein wundervolles Trio.

Jetzt stimmen die beiden Mädchen in seine Lieder ein.

Oh. Das tue ich mir beim besten Willen nicht an.

Wenn die zwei auch hübsch anzusehen sind, so erinnert ihr Gesang doch eher an das Gekreische eines rolligen Katers.

Während die drei sich alten Volksliedern widmen, entschließe ich mich kurzerhand dazu, nach oben in mein Zimmer zu gehen.

Schon seit Tagen habe ich mir fest vorgenommen, dort ein wenig Ordnung zu schaffen.

Die einstmals rot lackierten Stufen federn bei jeder Bewegung nach und stöhnen, als wollen sie unter der Last meines nicht geringen Gewichts einbrechen.

Oben angekommen stehe ich eine ganze Weile unschlüssig im Türrahmen. Beim besten Willen. Ich weiss nicht mehr, warum ich hier rauf gekommen bin.

In der Hoffnung darauf, dass es mir wieder einfallen wird, lasse ich meine Blicke schweifen.

Ein Berg von Kleidungsstücken türmt sich vor dem zweitürigen Schrank auf dem Boden. Zweifelsohne das morgendliche Resultat meiner nicht vorhandenen Entscheidungsfreude.

Letztendlich habe ich mich sowieso wieder für meine heiß geliebten Blue Jeans und ein hellblaues T. Shirt vom Vortag entschieden.

Papierkugeln, Schokoladen und Kaugummipapier häufen sich auf dem Eckschreibtisch neben dem Fenster.

Inmitten von mindestens sechs Paar durcheinandergeworfenen Schuhen befindet sich der rote Gymnastikball, den ich seinerzeit unbedingt haben musste und seither achtlos herumliegen lasse.

Die schwarze mini Stereoanlage auf einem kleinen Beistelltisch, ist unter all den Schminkutensilien, gebrauchten Tellern und umgefallenen Bechern kaum auszumachen. Der einzig noch freie Platz ist die braune ausziehbare Jugendliege.

Wie heißt es so schön, nur ein Genie beherrscht das Chaos.

Genialität ist etwas großartiges und ohne einen weiteren Gedanken zu verschwenden, schmeiße ich mich auf das ungemachte Bett.

Die Arme hinter dem Kopf verschränkt, begutachte ich gelangweilt das Poster von Michael Jackson, das in Lebensgröße die Wand über der Liegefläche schmückt.

Mir fällt ein Lutscher ein, den ich vorhin auf der Fensterbank entdeckt habe. Den muss ich haben! Ich stehe noch einmal auf um ihn zu holen und stürze dabei beinahe über den kleinen, zusammengeknüllten Teppich, der sich normalerweise in bunten Farben auf dem grauen Nadelfilz hervortut.

Geschickt schlängel ich mich durch das Katastrophengebiet. Noch ein kurzer Blick in den ovalen Spiegel, neben der Tür. Langes schwarzes Haar. Grüne Augen.

Die schmalen Lippen dezent mit einem Lipgloss nach gefahren. Definitiv kein Modell und dennoch bin ich mit dem, was ich sehe, mehr oder weniger zufrieden.

Um auch den Rest meines Körpers begutachten zu können, stelle ich mich kurz auf die Zehenspitzen.

Zugegeben, das Hinterteil ist um vieles zu üppig und ein wenig Sport würde mit Sicherheit nicht schaden.

Ich klatsche mir auf die Pobacken, zucke gleichgültig mit den Schultern und werfe mich wiederrum auf das Bett.

Jetzt noch ein wenig Musik. Perfekt. So lässt es sich leben.

Aus Rücksicht auf meinen älteren Bruder Kevin, drehe ich die Anlage allerdings selten laut.

Er bewohnt mit seiner Frau Miriam direkt über mir, das Dachgeschoss.

Vor knapp einem Jahr, keine zwei Wochen nach seinem siebzehnten Geburtstag, schreibt das Buch des Lebens ihm ein neues, dunkles Kapitel.

Innerhalb weniger Wochen verliert er radikal an Gewicht, magert ab, ist schwach und ständig müde. Ein Besuch beim Arzt verschafft ihm und auch uns Klarheit.

Krebs lautet die Diagnose.

Es gibt Menschen deren Stärke, zumindest nach außen hin, bewundernswert ist. Solche die mit einer Aussage dieser Art, umzugehen wissen.

Nicht aber Kevin. Er zerbricht zusehends daran.

Kann und will mit dem Bewusstsein des bevorstehenden Todes nicht umgehen.

Zerfressen von Selbstmitleid und Angst verliert er sich immer häufiger in sich selbst. Sucht Zuflucht und Trost im Alkohol.

Wie gerne hat er früher gelacht und gesungen. Klavier, Gitarre oder Akkordeon gespielt. Es gibt kaum ein Instrument, das dieser Bursche nicht beherrscht.

Ohne Frage. Er ist ein Naturtalent. Feinfühlig und begabt.

Nun allerdings ist Einsamkeit sein bester Freund.

Schweigend sitzt der fast zwei Meter große Kerl oft am Kopf des Küchentisches.

Seine einzige Abwechslung besteht darin, sich aus Stopftabak fein säuberlich kleine Häufchen zu türmen, um sich anschließend mit zittrigen Händen, Zigaretten daraus zu drehen.

Manchmal scheint es mir, als ob er auf etwas wartet.

Wenn ich nur wüsste worauf. Wie verloren der Blick seiner braunen Augen oft wirkt. So traurig und ohne jede Hoffnung.

Zugegeben. Ich bin ihm mit Sicherheit keine große Hilfe.

Auch wenn ich oft den Wunsch verspüre, ihm Trost zusprechen und irgendetwas nettes zu sagen. Warum auch immer, ich kann nicht! Kann es einfach nicht.

Früher waren wir zwei ein unzertrennliches Team.

Wie heißt es so schön, ein Herz und eine Seele.

Ohne es zu wollen, distanziere ich mich neuerdings immer mehr von ihm.

Der Hauch des Todes vermischt mit dem Geruch von Whiskey, machen aus uns Fremde.

Er hat kampflos aufgegeben und sich selber ins Aus katapultiert.

Ein umfallender Stuhl, das Klirren einer berstenden Tasse und gleichzeitig hysterisches Gebrüll, reißen mich aus meinen Gedanken.

Das boshafte Gezeter meiner Schwägerin übertönt die Stereoanlage, um ein vielfaches.

Armer Kevin. Dummer armer Kevin.

Aus seiner Not heraus ehelichte er vor sechs Monaten seine Jugendliebe Miriam.

Wir kennen sie schon von Kindesbeinen an. Sie kommt aus zerrütteten Verhältnissen und ist das traurige Produkt eines Junkiepärchens.

Was jedoch beileibe keinen noch so miesen Charakter rechtfertigt!

Das dürre Gestell ist und bleibt ein berechnendes Miststück, schon von jeher nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht.

Mit Engelszungen habe ich seinerzeit auf Kevin eingeredet. Habe ihn bearbeitet und versucht ihn von seiner Idee Miriam zu heiraten, abzubringen.

Ein Gespräch mit der Wand wäre wahrscheinlich glücklicher verlaufen. Er blockte ab und hat nicht mit sich reden lassen.

Ich habe keine Ahnung, was er sich erhofft hat.

Einen Anker in der Not?

Den berühmt berüchtigten Strohhalm?

Eine zärtliche Geste des Verstehens und der Zuneigung?

Weit gefehlt. Statt ihm zur Seite zu stehen, zieht dieses Scheusal ihn nur noch weiter, in die endlose Tiefe der Einsamkeit.

Das zänkische Gekreische über mir steigert sich und wird immer lauter.

Wut keimt in mir hoch. Verdammte hilflose Wut.

Ich stampfe mit den Füßen gegen die Wand.

Sie soll endlich aufhören ihn anzubrüllen.

Soll ihn doch einfach in Ruhe lassen!

Das alles macht mich ganz krank.

Kevin ist wie immer nicht zu hören. Ausschließlich die sich überschlagende Stimme Miriams.

Hastig springe ich auf und laufe zum Fenster, um mich in irgendeiner Form abzureagieren. Sonst befürchte ich, mich zu vergessen, nach oben zu gehen, das Weibsstück zu schütteln bis es blau anläuft und ihr anschließend meine Meinung zu sagen.

Wer weiss. Vielleicht skippe ich das mit dem anschließend einfach und schüttel sie solange, bis ihr boshaftes Herz aufhört, zu schlagen.

Oh mir fallen so viele Dinge ein, die ich nur zu gerne mit ihr anstellen würde.

Leider werden die meisten davon strafrechtlich verfolgt!

Der Blick aus dem Fenster jedoch beruhigt mich nicht im geringsten. Wie auch? Direkt gegenüber befindet sich nämlich ein kleiner Friedhof, der mir schon von jeher Angst einflößt.

Eine kurvenreiche steile Straße führt direkt ins Zentrum und verläuft wie eine Grenze zwischen unserem Grundstück und dem Totenacker.

Wenn man aus dem Fenster meines Zimmers sieht, muss man unweigerlich auf die Gräber schauen und jedes Mal, wenn ich darauf blicke, dreht sich mir der Magen.

Für mich bezeugt die Ruhestätte der knöchernen Überreste nichts anderes, als Vergänglichkeit des irdischen Daseins. Alleine der Grundgedanke, dass hier Gebeine von Menschen liegen, welche einmal lebten, liebten und fühlten.

Zu wissen, dass Schicksale verschiedenster Art nun langsam vor sich hin faulen. Ihr süßlich verwesender Geruch sich mit modriger Erde, zugleich dem Duft von frischen Blumen vermischt, vermittelt mir ein Gefühl des Unbehagens und jagt mir einen Schauer nach dem anderen über den Rücken.

Meine Fantasie ist mehr als rege und oft bilde ich mir ein grausame Schreie von der Gräberstätte, zu vernehmen.

Und nicht selten vermeine ich Schatten von Verstorbenen zu erkennen, wie sie verloren vor den Grabsteinen wandeln.

Ihre Augen leer und mit erkalteten Blick vor sich hin stierend.

Obwohl ich weiß, dass es sich um reine Hirngespinste meinerseits handelt, habe ich schreckliche Angst.

Es ist besser, den Raum zu verlassen, um auf andere Gedanken zu kommen.

Das Flurfenster wiederrum weckt ganz andere Erinnerungen.

Zumindest lauert hier nicht die Bruderschaft des Todes.

Viel eher eine unbeschwerte Kindheit. Die verrücktesten Ideen und die kuriosesten Spiele.

Denn direkt hinter dem Anwesen befindet sich ein dichter Mischwald, in dem wir als Kinder schrecklich gerne herumtollten. Wir wurden zu Robin Hood und seiner Gefolgschaft, oder entpuppten uns als gemeine Piraten.

Inzwischen sind wir zu jungen Erwachsenen herangereift und begnügen uns mehr oder minder mit Brettspielen, Spaziergängen, oder Federball.

Eigentlich schade. Es ist stets erfrischend gewesen sich von einem Spiel, mitreißen zu lassen.

An eins erinnere ich mich besonders gut.

Es heißt: „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?“

„Niemand!“ Hallt es dann stets durch den Wald und der Gegenüber fragt. „Was, wenn er kommt?“

Die im Chor gerufene Antwort lautet stets.

„Dann laufen wir!“

Aus diesem Kinderspiel von einst soll schon bald bitterer Ernst werden.

Aber als es aber schließlich soweit ist… laufen wir nicht!

KAPITEL 2Der eisige Griff um mein Gelenk verstärkt sich und holt mich zurück. Aber ich bin noch nicht bereit. Noch nicht.

Erneut verschwimmt mein Zeitfenster und wieder befinde ich mich an jenem Sonntagvormittag.

Auf der Terrasse thront Henry, dass jüngste Mitglied der Familie Arend.

Er wartet an dem weißen Gartentisch bereits mit Teller und Besteck bewaffnet, sehnsüchtig auf das eigentlich noch lange dauernde Essen.

Auch Vater sowie meine Wenigkeit befinden sich inzwischen draußen auf der Veranda, um den malerischen Herbsttag im Kreis der Familie zu genießen.

Wobei mich das Wetter und alles andere momentan weniger interessiert. Mein kleiner Bruder hingegen fordert meine ganze Aufmerksamkeit.

Mit verschränkten Armen starre ich den Pausbäckigen Burschen an und überlege wie ein kleiner Mensch, so ungemein verfressen sein kann. Hüte mich aber etwas zu sagen, denn wenn es um Nahrung geht, ist mit dem neunjährigen Kerlchen, überhaupt nicht zu spaßen.

Er ist schnell auf hundertachtzig und kann sehr jähzornig reagieren. Ich bin nicht sonderlich groß und mein hüftlanges Haar bietet dem kleinen Giftzwerg oftmals die ideale Angriffsfläche schlechthin.

Oh Henry kennt meine Schwachstellen nur zu gut und bei Streitigkeiten ziehe ich meistens den Kürzeren.

Das kleine Aas kennt keine Tabus. Kratzt beißt und tritt, wenn er es für notwendig hält. Unabhängig davon, weiss er sich später sehr wohl, als Opferlamm zu präsentieren und unsere Eltern mit seinen großen Kulleraugen, stets von seiner Unschuld zu überzeugen.

Er bekommt die Schokolade. Ich den Ärger!

Vater hat seine Zeitung beiseitegelegt und beobachtet seinen Sprössling nun ebenfalls mit gerunzelter Stirn.

Ob allerdings voller Stolz, ist schwer zu sagen.

Übermütiges Lachen erschallt und lenkt unsere Blicke zu dem alten Kirschbaum, in der Mitte des Grundstücks.

Unter den knorrigen Ästen des Baumes sitzen Anna und Elisabeth auf einer Patchworkdecke und vertreiben sich die Zeit mit einem Brettspiel. Beide scheinen ihre helle Freude daran zu haben, denn sie albern herum und amüsieren sich laut kichernd.

Im obersten Stock hören wir Miriam erneut mit greller Stimme kreischen. „Verdammter Säufer. Du ekelst mich an.

Krepier doch endlich!“

Das offene Fenster wird mit einem lauten Knall zugeschlagen. Wie so oft sehen wir nach oben, schlucken und schweigen.

Wir sind es gewohnt, schließlich ist Miriams Boshaftigkeit ja kein Geheimnis und ihre Launen die Regel.

Mutter kommt kurz auf die Veranda, um ein paar frische Blumen auf den Tisch zu stellen.

„Wir bekommen Besuch. Monika ist mit Sebastian auf dem Weg hierhin. Sie haben eine Überraschung für uns.

Ich glaube es handelt sich um ein neues Spiel. Monika wirkte auf jeden Fall schrecklich aufgeregt am Telefon!“

Mama ruft es beiläufig in die Runde, um dann direkt wieder in

der Küche zu verschwinden.

Monika. Ich kann mir ein fettes Grinsen nicht verkneifen.

Eine Freundin der Familie. Trotzdem. Sie erinnert mich ein wenig an ein Meerschweinchen. Klein, rund und kuschelig.

„Na hoffentlich passt die noch durch die Tür, denn.“ Wie gerne hätte ich meiner bösen Zunge weiter freien Lauf gelassen, doch verstumme abrupt, als ich Vaters strafenden Blick bemerke.

Alle mögen die lebhafte, quirlige Frau mit der heiseren Stimme. Sie ist eine Frohnatur und stets zu Scherzen aufgelegt. Ganz das Gegenteil ihres sechzehnjährigen Sohnes Sebastian, der seine alleinerziehende Mutter überallhin begleitet und ihr nicht von der Seite weicht.

Basti, wie er sich selber gerne nennt, ist ein hochgewachsener, schlaksiger Junge mit strohblondem Haar.

Sein Markenzeichen besteht in einer altmodischen, in Schwarz gefassten Brille, die er aus einer inneren Nervosität heraus, ständig gerade rückt.

Unabhängig davon ist er, wenn auch nicht der hellste, ein netter Kerl.

Während ich noch so über die beiden nachdenke, geht auch

schon die Türklingel.

„Na ihr Rabauken. Ich hoffe ihr habt die Rahmen abgehobelt!

Mir tut der Arsch nämlich noch immer von dem Splitter, aus dem

Türrahmen weh.“ Ihr lautes, koboldartiges Kichern schallt durch den Flur.

Schon wenige Augenblicke später kommt sie zu uns auf die Terrasse, holt sich einen Stuhl und setzt sich ohne große Umschweife zwischen Papa und mich.

Während Monika nun munter drauf losplappert, pflanzt Sebastian sich zu den zwei Mädchen unter den Baum.

Endlich ist das Essen angerichtet.

Basti und Monika sind selbstverständlich unsere Gäste und

bleiben.

Mama ruft Kevin und Miriam über den Hausanschluss herunter.

Offensichtlich haben die beiden sich wieder versöhnt, sie strahlen über das ganze Gesicht und gesellen sich Hände haltend zu uns.

Es gibt Schweinebraten mit selbst gemachten Spätzle und Rotkohl. Dazu ein frisch angerichteter Salat.

Ein regelrechtes Fressgelage folgt. Wir schlagen uns die Wänste voll, bis wir nicht einmal mehr „Papp“ sagen können.

In kurzer Zeit ist verschlungen, was in mühevoller, langwieriger Arbeit liebevoll zubereitet worden ist.

Monika lehnt sich zurück und streichelt zufrieden ihren Bauch. „Barbara. Du bist einfach eine tolle Köchin!“ Ruft sie Mutter nach, die vollauf damit beschäftigt ist, den Tisch abzuräumen und eifrig zwischen Küche sowie Veranda hin und herläuft.

Im gleichen Atemzug wendet Monika sich mit einem spitzbübischen Lächeln an uns.

„Wir haben euch etwas mitgebracht.

Ein Geschenk. Ein ganz besonderes Geschenk.

Kommt. Wir gehen eine Etage höher in euer Esszimmer. Da haben wir mehr Platz. Kommt alle mit und staunt.“

Ohne eine Reaktion abzuwarten, erhebt sie sich und marschiert

geradewegs durch die Küche in die angrenzende Diele, um dann

die morschen Treppen rauf zu poltern.

„Auf geht‘s Leute. Nur keine Müdigkeit vortäuschen!“ Prustet Monika.

Im Esszimmer empfangen meine Eltern gerne Besuch und an sonn.

sowie Feiertagen werden hier die Speisen serviert.

„Kommt ihr? Wenn´s geht heute noch“! Brüllt sie noch einmal durch den Flur.

Neugierig geworden folgen ihr augenblicklich alle Familienmitglieder, um sich in gewohnter Hektik, gemeinsam im ersten Stock zu versammeln.

An dem großen ovalen Tisch umringt von zwölf schweren

Eichenstühlen, bieten sich genügend Sitzmöglichkeiten und in der Nische brennt wie immer die antike Stehlampe.

Der rote Teppich untermalt das gemütliche Ambiente, das sich durch das gesamte Gebäude zieht.

Vater setzt sich auf den alten Ohrensessel direkt in der Ecke, hinter der Tür.

Der Sessel ist nicht nur wahnsinnig bequem, von hier aus kann man mühelos die gesamte Stube überblicken, ohne selber sofort gesehen zu werden.

Alle anderen platzieren sich auf die Stühle, rings um den

Tisch.

Eigentlich ist der Sessel mein Ziel gewesen. Da dieser aber zu meinem Bedauern bereits besetzt ist, entschließe ich mich dazu, mit dem Türrahmen vorliebzunehmen. Lässig daran angelehnt, beide Hände in die Jeanstaschen gesteckt, halte ich mich erst einmal abwartend im Hintergrund.

Henry stürzt sich schamlos auf die selbst gebackenen Plätzchen, die Mutter vorsorglich mit nach oben gebracht hat, um gleich mehrere davon auf einmal in den Mund zu stopfen.

Während er noch mampfend ruft, „boah sind die lecker“,

unterhalten sich die drei Mädchen lauthals über einen Film.

Und Papa sowohl Kevin diskutieren angeregt, jeder von seinem

Platz aus, über politische Ereignisse.

Jeder versucht jeden, lauthals zu übertönen und es ist beinahe unmöglich, dass eigene Wort zu verstehen.

Keiner schenkt den Gästen große Beachtung, denn alle sind viel zu sehr mit ihrer eigenen Thematik beschäftigt.

Der eigentliche Grund warum wir uns hier versammelt haben, ist schlichtweg vergessen.

Amüsiert beobachte ich die chaotische Runde.

Monika verdreht genervt die Augen, räuspert sich mehrmals und klatscht in die Hände, um sich ihn irgendeiner Form, Gehör zu verschaffen.

„Kinder. Kinder seid doch mal alle still!

Wir müssen euch unbedingt etwas zeigen! Glaubt mir ihr werdet Bauklötze staunen!“

Keine Reaktion. Im Gegenteil. Es scheint, als ob sich die bisherige Lautstärke sogar um einiges steigert.

So leicht gibt Monika jedoch nicht auf und immer wieder versucht sie sich aufs Neue, bemerkbar zu machen. Aber erst als sie sich erhebt und grell durch die Finger pfeift, kehrt nach und nach, doch noch Ruhe ein.

Endlich ist alles still. Monika atmet sichtlich erleichtert auf und packt die Gelegenheit beim Schopf.

„Aufgepasst Leute. Jetzt kommts!“

Tja. Wenn wir jetzt das Non plus Ultra erwartet haben, oder das highlight des Tages, so werden wir schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Denn zu unserer Verwunderung zieht sie aus einer Plastiktüte nur eine weiße Tapetenrolle und des Weiteren einen unscheinbaren Tisch mit drei Beinen hervor.

Ein seltsames Gebilde in der Größe eines Serviertabletts von ca. dreißig cm Durchmesser, aus unbehandeltem hellem Holz.

Die Kanten abgerundet und das dritte Standbein ein ganzes Stück kürzer, als die anderen beiden. In der Mitte des Fußes befindet sich eine kleine Aushöhlung.

Eifrig rollt Sebastian die Tapete auf die gesamte Fläche des Esstisches aus, um sie anschließend mit Klebestreifen unter der Esstischkante, zu befestigen.

Während Monika den kleinen Holztisch auf das vorbereitete Papier stellt, kramt Basti einen Bleistift aus der Hosentasche hervor und legt ihn bereit.

„Das ist ein Westerfelder Tischchen. Aber nicht irgendeins.“ Deutet Monika geheimnissvoll an.

„Oh nein. Es besitzt besondere Fähigkeiten! Durch ihn wird es uns möglich sein, Kontakt mit dem Geist eines Verstorbenen aufzunehmen.“

Sebastian ergreift jetzt den Bleistift und hält ihn voller Stolz in die Höhe. Schließlich steckt er ihn mit wichtiger Miene in das dritte, mit einem Loch versehene Holzbein.

„Herr Arend. Julia. Was ist los? Worauf wartet ihr? Extra Einladungen werden nicht verschickt. Setzt euch an den Esstisch, damit wir endlich anfangen können!“

Ups. Fettnäpfchen. Aber so was von.

Ziemlich dreist von Herrn Sebastian Möchtegerngroß. Keiner von uns würde es je wagen in dem Ton, mit Vater zu reden.

Es knistert im Raum und in Erwartung eines Donnerwetters starren wir alle den Hausherren an. Doch Papa bleibt auffallend ruhig und macht absolut keinerlei Anstalten, etwas zu erwidern, oder sich von seinem Platz, zu erheben.

Auch ich denke nicht im Traum daran Bastis sogenannter Bitte, Folge zu leisten. Das Ganze erscheint einfach, zu albern.

Also bleibe ich weiterhin stur am Türrahmen stehen.

Sebastians Kopf läuft hochrot an und erinnert unweigerlich an eine Tomate.

Verlegen nimmt er seine Brille ab, um damit eine Weile herumzuspielen. Schließlich setzt er sie wieder auf und wendet sich an die übrigen Familienmitglieder.

„Jeder von euch legt einen Finger leicht auf die Tischplatte. Egal was auch geschieht, ihr dürft keinesfalls die Hand wegziehen und die Verbindung unterbrechen! Wer weiß was sonst passiert.“

Todernst blickt er über den Brillenrand hinweg in die Runde.

Neugierig geworden pirsche ich mich jetzt ein ganz klein wenig näher heran, um das Geschehen besser beobachten zu können.

Belehrend fährt er fort. „Ich werde gleich den Geist des Tisches herbeirufen. Er kann sich mit uns, na ja um ehrlich zu sein eigentlich nur mit mir, durch das Westerfelder Tischchen verständigen!

Schraubt eure Erwartungen aber nicht allzu hoch, denn leider kann er nur mit „Ja“ oder „Nein“ antworten.“

So sehr ich mich auch bemühe, ernst zu bleiben, jetzt kann ich mir ein Lachen beim besten Willen nicht mehr verkneifen.

„Alles klar. Hand aufs Herz Basti. Den Blödsinn glaubst du doch wohl selber nicht. Oder?“

Vaters grüne Augen funkeln beinahe schwarz und wie so oft wenn er sauer ist, fährt er sich mit der Hand über sein dunkles Haar und zerzaust es.

Verärgert winkt er ab. „Bis hierhin und nicht weiter!

Mir reichts. Irgendwo ist Schluss. So einen Scheiß habe ich selten gehört. Lasst die Finger von dem Zeug.

Geht lieber an die frische Luft!“

Ohne zu zögern, steht er auf und verlässt missmutig den Raum.

Ich hingegen bleibe, sowie alle anderen auch.

Sebastian rückt seine Brille gerade und bedenkt mich mit einem bitterbösen Blick. „Machst du nun mit, oder nicht?“

„Was solls“, gleichgültig zucke ich mit den Achseln und setze mich auf einen freien Platz. Und auch meine Hand wandert augenblicklich zu jenem hässlichen Möbelstück, um ebenfalls den Zeigefinger darauf zu legen.

„Seele des Tisches, wir rufen dich!

Geist eines Verstorbenen, wir rufen dich!“

Unaufhörlich versucht Sebastian mit fordernder Stimme, irgendein Gespenst heraufzubeschwören.

Gespannt beobachten wir den Tisch in der Hoffnung, das etwas besonderes passieren wird. Na ja, irgendetwas Gewaltiges.

Vergeblich. Der Westerfelder Tisch rührt sich keinen Zentimeter.

So allmählich wird uns langweilig und wir fangen an, herum zu albern. Reißen Witze über Geister. Untermalen unsere Einlagen durch vermeintlich gruselige „Buh“ Rufe und was uns sonst noch so einfällt.

Henry hat sich den Pullover über den Kopf gezogen und läuft aufgedreht durch das Zimmer. „Huhu. Huhu. Uahh! Ich bin ein Geist und hole euch!“

Echt kindisch was er da gerade abzieht, aber immerhin bewegt sich zumindest etwas.

Die Fingerkuppen haben wir nach wie vor auf der Tischplatte liegen. Irgendwie empfinden wir es als lustig und außerdem ist es bequem.

Die einzigen, die der ganzen Sache noch mit einer gewissen Ernsthaftigkeit begegnen, sind Mutter, Sebastian und Monika.

Basti übergeht unser Verhalten. Der Blondschopf hebt seine Stimme an und ruft weiterhin beharrlich nach der Seele eines Verstorbenen.

„Wenn du unser Rufen hörst, erscheine! Wir rufen dich!

Erscheine! Wir befehlen dir, erscheine!“

Die Temperatur im Zimmer sinkt. Nur ganz leicht.

Der Westerfelder Tisch fängt an, unter unseren Händen zu vibrieren.

Zaghaft und kaum spürbar.

Dann setzt er sich mühsam in Bewegung.

Bestückt mit dem Bleistift fährt er auf der vorbereiteten Tapete ganz langsam Auf und Ab.

Lauernd. Bedrohlich.

Ein Stier der seine Hufe wetzt, um schließlich loszustürmen.

Mucksmäuschenstill ist es geworden und selbst Henry spürt die Veränderung. Denn er hat seinen Pulli wieder richtig angezogen und kuschelt sich ganz eng an Mama.

„Seht ihr? Seht ihr? Ich hab es euch gesagt!“

Sebastian ist außer sich vor Freude und blickt selbstgefällig in die Runde. „Der Geist. Er ist jetzt da!“

Basti ist glücklich und zugleich wirkt er schrecklich nervös. Ständig rückt er seine Brille zurecht und seine Hände zittern.

„Kommt schon Leute. Worauf wartet ihr? Ihr könnt ihm jetzt Fragen stellen!“

Wir drucksen herum und trauen uns eigentlich nicht so recht. Die Situation ist jedem Einzelnen von uns mehr oder weniger peinlich und keiner wagt sich so recht, den Anfang zu machen.

Immerhin wiederspricht ein Gespräch mit einem sogenannten Geist, jeder menschlichen Vernunft.

Irgendwann aber schwinden alle Hemmungen und der eine oder andere wirft zaghaft eine verlorene Frage in den Raum.

„Finde ich den Mann meines Lebens?“

„Werde ich im Lotto gewinnen?“

Kaum ist eine Frage ausgesprochen, rutscht der Tisch mit

unseren Fingern darauf, in die Richtung des Fragenden.

Mühselig zeichnet es seine Antworten, je nach Fragestellung mit ja oder nein.

Gemeinsam schieben wir das Gestell über das Papier.

Unsere Körper folgen den Bewegungen des Westerfelder Tisches und unsere Arme werden lang.

Aus irgendeinem Grund aber werde ich das Gefühl nicht los, dass Sebastian die ganze Geschichte bewegt und wir ihm, warum auch immer, rein instinktiv folgen.

„Glaubst du an die Bibel? Glaubst du an Gott und wo du bist, ist es da besser als hier?“ Elisabeth scheint Gefallen an dem Spiel, gefunden zu haben. Außerdem ist sie schon von klein auf äußerst neugierig und schnell zu begeistern.

Bewaffnet mit unseren Fingern fährt der Tisch langsam in ihre Richtung und schreibt: –Nein. -Ja. -Nein.

Ich brauche nicht lange zu überlegen.

Zuerst. Er glaubt nicht an die Bibel. Aber an Gott. Und im Jenseits soll es schlechter sein, als auf der Erde?

So ein Schwachsinn! Das ist in meinen Augen mehr als grotesk und ich muss meinem Frust endlich Luft machen.

„Mann Sebastian. Verarschen kann ich mich wirklich alleine! Dafür brauche ich dich nicht. Ich glaube nicht, dass da jemand am anderen Ende sitzt und aus dem Jenseits mit uns kommuniziert.

Einzig du bewegst diesen Mist mit deinen Händen. Darum antwortet es auch nur schlicht mit ja oder nein.

Das kriegst selbst du noch hin!

Aber sich anzumaßen über Glaubensfragen Witze zu machen. Das ist geschmacklos. Mehr als geschmacklos!“

Meine Hand löst sich vom Tisch und ich erhebe mich um in mein

Zimmer zu gehen, das direkt an das Esszimmer angrenzt.

Abwertend hebe ich meine Arme in die Luft. „Das war’s. Ich bin raus!“

Monika ist über meine Reaktion sichtlich enttäuscht.

„Julia wirklich. Das ist nicht fair und absolut unter der

Gürtellinie. Außerdem ist es doch nur ein Gesellschaftsspiel!“

Im Zimmer wird es auf einmal merklich kühler und völlig unerwartet fängt der Westerfelder Tisch an, wie wild auf der Tapete herumzukritzeln.

Der Stift schabt wie ein verrosteter Nagel über das Papier.

Alle anderen halten ihren Zeigefinger noch auf der Platte.

Es bereitet ihnen sichtlich große Mühe, mit den zackigen

Bewegungen des kleinen Tisches mitzuhalten und nicht von der

Holzoberfläche abzurutschen.

-Bleib. Geh nicht!

Perplex stiere ich auf die gekritzelten Zeilen.

Er kann ja doch mehr, als nur mit ja oder nein antworten!

-Oskar. Mein Name ist Oskar.

Sebastian wird kreidebleich.

Die Temperatur im Zimmer sinkt weiter.

Aufgeregt reden alle durcheinander und bemerken nicht wie sich Kevins Gesichtsfarbe ebenfalls verändert.

„Wie lange habe ich noch zu leben? Wann muss ich sterben?

Sag. Besteht bei mir eine Chance auf Heilung?“

Völlig aufgelöst schreit er Fragen in den Raum und allmählich breitet sich eine bedrückende Stimmung aus.

Alle starren Kevin an und nur noch das kratzende Geräusch des Bleistiftes, ist zu vernehmen.

Der Tisch, oder besser der Geist in ihm schreibt und schreibt, scheint kein Ende zu finden.

Er benutzt medizinische Fachbegriffe. Beschreibt detailliert

Kevins Krankheit und umgeht geschickt die Frage nach seiner

Lebensdauer.

Eine völlig neue Welt öffnet sich und auch ich setze mich

erneut hin, um mich an dem Spiel, zu beteiligen.

Oskar umschmeichelt uns mit Worten, geht auf jeden Einzelnen

ein, deutet die Zukunft und weiss auf jede Frage eine Antwort.

Mit Charme und Witz erhitzt er die Gemüter.

Wir ignorieren die unnahbare Kälte, die sich wie eine Kuppel

über uns legt.

Bemerken nicht die Augen, die uns berechnend studieren.

Wir spielen, vergessen alles um uns herum und öffnen eine

Tür ohne zu ahnen, was sich dahinter befindet.

Ohne zu wissen wie und ob man sie je wieder verschließen kann.

KAPITEL 3

Die Stunden vergehen wie im Flug und der Abend naht.

Monika und Sebastian wollen, sehr zu unserem Bedauern, nach Hause. Da jedoch niemand außer Basti, Kontakt zu dem Geist herstellen kann, ist die Korrespondenz mit Oskar somit vorläufig beendet.

Wir unterhalten uns alle noch ein wenig. Schließlich begleite ich die beiden gemeinsam mit Mutter, zur Haustür.

Vater kommt ebenfalls aus der Küche.

Er hat sich dorthin zurückgezogen, um endlich seine geliebte Sonntagszeitung, in Ruhe lesen zu können.

Monika ist in sich gekehrt und sichtlich geschockt darüber,

dass der Westerfelder Tisch wider Erwarten, zu ganzen Sätzen fähig ist.

Kurz bevor sie geht, zieht sie mich diskret zur Seite.

„Julia ich weiß, es hat euch allen Spaß gemacht. Aber

irgendetwas stimmt hier nicht. Basti und ich, wir haben schon oft mit dem Geist gesprochen. Aber heute war es anders und ich habe ein verdammt ungutes Gefühl!“

Monika wirkt ernsthaft besorgt. Doch für mich besteht absolut kein Grund zur Sorge und betrachte es eher als eine willkommene Abwechslung.

Ich bin mir sogar sicher, dass sich der Westerfelder Tisch alleine durch unsere ausströmende Energie bewegt und wir lediglich unsere eigenen Gedanken hineinprojizieren.

Nicht mehr, aber auch nicht weniger!

„Das ist jetzt einfach etwas Neues.“ Versuche ich, sie zu beschwichtigen. „In ein paar Tagen verliert jeder sein Interesse daran. Spätestens dann landet das Ding in einer Ecke, wo es vor sich hingammeln wird.

Außerdem, ohne Sebastian können wir ja sowieso nichts machen! Also mach dich doch nicht verrückt!“

Monika lässt das Gehörte auf sich wirken, nickt zustimmend und

scheint beruhigt.

Noch ein paar Worte gewechselt, eine kurze Umarmung.

Schließlich machen die beiden sich auf den Heimweg. Nicht aber ohne zu versichern, dass sie schon im Laufe der kommenden Woche wieder vorbeischauen wollen.

Eigentlich plane ich, mich direkt in mein Zimmer zu begeben und vor dem Abendbrot noch ein wenig zu lesen.

Als ich jedoch am Esszimmer vorbeikomme, höre ich Elisabeth aufjauchzen.

„Ich kann es auch! Ich kann es auch! Ich kann es auch!

Es schreibt durch meine Hände und kribbelt ganz komisch in den Fingerspitzen.“

Eine ungewöhnliche Reaktion des sonst so ruhigen und sensiblen Mädchens.

Neugierig wie sie nun einmal ist, hat sie ihren Zeigefinger erneut auf die Tischplatte gelegt. Einfach so. Ohne Hintergedanken. Na ja, behauptet sie zumindest.

Völlig unerwartet nutzte der Geist ihre Körperströme und bewegt sich nun durch den kleinen Tisch schreibend vorwärts.

„Wir brauchen nicht mehr auf Basti zu warten. Jetzt können

wir selber Kontakt mit Oskar aufnehmen!“

Das muss ich mit eigenen Augen sehen, zieh die Tür zu meinem

Zimmer wieder ins Schloss, mache auf dem Absatz kehrt und

gehe in den Essraum zurück.

Wahrhaftig. Wie von Zauberhand geführt bewegt sich der Tisch unter Lissys Finger.

„Komm Julia setz dich. Wir stellen Oskar noch ein paar Fragen und spielen mit ihm.“

Elisabeth blickt mich hoffnungsvoll an. Ihre hellen Augen strahlen und lassen ihr zartes Gesicht noch reizvoller erscheinen.

Schon von jeher ist es mir unmöglich, ihr einen Wunsch abzuschlagen und gemeinsam mit Anna, Kevin und Miriam steigern wir uns in das Spiel mit dem Unbekannten.

Irgendwann siegt der Hunger. Wir beenden unser Geplänkel mit Oskar und einer nach dem anderen begibt sich nach unten in die Küche, um etwas zu essen.

Endlich allein! Alle sind fort. Das ist die Gelegenheit!

Erwartungsvoll lege ich meine Hand auf die hölzerne Platte.

Nicht aber ohne ein schlechtes Gewissen zu haben!

Monikas mahnende Worte sind noch frisch im Gedächtnis und haben leichte Spuren des Misstrauens hinterlassen.

Ein kurzes Zögern. Doch voller Hoffnung darauf, dass auch ich unabhängig von anderen Oskar rufen kann, verwerfe ich all meine Bedenken.

Ich hole tief Luft und bin schrecklich aufgeregt.

Zaghaft rufe ich nach dem Geist, klopfe auf das Tischchen und puste es sogar an.

Regungslos steht es da. Tot. Nur ein dummes Stück Holz?

„Hey sag doch etwas!“

Wieder nichts.

Enttäuscht schiebe ich den unscheinbaren Tisch beiseite.

Der Appetit ist mir zu diesem Zeitpunkt gründlich vergangen und ich verspüre absolut keine Lust, ebenfalls nach unten zu gehen, um das mit Sicherheit stattfindende Gerede über Oskar, anhören zu müssen. Also begebe ich mich in mein Zimmer, um ein wenig Ablenkung bei leiser Musik zu finden.

Es ist mir jedoch unmöglich, mich von der Musik einfach treiben zu lassen und ungewollt wandern meine Gedanken immer wieder zu ihm.

Ein ums andere Mal stehe ich von Unruhe getrieben auf, begebe

mich zum dreibeinigen Tisch und lege meine Hand auf die

Platte. In der Hoffnung, etwas zu spüren.

Aber gleich wie oft ich es auch versuche, stets ohne Erfolg!

Irgendwann in der Morgendämmerung gebe ich es schließlich auf und gehe zu Bett.

Die Nacht zerrt an mir. Ich bin todmüde und eigentlich möchte ich am nächsten Morgen unbedingt ausschlafen. Aber schon in aller Frühe werde ich durch lautes Gelächter geweckt.

Das Lachen schallt aus dem Esszimmer herüber und noch gar nicht richtig aufnahmefähig, torkel ich schlaftrunken nach nebenan.

Alle weiblichen Familienmitglieder sind erneut um den Tisch

versammelt und erfreuen sich bester Laune.

„Er schreibt jetzt auch durch Anna.“ Werde ich von Henry kauend begrüßt, der auf dem alten Ohrensessel herumturnt und freudig auf mich zuspringt.

„Mann. Mach den Mund leer. Ist ja ekelhaft!“

Angewidert schiebe ich ihn ziemlich grob von mir fort.

„Hängt ihr schon wieder an diesem Mist rum“? Wende ich mich nun direkt an Mama.

Sie steht da, nickt nur und ihr Gesicht glüht vor Aufregung.

Ich bin zutiefst enttäuscht darüber, dass alle wie es scheint

mit diesem Ding schreiben können. Alle außer mir!

Aufgrund der bestehenden Herbstferien habe ich alle Zeit der Welt. Folglich setzte ich mich provokativ auf einen freien Stuhl und maule herum, ohne mich aber selber am Spiel zu beteiligen.

Überhaupt möchte ich nie wieder etwas damit zu tun haben,

was ich auch laut verkünde. Diese und noch weniger rühmliche Bemerkungen kommen über meine Lippen.

Mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln gebe ich mir die größte Mühe, ihnen den Spaß daran zu verderben.

Doch sie übergehen meine spitzfindigen Kommentare.

Ja ignorieren sie nach allen Regeln der Kunst und schreiben einfach weiter mit Oskar.

Schließlich wird es mir zu bunt.

„Ihr seid echt bescheuert!“ Muss ich einfach noch loswerden. Peinlich berührt schnappe ich mir Henry, um mit ihm nach unten zu gehen. Der Knirps wehrt sich anfangs mit Händen und Füssen und möchte viel lieber oben bei den anderen bleiben.

Das Wiederum ist mir persönlich ziemlich egal. Ich muss einfach irgendetwas tun, um die für mich peinliche Situation, zu überspielen.

Ich zerre an seinem Arm, um ihn gegen seinen Willen mit mir zu schleifen. Aber er besitzt für seine Größe immense Kraft und es scheint unmöglich, ihn auch nur einen Zentimeter zu bewegen.

Erst als ich das Wort essen erwähne, ist er schnell besänftigt und gerne bereit, mit mir in die Küche zu kommen.

„Recht hast du“, pflichtet Vater mir bei, der sich ebenfalls auf dem Weg nach unten befindet. „Die drehen alle ab. Ich muss zur Arbeit und bin froh, wenn ich von dem Unsinn nichts mitbekomme!“

Keiner nimmt Notiz von ihm, denn sie sind viel zu sehr in ihr

Spiel vertieft und nehmen gar nichts mehr um sich herum wahr.

Von diesem Tag an nutzt meine Familie jede freie Minute, um sich mit Oskar durch den Westerfelder Tisch, zu unterhalten.

Ab und an leiste ich ihnen sogar Gesellschaft.

Allerdings nur auf dem Beobachtungsposten. Was mich aber nicht davon abhält, lauthals Fragen einzuwerfen.

Wissbegierig wie ich nun einmal bin, möchte ich in Erfahrung bringen, ob Oskar schon einmal gelebt hat.

Darauf antwortet er wie folgt:

-Mein Name ist Oskar Gerber und ich habe schon einmal gelebt. Meine Seele findet keine Ruhe!

„Warum findest du keine Ruhe“? Anna wird hellhörig.

-Ich habe etwas Schlimmes getan!

„Was hast du getan?“ Bohrt sie weiter.

-Ich war an der Ostfront. Dann endlich bekam ich Fronturlaub. Ich hatte mich so auf zu Hause gefreut und noch mehr auf meine bildhübsche junge Frau Theresa.

Ich habe sehr viel Brutales gesehen, doch was ich dann

entdeckte, war für mich persönlich schlimmer und grausamer als

alles bisher erlebte.

Theresa ahnte nicht, dass ich kommen würde.

Es sollte doch eine Überraschung sein. Und das war es dann auch!

Ich erwischte sie in flagrante mit meinem besten Freund Peter.

Meinen Karabiner trug ich zu jener Zeit immer bei mir.

Ich legte an, zielte und schoss auf den Verräter.

Erst in die Beine. Er sackte in sich zusammen.

Dann in jeden Arm. Ich wollte ihn leiden sehen.

Er lag vor mir und winselte wie ein dreckiger Straßenköter, um

Gnade.

Eine Weile sah ich ihm zu, wie er sich wimmernd im eigenen