Schattenfangen - Louise Erdrich - E-Book

Schattenfangen E-Book

Louise Erdrich

3,0
9,99 €

oder
Beschreibung

Ein grausames Spiel hat sich Irene ausgedacht, als sie feststellt, daß ihr Mann heimlich in ihrem Tagebuch liest. Sie beginnt ein neues, das sie jetzt besser versteckt. Dem vertraut sie ihre wahren Gefühle, ihre Hoffnungen und Enttäuschungen an, die Zweifel an ihrer Ehe, aus der sie nicht loskommt. Das alte Tagebuch führt eine andere Irene. Eine, die ihren Mann wissen lassen will, daß sie ihn nicht mehr liebt, eine, die vorgibt, ihn zu betrügen, eine, die ihm sagen will, daß sie nur noch Verachtung für ihn übrig hat. Es ist der perfide Versuch, die Ehe zu einem Ende zu bringen. Das Bild, das die beiden nach außen vermitteln, ist ein anderes: zwei, die füreinander bestimmt sind. Er der Maler, sie die Kunstwissenschaftlerin, seine Muse. Ohne sie kann er nicht malen. Ohne ihn kann sie nicht leben. In Wirklichkeit: ein Paar, aneinander gefesselt durch Haßliebe und ihre Kinder. Sie werden zusammenbleiben, bis daß der Tod sie scheidet. Louise Erdrich hat mit »Schattenfangen« einen beeindruckenden Psychothriller geschrieben, konsequent stülpt sie das Innenleben ihrer Protagonisten nach außen und zeigt, wohin es führt, wenn aus Liebe Hass wird.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 264




Irene und Gil – sie scheinen füreinander bestimmt zu sein. Er, der Maler, sie, die Kunstwissenschaftlerin, seine Muse. Ohne sie kann er nicht malen. Ohne ihn kann sie nicht leben.

Als Irene feststellt, dass ihr Mann heimlich in ihrem Tagebuch liest, beginnt sie ein grausames Spiel mit ihm. Sie fängt ein neues Tagebuch an, das sie jetzt besser versteckt. Das alte Tagebuch führt eine andere Irene. Eine, die ihren Mann wissen lassen will, dass sie ihn nicht mehr liebt.

In ihrem hochdramatischen und meisterhaften Roman beschreibt Louise Erdrich den Überlebenskampf einer Familie auf der Suche nach Erlösung.

»Mit jeder seiner temporeichen Seiten wächst der Roman dem Leser stärker ans Herz, und zum Schluss legt man ihn geradezu fassungslos aus der Hand. Er gehört zu den intensivsten und verstörendsten Büchern der Saison.« Cicero

Louise Erdrich, 1954 als Tochter einer Indianerin und eines Deutschamerikaners geboren, wuchs in North Dakota auf. Die Besitzerin eines unabhängigen Buchladens, Birchbark Books, lebt in Minneapolis/Minnesota.

Ihre Bücher erscheinen im Suhrkamp Verlag. Zuletzt Der Club der singenden Metzger. Roman (st 3750, it 4014), 2005; Der Klang der Trommel. Roman (st 4083), 2009; Solange du lebst. Roman (st 4167), 2010 und Spuren. Roman (st 4227), 2011.

Louise Erdrich

Schattenfangen

Roman

Aus dem Amerikanischenvon Chris Hirte

Suhrkamp

Titel der Originalausgabe:

Shadow Tag

HarperCollins Publishers, New York 2010

eBook Suhrkamp Verlag Berlin 2012

Copyright © 2010 by Louise Erdrich

All rights reserved

© der deutschen Ausgabe

Suhrkamp Verlag Berlin 2011

Alle Rechte vorbehalten, insbesondere das des öffentlichen Vortrags sowie der Übertragung durch Rundfunk und Fernsehen, auch einzelner Teile.

Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotografie, Mikrofilm oder andere Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

eISBN 978-3-518-74600-4

www.suhrkamp.de

1. Teil

Blaues Notizbuch

2. November 2007

Ich führe jetzt zwei Tagebücher. Anfangs nur den rot eingebundenen Tageskalender, wie ich ihn seit 1994 benutze, als wir Florian bekamen. Den hast du mir damals geschenkt, damit ich mein erstes Jahr als junge Mutter festhalten konnte. Das war sehr lieb von dir. Seitdem schreibe ich in diese Kalender. Sie liegen mit Bindfaden verschnürt ganz hinten in einer Schublade meines Schreibtischs. Das aktuelle Tagebuch, das dich im Moment interessiert, liegt im Aktenschrank hinter den alten Kontoauszügen und Scheckheften, die wir jedes Jahr vernichten wollen, aber am Ende doch wieder in Ordner stopfen. Nach ziemlich hartnäckiger Suche, wie ich vermute, hast du es gefunden. Du liest es, um herauszufinden, ob ich dich betrüge.

In das andere Tagebuch, das man als mein echtes Tagebuch bezeichnen könnte, schreibe ich jetzt.

Heute habe ich das Haus verlassen und bin nach Minneapolis hineingefahren, zur Wells Fargo Bank im Gebäude der Sons of Norway Hall. Ich stellte den Wagen auf dem Kundenparkplatz ab und ging durch zwei Glastüren, dann eine Wendeltreppe hinab zum Schalter für die Schließfächer. Nachdem ich die Klingel gedrückt hatte, erschien eine Frau namens Janice. Sie half mir bei der Anmietung eines mittelgroßen Schließfachs. Ich zahlte ein Jahr im Voraus, in bar, und schrieb dreimal meinen Namen zur Unterschriftsprüfung auf die Karte. Dann händigte mir Janice den Schlüssel aus. Sie steckte ihn mit einem anderen Schlüssel zusammen und ließ mich in den Tresorraum ein. Nachdem wir meine Box aus dem Wandfach gezogen hatten, führte sie mich in eine der drei Kammern, die nichts enthielten als ein Wandbord und einen Stuhl. Ich schloss die Tür hinter mir und nahm dieses blaue Notizbuch aus der großen schwarzen Ledertasche, die du mir zu Weihnachten geschenkt hast. Ich musste zehn bis fünfzehn Minuten warten, bevor ich anfangen konnte, so sehr klopfte mein Herz. Vor Angst oder vor Kummer. Vielleicht auch vor Glück.

*

Kaum war Irenes Motorengeräusch vom Lärmpegel der Stadt verschluckt worden, richtete sich Gil auf. Das Handtuch, mit dem er seine Augen bedeckt hatte, rutschte herunter. Wenn seine Augen Erholung brauchten, legte er sich gern ein Stündchen auf die Couch im Atelier. Meist schlief er ein und schreckte nach fünfzehn Minuten hoch. Dann fühlte er sich so frisch, als wäre er in eine kalte Tiefenströmung eingetaucht. Er tastete nach seiner Metallbrille, die er auf der Brust abgelegt hatte. Natürlich war sie wieder auf den Fußboden gefallen. Er hob sie auf, klemmte die Bügel hinter die Ohren, strich sein dichtes Haar nach hinten und band den kurzen grauen Pferdeschwanz wieder zusammen. Dann stellte er sich vor das Porträt seiner Frau und betrachtete es. Mit engstehenden, dunklen, neugierigen Augen, den Zeigefinger unters Kinn gestützt. Seine schmalen Wangen waren mit gelber Farbe beschmiert.

Nachdem er Irenes Abbild eine Weile studiert hatte, wandte er sich mit einem Stirnrunzeln ab und blinzelte, als wäre er kurzsichtig. Dann beugte er sich ruckartig vor und brachte ein paar nervöse Pinselstriche an. Er trat einen Schritt zurück, wickelte den Pinsel in einen Öllappen und schob ihn zusammen mit der Palette in einen Plastikbeutel, den er in einem kleinen Kühlschrank verstaute. Von einem vagen Hungergefühl befallen, ging er in die Küche hinunter. Er nahm die eine Dose Cola, die er sich täglich gestattete, aus dem Kühlschrank, und stieg, an ihr nippend, die restlichen Stufen zum Büro seiner Frau hinab. Er ging geradewegs auf den sandfarbenen Aktenschrank zu und öffnete die Schublade mit der Aufschrift Alte Kontoauszüge.

Rotes Tagebuch

1. November 2007

Wie seltsam so ein Tag, wenn das Haus leer ist und Gil oben endlos an einem Gemälde herumbessert. Ich glaube, er traut sich nicht zu fragen, ob ich wieder für ihn sitze. Flo und Stoney haben sich von ihrem Fieber erholt. Riel wird nie krank, aber sie hat es dieses Jahr schwer in der Schule. Stoney bastelt für irgendein Hortprojekt an einem Brettspiel, das die Lebensgewohnheiten der Schwarzbären zum Thema hat. Typisch Minnesota. Und ich verliere noch den Verstand wegen dieser Geschichte.

*

Er glaubte förmlich zu spüren, wie ihm das Blut aus dem Herzen wich, als er diesen Satz las. Ich verliere noch den Verstand wegen dieser Geschichte. Er presste die Stirn auf die kühle Eichenplatte ihres Schreibtischs, aber dann dachte er, was er immer dachte, wenn er versteckte Hinweise auf den anderen Mann fand: Was zum Teufel habe ich erwartet? Ich bin selbst schuld. Ich hab es nicht anders gewollt. Er gab sich einen Ruck, zwang sich, nach anderen Erklärungen zu suchen. Sie konnte auch ihre liegen gebliebene Dissertation damit meinen. Oder den alten Artikel über Louis Riel. Bevor die Kinder kamen, hatte sie etliche Sachen veröffentlicht, die sehr gelobt wurden. Sie war eine vielversprechende Forscherin gewesen, hatte neue Quellen erschlossen, die Licht auf Louis Riels psychische Probleme warfen. Nach Florians Geburt hatte sie weitergearbeitet. Aber als sie erneut schwanger wurde, gab sie es auf – und benannte ihre Tochter nach dem depressiven Helden der Metis, einem Mann, mit dem seine Familie entfernt verwandt war. Riel war jetzt elf. Und seit Stoney in die Schule ging, versuchte Irene, ihre Dissertation fertigzuschreiben, damit sie sich langsam nach einer Stelle umsehen konnte. Ihr Thema war jetzt George Catlin, der im 19. Jahrhundert das Leben der Indianer auf Bildern festgehalten hatte.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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