SCHATTENORDEN 1.2: Geheimnisse - Dana Müller-Braun - E-Book

SCHATTENORDEN 1.2: Geheimnisse E-Book

Dana Müller-Braun

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Beschreibung

**Vollkommenheit entzweigebrochen** Seitdem sich die Zwillingsschwestern Laya und Kija für zwei gegensätzliche göttliche Bestimmungen entschieden haben, könnte der Graben zwischen ihnen gar nicht tiefer sein. Zum ersten Mal voneinander getrennt, muss jede von ihnen nun ihren eigenen Weg und ihre eigenen Freunde finden. Gar nicht so leicht, wenn man immer zu zweit auftrat und sich in getrennten Internaten nun ganz alleine zurechtfinden muss. Während die eine das Gute in sich sucht, bemüht sich die andere dem Bösen nicht zu verfallen. Doch das ist doppelt so schwer, wenn das Herz für den Falschen schlägt...​ //Das romantische BITTERSWEET-SERIAL vom Carlsen Verlag! Jeden Monat eine weitere Episode!// //Alle Bände des Schattenorden-Serials: -- SCHATTENORDEN 1.1: Entscheidungen -- SCHATTENORDEN 1.2: Geheimnisse -- SCHATTENORDEN 1.3: Lügen  -- SCHATTENORDEN 1.4: Intrigen -- SCHATTENORDEN 1.5: Abgründe (August 2018)//

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Vivien Summer, Dana Müller-Braun

SCHATTENORDEN 1.2: Geheimnisse

**Vollkommenheit entzweigebrochen** Seitdem sich die Zwillingsschwestern Laya und Kija für zwei gegensätzliche göttliche Bestimmungen entschieden haben, könnte der Graben zwischen ihnen gar nicht tiefer sein. Zum ersten Mal voneinander getrennt, muss jede von ihnen nun ihren eigenen Weg und ihre eigenen Freunde finden. Gar nicht so leicht, wenn man immer zu zweit auftrat und sich in getrennten Internaten nun ganz alleine zurechtfinden muss. Während die eine das Gute in sich sucht, bemüht sich die andere dem Bösen nicht zu verfallen. Doch das ist doppelt so schwer, wenn das Herz für den Falschen schlägt …

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Vita

Glossar

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© privat

Dana Müller-Braun wurde Silvester ’89 in Bad Soden im Taunus geboren. Geschichten erfunden hat sie schon immer – Mit 14 Jahren fing sie schließlich an ihre Phantasie in Worte zu fassen. Als das Schreiben immer mehr zur Leidenschaft wurde, begann sie Germanistik, Geschichte und Philosophie zu studieren. Wenn sie mal nicht schreibt, baut sie Möbel aus alten Bohlen, spielt Gitarre oder verbringt Zeit mit Freunden und ihrem Hund.

© privat

Vivien Summer wurde 1994 in einer Kleinstadt im Süden Niedersachsens geboren. Lange wollte sie mit Büchern nichts am Hut haben, doch schließlich entdeckte auch sie ihre Liebe dafür und verfasste während eines Freiwilligen Sozialen Jahres ihre erste Trilogie. Für die Ausbildung zog sie schließlich nach Hannover, nahm ihre vielen Ideen aber mit und arbeitet nun jede freie Minute daran, ihr Kopfkino zu Papier zu bringen.

Prolog

Zweiundzwanzig Jahre zuvor

»Aaron?!« Mayson schnipste genervt vor meinem Gesicht herum. »Wo zum Seth bist du mit deinen Gedanken?«

»Ehrlich, Mayson? Wo zum Seth? Ist das jetzt voll im Trend?«

Er zuckte nur mit den Schultern, während er einen kleinen Flachmann aus seiner Tasche zog und jedem von uns etwas ins Glas schüttete.

»Meinst du wirklich, dass das nötig ist? Wir sind hier bei der Einführungsparty der Asarys und nicht der Nephtys. Ich denke, wir werden auch so an Alkohol kommen«, quittierte ich seine Aktion, die er durchzog, als wäre er ein echter Geheimagent.

Unruhig sah er sich noch einmal um, bevor er das metallene Ding wieder in seinem viel zu großen Jackett verschwinden ließ. »Mach dich nicht nass, Serapis.«

»Ich?«, lachte ich und warf einen Blick auf ein paar ältere Semester, die neben uns in einer Gruppe standen und sich flüsternd miteinander unterhielten. Ich war hier ganz offensichtlich in einer Organisation gelandet, deren Mitglieder meinten geheimnisvoll wirken zu müssen. Und mein bester Freund war auf dem direkten Weg, das gleiche Verhalten an den Tag zu legen.

»Siehst du ihre Ketten?«, raunte Mayson mir zu und kam mir mit seinem schwappenden Getränk gefährlich nah. Ich nahm einen Schluck meines eigenen, das wie Gift schmeckte, und warf einen unauffälligen Blick auf die Jungen neben uns. An ihren Hälsen baumelten am Ende einer Lederkette kleine silberne Anhänger.

Ich verengte meinen Blick. »Sind das Augen?«

»Sieht so aus. Augen, die … brennen. Oder leben oder so. Voll unheimlich«, stellte Mayson fest und schüttelte angewidert den Kopf. »Was die Dinger zu bedeuten haben, werden wir wohl erst im Training herausfinden. Jake aus dem Jahrgang über uns meinte, man bekommt sie erst im letzten Jahr verliehen. Aber ab dem zweiten darf man sie wohl schon im Training benutzen. Unter Aufsicht natürlich.« Er schnalzte genervt mit der Zunge.

»Also eine Art Auszeichnung für getane Dienste«, lachte ich und wandte meinen Blick wieder von den düsteren Kerlen ab. Wahrscheinlich dauerte es nicht lange und Mayson und ich würden uns genauso aufführen.

»Ach du Kacke!«, stieß mein bester Freund viel zu laut aus.

Ein paar der Super-Asarys-Agenten warfen uns finstere Blicke zu, wofür ich dem Vollidioten einen Hieb in die Seite verpasste.

»Ein Silberfisch!«

»Ein was?«, hakte ich irritiert nach und warf einen Blick auf den Boden. Kleine Viecher konnte ich nicht ab.

»Suchst du gerade ernsthaft am Boden nach Silberfischen? Junge … Du bist echt kaputt!« Mayson hob argwöhnisch die Augenbrauen und deutete mir dann mit dem Finger, was er gemeint hatte.

Ich kniff die Augen ein wenig zusammen, als ich ihre silbernen Haare im gedämpften Licht glitzern sah. Ihre blauen Augen trafen meine grünen und für einen Moment war es, als würde die Zeit stillstehen.

»Diese kleinen, verdorbenen Nephtys. Am Tag das anständige Mädchen und bei Nacht auf Asarys-Partys stehlen«, flüsterte Mayson lachend.

Ich verzog den Mund.

»Im Bett ist sie bestimmt ein kleines Mist–«

»Sprich nicht so über sie!«, knurrte ich, immer noch nicht in der Lage, meinen Blick von der Schattensucherin abzuwenden.

»Warum? Weil sie die Mutter deiner Mischblut-Kinder wird?«

Mayson brach in schallendes Gelächter aus. Das konnte er am besten – über seine eigenen Witze lachen. Nur dass das hier kein Witz war.

Ein kleines Lächeln stahl sich auf die Lippen des Mädchens. Ihre Wangen wurden ein wenig rosig, dann hob sie ihr Glas und prostete mir zu.

Kapitel 1

Kija

»Lass deine dreckigen Finger von mir!«, schrie ich Lawren an und löste mich aus seinem Griff. Er verzog nur die Augenbrauen, als wäre ich ein bockiges Kind, und schnalzte genervt mit der Zunge.

»Dann geh allein, aber komm mit!«, knurrte er so bedrohlich, dass ich nur einen letzten Blick auf Laya warf, die von diesem Mistkerl Coen weggezogen wurde. Weg von mir. Schon wieder. »Wag es!«, raunte Lawren seine Warnung. Und obwohl der Typ wirklich der größte Vollidiot von allen war, kannte er mich ziemlich gut. Mein Instinkt sagte mir nämlich, ich solle Laya hinterherrennen, um alles wiedergutzumachen. Mein Verstand allerdings war sich sicher, dass das keine gute Idee war. Mein Herz hingegen wusste, dass etwas zwischen Laya und mir zerbrochen war, vor dem ich lieber davonlaufen sollte.

»Was ist das?«, fragte ich und berührte meinen Ärmel, doch bevor ich ihn hochziehen konnte, legte Lawren behutsam seine Finger um den schwarzen Stoff meiner Asarys-Uniform.

»Nicht hier, Mischblut.«

»Charmant«, brummte ich und folgte ihm zu unserem Institut.

Ohne ein weiteres Wort lief er eine steinerne Treppe hinauf, bis wir in den letzten Stock kamen und er mit viel zu viel Kraft eine Tür aufstieß, die ganz offensichtlich verschlossen und damit nicht zugänglich sein sollte. Aber dass Lawren so etwas herzlich wenig interessierte, wunderte mich kaum.

Hinter der Tür offenbarte sich ein verlassenes Stockwerk. Möbel und Kisten, die seit Jahren weder einen Staubwedel noch Tageslicht gesehen hatten, tummelten sich vor uns und versperrten den Weg. Nicht aber für Lawren, der sich geschickt hindurchschlängelte, bis er an einem alten Flügel haltmachte.

»Was soll das? Hätten wir das nicht unten besprechen können?«, fragte ich irritiert und musterte die verstaubten Möbel, die mitten im Flur herumstanden.

»Hier oben bin ich sicher.«

»Sicher vor was?«

»Sicher vor kleinen Spürnasen wie dir, solange sie sich nicht in diesem Stockwerk aufhalten. Und du bist sicher vor Spannern«, raunte er und griff nach meinem Arm. Bevor ich reagieren konnte, zog er meinen Ärmel hoch und musterte das Symbol, das sich in meine Haut gebrannt hatte. Mittlerweile wirkte es wie ein schwarz-rötliches Tattoo und nicht mehr wie eine Verbrennung.

Ich musterte die geschwungenen Linien. »Ist das ein Auge?«, fragte ich irritiert und legte meinen Kopf schief.

»Ja«, knurrte Lawren, während er auf das Symbol starrte. Seine Berührung schmerzte. Vor allem weil sie etwas in mir auslöste, das ich nicht spüren wollte.

Meine Augen wanderten hinauf zu seinem Gesicht. Jetzt, da er mir so nah war, erkannte ich eine kleine Narbe, die sich von seiner Stirn über sein Auge bis zu seiner Wange zog. Es würde mich nicht wundern, wäre er in seinem letzten Leben Scar aus Der König der Löwen gewesen.

»Hör auf mich anzustarren, kleine Nephtys.«

»Warum? Willst du nicht, dass jemand deinen und Mufasas Zusammenstoß begutachtet?«, entgegnete ich verachtend.

Lawren hob seinen Blick und musterte mich. »Du solltest lieber lernen dich wie eine Asarys zu verhalten, statt Disneyfilme zu gucken.«

»Und du solltest lieber lernen Menschen nicht wie Abfall zu behandeln!«

Er leckte sich langsam über seine Lippen, bevor sie sich zu einem bösartigen Lächeln verzogen. »Meinst du Menschen oder dich, kleines Mischblut? Denn eigentlich behandle ich nur dich wie Abfall – was du nun einmal bist.«

Ich öffnete erschrocken meinen Mund, um irgendetwas zu erwidern. Normalerweise war ich die Schlagfertige. Ja, eigentlich war es Laya, der die Antworten ausgingen, und ich die, die dann für sie einsprang – aber bei Lawren war alles anders. Außerdem war mein Gehirn gerade nicht in der Lage zu begreifen, was er gesagt hatte und wie fies das war.

»Du kannst mich mal«, antwortete ich also und bereute sofort es nicht einfach ignoriert zu haben.

»Danke, nein«, war alles, was er dazu sagte, womit er mich in meiner Annahme bestätigte, dass ich die Klappe hätte halten sollen. »Also: Versteck dieses Ding und ein schönes Leben noch.«

Er ließ meinen Arm los und ging. Ich starrte ihm fassungslos hinterher, bevor mein Körper sich von meinem Verstand löste und meine Hand ihn eigenständig an seinem Arm aufhielt.

Lawren schnaufte und sah mit einem herablassenden Blick zurück zu mir. »Was willst du noch?«

»Was ist das?!«, keifte ich ihn an und hob demonstrativ meinen Arm. Er wusste mehr darüber und das würde er mir jetzt gefälligst sagen.

»Ein Horusauge«, antwortete er knapp.

»Und was bedeutet das?«

»Dass du ein komischer Freak bist. Und deine Schwester ganz offensichtlich auch.«

»Lass Laya aus dem Spiel!«, knurrte ich so voller Zorn, dass selbst Lawren darauf reagierte und sein Blick ein wenig weicher wurde.

»Hör zu, Engelchen«, sagte er dann und nahm eine meiner blonden Strähnen in die Hand – wahrscheinlich um mir zu zeigen, woher sein neuster Spitzname für mich kam. Er ließ sie fallen und biss sich belustigt auf die Unterlippe. »Du reagierst auf mich«, stellte er fest, ohne dass ich eine Ahnung hatte, wovon er da sprach. »Niedlich. Aber hey, ich spiele ein paar Ligen über dir – allein weil ich ein echter Asarys bin und kein Möchtegern-Blondchen.«

»Wovon zum Teufel redest du da?«, fuhr ich ihn wütend an.

»Dein Atem ging schneller, als ich dein Haar berührt habe. Und ich bin wirklich versucht es mit dir auf diesem Flügel zu treiben, Kleine. Aber …«, er musterte mich von oben bis unten, »lieber nicht.«

Ein eiskalter Schauer lief mir über den Rücken. Nicht nur, weil er mal wieder bewiesen hatte, was für ein Arschloch er war. Nein, ich spürte wieder das Seth in ihm. Meine Kehle schnürte sich zu, meine Sicht verschwamm und das grausame Gefühl der Angst packte mich derart, dass ich aufkeuchte und einen Schritt zurückwich. Ich spürte das Böse in ihm. Ich spürte es, obwohl ich das nicht mehr können sollte. Ich durfte es nicht.

»Was bist du?«, krächzte ich entsetzt und sah dabei zu, wie ihm ein Licht aufging. Sein Mund verzog sich grausam, während er auf mich zukam und mich an den Schultern packte. Ich spürte seine Wut, als wäre es meine eigene.

»Du machst es schon wieder!« Lawrens Stimme hatte alles Menschliche verloren. Jetzt wirkte er wie ein Tier. Ein Raubtier.

Ich wusste, worauf er anspielte. Schon im Auto hatte ich seine Emotionen gespürt. Aber da waren sie bei Weitem nicht so bedrohlich gewesen wie jetzt. Und hatte ein kleiner Teil in mir bisher gehofft, dass Lawren nur der typische Bad Boy mit weichem Kern war – spätestens jetzt traf mich die Erkenntnis, dass dieser Typ nichts Gutes besaß. Er meinte das, was er sagte, genauso grausam, wie er es ausgesprochen hatte. Das Seth, das ich in dem Moment aufflammen gespürt hatte, bewies es mir.

»Du bist wirklich das Monster, das du nach außen trägst«, stellte ich nüchtern fest.

Dass ich plötzlich so ruhig war, ergab für mich keinen Sinn. Es war, als würde ich das Böse in ihm inhalieren. Als würde es mich böse machen. Ein kaltes Lächeln, das nicht zu mir gehörte, bildete sich auf meinen Lippen. Egal wie sehr ich mich dagegen wehrte, ich spürte, wie meine Mundwinkel sich schmerzhaft nach oben zogen und zu einem krankhaften Grinsen ansetzten.

Lawrens Blick änderte sich ganz plötzlich. Er kam näher. So nah, dass sich unsere Lippen beinahe berührten. »Willst du mehr davon?«, raunte er und nun erkannte ich dieses verrückte, kalte Lächeln auch auf seinen Lippen, als wären wir ein und dieselbe Person. Als wäre er mein Spiegelbild.

Meine Sinne vernebelten immer mehr. Und etwas in mir wollte Lawren küssen. Nicht, weil ich mich zu ihm hingezogen fühlte. Nein, nicht nur. Da war auch etwas anderes. Etwas, das er besaß und ich haben wollte.

»Ja«, sagte meine Stimme. Ich selbst hatte keine Kontrolle mehr darüber.

Lawrens Augen verengten sich. Er sah schockiert aus. Dennoch brachte er keinen Abstand zwischen uns. Im Gegenteil. Ich hatte das Gefühl, er kam immer näher, und ich wollte es. Etwas in mir wollte es. Ein Teil, den ich so lange vor Laya und der Welt verborgen hatte. Etwas, das mein Vater nie in mir gesehen hatte. Oder es ignoriert hatte, weil er an das Gute in mir glauben wollte. Aber dieser böse Teil in mir war da. Er existierte. Auch wenn ich ihn selbst so lange zu verbergen versucht hatte.

»Du willst es?«, hakte Lawren nach, als könne er nicht fassen, was ich gerade gesagt hatte.

Ich nickte, als wäre ich eine Marionette. Lawrens Marionette. Bereit das zu tun, was sein Wille war.

Moment.

Was?!

Wie vom Schlag getroffen erwachte ich aus meiner Starre und wich vor ihm zurück. Unbeholfen prallte ich gegen eine Kiste und geriet ins Stolpern. Bevor ich auf dem Boden aufklatschen konnte, fing Lawren mich auf und zog mich in seine Arme. Für einen seltsamen kurzen Moment fühlte ich mich ihm so verbunden, dass ich meinte auch in seinen Augen etwas aufblitzen zu sehen. Er atmete schnell und schluckte dann schwer, bevor er mich losließ und ich unsanft auf den Boden knallte.

»Spinnst du?!«, war alles, was meinen Mund verließ.

»Ich …« Er presste seine Lippen aufeinander und sah sich unruhig um, bevor er wieder zu mir blickte. »Ich muss hier weg.«

Damit drehte er sich um und verschwand. Einfach so, während ich auf dem Boden lag und mir meinen pochenden Kopf rieb.

Mein Verstand kehrte zusammen mit den Schmerzen zurück und langsam kam mir das alles so unreal vor. Als hätte ich es nur geträumt. Aber dieser Geruch, als wäre etwas verbrannt, den Lawren ausströmte, erfüllte den Korridor sowie meine Kleidung und bewies mir: Das gerade war wirklich passiert.

Ich brauchte einen Moment, bis ich mich endlich aufrichtete und das seltsame Stockwerk verließ. In der Eingangshalle angekommen stand mir eine skeptische Tashia gegenüber. Ihre Arme waren verschränkt, ihre Augenbrauen nach oben gezogen und ihr Fuß tippte auf Antworten wartend auf den Boden.

»Was war denn das?«, platzte es aus ihr heraus, als ich nach ein paar Sekunden immer noch keine Anstalten gemacht hatte, ihr eine Erklärung zu liefern.

»Was genau?«, erkundigte ich mich verschämt.

»Na, das mit deiner Schwester. Und diese markerschütternden Schreie … und Lawren, der dich wegzieht. Und … Woher zum Teufel kennt deine Schwester Coen?!«

Das waren eindeutig zu viele Fragen für meinen aktuellen Geisteszustand und die pochenden Schmerzen in meinem Kopf.

»Wir haben uns gestritten«, war also alles, was ich zusammenbekam.

»Und geschlagen, oder was?«

»Geschlagen?!«, hakte ich entsetzt nach.

Doch wenn ich ehrlich zu mir selbst war, hatte etwas in mir wirklich zuschlagen wollen. Dieser grausame Teil von mir. Ich schluckte schwer, als ich daran zurückdachte, wie zornig ich gewesen war und Laya geschubst hatte.

»Wir haben uns wehgetan, ja. Aber dafür sind manchmal nur Worte nötig«, erklärte ich seufzend. Die Wahrheit brannte sich in mein Herz. Worte. Die Worte, die ich Laya an den Kopf geworfen hatte, waren schlimmer als jeder Schlag, den ich hätte setzen können.

»Und Lawren?«, fragte Tashia irritiert.