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Zwei Männer, eine böse Geschichte: Ein Tramper, der vor kurzem jemanden erschossen hat, wird von einem BMW-Fahrer mitgenommen, der sich als hochintelligenter Serienmörder entpuppt. Mit jedem gefahrenen Kilometer zieht er den Tramper tiefer in seinen Bann. Doch die faszinierende Reise in die Seele des Serienmörders hat ihren Preis. Am Ende muss sich der Tramper entscheiden, ob er zu den Schafen oder den Wölfen gehört.
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Seitenzahl: 46
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Impressum
Schafe und Wölfe
Nachwort des Autors
Schafe und Wölfe von Corey Landis
© die thrillerfabrik Alle Rechte vorbehalten.
Herausgeber: die Thrillerfabrik, 15 Victor Jackson Avenue, Poundbury, Dorchester, DT1, UK
Cover-Artwork: Markus Hermannsdorfer
Lektorat, Korrektorat: Sandra Schwarz
Dieses E-Book, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt und darf ohne Zustimmung des Verlages oder des Autors nicht vervielfältigt, wiederverkauft oder auf Plattformen im Internet angeboten werden.
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s regnete in Strömen als der dunkelblaue BMW scharf abbremste, um ein Haar die Füße des jungen Trampers streifte und schließlich auf dem Standstreifen hielt. Er atmete auf. Seit mehr als einer halben Stunde war dies der erste Wagen, den er sah. So schnell er konnte, lief der blondhaarige Mann in abgewetzten Jeans auf die roten Bremslichter zu.
Der Fahrer hatte die Scheibe an der Beifahrerseite zur Hälfte heruntergelassen. Hinter dem Steuer sah der Tramper einen typischen Spießer sitzen. Unauffällig , adrett, streng nach hinten gekämmte graumelierte Haare, der Anzug höchstwahrscheinlich Stangenware aus dem Kaufhaus. Genau der Typ Mann, den sich Mütter für ihre Töchter wünschen. Vor dem brauche ich garantiert keine Angst zu haben, dachte der Tramper. Der Fahrer lächelte sanft, was ihn noch vertrauenswürdiger wirken ließ.
“Scheußliches Wetter, was?”, sagte der Fahrer. “Ich hätte Sie fast übersehen. Sie könnten leicht angefahren werden wenn Sie nachts mit so dunkler Kleidung auf dem Standstreifen stehen.” Der Fahrer warf einen kurzen Blick auf die am Amaturenbrett des BMW angebrachte Uhr. 1:30 zeigten die digitalen Ziffern.
Der Tramper wischte sich den Regen aus dem Gesicht. “Ich werde hier draußen bald nass bis auf die Unterhosen”. Das entsprach so ziemlich der Wahrheit. Kalter, aufbrausender Wind blähte die viel zu dünne Jacke des Trampers auf, der Regen legte an Intensität zu. Er setzte ein breites Grinsen auf und versuchte dabei so wenig bedrohlich wie möglich zu wirken. Außerdem hoffte er damit genügend Mitleid zu erregen. “Ist das erste Mal, dass ich trampe. Mein eigener Wagen hat den Geist aufgegeben.”
Das Klicken der Zentralverriegelung verriet ihm, dass sein Bemühen von Erfolg gekrönt war. So eine schicke Karre hat schon was, dachte der Tramper, öffnete die Beifahrertür und schwang sich auf den mit grauem Stoff überzogenen Sitz. “Haben Sie vielen Dank”, sagte er ohne den Fahrer anzuschauen. “Wie weit fahren Sie?”, fragte der Tramper. “Bis kurz vor Nürnberg”, antwortete der Fahrer. “Super. Passt perfekt”, sagte der Tramper. Sonderlich warm war es nicht in diesem BMW. Die Heizung war offensichtlich auf eine sehr kleine Stufe gestellt. Der Tramper legte die rechte Hand über die Lüftungsschlitze. Er spürte nur einen schwachen, lauwarmen Luftstrom. “Könnten Sie die Heizung ein wenig höher drehen?”, wandte er sich an den Fahrer. “Aber gern”, antwortete der Mann und drehte den Regler ein wenig hoch. “Freut mich wenn ich anderen Menschen helfen kann. Ich heiße übrigens Müller.”
“Kästner”, antwortete der Tramper. Keiner der beiden machte Anstalten dem Anderen die Hand zu reichen. Müller blickte kurz in den Außenspiegel, setzte den Blinker und trat aufs Gas. Der BMW beschleunigte rasend schnell, trotzdem schnurrte der Motor nur leise. Die Scheibenwischer schafften es kaum das Regenwasser von der Frontscheibe zu schieben. Obwohl er kaum etwas sah, dachte der Fahrer nicht daran den Fuß vom Gaspedal zu nehmen. Ein Glück, dass die Autobahn um diese Uhrzeit menschenleer war.
Kästner machte es sich bequem und rückte dabei unauffällig den Smith & Wesson .357er Revolver zurecht, den er sich vorne in die Jeans gesteckt hatte. Weil die Jacke über der Pistole hing und er sie bis jetzt nicht abgelegt hatte, ging der Tramper davon aus, dass der Fahrer die Waffe nicht bemerkt haben konnte.
“Ihr Wagen - ist das zufällig ein roter VW Golf? Hab einen auf dem Parkplatz bei Rohrdorf stehen sehen”, fragte Müller.
Der Tramper wägte kurz ab, ob es besser war zu lügen oder die Wahrheit zu sagen. “Ja”, antwortete er. “Schätze, die Lichtmaschine ist hinüber. Hat mich einfach im Stich gelassen, das blöde Ding.” Selbst wenn der Fahrer umgedreht und den Wagen untersucht hätte, würde er die Wahrheit nicht herausfinden. Kästner hatte alle Fingerabdrücke und zum größten Teil auch das Blut weggewischt bevor er den Golf verließ und das Weite suchte.
“Warum haben Sie nicht den ADAC gerufen? Oder die Polizei?”, fragte Müller.
Kästner zögerte mit der Antwort. “Ich bin nicht beim ADAC. Und… Ääh… Ehrlich gesagt mag ich die Bullen irgendwie nicht.” Müller nickte verständnisvoll. Kästner bezweifelte allerdings, dass er seine Meinung wirklich teilte. Typen wie dieser Müller bekamen keine Probleme mit der Polizei. Die schikanierte nur vermutlich illegal eingereiste Schwarze und Araber mit langen Bärten - potentielle Terroristen. Gelegentlich zog die Staatsgewalt auch Tramper in abgewetzten Jeans aus dem Verkehr, die nachts um halb zwei an der Autobahn standen. Anders gesagt, Typen wie mich, dachte Kästner.
Mehr als fünfzehn Kilometer war Kästner auf dem Standstreifen der A8 in Richtung München marschiert. Während dieser Zeit waren höchstens zehn Autos an ihm vorbeigefahren. Und kein einziger dieser Idioten machte sich die Mühe auch nur den Fuß vom Gaspedal zu nehmen. Blöde Arschlöcher, dachte Kästner und genoß den bequemen Sitz, in dem er jetzt saß. Die Heizung taute ihn langsam auf. Seine Augenlider wurden schwer. Er legte seinen Kopf gegen die Kopfstütze, lauschte dem gleichmäßigen Fahrgeräusch und döste vor sich hin.
“Hat der Fahrer des Golf stark geblutet, nachdem Sie ihn erschossen haben?”, fragte Müller ohne Vorwarnung.
