Schau nie zurück - Mignon G. Eberhart - E-Book
Beschreibung

Ein unheimliches Gefühl überkommt Maggy Brooke, als sie nach ihrer Rückkehr aus London in New York die Wohnung ihrer Tante betritt. Als sie dann eine brennende Zigarette in dem seit langem unbewohnten Appartement findet, als sie erfährt, daß eine schwarzgekleidete Frau, die am Abend vor Maggys Rückkehr nach ihr gefragt hatte, am Fuß des Wolkenkratzers tot aufgefunden wurde, als sie in ihrer Thermosflasche einen Geruch von bitteren Mandeln feststellt, da wird ihr zur fürchterlichen Gewißheit, daß ein Unbekannter sie umschleicht. Ein Mörder. (Dieser Text bezieht sich auf eine frühere Ausgabe.)

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MOBI

Seitenzahl:254


Mignon G. Eberhart

Schau nie zurück

Kriminalroman

Aus dem Amerikanischen

FISCHER Digital

Inhalt

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1

Von keinerlei innerer Unruhe im voraus gewarnt, war sie völlig unvorbereitet, als es plötzlich hieß: «Sicherheitsgurte festschnallen!» Das Flackern des Lichtsignals hatte sie kaum wahrgenommen, und sie war sich seiner Bedeutung noch gar nicht bewußt geworden, als es schon wieder aufgehört hatte.

In der Kabine des Riesenflugzeugs, in der der Luftdruck, unabhängig von der Höhe, in der es flog, stets unverändert blieb, hatte kein Ohrensausen ihr verraten, daß die Maschine zur Landung angesetzt hatte. Freilich hatte sich seit etwa einer Stunde schon bei den Mitreisenden eine spürbare Aufgeregtheit bemerkbar gemacht – ein sicheres Kennzeichen, daß das Ziel, New York, bald erreicht sein mußte.

Maggy selber hatte sich nicht gerührt. Sie trug bereits ihr leichtes dunkelblaues Reisekostüm, das sie vor zwei Wochen bei ihrem plötzlichen Fluge nach England getragen hatte. An jenem Morgen hatte sie ihr Reisenecessaire, und was sie für die kurze Reise benötigte, in ihren Handkoffer gepackt. Der kleine blaue Hut, der an die Kapotthüte erinnerte, wie sie zur Zeit ihrer Urgroßmutter Mode gewesen waren, lag mit den Handschuhen und einer großen roten Handtasche auf ihrem Schoß. In diese Handtasche hatte Charles Brooke, ihr Schwiegervater, unmittelbar vor ihrer Abreise einen Wechsel auf seine Bank in New York gelegt. Er hatte eigentlich kaum richtig von ihr Abschied genommen, sondern nur seine Hand auf ihre Schulter gelegt und kaum etwas gesagt. Er hatte sehr müde ausgesehen. Der Chauffeur war gekommen und hatte ihr Gepäck in den wartenden Wagen getragen. Es war ihnen keine Zeit geblieben, viele Worte zu machen. Wovon hätten sie auch noch reden sollen? In den zwei Wochen hatten sie sich alles gesagt, was zu sagen gewesen war.

Schließlich hatte Charles Brooke mit einem leichten Lächeln zu dem Chauffeur gesagt: «Fahren Sie vorsichtig, Jim!» Und in der nächsten Minute war sie schon auf dem Weg – zurück nach Amerika … zurück zu Fen.

Ob Fen sie wohl abholen würde?

Es war ein merkwürdiger Gedanke: während sie den Atlantik überflog, sprach ihr Schwiegervater in London mit ihrem Gatten, Fenwick Brooke, in New York. Was Fen wohl gedacht hatte, als er hörte, was sein Vater ihm zu sagen hatte?

Sie lehnte sich bequem zurück und hing ihren Gedanken nach. Plötzlich stand die Stewardeß neben ihr. «Sie haben Ihre Zollerklärung noch nicht abgegeben, Mrs. Brooke», sagte sie.

Maggy lächelte. Die zwei Wochen, die sie in England geweilt hatte, erschienen ihr jetzt noch kürzer, als sie es in Wirklichkeit gewesen waren. Wahrlich: sie hatte weder Zeit noch Lust gehabt, irgendwelche Einkäufe zu machen. «Ich habe nichts zu verzollen.»

«Dürfte ich fragen, wie es Mr. Brooke geht?» fragte die Stewardeß. «Er ist oft mit uns geflogen.»

Natürlich meinte sie Charles Brooke. Daß sie sich seiner erinnerte und sich nach ihm erkundigte, bewies wieder einmal, welches Ansehen und welche Sympathie Charles Brooke überall genoß.

«Leider geht es ihm nicht besonders gut. Er arbeitet zuviel.»

«Wird er bald zurückfliegen?»

«Ich fürchte, vorläufig wird nichts daraus werden», erwiderte Maggy. Sie sah in Gedanken das zerquälte Gesicht ihres Schwiegervaters vor sich und die grauen Schatten um seinen Mund.

«Kann ich etwas für Sie tun?» erkundigte sich die Stewardeß.

«Nein. Danke. Ich werde meinem Schwiegervater erzählen, daß Sie sich nach ihm erkundigt haben.»

Das Mädchen lächelte. Sie überzeugte sich durch einen schnellen Blick, daß Maggy ihren Sicherheitsgurt festgeschnallt hatte, und ging durch den Mittelgang weiter.

Maggy lehnte sich wieder zurück. Sie wünschte, ihr Schwiegervater hätte mit ihr reisen können.

Charles Brooke war kein eigentlicher Diplomat, er war nicht einmal ein Minister ohne Portefeuille. Aber er war einer jener patriotischen und selbstlosen Amerikaner, die stets bereit sind, alles, was sie an Zeit, Arbeitskraft und Erfahrung besitzen, zur Verfügung zu stellen, wenn es sich darum handelt, der Welt den Frieden zu sichern. Er leistete seinem Vaterlande bei zahlreichen Gelegenheiten ausgezeichnete Dienste. Außer seinem lauteren Charakter, seinem Patriotismus und seiner Intelligenz besaß er die Gabe einer ruhigen, geduldigen und unfehlbar wirksamen Diplomatie.

Auch im Privatleben war er Diplomat. Daher hatte er Maggy nach Amerika, nach New York, zurückgeschickt, damit sie, wenn alles gut ginge, die Ehe mit seinem Sohn aufs neue knüpfe und fester begründe. Aber nicht nur die Diplomatie ihres Schwiegervaters hatte sie zur Rückkehr bestimmt, sondern auch ihr eigener Wunsch.

Charles Brooke war in den letzten Tagen ihres Aufenthaltes in London recht beunruhigt gewesen. «Ich weiß nicht recht», hatte er gesagt, «vielleicht irre ich mich. Fen kann mein Anerbieten annehmen, und er kann es empört zurückweisen. Ich mute dir mehr zu, Maggy, als ich eigentlich sollte. Das habe ich immer getan, und es ist nicht richtig. Du wirst es nicht leicht haben. Aber du stehst meinem Herzen so nahe, als wärest du mein eigenes Kind.»

Sie hatte gelächelt und seine Hand gedrückt. Seine Güte, seine Freundschaft und seine Hilfsbereitschaft hatten noch nie versagt.

Aber seine Augen hatten ihren düsteren und beunruhigten Ausdruck nicht verloren. «In dem Jungen steckt doch viel Gutes», hatte er gemeint. «Und es handelt sich auch um dich, Maggy. Du liebst ihn ja noch immer.»

Darauf hatte sie nichts erwidert. Charles Brooke aber, der sie aufmerksam betrachtete, fuhr fort: «Ich möchte euch beiden eine neue Chance geben. Vielleicht findet er auf diese Weise zu dir zurück, meine Liebe.»

«Ich hoffe es», hatte sie erwidert.

Aber er war nicht zufriedengestellt. Er schien es nur höchst ungern zu sehen, daß sie die Mission übernahm, die er selber vorgeschlagen hatte. «Und doch», fuhr er fort, «fürchte ich, es war nicht recht von mir, daß ich dich gebeten habe, mir diese Mission abzunehmen. Wenn ich doch nur selber hin könnte!»

In diesem Augenblick war der Chauffeur gekommen.

Und jetzt, nur wenige Stunden später, war sie im Begriff, in New York zu landen. Sicherlich würde sie Fen bald sehen. Wenn er nun verletzt und zornig war? Wenn er sich weigerte, den Vorschlag seines Vaters anzunehmen? Wenn er sie vielleicht gar nicht sehen wollte?

Sie hoffte plötzlich, Fen würde sie nicht abholen. Und doch wußte sie, daß sie enttäuscht sein würde, wenn er nicht da war.

Plötzlich sagte ein Mann auf der anderen Seite des Mittelganges: «Da wären wir also …» Sie blickte durch das Fenster hinter dem großen silbernen Flügel. Die Wolkenkratzer von New York funkelten märchenhaft in der Nachmittagssonne. Gleich darauf ging das Flugzeug in eine Kurve. Silbern leuchtete tief unten die Bucht. Dann glitt die Maschine langsam hinunter. Plötzlich waren die langen Gebäude des Flughafens beinahe in Reichweite. Maggys Sitz neigte sich tief. Sie landeten.

Als sie die Stufen hinunterschritt, überflog sie mit einem raschen Blick die Menschen, die erschienen waren, um Reisende abzuholen. Fen war nicht unter ihnen. Sie hatte also Zeit, sich etwas zu erholen, Zeit zum Nachdenken, Zeit sogar, um sich in Lauras Wohnung einzurichten, bevor sie Fen sah. Sie ging zur Zollkontrolle.

Bill Sanderson nahm sie in Empfang. Sie stand an der Zollschranke, ihr Gepäck war vom Flugzeug herbeigeschafft worden, und der Zollbeamte begann es eben zu untersuchen, als sie plötzlich fühlte, wie jemand sie am Ellbogen berührte. Sie blickte auf und sah in Bills gebräuntes Gesicht.

«Hallo!» sagte er mit einem breiten Grinsen.

«Bill!» Sie legte ihre beiden Hände in seine. «Bill!»

«Gute Reise gehabt?»

«Wundervoll. Woher wußtest du, daß ich komme? Fen …» Sie blickte an ihm vorbei, weil sie annahm, sie würde Fen sehen.

Fen war nicht da.

Aber Bill war da. Und er sah so zuverlässig und vertrauenswürdig aus wie nur je.

Bill sagte: «Ich freue mich, dich zu sehen, Maggy.»

Der Zollbeamte fragte etwas. Bill nickte und trat beiseite, um auf Maggy zu warten. Sie schloß ihren Koffer auf, den der Beamte schnell durchstöberte. Sie war froh, daß Bill sie abholte. Andererseits aber war ihre Freude nicht ganz ungetrübt, ohne daß sie hätte sagen können, warum. Sie kannte Bill ebenso lange, wie sie Fen kannte. Er hatte immer so ausgesehen, wie er jetzt aussah. Niemals war sie imstande gewesen, seine Gedanken zu erraten. Als sie alle noch Kinder gewesen waren, hatte sich seine Fähigkeit, äußerlich völlig ruhig auszusehen und sich von dem, was in ihm vorging, nichts anmerken zu lassen, als sehr nützlich erwiesen. Selbst seine Augen hatten kaum durch ein schwaches Aufleuchten ein Schuldbewußtsein verraten, wenn er und Fen irgendeinen Streich ausgeheckt hatten. Sie hatte stets den Verdacht gehegt, daß Bill für gewöhnlich der Anstifter gewesen war. Sicher aber war, daß er durch sein harmloses Aussehen oder auch durch ein vorgetäuschtes Gefühl der Reue stets die unangenehmen Folgen ihrer Streiche abzuwenden wußte.

Der arme Fen! Sorgfältig überwacht und behütet als der Sohn eines sehr reichen und angesehenen Vaters, hatte er sich einen Sport daraus gemacht, dem Kindermädchen, der Gouvernante, den Hauslehrern, die einander schnell ablösten, und der alten Agnes Maclagen, die ihn nie aus den Augen ließ, zu entwischen.

Maggy und Bill hatten sich zwar unabhängig, aber doch geschmeichelt gefühlt, weil sie für würdig befunden wurden, seine Spielkameraden zu sein. Sie steckten immer zusammen, bis es plötzlich soweit war, daß sie eine Schule besuchen mußten.

Bill war zuerst gegangen, dann Agnes mitsamt dem Gefolge von Hauslehrern. Dann war Fen von seinem Vater nach der Schweiz und Paris mitgenommen worden. Die Zeit verging. Alle drei waren sie schließlich erwachsen, und sie selber hatte sich mit Fen verheiratet. Dann war der Krieg gekommen. Bill hatte in der Marine gedient. Immer wenn sie ihn sah, kleidete sie ihn in Gedanken in die Marineuniform, die er in jenen Kriegsjahren getragen hatte und die wie für ihn geschaffen schien.

«Danke, Miß», sagte der Zollbeamte. Sie schloß ihren Koffer.

«Was meinst du?» erkundigte sich Bill. «Hast du Lust, etwas zu trinken? Im Flughafenrestaurant?» In seiner Stimme war ein besonderer Klang, der sie aufhorchen ließ. Sie blickte ihn fragend an. Da sagte er schnell: «Mit Fen ist alles in Ordnung.»

Er rief einen Gepäckträger und ließ ihn Maggys Sachen zu seinem parkenden Auto tragen. Er hatte gewußt, daß sie kommen würde, und er konnte es nur von Fen wissen. Fen mußte es ihm gesagt haben.

Vielleicht erging es Fen wie ihr selber. Vielleicht fürchtete er sich ein ganz klein wenig vor ihrer Begegnung. Er mußte sich Natürlich mit den Vorschlägen seines Vaters einverstanden erklären, die er jetzt sicherlich kannte. Es würde für sie beide nicht leicht sein, dachte sie wieder. Am schwersten aber für Fen.

Sie gingen in das Flughafenrestaurant. Bill sagte: «Ich war gestern abend bei Fen. Daher wußte ich, daß du heute ankommen würdest. Er hatte das Telegramm erhalten.»

«Das Telegramm?»

«Ja, das Telegramm, das deine Ankunft mit diesem Flugzeug meldete.»

«Ist er …?»

«Er ist gesund. Aber wie geht es dir?»

Bill Sanderson ähnelte in mancher Hinsicht Charles Brooke. Er hatte wie dieser Energie und einen typisch männlichen Verstand, eine Härte, die durch Humor gemildert wurde und, jedenfalls ihr gegenüber, eine gewisse Zartheit, die tief unter der Oberfläche lag und nur selten zum Vorschein kam. Sie blickte ihn lächelnd an und sagte: «Es ist nett von dir, daß du mich abgeholt hast. Aber was ist das mit dem Telegramm? Vater hat gesagt, er werde mit Fen telephonisch sprechen.»

«Davon weiß ich nichts. Fen erwähnte nur das Telegramm.»

Charles Brooke vergaß nie, eine Verpflichtung zu erfüllen, die er übernommen hatte, und er hatte mit unzweideutigen Worten versprochen, er werde Fen anrufen. Sie meinte: «Wahrscheinlich hat er keine einwandfreie Verbindung bekommen, oder es war sonst etwas nicht in Ordnung.»

«Vielleicht. Wie geht es Onkel Charlie?» Bill hatte Charles Brooke immer so genannt.

«Es geht ihm nicht besonders gut. Er arbeitet zuviel.»

Bill blickte in sein Glas. «Schau, Maggy», begann er. «Fen …» Er bot ihr eine Zigarette an. «Ich sagte ihm, ich wolle dich abholen. Da bat er mich, dich zu fragen, ob Onkel Charlie das Geld schicken werde.»

Sie fühlte, daß ihr das Blut ins Gesicht stieg, wie wenn sie selber und nicht Fen in einer so furchtbaren Lage gewesen wäre. Bill war ebenfalls verwirrt – aus demselben Grunde. Sie wollten beide nicht zugeben, daß Fen fast sicher im Zuchthaus landen würde, wenn sein Vater nicht eingriff.

Bill meinte: «Entschuldige, Maggy. Aber Fen sagte, es würde allmählich dringend. Man hat ihm nur noch einige wenige Tage Frist gegeben.»

«Er kann unbesorgt sein. Vater hat das Geld telegraphisch überwiesen, bevor ich mich von ihm verabschiedete.»

«Fen wird aufatmen. Ich werde es ihm sagen. Aber du, Maggy? Was wirst du tun?»

«Hat Fen dich gebeten, auch danach zu fragen?»

Sie hatte das eigentlich nicht sagen wollen, und sie fühlte, wie bitter es geklungen haben mußte. Bill legte seine Hand auf ihre. Er hatte eine sehr sympathische Hand; etwas Zuverlässiges ging von ihr aus. Er sagte: «Nein, darum hat er mich nicht gebeten. Ich frage von mir aus.»

Die Tränen drohten ihr zu kommen. Der leichte Druck seiner Hand und die Wärme seiner Stimme machten sie schwach. Sie blickte auf seine Finger. Wenn sie jetzt etwas erwiderte, mußte er hören, wie unsicher ihre Stimme klang.

Bill schien zu erraten, was in ihr vorging. Er zog seine Hand zurück und sagte: «Wenn du weinen willst, dann laß uns lieber an einen anderen Ort gehen, wo du deinen Kopf an meine Schulter lehnen und deine Tränenschleusen öffnen kannst. Wäre übrigens kein schlechter Gedanke. Ich möchte schließlich auch etwas von dir haben.»

Sie blickte auf. Er lächelte, aber seine Augen waren ernst. Sie murmelte: «Ich weiß nicht, was Fen tun, wie er die Sache aufnehmen wird … Ich weiß nicht …»

«Aber du weißt, ob du zu Fen zurückkehren willst oder nicht … das weißt du doch, nicht wahr? Ich meine: jetzt gleich, von hier aus …»

«O doch, das weiß ich. Ich werde in Kusine Lauras Wohnung übersiedeln. Ich habe den Schlüssel.»

2

Bill vermied es offensichtlich, Maggy danach zu fragen, warum sie und Fen getrennt gelebt hatten, aber er mußte gemerkt haben, wie sie sich nach und nach immer weiter voneinander entfernten, wie sich eine immer größere Kluft zwischen ihnen auftat.

Er sagte: «Ich hatte gedacht, du würdest vielleicht im Landhaus wohnen wollen.»

Sie schüttelte den Kopf, fühlte aber doch einen kleinen Stachel, etwas wie Heimweh nach dem Landhaus mit seinen hohen Zimmern, seinem Garten und den Rasenflächen, wo sie und Fen und Bill als Kinder gespielt hatten, nach den alten Ställen, den Wäldern, in denen sie sich verborgen hatten, wenn sie den spähenden Augen der alten Agnes oder der verschiedenen Hauslehrer entronnen waren, nach den Gewächshäusern, die für sie verbotenes Gelände gewesen waren, ohne daß sie sich viel darum gekümmert hatten – nach der ganzen Atmosphäre, die einem Hause eigentümlich ist, in dem man viele Jahre gewohnt hat und in dem man heimisch geworden ist. Denn schon lange vor ihrer Heirat war es für sie eine Art Heim gewesen, und seit ihrer Heirat mit Fenwick Brooke war es dann ihr wirkliches Heim geworden. Jetzt standen in dem großen Zimmer, das Fens Mutter gehört hatte, Maggys Koffer gepackt und verschlossen; es bedurfte nur noch ihrer Anweisung, wohin sie geschickt werden sollten.

Sie fragte: «Wo ist Fen?»

«Er ist in der Stadt, in Onkel Charlies Wohnung.»

Ihr war, als wären nicht zwei Wochen, sondern zwei Jahre seit jenem Tage vergangen, da sie allein in dem kleinen, flotten Kabriolett, das Charles Brooke ihr geschenkt hatte, durch die große Allee mit den herrlichen Ahornbäumen, die über dem Kopf ein Gewölbe bildeten, gefahren war. Ihr Reisegepäck hatte sie bei sich gehabt. Und niemand anders als Simpson, der alt und schwach gewordene siamesische Kater, hatte ihr in seinem Körbchen das Geleit gegeben. Simpson war das letzte Band, das sie noch mit ihrer Kindheit und allem, was sie in der Vergangenheit erlebt hatte, verknüpfte. Es war merkwürdig und eigentlich etwas unheimlich, dachte Maggy, daß die Erinnerungen an Dinge, die man im Leben erfahren hat, einen stets begleiten und sich im Bewußtsein schichtweise aufeinander legen, stets gegenwärtig, stets lebendig, bereit, zu jeder Stunde wie aus einem unerschöpflichen Reservoir hervorgeholt zu werden; wie eine Laterna magica konnte man diese Erinnerungen jederzeit reproduzieren. So sah sie sich jetzt selber als Kind in einer etwas verschossenen, kurzen blauen Hose und weißem Hemd mit wehenden Zöpfen den Weg entlangrennen, der das eindrucksvolle Landhaus Charles Brookes von einem kleinen, niedrigen, mit einem Schindeldach versehenen weißen Hause mit einem farbenprächtigen Garten trennte. Hier hatte sie mit ihrer Mutter gewohnt. Sie sah in der Erinnerung Simpson, der damals noch ein kleines Kätzchen gewesen war, an der besonnten Mauer liegen und sie beobachten. Das Erinnerungsbild war so deutlich, daß sie sogar die blauen Augen des Kätzchens und die blaßroten Stockrosen zu sehen und das Summen einer trägen Biene in der Junihitze zu hören vermeinte.

Aber sie riß sich von dem Bilde los und kehrte in die Gegenwart zurück. Jetzt war sie erwachsen und mit dem Jungen verheiratet, mit dem sie in ihrer Kindheit gespielt hatte – verheiratet und doch von ihm getrennt. Sie streifte Bills sonnengebräuntes Gesicht mit einem schnellen Blick. Heute, wie immer, war es nicht leicht zu erraten, was er dachte. Sie wußte von ihm, daß er ein guter Offizier gewesen war, der sich ausgezeichnet zu beherrschen verstand, so daß niemand etwas von den Zweifeln in seinem Innern erraten konnte. Aber sie wußte auch, daß dieses ruhige und kühle Aussehen eine Art Deckmantel war und man stets darauf gefaßt sein mußte, daß Bill eine völlig unerwartete Äußerung tat oder überraschend handelte.

Sie fragte: «Wird Fen lange in der Stadt bleiben?»

Bill vermutete es. Nur der alte Lawtie – der Gärtner – sei im Landhaus zurückgeblieben.

«Wann wird Onkel Charlie zurück sein?»

«Er wußte es nicht», sagte Maggy. «Er hatte jetzt kommen wollen, aber es wird wohl noch einige Zeit dauern.» Nach kurzem Zögern fuhr sie schnell fort: «Bill, er möchte, daß Fen und ich es noch einmal versuchen.»

Sein Gesicht blieb unbeweglich. «Das hätte ich dir schon sagen können, bevor du nach England flogst.»

«Ja, ich weiß. Ich meine – natürlich dachte ich mir das auch. Als er mich rief, ging ich zu ihm. Ich mußte gehen. Er ist zu mir wie ein Vater, Bill. Und er ist es immer gewesen. Ich schulde ihm …»

«Du liebst Onkel Charlie. Natürlich mußtest du seinem Ruf Folge leisten.»

Bills Gesicht war unverändert, aber sie fühlte, daß er sich vor ihr verschloß und nicht merken lassen wollte, was er dachte. Plötzlich fragte er: «Hast du dich entschlossen, zu tun, was er von dir erwartet?»

«Ja. Wenn Fen einverstanden ist. Charles wollte telephonisch mit Fen sprechen. Er wollte ihm die Bedingungen nennen.»

Bill blickte auf. «Bedingungen?»

«Ich dachte, Fen wüßte es schon.»

«Willst du dich nicht etwas deutlicher ausdrücken? Um was für Bedingungen handelt es sich?»

Es lag kein Grund vor, warum sie es ihm nicht hätte sagen sollen. Er würde es ja doch von Fen oder von Charles Brooke erfahren. «Ich soll in der Wohnung meiner Kusine Laura wohnen. Sie ist in der Schweiz.»

«Und mit Fen verkehren?»

«Ja. Wenn er es wünscht. Und – wenn ich es wünsche. Wir sollen die gesetzliche Scheidung aufschieben. Wir sollen überhaupt keine endgültigen Entscheidungen treffen, solange Vater nicht wieder hier ist.»

Bill überdachte einen Augenblick, was sie gesagt hatte, und meinte dann: «Das klingt ganz vernünftig. Wird wohl das Beste sein. Ihr sollt beide noch eine Chance haben.»

«Ja. Aber das ist nicht alles. Vater wünscht, daß ich allein über das Geld zu bestimmen habe.»

Bill schien überrascht zu sein; sie merkte es an einem kurzen Aufblitzen in seinen Augen. Sie sagte: «Fen wird über diese Zumutung vielleicht empört sein; vielleicht lehnt er sie sogar ab und will von mir nichts mehr wissen. Ich bin mit dieser Entwicklung der Dinge gar nicht zufrieden.»

«Wenn ich dich richtig verstehe, Maggy, sollst du …»

«Der Zuschuß, den Fen oder den wir beide bekommen sollen, wird nach Vaters Wunsch an mich überwiesen. Ich soll Fen geben, was er benötigt, aber nicht –» sie zögerte und wurde rot. «Aber nicht zuviel.»

«Ich verstehe.»

«Vater sagte, er selber sei schuld. Er habe Fen immer viel zuviel Geld gegeben. Das mag wohl wahr sein. Er hat uns beiden viel gegeben. Wir waren nie in irgendeiner Verlegenheit. Fen brauchte sich nicht um einen Job zu bemühen. Vater meint daher, wenn er ihm nur soviel gegeben hätte, wie er brauchte, um einigermaßen damit auskommen zu können, würde er …» Sie brach ab. Wie hatte sie es nur dulden können, daß sie in eine solch unmögliche Lage geriet? Sie würde für Fen nichts anderes sein als eine Schulmeisterin, eine verhaßte Gouvernante. Vielleicht erreichte Charles Brooke das Gegenteil von dem, was er anstrebte. Fen mußte sie wegen der Bevormundung doch ganz einfach hassen, obwohl sie ihr gegen ihren Willen aufgedrängt worden war. Und dennoch … Sie suchte sich selber Mut zu machen. «Er meinte, es wäre ein letzter Ausweg», sagte sie eifrig. «Alles andere habe er schon versucht. Und Vater ist nicht der Mann, der leicht einen Fehler macht.»

«Fen ist sein Sohn. Er liebt ihn. Und er liebt auch dich.»

Um sich vor sich selber zu rechtfertigen, begann sie auf dieselbe Weise zu argumentieren, wie Charles Brooke es ihr gegenüber getan hatte. «Vater sagte, es wäre immer das Geld gewesen. Davon sei alles gekommen. Er meinte, sie hätten Fen zu sehr überwacht, ihn verzärtelt. Und das ist wahr, Bill. Von Anfang an war immer jemand da, der auf ihn aufpaßte. Die alte Agnes wachte über ihn mit Argusaugen …»

Bill lächelte. «Ich möchte wohl wissen, was aus ihr geworden ist. Sie wurde mit Fen immer fertig.»

«Aber das war verkehrt, Bill. Sie ließ ihm keinen Augenblick seine Freiheit. Und dann diese vielen Hauslehrer, die ihn nie allein ließen! Fen war keine Minute frei, bis er Soldat wurde.»

«Der arme reiche Junge! Aber erzähle weiter. Was sagte Onkel Charlie noch?»

«Er meinte, man könne Fen kein Geld anvertrauen. Diese – diese schreckliche Sache mit dem Maklergeld beweise das ja deutlich genug. Er hat die Sache in Ordnung gebracht. Er hat seinen guten Namen und seinen Einfluß dafür eingesetzt. Er hat versprochen, er werde dafür sorgen, daß so etwas nie wieder vorkomme. Er sagte, es sei unrecht von ihm, Fen zu schützen; richtiger wäre es, wenn sein Sohn die Folgen seiner Tat auf sich nähme, wie jeder andere es tun müsse, wenn er Geld entwendet habe. Aber er könne es nicht. Er könne es unmöglich mitansehen, daß Fen vor ein Gericht komme. Natürlich würde er verurteilt werden. Ich weiß nicht, wie Fen so – so leichtsinnig sein konnte, Bill. Aber er hatte sicher das Geld nicht stehlen wollen.»

«Nein», bestätigte Bill. «Nein …»

«Trotzdem – vielleicht ist das, was jetzt geschehen soll, völlig verkehrt.» Fen wird mich hassen, dachte sie wieder. Es kann ja gar nicht anders sein.

Bill schüttelte den Kopf. «Ich bin anderer Meinung. Wirklich, Maggy, mir scheint, Onkel Charlie hat eigentlich recht. Fen hatte niemals eine Möglichkeit, auf eigenen Füßen zu stehen. Aber wie soll Onkel Charlies Plan zur Ausführung gelangen? Ich meine, was soll nun eigentlich praktisch geschehen?»

«Vater will Fen alles erklären. Er wird ihm sagen, er habe selber diesen Plan entworfen und mich gedrängt, meine Zustimmung zu geben. Und wenn etwas passiert, soll ich mich mit Vater telephonisch in Verbindung setzen. Ich bin nichts weiter als sein Sendbote …»

Bill grinste. «Das ist ganz Onkel Charlie. Nur …» Er brach mitten im Satz ab und starrte auf den Tisch. Schließlich sagte er: «Ja, es ist sehr wohl möglich, daß die Sache funktioniert. Onkel Charlie hat eine unheimliche Menschenkenntnis, und sicher kennt er Fen besser als wir beide. Aber was soll werden, wenn der Plan nicht funktioniert?»

«Mir scheint, wir sind dann nicht schlechter daran als zuvor», antwortete sie.

«Und wenn es glückt, wenn Fen einwilligt, dann wird eure Ehe wieder in Ordnung kommen. Das ist offenbar Onkel Charlies Hoffnung.»

«Ja. Das ist es wohl.»

Bill winkte den Kellner heran. «Und du, Maggy? Was hoffst du selber?»

Sie zögerte einen Augenblick, bevor sie antwortete. Sie wußte nicht, was sie eigentlich hoffte. Vielleicht hatte sie in Wirklichkeit überhaupt keine Hoffnung. Aber sie wußte, was sie Charles Brooke versprochen hatte. Der Kellner kam. Bill bezahlte und erhob sich. Dann blickte er auf sie nieder und wartete schweigend auf ihre Antwort. Wieder war sie irgendwie froh, daß er sie abgeholt hatte, wünschte aber gleichzeitig, er hätte es nicht getan.

«Ich habe dich etwas gefragt», beharrte er.

«Ich werde tun, was ich kann, damit es so wird, wie Onkel Charlie es sich vorstellt.»

«Warum?»

Sie bückte sich nach ihrer Handtasche. Sie wollte nicht zu ihm aufblicken, wußte aber selber nicht, warum sie vermeiden wollte, ihn anzusehen. Sie sagte: «Weil ich es Onkel Charlie versprochen habe.»

«Ist das der einzige Grund?»

«Weil Fen mein Gatte ist.»

«Du hast Fen immer geliebt. Schon als Kind. Nicht wahr? Nun schön. Ihr habt jetzt beide eine neue Chance. Wahrscheinlich hat Onkel Charlie recht. Ich kenne Fen so gut wie nur jemand. Vielleicht hatte Fen trotz des Geldes, oder vielmehr wegen des Geldes, keine rechte Möglichkeit zu lernen, wie es im Leben zugeht. Freunde …» Er brach ab und machte ein finsteres Gesicht. Maggy fragte sich, woran oder an wen er denken mochte. An Sloane Pickering? An Joan? Bill fuhr fort: «Aus der Treibhausatmosphäre mit all den kostspieligen Aufsehern, die ihn überwachten, kam er unmittelbar ins Heer, wo niemand ihn vor irgend etwas beschützte, und dann mußte er einen sogenannten Job annehmen, den Onkel Charlie ihm zugewiesen hatte. Wenn er an einer plötzlichen Geistesverwirrung litt, dann wird das vorübergehen und alles wieder in Ordnung kommen. Und wenn du ihn liebst, Maggy, ist es wohl der Mühe wert, daß du das deine tust, ihm zu helfen. Wenn ich etwas tun kann, wirst du mich bereit finden. Und jetzt bringe ich dich zu Lauras Wohnung.»

Sie blickte auf ihre Uhr, und der leichte Druck des Armbandes erinnerte sie wiederum an Charles Brooke. Er hatte ihr die Armbanduhr geschenkt, als sie sich mit Fen verlobte, also kurz vor ihrer etwas überstürzten Kriegsheirat. Es war fast vier Uhr. Sie hatten länger miteinander geplaudert, als ihr bewußt geworden war. Sie hatte jetzt nur noch Zeit, ihre Koffer auszupacken und sich in Lauras Wohnung etwas umzusehen, bevor es dunkel wurde. Sie überlegte einen Augenblick, ob sie nicht in einem Hotel übernachten sollte, lehnte diesen Gedanken aber ab. Sie konnte eine Kolonialwarenhandlung anrufen und vielleicht noch die Waren ins Haus bekommen, bevor der Laden geschlossen wurde. Am Morgen würde sie bei den Stellenvermittlungsbüros anrufen. «Du kannst dort nicht allein hausen», hatte Charles Brooke gesagt. «Bitte eine Freundin, dir Gesellschaft zu leisten. Und nimm dir eine Köchin und einen Butler.»

Wenn sie sich beeilte, hatte sie gerade noch Zeit genug, Simpson abzuholen. Das gab den Ausschlag. Sie entschloß sich, auf der Stelle Lauras Wohnung aufzusuchen. Sie schob ihren Arm durch Bills. «Ich danke dir.»

Er versetzte ihrer Hand einen leichten Klaps. «Schon recht. Wollen wir gehen?»

Während der kurzen Fahrt wechselten sie nur wenige Worte. Bald hatten sie ihr Ziel erreicht. Laura wohnte im obersten Stockwerk eines Hochhauses in einer Wohnung, die auf drei Seiten von Balkons umgeben war. Bis zum 21. Stockwerk unter dem Dach, in dem Lauras Wohnung gelegen war, hatte man kleine Bäume hinaufgeschafft und eingepflanzt. Auch Hecken gab es, Sträucher und Blumen.

«Ich habe Bescheid gesagt, daß du heute kämst», bemerkte Bill, als sie vor dem Eingang vorfuhren und ein flott uniformierter Portier ihr Gepäck in Empfang nahm. «Du wirst also erwartet. Hast du den Schlüssel? Gut.» Er hatte den Motor abgeschaltet. «Ich begleite dich nach oben. Ich möchte mich davon überzeugen, daß alles in Ordnung ist.»

«O Bill … es ist schon spät, und das Büro …» Bill war Architekt. Er arbeitete sehr fleißig und hatte einigen Erfolg.

«Ich denke, ich kann noch fünf Minuten für dich erübrigen», sagte er lächelnd.

Sie kletterte aus dem Wagen, und Bill folgte ihr. Der Portier schritt mit den großen Koffern voran, während Bill zwei kleinere ergriff.

Sie betraten eine geräumige Halle. In einer Nische saß hinter einer breiten Schranke ein hübsches junges Mädchen an einem Schaltbrett. Sie versah offenbar das Amt der Empfangsdame. «Das ist Mrs. Brooke», erklärte Bill.

Das Mädchen begrüßte Maggy mit einem Lächeln. «Wir haben Sie erwartet. Haben Sie einen Schlüssel?»

«O ja.»

«Ich denke, Sie werden alles in Ordnung finden. Wir werden so bald wie möglich einen Mann hinaufschicken, damit er den Balkon säubert und die Markise herunterläßt.»

«Vielen Dank.»

«Falls Sie irgend etwas wünschen» – das Mädchen kritzelte eine Nummer auf einen Schreibblock und riß das Blatt ab – «so rufen Sie, bitte, von der Küche aus an. Dort befindet sich das Haustelephon, das direkt mit meiner Schalttafel verbunden ist. Außerdem hat Miß Brooke ihr eigenes Telephon, das Sie statt des Haustelephons benutzen können. Über diese Nummer hier können Sie mich erreichen.» Sie gab Maggy das Blatt.

«Ich danke Ihnen», sagte Maggy.

Bill schritt zu dem Fahrstuhl voran. Gleich darauf glitten sie lautlos und sanft aufwärts, daß nur ein ganz leichtes Zittern zu spüren war, als sie das oberste Stockwerk erreicht hatten.

Bill nahm einen der Koffer auf. «Kann ich helfen, Sir?» fragte der Liftboy.

«Wenn Sie diese beiden Koffer nehmen wollen», erwiderte Bill.

Maggy schritt voran. In dem mit einem blauen Teppich ausgelegten Hauptgang herrschte lautlose Stille; man hätte meinen können, die wenigen Türen zu beiden Seiten des Ganges wären noch nie benutzt worden. Nach wenigen Schritten bogen sie in einen schmaleren Gang ein und standen kurz darauf vor einer schönen Tür aus Teakholz. Maggy schob den Schlüssel ins Schloß.

Als die Tür sich öffnete, umfing sie ein schwaches Dämmerlicht. «Die Vorhänge und Jalousien sind geschlossen», sagte der Liftboy.

Als Bill das Licht eingeschaltet hatte, wurde eine kleine, aber sehr elegant eingerichtete Diele sichtbar. Von ihr führten Türen nach allen Richtungen.

«Soll ich das Gepäck in Miß Brookes Zimmer tragen?» fragte der Liftboy. Maggy nickte. Er schritt voran und führte Bill und Maggy in ein überraschend großes Schlafzimmer, dessen Vorhänge geschlossen waren. Der Liftboy schaltete das Licht ein, und Bill zog die Vorhänge zurück.

Dann zog der Liftboy ab und schloß die Tür hinter sich. Bill sagte: «Es wird dir hier gefallen, Maggy. Warte nur, bis die Schutzdecken herunter sind.» Er befreite erst den Diwan und dann einen zierlichen Sessel von ihrer Umhüllung. «Laura hat Geschmack», meinte er anerkennend. «Aber warum nimmst du nicht den Hut ab und ziehst die Handschuhe aus, Maggy? Du sollst doch hier wohnen.»

Sie gehorchte und blickte dann auf das Blatt Papier mit den Telephonnummern, das das Mädchen ihr gegeben hatte. Sie las sie, vergaß sie aber sofort wieder. Bill faltete sorgfältig eine Staubdecke zusammen und bemerkte: «Jedenfalls wirst du für eine Weile hier bleiben. Und wenn du dich wegen Fen entscheidest … Weißt du, Maggy – ich möchte, daß du meine Frau wirst.»