Schluss mit Sorry! - Rebecca Vogels - E-Book

Schluss mit Sorry! E-Book

Rebecca Vogels

4,9

Beschreibung

Lisa ist glücklich. Auch wenn ihr Freund Alex eigentlich das komplette Gegenteil von ihr ist. Doch genau das bewundert sie an ihm - bis er kurzerhand den Heiratsantrag seiner Kindergartenfreundin annimmt, die mit gemeinsamer Wohnung, Medizinstudium, Spinat-Sellerie-Saft und Stöckelschuhen aufwartet. Das stellt Lisa vor schwerwiegende Fragen: Ist Sex doch wichtiger als Schlafen? Welche Außenwirkung haben bekleckerte Erdbeernachthemden und Nackenkrausen, und hilft Rauchen auf dem Balkon, um endlich wieder den Durchblick zu bekommen? Und - verflixt - wie, bitte schön, wird man bindungsfähig?

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ISBN eBook 978-3-359-50053-7ISBN Print 978-3-359-02493-4

© 2016 Eulenspiegel Verlag, BerlinUmschlaggestaltung: Verlag

Die Bücher des Eulenspiegel Verlagserscheinen in der Eulenspiegel Verlagsgruppe.

www.eulenspiegel.com

Rebecca Vogels

Schlussmit Sorry!

Ein Lisa-Haubenstädt-Roman

Eulenspiegel Verlag

Über das Buch

Lisa führt auch ohne gemeinsame Wohnung und Trauschein eine glückliche Beziehung mit Alex. Glaubt sie. Denn als Alex von seiner Buddelkastenfreundin einen Heiratsantrag erhält, verlässt er Lisa kurzentschlossen für die sichere Aussicht auf Ehe und Familie. Natürlich will Lisa Alex zurückerobern. Aber wie wird man bindungsfähig, wie baut man Vertrauen auf? Und wann weiß man, dass man den Mann fürs Leben gefunden hat? Ihre Freundin Henni unterstützt Lisa und gibt ihr Unterricht in Sachen »Beziehung«. Und dann ist da noch Nachbar Thomas, der Lisa zur Relationship-Akademie begleitet, mit ihr auf inszenierte Hochzeiten geht und ihr bei einer indischen Aneinanderbindungszeremonie sprichwörtlich den Kopf verdreht. Mit Nackenkrause und unerschütterlicher Willenskraft versucht Lisa, doch noch ihre Angst vor einer langfristigen Bindung zu besiegen …

 

Über die Autorin

Rebecca Vogels, geboren 1984 in Bonn, promovierte an der Universität der Künste in Berlin und der Harvard University. Sie ist Co-Founder und Editor-in-Chief der Agentur Pfiff Media und schreibt u. a. Moderationstexte fürs Fernsehen, arbeitet als Autorin und twittert unter @schlussmitsorry aus dem Leben ihrer Protagonistin Lisa Haubenstädt. Rebecca Vogels lebt mit ihrem Mann und der Zimmercalla Martha Steward in Wien, ist im Herzen aber Rheinländerin. »Schluss mit Sorry!« ist ihr Romandebüt.

Kapitelübersicht

Ein bullig heißer Mann

Traue keiner, die nach einem Spinat-Sellerie-Saft pappsatt ist

Wenn pestizidfrei angebaute Äpfel auch nicht weiterhelfen

Allergie auf Tempos

In dem ich aussehe wie Derrick

Im Namen der Schere, Teil 1

Shitty-ish

So’n bisschen J. K. Rowling

Warum Fleischwurstbrötchen peinlich sind

Eine Magen-Darm-Grippe macht noch keinen Beziehungsprofi

Schiesser-Comfort-Schlüpfer

20 % auf alles!

Zu alt für den Mann des Lebens?

I <3 Friends

DIY Relationship-Therapie

Und im Bett?

Selfie mit Nackenkrause

Polygamie rein theoretisch

Das Modegetränk-Opfer, ihre Freundinnen und ich

Ich heirate und bekomme plötzlich +4 Dioptrien

Ich bin kein Schwamm!

Im Namen der Schere, Teil 2

Josh: Zum ersten Mal in meinem Leben fühle ich mich nicht länger so wie ein Kind, das einen Erwachsenen imitiert.

Cornelia: Du fühlst dich auch so?

Noah Baumbach, »Gefühlt Mitte Zwanzig«

»Sorry, ist das Kaffee? Sorry, das ist meine Schuld!«

Amy Schumer, »Inside Amy Schumer«

Ein bullig heißer Mann

Schlaf ist der neue Sex.

Wo habe ich das nur schon mal gelesen? Mein Gedächtnis ist nachts um drei wirklich nicht das beste. Aber egal, wer das geschrieben hat, er hat recht. Jeder sehnt sich nach Schlaf, jeder will mehr Schlaf und eigentlich bekommt jeder immer zu wenig Schlaf. Der große Unterschied zwischen Schlaf und Sex ist nur, dass Schlaf alleine mehr Spaß macht.

Zumindest mir. Lisa Haubenstädt, einunddreißig Jahre.

Ich gehöre zu den Frauen, die nachts neben ihrem Freund einfach nicht schlafen können.

Und deshalb sitze ich auf der Couch in Alex’ Wohnzimmer und sehe Harald Glööckler bei seiner Morgentoilette zu. Ich finde, mit dem ganzen Make-up sieht er eher aus wie der Glööckler von Notre-Dame, aber vielleicht ist es nur mein übermüdetes Unterbewusstsein, das da spricht.

Wenn ich ehrlich bin, ist nicht nur Alex schuld an meiner Bettflucht. Auch wenn ich allein bin, habe ich den Schlafrhythmus eines von Koliken geplagten Säuglings. In meinem Italienischkurs ist eine, die kann nur einschlafen, wenn Bibi Blocksberg in ihrem Schlafzimmer herumhext. Und meine Cousine liegt nachts stundenlang wach, weil sie bei sich dauernd fürchterliche Krankheiten diagnostiziert. Manchmal schreibt sie mir in der vollen Überzeugung, sie hätte einen Hirntumor, eine Thrombose oder eine plötzlich auftretende tödliche Allergie gegen ihre Bettwäsche. Ihre Nachrichten beginnen immer gleich: »Dieses Mal ist es wirklich ernst …«

Aus dem Schlafzimmer höre ich Alex leise grunzen. Dann schmatzt er und danach kommt ein leises, versöhnliches Atmen. Seit drei Jahren sind Alex und ich schon zusammen. Ich liebe ihn wirklich sehr. Zumindest tagsüber. Nachts ist das komplizierter. Dann verwandelt sich sein gut trainierter Männerkörper in eine hitzeausstrahlende, schnarchende Masse, die sich in wenigen Minuten neunzig Prozent des Bettes bemächtigt. Manchmal versuche ich, neben ihm einzuschlafen, aber mit einem bullig heißen Mann in nächster Nähe, der mit seinem Schnarchen ganze Regenwälder zersägt, kann ich eigentlich auch gleich wachbleiben und meine Steuererklärung machen. Und wenn ich sage »Steuererklärung machen«, dann meine ich »Fernsehen gucken«.

Neben Alex zu schlafen ist ein Kampf, den ich nur verlieren kann. Der Trostpreis ist Alex’ Ledersofa im Wohnzimmer, das mir auch diese Nacht wieder Zuflucht bietet.

Das Schlimmste an meiner Nachtaktivität ist, dass winzige Probleme plötzlich so riesengroß und unüberwindbar erscheinen wie ein Achttausender. Hat man tagsüber ein neues Muttermal am Arm entdeckt, hat man nachts um drei Hautkrebs. Metastös, versteht sich. Hat man nachmittags eine kleine Auseinandersetzung mit dem Freund, wird daraus rückblickend ein Streit, bei dem man die ganze Beziehung infrage stellt: Passen wir eigentlich wirklich zusammen? Woher weiß ich, dass er wirklich der Mann fürs Leben ist? Und will ich mit jemandem alt werden, der mich jede Nacht auf ein Ledersofa verscheucht, das die Farbe von einem knusprigen Brathähnchen hat?

Heute Nacht liegt die Frage »gemeinsame Wohnung: ja oder nein?« so mächtig vor mir wie der Nanga Parbat.

»Denk doch mal an die Miete, die wir da sparen!«, hat Alex beim Abendessen gesagt.

Er hat ja recht mit der Miete. Aber bei mir verursacht das Thema Kopfschmerzen. Die Sache ist nämlich die, dass die gemeinsame Wohnung für Alex nur der erste Schritt eines wohldurchdachten Lebensplans ist. Der Wohnung sollen Heirat, Kinder (drei bitte, zwei Mädchen und ein Junge), ein Ferienhaus in Mecklenburg-Strelitz und Sitzungen beim Paartherapeuten folgen.

»Sitzungen beim Paartherapeuten?«, habe ich verwundert gefragt.

Aber Alex ist ein Pragmatiker, der selbst zukünftige Probleme einplant. Er begleitet seine Freundin zu einem »Ich-will-wirklich-nur-ganz-kurz-mal-gucken«-Ausflug zum nächsten Schuhgeschäft wohlweislich mit einer Packung Kekse. Er weiß, nur eins ist schlimmer als eine Frau, die gerade herausgefunden hat, dass es ihre Lieblingsstiefeletten nicht in ihrer Größe gibt: eine hungrige Frau. Also nicht, dass ich »Lieblingsstiefeletten« hätte. Ich habe nicht mal normale Stiefeletten. Ich trage seit Jahren meine heißgeliebten Sneakers und das aus Überzeugung.

So ist Alex. Zuvorkommend, organisiert – und ganz anders als ich. Ich gehöre zu den Frauen, die zu Saturn gehen, um Staubsauger-Beutel zu kaufen, und dreißig Minuten später mit »Fack ju Göhte« auf DVD wieder rauskommen. Mir gefällt, dass Alex so reflektiert ist. Aber mitunter versetzt mich sein Lebenskonzept in Panik, und deshalb sind wir noch nicht mal bei Punkt eins angekommen: der gemeinsamen Wohnung.

Lisa Haubenstädt, so wird das nie was mit dem Einschlafen! Vielleicht muss ich heute wieder zu meiner Notwaffe gegen Schlafstörungen greifen: Unerwünschte Gedanken durch Nahrungsaufnahme zu vertreiben, klappt bei mir immer. Diese mechanische Bewegung des Kauens hat irgendwie was Meditatives. Oder aber es liegt am Sauvignon Blanc, der meine Mitternachtsmahlzeiten begleitet.

Ich gehöre nicht zu den Frauen, die sich stundenlang darüber aufregen, dass der Barista bei Starbucks die Milch mit 3,5 Prozent Fett in ihren Skinny Latte gekippt hat. Meine Gelassenheit liegt aber nicht daran, dass ich etwa superschlank wäre und solche Gedanken gar nicht nötig hätte. Im Gegenteil: Erst neulich hat mir in der Straßenbahn eine alte, gebrechliche Frau ihren Sitzplatz angeboten in der Überzeugung, ich wäre schwanger! Ich habe mir einen Kommentar verkniffen und mich damit getröstet, dass sie stehen muss, während ich es mir bequem mache. Als sie dann aber noch meinen Bauch anfassen wollte, dessen Inhalt sich auf mein Mittagessen mit Miso-Suppe, zwölf Lachs-Maki und einer verschrumpelten Litschi beschränkte, reichte es mir.

Trotz dieses Vorfalls glaube ich fest daran: Man kann entweder Low-Carb essen oder glücklich sein. Beides geht nicht. Und ich habe mich schon vor längerer Zeit für Mitternachtsmahlzeiten entschieden. Außerdem fühle ich mich spätestens seit Lena Dunhams Babyspeck und Amy Schumers Speckröllchen mit meiner Figur gesellschaftlich völlig akzeptiert.

Zwei Pizzastücke und ein Glas Weißwein später spukt mir der Gedanke ans Zusammenziehen immer noch im Kopf herum. Warum will ich das eigentlich nicht? Vielleicht, weil ich glücklich bin, so wie es gerade ist? Mit getrennten Wohnungen, unverheiratet und mit meinen Übernachtungen auf Alex’ Sofa? Oder weil ich meine eigene Wohnung nicht aufgeben will?

Es ist nicht so, dass ich plane, dort für die nächsten zwanzig Jahre zu leben. Nein, ich plane, dort für immer zu leben! Ich finde nämlich, meine Wohnung ist meine nach außen gekehrte Persönlichkeit.

Das bin ICH in meiner Wohnung!

Wo sonst kann ich den ganzen Tag im Schlafanzug herumlaufen, abends beim Chinesen ein Lo Mein bestellen und mit fünf Folgen »Tatortreiniger« auf der Couch versacken? Wo sonst kann ich während der Werbepausen im Fernsehen meine Kniebeugen-Übungen machen? Es ist keiner da, den es stört, wenn ich das dreckige Geschirr mal zwei Tage stehen lasse. Und ich kann ungeniert auf dem Klo die Süddeutsche Zeitung lesen. Solche Lisa-Tage brauche ich. Und schade ich damit meiner Beziehung, dass ich das in meinen eigenen vier Wänden tun will? Ganz im Gegenteil!

Wenn Alex unbedingt eine Dokumentation über »Die Solarmenschen auf Tokelau« auf Arte gucken will und ich lieber sehen will, wen sich Ziegen-Walli bei »Bauer sucht Frau« aussucht, warum soll dann einer von uns sein Interesse aufgeben? Es ist doch viel gesünder für eine Beziehung, wenn man sich anschließend einfach noch auf ein Glas Wein trifft. Oder etwa nicht?

Als ich Alex kennenlernte, hielt er mich für eine Frau, die sonntags die ZEIT liest, danach in eine Gerhard-Richter-Retrospektive geht und sich abends ein Konzert in der Philharmonie anhört. Aber nicht Mozart oder Beethoven. Sondern irgendwas Abgefahrenes. John Cage vielleicht. Oder Karlheinz Stockhausen. Wenn ich ihm damals erzählt hätte, wie meine Sonntage tatsächlich ablaufen, wären wir wahrscheinlich nie zusammengekommen. Denn der ideale Sonntag heißt für mich: lange schlafen. Noch länger frühstücken. Regina Spektor hören. Wieder zurück ins Bett gehen. Die Süddeutsche lesen und mir dreiminütige Kochund Reise-Videos angucken. Irgendwann zwischen 16 und 18 Uhr beim Pho-Restaurant nebenan eine Nudelsuppe essen. Abends »Orange is the new black« auf Netflix gucken. Das ist ein Sonntag!

Also nicht, dass man jetzt denkt, ich wäre so eine Flachpfeife, die den Unterschied zwischen McChicken und Macbeth nicht kennt! Ich bin sehr stolz auf meine Diplomarbeit zum Thema »Die Rezeption von Bertolt Brechts epischem Theater in Kanada, 1970–75«, aber ich habe mich entschieden, trotzdem am Leben teilzuhaben. Anstatt mich mit Fragen wie »Wie verhält sich Ästhetik zu Transzendenz? « zu beschäftigen, interessiert mich einfach mehr, welches Häkel-Startup diese Woche in der »Höhle des Löwen « antritt.

Vielleicht macht es der Sauvignon Blanc, dass ich schließlich der festen Überzeugung bin, getrennte Wohnungen verbessern unsere Beziehung.

Wieso sollte man sich zwanghaft zu einem dieser Paare machen, die symbiotisch vor sich hin vegetieren? Ich bin doch kein Pilz, der auf einer Baumrinde lebt! Überhaupt ist es vermutlich nur eine Frage der Zeit, bis getrennte Wohnungen gesellschaftlich als Ideal einer Beziehung anerkannt werden. Und wahrscheinlich titelt »Psychologie Heute« schon bald: »Getrennt wohnen ist das neue Zusammenziehen.«

Traue keiner, die nach einem Spinat-Sellerie-Saft pappsatt ist

Ich habe einen tollen Freund und ein unmögliches Nachthemd. Das wird mir mit Schrecken bewusst, als ich am nächsten Tag in meinem Erdbeer-Nachthemd auf dem Sofa aufwache. Während ich noch träumte, hat Alex bereits Frühstück gemacht und klappert in der Küche mit Geschirr. Es riecht nach frisch gebrühtem Kaffee und nach Aftershave.

»Ich beneide dich, dass du einen Mann hast, der den Unterschied zwischen einem Hemd und einem Unterhemd kennt«, sagt meine Freundin Henni immer. Damit hat sie recht: Alex gehört zu den Männern, die nicht nur kulturell wertvollen Freizeitbeschäftigungen nachgehen, sondern auch wissen, wie man sich gut anzieht.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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