SCHATTENORDEN 1.5: Abgründe - Dana Müller-Braun - E-Book

SCHATTENORDEN 1.5: Abgründe E-Book

Dana Müller-Braun

0,0
1,99 €

oder
Beschreibung

**Einigkeit ist wahre Stärke** Bei der lang erwarteten Halloween-Party der Nephtys- und Asarys-Schüler spitzen sich die Ereignisse zu. Während Kija versucht, Lawren zur Rede zu stellen, der sie seit einiger Zeit aus unerklärlichen Gründen zu meiden scheint, kommen sich Laya und Coen näher als je zuvor. Doch die Party nimmt eine jähe Wendung, als eine Gruppe vermummter Gestalten in der Eingangshalle auftaucht. Erst jetzt kommt ans Licht, wer Lawren und Coen wirklich sind, und Laya gerät in große Gefahr. Nun liegt es an Kija, alle Gegensätze zu überwinden und ihrer Schwester beizustehen…   //Das romantische BITTERSWEET-SERIAL vom Carlsen Verlag! Jeden Monat eine weitere Episode!// //Alle Bände des Schattenorden-Serials:  -- SCHATTENORDEN 1.1: Entscheidungen  -- SCHATTENORDEN 1.2: Geheimnisse  -- SCHATTENORDEN 1.3: Lügen  -- SCHATTENORDEN 1.4: Intrigen  -- SCHATTENORDEN 1.5: Abgründe//

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0



Dana Müller-Braun, Vivien Summer

SCHATTENORDEN 1.5: Abgründe

**Einigkeit ist wahre Stärke** Bei der lang erwarteten Halloween-Party der Nephtys- und Asarys-Schüler spitzen sich die Ereignisse zu. Während Kija versucht, Lawren zur Rede zu stellen, der sie seit einiger Zeit aus unerklärlichen Gründen zu meiden scheint, kommen sich Laya und Coen näher als je zuvor. Doch die Party nimmt eine jähe Wendung, als eine Gruppe vermummter Gestalten in der Eingangshalle auftaucht. Erst jetzt kommt ans Licht, wer Lawren und Coen wirklich sind, und Laya gerät in große Gefahr. Nun liegt es an Kija, alle Gegensätze zu überwinden und ihrer Schwester beizustehen …

Wohin soll es gehen?

Buch lesen

Vita

Glossar

Das könnte dir auch gefallen

© privat

Dana Müller-Braun wurde Silvester ’89 in Bad Soden im Taunus geboren. Geschichten erfunden hat sie schon immer – Mit 14 Jahren fing sie schließlich an ihre Phantasie in Worte zu fassen. Als das Schreiben immer mehr zur Leidenschaft wurde, begann sie Germanistik, Geschichte und Philosophie zu studieren. Wenn sie mal nicht schreibt, baut sie Möbel aus alten Bohlen, spielt Gitarre oder verbringt Zeit mit Freunden und ihrem Hund.

© privat

Vivien Summer wurde 1994 in einer Kleinstadt im Süden Niedersachsens geboren. Lange wollte sie mit Büchern nichts am Hut haben, doch schließlich entdeckte auch sie ihre Liebe dafür und verfasste während eines Freiwilligen Sozialen Jahres ihre erste Trilogie. Für die Ausbildung zog sie schließlich nach Hannover, nahm ihre vielen Ideen aber mit und arbeitet nun jede freie Minute daran, ihr Kopfkino zu Papier zu bringen.

Prolog

Zwölf Jahre zuvor …

Aufgebracht lief ich in mein Arbeitszimmer, nahm meinen Dolch sowie die Kette mit dem Horusauge an mich und ging wieder hinaus auf den Flur zu Nefera. Es hatte lange keinen Angriff mehr gegeben. Einen, bei dem so viele Nephtys und Asarys gebraucht wurden, um die Seth-Besessenen aufzuhalten.

Ich sog scharf die staubige Luft der alten Villa ein, als ich in Neferas Augen sah. Nach der Frau suchte, die ich bei der Einführungsparty der Asarys kennengelernt hatte. Die Frau, die sich gegen alle Regeln aufgelehnt hatte. Immer und immer wieder. Die Frau mit diesem bezaubernden Lächeln und der ehrlichen Seele. Die Frau, in die ich mich verliebt hatte. Aber ich fand sie nicht – denn dieses Mädchen war vor langer Zeit verschwunden.

Ich wollte gerade gehen, drehte mich aber noch einmal um. Nefera entgegnete meinen Blick mit eiskaltem Kalkül.

»Ich weiß, wer du wirklich bist, Nefera. Ich weiß es und es bricht mir das Herz.«

Sie erwiderte nichts. Stand einfach nur da und starrte mich an, als wäre es nichts. Als wäre ihr Verrat nichts. Als würde sie mich innerlich belächeln, weil mir diese Erkenntnis nichts brachte.

Ich ging, hielt aber am Treppenabsatz inne und wartete auf die letzte Bestätigung, die ich brauchte. Die mein Herz brauchte, um die Hoffnung endlich aufzugeben, das Mädchen von damals wiederzubekommen.

»Er weiß Bescheid«, hörte ich ihre gedämpfte, aber eindringliche Stimme. »Ich weiß nicht, wie viel er weiß, aber wir müssen es heute zu Ende bringen. Wir müssen ihn zum Schweigen bringen, Mayson.«

Ihre Worte rissen mein Herz in tausend Stücke. Das, was sie da sagte, und zu wem sie es sagte. Wessen Nummer sie gewählt hatte, um mich zusammen mit meinem besten Freund in einen Hinterhalt zu locken.

»Bring Kosey dazu, seinen Sohn mitzubringen. Wenn Fineas dabei ist, wird Aaron keinen Verdacht schöpfen.«

Ich ballte meine Hände zu Fäusten und ging leisen Schrittes weiter die Treppe hinunter. Als ich gerade unten ankam, erklang noch einmal ihre Stimme. Dieses Mal hatte sie etwas von der Wärme des Nephtys-Mädchens von damals.

»Ich liebe dich, Mayson.«

Meine Lippen pressten sich aufeinander und ich nickte. Nickte, weil ich mir einzureden versuchte, dass ich es gewusst hatte. Und ja, vielleicht hatte es ein Teil von mir immer gewusst. Aber dieses dämliche Herz hatte es nicht wahrhaben wollen.

Ich ging. Vor der Haustür parkte der Wagen von Akar, der mir bereits nervös zuwinkte. Aber ich brauchte ein paar Sekunden, ein paar Atemzüge an der frischen Luft, um wieder klar zu denken. Ich lief also in eine Falle. Geradewegs. Aber was sollte ich dagegen tun?

Nachdem ich in das dunkle Auto gestiegen war, musterte ich Akar. In den letzten Monaten meiner Recherche hatte ich keinen Hinweis darauf gefunden, dass er auch ein Mitglied des geheimen Rings war. Akar war ein guter Mensch. In der Schule war er immer der Streber ohne Freunde gewesen, bis Mayson und ich ihn unter unsere Fittiche genommen hatten. Und erst vor Kurzem hatten er und seine Frau die Zwillinge bei sich aufgenommen. Die beiden Jungs, die der Rat bei der Suche nach Waisenkindern, die Schattenhüter oder Schattensucher waren, in einem Kinderheim in Frankreich gefunden hatte. Da sie aber nur Englisch sprachen, hatte man sie hierhergebracht, nach London, und von Familie zu Familie weitergereicht. Vor allem weil einer der beiden – Lawren – immer wieder Ärger machte und ziemlich brutal und unberechenbar war. Und das in ihrem Alter.

Ich schüttelte den Kopf, um mich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren. Ich konnte Akar vertrauen. Ich musste es riskieren.

»Ich brauche deine Hilfe.«

***

Mayson hatte ganze Arbeit geleistet. Kosey hatte wirklich seinen Sohn mitgebracht. Fineas stand voll bewaffnet da. Seine Augen waren groß und voller Angst. Es war ein Anblick, bei dem meine Brust aufflammte. Am liebsten hätte ich Kosey hier auf der Stelle geschlagen. Nicht, weil er ein Verräter war und diesem beschissenen Ring angehörte, nein. Vor allem weil er seinen eigenen Sohn einer solchen Gefahr aussetzte. Ihm solch eine Angst einjagte. Sie alle würden dafür büßen.

Akar hatte mir versichert, dass er auf meiner Seite stand. Er hatte mir versprochen, dass er dafür sorgen würde, dass meine Familie unser Haus zurückbekam. Das Jahr, das mir der Asarys-Rat gestattet hatte, um nach einer neuen Bleibe zu suchen, war fast abgelaufen. Aber sie würden es zurückbekommen und dann würden sie nach den Hinweisen suchen, die ich ihnen hinterlassen würde. Dafür würde Akar Fineas einspannen, wenn er alt genug war. Er würde ihn beauftragen meinen beiden Mädchen zu erzählen, dass das, was jetzt kommen würde, ein Hinterhalt gewesen war. Dann, wenn sie diese Welt verstehen konnten. Wenn sie ihre Ausbildung bereits angefangen hatten.

Akar hatte mir auch versprochen, dass seine beiden Jungs immer ein Auge auf Laya und Kija haben würden. Und dass sie ihnen irgendwann helfen würden zu verstecken, was sie wirklich waren.

Und er würde verschleiern, was wirklich mit mir geschah. Er würde Hass gegen mich säen. Mich als Verräter betiteln. Denn wer fragte schon, was wirklich aus einem Mann geworden war, der angeblich ein Verräter gewesen war?

Kapitel 1

Kija

Mit meiner letzten Kraft holte ich zu einem Schlag aus. Fineas parierte ihn gekonnt, drehte sich und stach so schnell zu, dass ich nicht ausweichen konnte. Direkt in meine Brust. Wäre das ein echter Degen, wäre ich jetzt wohl tot.

Schnaufend zog ich meinen Helm aus und stützte mich auf meinen Knien ab. Der Schweiß rann kitzelnd über mein Gesicht. Jeder Muskel in meinem Körper brannte.

»Du machst wirklich starke Fortschritte«, sagte Fineas und nahm seinen eigenen Helm ebenfalls ab. Sofort fielen ihm die für die Asarys typischen dunklen Haare in die Stirn. Ein zufriedenes Lächeln lag auf seinen Lippen, als er an mir vorbeigehen wollte, auf meiner Höhe aber noch mal innehielt. »Darauf trinken wir heute Abend.«

Mit einem Zwinkern ging er und ließ mich allein in dem kleinen Ring zurück, in dem wir trainiert hatten. Ich brauchte noch eine halbe Ewigkeit, bis ich wieder einigermaßen normal atmen konnte und ungeduscht zum Essen ging. Es blieb keine Zeit und die Dozenten hatten uns die ganze Woche über eingebläut, dass wir vorher etwas zu uns nehmen sollten, weil es bei dem Halloween-Abschlussball nichts zu essen geben würde.

Ich setzte mich neben Tashia, die angewidert ihr Gesicht verzog und demonstrativ ein Stück von mir wegrückte. Tiger hingegen kicherte nur belustigt und Lawren … Lawren, der früher wohl einen fiesen Spruch gebracht hätte, sah mich nicht einmal an.

So ging das seit Wochen. Seit diesem … Vorfall im Wald. Und obwohl wir uns geschworen hatten Freunde zu bleiben, benahm er sich abweisend und ignorant. Aber ich war nicht besser. Jedes Mal, wenn er mich dann doch ansah, erstarrte ich und wurde kurz darauf total hektisch. Nicht gerade die erwachsenste Art, damit umzugehen.

Das Problem an alldem war, dass dieses Verlangen nach ihm nicht abgeschwächt war. Nicht einmal nach all der Zeit, in der wir kaum miteinander geredet hatten. Sein Verlangen nach mir – war ganz offensichtlich verschwunden.

»Kannst du bitte einfach aufessen, damit wir in mein Zimmer gehen können und du … unter die Dusche?!« Tashia warf mir erneut einen angeekelten Blick zu.

»Ich habe trainiert!«, beschwerte ich mich lachend.

»Ganz offensichtlich hat Fineas dich ziemlich ins Schwitzen gebracht.«

Ich verkrampfte meinen Kiefer, als Lawrens Stimme in meinen Ohren widerhallte. Ich sah von Tashia zu ihm und unsere Blicke trafen sich. Er traf mich und ließ meine Brust flattern. Lawren sah mich so intensiv an, dass ich nicht atmen konnte. Dunkel und voller … Hunger.

»Gut erkannt«, erwiderte ich mit erhobenen Brauen und versuchte zu überspielen, was er in mir auslöste.

»Du verbringst ziemlich viel Zeit mit ihm.« Seine Stimme war ein raues Knurren. Es wirkte beinahe bedrohlich. Wäre da nicht dieser leise Ton, der darin mitschwang. Was war das?

»Eifersüchtig?!«

»Ein wenig«, erwiderte er mit einem amüsierten Lächeln.

Ich starrte ihn fassungslos an. Das konnte nur wieder einer seiner dummen Witze sein, um mich aus der Reserve zu locken.

»Was soll der Scheiß, Lawren?«, warf Tashia irritiert ein und wechselte seltsame Blicke zwischen uns. »Sagt mir nicht, dass ihr es miteinander getrieben habt?!«

Ich lachte laut los. »Ich? Mit der eisernen Jungfrau da drüben?!«

Alle drei warfen mir geschockte Blicke zu.

»Getroffener Hund bellt«, murmelte Tashia neben mir, während Lawren mich mit einem anerkennenden Lächeln musterte.

»Zwei Jungfrauen, die sich mit ihren Blicken fast ausziehen. Das kann ja heiter werden«, meldete sich Tiger skeptisch zu Wort.

»Wir treiben es nicht miteinander und ich bin auch keine Jungfrau!«, beschwerte ich mich und zog wieder alle Blicke auf mich. Vor allem Lawren schien sehr aufmerksam zu werden.

»Themawechsel!« Tiger berührte seine Stirn, als würde ihn das hier all seine Nerven kosten. Aber da war noch etwas. Ihm schien weder die Vorstellung, dass Lawren und ich etwas miteinander haben könnten, zu gefallen, noch, dass ich keine Jungfrau mehr war.

»Gute Idee. Ab unter die Dusche!« Tashia nahm meinen Arm und zog mich mit sich, während meine Augen noch eine Weile auf Lawren gerichtet waren.

***

Als ich endlich geduscht hatte und zusammen mit Tashia vor ihrem Spiegel saß, warf sie mir immer wieder heimliche Blicke zu, bis ich irgendwann fragte: »Was ist?«

»Bist du echt keine Jungfrau mehr?«

»Deshalb starrst du mich die ganze Zeit so an?«, erwiderte ich, während ich mir einen misslungenen Lidstrich wieder wegwischte.

»Ja, ich hätte gewettet, dass du ’ne Jungfrau bist.«

»Bin ich nicht. Ich hatte mit sechzehn einen … heimlichen Freund. Vor allem deshalb heimlich, weil ich ihm peinlich war.«

»Peinlich? Du?«, stieß sie fassungslos hervor und schnaubte verächtlich. »Der soll mir mal über den Weg laufen. Dem erzähle ich was.«

Ich lachte und warf ihr über den Spiegel einen Blick zu. »Es war nicht immer so, wie es jetzt ist. Laya und ich sind irgendwie angekommen. Aber früher wollte sich niemand mit uns abgeben. Mit den Mischbluten, die weder zu den Nephtys noch zu den Asarys gehörten. Na ja, und Collin, mein heimlicher Freund, hatte eigentlich kein Problem mit uns. Aber er war eben auch nur einer von denen mit mächtigen Eltern, der den anderen gefallen wollte.«

»Und wusste Laya von ihm?«

Ich nickte. »Sie hat ihm eine gescheuert, als er dann wegen einer Nephtys Schluss gemacht hat. Er ist selbst ein Schattensucher. Aber auch das hat nicht lange gehalten. Sein Vater wurde nach Paris konsultiert und deshalb ist er dann auch dort zur Ausbildung ins Institut gekommen.«

»Laya hat einen anderen Menschen geohrfeigt?!«

Ich nickte wieder.

»Die Kleine wird mir immer sympathischer«, lachte sie und entlockte auch mir ein Kichern.

Ich griff nach meinem Handy. Meistens wenn ich an alte Zeiten mit Laya dachte, schrieb ich ihr.

Hast du schon das bitchy Kleid an, um den Drecksack Coen zu verführen?

Nachdem die beiden mein Zimmer und Dads Unterlagen durchsucht hatten, war ich zwar sauer gewesen, aber Streits hatten zwischen uns nie lange gehalten und Laya hatte Coen dazu gebracht, mir wenigstens einen Teil der Dokumente wiederzugeben. Mit der Bedingung, dass wir zu viert Nachforschungen anstellen würden. Nur Lawren war bei diesen Treffen nie erschienen. Aber gebracht hatten sie auch rein gar nichts. Genauso wenig wie die Treffen mit Fineas, der mir nur immer und immer wieder dieselbe Geschichte erzählte. Die, wie die Mitglieder des geheimen Rings meinen Vater fast getötet hätten, er aber entkommen war und Mayson ihn verfolgt hatte. Was danach geschehen war, wusste ich nicht. Nicht genau. Denn alles, was ich hatte, war dieser Zettel, den er kurz vor seinem Tod in seinem Arbeitszimmer geschrieben hatte. Seine unordentliche Schrift, in der er nur notiert hatte, dass er weitere Mitglieder enttarnt hatte und untertauchen müsse, weil er entdeckt worden war.

Mein Handy klingelte und Layas Nachricht erschien auf dem Display:

Kija!

Plus eine Million ermahnende Smileys.

Laya?Ich ziehe bestimmt nicht den Stofffetzen von deiner freizügigen Freundin an! Außerdem ist es schwarz!

»Nett«, quittierte Tashia lachend unseren Verlauf, den sie auf meinem Display mitlas.

Es ist Halloween! Nicht Tag der weißen Engel!,

tippte ich und legte das Handy wieder auf Tashias Kommode.

»Sie wird es niemals anziehen«, sagte sie, während sie sich eine Maske um den Kopf band. »Nicht so.«

Als Antwort schickte Laya nur drei Punkte.

Ich verdrehte die Augen. In dem Kleid würde sie sicher hervorragend aussehen.

»Gib mir das mal!«, befahl Tashia und nahm das Handy an sich.

»Hier spricht die freizügige Freundin. Ich wusste, dass du nicht genug Titten im Büstenhalter hast, um es wirklich zu tragen. Also alles halb so wild. Aber was den Asarys-Jungs gefällt, weiß ich immer noch am besten. Zwinkersmiley«, las sie mit, während sie tippte. »Und abgesendet. Ich wette hundert Euro, dass sie in dem verdammten Kleid auftauchen wird.«

»Arme Laya«, lachte ich leise und band nun auch meine eigene Maske um.

***

Als wir in der Eingangshalle ankamen, warteten Lawren und Tiger bereits auf uns. Lawrens Blick wanderte über mich und verharrte dann bei dem Ausschnitt meines schwarzen Kleides, der mir beinahe bis zum Bauchnabel reichte. Um das immerhin fast verblasste Brandmal zu verstecken, trug ich lange schwarze Handschuhe, die Lawren aber eher weniger zu interessieren schienen.

»Nur mal so: Ihr seht echt so gar nicht gruselig aus«, sagte Tiger und musterte uns mit Argwohn.

»Aber ihr!«, erwiderte Tashia beleidigt.

Sie trugen beide schwarze Anzüge mit schwarzen Hemden. Ohne Krawatten. Sehr kreativ.

»Wir dürfen die kleinen Nephtys dieses Jahr nicht erschrecken. Schon vergessen?«, verteidigte sich Tiger.

»Aber wir sollen gruselig aussehen, oder was?« Tashia schnalzte mit der Zunge und stapfte dann hinaus und auf die Turnhalle zu.

Tiger folgte ihr, wahrscheinlich um sich zu entschuldigen, während Lawren neben mir hinauslief. Er wirkte angespannt. Ganz anders als sonst. Ich blickte zu ihm hoch, doch er erwiderte es nicht. Sah starr geradeaus, als müsse er sich konzentrieren.

»Was ist das mit Fineas?«, fragte er dann in die Nacht.

Es wurde still um mich herum, obwohl überall Leute auf die Turnhalle zuliefen und sich laut unterhielten, während Musik über den Platz schallte. Ich betrachtete eine der Statuen, die hier standen. Meist war es Osiris, in verschiedenen Darstellungen.

»Was soll das schon sein?«, seufzte ich. »Er hilft mir etwas über meinen Vater herauszufinden.«

»Und bei deinem kleinen Problem mit dem Seth, nicht wahr? Du bist damit zu ihm gegangen. Nicht zu mir.«