Schelmpflicht - Willy Astor - E-Book

Schelmpflicht E-Book

Willy Astor

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9,99 €

Beschreibung

Willy Astor ist einem breiten Publikum seit über 25 Jahren als Sänger, Musiker, Comedian und begnadeter Wortspieler bekannt. In seinem neuen Buch zeigt er mal wieder sein ganzes Können und beglückt wie schon im Vorgängerband »Unverrichter der Dinge« den Leser mit einer wunderbaren Mischung aus Geschichten, Gedichten und Zeichnungen. Es ist eine Freude, diesem hintersinnigen Oral-Apostel in seinen Silbensee nachzuspringen. Folgen Sie dem Astor-Transport in sein At-Home-Kraftwerk und genießen Sie zusammen oder alleine feine Reime des Wortklabautertiers.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 63

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Willy Astor

Schelmpflicht

Wortspiel ist Reinmeingebiet

 

 

 

 

 

Verlag Antje Kunstmann

 

 

 

 

 

 

Zirkus Linguilly

Herrrrreinspaziert meine Damen

und Herren!

Nur hier drehn sich die Worte im Kreise

zur Schelmei

Sie ringen Ihrem Komprendorium

artistische Feuchtübungen ab.

Werden Sie persönlich Zeuge

wie Ihr eigenes Hirn aus den Fugen gerät

ob solch virtuoser

Ambiguität!

Hören Sie selbst wie Ihr Herz jubiliert

in ganz und gar verhexten Texten!

Gebannt erleben

was sich verwegen abgefeimt reimt.

Schafft es das Wort?

Schnell muss man’s erhaschen,

sonst ist es fort,

vom Heureka zum Edeka!

Hei, wie die Logik sich biegt und windet

Konfusion? Allusion?

Nur hier steht der -ismus mit »dada« in

der Bütt.

Hoch schwingen die Silben ohne Netz und

doppelten Boden! Trommelwirbel!

Konsonanten und Vokale vorm salto mortale!

Applaus, Applaus!

Die Spannung steigt:

werden die Zungen letztendlich doch

brechen? Sensationell!

Das gibt’s nur einmal:

ein R rollt rollig über ein doppeltes T!

Das muss man gesehen haben!

Das kommt nie wieder!

Herrrrreinspaziert Damen! Servus die

Herrn!

Noch ist das letzte Wort nicht gebrochen!

Begegnen Sie atemlos

Ihrer eigenen Maulaffenfeilheit!

Gerhard Polt

 

Mit Adam und Efeu hat alles begonien

Wenn es auf der Welt nur noch eine einzige Blume gäbe, jetzt nur mal anemonen, dann wäre das bestimmt so eine Art Rose. Ich mein, wenn es so weit käme, können wir uns alle einpetunien.

Wenn die Blumen verduften, blüht uns was.

Jetzt werden Sie sagen, was sind denn das jetzt wieder für Chrysenthemen, mit was philo denn drohn? Keine Panik auf der Botanik! Ich bin hier der Forsytiender und begrüße alle Leser und jetzt natürlich auch Ole andern.

Ich holunder meinem Schreibtisch öfter mein Diblum heraus, denn ich liebe Blumen!

Am liebsten mag ich die Calla. Ich habe schon oft zu Geburtstagen eine mitgerberacht.

I love Calla. Calla a love – aber ich mag a Riten.

Es gibt nichts Schöneres, als eine Blumenwiese – hier ’ne Blume, dotter Blume.

Wenn Blumen zu lange aufbleiben, dann gähn’se und es gibt auch welche, die man essen kann. Schmecken aber eher flau, komplett abraten möchte ich von Englischen Blumen, die schmecken sogar noch Flower. Wobei es da ein gutes Rezept gibt von Jamie Oliver, der kauft ja seine Blumen im Londoner Blumenladen von Boris Becker!

Der Boris hat einen guten Spruch für seine Floralienhandlung:

Schöne Blumen, frisches Laubkauft man ein bei Samen Raub.

Ich stehe ja jeden Morgen meistens mit dem rechten Fuß auf. Heute hab ich meinen Tag aber anders begonien, weil ich mir vorgestellt hab, wie das wäre, wenn ich heute früh links anfang.

Der Frühlingsanfang ist was Schönes, hokus krokus, in den Winter gibt es kein Zurück mehrrien ne va blüh. Januar, Februar, März, April – vergiss Mai nicht, die Bäume bekommen ihr Kleid, bis auf einen, der kriegt Hosen, der Buxbaum.

Ich weiß ja nicht, ob meine Pointen hyazünden, dafür gebe ich hier keine Geranientie, aber immer wenn ich an den Frühling denke, könnte ich glatt johlen.

Der Lenz ist der Mercedes unter den Jahreszeiten. Zeit zu verreisen, z.B. nach Pollen… Auf diesen Vorschlag reagieren manche allergisch. Oder kennen Sie Dahlien?

Der Frühling macht mich naturbreit, meine Hormone haben Gesellschafterversammlung und es kommt stündlich zu einer Ausschüttung, hey, ich steh voll im Saft und von dem Saft, da trink ich im März n’ Becher. Und wie die Erde riecht – humusexuell.

Schaun Sie sich die Verliebten an, wiese spazieren gehen, und ich könnt die ganze Zeit was aushecken. Thuja auch.

Warum denn nicht einer hübschen Frau in der U-Bahn spontan zeigen, dass man sie gern hat und sie morgens um halb sieben im Mittelgang mutig ansprechen: »Oh, schau mir in die Iris, du scharfer Hahnenfuß, lass uns die Lavendeltreppe der Liebe besteigen, du efeublättrige Gundelrebe, lass mich der Aronstab in deinem Goldmund sein, deine Kelchborsten bürsten und die Fruchtkapsel deiner Ranunkel aufsprengen! Zeig mir dein Buschwindröschen … und wenn du willst, treffen wir uns in zehn Minuten oben bam Bus.«

Es sind ja auch schon Blumen nach Prominenten benannt worden, wie zum Beispiel nach Michael Jackson, wahrscheinlich weil er noch vor seinen Umbaumaßnahmen Löckchen hatte – früher hatte der Mike Löckchen.

Und als Abschlusstipp: Wenn Sie nachts kein Auge zu tun, stellen Sie sich Schlafmohn ans Bett, da weißt du, was du hasch.

PS: der Wikingergott Odin hat seiner Frau nach jeder Reise ein Büschel Raps mitgebracht – sie freute sich: »Oh, bringst du mir schon wieder Raps Odin!«

 

Sechszylinder

Ein Inder hat oft Sex als Zieldas ist lang schon erwiesentrotzdem wolln sie immer noch mehrSexzielinder gießen

Als die Telefone noch Schwänze hatten

Der Traum eines jeden Musikers ist ja die Hoffnung, in seinem Leben ein paar Hits zu landen.

Ich selbst hatte ja auch schon, also im Sommer hab ich immer eine wahnsinnige Hitz.

Meine Hits hatte ich immer schon auf Kassetten aufgenommen und die dann an Plattenfirmen geschickt, welche antworteten: »Super, bitte rufen Sie uns nicht mehr an.«

Ich hab überall Kassetten hingeschickt.

Kassetten, das ist ja heute old fashioned. So was von old school und dagewesen, nennen Sie mich ruhig ewiggestrig, nostalgisch, aber es hatte jedoch was Befriedigendes, ein Format, welches die jungen Leute von heute kaum mehr kennen.

Zwischen mir und der Kassette war eine Beziehung, ich nenne es das Band der Freundschaft.

Jedoch fangen jetzt sicher manche Augen an zu glitzern, wenn sie daran denken, wie sie damals eine frische Chromdioxid-Kassette entfolierten, um sie dann dem hungrigen Kassettenschacht zuzuführen.

Aber vorher wurde der rechte Zeigefinger in das kleine Loch gesteckt, um nach circa sechsmaliger Drehung des Plastikzahnrades den schwarzen Kassettenbandwurm herauszulocken, damit bei der Aufnahme auch ja das Intro von Hotel California nicht angeschnitten war.

Dann das Procedere des Recordings: Pausentaste drücken, dann Record- und Playtaste gleichzeitig runter, Pausentaste lösen – aaaah!

Los ging’s. Riskant: Radiosendungen, die z.B. Thomas Gottschalk moderierte, wie Pop nach 8. Nicht selten hat er irgendwie ins Gitarrensolo reingequatscht –dann war die Kassette quasi für die Katz, und alles begann von vorn.

Damals hat man sich aber auch wirklich noch mehr Mühe gegeben, es hat oft vier, fünf Stunden gedauert, bis eine Kassette mit individuell zusammengestellten Hits fertig war zur Verschenkung an einen besonderen Menschen. Ich habe gute Mixkassetten aufgenommen zum Verschenken, einen bunten Blumenstrauß beliebter Melodien, beginnend mit »Highwaystar« von Die Pörpel, danach »Ja, mir san mit’m Radl da« von den Lustigen Moosachern, gefolgt von »Spanish Eyes« oder »Black Betty« von Ram Jam.

Damals bin ich mit meinen Eltern zusammen aufgewachsen, es war eine Zeit, in der die Welt noch nicht so weit entwickelt war. Eine epochale Epoche, in der Telefone noch Schwänze hatten welche in Wände hinein verschwanden.

Es gab ja auch nicht mal eine reale Zukunft, was daran lag, dass die Erde noch eine Scheibe war. Mein Kinderwagen hatte noch viereckige Räder aus Stein, meine Schulzeit war die Kreidezeit, als Süßigkeiten gab es Baum rinde zum Lutschen – man hatte noch ein Harz für Kinder.

Auf dem Schulhof gab es noch keine Designerdrogen, als Pausenbrot begnügte ich mich mit einer braunen Apfelspalte und aß Butterbrot aus dem Cellophanpapier heraus, was ich monatelang noch als Hausaufgabenheft nutzen musste.

Ich habe meinen Eltern sehr viel Arbeit abgenommen und auch vieles gern gemacht.

Die meisten Zeugnisse hab ich selber unterschrieben, weil ich dachte, meine Eltern sind so unmusikalisch, die können keine Noten lesen.