Satzpaarbasierte Wortschatzarbeit - Theo Tebbe - E-Book

Satzpaarbasierte Wortschatzarbeit E-Book

Theo Tebbe

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Beschreibung

Masterarbeit aus dem Jahr 2011 im Fachbereich Anglistik - Sonstiges, Note: 1,0, Universität Osnabrück, Sprache: Deutsch, Abstract: Polonius: What do you read, my lord? Hamlet: Words, words, words. (Hamlet, Act 2, Sc. 2) Wörter machen für sich betrachtet sicherlich noch keine Sprache aus; jedoch besteht eine sprachliche Mitteilung, egal welcher Art, immer aus Worten. Daher ist der Erwerb eines ausreichenden Wortschatzes für Lerner einer Fremdsprache (L2) unverzichtbar. Ludewig [2011] betont diesbezüglich, dass die deutsche Sprache im Gegensatz zum Englischen, zwischen zwei Pluralen von „Wort“ unterscheidet: die Wörter und die Worte. „Wörter“ steht für eine Ansammlung von Einzelwörtern. Daher heißt es beispielsweise: „Die Dudenreaktion ist ständig auf der Suche nach neuen Wörtern, die sie dann bei einer Aktualisierung in ein Wörterbuch aufnimmt.“ Im Gegensatz dazu können „Worte“ als Ausdrücke betrachtet werden, die aus einer Verknüpfung mehrerer Wörter (z.B. „einen Apfel essen“), aus Kollokationen (z.B. „eine Rede halten“ siehe 2.1.3) oder gar aus ganzen Sätzen bestehen (z.B. „Aus seinen Augen sprach der blanke Hass.“). Elektronische Wörterbücher unterscheiden häufig zwischen einer Stichwortsuche und einer Beispiel- und Idiomsuche. Während die Stichwortsuche auf die Suche von Wörtern fokussiert, rückt die Beispiel- und Idiomsuche Worte in den Mittelpunkt. In der Beispielsuche des elektronischen Wörterbuches CASIO EW-G6000C lassen sich bei der deutsch-englischen Suche nach „Worte“ und „Worten“ 18 bzw. 14 Beispielsätze finden (siehe Abbildung 1.1). Wiederholt man den Vorgang mit dem Suchwort „Wörter“ bzw. „Wörtern“, wird jedoch kein einziges Beispiel gefunden (siehe Abbildung 1.2). Ist auch nach jahrzehntelanger Forschung keine empirisch begründete Methode für einen optimalen Wortschatzerwerb bestätigt worden [Takac 2008], so zeigt schon die Häufigkeitsverteilung dieser Suchergebnisse, dass das Erlernen von Worten beim Fremdsprachenerwerb einen höheren Stellenwert einnehmen sollte als das bloße Wörterlernen. Die vorliegende Arbeit legt daher den Schwerpunkt auf eine satzpaarbasierte (also auch wortebasierte) Wortschatzarbeit. Es soll untersucht werden, welche Argumente sich aus der Betrachtung der aktuell praktizierten Wortschatzarbeit und dem Feld der Korpuslinguistik ergeben, die sowohl für einen satzpaarbasierten Ansatz im Unterricht als auch für selbst- gesteuerte Wortschatzarbeit sprechen.

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Veröffentlichungsjahr: 2011

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1.Einleitung

 

Polonius: What do you read, my lord?

Hamlet: Words, words, words.

 

(Hamlet, Act 2, Sc. 2)

 

Wörter machen für sich betrachtet sicherlich noch keine Sprache aus; jedoch besteht eine sprachliche Mitteilung, egal welcher Art, immer aus Worten. Daher ist der Erwerb eines ausreichenden Wortschatzes für Lerner einer Fremdsprache (L2) unverzichtbar. Ludewig [2011] betont diesbezüglich, dass die deutsche Sprache im Gegensatz zum Englischen, zwischen zwei Pluralen von „Wort“ unterscheidet: die Wörter und die Worte. „Wörter“ steht für eine Ansammlung von Einzelwörtern. Daher heißt es beispielsweise: „Die Dudenreaktion ist ständig auf der Suche nach neuen Wörtern, die sie dann bei einer Aktualisierung in ein Wörterbuch aufnimmt.“[1] Im Gegensatz dazu können „Worte“ als Ausdrücke betrachtet werden, die aus einer Verknüpfung mehrerer Wörter (z. B. „einen Apfel essen“), aus Kollokationen (z.B. „eine Rede halten“ siehe 2.1.3) oder gar aus ganzen Sätzen bestehen (z. B. „Aus seinen Augen sprach der blanke Hass.“). Elektronische Wörterbücher unterscheiden häufig zwischen einer Stichwortsuche und einer Beispiel- und Idiomsuche. Während die Stichwortsuche auf die Suche von Wörtern fokussiert, rückt die Beispiel- und Idiomsuche Worte in den Mittelpunkt.

 

In der Beispielsuche des elektronischen Wörterbuches CASIO EW-G6000C lassen sich bei der deutsch-englischen Suche nach „Worte“ und „Worten“ 18 bzw. 14 Beispielsätze finden (siehe Abbildung 1.1). Wiederholt man den Vorgang mit dem Suchwort „Wörter“ bzw. „Wörtern“, wird jedoch kein einziges Beispiel gefunden (siehe Abbildung 1.2).

 

 

Abbildung 1.1.: Beispielsuche für „Worte“ und „Worten“ im CASIO EW-G6000C

 

 

Abbildung 1.2.: Beispielsuche für „Wörter“ und „Wörtern“ im CASIO EW-G6000C

 

Ist auch nach jahrzehntelanger Forschung keine empirisch begründete Methode für einen optimalen Wortschatzerwerb bestätigt worden [Takac 2008], so zeigt schon die Häufigkeitsverteilung dieser Suchergebnisse, dass das Erlernen von Worten beim Fremdsprachenerwerb einen höheren Stellenwert einnehmen sollte als das bloße Wörterlernen. Die vorliegende Arbeit legt daher den Schwerpunkt auf eine satzpaarbasierte (also auch wortebasierte) Wortschatzarbeit. Es soll untersucht werden, welche Argumente sich aus der Betrachtung der aktuell praktizierten Wortschatzarbeit und dem Feld der Korpuslinguistik ergeben, die sowohl für einen satzpaarbasierten Ansatz im Unterricht als auch für selbstgesteuerte Wortschatzarbeit sprechen.

 

1.1. Entstehungshintergrund

 

Die vorliegende Arbeit entstand als eine von fünf Masterarbeiten aus dem Studienprojekt Computational linguistics, didactics and dictionary (CoDiCo) an der Universität Osnabrück. Das CoDiCo-Projekt umfasst eine Zusammenarbeit des Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaften, dem Institut für Kognitionswissenschaften, des Gymnasiums Oesede und der Angelaschule sowie CASIO Europe Gmbh. Hauptgegenstand aus studentischer Sicht war die Konstruktion eines Workbooks zur Einführung in die Benutzung eines elektronischen bzw. eines Papierwörterbuches. Mit Hilfe des Workbooks wurde der Nutzen elektronischer Wörterbücher gegenüber Papierwörterbüchern verglichen (siehe Abschnitt 3.2.2). Die Computerlinguisten haben zudem nach Verbesserungen der Funktionalität und Authenzität solcher Wörterbücher geforscht und Korpora als Grundlage zukünftiger Wörterbücher gesetzt.

 

Durch die enge Zusammenarbeit entstanden so unter anderem für die Studenten der Sprachwissenschaft erste Annäherungen zum Feld der Korpuslinguistik, dessen Methoden auch in der vorliegenden Untersuchung zur satzpaarbasierten Wortschatzarbeit im Schulunterricht eine bedeutende Rolle spielen. Dadurch werden zwei Bereiche zusammengeführt, die Korpuslinguistik und die Fachdidaktik des Fremdsprachenerwerbs, welche gewöhnlicherweise nicht sehr stark verknüpft sind. Dementsprechend werden fachspezifische Begriffe der Korpuslinguistik für den L2-Erwerb von Grund auf erklärt, sodass eine erste Annäherung beider Bereiche möglich ist.

 

1.2. Aufbau und Ziel der Arbeit

 

Bevor die satzpaarbasierte Wortschatzarbeit im Detail und an konkreten Beispielen präsentiert wird, sollen Argumente aufgeführt werden, die diesen Ansatz begünstigen. Dazu werden an dieser Stelle drei mögliche Methoden der Wortschatzarbeit im Fremdsprachenunterricht aufgezeigt (siehe Tabelle 1.1), die auch im Laufe der Arbeit wiederzufinden sind.

 

 

Tabelle 1.1.: Methoden der Wortschatzarbeit

 

Die aufgeführten Methoden der Wortschatzarbeit sind in gewisser Hinsicht chronologisch angeordnet und spiegeln zugleich den Aufbau der vorliegenden Arbeit wider. So kann als älteste Form des Wortschatzerwerbes das Auswendiglernen langer Wortlisten aufgeführt werden. Das Erlernen einzelner Wörter und ihrer Übersetzung (z. B. „a car“ - „ein Auto“) gilt mittlerweile jedoch als ungenügend, da keinerlei Informationen über die Anwendung der Wörter vermittelt wird und die Sprachproduktion (siehe Abschnitt 2.1.1) somit nicht unterstützt wird. Es ist daher auch nicht sinnvoll die Qualität eines Wortschatz an der Anzahl der erlernten Wörter zu definieren (Abschnitt 2.1.2).

 

In der Fremdsprachendidaktik wurden die Wortgleichungen demzufolge durch Mehrwortausdrücke in der Zielsprache ersetzt (siehe Abschnitt 2.1.3 zu Kollokationen). So kann der L2-Lerner Worte im Kontext begreifen. Häufig fällt es ihm aber schwer die wenigen erlernten Worverbindungen auf andere Kontexte zu übertragen.

 

Die Korpuslinguistik erlaubt die Synthese des Lernens anhand von Wortgleichungen und Mehrwortausdrücken. Sie bietet die Möglichkeit sowohl feste als auch freie Verbindungen in verschiedenen Kontexten aufzuführen und mit Hilfe paralleler Korpora (siehe Abschnitt 3.1.3) kontrastiv darzustellen. Somit treten auch bereits bekannte Wörter und Worte in immer neuen Verbindungen auf, die mithilfe angepasster Übungen wiederholt werden können (Abschnitt 4.2).

 

Für den konkreten Aufbau der Masterarbeit sei auf Abbildung 1.3 verwiesen. Die Arbeit ist in drei große Abschnitte unterteilt, welche jeweils einen eher theoretischen und einen eher praktischen Teil aufweisen. Der erste Abschnitt (Kapitel 2) beschäftigt sich mit den Ursprüngen und der Entwicklung der Wortschatzarbeit. So werden zunächst das Lernen einzelner Wörter und Mehrwortausdrücke präsentiert und auf Grundlage von Lehrwerken tatsächlich praktizierte Verfahren an deutschen Schulen vorgelegt. Gleichzeitig wird aufgeführt, an welchen Stellen heute durchgeführte Methoden der Wortschatzarbeit Mängel aufweisen, die mithilfe satzpaarbasierter Wortschatzarbeit möglicherweise umgangen werden können.

 

 

Abbildung 1.3.: Aufbau der Masterarbeit

 

Darauf folgt eine Einführung in das Feld der Korpuslinguistik bzw. korpuslinguistischer Methoden (Kapitel 3), bevor konkrete Anwendungsbereiche und digitale Verarbeitungsmöglichkeiten von Korpora präsentiert werden. Analog zum 2. Kapitel soll auch die Einführung in die Korpuslinguistik dazu dienen, zur satzpaarbasierten Wortschatzarbeit hinzuführen. Es wird aufgezeigt, wie mithilfe digitaler Korpora und Verfahren elektronischer Datenverarbeitung kontextualisierte und im Fall paralleler Korpora zugleich kontrastive Wortschatzarbeit ermöglicht wird.

 

Das 4. Kapitel widmet sich dann völlig dem satzpaarbasierten Ansatz. Nachdem die aus der Geschichte der Wortschatzarbeit und dem Feld der Korpuslinguistik resultierenden Aspekte für einen solchen Ansatz noch einmal zusammengefasst werden, folgen konkrete Beispiele zur satzpaarbasierten Wortschatzarbeit im Fremdsprachenunterricht. Diese Beispiele geben dem L2-Lerner die Möglichkeit neue Wörter syntagmatisch mit bereits bekannten Wörtern und gleichzeitig Wortschatz- und Grammatikarbeit zu verknüpfen (siehe Abschnitte 2.1.1 und 2.2.1).

 

1.3. Voraussetzungen zum Verständnis der Arbeit

 

Im Rahmen der vorliegenden Arbeit werden einige Begriffe benutzt, welche in der einschlägigen Literatur häufig unterschiedlich betrachtet werden. Daher ist es sinnvoll, kurz zu definieren, wie sie hier verstanden werden.

 

Zunächst ist zu klären, wie der verwendete Titel „Satzpaarbasierte Wortschatzarbeit“ zu verstehen ist. Den Wortschatz definiert Bussmann [2008, S. 799] im Lexikon der Sprachwissenschaft wie folgt:

 

Wortschatz [engl.vocabulary.-Auch : Lexik]. Gesamtmenge aller Wörter einer Sprache zu einem bestimmten Zeitpunkt. Quantitative Angaben über den Umfang des W. (z.B. ca. 500.000 für das Dt.) sind problematisch bzw. abhängig von dem der jeweiligen Schätzung zugrunde liegenden Konzept von Wort sowie von der Berücksichtigung fachsprachlicher Sonderbildungen. Der Durchschnittssprecher verfügt über einen W. von ca. 6.000 bis 10.000 Wörtern [...]

 

Das Verständnis von Wortschatz in der vorliegenden Arbeit weicht insofern von Bussmanns Definition ab, als dass hier nicht die Gesamtmenge von Wörtern sondern von Worten entscheidend ist. Die Wortschatzarbeit umfasst nun grob gesehen die Einführung neuer Wörter in den Wortschatz und das syntaktische Verknüpfen bereits bekannter Wörter zu neuen Wortverbindungen. Während u.a. Stork [2003, S. 38] das Vokabellernen von der Wortschatzarbeit abgrenzt, indem sie Ersteres als „selbstgesteuertes Lernen lexikalischer Einheiten“ innerhalb und außerhalb des Fremdsprachenunterrichts definiert und dem Zweiten das gesteuerte Lernen im Klassenraum zuschreibt, werden die beiden Begriffe hier wie folgt unterschieden: Der Begriff Vokabellernen wird unter anderem beim Erwerb neuer Wörter verwendet und kann als Bottom-Up Ansatz des Fremdsprachenerwerbs angesehen werden. Die SuS erlernen zunächst einzelne Wörter, die sie zu Worten und Sätzen zusammensetzen müssen. Als Wortschatzarbeit hingegen wird der Erwerb und das Einüben von Worten verstanden. In diesem Top-Down Ansatz können Wörter aus ihrer Verbindung erschlossen und neu verknüpft werden.

 

Der Term „satzpaarbasiert“ (auch satzgleichungsbasiert) spiegelt eine Ebene wider, auf der Übersetzen stattfinden kann. Glück [2000] versteht Übersetzen im Metzler-Lexikon Sprache als

 

Vorgang und Resultat der Wiedergabe sprachlicher Ausdrücke (Wörter, Sätze, Texte) einer Sprache A in einer Sprache B. Dies kann im Aufstellen von Wortgleichungen, von Satzgleichungen oder in der Herstellung von größeren Texten bestehen, die in der Sprache B Bedeutung, Sinn und ggf. sprachliche Formen (z. B. bei der Übersetzung von Lyrik) der Textvorlage rekonstruieren.

 

Bei der satzpaarbasierten Wortschatzarbeit wird demnach versucht,Wörtern und Worten anhand von Satzgleichungen Entsprechungen in der Zielsprache zuzuweisen. Der in dieser Arbeit aufgeführte Fremdsprachenerweb bezieht sich ausschließlich auf den Erwerb der englischen Sprache, jedoch gelten die aufgeführten Theorien prinzipiell auch für jede andere Fremdsprache

 

2. Wie werden Wörter gelernt und gelehrt?

 

2.1. Theorie der Wortschatzarbeit

 

Um Aufschluss über geeignete Methoden der Wortschatzvermittlung zu bekommen, ist es zunächst notwendig, sich mit dem Wortschatzerwerb auseinanderzusetzen. Im weitesten Sinne befasst sich dieser Abschnitt daher mit der unter anderem von Felix [1986, S. 82 f.] gestellten Frage: „What is it that enables humans to acquire natural languages?“ - Eine exakte Antwort auf diese Frage gibt es (noch) nicht, aber viele empirische Studien haben das Erlernen einer Sprache untersucht und Modelle wie das „mentale Lexikon“ entwickelt (siehe Abschnitt 2.1.4), die den Spracherwerb zumindest in Ansätzen beschreiben können. Hier soll dieser Bereich ein wenig eingeschränkt werden; so liegt der Fokus im Folgenden auf dem L2-Erwerb. Zudem wird bei den aufgezeigten Möglichkeiten zum Erwerb und Unterrichten von unbekannten Worten oder Wortverknüpfungen hauptsächlich die Wortschatzarbeit im Englischunterricht betrachtet.

 

Vier Fertigkeiten des Fremdsprachenerwerbs

 

Das sprachliche Ziel eines L2-Lerners kann stark vereinfacht formuliert werden als das Bedürfnis, Wort und Schrift einer Fremdsprache verstehen und anwenden zu können. Ist man etwas präziser, müssen folgende Fertigkeiten erworben werden: das Hörverständnis, das Sprechen, das Leseverständnis und das Schreiben [Doyé 1982, S. 10]. Diese vier Fertigkeiten lassen sich wie in Tabelle 2.1 ersichtlich anhand verschiedener Aspekte unterteilen.

 

 

Tabelle 2.1.: Die vier Fertigkeiten des Fremdsprachenerwerbs

 

Den rezeptiven Fähigkeiten, Gesprochenes und Geschriebenes zu verstehen (Hör- bzw. Leseverständnis), stehen das selbstständige Sprechen und Schreiben gegenüber. Des Weiteren wird zwischen mündlich-auditiven (Sprechen und Hörverstehen) und schriftlich-visuellen (Schreiben und Leseverstehen) Fertigkeiten unterschieden.

 

2.1.1. Rezeptiv vs. produktiv

 

Um die in Tabelle 2.1 aufgeführten Fertigkeiten zu erlangen, ist vor allem der Erwerb eines angemessenen Wortschatzes erforderlich. Natürlich darf auch die grammatikalische Struktur einer Sprache nicht völlig außer Betracht gelassen werden, aber schon Wallace [1982, S. 9] zeigte auf, dass es möglich ist, ein gutes Verständnis der Grammatik zu besitzen und trotzdem nicht in der Lage zu sein, sich in der Sprache auszudrücken. Ist hingegen lediglich ein ausreichender Wortschatz vorhanden, wird (eingeschränkte) Kommunikation bereits möglich. Der hier vorgestellte satzpaarbasierte Ansatz macht sich dies zu Nutze, indem grammatikalische Konstruktion bereits in den zu erlernenden Sätzen vorhanden sind und somit (unbewusst) mit aufgenommen werden.

 

Lewis [2000, S. 15 f.] bemerkt hierzu, dass viele grammatikalische Fehler von L2-Lernern auf lexikalische Defizite zurückzuführen sind. Werden z.B. Mehrwortverbindungen (Kollokationen, siehe Abschnitt 2.1.3) nicht erlernt, so muss der L2-Lerner stattdessen längere, grammatikalisch anspruchsvollere (daher eher fehleranfällige) Umschreibungen finden, um einen Sachverhalt zu erklären. Bei der Beschreibung der Handlung eines Romans müsste er beispielsweise „a very important moment when things changed completely“ anstelle von „major turning point“ benutzen. Daher kann verstärkte Wortschatzarbeit beim Minimieren grammatikalischer Fehler behilflich sein.

 

An dieser Stelle sei auf den lexical approach von Lewis [1999] hingewiesen. In diesem Ansatz für den Fremdsprachenunterricht nimmt Lewis den Fokus von der Grammtikarbeit und schreibt der Lexik, also dem Wortschatz die Hauptbedeutung beim L2-Erwerb zu. Diesbezüglich können die folgenden Sätze betrachtet werden:

 

I go to zoo yesterday. - I went to the zoo yesterday.

I go to zoo now. - I am going to the zoo now.

I go to zoo tomorrow. - I'll go to the zoo tomorrow.