Saukopf Natur - Thomas Gsella - E-Book

Saukopf Natur E-Book

Thomas Gsella

0,0
13,99 €

Beschreibung

»Niemand auf der Welt ist in die Natur so vernarrt wie die Deutschen. Kaum hört mal der Regen versehentlich auf, gehen sie vor die Tür in ihre heiß geliebte Umwelt, um auf nassem Laub auszurutschen und sich eine grippale Infektion zu sichern oder im Sommer Hitzekoller und Sonnenbrand. So kommt alle Unbill, alles Leid allein von der Natur, und was machen die Deutschen? Sie machen das, was sie am liebsten tun, sie identifizieren sich mit dem Aggressor, sie verschmelzen mit dem Saukopf.« Verschmelzen mit der Natur? Das ist für den Lyriker Thomas Gsella keine Option: gegen den Saukopf muss man sich wehren, mit Gedichten, Wehklagen, Tiraden. Gegen Pfütze und Zecke, Vögel und Wiesen, Igel und Wurzeln, gegen Wasser, Schluchten, Bäume, gegen Sonne, Mond und Sterne und ja, gegen den Klee natürlich auch: Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Doch Klee muss man verfluchen. Er zwingt uns mit der dunklen Macht, Vierblättrige zu suchen. Mit diesen Gedichten im Gepäck kann man sich dann getrost in die Natur wagen, man wird ihren Herausforderungen gestärkt und gewitzt begegnen – und was hätten wir heute nötiger als das?

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 54

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0



Zum Buch

»Niemand auf der Welt ist in die Natur so vernarrt wie die Deutschen. Kaum hört mal der Regen versehentlich auf, gehen sie vor die Tür in ihre heiß geliebte Umwelt, um auf nassem Laub auszurutschen und sich eine grippale Infektion zu sichern oder im Sommer Hitzekoller und Sonnenbrand. So kommt alle Unbill, alles Leid allein von der Natur, und was machen die Deutschen? Sie machen das, was sie am liebsten tun, sie identifizieren sich mit dem Aggressor, sie verschmelzen mit dem Saukopf.«

Das aber kommt für den Menschenfreund Thomas Gsella nicht in Frage. Mit gereimten Weh- und Anklagen ruft er zum Kampf gegen die Natur, gegen Wiesen und Felder, Vögel und Zecken, Berge und Täler, gegen Wasser und Luft, Kräuter und Bäume, gegen Sonne, Mond und Sterne natürlich und den Klee ja sowieso:

Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

Doch Klee muss man verfluchen.

Er zwingt uns mit der dunklen Macht,

Vierblättrige zu suchen.

Mit diesen Gedichten im Rucksack wird man den Herausforderungen und Fallstricken der Natur gestärkt und gewitzt begegnen – und was wäre heute nötiger als das?

Über den Autor

Thomas Gsella schreibt Prosa und Lyrik für Rundfunk und Fernsehen, FAZ, Die Zeit, taz, Titanic u.a. 2011 wurden seine Gedichte mit dem Robert-Gernhardt-Preis ausgezeichnet, wöchentliche Reimkolumnen verfasst er für den »Stern« und das Schweizer »Magazin«.

Thomas Gsella

SAUKOPF NATUR

Was mal gesagt werden muss

Gedichte

Mit Bildern vonRudi Hurzlmeier

 

 

 

 

 

 

 

 

Verlag Antje Kunstmann

 

 

 

Der Natur liegt bloß unser Dasein, nicht unser Wohlsein am Herzen.

ARTHUR SCHOPENHAUER

Die Natur ist unerbittlich.

GALILEO GALILEI

Mit Weinen hebt sich’s an, dies jammervolle Leben

Es muss das kleinste Kind der Tränen Schar sich untergeben

Der Furcht und Hoffnung Streit zerquälet unsern Sinn

Und nimmt, eh’ man es denkt, die besten Jahre hin

Das Alter kömmt herbei, die kummervollen Jahre

Und führen uns den Weg zur trüben Totenbahre

J. CH. BACH (AUSZUG)

Die Natur versteht keinen Spaß.

GOETHE

Wenn die Nachtigallen aufhören zu schlagen, fangen die

Grillen an zu zirpen.

MARIE FREIFRAU VON EBNER-ESCHENBACH

Die Natur hasst die Vernunft.

OSCAR WILDE

Unser Leben währet siebenzig Jahr,

und wenn’s hoch kömmt, so sind’s achtzig Jahr.

Und wenn es köstlich gewesen ist,

so ist es Müh und Arbeit gewesen.

LUTHER-BIBEL, PSALM 90,10

Mir ekelt, mehr zu leben.

GEORG CHRISTIAN LEHMS

Die Schwärmerei für die Natur kommt von

der Unbewohnbarkeit der Städte.

BERTOLT BRECHT

Die Natur ist Satans Kirche.

CHARLOTTE GAINSBOURG IN LARS VON TRIERS FILM

»ANTICHRIST«

 

 

 

 

 

 

Die Arbeit des Autors am vorliegenden Buch

wurde vom Deutschen Literaturfonds e.V. gefördert.

Vorwort

Niemand auf der Welt ist in die Natur so vernarrt wie die Deutschen. Kaum hört der Regen mal versehentlich auf, gehen sie vor die Tür in ihre heiß geliebte Umwelt, um auf nassem Laub auszurutschen und sich eine grippale Infektion zu sichern oder im Sommer Hitzekoller und Sonnenbrand. Sie stellen sadistische Fluginsekten wie Hornissen oder Honigbienen unter Schutz und pflanzen neuerdings auch Wölfe und Bären in die Wälder, damit sie wieder was Richtiges zum Weglaufen haben. Dabei stolpern sie über versteckte Wurzeln und lassen sich von heiligen Ameisen anfressen, und zieht ein Gewitter auf, erklimmen sie einsame Baumkronen und versuchen, die Blitze zu fangen. Denn alles Gute kommt von oben, sagt man, aber das ist Unsinn, und in Wahrheit muss es heißen: Alles Schlechte kommt von der Natur. Unter anderem von oben, aber im Grunde aus allen Richtungen.

Die Frage lautet: Gibt es denn überhaupt Leiden, gibt es überhaupt Sorgen und Nöte, für die die Natur nichts kann? Die Antwort lautet: Nö. Ob Hunger, Durst oder Völlegefühl, Schluckauf, schweißtreibende Hitze oder kalte Füße, tödlicher Sturm oder gähnende Windstille, Überschwemmung oder Dürre, Löwen, Quallen, Karies, Tiger, Tod, weiße Haie, Bauchweh, Kopfweh, Zecken oder das quälende Überangebot an Schnittblumen: Wo und wie der Mensch sich dreht und wendet, die Natur ist schon da und macht ihn krank, wund, traurig, zu dick oder zu dünn, zu jung oder zu alt, mit einem Wort: verrückt.

Homo homini pluto est, sagt Cäsar, der Mensch ist dem Menschen ein Hundesohn, aber schlimmer als der Mensch und der Krieg ist die Natur, im Großen wie im Kleinen. Das Universum bewirft uns mit Meteoriten, im Mittelgewicht dominieren stechende Kakteen, verdeckte Pfützen und als Champignons getarnte Supergiftpilze, den Nanobereich beherrschen Milben und Higgs-Bosonen und jucken oder verschlingen Milliarden an Steuergeldern.

So kommt alle Unbill, alles Leid allein von der Natur, und was machen die Deutschen? Sie machen das, was sie am liebsten tun, sie identifizieren sich mit dem Aggressor, sie verschmelzen mit dem Saukopf. Im 19. Jahrhundert gründeten sie die »Naturfreunde« und die »Wandervogelbewegung«, weil sie damals immerhin noch zugaben, dass, wer freiwillig in der Natur herumwandert, halt einen Vogel hat. Doch derlei Scham ist heute vergessen. Heute gründen sie riesige »Naturparks«, pilgern in den »Bund für Naturschutz« (!) und halten sich ein »Umweltbundesamt« – um den Bürger vor der Natur zu schützen? Weit gefehlt, ja umgekehrt. Und so lebt dieses Buch vom Impuls der Vergeltung, vom Ethos des Widerstands, vom Willen zur Rache: Weg mit der Natur! Auf sie mit Gebrüll! Es kommt auf jeden Bürger, jede Bürgerin, jede Rotzgöre an! Also machen Sie bitte mit, Ihr

Thomas Gsella

 

P. S.: Die Gedichte in diesem Buch sind gut, aber leicht. Es ist keine komplizierte Angeberlyrik, Sie müssen nichts interpretieren, nur lesen, meistens auch nur drei Strophen, und wenn Sie nicht vollkommen blöd sind, verstehen Sie alles sofort und können befreit loslachen oder -weinen, je nach Intention des Autors. So. Nun lasst das Buch beginnen!

INHALT

IGroße Sauereien:Eier, Kerne, Zecken

IIRiesensauereien:Wasser, Schluchten, Bäume

IIISauereien spezial:Blumen, Löwen, Finnen

IVMonströse Sauereien:Sonne, Mond und Sterne

IGROSSE SAUEREIEN:EIER, KERNE, ZECKEN

 

 

Das Frühstücksei

Die allererste Sauerei

Ist die am frühen Morgen:

Zum Frühstück schenkt das Hühnerei

Uns erste Wut und Sorgen.

Es ist zu heiß, nicht abgeschreckt,

Es ist zu hart und stinkt nach Fisch,

Es ist zu weich, die Schale leckt,

Gelb suppt der Glibber auf den Tisch –

Das Ei ist nie, wie man es will.

Man kann das Ei nicht essen.

Man schmeißt den Plunder in den Müll