SCHATTENORDEN 1.1: Entscheidungen - Dana Müller-Braun - E-Book

SCHATTENORDEN 1.1: Entscheidungen E-Book

Dana Müller-Braun

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Beschreibung

**Gegensätze im Blut vereint**  Die Zwillingsschwestern Laya und Kija könnten unterschiedlicher nicht sein. Während Laya wie das Abziehbild eines perfekten Internatstöchterchens wirkt, kleidet sich Kija gerne komplett in schwarz und ist die Rebellin schlechthin. Das, was sie trennt, ist jedoch auch das, was sie vereint: die Abstammung von zwei ägyptischen Göttern, die sich seit Jahrhunderten bekriegen, aber zusammenarbeiten müssen – Nephtys, der Göttin des Guten, und Osiris, dem Gott des Jenseits. Allen Vorzeichen zum Trotz sind die Schwestern jedoch seit jeher ein Herz und eine Seele. Bis der Moment kommt, in dem ihre Ausbildung beginnt und sie sich für eine Seite entscheiden müssen… //Das romantische BITTERSWEET-SERIAL vom Carlsen Verlag! Jeden Monat eine weitere Episode!// //Alle Bände des Schattenorden-Serials: -- SCHATTENORDEN 1.1: Entscheidungen -- SCHATTENORDEN 1.2: Geheimnisse -- SCHATTENORDEN 1.3: Lügen  -- SCHATTENORDEN 1.4: Intrigen  -- SCHATTENORDEN 1.5: Abgründe (August 2018)//

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Vivien Summer, Dana Müller-Braun

SCHATTENORDEN 1.1: Entscheidungen

**Gegensätze im Blut vereint** Die Zwillingsschwestern Laya und Kija könnten unterschiedlicher nicht sein. Während Laya wie das Abziehbild eines perfekten Internatstöchterchens wirkt, kleidet sich Kija gerne komplett in schwarz und ist die Rebellin schlechthin. Das, was sie trennt, ist jedoch auch das, was sie vereint: die Abstammung von zwei ägyptischen Göttern, die sich seit Jahrhunderten bekriegen, aber zusammenarbeiten müssen – Nephtys, der Göttin des Guten, und Osiris, dem Gott des Jenseits. Allen Vorzeichen zum Trotz sind die Schwestern jedoch seit jeher ein Herz und eine Seele. Bis der Moment kommt, in dem ihre Ausbildung beginnt und sie sich für eine Seite entscheiden müssen …

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Vita

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© privat

Dana Müller-Braun wurde Silvester ’89 in Bad Soden im Taunus geboren. Geschichten erfunden hat sie schon immer – Mit 14 Jahren fing sie schließlich an ihre Phantasie in Worte zu fassen. Als das Schreiben immer mehr zur Leidenschaft wurde, begann sie Germanistik, Geschichte und Philosophie zu studieren. Wenn sie mal nicht schreibt, baut sie Möbel aus alten Bohlen, spielt Gitarre oder verbringt Zeit mit Freunden und ihrem Hund.

© privat

Vivien Summer wurde 1994 in einer Kleinstadt im Süden Niedersachsens geboren. Lange wollte sie mit Büchern nichts am Hut haben, doch schließlich entdeckte auch sie ihre Liebe dafür und verfasste während eines Freiwilligen Sozialen Jahres ihre erste Trilogie. Für die Ausbildung zog sie schließlich nach Hannover, nahm ihre vielen Ideen aber mit und arbeitet nun jede freie Minute daran, ihr Kopfkino zu Papier zu bringen.

Prolog

Zwölf Jahre zuvor …

Ich beobachtete meine Töchter, wie sie ihre Kissen drapierten, um meiner Geschichte zu lauschen. Wie gern hätte ich ihre Unbeschwertheit eingefangen, um sie ihnen zu bewahren. Aber das konnte ich nicht. Früher oder später würde auch ich sie nicht mehr vor dieser Welt und ihrer Aufgabe schützen können.

»Los, Daddy!«, forderte Kija mich auf, während Laya beschämt den Kopf senkte und kicherte.

»Kiiija!«, ermahnte sie ihre Schwester, wie sie es immer tat, wenn deren fordernde Seite zum Vorschein kam. »Erzählst du uns heute von der Geschichte?«, fügte sie zuckersüß hinzu und lächelte dieses spezielle bestechende Grinsen.

»Ich sagte, wenn ihr alt genug dafür seid«, erinnerte ich sie sanft.

»Und wann soll das sein?« Kija musterte mich argwöhnisch.

Es war genauso unmöglich, ihren bohrenden Fragen zu entkommen wie Layas engelsgleichen Bitten. Ich räusperte mich und dachte einen Augenblick darüber nach, ob sie schon bereit waren – gleichzeitig fragte ich mich, ob sie das je sein würden.

»Na schön«, brummte ich und ließ mich neben ihnen auf dem Bett nieder. Kija verzog siegessicher den Mund, während Laya dankbar mit den Wimpern klimperte. Wie war es nur möglich, dass zwei Sechsjährige mich derart im Griff hatten?

»Einst schufen die Himmelsgöttin Nut und der Erdgott Geb drei Kinder, die das Irdische mit dem Göttlichen vereinen sollten«, begann ich meine Geschichte.Ihre Geschichte. »Seth, den Gott des Chaos – er verkörperte das Böse in dieser Welt. Er war für Gewalt und Hass, für Kriege und Naturkatastrophen sowie für jede schlechte Eigenschaft der Menschen verantwortlich.«

»Also war er der Teufel«, stellte Laya fest, als wäre sie weitaus besser informiert als ich.

»Laya!«, zischte Kija. »Es gibt keinen Teufel. Seth ist höchstens der Herr der Unterwelt.«

»Die Mädchen im Kindergarten sagen, dass es sehr wohl einen Teufel gibt!«

»Ja«, unterbrach ich ihre Kabbelei, »Seth ist so etwas wie der Teufel.«

Laya lächelte zufrieden, während Kija mir ihren finstersten Blick zuwarf.

»Seinen Gegenpart bildete Nephtys, seine Schwester«, fuhr ich unbeirrt fort. »Sie verkörperte das Göttliche. Das Gute. Sie war das erste Wesen, das man als Engel bezeichnete, weil sie den Toten auf ihrem Weg in das Überirdische half. Sie war verantwortlich für alle guten Eigenschaften der Menschen.«

Kija bewegte unruhig und skeptisch ihren Mund hin und her. »Mum ist eine Nephtys, oder?«

Ich legte meine Stirn in Falten und betrachtete meine Tochter besorgt. Hätte sie doch nur, genauso wie Laya, mehr von ihrer Mutter abbekommen. Ich liebte Kija, aber sie war in zu vielen Dingen wie ich. Und wenn einer wusste, wie schwer man es mit diesen Eigenschaften hatte, dann ich.

»Aber dann wäre Dad ja ein Seth und das kann ich mir nun wirklich nicht vorstellen!«, stieß Laya empört hervor.

Ich machte mir nicht die Mühe, zu fragen, wie sie überhaupt zu der Annahme kamen, dass wir einem der Attribute angehörten und damit als Nachfahren der Götter ihre Eigenschaften in uns trugen. Mir war bewusst, dass Kija Laya ständig dazu anstiftete, mit ihr gemeinsam unsere Gespräche zu belauschen.

»Seth ist keiner der menschlichen Attribute, Kleines. Die Attribute, die in unserer Welt für Ordnung sorgen, sind die Nephtys und die Asarys.«

»Asarys. Hergeleitet vom Gott des Jenseits und der Wiedergeburt – Osiris«, gab Kija selbstsicher zum Besten. Dieses Kind würde mich irgendwann noch um meinen Verstand bringen.

»Wer erzählt die Geschichte? Du oder ich, Kija? Wenn du alles so genau weißt, kann ich gern gehen.«

Laya warf ihr einen zornigen Blick zu, was ihr nicht allzu gut gelang. Obwohl sie ihrer Zwillingsschwester mit ihren golden schimmernden Haaren und den Augen, von denen eines grün und eines blau war, so sehr glich, dass man sie verwechseln könnte, hätten ihr Wesen und die Art, wie sie ihre Emotionen ausdrückten, nicht verschiedener sein können.

»Bin ja schon still«, meckerte Kija und verschränkte beleidigt die Arme vor der Brust.

»Warum nennt man es Attribute, Daddy?«, warf Laya kleinlaut ein.

»Weil die Götter ihre Eigenschaften an bestimmte Menschen weitergegeben haben, Kleines. An ihre Nachfahren. Menschen, die in ihrem Namen gegen das Böse kämpfen.«

»Hat Seth auch versucht Attribute zu erschaffen?«

Ich schüttelte sanft den Kopf. »Nein, aber dazu kommen wir noch. Osiris war das dritte Kind im Bunde. Der Gott des Jenseits und der Wiedergeburt. In vielen Geschichten wird er auch Asarys genannt.«

Ich sah, wie Kija die Augen verdrehte, weil sie genau das kurz zuvor gesagt hatte.

»Doch was ihr noch nicht wisst, ist, dass Seth einen schrecklichen Plan geschmiedet hatte, um an die Herrschaft seines Bruders Osiris zu gelangen. Er tötete ihn und sperrte ihn hinter das Feuertor. Ein Tor, das unsere irdische Welt von der überirdischen Welt trennte. Heute ist es vor allem dafür da, das Böse dahinter zu sperren. Nephtys suchte also am Feuertor nach ihrem Bruder Osiris, um ihn zurückzuholen – schließlich war er der Gott der Wiedergeburt. Dazu müsst ihr wissen, dass Nephtys und Osiris selbst einige Konflikte miteinander hatten. Nephtys, die immer Gute, und Osiris, der als Gott der Wiedergeburt ihrer Meinung nach den natürlichen Lauf des Lebens störte. Dennoch wollte sie ihn zurückholen, wohl wissend, dass jede Wiederkehr einen Preis hat. So auch die des Osiris. Nephtys war gezwungen das Feuertor zu öffnen und verhalf Seth damit zu einer unvergleichbaren Macht. Denn was sie nicht wusste, war, dass Osiris die brutalsten Eigenschaften des Seth mit seinem eigenen Tod hinter dieses Feuertor gesperrt hatte. Wie genau er das geschafft hat, weiß niemand. Doch auch Osiris musste einen Preis zahlen. Durch jede Wiedergeburt wird das natürliche Geschehen gestört und somit Chaos heraufbeschworen. Als Gott des Chaos wächst so Seths Macht und pflanzt einen Teil des Seth, der Schatten, in den Wiedergeborenen selbst. Ab diesem Moment vereinte Osiris das Gute und das Böse in sich und war gezwungen für immer in der Unterwelt zu verweilen. Die beiden gegensätzlichen Geschwister hatten keine andere Wahl, als eine Allianz zu gründen und ihre göttlichen Eigenschaften an Menschen weiterzugeben, die ihnen bei der Vernichtung des Seth helfen konnten. So entstanden die Attribute. Die Nephtys und die Asarys. Die Schattensucher und die Schattenhüter. Die Guten, die das Böse in jedem Menschen aufspüren können, und die Attribute des Gottes Osiris, die in der Lage sind, das Böse hinter das Feuertor zu sperren und es zu bewachen.«

»Und was sind wir?«, unterbrach Laya mich nervös.

»Ihr seid Nephtys, meine kleinen Engel«, raunte ich sanft.

»Du lügst!«, zischte Kija und verengte ihren Blick. »Wir sind nicht wie du oder Mum. Wir haben weder blaue noch grüne Augen. Weder silberblondes noch dunkles Haar. Du bist ein Asarys – und Mum ist eine Nephtys!«

»Aber was sind dann wir?«, mischte sich Laya irritiert ein.

»Ihr seid etwas Besonderes. Ihr habt die Kräfte der Nephtys und die der Asarys geerbt. Aber wir haben euch so erzogen, dass ihr Schattensucher werdet. Auch ich habe mich von den Asarys abgewandt. Und wenn wir sie nicht bräuchten, würde ich nicht einmal ihren Namen in den Mund nehmen!«, ermahnte ich sie.

»Was ist so schlimm an ihnen?«, wollte Laya kleinlaut und verständnislos wissen, als die Tür aufgestoßen wurde.

»Aaron! Ein Mensch, der von Seth beeinflusst ist, hat … Sie … Die Asarys brauchen deine Hilfe!« Neferas Stimme klang aufgebracht, beinahe ängstlich. Normalerweise hielt sie sich vor unseren Kindern mit solchen Aussagen zurück.

Laya änderte unruhig ihre Stellung, während Kija ganz offensichtlich versuchte herauszuhören, was vor sich ging.

»Ich komme«, entgegnete ich so ruhig wie möglich und erhob mich. Bemüht, ruhig zu atmen, presste ich meine Lippen aufeinander und drehte mich noch einmal zu meinen beiden Mädchen, um ihnen jeweils einen Kuss auf ihre verwirrten Gesichter zu hauchen. »Ihr seid Nephtys. Vergesst das nicht. Egal, wer euch etwas anderes einzureden versucht. Egal, wer sich euch in den Weg stellt. Ihr seid nicht das, was nach außen scheint. Ihr seid viel mehr und immer nur das, was ihr in eurem Herzen spürt. Das, was eure Seele ist – und die ist gut!«

Damit wandte ich Laya und Kija den Rücken zu, straffte meine Schultern und ging, um mich meiner Bestimmung als Attribut zu stellen.

Kapitel 1

Kija

»Laya!« Wutentbrannt hämmerte ich gegen die Badezimmertür. »Laya! Du bist schon seit vier Stunden da drin!«

»Übertreib nicht immer so! Ich bin ja fast fertig«, drang es dumpf an mein Ohr.

Ich gab einen zornigen Laut von mir, trat noch einmal mürrisch gegen die Tür und machte mich dann mit einem Centstück am Schlitz des Schlosses zu schaffen. Als es aufsprang, öffnete ich siegessicher die Tür und schenkte Laya mein breitestes Grinsen.

»Kija!«, schrie sie pikiert auf und hielt sich ihre Hände vor die Brust.

Ich runzelte irritiert die Stirn. »Du bist angezogen, Schwesterherz«, erinnerte ich sie, woraufhin sie beleidigt den Mund verzog und die Arme wieder sinken ließ.

»Trotzdem. Man platzt nicht einfach so in das Badezimmer«, murmelte sie leise und senkte beschämt den Kopf. Ich konnte förmlich dabei zusehen, wie sich ihre Wangen rosa färbten.

»Achtung, Laya!«, stieß ich hervor und zog mir mein Oberteil über den Kopf.

Sie warf einen unschuldigen Blick auf mich, bis sich ihre Augen so sehr weiteten, dass ich Angst bekam, sie würden ihr herausfallen. Dann kniff sie brummend die Lider zusammen und taumelte blind aus dem Bad, während ich mich weiter auszog und lachend unter die Dusche huschte. Es war ja nicht so, als würde sie nicht das Gleiche besitzen wie ich. Nicht nur, weil sie ebenfalls eine Frau war, sondern auch wegen unserer Gene, die nahezu identisch waren.

Als ich fertig war, streifte ich mir meine Klamotten wieder über und gab Laya Bescheid, dass die Luft rein war. Als sie in der Tür auftauchte, spähte sie gespielt angewidert durch ihre Finger, die sie sich vor die Augen hielt.

»Manchmal benimmst du dich wirklich wie ein Kind«, brummte sie und begann damit, ihre Schminkutensilien in ihre grässliche Tasche zu packen. Rosa war ganz eindeutig nicht meine Farbe.

»Das sagt die Richtige!«, entgegnete ich mit erhobenen Brauen. Zumal wir beide vor ein paar Wochen achtzehn geworden waren. »Und im Internat der Nephtys ist Schminke verboten!«, fügte ich breit grinsend hinzu.

»Was?!« Sie starrte mich fassungslos an. Fast so wie damals, als ich ihr hatte beichten müssen, dass ich ihrem Lieblingsteddy einen Irokesenschnitt verpasst hatte.

»Tut mir leid«, murmelte ich kichernd.

»Ach, du lügst doch. Du wärst niemals so ruhig, wenn sie dir dein Gruftiding verbieten würden.«

»Dieses Gruftiding nennt man Kajal, Laya. Würde dir auch mal guttun es zu benutzen.«

Sie verzog angeekelt den Mund und deutete auf meine durch die Dusche verschmierte Wimperntusche. Ich cremte belustigt meine Hände ein, wischte dann so lange unter meinen Augen entlang, bis sich der schwarze Schleier gelichtet hatte, und malte mir neue Umrandungen.

»Wie man sich so verunstalten kann«, grummelte sie, während ich den Deckel auf meinen Stift stöpselte und ihn in meinem kleinen Schminktäschchen verschwinden ließ.

»So. Fertig!«

»Wie immer eine Augenweide!«, spaßte Laya, wofür ihre Taille mit meinem Ellbogen Bekanntschaft machte. Sie kicherte liebevoll und verkrampfte ihren Körper. Ob es wohl jemanden auf dieser Welt gab, der noch kitzeliger war als sie? Wohl kaum.

»Hast du deine Sachen schon gepackt?«, fragte sie und seufzte, als sie meinen Blick bemerkte. Der Spiegel bestätigte mir, dass Enthusiasmus definitiv anders aussah. »Kija! Ich sage ja schon nichts mehr, wenn du deine Taschen für einen Urlaub erst zehn Minuten vor Abfahrt packst. Aber dieses Mal ziehen wir um!«

Desinteressiert zuckte ich mit den Schultern und verließ das Bad.

»Kija!«, rief sie mir mahnend hinterher.

Ich seufzte, stellte mich dennoch vor meinen Schrank und begann alles, was sich darin befand, in eine der Taschen zu schmeißen, die Laya davor abgestellt hatte.

»Spinnst du? Da sind Sachen von mir drin!«, schnaubte sie und stürmte aus dem Bad auf ihre Taschen zu, als könnte ich sie verunreinigen.

»Wir werden doch sowieso wieder ein gemeinsames Zimmer haben und da –«

»Und da dachtest du, dass Laya dann wieder deine Klamotten zusammenlegt und in den Schrank räumt?«, vervollständigte sie und wirkte mit ihren in die Hüften gestemmten Armen wie eine Oberlehrerin.

»Ist ja gut«, maulte ich, nahm meine Sachen raus und suchte stattdessen unter dem Bett nach einer Tasche nur für mich.

Als ich wiederauftauchte, fiel mein Blick auf das eingerahmte Bild unseres Vaters. Laya hatte es vor einiger Zeit auf ihrem Nachttisch postiert und all meine Einwände hatten nichts geholfen. Sie mochte es vielleicht schön finden, ständig daran erinnert zu werden, was uns genommen worden war. Ich nicht.

»Was meinst du, warum er sich damals von den Asarys abgewandt hat?«, murmelte ich, während ich mit den Augen seine dunklen, fast schwarzen Haare und die strahlenden grünen Augen musterte.

»Kija, das Thema hatten wir doch schon so oft. Die Asarys sind böse. Zumindest tragen sie das Böse in sich. Das ist nichts anderes als Seth. Wir brauchen sie – mehr nicht.«

»Aber wenn sie so ausgesprochen böse sind, warum helfen sie uns dann dabei, die Schatten loszuwerden?«, hakte ich nach. Wie jedes Mal. Und wie jedes Mal wusste ich, dass es keinen Sinn hatte, weil ich die Antwort meiner Schwester schon auswendig kannte: Laya sah es nicht so, dass die Schattenhüter den Suchern halfen. Sie war der Meinung, es sei ihre Aufgabe. Ihre Pflicht. Sie hätten keine Wahl, denn sie waren als die Bösen geboren worden. Bei mir und Laya war das anders. Im Gegensatz zu allen anderen hatten wir eine Wahl.

»Ich hab jetzt wirklich keinen Kopf dafür«, unterbrach sie meine Gedanken. »Wir müssen packen und dann schon zur Zeremonie. Kija, bitte. Tu mir den Gefallen und benimm dich nur dieses eine Mal. Für mich. Und für Mum …«, fügte sie beinahe tonlos hinzu.

Ich warf ihr einen vernichtenden Blick zu. »Ich tue gar nichts für diese Frau!«

»Dann mach es nur für mich. Mir ist das wirklich wichtig!«